Indiana Tribüne, Volume 29, Number 42, Indianapolis, Marion County, 12 October 1905 — Page 6

Jndiana Tribünc. 12. Oktober 1903

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Europaische TIachrichten.

J'rc'vinz Westfaren. Münster. Von einem Automobil überfahren und sofort getödtet wurde hier auf der Warendorserstraße das 5l.jährige Töchterchen Marie des Arbeiters Hülsmann. Das Kind, das von der Spielschule kam, lief in demselben Augenblick, als da? Automobil die Straße Passirte, hinter einem Lastwagen hervor und direkt vor den Kraftwagen. Den. Besitzer des Wagens. einen Herrn aus Zürich, trifft an dem Unfall keine Schuld. B l a n k e n a u. Vor einiger Zeit ist das ly Jahre alte Töchterchen des Malers Ällrin Hierselbst in einer Jauche-Grube ertrunken. Die Mutter. welche bis dahin bei ihrem Kinde auf dem Hofe verweilte, hatte sich nur auf einen Augenblick entfernt; als sie zurückkehrte, war das Unglück gesahen. Bielefeld. Seinem Irdischen Richter entzogen hat sich der Untersuchungsgefangene Franz Mönkebusch von hier, indem er sich mit feinem Handtuch erhängte. Auf Veranlassung des Staatsanwaltes war er verhaftet worden, um sich wegen eines Sittlichteitsverbrechens, das er vor zwei Iahren an einem schulpflichtigen Mädchen begangen hatte, zu verantworten. Gunnlgfeld. MM Spatzenchießen verwundete ein Mann die 14jährige- Ella Werner am Hals und am Rücken erheblich. Hagen. Elne schwere Blutthat ereignete sich in der Vuschhofstrab. Die drei schon mehrfach vorbestraften Gelegenheltsarberter Herzbruch und Gebrüder Belecke hatten dem Alkohol ton zugesprochen. Auf dem NachLuftwege geriethen sie in Streit, der n Thätlichkeiten ausartete. Hierbei erhielt Herzbruch einen Stich in' die mle schlafe und m den Hals, der seinen sofortigen Tod herbeiführte. Die Gebrüder Belecke leugneten beide, als sie in Haft genommen wurden, den Todesstoß geführt zu baben. H t x s o x d. Hier wurde das 4jä rin 6X'rifnr&rt V.2 Wv&.Ü.? (mSiir. yw wviiiujui u,a liuilllix JJllllCt von einem mit Stroh beladenen WaZen überfahren und erlitt Beinbrüche rn flv . , i , uu uciuen einen. xjas itino war mit anderen mit dem Wagen mitgelaufen und yatte Strohhalme herausgezogen. um oamil zu fpieien. Woeinprsvirrz. Köln. In der Abtbeiluna für Hochspannungsmotoren und Transsormationen der Elektrizitäts-A.G. rc n r. ri n crnncg oracy euer aus. Beschädigt wurden durch ??euer und Wasser eine -große Anzahl fertiger uieitronxoioren, Transformatoren u. j. w. V o r b e ck. Das sei! einiaer 5Zeit vermißte Töchterchen des Steigers Heidmann wurde nach vielem Suchen 3 . je . . . i. rv- r m , ' ais eicye in oer mfcyer gefunden. Bonn. Dr. Leopold Besser, der frühere Besitzer der Irrenanstalt zu Pützchen, beging sein 60jähriges Doktoriubllaum. Der fahrige Jubilar erfreut sich noch großer Rüstigkeit. Du ren. Kommerzienrath Hoesch stiftete zu den früher von ihm gestifteten 600.000 Mark ' weitere 100,000 Mark für den hiesigen Theaterneubau unter der Bedingung, daß das Theater ms zum i. 