Indiana Tribüne, Volume 29, Number 42, Indianapolis, Marion County, 12 October 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, 12 Oktober 1005
Getilgte Schuld
IN o m a n von Johannes Emmer )0 0-0000 c (Fortsetzung.) m jujenn bie Unterhaltung englisch geführt werden muß, dann steht es schlecht sagte ein Preinierleutnant. Das bischen Kenntniß von der Schule her ist schon längst verdunstet." Wir blamiren uns schauderhaft.bestätigte ein Anderer. Wie ist's denn bei Xu. Glockthurn?" Verstehe kein Wort! Außer französisch, womit wir gedrillt wurden, habe ich noch russisch getrieben, und da blieb keine Zeit mehr für etwas Anderes. Ist mir aber ganz egal, es gibt ja ein Volapük für Tamen!" Ein Unteroffizier war herzugekommen und hatte einem der Herren eine Meldung erstattet. Glocktburn rief jetzt diesen an. Lehmann, Sie sind ja ein findiger Patron. Haben Sie schon die Fremden gesehen, die draußen die Villa gemiethet haben?" Zu Befehl!" Sehen Sie 'mal zu. daß Sie herausbekommen, ob sie deutsch sprechen." Zu Befehl, die Damen sprechen sehr gut deutsch!" Alle Wetter, woher wissen Sie das?" .Habe selbst mit den Damen gesprochen." Na, da haben Sie aber ein unverfchämtes Glück. Wie kam das?" Gestern Abend begegnete ich der Gesellschaft, und da redete mich die eine der Tamen an." Was wollte sie denn?" Sie stellte nur so komische Fragen, wollte wissen, ob bei uns die Leute wirklich grausam gehalten würden. .Nanu.' sagte ich, Menschenfresser sind wir doch nicht!' Aber der .Dienst sei doch hart, meinte sie, und es muss: wohl einem feinen Menschen schwer werden, und was dergleichen Redensarten mehr. Zuletzt fragte sie, ob ich meine Leule recht gut behandle. Wenn die Kerls parirten, fazte ich, und keine Schmierfinken seien, dann hätten sie es ganz gut. Na, und dann sagte sie, ich solle ja recht menschenfreundlich sein und nicht zu strenge, und sie würde sehr dankbar dafür sein,' und " Na, dann gab es wohl etwas?" fragte Glockthurn. . Zu Befehl!" Gut, Sie können gehen, Lehmann." Glockthurn wandte sich an die Ka'meraden. Was meint Ihr dazu?" Scheint wohl eine humanitätsduselige Miß zu sein," murrte der mißtrauische Premierleutnant. Kümmert sich um Dinge, die sie nichts angehen." Hm, ich denke, sie sucht Fühlung, rekognoszirt das Terrain. Gutes Zeichen. Pst! Da kommen sie." Die Offiziere traten etwas zurück und ließen die Flamen vorüber; Leutnant v. Glockthurn nahm sich natürlich heraus, zu grüßen. Miß Snyders achtete doch zu sehr die heimischen Regeln der Gesellschaft, um den' Gruß eines nicht Vorgestellten" zu erwidern, jedoch ihr Auge dankte und zwar in eine? Weise, daß der junge Leutnant roth vor Stolz und Vergnügen wurde. Kapitän Fergus schritt auch diesmal hir terher, den Kopf hoch und geradeaus auf die gegenüberliegende Hauswand schauend, nicht ein Blick fiel auf die Offiziere, so daß der eine Premierleut nant ärgeri ch bemerkte: Ein unverfchämter Mensch! Es juckt Einen förmlich, nv4, dem Kerl anzubinden!" Verdirb uns nicht das Spiel." rie? ihm Glockthurn zu, wir müssen nun einmal diesen Vetter mit in den Kauf nehmen." M, dann nimm ihn für Dich!" war die Antwort. Man- lachte und ging auseinander: roll Hlzsfnungen uno Erwartungen fdx den nächsten Tag, wie man einander ' versicherte. Auch unter guten Freunden und den besten Kameraden gilt leider der Satz, welchen' der naive Bolksmund der Gebirgler'in die Verse einkleidete: A bis! a Lieb, und a bis! a Treu, und a bis! a Falschheit is allweil dakei." Ganz zufällig natürlich kam Leutnant Glockthurn auf die Stube des Unteroffiziers Lehmann, und so nebenher fiel ihm ein, zu fragen, ob Lehmann vielleicht eine Ahnung habe, wann und wohin die englischen Damen spazieren gingen. Lehmann hatte in der That eine Ahnung und theilte sie pflichtgemäß, dem Leutnant mit, fügte aber den fatalen Nachsatz hinzu: Die anderen Herren haben mich auch schon darnach gefragt." In der That sah man gegen sechs Uhr einen der Offiziere nach dem anderen zu Pferde auf dem Weae erscheinen, der im Westen des Städtchens zwischen Feldern und Gärten nach einigen lleinen Waldbeständen führte, welche einzelne Bodenwellen krönten. Man that erstaunt über das nicht verabredete Zu fammentreffen. ärgerte sich im Stillen und lachte schließlich. Jetzt fehlt nur noch Glockthurn," bemerkte einer der Herren, ich wette, er wird gleich in Karriere dccherkommen." Diesmal irrte sich der Kamerad, Glockthurn kam nicht, ebensowenig aber zeigten sich die Fremden.
Der Leutnant ryar mit einigem Recht ärgerlich darüber, daß die Anderen auf denselben Gedanken gekommen waren, was dessen Güte erheblich beeinträchtige. Als er daher ausritt. schlug er absichtlich einen anderen Weg ein, um wenigstens ungestört darüber nachsinnen zu können, wie später den Anderen ein Vorsprung abzugewinnen wäre. Das launische Glück sollte diesmal seine Selbstverleugnung belohnen. Er ritt eben auf einemschmalm Feldweae neben einem kleinen Wasserlaufe dahin, als er plötzlich die beiden Damen sich entgegekommen sah. Eine solch' unerwartete Gunst des Zufalls nicht auszunützen, wäre unzweifclhaft ein Verbrechen gewesen, dessen Leutnant v. Glockthurn nicht fähig war. In scharfem Trab ritt er vorwärts, bis er etwa zehn Schritte vor den Tamen an einer Stelle, wo der Steig hart cn dem Wasserlaufe hinführte, das Pferd
parirte und aus dem Sattel sprang. Dann drängte er das Roß etwas in das Ackerfeld und legte nun grüßend die Hand an die Mütze. Verzeihung, meine Tamen. daß ich den Weg beenge; befürchten Sie jedoch nichts, Mustapha ist fromm." ' O, ich fürchte nicht Pferde. WaZ für ein feines Thier!" Miß Snyders hatte mit leichtem Neigen den Gruß erwidert und dann lächelnd diese Worte gesprochen. Gestatten die Damen, daß ich mich vorstelle: v. Glockthurn." Wieder ein kurzes Neigen und ein schalkhaftes Lächeln. Müssen wir auch unsere Namen nennen?" Der Leutnant lachte fröhlich: Nein, meine Damen, ich bin bereits orientirt. wie Ihr Scharfsinn es errieth. Sie 'nteresssren sich für Pferde, meine Gnädige?" setzte er hinzu, da Miß Mabel den Hals Mustaphas streichelte. Ich liebe sehr das Reiten." Und zu der Freundin sich wendend: Es ist scbade, Lucy, daß wir unsere Pferde nicht mitnehmen konnten." Gestatten Sie mir, Ihnen meinen und meiner Kameraden Stall zur Verfügung zu stellen? Es wird uns kolossal freuen, den Damen unsere Dienste widmen zu ürfen." Sie sind sehr liebenswürdig, mein Herr!" Abgemacht also! Morgen lasse ich Ihnen meinen Harold bringen, und für Fräulein Lucy wird Rainthal seine Favorita satteln. Befehlen Sie nur, zu welcher Stunde!" Er hielt Miß Snyders die Hand hin, in welche sie nach einigem Zögern die ihre legte. Ich danle Ihnen sehr. Sagen wir sieben Uhr, Lucy. nicht? Paßt Ihnen diese Zeit, mein Herr?" Ganz zu Ihren Befehlen, meine Damen! Der Herr Oberst muß mich morgen vom Dienst beurlauben " Wird er dies thun? Ist er auch ein liebenswürdiger Mann?" 'Gewiß, mein Fräulein." O, das freut mich zu hören. Aus Wiedersehen, mein Herr!" Sie nickte ihm zu und schritt vorw'ärts, Lucy folgte ihr. Leutnant Glocktburn war zwar nicht sehr erfreut über diese rasche Beendigung der Unterhaltung. mochte vielleicht auch im Stillen gehofft haben, daß er die Da men werde begleiten können, mußte sict aber fugen, wollte er nicht auförmglia' erscheinen. Immerhin durfte er mit seinem Erfolge zufrieden sein. Sc stieg er denn ziemlich vergnügt wieder in den Sattel und trabte auf dem nach sten Wege dem Städtchen zu, um schleunigst Damensättel, zu besorgen. Als die Kameraden etwa einc Stunde sv'.ter heimkehrten, stand Glockthurn vor seinem Quartiere und ließ sich von ftinem Burschen den Goldfuchs Harold vorreiten, dem ein Darnesii eitel aufgelegt war. Was zum Kuckuck soll dies bedeuten?" rief n.an ihm lachend zu; de: Ulan als Dame bot einen komischer, Anblick. Nur eine Probe; will sehen wie Harold als Damenpferd geht. Morgen früh will Miß Snyders ihn reiten. Avrovos. babt Xhr Raintbal nickt 5k' seyen 5 ist mfe seine Favorna für Miß Lucy hergeben. Es ist kaum eine Stunde her. daß ich dies mit den Damen abmachte." Höre 'mal. Glockthurn, Glück hast Du mehr, als Tu verdienst! Wie ging denn das zu?" Glockthurn lächelte verschmitzt. Will Euch beim Abendessen die Geschichte erzählen. Jetzt muß ich Nainthal aufsuchen und unseren Oberst; brauche für morgen Urlaub." Wenn Du ein ehrlicher Kamerad sein willst, so besorge ihn auch für uns. Will's versuchen!" 