Indiana Tribüne, Volume 29, Number 41, Indianapolis, Marion County, 11 October 1905 — Page 7
Jndlaua Tribüne, 11. Oktober 1905
Getilgte Schuld? o m a n X von Y Johannes (immer 5
0-0-0-00-0-C (Fortsetzung.) , .Ich gebe zu, es können solch- Stim mungen eintreten," bemerkte Pailer. als der. Andere eine Pause machte. Die Ursache muß aber dann auch eink bedeutsame sein." . Sie wollen damit andeuten, ba Sie die Ursache in meinem Falle zu kennen wünschen." erwiderte Eoaiü ruhig. Nun denn, was würden. Su thun, wenn Sie ein Weib lieben, ir. dem Sie Alles verkörpert zu finder glauben, wonach bewußt und unbewußt die Seele sich sehnt; wenn diese? Weib Ihnen sagt: .Wir wollen Ein! sein, wenn ich in Dir finde, was ich suche, den gottähnlichen Mann, vor. dem meine Seele träumt,' und dann eines Tages stolz und hart erklärt: ,Du bist nicht, wie der sein muß, dem ich mich zu eigen geben will!" Pailer schüttelte den Kopf. Um eines Weibes willen soll kein rechte: Mann sich selbst aufgeben. Nur dik Thorheit thut es. Ich spreche aus Erfahrung." Eine Weile herrschte Schweigen, dann fuhr er fort: Auch Sie werden es überwinden. Versprechen Sie mi . bevor Sie einen weiteren entscheidenden Schritt thun, mich zu bcncrchrichtigen." Pailer hielt die Hand hin, damit Jener einschlage. Ein sonderbares Verlangen!" erwiderte Evans. Ich soll mich unter Ihre Vormundschaft begeben?" Vergessen Sie nicht, daß ich ein gewisses Recht auf Sie habe; ich setzte mein Leben ein, um Sie zu retten." Gut, ich will versprechen, was Sie wünschen; mehr aber nicht." Die beiden Männer schüttelten sich die Hände und damit war die Sachc abgemacht. Pailer glaubte nun auch seiner Vcrpflichtung gegenüber Haunold gerecht geworden zu sein und erhob daher keine Einwendung, als Evans ihn einlud, den übrigen Tag bei ihm zu verbringen. Er hinterließ für Haunold einen Zettel, in welchem er kurz mittheilte, daß er für Evans bürge, nachdem dieser sein Wort gegeben habe, vorläufig keinen weiteren Selbstmordversuch zu unternehmen; Abends würden Beide sich zum Tbee einfinden. 8. K a p i t e l. as ist Unsinn!" Mr. Snyders warf einen Brief mit heftiger Geberde auf den Tisch. Unsinn! Ist es möglich, daß ihr es so sehr um dies Geld zu thun ist? Und warum? Wozu bedarf sie es? Es ist doch Unsinn!" Er beruhigte sich etwas und las die weitere Korrespondenz mit der sonst üblichen Bedachtsamkeit, bis auf einmal ein Schreiben ihn neuerdings erregte. Ein toller Zufall," sagte er vor sich hin und fing an. zu überlegen. Das letzte Schreiben enthielt die Aufforderung Seitens eines großen Bankhauses in Frankfurt a. M., an einem Finanzgeschäfte Theil zu nehmen und zur Berathung über dasselbe entweder selbst zu kommen oder einen bevollmächtigten Vertreter der Firma zu senden. Mit einigem Rechte konnte Mr. Snyders von einem tollen Zufall sprechen, obwohl dieses geschäftliche Schreiden in keinerlei direktem Zusammenhange mit jenem Briefe stand, dessen Inhalt er als Unsinn bezeichnet hatte. Letzterer kam von Miß Mabel Snyders, und enthielt den sehr bestimmt ausgedrückten Wunsch, der Vater möge persönlich Mr. Pailer nach Mainz bringen, wo sie mit ihrer Reisegesellschaft Beide , erwarte. Sie empfehle aber auch, um eine Weigerung Pailers unmöglich zu machen, diesem das Reiseziel gar nicht mitzutheilen, sondern einfach zu sagen, er solle den Chef auf einer Geschäftsreise begleiten. Es ist zu begreifen, daß diese Zumuthung den ehrenwerthen Mr. Snyders etwas