Indiana Tribüne, Volume 29, Number 40, Indianapolis, Marion County, 10 October 1905 — Page 5

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Herdst. Von Eugen Stangen. Herbstöde, öraunc Felderbreitm'. Die Schollen fallen dumpf und schwer. Verirrte, müde Thränen gleiten Noch einmal leise drüber her. Nun will die Sonne nicht mehr scheinen. Leer, alles leer verwelkt, verglüht. Und in der Luft dies stille Weinen. So seltsam still, so gran.voll müd'. ? -Nur von den letzten Spätresedcn Irrt noch ein Duften juh und schwül O sich mich an, ich kann nicht reden, -Ich liebe fciäj ja viel zu viel. Wie grau die alten Weiden winken Sag', hörst du. wie mein Herz dich ruft? Komm, laß uns mit den Seelen trinken Den letzten, süßen Sommcrduft. Im pertrauen. Humoreske von Remhold Ortmann. Als Herr Franz Benedikt Reitmayr den kleinen Dampfer bestieg, der ihn über das Wattenmeer dem Ziel feiner .langen Reise entgegentragen sollte, befand er sich nicht in rosigster Laune. Diese endlose Fahrt von Mainz bis an die Gestade der Nordsee bedeutete für den fchon etwas bequem gewordenen Herrn eine Strapaze, der er sich nur aus wichtigster Veranlassung unterzogen hatte. Aber wenn es sich um die Zukunft seine: geliebten Rosa handelte, mußten alle Rücksichten auf Bequemlichkeit verstummen. Und so unbeschränkte Vollmachten er seiner Gattin sonst auch fti häuslichen Angelegenheiten einräumte, bei der Wahl eines Schwiegersohnes mochte er sich denn doch nicht ausschließlich auf ihren Scharfblick und ihre Menschenkenntniß verlassen. - Es war ihm eine gewaltige und nichts weniger als angenehme Ueberraschung gewesen, als er gestern Morgen aus einem Briefe seiner Gemahlin erfahren, daß ein sehr liebenswürdiger junger Mann, der Assessor Paul von Gundlina, der Rosa schon seit dem Beginn ihres Badeaufenthalts äugenfällig ausgezeichnet, am verflossenen Abend in aller Form um ihre Hand angehalten habe, nachdem es ihm bei einem Spaziergange am Strande gelungen sei. Rosas Jawort zu erhalten. Und selbst die überschwengliche Schilderung, die Frau Amalie Raitmay? im weiteren Verlauf ihres Schreibens von den vortrefflichen Eigenschaften des hübschen, geistreichen, vornehmen und wohlerzogenen Bewerbers entworfen, hatte das Unbehagen nicht verscheuchen können, -das die Neuigkeit ihrem Gatten verursacht hatte. Er gehörte in mancher Hinsicht noch zu den altmodischen Leuten, und eine Verlobung auf Grund einer oberflächlichen Badebekanntschaft war von vornherein nicht nach seinem Gschmack. Außerdem aber kannte er die kleinen Schwächen seiner Lebensgefährtin zur Genüge, um zu wissen, daß die Aussicht, einen adligen Schwiegersohn zu bekommen, sie . sehr leicht blind gemacht haben könnte für etwaige andere Mängel des Bewerbers. Darum hatte er den Entschluß gefaßt, sich mit eigenen Augen über die Qualitäten des Herrn Assessors zu unterrichken, und hatte auf der Stelle Herrn Bruno Steinberg, seinen jungen Prokuristen, zu sich beschieden, um ihm die nöthigen Anweisungen für die Dauer seiner Abwesenheit zu geben. Da er zu dem jungen Manne auch in anderen als rein geschäftlichen Angelegenheiten unbegrenztes Vertrauen hatte, war es ihm gar nicht eingefallen, ihm aus der Veranlassung für seine Reise ein Geheimniß zu machen, und er hatte sich im Stillen über die geradezu traurige Miene gewundert, mit ' der Bruno Steinberg die Mittheilung von Fräulein Rosas wahrscheinlicher Verlobung aufgenommen hatte. Noch überraschender und unangenehmer aber war es ihm gewesen, als er heute Morgen, kaum zehn Minuten vor seiner Abreise, einen Brief des Prokuristen erhalten hatte, worin ihm dieser ohne Angabe von Gründen und mit herzlichem Dank für ds bewiesene, fast vä-

ierliche Wohlwollen seincStellung zum nächsten Termin aufkündigte. Er hatte nicht mehr Zeit genug gehabt, sich mit ihm darüber auszusprechen, aber die Aussicht, den tüchtigen, zuverlass: gen Mitarbeiter zu verlieren, hatto ihm die Stimmung gründlich verdorben, so daß sich in seinem Herzen mehr und mehr ein gewisser Groll gegen diesen Assessor festgesetzt hatte. Seinen Da men hatte er aus guten Gründen keine Mittheilung von seiner bevorstehenden Ankunft gemacht, denn es schicn ihm zweckmäßiger, wenn der liebenswürdige Herr von Gunrimg nicht auf sein Erscheinen vorbereitet sei. Während er den ganzen Vormittag hindurch unter erträglicher Hitze zu leiden gehabt hatte, war Herr Raitman: jetzt beim Verlassen dsEisenbahnzuges von dem schönsten Platzregen begrüßt worden, so daß ihm mchts Anderes übrig blieb, als sich in die dumpfige Kajüte des Dampfers zurückzuziehen. Verdrießlich drückte er sich in eine Ecke, ganz und gar nicht zu heiterer UnterHaltung gestimmt. Aber eine kleiner. beweglicher Herr, der sich ihm gegen über niedergelassen hatte, ließ sich nicht abhalten, ein Gespräch anzuknüpfen. Er schimpfte über das schlechte Wetter. über die Umständlichkeiten der Reise, über die Enge des Dampfschiffes und über viele andereDinge, die auch Herrn Reitmayrs Unwillen erregt hatten, so daß die Uebereinstimmung der Ansichten doch nach und nach eine Conversation in Fluß brachte.

.Wie es scheint, machen Sie die

Fahrt auch nicht gerat zu Ihrem V gnügen," meinte, der kleine Herr, und säßen-vermuthlich jetzt auch lieber . in Frankfurt da , herum, als in diesem muffigen Schiffskäfig." Das weiß Gott,", stimmte der Gefragte aus vollem Herzen zu. Aber wie kommen Sie denn gerade aus Frankfurt?". Räch Ihrem Dialekt. Verehrtest! Ick, habe ein ausgezeichnetes Ohr dafür." Ra, so ganz haben S:e es mcht getroffen. Ich bin nämlich aus Mainz." Der Kleine spitzte dir Ohren'. Geschäftsmann natürlich? Na, das sieht man ja auf den ersten Blick. Kennen selbstverständlich auch die Platzverhältnisse ganz genau?" So einigermaßen glaube ich sie al lerdings zu kennen." Vielleicht auch die Firma Ludwig Reitmayr Sohn?" Der Andere hatte schon aus der Zunge, zu erwidern, daß er sein: eigene Firma in der That ziemlich genau zu kennen glaube. Aber die geschwatzt Wißbegierde des kleinen Mannes fing an, ihn zu amüsiren, und so sagte er leichthin: Oberflächlich das heißt, ich mache manchmal Geschäfte mit Reitmayr." Hochfein mcht wahr? ' Wie man's nehmen will. Haben Sie auch die Absicht, mit ihm anzuknüpfen?" , . Das- gerade Nicht.' Liegt zu sehr außerhalb meiner Branche. Hätte aber doch Interesse daran, etwas Näheres zu erfahren. Sie sagen: Wie man s nehmen will. Die Auskunft, die ich erhalten habe, war doch prima." 3, solche Auskünfte! In seine Bücher hat der Reitmayr wahrscheinlich noch keinen gucken lassen. ' Dazu ist er viel zu schlau.". . Der Klcme fing an, auf seinem Stuhle hin- und herzurücken. Hören Sie. Verehrtest Sie scheinen doch Einblick in die Verhält nisse zu haben. Und wenn Sie mir mit einer zuverlässigen Auskunft dieneu wollten, könnten Sie .mich vielleicht vor einem großen Reinfall bewahren. Erlauben Sie, daß ich mich vorstelle: Privatier Bergmann . aus Berlin." Sehr angenehm! Franz Bcnedict! Aber inwiefern könnten Sie denn mit dem Reitmayr hineinfallen? Will er Sie etwa anpumpen?" Ne, das nicht! Kennt mich gar nicht. Ich könnte Ihnen ja die ad?,e auseinandersetzen, aber ich weiß nicht wäre eine verfluchte Geschichte, wenn Sie" ihm etwa wiedererzählten." Seien Sie unbesorgt! W:nn er's nicht von 3hnn selbst erfährt ich werde gewiß kein Wort mit ihm darübe: reden." Na also Diskretion Ehrensache! Der Reitmayr bat nämlich eine Tochter stimmt doch, nicht wahr? Soll sogar ein sehr niedlicher kleiner Käfer fein wie?" Geschmacksache!" Na. meinetwegen auch eine Vogelscheucöe. .Ich bin's ja nicht, der sie hcirathen will, sondern ein junger Mann, der bei mir höllisch tief fn bet Kreide sitzt. Ist sozusagen seine letzte Rettung. Wenn er sich nicht innerhalb der nächsten vier Wochen mit einem reichen Mädel verlobt, so hat's für ihn geschnappt. Ich habe jetzt lange genug gewartet. Drei- oder viermal ist er schon abgeblitzt, gestern Vormittag aber bekam ich ein Telegramm von ihm, daß er sich mit der reizenden kleinen Reitmayr von Ludwig Reitmayr Sohn verlobt hätte. Sache vollständig perfekt," dcpeschirt er, brauche noch dreitausend zu standesgemäßem Auftreten." Na, Sie können sich wohl denken, mein werther Herr Benedict. daß ich die dreitausend nicht so in's Blaue hinein riskiren wollte, denn es wäre am Ende 'tkx erste Schwindel nicht, den der junge Mann sich geleistet hätte. Ist nämlich ein Windhund erster Güte. Ich ziehe also telegraphisch Erkundigung ein nach Ludwig Reitmayr Sohn, und nachdem sie gerade glänzend ausfällt, fasse ich den Entfchluh. mich selbst auf den Weg zu machen, um zu sehen, ob die Geschichte ihre gehörige Ordnung hat. Was rathen Sie mir nun. zu thun?" Ich rathe Ihnen, zunächst Ihr,? dreitausend Mark ruhig in der Tasche zu behalten. Wie ich den Reitmayr kenne, wird er nie und nimmer die Schulden eines Schwiegersohnes bezablen!" Ach, machen Sie keine Witze! Auch nicht, wenn er einen Adligen kriegt?" Dann vielleicht erst recht nicht.' Er ist nämlich ein eingefleischt:? Demotrat!" Ter Kleine lachte. Wenn s weiter Nichts ist das kenn' ich. Und mein Kunde bringt ihn schon herum. Das ist ein Geriebener, saae ich Ihnen. Das scheint ja eine recht nette Partie zu sein, die' die kleine Reitmayr da in Aussicht bat. Ach, wenn ich zu meinem Gelde komme, sollen die Anderen sehen, wie sie fertig werden. Uedrigens ist er nicht so schlimm, ein sehr gentiler und äußerlich sogar höchst distinguirter junger Mann. ' Ein bißchen Lebejüngling na, das sind sie doch heutzutage mehr oder weniger alle. Soll mich nur

wundern, ob er dasGänschen auch wieder nach seinem alten Rezept geködcrt hat." Er hat also ein bestimmtes Rezept? Worin besteht es?" Er macht Alles mit Heinrich Heine. Den kennt er beinahe auswendig, wenigstens soweit er für seine Zwecke geeignet ist. Und er sagt, es gäbe zwischen einem jungen Mann und einem jungen ZNädchcn gar keine Situation, auf die nicht ein paar Heine'sche Verse paßten.' Offenbar ein sehr begabter Herr, Ihr Geschäftsfreund. Aber ich kann trotzdem meinen guten Rath von vorhin nur wiederholen. Warten Sie wenigstens, bis Sie die Einwilligung Reitmayrs schwarz auf weiß gesehen haben." , was das ketrifft heute Morgen hatte ich nämlich noch eine Postkarte von dem jungen Manne, worin er schreibt, 'daß er die Alte glücklich herum hätte und daß damit alle Schwierigkeiten beseitigt wären, den der künftige Schwiegervater wäre ein Pantoffelheld mit Eichenlaub." Mit Eick:nlaüb? Hat er das wirklich geschrieben?" Wörtlich. Ist natürlich kolossal witzig, der junge Mensch." So scheint es -in der That," sagte Herr Reitmayr, indem er sich gleichzeitig erhob, weil er doch nachgerade fürchtete, daß ihm die Galle überlaufen könnte. Aber der Regen hat nachgelassen, da will ich doch noch ein bißchen auf's Verdeck." Kurz vor der Landung des Dampfers zupfte ihn Herr Bergmann noch einmal am Aermel. .Hören Sie, Herr Benedict, Sie wollen mich doch nicht etwa mit einer falschen Auskunft reinlegen? Was soll ich denn nun meinem Assessor sagen? Am Ende kenne ich Sie ja doch gar nicht, und mein Auskunftsbureau ist sonst sehr zuverlässig." Es steht ja ganz in Ihrem Bcliebeu, ob Sie sich auf Ihr Auskunftsbureau oder auf mich verladen wollen. Ich habe Ihnen in dieser Angelegenkit nichts weiter zu sagen." So thun Sie mir die einzige Liebe. eZ dem Assessor selbst zu wiederholen. Ich sehe ihn nämlich da .auf der Landungsbrücke stehen, weil ich ihm meine Ankunft telegraphisch angezeigt habe. Ihnen glaubt er's vielleicht ehe'r als