10. Kapitel. tzcine Damen." sagte Oberst v. Tillfuß, indem er sich galant verneigte, ich muß gestehen, der kommandirende General könnte kein lebhafteres Interesse für unsere Kaserne bethatt gen. als Sie es thun. Nun, wie gefiel es Ihnen, Fraulem Snyders?" O. seh? gut! Ich hcibe mit Vergnügen Alles gesehen. Wahrhaftig Alles! Sie erließen mir nicht den verborgensten Winkel. Es war eme sehr eingehende Vesich tigung!" Oberst v. Tillfuß lachte. Von metner Nichte wundert es mich schließlich nicht, daß sie sich für uns Soldaten interessirt, das steckt so im Blute bei unserer Familie, aber ich hätte nicht qedacht, daß auch eine Tochter des freien Albion uns so viel Aufmerksamkelt erweisen wurde.
Ich habe lange gewünscht, dies
Alles kennen zu lernen, und danke ihnen sehr für Ihre Freundlichkeit. Herr Oberst, und" sie wandte sich etwas um nach den anderen Offizieren auch allen Herren." Sut langer als eine? Woche bestand zwischen den Bewohnern der Villa und dem Ofsizicrtorps der Ulanen ein l:bhafier geselliger . Verkehr, den angebahn! zu haben Leutnant Glockthurn als sein Vordienst beanspruchte. Der Lohn für dieses Verdienst wurde ihm aber sehr streitig gemacht, die Kämeraden räumten ihm nicht im Geringsten d?3 Feld, und der gefährlichste Nebenbuhler schien Oberst v. Tillsuß zu sein. Dessen Schwester und Nichte waren ebenfalls bereits angekommen, und lekterc hatte sich mit den beiden jungen Engländerinnen schon befreunde!. Frau v. Sternberg hatte allerdings zuerst einige Zurückhaltung teobachtet, bis sie sich an die freie ungczwungcne Art der Miß Snyders gewohnt hatte; aber da ihre sehr eingehenden Erkundigungen über die Fremden nichts Bedenkliches zu Tage gefördert battcn. so gestattete sie ihrer Tochter E!se um so lieber den Verkehr mit den jungen Tamen. als sie von der lebendigen Fröhlichkeit derselben eine günstige Wirkung auf die melancholische Stimmung Elses erhoffte. Miß Snyders hatte Leben und Bewegung in die kleine Gesellschaft gebracht, Leutnant Glockthurn bemühte sich auch redlich, allerlei zu arrangiren man müsse den Tamen doch etwas bieten, sagte er und vorläufig hatte es noch nicht an Unterhaltungen gefehlt. In den letzten Tagen hatte niin Miß Snyders auch den Wunsch geäußert, einmal die Kaserne besichtigen zu können, und Oberst v. Tillfuß war galant genug, di:scm Wunsche zu willfahren. Unter seiner Führung und geleitet von einer Anzahl Offiziere, hatten die Tamen an diesem Tage die ziemlich weitläufigen Räume der Kaserne und die Stallungen durchwandert; auch Kapitän Fergus war dabei, den jedoch die Sache wenig zu interessircn schien. Nunmehr betrat man wieder den Hof. Miß Snydcrö sah sich nach allen Seiten um. als wolle sie sich überzeugen, ob ihr wirklich Alles gezeigt worden sei. Und wirklich entdeckte sie etwas Neues! Ueber die Giebel der Stallungen ragte der First eines verwitterten Ziegeldaches empor, es mußte also hinten noch cm Gebäude liehen. Was ist' dort?" fragte Mabel. Der Oberst lachte herzlich. Sie wollen doch nicht unser Heumagazin auch noch untersuchen?" Darf man es nicht sehen?" O gewiß! Nur das Rauchen ist verboten, mein