aufregte, und ebenso, da er den Zufall merkwürdig fand, welcher in der That eine' Geschäftsreise nach derselben Gegend .nothwendig machte. Nun hätten sicherlich intime Freunde Mr. Snyders' darauf geschworen, daß er schließlich doch dem Rufe Miß Mabels gefolgt wäre, da der Vater emer einzigen Tochter immer gefügig ist; jetzt aber war es zweifellos, daß er dem Zufall sehr dankbar war, welcher ihm gestattete, seinen Gehörsam gegen die Herrin seines Hauses vor seinem geschäftlichen Gewissen zu rechtfertigen. Demnach gingen noch am selben Tage zwei Briefe ab, deren Inhalt sich in die Worte:, Ich komme" zusammenfassen ließ, und am andern Morgen wurde Pailer zu seinem großien Erstaunen in das Bureau seines Chefs gerufen, wo dieser zu dem verblüfften jungen Manne sagte: Mr. Pailer. Sie werden mich auf einer Geschaftsreise begleiten; versehen Sie sich mit dem Nöthigsten, wir werden etwa echt Tage wegbleiben. Finden Sie sich um 8 Uhr 20 Minuten Abends auf dem Charing-Croß-Bahnhofe ein." Pailer hatte nicht gewagt, zu fragen,, wohin die Reise gehe, und sich damit
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vertröstet, er würde das Ziel schon erfahren. Darin täuschte er sick aber. Als er pünktlich auf d:m Bahnhof erfchien, fand er Mr. Snyders dort, der die Billets bereits durch seinen Diener hatte besorgen lassen; man bestieg den Zug nach Dover, von hier ging es sofort nach dem Dampfer, in Calais wurde ein Koupe im Schlafwagen genommen, das Mr. Snyders telegraphisch bestellt hatte, und dann schlief Pailer ein. Als er erwachte, war es lcyon heller Marge, tm leuchtenden Frühglanz lag die Landschaft da, durch welche der Zug dahinbrausie; ein Blick auf die Uhr belehrte Pailer. daß sie Brüssel, welches er als Reiseziel vermuthet hatte, schon längst hinter sich haben mußten. Jetzt rasselte der :ig über die Weichen einer kleinen Station, im Flugz erhäschte Pailer den Namen derselben, es war ein deutscher Name. Mit eine? jähen Bewegung fuhr er zurück und tippte dem schlafenden Mr. Snyders auf den Arm, der jetzt die Augen' aufschlug und verwundert in
das finstere Gesicht seines Korrespon-j oenten ay. Darf ich wohl bitten mir zu saaen. wohin die Reise geht, Mr. Snyders?" Ich denke, dies könnte Ihnen wohl gleichgiltig sein." Durchaus nicht. Mr. Snyders. Ich bin kein Waarenballen." Nun denn, wir fahren nach Frankfurt." Sie sagten dcch, eine Geschäftsreise ". Jawohl, dies sagte ich. und so ist es. Ich wünsche aber noch etwas zu schlafen." Mr. Snyders wandte sich, um und überließ es Pailer, sich mit der überraschenden Thatsache zu befreunden, daß er auf deutschem Boden sich befinde. Daß der junge Mann nicht, sonderlich freudig gestimmt sei. verrieth der Ausdruck des Gesichtes nur zu deutlich. In Köln benutzte Mr. Snyders den kurzen Aufenthalt, welchen der Wagenwechsel verursachte, um einen Brief in den Schalter des BahnHofpostamtes zu werfen, dann wurde die Fahrt fortgesetzt. Man kam auch glücklich in Frankfurt an, und Alles schien gut zu gehen, als ein Ereigniß eintrat, das sowohl, dem ehrenwerthen Mr. Snyders als seinem 5Zorresvondenten gleich unerwartet zu kommen schien und auch alle Berechnungen der schönen Mabel Snyders vereitelte. Am Tage nach der Ankunft halte sich Mr. Snyders zu seinen Geschäftsfreunden begeben, und Pailer ihn dahin begleitet, um, wenn es nöthig sein wurde. Auszeichnungen zu machen. Immerhin hätte er darauf stolz sein können, denn er nahm damit gewissermaßen die Stelle einer Vertrauensperson der Firma Snyders ein. Ncztürlich wurde er auch zu dem' Mahle eingeladen, welches der Geschäftsfreund nach der Berathung gab, und erst Abends lehrten Beide in das Hotel zurück, in welchem sie abgestiegen waren. Pailc? war kaum einige Minuten in seinem Zimmer, als es an der Thür pochte, und ein fremder Herr eintrat, der sich höflich erkundigte, ob er Herrn Gotthold Wilhelm Pailer vor sich habe. Ja!" war die unsichere Antwort. Was wünschen Sie von mir?" Ich habe den Auftrag, Sie zu verhaften, da Sie sich der Erfüllung Jhrec Militärpflicht durch die Flucht in das Ausland entzogen haben." Am nächsten Morgen stand Mr'. Snyders vor dem Polizeipräsidenten, roth im Gesichte vor Aufregung und mit lebhaften Geberden seine Worte unterstützend. Man hat Mr. Pailer verhaftet, meinen Sekretär, das kann ich nicht zugeben!" Der Präsident sah zuerst in einem Journal nach. Es ist richtig, der Mann ist deutscher Reichsangehöriger und Militärflüchtling. Er wurde.bereits der Militärbehörde übergeben." Dann gehe ich zu dem Kommandanten!" Der Präsident neigte leicht das Haupt und zog die Schultern auf. Das hieß- Thun Sie. was .Ihnen beliebt, es nützt doch nichts." . Volle drei Stunden währte es. bis Mr. Snyders bei dem Stadtkommandanten vorgelassen wurde, der mit wohlwollendem Lächeln den erregten alten Herrn anhörte und dann ruhig erklärte: Den Mann kriegen Sie nicht los! Zunächst muß er seiner DienstPflicht genügen und zwar drei Jahre." Und dann?" Tann kommt noch die Strafzeit, hinzu. Ueber das Maß derselben habe ich nicht zu entscheiden. Es wird natürlich von den Umständen, die er zu seiner Entschuldigung anführen kann, vor Allem auch von seiner Aufführung abhängen, wie die Strafe bemessen wird." Was soll man da thun?" murmelte Mr. Snyders. Nichts, mein verehrter Herr. Es ist doch Alles umsonst." Mit diesem kurzen, aber deutlichen Bescheide wurde Mr. Snyders entlassen. Wohl oder übel mußte er sich dabei begnügen, und in ziemlich schlechter Laune reiste er, am nächsten Tage nach Mainz ab, uNi seiner Tochter die schlimme Nachricht zu bringen. Mit strahlendem Antlitz empfing Maoel den Vater, und ein zärtlicher Kuß belohnte ihn für seinen Gehorsam. Ich hatte nicht gehofft, Dich sobald schon zu sehen. Um so' dankbarer bin ich für dies Ueberraschung." War eigentlich mcht meine Absicht.
aber eine 'geschäftliche Angelegenheit bestimmte mich, vorerst nach Frankfurt zu fahren." Mit Mr. Pailer?" Wohl, mit ihm." Wo ist er?" Weiß nicht, vielleicht noch in Frankfurt, vielleicht irgendwo in nun, kurz herausgesagt, man hat ihn. ver-haftet.- " . Miß Snyderö wurde bleich und preßte die Lipepn fest zusammen. Doch nicht wegen etwas Schlimmem?" Hm. man sagte mir, er sei ein Militärflüchtling." Ah! Also das war es! Nun. das ist gut." i Ich finde nicht, weshalb das gut sein soll." Ich bin froh, daß er keinen anderen Grund hatte, weshalb er sich so sehr sträubte, nach Deutschland zu gehen." Mr. Snyders sah seine Tochter scharf an, die jedoch ruhig den Blick aushielt. Die Sache gefällt mir nicht. Tu hast seltsame Launen, Mabel, und
ich will nicht weiter fragen, was diese Laune bedeutet. Ich würde jedoch wünschen. Du dächtest nicht weiter an diesen Mr. Pailer." Er ist durch meine Schuld jetzt in eine schlimme Lage gerathen, und nun ist es unsere Pflicht, ihn daraus zu befreien." Unsinn! Es ist nichts zu machen." erwiderte ärgerlich Mr. Snyders und berichtete nun über seine kläglich gescheiterten Versuche, Pailer frei zu bekommen.' Aufmerksam hatte Miß Snyders zugehört. Es ist richtig, man wird Zeit und Geduld bedürfen. Nun, ich habe Zeit." Ich aber nicht." Du kannst ruhig heimkehren; ich werde Alles besorgen." Ich wollte. Du ließest die Hand von dieser Sache." Nichts da. Papa- Tu wirst mit mir zufrieden sein." Mit diesen etwas vieldeutigen Worten schloß Mabel die Unterhaltung über Pailer ab. Unerfreuliche Gedanken beschäftigten Mr. Snyders auf der Heimfahrt. Das Interesse an diesem Herrn Pailer, welches Makel bewies, mißfiel ihm gründlich, und er sträubte sich, den Schluß zu ziehen, der so nahe lc:g. Alle Launen und Seltsamkeiten, welche seine Tochter jemals gezagt hatte, rief er sich in's Gedächtniß zurück, suchte alle Gründe hervor, welche gegen jene Annahme stritten, die ihm so schwere Bedenken erregte. War seine Tochter nicht stolz? Gewiß, so viel er wußte, hatte sie stets strenge darauf gesehen, daß nur tadele lose Gentlemen in ihre Nähe kamen. Sie war verwöhnt, die bedeutendsten Männer bewarben sich um ihre Gunst; an Mr. Pailer hatte er nie etwas Bedeutendes zu entdecken vermocht. Er sagte sich auch, daß er Mabel stets kühl und verständig gefunden habe; es wäre daher nicht anzunehmen, daß bloße äußere Vorzüge sie bestechen könnten. Kurz, er suchte sich zu überzeugen, daß der Charakter Mabels alle Bürgschaft biete, daß sie nicht einen Schritt thun würde, welchen die gute Gesellschaft mißbilligen müßte; aber es gelang ihm doch nicht recht, den vollen, beruhigenden Glauben zu gewinnen. Niemals hatte er sich damit abgegeben, Frauen zu studiren, aber jetzt drängte sich ihm die Ahnung auf. daß man leicht das Wesen eines Mannes, nie aber die Seele eines Weibs ergründen könne. 9. Kapitel. 7'elchem Glücksfalle das kleine Jdy Städtchen D. es verdankte, O daß dort der Stab eines Ulanenregimentes seinen Sitz hatte, war eine Frage, die schon ost besprochen, aber noch nie gelöst worden war. Unzweifelhaft wär die Luft gefund, und nichts gab es, was die Nerven hätte erregen und abspannen können; man wurde durch keinerlei Zerstreuung abgehalten, sich ganz dem Dienste und den Pflichten zu widmen, und wollten die unverhciratheten Herren Offiziere nicht wider. Willen Kapitalisten werden, so mußten sie ab und zu Urlaub nehmen, um ihre ersparten Zulagen irgendwo los zu werden. In Dieser Atmosphäre strengster Solidität, welche v?n dem Kleinbürgerthum ausging, verlo? selbst das Spielen seinen Reiz. Dafür galten die Offiziere von D. als die best trainirten Reiter, und wenn einer der Ihren sich bei einem Herrenrenneu betheiligte, so trug er in der Regel auch einen Preis davon. Der Grund hierfür lag auf der Hand: die Pflicht war zugleich das einzige Vergnügen. Im Gcldnen Greifen," dem ersten, weil einzigen Hotel, das übrigens vorzüglich geführt wurde, war das Kasino, hier speisten die unverheiratheten Ossiziere, unter diesen auch der Oberst, welcher seit zwei Jahren verwittwet war. Oberst v. Tillfuß war erschienen, hatte seinen Ehrenplatz eingenommen und dem Aufwärter das Zeichen zum Serviren gegeben. Lieber Rainthal," sagte' er zu dem ältesten Rittmeister, der zu seiner Rechten saß. jetzt werden Sie bald hier den Vorsitz 'übernehmen müssen. Ich erhielt heute Nachricht von meiner Schwesier. daß sie in zwei oder drei Tagen mit ihren Töchtern eintreffen werde, um sich meiner anzunehmen, wie sie schreibt. Dann werde ich wieder die Annehmlichkeiten eines eigenen Heims genießen. Und Sie, meine Herren," wandte er sich an die übrizen Offiziere,
können sich freuen, daß Sie den',Alten' los werden." O." murmelte die Tafelrunde, um damit gegen diese Annahme zu protestiren, und 'Rittmeister Rainthal gab diesem Proteste wörtlichen Ausdruck. Seien Sie überzeugt, Herr Oberst, daß wir Sie schwer vermissen werden. So lebhaft wir bedauern, daß wir Sie nicht mehr in unserer 'Mitte sehen so!len, so freuen wir uns doch anderseits, oan wir wieoer einmal lievenswuroige Damen in D. begrüßen dürfen." Pst! Seien Sie nicht ungalant gegen die Damen unserer Kameraden. Was würden diese sagen, wenn sie Ihr .wieder einmal' qehört hätten." Ter Oberst schmunzelte. Rittmeister Rainthal zog die Schultern hoch, und die Anderen lächelten. Es war ein boshaftes Lächeln, aber man durfte es entschuldigen. Das Geschick hatte es so gefügt, daß die Damen, von denen die Rede war, gewiß eine Reihe vortrefflicher Eigenschaften besaßen, aber liebenswürdig konnte man sie nicht nennen. Sekondeleutenant v. Glockthurn. der als der Jüngste seine Suppe zuletzt bekam, dafür aber das stillschweigend anerkannte Vorrecht besaß, vorlaut zu sein, erlaubte sich, von diesem Rechte Gebrauch zu machen. .Na, bei den Kameraden, werden wir Sie nicht verrathen, Herr Rittmeister; aber hatten Sie schon vergessen, wovon wir vorhin sprachen?" Nun. wovon sprachen die Herren? Wahrscheinlich von den fremden Damen! Es scheint, daß man sich lebhaft für dieselben interessirt." Riesig. Herr Oberst! Verdienen es übrigens, auf Ehre!" antwortete v. Glockthurn. Unser liebes D. muß doch besondere Reize haben, von denen wir bisher nichts ahnten, wenn sogar Engländer hier sich ansiedeln," bemerkte der Oberst.
r Rainthal wirbelte die Enden seines Schnurrbartes. Na. Naturreize! Daran glaube ich doch nicht reckzt. Weiß Gott, was diese Gesellschaft bier sucht." , Uns natürlich!" rief v. Glockthurn, was zustimmendes Lachen erregte. Hm! Ist auch Alles richtig?" fragte Herr v. Tillfuß. Ich möchte nicht wünschen, daß Abenteurer hier sich Opfer suchen und finden." ..Keine Soi'ze, Herr Oberst," beeilte sich mit ausfälligem Eifer Rainthal zu erwidern, de Bankassessor theilte mir mit. daß bei dcrBankstelle eine Summe hinterlegt ist, welche hier loszuwerden wirklich eine Kunst sei. An die zehntausend Thaler oder noch mehr! Papiere und dergleichen auch in Ordnung." Stimmt!" warf der Leutnant ein. Die Herren sind ja schon merkwürdig genau unterrichtet." lächelte der Oberst. Begreife es übrigens; es sind brillante Erscheinungen, besonders die Eine; habe lange schon so etwas Feines nicht - gesehen. Welche Rolle spielt denn eigentlich der Begleiter?" Ein' sogenannter Vetter, scheint übrigens höllisch kurz gehalten zu werden. Nennt sich Kapitän Fergus. wahrscheinlich so ein Offizier mit gekauftem Patent, weiß wahrscheinlich nicht, wie eine Kaserne oder ein Exerzicrplatz aussieht." In diesem Augenblick neigte sich der Aufwärter, welcher die Teller wechselte, zu dem Ohre des Leutnants, v. Glockthurn und flüsterte ihm etwas zu. Ter Offizier sprang auf: 'Meine Herren, sie kommen!" und er eilte an das Fenster, welches offen stand, um die milde, würzige Frühlingsluft einzulassen. Natürlich folgten die Anderen seinem Beispiele; nur der Oberst mahnte: Aber, meine Herren, was werden die Tamen denken?" Eine halbe Minute später .aber stand niich er an dem anderen Fmster und zwar ganz vorne, da Rainthal ehrerbietig zurückgetreten war. In der That kamen die Straße herab zwei junge Tamen, Miß Snyders und Miß Lucy. gefolgt von dem langen Kapitän, der ziemlich gelangwcitt und hungrig, aussah. Jcht waren sie unter den Fenstern; es war unmöglich, es nicht zu bemerken, daß Leute an demselben standen. Miß Lucy lächelte, Mabel aber hob ruhig ihr Haupt und sah nicht minder ruhig die neugierigen Herren an, Einen nach dem Anderen, bis zu dem Obersten; dieser neigte unwillkürlich das Haupt wie zum Gruße. Gemessen schritt noch Kapitän Fergus vorüber, mit seinen Glotzaugen die Offiziere förmlich photographirend. welche seiner jedoch kaum achteten. Ich gratulire. Herr Oberst." fagie Raintbal zurücktretend. Ter Blick aalt Ihnen, und was für ein Blick!" ES scheint fast, daß ich ein ernster Konkurrent für Sie werden könnte, mein lieber Glockthurn, trotzd:m ich etliche. Jahrzehnte ckehr zu tragen habe." sagte Herr v. Tillfuß, auf den Scherz eingehend. Dafür haben der Herr Oberst fünf Chargenlängen voraus, dadurch gleicht sich das wieder aus!" erwiderte kühn der Leutnant, was ihm Seitens des Rittmeisters einen mißbilligenden. Blick eintrug. Der Oberst nahm jedoch die kecke Antwort nicht übel, sondern bemerkte lachend: Weiß Gott, ich würde gerne tauschen. Sie können wohl Oberst werden, aber ich leider nicht mehr junger Leutnant." Die anderen Herren hatten indessen lebhaft durcheinander gesprochen: . t
galt die Frage, wie heranzukommen" fei. Leutnant Glockthurn rief den AufWärter herbei: Die Engländer speisen regelmäßig oben?" Jawohl, so viel ich hörte, haben sie Pensionspreise abgemacht." Gut. Der Wirth soll kommen." ' Glockthurn stand auf, ging zu einem Nebentischchen, auf welchem Schreibzeug stand, drehte ein Briefblatt zu einer Rolle, tauchte sie in das Tintenfaß und strich dann ein paarmal kreuz und quer über die Tapeten. Zum Henker. Glockthurn, was treiben Sieda?" riefen die Kameraden Mit einer würdevollen Handbewegung winkte er ab. Warten!" Der Hotelbesitzer trat ein. und der Leutnant wandte sich an ihn. Hören Sie 'mal, die Stube da ist schon ganz verräuchert, ein reiner Skandal. Es fällt Ihnen natürlich nicht ein. Ihre Höhle menschenwürdig zu gestalten; aber jetzt werden Sie wohl daran müssen" er deutete auf die Tintenstriche an der Wand geht übrigens auf meine Rechnung. Lassen Sie morgen die Geschichte machen." Der Hotelbesitzer begann sich zu entschuldigen, er hätte selbst gerne das Speisezimmer verschönern lassen, aber die Sache währe doch einige Tage, und da müßten die Herren den allgemeinen Speisesaal benutzen, was ihnen vielleicht nicht angenehm wäre. Wir werden natürlich inzwischen oben speisen," fiel ihm der Leutnant in die Rede. Sie brauchen sich auch keine besondere Angelegenheiten zu machen, während der paar Tage nehmen wir mit den anderen Gästen an der Tafel Platz. Vergessen Sie nicht, wir wollen keinen besonderen Tisch!" Der Wirth ging, und stolz nahm der Leutnant wieder seinen Stuhl ein. Bravo, Glockthurn!" schallte es unter Lacken ihm entgegen. Eine schneidige Idee!" Für das Herankommen habe ich gesorgt, das Weitere wird sich finden." erwiderte er. Nach dem Mahle verließen die Offi ziere das Hotel, der Oberst ging heim, von Rainthal und seinem Adjutanten begleitet, die Anderen blieben noch vor dem Thore stehen, unter dem Vorwände, daß sie noch Einiges über den nächsten Ausritt zu besprechen hätten, in Wahrheit aber, um die Damen vorbeipassiren zu lassen. (Fortsetzung folgt.)
Hsarausreiszen und -(Essen. von sranzösischkn Aerzte bobchtt neuartige S!ervenreijngen. Zwei neue Nervenreizungen'sind von Aerzten in Frankreich beobachtet worden. Sie führen die griechischen Namen Trichotillomanie" und Trichophagie" und bedeuten die Gewohnheit des Haarausreißens und des Haaressens. Die eine Manie bildet die Voraussetzung der anderen. Die Trichotillomanen reißen sich die Haare natürlich nicht aus Verzweiflung aus; sie thun es vielmehr aus purer Gewohnheit. Das Sonderbarste ist, daß jeder Trichotillomane die merkwürdige Uebung nach eigener Phantasie ausgestaltet. Da ist ein junges Mädchen. das nicht eher einschläft, als bis es sich methodisch eine Viertelstunde lang Haare aus den Augenbrauen gerissen hat. Ein 'Lehrer riß sich in schlaflosen Nächten die Barthaare aus, um sie zwischen den Fingern zu zerreiben. Andere nehmen sich ihre Kopfhaare vor, so daß ihre Kopfhaut nach wenigen Monaten lauter kahle Stellen aufweist. Den Schmerz, der mit dem Ausreißen der Haare verbunden ist. scheinen die Trichotillomanen gar nicht zu empfinden. Frauen, welche Trichotillomanen sind, sind fo wenig kokett, daß sie ruhig ein von Wimpern und Augenbrauen befreites Gesicht zur Schau stellen und nie und nimmer aus ästhetischen Gründen auf ihre Gewöhnheit verzichten würden. Beinahe harmlos aber ist der Trichotillomane, der sich die Haare doch nur ausreißt, neben dem Trichophagen, der die ausgerissenen Haare ißt. Auch er könnte nicht angeben, warum er das thut. Mancher Trichophag behauptet ja zwar, daß durch das Haaressen seine Stimme klarer und seine Zunge rosenfarbener werde, aber das ist natürlich heller Unsinn. Daß die Trichophagie recht gefährlich werden kann, kann man sich denken. Die verschluckten Haare gehen nicht immer leicht aus dem Magen heraus; sie verbinden sich mit dem Magenschleim, verfilzen sich und bilden, da der Vorrath jeden Tag größer wird, zuletzt wahre Haarknäuel von beträchtlichem Umfang. Natürlich trägt man mehrere Pfund ..Magenhaare" nicht ungestraft mit sich herum, und die Folgen der Trichophagie sind oft schwere Krankheiten. Massen desertion. Die Zahl der serbischen Soldaten, die sich über die Grenze nach Ungarn flüchten, wird immer größer. Als Ursache der Flucht geben sie ausnahmslos schlechte, rohe Behandlung seitens der Offiziere an, auch klagen sie über ungenießbare schlechte' Kost. Die Uniformen, dieser Leute befinden sich im denkbar desolatesten Zustande. Von zinem Belgrader Kavallerie.Regiment allein sind im Laufe von drei Monaten 43 Soldaten defertirt. '
Allerlei sür's Hau?. Schmuckfachen von Stahl
reinigt man durch eine Mischung von Olivenöl und durchgesiebtem Ruß. Waschen von Bunt st icker e i. Buntstickereien und farbige Wasche, mit Quilayarinde gewaschen, leiden auch im Waschsaß nicht. Zu diefem Zweck muß die Rinde einige Minuten im Wasser kochen; abgekühlt, w:ro te abgegossen öevor die Sachen in der Flüssiakeit aewascken werden. Das Nachspulen hat in kaltem Wasser zu erfolgen. Bunte Stickereien werden in ein Tuch geschlagen und zusammengerollt, noch feucht müssen sie von links gebügelt werden. . Mit Gallseife, hei-, ßem Essig und Kleiewasser läßt sich gleichfalls das Ineinanderlaufen und Matterwerden der, Farben der Wasche vermeiden. Flecken auf Sammet. Harzund Wachsflecke in Sammet betupfe man gut mit Benzin, bedecke dann die betreffenden Stellen mit Löschpapier und halte sie von links über kochendes Wasser, fo daß der Dampf durch die Flecke ziehen kann. Dieses Verfahren setze man unter Wiederholung des Betupfens und Erneuerung des LöschpaPiers so lange fort, bis alles verschwunden ist. Sollte sich der Stoff von der Rückseite aus nicht behandein lassen, so nehme man statt des kochenden Wassers ein glühend heißes Platteisen, das der bequemeren Zugängklchkeit wegen umzulegen ist. Ueber diefes halte man die mit dem Lsschpapier bedeckten Stellen, jedoch so, daß das Eisen nicht berührt wird, sondern nur die Hitze durchdringen kann. Hundefutter. Ein vorzügliches Hundefutter ist nach Zeugnissen der berühmtesten Kynologen und hervorragender Hundezüchter Spratis Fleischfaser - Hundekuchen. Es ist ein durch Verbindung von reinem, nicht extrahirtem Rindfleisch, gutem Weizenmehl und rothen Rüben bester Qualität erzeugtes Produkt, das ein allen Anforderungen des Organismus des Hundes entsprechendes NahrungsMittel bildet. Sowohl die größten wie die kleinsten Hunde gewöhnen sich sehr bald an dies zuträgliche und ihnen wohlschmeckende Futter, dessen Harte beim Kauen eine Speichelbildung verursacht, die auf die Verdauung überaus günstig wirkt. Die mit' dem Kuch'n gefji'"rten Hunde .befinden sich schon nach kurzer Zeit sehr wohl dabei. Tintenflecke lassen sich aus Papier durch Betupfen mit Cltronensaft entfernen. Dann wischt man mit klarem Wasser nach und trocknet die Stelle mit einem sauberen weichen Löschblatt ab. Oder aber man schüttet in eine kleine Flasche von etwa 20 Gramm Inhalt einen Theelöffel voll Chlorkalk, füllt die Flasche dann mit Wasser und läßt sie einige Tage unter öfterem Umschütteln stehen. Mit der klaren Flüssigkeit betupft man dann die Flecke und verfährt weiter wie oben angegeben. Flecken auf Gummibäumen entstehen vielfach durch Sonnenbrand, wenn die Pflanze seither im' Schatten stand und dann unorsichtigerweise in die Sonne gestellt wurde. Vielfach ist auch eine Blase in der Fensterscheibe schuld an den Flecken. Dieselbe sammelt ähnlich wie ein BrennglaZ die Sonnenstrahlen und verbrennt das Blatt. Fuß Verletzungen. Bei Fuß Verrenkungen Verstauchungen und Uebertreten der Füße hat man bisher gewöhnlich Ueberschläge von kaltem Wasser angewendet. In neuerer Zeit ist aber die Erfahrung gemacht worden, daß Überschläge und Bäd?F von warmem Wasser, so warm es vertragen wird, besser und schneller wirken, als von kaltem. Für viele Personen ist die Anwendung des warmen Wassers auch weit angenehmer, als des kalten. Erhöhen kann man die Wirkung, wenn man etwas Arnikatinktur in das Wasser mischt, auch etwas Kochsalz soll von guter Wirkung sein. Wie bewahrt mandas Geflügel vor Krankheit? Die Thiere gesund zu erhalten, ist viel wichtiger und einfacher, als kranke zu kuriren, weshalb jeder Geflügelzüchter und -Halter folgende Hauptregeln beachten möge: 1. Füttere stets regelmäßig. sowohl was die Zeit, als auch die Quantität anbelanat, damit die Thiere sich nicht übersressen. 2. Das Trinkwasser muß stets rein sein, denn schlechtes Wasser kann vielerlei Krankheilen verursachen. 3. Füttere vom Korn stets das beste, weil es auf die Dauer das billigste -ist: Im Hinterkorn sind oft schädliche und giftige Sämereien, welche von gefräßigen Thieren mit aufgenommen werden und Krankbeiten resp. Tod im Gefolge haben können. 4. Verabreiche keine giftigen und ungesunden Kräuter. 5. Suche die Thiere gegen kalten Regen und Schnee soviel als irgend möglich zu schützen, laß sie nicht aus kaltem Boden gehen, sondern gieb den Ställen einen Vrettnboden. 6. Will man das gewohnte Futter wechseln, so muß der Uebergang ganz allmah lich geschehen. 7. Abends verabreiche man Korn, damit die Thiere Morgens nicht an hungrig sind und zu gierig übn alles, was s finden, herfallen. 8. Man sorge in den Stallen für reiue, frische Luft. 9. Man beachte die gköKte ökinlichkeit und entferne allwschmilick wentffftenö zweimal den Mist auö dem Stall und streue danach dick Sand.