mir. Meinetwegen!" Der in einem gigerlhaften Strandkostüm steckende junge Mann würde Herrn Reitmayr wahrscheinlich auch dann aus's Höchste mißfallen - haben, wenn er nicht durch Bergmanns AffenHerzigkeit über feine Persönlichkeit aufgeklart worden wäre. Und er war von nichts weniger als wohlwollender Empfindung bewegt, als er auf ihn zutrat. , . . . - V ' " ... , , Der Assessor von Gundling aber machte bei . seinem Anblick gewaltig große Augen. And noch ehe Herr Bergmann die Lippen geöffnet hatte, riß er seinen Panamahut voni dem wohlfrisirten Haupte. -v Wenn mich nicht Alles täuscht nein, nach dem Bilde, das ich . bei der gnädigen Frau gesehen, kann gar kein Zweifel bestehen Herr Reitmayr selbst? Welche freudige Ueberraschung!" Nun ließ sich das Inkognito, allerdings nicht länger bewahren und Herr Reitmayr war auch gar nicht in der Stimmung, noch weiter Komödie zu spielen. Allerdings mein Name ist Reitmayr. Und ich habe die Ehre, mit Herrn Assessor von Gundling nicht wahr? Es thut mir leid, daß ich augenblicklich keine Zeit habe, das Vergnügen Ihrer Gesellschaft nach Wunsch auszukosten. Aber Sie lassen sich vielleicht einstweilen durch Herrn Bergmann von dem Inhalt unserer UnterHaltung in Kenntniß setzen. Das wird. Wric ich denke, alles Weitere ungemein vereinfachen. Uebngens bin auch ich ein großer Verehrer von Heinrich Heine, Herr Assessor, nxiin auch mehr für stille Erbauung als für den praktischen Gebrauch. Gehorsamster Diener, meine Hcrren!" Er schritt rüstig aus, und als er sich- nach einer 'kleinen Strecke das grausame Vergnügen nicht versagen konnte, noch einmal umzuschauen, sah er die Beiden noch immer auf dem nämlichen Fleck, den Assessor, wie er ihiter lebhaften Gestikulationen auf seinen Geschäftsfreund einsprach, und Herrn Bergmann aus Berlin in sieinerner Unbeweglichkeit, wie wenn er sich noch immer nicht von seiner Ueberraschung zu erholen vermöchte. B-n den Reitmayr'schen Damen gab es über das unerwartete Erscheinen des Familienoberhauptes natürlich große Freude. Aber das liebevolle Vaterauge gewahrte mit dem ersten Blick' die Thräuenspuren auf Rofas lieblichem Antlitz. Und unter einem Vorwande wußte er sie alsbald beiseite zu nehmen. Nun sage mir vor allen Dingen mal ganz offen, mein Kind, hast Du diesen Assessor wirklich so lieb?" Da legte sie schluchzend ihr Köpfchen an seine Brust. Ach, Papa ich weiß es ja selbst nicht. Als ich mit ihm im Mondlicht am Strande ging,' und als er mit so weicher Stimme die herrlichen Heineschen Verse zitirte. da war mir wirklich, als ob ich ihn lieb hätte. , Aber nachher amTage ist er mir wieder ganz anders erschienen, und jetzt ist mir so bang, so unsäglich bang."

via, beruhige Mch, mein Töch:e?chen! Mit derVerlobung wollen wir doch lieber noch ein bißchen warten. Und jetzt will ich vor allen Dingen noch einen Eilbrief an Steinberg schreiben, denn der närrische Mensch muß . seine Kündigung zurücknehmen, und wenn ich ihm das doppelte Salär zahlen sollte." ' Wie, Papa Herr Steinberg hat Dir gekündigt? Er will fort? Nein, das darfst Du nicht geschehen lassen. Ich bitte Dich, schreibe ihm auf der Stelle!" Herr Franz Benedict Reitmahr machte erst ein sehr verwundertes und sodann ein sehr verschmitztes Gesicht. Nun meinte er sowohl die sonderbare Traurigkeit seines Prokuristen wie die unmotivirte Kündigung zu verstehen. Und was ibm sein Töchterchen da verrathen hatte, wohl ohne es selbst zu ahnen, das gefiel ihm besser als die Kunde von ihrem Verlöbniß mit dem adligen Herrn Assessor. Zärtlich klopfte er Rosas heiße Wange und sagte: Na, am Ende wär's doch noch gescheiter, wenn wir morgen alle drei nach Mainz zuurückführen. Da könntest Du ihm ja vielleicht selbst ein bißchen zureden, wenn er gar zu hartnäckig sein sollte." . Ach ja, Papa! Aber, mein Gott, der Assessor " Der dürfte mir schwerlich noch mal in den Weg kommen. Ich glaube, fein Vorrath an Heine'schen Versen ist ihm ausgegangen." Und ob es nun diese oder eine andere Ursache war die Vermuthung erwies sich jedenfalls als richtig. Denn der Herr Assessor von Gundling ent schuldigte noch am nämlichen Abend die Nothwendigkeit seiner plötzlichen Abreise mit dem Ruf an das Lager seiner sehr schwer erkrankten Tante, und dies kurze Billett war das letzte Lebenszeichen, das die Familie Reitmayr btm ihm erhielt. Der Herr Bauernvogt.

Aus Jenisseisk berichtet man: Hier stand unlängst der Bauernvogt von Angara. Staatsrath Gishiliski, vor Gericht. Der Bauernvogt war ein gar sonderbarer Herr. Er liefe, wenn er in ein Kirchdorf kam' oder aus einem solchen herausfuhr, alle Kirchenglocken läuten. Wenn er schlief, mußten die Dorfältesten in seinem Zimmer wachen und die Wanzen todten, die sich an'f Bett wagten. Hähne, die 'ihn durch allzulautes Krähen im Schlafe störten, wurden in Beschlag genommen und wegen groben Unfugs geschlachtet und aufgegessen. Vor Gericht stand der Vauernoogt wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt. Zr hatte in einem Dorfe fast alle Bauern weaen. sanitärer Vergehen" verhaften lassen. Die sanitären Vergehen der Bauern bestanden dar'.n, daß das Gemeindevieh bei der Rückkehr von der Weide an den Fenstern der Bauernvogtswchnung vorbeizog und sich bei dieser Gelegenheit nicht immer nach den Regeln der Aesthetik" aufführte. Für jede Kuh. die einen Schritt vom Weae des bürgerlichen Ansiandes" abwich, wurde ein Bauer eingesperrt. Einmal faßen 16 Bauern, einige von ihnen sieben Tage lang. Ein -Bauer wurde festgenommen, weil -er sich ersrecht hatte, 'für die von dem Bauernvogt in seinem (des Bauern) Hause benutzte Wohnung Miethe zu verlangen. Ein Hund, der zu heulen gewagt hatte, als der Bauernvogt mit Dorfmädchen betrunken durch's Dorf wankte, wurde wegen Mißachtung oer Staatsgewalt" verhaftet und todtgeschossen. Vor Gericht war der Dorftyrann recht kleinlaut. Die Richter erkannten auf Entfernung aus dem Amte. t Mindestens die Operette müßte sich die Verewigung dieses Dorftyrannen angelegen sein lassen! Humorvolle Aichter. An einige Originale unter den Richtcrn alter fyll erinnert eine englische 'Wochenschrift. Ein rechter Humorist vom Schlage der Fielding und Smollet! war der Oberrichter O'Grady. Ein College erzählte ihm einmal, in wie summarischer Weise er seine VerHandlungen erledige: Ich sage zu den Kerlen, daß sie mir mit ihren närrischen Bemerkungen nicht die Zeit und den Athem stehlen sollen und daß all' ihr Gerede nur zum einen Ohr herein und zum anderen wieder herausgeht." Kein Wunder," antwortete ruhig O'Grady. es ist ja nichts da, was sie zwischen den Ohren aufhalten könnte." Ein anderer Richter ärgerte sich einst über einen Rechtsanwalt, der ihm sehr schroff widersprochen hatte und sagte voller Wuth: Ich kann Ihnen keine Manieren beibringen. Herr." Das stimmt, meinLieöer," antwortete friedlich der Advokat. Einst vertheidigte ein echtsanwalt einen Klienten, d:ssvii Schuld so gut wie erwiesen war. Nachdem er ihn lange entschuldigt und vertheidigt hatte, sah er endlich das Vergebliche seines Bemühens ein und rief plötzlich aus: Gut. es ist so, ich muß zugeben, mein Klient ist ein Schuft und der größte Lügner der Welt." Aber Sie vergessen sich unterbrach ihn da der Richter. Offen. "fiifif Frau Müller bat nach Ihnen während Ihrer Abwe senheit gefragt, gnädige Frau!" Gnädige: So?... Gott sei Dank, daß ich nicht zu Hause war!" Lisi: Ja, das bat ??rau Müller auch aesagt!"

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