Fräulein! Wollen Si: im Ernste " Ich bitte darum!" Die Gesellschaft ging quer durch eine Stallung hindurch und kam in einen zweiten Hof, in welchem ein Ulan in der Stalljacke ein Pferd langsam aus und ab führte, während einige Andere damit beschäftigt waren. Heubündel aus dem Lager herauszuwerfen, welche Arbeit der Unteroffizier Lehmann überwachte. Der Oberst sprach ihn an: Das ist wohl der störrige Fuchs," er deutete auf das Pferd, habt Ihr die Bestie endlich zahm aekriegt?" Zu Befehl, Herr Oberst; der Fuchs wird sich jetzt ganz gut machen." Ein feines Thier," bemerkte Miß Snyders. Jawohl, mein Fräulein. Es war das, schönste Remontepferd, und ich wunderte mich nicht' wenig, daß man cS uns zugetheilt hatte. Na, wir kamen bald hinter die Ursache dieser Eroßmuth; der Gaul hatte alle Teufel im Leibe,, bockte, schlug und biß; ein gutes Dutzend unserer Jungen hat mehr oder minder schmerzhafte Denkzettel davon getragen, und auch einige von den Herren" er sah sich lächeln? im Kreise um haben vergeblich Kraft und Kunst erprobt. Wer hat ihn denn untergekriegt, Lehmann?" Ulan Pailer. zu Befehl!" So? Rufen Sie mir den Mann her." Ter Unteroffizier machte Kehrt, ging ein paar Schritte nach dem Magazin und rief den dort beschäftigten Leuten etwas zu; gleich darauf kam Über die Leiter, die an einem der Fenstc? lehnte, ein Mann, ebenfalls in der Stalljacke, herab und folgte Lehmann zu den Offizieren. Sie haben den Fuchs bändigen können?" sprach der Oberst den Mann an, der in strammer Haltung vor ibm stand. Zu Befehl, Herr Oberst!" Na, daö freut mich, sollen ihn auch vollends zureiten. Ihren Gaul kann ein Anderer übernehmen. Hätte nicht gedacht, daß Sie ein so schneidiger Reiter wären." Der Oberst nickte freundlich, der Ulan wollte wieder Kehrt machen, da klang es von der Seite her: Nun, Mr. Pailer, wollen Sie Jhten Freun, den nicht einmal einen Blick gönnen?" Miß Snyders hatte es gesprochen, zwar englisch, aber doch hatten Alle den Sinn verstanden. Jetzt trat sie hervor, lächelnd und unbefangen, als wäre nicht 'das geringste Auffallende an ihrem Thun. Der Ulan stand unbeweglich, nur eine dunklere Färbung der Stirne verrieth, daß das unerwartete Zusammentreffen. ihn nicht ganz gleichgiltig lasse. Erstaunt sahen der Oberst und die Offiziere cuf , die überraschende Szene.
Sie kennen den Mann, mein Fräu
lein?" fragte der Oberst v. Zillfuß. Jawohl. Mr. Pailer war in meines Vaters Hause." Hm!" sagte der Oberst, und, hinter ihm Leutnant v. Glockthurn: Ah!" So reichen Sie doch der Dame die Hand. Pailer!" rief Tillfuß dem Ulanen zu, der seine vorschriftsmäßige Haltung bewahrt hatte. Pailer that es und fugte einig: Worte in englischer Sprache hinzu, welche die Anderen nicht verstanden. Miß Snyders aber offenbar sehe befriedigten, denn ihr Lächeln war jetzt noch lieblicher, und in ihren Augen leuchtete es hell auf. Im Gegensatze dazu stand aber die tiefe Blässe, welche Pailers Antlitz plötzlich zeigte; dem scharfen Blick des Obersten entging es euch nicht, daß Jener mtt gewaltsamer Anstrengung eine gewisse Unruhe zu bemeistern suchte. Ich wünsche, daß es Ihnen wohlgehe, und hoffe, Sie wiederzusehen," hörte man Miß Snyders sagen, dann nickte sie Pailer zu, der grüßend die Hand an die Mütze legte und abtrat. Jetzt wünschen Sie wohl nichts mehr zu sehen in unserer Kaserne, mein Fräulein," sagte der Oberst in etwas sarkastischem Tone, indem er galant Miß Snyders den Arm bot. Sie sah ihm lächelnd fest in's Auge, als sie erwiderte: Nein, Herr Oberst, ich bin völlig befriedigt." Das ist mir ange.nehm zu hören," gab Tillfuß zur Antwort. In' diesem Augenblick fiel sein Blick auf Elfe v. Steinberg, welche, beide Hände auf den Griff ihres Schirmes stützend, mit großen erschreckten Augen vor sich hinsehend, dastand. Was hast Du, Else?" ri:f sie der Oberst an. Du siehst ja darein, als ob Du ein Gespenst gesehen hättest?" Sie wandte ihm langsam den Kopf zu, als hätte sie nicht recht gehört, fuhr dann mit der Rechten sich über die Stirne und seufzte. Es ist nichts ich dachte nur es war nur so seltsam," sie schüttelte plötzlich energisch den Kopf; Gespenster gibt es icht, und Todte werden nicht lebendig. Du weißt ja, Onkel, ich bin eben nervös." Herr v. Tillfuß sah seine Nichte etwas besorgt an. Na, es war Zeit, daß Du hierherkamst; hier werden wir Dich hoffentlich kuriren." Beim Weiterschreiten flüsterte er vrnn Miß Snyders zu: Das arme Kind leidet seit eniger Zeit wahrhaftig an einer Art Melancholie, wie meine Schwester mir klagt; ich begreife dies eigentlich nicht, unsere ganze Familie zeichnete sich sonst durch ihre gesunden und starken Nerven aus. Auch Else war als Kind ein wahres Wildfeue? und zeigte keine Spur von hysterischen Anlagen. Vorhin sah sie gerade aus wie eine Somnambule, und welch' verwirrte Antwort sie mir gab!" Man hörte jetzt Else, die mit Rainthal ging, lachen, und Miß Mabel bemerkte: Nun ist sie wieder fröhlich." Die Stimmung wechselt eben jeden Augenblick. Es scheint, sie bedarf steter Gesellschaft. Sobald sie allein ist oder man sich nicht mit ihr beschäftigt, befällt sie Trübsinn." Man schlug den Weg nach dem Hause des Obersten ein. welcher die Gesellschaft' zum Souper eingeladen hatte, zugleich Eröffnungsfeier der neuen Wirthschaft .unter dem Regimente der Frau v. Steinberg," wie er scherzend bemerkte. Die Stimmung war aber diesmal nicht so fröhlich wie sonst; die UnterHaltung gerieth anfangs sogar öfters in's Stocken und erst später wurde sie wieder etwas lebhafter. Am wenigsten Zurückhaltung zeigte Miß Snyders. welche doch die Ursache der leichten Verstimmung war, von der nur Frau v. Steinberg nichts merkte, da sie die verhältnißmißige Ruhe der Gäste dem Respekte vor ihr. der Hausfrau, zuschrieb. Miß Lucy war wider ihre sonstige Gewohnheit etwas träumesch. und Else wieder zerstreut, so daß sie oft gar nicht verstand, was ihr Nachbar sprach. Dennoch blieb man ziemlich lange beisammen, und erst gegen elf Uhr brach die Gesellschaft auf. Vor dem Thore des Hauses salutirte der Posten, es war der Ulan Pailer. der zufällig jetzt Dienst hatte; Miß Snyders erkannte ihn und rief ihm zu: Gute Nacht. Mr. Pailer!" Während die Gesellschaft die Straße hinab ging, öffnete sich oben im Hause des Obersten ein Fenster und Else lehnte sich heraus. Unten schritt der Posten. den Pallasch im Arme, langsam auf und ab. bis die Ablösung kam; dann wurde auch das Fenster oben geschlossen. . Die Offiziere hatten die Damen nach Hause geleitet und sich dann in eim kleine Weinstube begeben, um einen Schlaftrunk zu thun. Natürlich bildete die gemachte Entdeckung" den einzigen Gesprächsstoff. Das also war des Pudels Kern ein Ulan!" deklamirte Einer. Wir müssen Acht haben, daß' man ihn uns nicht entführt. Dieser Miß traue ich Alles zu," bemerkte Rainthal. Jawohl. Vorsicht ist am Platze, zumal der Mann ohnehin fahnenflüchtig war." Wir haben uns eigentlich schauderhaft blamirt!" warf ein Dritter ein. Na. Glockthurn! Was sagst Du zu der Geschichte?" , Wollen erst abwarten!" gab dieser zur Antwort. . (Fortsetzung folgt.)
?cr eiserne Käsig. Von W. Turner - Lembck?. Als im Jahre 1477 die Grausamkeiten und tyrannischen Uebergriffe Ludwigs XI. von Frankreich unerträglich geworden waren, verband sich eine Anzahl Edelleute zu einer Verschwörung gegen den König. - Auch Jacob von Armagnac, ein Edelmann aus Languedoc gehörte zu den Leitern dies Jntrige, und er mußte, nachdem das Complott durch Verrath an's Licht gekommen, als erstes Opfer der Rache des Königs, mit seinem Kovf jeine Schuld bezahlen. Doch damit begnügte Ludwig sich nicht. Er befahl mit kalter Grausamkeit, daß die beiden schuldlosen Söhne Armagnacs, Heinrich und Franz der erstere acht, der letztere sieben Jahre alt in weißen Gewändern auf dem Schafott an desVatrs Seite stehen sollten, damit dessc. Blut sie bespritze. Nachdem dies geschehen war. wurden die armen, laut weinenden Kinder in die Bastille geführt und dort auf besonderen Befehl des Königs in überharter Haft gehalten. Mit geradezu raffinirter Grausamkeit waren zwei eiserne Käfige auf Ludwigs Veranlassung an die Decke des Kerkers gehängt, ifa ganz flach und niedrig, einem Trichter glichen und den armen Knaben, die in diesen weder aufrecht stehen noch sitzen und noch weniger liegen konnten, zum Aufenthalt gegeben. Und so dicht nebeneinander hatte man diese Käfige gehängt, daß einer die Leiden und Qualen des anderen beobachten und so die eigene Marter doppelt empfinden mußte. Diese kleinen Helden dachten im Anfang trotzdem weniger an sich als an das Schicksal ihres Vaters und die grenzenlose Trauer ihier innigst geliebten Mutter, der alle ihre Lieben mit einem Schlage geraubt waren. In qualvollster Weise verlebten sie mehrere Monate und glücklich, wie Kinder sind es gab sogar Augenblicke, in denen sie, alles Leid und die doppelte Gefangenschaft vergessend, miteinander scherzten und lachten. Das war dem Tyrannen wohl gemeldet worden, denn urplötzlich kam de neue Befehl, daß jedem der kleinen Gefangenen alle acht Tage ein Zahn ausgerissen werden solle. Weinend warf sich Heinrich, vor dem Vollstrecker
dieser Verordnung auf die Kme. Aber nicht für sich flehte der kleine Held. Für den hinfälligen Bruder, der sicherlich den neuen Qualen erliegen würde, bat er rührend um Gnade. Und als ihm der Arzt, obgleich tief gerührt, klargemacht, daß er dem König stets zwei Zähne bringen müsse, da rief er flehend: Dann nehmet beide von mir!" Erschüttert von dieser kindlichen Liebe, wollte sich der Arzt zuerst weigern, diese Marter - Operation überHaupt an den Kindern zu vollziehen. Da er sich aber sagen mußte, daß dann sofort ein anderer, vielleicht hartherzigerer Henker an seine Stelle treten würde, und überdies der jüngere der Knaben so schwach war, daß das Schlimmste zu befürchten war, so williate er endlich ein. Weinend mußte der' kleine Franz die doppelte Operatlon mit ansehen, die der heldenmuthige Bruder standhaft ertrug. Mehrere Wochen ward diese Folter wie derholt, und mit seinem letzten Zahn hatte Heinrich für den Bruder die Schonung erkauft. Aber, auch dieses edelmüthige Opfer war umsonst gebracht. Franz vermochte nicht, auf die Dauer den Entbehrungen zu widerste hen; der Mangel an Bewegung in frischer Luft und die schlechte Ernährung zerstörten den Lebenskeim in ihm. Ein schleichendes Fieber erariff seinen kraftlosen Körper, wimmernd und leise röchelnd preßte er em glühendes Gesicht gegen die kalten Eisenstäbe. Wochenlang quälte sich der kleine Märtyrer, ehe ihn der Tod erlöste. Am Abend vorher hat er dem Bru der noch Muth zugesprochen. Er hat rührend geklagt, daß cr sein Mutter chen nicht mehr wiedersehen werde. Aber du" fuhr er mit wunderbar glänzenden Augen fort, du wirst sie und zwar bald in die Arme schließen. Und dann sag der Mutter sag es ihr. Heinrich daß ich sie jetzt jetzt sterbend noch weit mehr geliebt habe, weit mehr als damals als wir noch alle noch alle so glücklich gewesen sind!" Dabei streckte er, krampfhaft schluchzend, soweit er konnte, die Hand durch die engen Stäbe, beruhte mit den eiskalten Fingerspitzen die des Bruders und hauchte: Gib mir die Hand, mein theurer Heinrich! Gib mir deine liebe Hand!" Dann war er von allen Qualen erlöst. Heinrich überstand die Marter und wurde, nachdem Ludwig XI. 1483 gestorben war. durch dessen Nachfolger Karl VIII. befreit. - Aber der Unglückliche war entstellt und verkrümmt für sein ganzes Leben. ' Als 1789 die Bastille von dem wüthenden Volk erstürmt wurde, fanden die Rächer noch die beiden hängenen Kcsige, die dann mit dem ganzen verhaßten Bau zerfrört worden sind. '
Zeuer - 3ianal&
j tzunnhlv ld WarkL ö Znglist'Opm-HauL i EastundTloVork 9 Noble und Michigan i öl. Jersey u. Mag Lv i Pine und North 0 Market und Pine , 1 Vermont nahe East 2 Nq. 8 Sptttzenhau Maff. Ac nah N"ble '3 Deuürare und Walnut 4 .JcrseZ u Lentral . A Vla und Cernc? bt 1 Ash m d 11. Straß 7 xark Äv und 12 Err 8 Columbia und Hillfld L Htghland Avcu.Pratt n JllinoiS und Ct. Jo, ü Penpsyw. und Pratt !4 Meridian und . Str ,t 5w.k SxriyenhauS 15, ah JllinoiZ '. Senate Lveu.etTia Illinois und Wichigun s Vrtfykania und 14, 3 Senate Ave. und 13. n 5!o. , Spritzenhaus In RvenaheMichlga NeridiaR und Zalnut Salifornia u Vermont Siele und New Fort Ind. Av. a. St, si? rr City Hofpttal Blak und North Michigan und J S&. 6 EprltzenhM Washington nahe OeJ GeiZendorf u WesZ, a Missouri New Aork 55 Meridian u Waff ' JllinoiS und Chlo n Caxitoi Vv.u Wash X Smgan'S PorkhauS Straßenbahn CtZll SS. Washwgwn.SU & LZo.io Cöritzenhaut JllinoiS u Merrilt ' o8 JllinoiS n Louisimm U West und Couty SS West und WcEarty i Senat Xix. Henry 7 VeridianundAay VtVlo.i Spritzenhaus MsdisonZlv.MorriI ft Madison Zlv. Dunloz, o Haken Leiterhaut LeutZ nah Delsvar Pam.uMarUI H DeLv-n . LKEarttz it c& und Stetere 2 5to3rrto.ftrta Birg. Zlv. u LradHa aft und Prospekt Sickmg und High A. 11 Spritzenhaus ir Zlve. nhe Hur fff! und Seorgia iZ Cctar und Ehv n Davidson u Geirgia 75 Snglijh Lv. Pine ft Shelby und Bat 3 Bo. $ Spritzenhaus ) PkvspeS nahe Sbcldr Fletchcr Av.u Shells f. Market .Red, Jersey Ö Delaware und Wash. S-ft u Washwgt, A New Dork u. Davids !6 Taubstummen Anstalt vcr. Staaten Arsenal rr Orient! und Wash. Frzuen-Resormat. n No. 13 Spritzenhau Maryland nahe Mer. Meridian n. Veoraia. )3 Meridian und South 4 Pennsyls u. Loutsiana U Dirgini Ave u. Zlab, )6 Haxptquartta. 17 Grand Hotel. J3 Capital ZK und Ohk 13 3!o. 16 Spritzenhaus 16. und Lsh. 14 Alabama und 8. 15 Central Av und 16. 20 Handel und 15. 21 Vrevkside und Japltu 2S Central Lvt und 17, Lg Delsware und Z. si Alabama und 11. 3 Bellesontatre und Ai. 84 College Ade uni 15 Delaare und 15. 5 Alabama 'ind Rsr 37 Newmann und IS. 33 Sollez ölvk und 14. Zs Tornell Ave und 13 il DandeS unlt ?9. L Highland 9lW und 10. 43 Tecumseh und IC 6 New Jersey urd 22. 46 Alvord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Hillstde Ave und i& 8 College Zlve und ix. 49 eolleze Slve und J. it Park v und . IX 63 2Su. 23 Sehnn, 2t, M Ramsey Zlve und 13. Stoughton u Newman 57 Atlas und PttZ. Lg Tlod und Palopaw. 3 No. 21 Sprttzenhaub Lrightwood ni Arde und Depot tt Brightwood und ts. U Rural und Blcdd ?s t. Llair u. eyftone C7 Arsenal v unk tt. '63 ellefsntai.'u int ti. Pr si ii, 418 kapital Ijk snd ? f.13 Pennsyl). u. VichiA 214 Jllino und 0. 116 Sen lte Ave und 22. 210 Pennsvlvania und IX 21? Meridian und 16. 14 Capital Zlv und 2& 19 Broadway und 10. 231 JllinoiS und McLea 234 TiO. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30, ?Z5 JllinoiS und 31. s Annettä und 30 37 No. 9. Spritzenhu Udell und Pader .ZS UdeU Ladder WorkS ttZ Jsadel und 27. ki Meridian und 24. , i42 JllinoiS u St. $läfc 43 EldrÄge und ZZi tli West uud Walnui 13 West und 12. 314 Howard uns 16 316 Torbct und Paca 31 Eaxital Av und 2 317 Northwestan Ave u 318 Gent und t8 319 Esnal uud 19. 824 Eerealtne WorlS 24 Vermont und Lhn 325 Biimarcku Srandvi tu Ro. 0 LpntzenhauS Haughville, Da Michigan u. elrnt, 828 Michigan tt. Toncor 41 West und McJntyre 2 Miffsurt u. Äaryland 3 Missouri und fZhis L Capital ?keorgis 6 MisZourtu AentuckhS, 417 Senate Ave u. Wash, 21 P und S ltunauS 33. Washington. 423 Irren-Hospital. i24 MUey Zl.JDZ 425 Wash. und Harr cLK No. IS Spritze;.') W. Washtngt 7 Oltver und Vtrch 42 Oliv nd Osgscd m Rordyke und m 431 Hadley v . Mr 432 Riva Zlve u. Morris 454 Rwer Zlve und SKY 435 HardKg.iz S,N? 456 Harding und Md 637 9fo. 19 Ar'chenI MsrriS nb tue ataOT&taft 4ettatt si gctsncr rat) 25 HowarH 3b än 6I Karrt! tatb Jteti 6 ambct ur Brtaceo)157 RordyZe Hoc t-a wm WorkS tl2 ZSeft ua ay 013 StmUOtHVT9 614 Meridian ixJb LkrrS r-iS AlmstS u& Sanli öl? WornS end DaZst dlS MorrtS sd Ihrch LiS Tapital , u Ccir bl Meridian nmct 623 Pine und Lord tu Madil, As n n." j 2 Meridian dtt? (27 Tarlse uud Naz S Meridian uud rizs ,&9 Vrckian tt. Skaon t?l Meridian it. $ic&tt 3 Ro. 17 SprltzentsuS MorrlS nahe West McKaanund Dsa. tli Saft u. Linco! &i4 Hl Esst und Cecrs 16 Wnght UNS SffiUl 817 MrCarty Qnd ärz SIS Rew Ierset, u SA Cci 71 pru w Vr:?peZ Ti glish It. izurA S!4 StZte Ase u.Bitt R? m Shelby vaü S?e n.6 CiaK Ave wti 72g Orange un) aurcß fli S-Helöy u. Cclßtte 3Caf 91 LkrngtonZl. L4 rtt Flctchrv. CM " 714 State Av u. Pieaj ?U Prospekt undleasz 726 Orange iind 728 Liberty und Mea 729 Noöie und VUZ Crji No. 15 Sp?ttzenh.Z Oft Washington vt? Sir Market und Rodle V14 Ohio n. Highland tt 6lb Mckigan u. Highes ZU Markettt Arsens ZlL, 017 Ost S, Slatr tn Vnion Bah eleis. , L,l Pan Handle EhspS 23 Vermont uns Oa!A 324 Wash. und täte Z St3 Madden'L?une r5ad 6 Tmk und Dorsey L27 ash. und eville 854 39 0.12 Lvrttzhau5 eviZe ah Michiö U1 LouthezstM'eÄe Woodftd. tt Walh. nd Tde k4 Southeafiern vti rsel SUkS, 635 Skv Aork sndemZZl 12 Jlinott nd 913 JllinoiS und rar. 914 Penn. ö Sss ttSDlak md? Spezlal. Signet. erst, Schtöa, zweiter Alarm, Zweiten Schläge, dntter Alar. dritten 2 Schlage, dierkr Warm. l-U-l, Feuer au und Schlauch cn?? SchlZg, Wasserdru ab. Schläge. 1 Uhr Mittazs, Di bezeichnete 9SlgnaU irntai km n jzia liäjUx gezeben da aa den betnszeitw, e&rt tttungat fetne AlarmsAllen anpetwcht (tat Eine Kleinigkeit. r'? Herr, die gnädige Frau ist in Ohnmacht gefallen." Holen Sie den Doktor und stören Sie mich nicht bei jeder Kiniqkeit." Die Skatratte. .Nun. Männchen, ists daheim nicht recht traulich am Kamin zu Zweit?" 3 Zweit? Hm, ja. es fehlt eben blos der dritte Mann." Schwache Entschuld!g u n g. Meine Gnädigste, ich habe Ihnen doch Bewegung empfohlen und Sie liegen und lesen!" Aber Doktorchen, es ist ja eine Reisebeschreibung!" B eim Heirathsvermitil e r. Herr: Die Dame, die Sie mir empfehlen, ist aber furcktbar klein!" Kommis (früher in Tuchgeschäft): Allerdings es ist eben ein Reft'l!"
