Indiana Tribüne, Volume 29, Number 38, Indianapolis, Marion County, 7 October 1905 — Page 4

Jndtana Tribüne, 7, Q?tober 1905.

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er Rat. Deutsche Tag glänzend gefeiert.

Nach einem wichtigen KonventionsarVeiten Glänzende Reden nd errttcher New Aork der Versammlungsort der 4. Nationalen Die Verhandlungen.

Ans der heutigen vormittags. Sitzung. Die Delegaten waren vünttich zur Stelle als Präsident Dr. Hexamer die Versammlung eröffnete. Die folgende herrliche Widmung von Herrn Paftor A. W. Hildebrandt aus Baltimore wurde von Dr. Rud. Cronau bei Eröffnung der" Vormittagösitzung stimmungsvoll verlesen. . Deutsches Serz nud Deutsches Wort. Mit leichtem Herzen griff der Knabe ' Im Suchen nach dem gold'nen Glück, Dem winkenden, zum Wanderstabe, Und schaute kaum finrnal zurück. Im Trotz verließ er uns im Grolle Die, Jugendheimat lieb und traut. Er schied sich selber von der Scholle, Die seiner Ahnen Hand gebaut. Doch ob in weite Fernen lenkte Die Wanderlust den schnellen Schritt : Die Art, die in die Brust ihm senkte Der Muttersegen, nahm er mit. Und leise, roie mit Glockenklingen -Die Sehnsucht ihm daS Herz bewegt. Daß auf der Liebe starken Schwingen, Sie über Land und Meer ihn tragt. Und ob ihm lacht deS GlückeS Schimmer, Ob ihn der Sturm verschlägt vom Port: In treuer Brust bewahrt er immer DaS deutsche Herz, da deutsche Wort. A.W. Hildebrandt. Zum deutschen Tag, den 6. Okt. 1905. Hierauf erstattete das Komite für Revision der Statuten durch Delegat Yenny von Pittöburg, Pa., Bericht. Die einzelnen Punkte wurden verlesen und zuweilen eifrig dedattirt. ES wurden die alten Statuten nur durch den , Passus verändert: die jähr lichen Beitrage sollen spätestens bis zum September jeden Jahres an den Central'Vorstand einbezahlt fein.Nun wurden noch Berichte des fto miteS fürZDeutsche Presse und deS Ko miteS für Beschlüsse unterbreitet und entgegengenommen. (Wir werden die selben morgen im Wortlauf bringen.) Tbeodore Stemvfel's Mandat als Vertreter des Staates Californien wurde entgegengenommen. Auf Antrag von Delegat Gustav Donald aus Davenport wurde be schlonen, oen ervanosÄeretnen zu empfehlen, den 200.jährigen Gedenk tag des großen Amerikaners Benjamin Franklin würdig unter den Auspicken deS Nationalbundes zu begehen. Capt. Jacob Vieler der wieder aus Washington, D. C., angelangt, wurde vom Präsident D. Hexamer freundlichst begrüßt. Auf Antraa Itoon Del. Beule aus Wheeling wurde dem BundeS'Vorstand durch Erheben der Delegaten von den Sitzen der Dank der Versammlung ausgedrückt. "s ' ES wurde einstimmig beschlossen, daß New York der nächste Versammlungsort der Konvention fein solle. Auf Antrag von Herrn Fritz Francke wurde Dr., I. C. Hexamer wieder als Präsident erwählt. DaS fernere Ergebniß der Wahl war: ' JoS. Keller, 1. