Indiana Tribüne, Volume 29, Number 41, Indianapolis, Marion County, 11 October 1905 — Page 5
Jndiima Tribüne, 11 Yktobcr 1905
Regen. (Von Gisela Bogenhardt.) Es senkt der 9!ußbaum feine vollen Aeste. Die großen Blätter schaukelt still ttx . Wind In. langen Tropfen trieft der , Sommerregen In Blüthenkclche. die weit offen sind. , Der grau vcrstanbtc Zaun hat feuchte Flecke. Tie Weitzdornheckcn brauen schtveren Tust Won den Akazien lösen sich die" Vn Und taumeln trunken durch die schwüle Lust. Der Regen zeichnet ctringeT in die Pfützen Und singt ein monotones Lied dabei Es ist. als ob von seinem müden Singen Tie Erde lächelnd eingeschlafen sei. Meine Frau Wirthin.
Skizze aus dem Leben von Mar WundtkeWieder einmal schritt ich durch die Straßen an der Peripherie der Riesenstadt und studirte die an den Hauseingängen hängenden Plakate: Hier ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. Ich fand auch bald, was ich gesucht hatte, im vierten Stockwerk ein einfach, aber freundlich' - und sauber ausgestattetes Zimmer. Der Blick ging auf eine Reihe Zimmer- und Kohlenplätze hinaus. Hier werde ich Licht, Luft und Sonne genug haben, und ich sehe es gern, wenn mir die Wetterwolken ein bischen nahe 'sind. Kindergeschrei und Straßenlärm dringen nicht so grell in mein Ohr. Ich mag nicht auf sie verzichten; sie gemahnen mich immer an das heiß pulsirende Leben der Gegenwart und an die großen Fragen der Zukunft; aber sie sind doch hier oben nicht mehr stark genug, um mich abzulenken. Und dann kann ich hier oben Tag und Nacht die Fenster offen lassen. ohi fürchten zu müssen, meinen Schreibtisch allmählich im Staubsande der Metropole versinken zu sehen, wie die Stadt' Taklamakan in die Wüste Gobi. Und was die Hauptsache ist ich wohne hier für 22 Mark im Monat recht angenehm; unten ist's bedeutend theurer und lange nicht so gut, wenn auch die Möbel manchmal ein bischen, besser sind. Ich hab's gut hier oben; alles ist spiegelsauber und die junge Frau zumeist. ' Ein bildhübsches Ding! Und so jung. Kaum dreißig, so möcht' ich schätzen. Einfach und sehr bescheiden gekleidet, aber durchaus geschmackvoll. Fast möchte ich sagen, es liegt Schick in ihrer,Art, sich anzuziehen, wenn das Wort nicht an dieser Stelle gleich an Frivolität klänge. Wie sie mir bei einem Gespräch gestanden hatte ich bleibe gewöhnlich aus dem Sofa liegen und consumire meine Zeitung, wenn sie das übliche tägliche Aufräumen des Zimmers vornimmt, und da kommen wir dann manchmal ins Plaudern macht sie sich ihre Kleider selbst. Eine alte Nähmaschine hat sie noch von ihrer Mutter da. Sie hätte einmal ein besonderes Geschick dazu. Sie brauch: nur einmal ein Kleid, das ihr gefällt, oder ein Modebild zu sehen, sofort ist sie im Stande, es nachzumachen. Sie hätte ihrem Manne noch keinen Pfenmg gekostet. Sie sagte das mit einem gewissen, leuchtenden Stolz. Es schien ihr wohlzuthun, so frei dazustehen von der Hilfe ihres Mannes. Aber ich konnte mir nicht helfen wenn ich die Fraü so sah ich mußte sie mir stets vorstellen in dem Gewände besser gestelltes Gesellschaftsschichten. Sie hätte den Charakter als Dame von Rang und Bildung bejjer gewahrt als manche, die jenen Kreisen angehört. Ich habe mich immer wundern müssen, wie ihr Mann, der doch ein gewöhnlicher, roher, trunksüchtiger Patron war, zu dieser Frau gekommen war. Fragen wollte ich nicht, und Frau Kestner sprach von sich selber niemals. Es war immer die gleiche Freundlichkeit,? von einer gefaßten Resignation wie von einem Schleier überzogen. Immer hatte ich die Empfindung, als müßte diese Frau recht unglücklich sein; aber sie verrieth nichts davon. Es lag ja doch auch auf der Hand! Wie hätte sie glücklich sein können in dieser Umgebung, sie, die sich hier wie eine verirrte Bachstelze unter einer Heerde Spatzen ausnahm. Unwillkürlich wurde mein Ton ihr gegenüber ein wenig wärmer, und sie war dankbar dafür und umgab mich mit einer Fülle von Aufmerksamkeiten, die dem an das frostige Chambregarnistenleben Gewöhnten doppelt wohlthaten. Trotzdem schien sie sich ängstlich zu hüten, mich einen Blick in ihr Leben und Fühlen thun zu lassen. Das änderte sich erst, als ich sie eines Morgens mit einer blutunterlaufenen Wange und einer Beule an der Stirnecke in mein Zimmer treten sah: Zwar hatte sie ein weißes Tuch um das Geficht geleat, daß es den Anschein erweckte, als litte sie an einer Zahnge- , schwulst, aber blitzschnell zuckte mir die Erinnerung an die vergangene Nacht durch den Kopf. Da war ich munter geworden von einem wüsten Lärm, von zankenden Stimmen, Poltern, Schreien, das über mir oder unter oder neben mir stattfinden mußte. Am Anfang war ich ärgerlich über diese Störung meiner Nachtruhe, und die gleiehe Empfindung schienen auch andere Hausbewohner zu haben; doch es hörte deswegen nicht auf. Eine rohe, heisere, fast krächzende Männerstimme bellte auf eine Frauenstimme ein, die hörbar bemüht war, sich zu unterdrücken. 62 war eine gedämpfte, weinende, wimmerrche Stimme, die nur zuweilen in ein lanieres Aufkreischen überging.
Plötzlich ein lautes', gellendes Aufschreien, begleitet von dumpfem Poltern, als würden Möbel umgeworfen, dann ein langes, immer schwächer werdendes Wimpern, und der Spektakel schien einzuschlafen. Ich lag noch eine Weile, schon von Anfana an wohl nock ein wütig inSchlaftrunkenhelk gelauqr lauschend und sinnend, bis mich mit der die Jugend so glücklich machenden Sicherheit der Schlaf wieder in seinen Bann zog. Am Morgen dachte ich nicht mehr an die kleine Episode, aber sie stand mir plötzlich mit aller Lebhaftigkeit wieder vor der Seele, als meine Wirthin mit dem verschwollenen Gesicht eintrat. Ich hatte mir einen Zusammenhang zwischen den beiden Thatsachen hergestellt und ging auch nicht davon ab, als die Frau, meinen verwunderten und fragenden Blick gewahrend, leichthin
erklärte, sie hätte sich gestern versehentlich an der offenen Kuchenthur gestoßen. Ich sagte nichts dazu, aber sie fühlte, wie ich sie ur gläubig beobachtete. Ganz 'verloren, nach einer geraumen Zeit, fing ich scheinbar unvermittelt an, von dem wüsten, nächtlichen Lärm zu sprechen.' wie sich die ganze Nachbarschaft darüber erzürnt habe. Nun schien es mit ihrer Selbstbeherrschung vorüber. Sie ließ sich plötzlich, als wäre sie mit einem Male an das Ende ihrer Selbstbeherrschung gekommen, auf einen Stuhl sinken, schlug die Hände vor das Gesicht und weinte bitterlich vor sich hin. Ich ließ sie gewähren und fand auch nicht den rechten Ton, sie zu trösten. Offen gestanden, ich fürchtete, zu viel zu sagen. Einmal, weil ich nicht ivuß .te, wie, weit sie mir einen Einblick in ihre Verhältnisse gestatten wollte, dann aber auch, weil ich leicht allzusehr mein eigenes Empfinden verrathen konnte. Denn darüber war ich mir klar: für diese Frau hätte ich etwas mehr thun mögen, als sonst ein Chambregarnist für seine Wirthin zu thun bereit war. Das war mir ganz deutlich zum Bewußtsein gekommen in dem Moment, da ich die mir so furchtbare Verbindung zwischen ihrem geschwollenen Gesicht und der nächtlichen Skandalscene hergestellt hatte. Da war ein grenzenloses Mitleid und räthselhafterweise zugleich eine Art Schuldbewußtsein über mich gekommen, als ob ich durch mein Verhalten die blasse, hübsche, schweigsame Frau in dieses Elend gebracht oder doch daxin belassen hätte; wenn ich mir auch schlechterdings nicht hätte sagen können, was ich hätte thun sollen. So verging eine geraume Zeit, bis sie endlich, zuerst stoßweise, abgerissen, anfing, zu reden. Es wäre ja wohl umsonst, mir noch etwas vorzumachen. Ich hätte ja wohl schon längst gemerkt, wie es draußen bei ihr stände. Mühe hätte sie sich genug gegeben, ihr Leid zu verstecken, aber es fei nicht möglich. Alle Leute im Hause wüßten, wie sehr ihr Mann sie manchmal schlüge. Der Wirth habe ihm schon einmal die Wohnung kündigen wollen, da die anderen Miether sich beschwert hatten, daß er nicht Ruhe halte. Wodurch denn- dieses jammervolle Leben so gekommen sei, fragte ich sie, und ob er schon immer so gehandelt habe. Gott", meinte Frau Kestner, am Anfang ging's ja, wenn er auch damals schon jähzornig war und zuweilen betrunken nach Hause kam. Aber das ist nun immer schlimmer geworden." Und der Grund?" Sie zuckte die Achseln. Was an mir liegt, thue ich gewiß. Ich halte meine Wirthschaft in Ordnung und besorge ihn, wie er sich's nicht besser wünschen kann." Aber dann versiehe ich nicht " Gott, er ist ein Unzufriedener. Er ist ärgerlich auf Gott und die Welt. Ich bekomme ja den ganzen Tag nichts weiter zu hören als Geschimpf. Wenn er nid i über mich schimpft, dann über die Arbeit, über die Menschen. Und er muß jemand haben, an dem er seine Wuth austoben kann. Wenn er dann noch etwas getrunken hat, dann ist das Unglück fertig." Sie schwieg und weinte vor sich hin. Ich wollte etwas sagen, aber jedes Wort erschien mir so furchtbar überflüssig und banal, daß ich davor, zurückschreckte. Nach einer Weile fing sie selbst wieder an, mit jener müden, leisen Stimme, als spräche sie mit sich selbst. Und dann ist er wohl auch sehr eifersüchtig oder er thut nur so. Ich selbst gebe ihm wahrlich feine Ursache dazu. Hier kommt niemand her. und wenn, dann bringt er sie selbst mit un,d er ist immer dabei. Draußen auf der Straße sehe ich niemand an. Aber er findet mich hübsch und weiß, daß ich mich mit ein bißchen mehr Geschmack kleide alsdie Frauen unseres Standes, und er hat es auch gern so; aber er bildet sich immer ein, daß die Männer nach mir blicken, und das bringt ihn so in Harnisch. Nun mag es ja auch fein, daß er recht hat, wenn er behauptet, ich behandle ihn und seine Verwandtschaft und seine freunde so j von oben herab. Ich hab es schon so oft anders machen wollen, aber tch kann nicht. Ich weiß nicht, wie es kommt, ich bin doch auch bloß aus einer Arbeiterfamilie, aber mich widert das alles an, fo viel ich mir auch Mühe gebe, mit ihnen zu lebe??. Das mag
ja wohl auch dazu beitragen, daß er mir mißtraut." s ' Ich war eine Reihe von Tagen unfähig, mich in irgend einen Gedanken einzuspinnen. Jmmxr wieder mußte ich an die bittere Tragödie denken, welche die arme Frau zu durchleben hatte. Sie ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Sie selbst mußte 'etwas wie Scham und Reue empfinden, daß sie mich einen so tiefen Einblick hatte thun lassen, denn sie war scheuer und einsilbiger die nächsten, Tage als sonst. . Nun, da ich aufmerksam geworden, fand ich, daß fast alle Tage schlimme Scenen vorkamen; aber ich hatte nicht den Muth, davon zu sprechen. Wieder einmal war es in ganz früher Morgenstunde es mochte die Zeit sein, da er auf Arbeit" ging besonders stürmisch hergegangen. Als sie nachher :n meinZimmer kam, um Ordnung zu schaffen, erschien sie noch recht aufgeregt. Wenn das Leben für Sie so furchtbar ist", fing ich ganz unvermittelt an, können Sie denn da nicht loskommen von dem Mann? Das 'ist ja ein Elend." Sie sah mich schmerzlich lächelnd mit ihren großen Augen an. Ach, wenn das wäre", sagte sie. Ich hab's ja schon versucht. In unseren Kreisen ist ja, Mißhandlung kein Scheidungsgrund. Meine ' Klage wurde zurückgewiesen, und er wurde noch roher gegen mich, als hätte ich durch meinen Befreiungsversuch den letzten Rest von feiner Achtung verloren. Ja, Sie haben recht, es ist ein Elend! Wie lange ich das noch ertragen werde? Ich fürchte manchmal, es nimmt ein Ende mit Schrecken. Du lieber Gott, wer das gedacht hätte! Und ich soll einen Schutzengel haben?" setzte sie mit bitterem Auflachen hinzu. Ich sah sie verwundert an ob ihrer eigenthümlichen Wendung. Ja", fuhr sie mit schmerzlichem Zucken der Mundwinkel fort, einen Schutzengel! Als kleines Kind bin ich einmal beim Spielen aus dem Flurfenster gestürzt und mit ganz heiler Haut davongekommen. Meine Mutter war außer sich. Ich müßte einen ganz besonderen Schutzengel haben, sagten die Leute. Und dann später noch einmal. Ich war schon zehn Jahre alt. Da fuhr ich mit unserem Milchfritzen auf's Dorf hinaus. Noch ein Spielkamerad war dabei. Damals hatte man ja noch nicht den Verstand ich hätte es sonst nicht zugelassen. Unser Milchfritze jagte nämlich mit dem Fuhrwerk über die Bahngeleise weg. gerade als der Schlagbaum geschlossen werden sollte. Eine Lokomotive faßte die Karre und warf uns auseinander. Als ich meine Sinne wiederfand, war ich völlig unverletzt. Das Pferd. war vollständig zermalmt worden. Der Milchfritze starb nach zwei Tagen, und min Spielkamerad ist heute noch ein Krüppel. Nur ich! Ja, damals war es ganz gewiß, daß ich unter Obhut eines besonderen Schutzengels stehen müßte." Wieder dieses harte, bittere,' kurze Auflachen, das so schrecklich in die Seele schnitt. ' Schutzengel!" fuhr sie fort indem sie sich mit einem Ruck aufrichtete und wieder mit ihrem Staublappen zu Hantiren begann. Ihre Stimme klang jetzt fester, als wollte sie ihre wehmüthige Stimmung mit Gewalt abschütteln. Ach, ich wollte, der Schutzengel hätte sich damals nicht so angclegentlich um mich gekümmert, damals schon, als ich aus dem Fenster stürzte, und dann später er hätte barmherziger gehandelt! Was ist denn mein ganzes Leben bisher gewesen? Schlage von der Mutter, Schläge vom Vater, Schläge in . der Schule man wollte ein frommes und fügsames Kind aus mir machen, und es ging doch nicht! Dann mit 14 Jahren in die Fabrik, jeden Pfennig zu Haufe abgegeben, bis ich diesen Mann heirathete, heirathen mußte, weil es mir eingebläut worden war, daß Kinder ihren Eltern Gehorsam schuldig sind. Und nun wieder eingeengt in die Mauern des Argwohns und der Beschränktheit, abgeschnitten von jedem befreienden Lufthauch, kümmerlich gefüttert und reichlich geprügelt großer Gott, ich ertrag' dieses Leben nicht länger." In eine plötzliche Erschütterung ausbrechend, warf sie den Lappen hastig auf die Erde und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Ein krampfhaftes Schluchzen ging durch ihren Körper und schüttelte sie so, daß ich ängstlich wurde. Ich stammelte wirklich einige Worte, die sie trösten sollten, aber was konnte sie denn trösten? Gab es überhaupt einen Trost für das arme, gequälte Weib, das ein unbarmherziger Schutzengel zweimal für eine freudlose Kindheit, für eine jammervolle Gegenwart und für eine tröstlose Zukunft gerettet hatte. Sie fühlte es auch wohl und wehrte ab; indem sie mit den flachen Jnnenhänden die Thränen in ihren Augen fortwischte, sagte sie mit müder Stimme: Ach. lassen Sie nur! Sie meinen's ja gut, aber mir kann nichts helfen. Ich wünschte, ich hätte iamals sterben können!" ,Jch sprach dann noch eine Weile auf sie ein, aber sie cfcb nur spärliche, einsilbige Antworten. Als ich eines Abends spät nach Hause tarn, fand ich auf dem Schreibtisch, in einer großen Thonvafe einen gewaltigen Busch blühender Lindenzweige. Es flog wie ein wohlig warmer, Strom durch meine Nerven. Ich hatte neulich ' davon gesprochen' wie
gern ich Lindenblüthen r?che, und nun hatte sie mir diese Freude bereitet!' O, dieses Weib! . Sie Ware das Glück des Besten geworden! Lange hab' ich vor diesem Strauß gesessen und mich nquickt an dem köstlichen Duft, indeß meine Gedanken sich um meine junge, schöne, duldende Zimmerwirthin spannten, schmerzlich -süße, wonnigwehmüthige Gedanken, gute und unerlaubte. Der Lindenbusch verblühte, und mein Koffer war, gepackt zu einer kleinen Sommerfahrt in den Harz. Am nächsten Morgen in aller Frühe wollte ich aufbrechen. Am Abend kam sie noch einmal und erkundigte sich nach meinen Wünschen. "Meine Wünsche? Ich wußte augenblicklich wirklich nichts; es .fei denn der Wunsch, daß ein wenig von dem goldigen Sommerwetter draußen auch in ihre Seele dringen möge. Es wäre mein schönster Tag, sie einmal fröhlich zu sehen. Sie lächelte trüb und drückte dankbar meine Hand, 'denn sie wußte ja, daß es mehr als Phrase war. Sie müssen stark sein. Frau Kestner", meinte ich und gab den Druck der Hand zurück. ' Wozu stark sein? Und wodurch stark sein?" fragte sie. Zum Weitertragen? . Ohne Ziel? . Ich denke, jeder Versuch, stark zu sein, erhöht und verlängert die Qual. Nein, schwach sein, ganz schwach sein, damit's ein Ende hat." . Sie beugte sich vor und ich sah an ihrem Hinterkopf, nach dem rechten Ohr zu, eine Stelle, von der die Haare gewaltsam entfernt schienen. Diese Stelle war dick angelaufen und'PflaIter klebte darauf. Eine wilde maßlose Wuth kam über mich. Sie verstand meine Blicke und griff hastig noch einmal nach meiner Hand. Leben Sie wohl", flüsterte sie; dann war sie hinaus. Ich habe sie nicht wieder gesehen. Als ich nach sechs Wochen zurückkehrte, klopfte es an meiner Thür. Das mir so widerwärtige Gesicht des Kestner im übrigen wohl. gar kein so unübler Mann schob sich herein. Ich würde wohl Bescheid wissen. Ich möchte mich nur einige Tage noch so behelfen; er würde schon dafür sorgen, daß alles in Ordnung käme. Es sollte alles so bleiben wie früher. Ich verstehe ihn nicht. Was das bedeuten solle? ; Nun, seine Frau wäre doch wäre doch gestorben. Frau Kestner gestorben? So plötz lich? Wie denn das zugegangen sei? Nun, das sei ja eigentlich eine recht unangenehme Geschichte, aber- mach' einer was mit den Frauen. Sie muß wzhl etwas im Kopfe gehabt haben. Er machte mit dem Finger eine bezeichnende Gebärde. Mir schien das Blut stocken zu wollen. Was hat Ihre Frau gemacht?" rang es sich schwer aus meinem Munde. Er deutete auf das Fenster. ..'Da hinaus ist sie gegangen. Ja. Bekden Weibern muß es manchmal im Koppe nich recht richtig sein. Aber lassen Sie man, Herr Doktor; ich werde für eine gute , Aufwartung sorgen." Nein, ich danke. Ich ziehe sofort wieder aus." Nanu?" Ja! Sofort! Und bitte, verlassen Sie mich; ich möchte allein sein". Der Mann schob sich unwillig hinaus. Großer Gott! Todt! Aus dem Fenster gestürzt! Nun war sie also doch schwach geworden, ganz schwach! Sie hatte ja auch wirklich nichts mehr zu hoffen. Und zum dritten Male hat sie ihr Schutzengel nicht retten mögen. Wäre er doch nur schon beim erste Male so barmherzig gewesen! G e g e n K e u ch-, B l u t- u n d Krampf-Husten wird das fosgende Mittel empfohlen. Einige weiße Zwiebeln werden in heißer Asche gebraten, dadurch entwickelt sich ihr scharferStofs mehr und ihr Mark wird breiartig erweicht. Nachdem die äüßere verbrannte Schale entfernt ist, l:gt man das zerdrückte Mark auf ein Stück, Zeug. Dieses Pflaster wird nun so warm, als es vertragen werden kann, auf die Herzgrube oder Magengogend gelegt, und zwar so, daß das Mark auf der bloßen Haut liegt. Nach dem Erkalten, ist nicht mehr zu verwenden, sondern es muß frischer Brei aufgelegt werden.. Bei nicht gefährlichem Husten reicht es hin. diesen Ueberschlag täglich 4 bii 5 Mal zu wiederholen, bei sehr schmerzhaftem Krampfe aber ist eine stündliche ErNeuerung geboten. Bei Kindern hält oft solcher Husten trotz aller Mittel viele Wochen an. Dann hat meist ein veränderter Ausenthalt (Wechsel des Zimmers) und ine Luft großen Einfluß auf die Genesuug. Ueberhaupt ist Lüften eine unumgängliche Nothwendigkeit, nur hat man hierbei den Kranken vor Zugluft zu. bewahren. Schmutz flecke, die um die Thürknöpfe herum entstehen, sind' mit leichter Mühe durch Abreiben mit troleum zu entfernen,- ohne daß die Farbe der Thüren beschädigt Hürde. . I x n't gegenfianve wie ave wannen, Ausgüsse u. s. w. können leicht gereinigt werden, wenn man s mit - einer dicken Mischung vo Schlemmkreide (Whitinz) . und Essig überrekbt. - ';
Der japanische Fnndergott Jotei. Qint lustige volkstümliche Kigur uud ein intereffante Legende. ,' Der buddhistische Göttertempel kennt neben Jdealgestalten auch recht realistische Darstellungen, die meist durch Uebertreibung gewisser körperlicher Formen einen grotesken, bald Furcht erregenden, bald Lustigkeit er-, weckenden Eindruck machen. Unter ihnen der lustigste und volksthümlichste ist Hotei. der Gott der Kinder. Sein dick hervorquellender Bauch, das fette Dqppelkinn. das runde lachende Gesicht mit dem breiten Munde und den langen Ohren wird jedem in fröhlicher Erinnerung bleiben, der jemals den dickbauchigen Alten gesehen hat. Hotei ist einer der sieben Glücksgötter Japans und obgleich der wenigst würdevolle, ist er. der beliebteste. Sein Bild beginnt erst im 15. Jahrhundert in Japan bekannt zu werden. Die Legende erzählt, daß im 10. Jahrhundert n. .Chr. ein Priester in China mit dickem Bauche gelebt habe, der mit Vorliebe in den Straßen mit Kindern spielte. Er konnte im Schnee schlafen, mied stets das Wasser und besaß die Gabe, die Zukunft zu wahrsagen. So wurde er eine volksthümlich und verehrte Straßenfigur, deren eigenartige Gestalt auch nach dem Tode in Erinnerung blieb. Im Volke gilt er weniger als Gott denn als ein glücklicher, alter Geselle mit übernatürlichen Begabungen, dessen Herz stets eine.jugendliebe Frische bewahrt. Die Kinder schätzen ihn wie einen guten Spielkameraden, und deshalb wird er auch häufig umgeben von spielenden Kindern dargestellt. In der Regel trägt er einen großen, vollgestopften Sack auf dem Nucken, dessen Bedeutung nicht feststeht. Wahrscheinlich hat er seine Betten mit sich, aber das Volk erzählt, daß er den Sack als Kinderfalle benutzt. Neugierige Knaben und Mädchen läßt er hineinkriechen, damit sie den angeblich werthvollen Inhalt genau besichtigen können, dann schnürt er den Sack zu. und die Gefangenen müssen lange bitten, bis sie ihre Freiheit wiedererlangen. Die unleserliche Handschrift. In Budapest, so schreibt ein dortiger Korrespondent, wirkt ein Schriftsteller von Nuf und Talent, doch leider führt er eine wahrhaft groteske Handschrift. Ein Kenner des Chinesischen, der einst eine Probe davon zu Gesicht bekam, erklärte sie zögernd für wahrscheinlich südtibetanisch," den Dialekt für ausgestorben und das Ganze überdies für chiffrirt. Ein einziger Setzer in Budapest vermag bei günstiger Witterung besonders langsam geschriebene Worte zu entziffern, wobei persönliche Freunde und Familienangehörige des Autors' assistiren. Dafür bezieht der Setzer eine Zulage und hat zwei Nachmittage in der Woche frei. Da begab es sich eines Tages, daß der Schriftsteller im Kafe eine politische Nachricht von großer Wichtigkeit erfuhr. Schnell verlangte er vom , Oberkellner einen Zettel, warf einige Zeilen darauf: Fejervary zum Ministerpräsidenten designirt!" und schickte das Ding mit der mündlichen Botschaft ' Aeußerst wichtig!" auf die Redaktion. Dort hielt man's zuerst für einen schlechten Spaß; doch erkannte man zum Glück bald den Schreiber. Na, dann ist ja leicht geholfen; wir lassen unsern lieben Maroschi rufen," sprach der Chef. O Aerhängniß! Maroschi hatte seinen freien Nachmittag. In die allgemeine Ratlosigkeit, die daraufhin entstand, platzte der jüngste Redakteur und schlug vor, das Zettelchen in die Apotheke zu schicken, wo sich die Herren ja aus den diffizilsten Handschriften einen Reim zu machen wüßten. Gesagt, gethan. Und als eine halbe Stunde vergangen war, da kam der bang erwartete Bote aus der Apotheke zurück. Er stellte stumm eine Flasche Mandelmilch auf den Tisch. Auf dem Motorrad in die Havel. Zwei Berliner Motorzweiradfahrer, Otto Lüders und Alwin Boldt. haben auf einer Fahrt nach Magdeburg ein eigenartiges Mißgeschick erlebt, das glücklicherweise noch glimpflich abgelaufen ist. Lüders und Boldt wollten gerade die Strengbrücke bei Werder a. H. Passiren. Kurz vor der Brücke verdeckt hohes Buschwerk die Aussicht, so daß die beiden in voller Fahrt hinsausenden Fahrer nicht bemerken konnten, daß die Brücke gerade zur. Durchfahrt eines Havelkahnes geöffnet wurde. Während Otto Lüders dank seiner Geistesgegenwart vermochte, sein Motorrad auf etwa zehn Fards rechtzeitig zum Stehen zu bringen, so daß er völlig Unversehrt blieb, gelang es seinem hinter ihm liegenden Kameraden nich! mehr, die Maschine anzuhalten. Roß und Reiter sausten in mächtigem Bogen in die Tiefe. Boldt,' ein guter Schwimmer, gewann jedoch schnell da? nahe Ufer, während sich Lüdcrs sofort mit Hilfe von Schiffern um die Bergung des versunkenen Motorrades bemühte. Das gelang denn auch nach einiger Zeit. Der Schwung war jedoch so groß gewesen, daß Boldt mit seiner Maschine gegen den hochgezogenen Brückenkörper geschleudert wurde. Er selbst blieb dabei unverletzt, dagegen ging das Vorderrad der Maschine entzwei und mußte in Werder ausgewechselt werden. 5 . Das Neue Testament wird in Heer. Und Flotte Japans ungehindert und stark verbreitet. ;
Der
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