'ovemver nächsten Jahres serilggeiieui i)t. E l b e r f e l d. Von einem traun-' gen Unglücksfall wurde die Familie des ausmannes Tassel aus dem Island betroffen. Das chahrige Töchterchen Rosa gerieth unter ein Fuhrwerk und erlitt so schwere Verletzungen, daß es im städtischen Krankenhause, wohin das arme Kind gebracht worden war, seinen Wunden erlag. Horst. Hier wurde der Bergmann Schmidt in seiner Wohnung todt aufgefunden. Er war seiner Baarmittel und seiner Uhr beraubt. Wie ärztlicherseits festgestellt, ist der Tod durch Erwürgen eingetreten. 1 Kreuznach. In der Gastwirthschaft Zum Felsenkeller" hat der Arbeiter Peter Schlitz den 24jährigen ledigen Tagelöhner Adam Saam nach vorausgegangenem Wortwechsel durch einen wuchtigen Schlag mittels eines Bierglases auf den Kopf getödtet. M e t t m a n n. Von einem nach Elberfeld fahrenden Güterzug lösten sich vor der hiesigen Station vier beladene Wagen und fuhren auf eine Lokomotive. Der Heizer Hegermann wurde sofort getödtet, der Lokomotiv führer Römer schwer verletzt, ein Schaffner konnte sich durch Absprrn gen retten. Provinz Ldesscn'rasfau. Kassel. Ein 22iähriaer Schriftetzer Schäfer ertrank beim Baden in er Fulda in der Nähe von Wolfsanger. Die Leiche ist nach der Unterm chung sofort zur Beerdigung freigeqeden worden. Schäfer war die Stütze semer Mutter, einer auf dem Franz .graben wohnenden Wittwe. E r b e n h e i m. Vor kurzem wurde der 13jährige Knabe des Gastwirths Merten von einem Automobil übersahren und getödtet. Das Automobil fuhr in raschem Tempo davon. . F r a n k f u r t. Ein Radfahrer fand aus der Landstraße zwischen Aödelheim undEschborn den 57 Jahre auenFuhrmann Johann Fuchs, wohnhaft hier Eckenhermer Landstraße 126, bewußt los und schwer verletzt auf. Er war von seinem Fuhrwerk gestürzt und überfahren worden. Auf Anzeige bei

dem Bürgermeisteramte Eschborn'wurde Fuchs nach dem Bockenheimer Elisabethenkrankenhause gebracht, wo er gestarben ist. G r i e s h e i m. Kürzlich brach in

der Wachstuchfabrik von Dr. Seidel, Klein u. Eomp. Feuer, aus. Die Lagerräume mit fertiger Waare, zwei Spülerien .und 40 Webstühle wurden vernichtet. Die Polizei nimmt an, daß Brandstiftung vorliegt, da zwei Fenster offen gefunden wurden. Der durch das Feuer angerichtete Schaden beträgt über eine viertel Million Mark. H a n a u. Beim Feueranmachen mit Petroleum erlitt das Dienstmädchen Johanna Rohmann aus Groß-Ostheim so schwere Brandwunden, daß es alsbald daran starb. S o n t r a. Letztens feierten Manus' Levinstein und dessen Ehefrau Sophie, geb. Heilbronn, das. seltene Fest Ver diamantenen Hochzeit. Beide Eheleute sind geistig und körperlich noch frifch. Die Ehefrau liest und schreibt noch, ohne eine Brille nöthig zu haben. W i n d e ck e n. Dem etwa 40 Jahre alten Landwirth August Heil wurden auf dem Felde beim Fruchtmähen von den Messern der Mähmaschine beide Füße abgemäht. gnmcZbeulfdjc Staat!. B e r n b u r g. Im 70. Lebensjähr starb hier eine sehr bekannte Perfönlichkeit unserer Stadt, Konradin Falk, der Bruder des früheren preußischcn Kultusministers. Seinen urwüchsigen Humor offenbarte er in den poetischen Schilderungen von Vorgängen im kommunalen Leben. Braunschweig. Vor kurzem ist hier der Inhaber und Leiter der Jahn'schen höheren Lehranstalt Dr. Phil. Hermann Iahn im 58. Leber.sjähre gestorben. Köthen. Ein schweres Gewitter ging über der hiesigen Gegend nieder, das mannigfaltigen Schaden anrichtete. Durch viele kalte Schläge wurden Telegratzhenstangen und Bäume zerschmettert. In Löbnitz traf ein Strahl die Windmühle, glücklicherweise ohne zu zünden; nur die Ruthen wurden heruntergeschlagen. Unter der Mühle hatte die Arbeiterin Wilhelmine Behrendt Schutz vor dem heftigen Regen gesucht. Sie wurde vom Blitz zu Boden geworfen und starb nach kurzer Zeit. K ü b l i n g e n. In einem neben dem Springe befindlichen kleinen Bassin ertrank das 'zweijährige Kind des Arbeiters Burtsckick. L u t t e r. Die in zweiter Ehe mit dem Steinmetz Brill verheirathete, etwa 50 Jahre alte Hebamme Brill nahm nach einem voraufgegangenen ehelichen Zwiste Karbolsäure ein, um ihrem Leben ein Ende zu machen. Sie starb unter unsäglichen Schmerzen. Du etwas jüngere Ehemann nahm sich den Verlust so zu Herzen, daß er seinem Leben durch Erhängen ein Ziel setzte. Oberprilötz. Das Töchterchen des Kunstmalers Eichhorn wurde von einem von Herrenmllhle kommenden Lastfuhrwerk überfahren. Die Räder gingen dem Kind über den Kopf, und es erlitt so schwere Verletzungen, daß es alsbald starb. Sndersleoen. Der Arbeiterinvalide Christoph Schmidt wurde auf dem Bahnübergange an der Post von einer Rangirlokomotive erfaßt, wobei ihm der Kopf ausemandergenssen wurde, so daß der Tod sofort eintrat. Z e r b st. Letztens entstand in der Puppe'schenMaisstäÄefabrik aus nicht aufgeklärter Ursache ein Feuer, das mit solcher Schnelligkeit um sich griff, daß in kurzer Zeit beide Fabrikgebaude.rn Flammen standen. Bei den Lofchungsarbeiten verunglückten mehrere Arbeiter aus einer benachbarten Fabrik durch den Einsturz einer Uttand. ismer davon erlitt einen Beinbruch,' wahrend ein zweiter so schwere Brandwunden und Berletzungen davontrug, daß er alsbald starb. Da die Fabrik bis auf den Grund ausgebrannt ist, ist der Schaden sehr bedeutend. Sachsen. Dresden. Der letzte aron Schüler Ludwig Richters, der Meister der deutschen Landschaftsmaler Prof. Eduard Leonbardi. Ebrenmit glied der Kunstakademie, ist im Alter von 79 Jahren m semer Besitzung zu Loschwitz aus einem Leben voller Ar beit abberufen worden. Auerhammer. Hier fiel beim Spielen das drelfahrlge Sohnchen des Fabrikarbeiters Flach in den Betriebs graben der Argentanfabrik und er trank. Chemn.itz. Vor einiger Zeit wurde hier das dritte sachsische Kreis turnsest unter Betheiligung von 14,000 Turnern aus Sachsett aefelert. I Vertretung des Könias. des Protektors der Feier, war Prinz Johann Georg erschienen. An den Kaiser und den König wurden Huldigungstelegramme gesandt. E l t e r l e i n. Das ältere Wohn haus des Bauunternehmers Kreißig, das an der Schwarzenberger Straßl stand, ging in .Flammen auf. G l a u ch a u. Das Bankgeschäf Ferdinand Heyne feierte sein 50jäh riges Bestehen. Der jetzige alleinig Besitzer ist Carl Hermann Heyne. . L a w a l d e. Hier erlitt beim Um bau eines Hauses der Maurer Trau gott Proft aus Lauba einen Schädel bruch, der, den Tod zur Folge hatte.

Auf FlügrlN des Gesanges. Novellette von Alfred Friedmann. Es war eine sehr schöne und elegante Dame, die ich bei dem Groß-

ndustnellen Z..., dem vlelgeschmahten und doch so gutmüthigen Kohlenf. r ' r.r. f" r . r i oaron, zu fuyren fouie. Machen Sie Ihrem Rufe als Witzbold Ehre," sagte er mir, als er mich vorgestellt hatte, Sie fuhren die beste Dame zu Tisch, unterhalten Sie sie gut, machen Sie sie lachen. Sie sehen dann die schönsten Zähne, hören die ußeste Stimme der Welt. Das haben wenigstens alle Zeitungen der andern Welt von New York bis San Francisco, diesen Winter veründet. Ich verbeugte mich, sagte einstweien gar nichts, denn ich war von dem, was ich von der Frau mit den schönen Otfirt.OT 1 1 v V V.i X 7 i l . Qutuni unu uu juCtcu wiiniuic, vit ie beide hinter emem Nichts auch nichts! sagenden Lächeln verschloß, ay, geblendet. Sie war eben eine blendende Schönbeit. Die Reflexe der elektrischen Lichter spielten wie Liebkosungen in V I 1 i mm lyrem oicyien, roiyoionoen yaar; sie brachten auf ihren unbefüreibliÄen Schultern, schlanken und doch s Wohngerunderen Armen ungeahnte Wirkungen hervor. Eine rothe Rose . .rr rwi , uoer iyrem offenen cieoer begann zu flammen. Ich auch. Der tadellose, befrackte Diener brachte Austern und Kaviar. Das that uns unendlich wohl. Ebenso die Realturtle Suppe, die wirkliche Schildkrotensuvve. welcde die anaenebme Zdaile, ourcy vie r:e:nen, mn oeulcyem Champagner begossenen Vorpostengefechte des Magens erzeugt, mit aufrichtiger Wärme verscheuchte. Dann begann ich, mir aus warmem Hummer nichts machend, da er leichter m mem Inneres hlnemzupraktiziren ist, als ich ihn als verdaulich erprobt der Aufforderung des bestgehaßten Millionärs Folge zu leisten. Ich erzählte der herrlichen Dame einige Dinge, die sie längst kennen mußte den Ausbruch des . russisch japanischen Krieges, die Durchfälle der Theatersaison, und bediente sie zwlschen einem Wiener und einem Pariser Autor mit schottischem Lammsrücken und . echt afrikanischen Spargeln. Dann, als schon die jetzt gegen Schluß solcher Henkersmahlzeiten üblichen Bachforellen auftauchten, machte ich ihr einige wohltewporirte Complimente über ihre Stimme, die ich bis jetzt nur gedämpft, wenn auch so harmanisch vernommen, bekam auch wirklich das Blitzen der gepriesenen Zähne zu sehen, obzwar es mir vom etwas höhnischen Lächeln der süß-geschwun-genen Lippen wie halb verhüllt und abgeschwächt erschien und wagte endlich die Frage: Welches, gnädige Frau, war nun eigentlich der schönste Moment Ihrer Ueberseereise?" Sie dachte einen Augenblick nach. Um ihre Stirn huschte es von unsichtbaren Engeln und Teufeln. Sie gedachte vielleicht, in einem Moment Monate 'nochmals zurucklebend, ihrer Triumphe, der Rosen und Brillanten des Erfolges, der Bravos.... Hervorrufe, der kleinlichen Intriguen der Kolleginnen und Impresarii, der Seekrankheit? Dann begann sie leise, lanae zu sprechen, nicht wie zu mir, nein, wie zu mand ganz, ganz fernem: Ich weiß noch, wie wir uns einschifften in Bremen. Es war ein stolzes Sstiff, und meine Abfahrt gestaltete sich wie eine Abschiedsvorstellung. Blumen, Lorbeerkränze, ein Ständchen, von dem Orchester gebracht. Sie spielten aus Samson und Delila. aus Verdi's Falstaff, meine Lieblmgssachen. Reverenza, meine Ehrfurcht! so klang es. Und dann: Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus, Städtle hinaus." Jawohl, ich mußte. Unh ich war gar nicht sentimental. Sollte ich doch Geld und Ehren die Menge einheimsen und mitbringen. Das gute Schiff seufzte auf, als wenn es unlieber als ich die Heimath verließe; Ketten rasselten, die Anker wurden gelichtet. Und als wir draußen am Beginn der Endlosigkeit waren und die lekten Taschentücher wie niedergeflogene Schwäne oder Tauben verschwanden, da hatte ich ein ungeheures Gefühl der Freiheit, obwohl man ja nur in einem anderen Kerker, als in der oder jener eben verlassenen Großstadt sich befindet. Die Menschen hielt ich mir weit ab. Schnell die Sachen mit meiner treuen Zofe in der Kabine geordnet und nun nur frische, freie Luft. O, wie das wohl that. Das Auge sieht in ungeahnte Tiefen; die Brust athmet ungekannte Reinheit ein. Dann kommen die Gedanken an Gefahr, Sturm, Untergang und erhöhen das Lebensgefühl. Denn einstweilen sind wir ja ungefährdet und freuen uns des Athmens in rosigem Licht. Und dann ziehen Schiffe aneinander vorüber, wie sich Menschen auf emsa men oder belebten Straßen begegnen, grüßen, eine kurze Weile nebeneinander leben und sich dann für die Ewigreit trennen. Die Schiffe interessirten mich mehr als die Menschen auf dem Schiff. Ich kenne die .Männer, sie sind zudringlich und wollen alle etwas von uns haben!" Können Sie ihnen denn die zweite Eigenschaft die ersk ist mir neu so sehr verargen, gnadige Fr in?

fragte ich. gar nicht zudringlich, sondern sogar recht schüchtern. Da hatt? ich es denn, das Aufblitzen der schönsten Ääbne und das

Glockenspiel des Lachens, das so etwa wie vom loclenthurm des Rathhaus von Brügge, und auch so von oben berak fnm So sagte ich denn dem Steward." uhr sie unbeirrt fort, er solle mich ?ei den Mahlzeiten zwischen zwei Frauen setzen. Und so kam ich neben !:ner alter:n Dame und einer ganz unaen zu sitzen. Die Alte war besckeiden und schweigsam und aebörte ra der andern. Diese war einfach eine Madonna; schon, blond, rosig, aber mit einem unbeschreiblichen Ausdruck eines unstillbaren Leidens. Alle Männer sahen sie an, viele sprachen mit ihr ich glaube, alle lieblen sie. Und ch liebte sie schon deshalb, weil sie wie eine große, weithin leuchtende Flamme hinter emem Glas war, an dem sich all die dummen Motten, die sonst auch theilweise zu mir aeflattert wären, die kleinen Gehirnchen einstießen oder die Flügel verbrannten. ). die kleinen Gehirnchen, anädiae Frau," wagte ich zu unterbrechen. Wenn nun zufällig Edison. Moltke, Bismarck -auf dem Schiffe gewesen waren? Die sind theilweise todt, thcilweise zu klug, um sich um zwei arme Weibchen zu kümmern. Nun,, also, die zwei Damen gehörten zusammen, der . c ? y- . r r v 'lewaro gerne micy aus melnenuunicy zwischen sie gesetzt, weil es sich nicht anders machen ließ. Bald wurde lch Mlt der kleinen 3JiV donna vertrau:. sxt theilte mir aus ihrem Leben mit. Es war mchts Außergewöhnliches. Nur hatte sie, wie es uns allen so geht, jung einen geliebt, der eine andere gefreit. Seitdem liebten sie alle Männer, und sie liebte keinen. Doch habe sie ihre Hand einem jungen Amerikaner versprochen, der, wie alle, rn sie vernarrt sei. Sie sehen ia. die vaar iunaen und alten Männer an der Tafel, sie stieren mich an. sie verzehren mich mit ihren Blicken; ich kann auf Deck keinen Augenblick allein träumen, lesen, es ist ein Berhangmß. Der junge Schotte MacDonald wir sind jetzt kaum drei Tage auf S:e, sagte mir gestern Abend, er stürze sich in's Meer, wenn ich Nicht die Seme wurde. Doch all das ist gering. Ticb bin aber lei dend." Sie hüstelte ein wenig und fuhr mit dem Taschentuch über die Lippen. Schaudernd sah ich das Tuq sich rothen. Der Arzt hat mir Wunder von der Seefahrt versprochen. Eiaentlich wollte er mich .in Funchal, auf Ma- . :rr -n .ci os.r i.i ccira, loxjien. jjejiere ioquerje oei meinem Bräutigam, der nickt von Amerika abkam, thäten es auch, boffte er. Der arme Junge, er liebt mich so sehr!" Wir standen auf. Es war eine klare, warme Nacht, und wir setzten uns auf's Hinterdeck auf langeStühle, bogen uns zurück und sahen dieSterne der Heimath am Himmel, und unser Kiel zog eine goldene Furche durch die crji rts t-. ji .'r . i aiacyi. a oegann ?cy ciC, oann lauter das Lied: Es ist kein grcßer Freud' auf dieser Erden, Als wenn, zwei junge Leut' vereinigt 5 werden; Da giebt es keine Noth, kein Kreuz, kein Leiden, Nichts als der oitt're Tod kann Liebe ; scheiden!" Ringsum schwieg alles. Nur das Schiff keuchte. Ein Kreis hatte sich weitab um uns gebildet, und die kleine. Madonna weinte bitterlich. Aus dem Kreis löste sich eine dunkle Gestalt. Nur der weiße Fleck des gestärkten Hemdes leuchtete seltsam durch die Nacht. Es kam uns näher, wollte vor der kleinen Madonna niederknien und ihre Hand fassen. Ich reichte ihm aber die meine und flüsterte etwas. So mußte er sich auf meine ausgestreckte Rechte niederbeugen. Ich sprach zu ihm: , Mr. MacDonald, wenn Sie sich auf dieser Hinreise nicht in's Meer stürzen, verspreche ich Ihnen einen Ecksitz erster Reihe, Fauteuil, wenn ich singe. Auch einen Platz daneben! Denken Sie, daß sich ganz Amerika darum schlagen würde!" Ich fühlte einen wirklich brennenden Kuß auf meiner kühlen Handfläche. Der Junge zog sich gerührt zurück. Ich glaube, ich fühlte noch so etwas wie eine Thräne auf meiner Hand. Ich sang noch, und die kleine Madonna lehnte ihren Kopf an meine linke Schulter und lauschte...." Meine Tischdame machte einePause. Der Kellner servirte Eis. Wir bedurften dessen, es war sehr schwül im großen weißen Marmorsaale geworden. Ich fand, daß die Gelegenheit, ein Witzbold zu sein, wie der Kohlenbaron wollte, nicht vorhanden war. Aber meine Nachbarin fuhr fort: Ich sang noch an jenem Abend: Wenn meine letzte Stunde schlägt". Da bat mich aber die blonde Madonna, sie hieß Maria, dies jetzt noch nicht zu singen. Sie mochte so gerne leben. Dann landeten wir, und jeder ging seiner Wege, nicht ohne Adressen zu hinterlassen und Berabredüngen zu treffen. Nun kam der amerikanische Rausch. Musik begrüßte mich am fremden Land, wie sie mich im Vaterland verlassen. Mein Impresario schleppte mich von der Statue

der Freiheit durch ein weites Land und hundert Städte. Überall Vlumen und Applaus .... Und dann fuhren wir eben zurück. Ich und Maria. Sie hatte mehrere Seereisen gemacht, während ich sang. Maria war noch we7ßer und durchsichtiger geworden, als sie bei der Ausfahrt erschien. Und nun toste Sturm, und Wellen schlugen über Bord. Sie hustete stark. Eines Abends ließ sie sich auf Deck tragen und bat mich, nun das Lied zu singen. Sie hüllte sich in Shawls und sah mich an mit so dankbar wehmüthigem Ausdruck, daß ich aewiß sehr schön gesungen haben mun: Wenn meine lete Stunde schlägt. Tragt mich an's Meer, das blaue. Daß ich, eh' man in's Grab mich legt. Das Meer noch einmal schaue." Sie ließ meine Hand nicht los.. und als ich stille wurde, sagte sie immer leiser und noch leiser: Noch mehr." Wir fühlten beide, als ob sie gar n'cht sterben könne, so lange ich sänge. Auf einmal verklang sie mit einem so sterbensfrohen Blick und einem Lied. Ich fühlte es an ihrer Hand in der meinen, daß sie todt war. Die Arme. Man band sie auf ein Brett, und das Meer ward ihr Grab. Als ich sie aber, die doch nicht mehr zu retten war, so selig hinübersang, das war der schönste, weil heiligste und hehrste Augenblick meiner Ueberseereise."

Man stand auf. Ich kürzte meiner schönen, hochherzigen Nachbarin die Hand und stahl mich bald aus der Gesellsöaft unhörbaren Volksliedern tauschend. neue o el t f ch e Briefmarken sind außer den seit dem 1. September erschienenen neuen Marken für Kiautschou und die deutschen Postanstalten in China wieder am 1. Oktober zur Ausgabe gelangt. Es handelt sich um Marken für die deutschenPostanstalten in der Levante sowie in Marokko. Für die Marken zur Ausgabe in Postanstalten in fremden Ländern werden von der deutschen Post heimische Marken verwendet. Die fremde Währung oder auch das Land wird der Marke aufgedrückt. Für diese Marken wurden bisher alte Bestände mit' der Aufschrift Reichspost verwendet, die seit dem Abkommen mit Württemberg durch die Inschrift Teutsches Reich ersetzt sind. Vom 1. Oktober an nun kommen auch im Auslande Marken zur Verwendung, welche die .Aufschrift Deutsches Reich tragen. In der Levante tragen sie lediglich den Aufdruck der Währung- in Para und Piaster. Die Marken für die deutschen Post-' anstalten in Marokko tragen als Aufschrrst nicht nur die Wahrung rn entimes und Pesetas, sondern auch .den Namen des Landes. Hilfeinder Noth" gewähren neuerdings große Berliner Restaurants, in denen das Abhandenkommen von Regenschirmen und das Vertauschen von Hüten ' zwar nicht programmäßig im Menü steht, trotzdem aber an der Tagesordnung ist, ihren Gästen. Wer es unterläßt, der Garderobenfrau seine Sachen anzuvertrauen, und das Pech hat, daß ihm sein Hut vertauscht wird, dem wird gegen Erlegung von sofort 4 Mark ein Äushilfshut von einer der ersten Firmen Berlins zur Verfügung gestellt.' Erhält er seinen eigenen Hut wieder, so bekommt er gegen Rückgabe des Aushilfshutes sein Geld zurück oder kann sich ihn bei dem betreffenden Hutgeschäft gegen einen besseren eintauschen. Ein anderes Restaurant, dessen Spezialität die vertauschten oder in Gedanken mitgenommenen" Regenschirme sind, hat sich zu einem noch thatkräftigerenEntschluß aufgeschwungen. Es offerirt einfach, ohne alle Kosten aus seiner reichen Collektion von Ersatzschirmen einen solchen. selbstverständlich nicht in prima Qualität. aber immerhin repräsentabel und auch wasserdicht. Prinz Christ tan von Dänemark ist kürzlich bei dem unweit der jütischen Hauptstadt Aarhus-ver-anstalteten Manöver zum Gefangenen gemacht worden. Der Plan der Truppenübung ging dahin, daß der Prinz als Führer de von ihm befehligten 28. Bataillons von dem durch eine Halbbatterie verstärkten 3. Dragoner - Regiment unter dem Obersten v. Munthe angegriffen werden sollte. Man erwartet den Angriff frühestens um 7 Uhr Morgens, aber bereits um 4 Ubr waren die Dragoner vor dem Dorf Galt zwischen Aarhus und Silkeborg angelangt und griffen an. Die Infanterie wies dann zwar den Angriff ab, aber mittlerweile war die vierte Schwadron abgesessen und hatte ganz in der Stille den ein wenig vom Dorf abgelegenen Großbauernhof umzingelt, in dem der Prinz den Schlaf des Gerechten schlief. Wenige Augenblicke genügten dann, die geringe Deckungsmannschaft zu entwaffnen und den präsumtiven künftigen König Christian X. zum Gefangenen zu machen. Auch im Ernstfall Hai 184849 wie 1864 die dänische Reiterwaffe wiederholt plötzlich Dörfer oder .Gehöfte vi umrinaen cetoufei G e st L r t e Disposition. Zofe (entsetzt in das Zimmer stürzend): Gnädige Frau, das Unglück! Das gnädige Fräulein ist mit dem Kutscher Jean durchgegangen!" Baronin: 'O, fatal! gerade jetzt, wo .se-n wollte!"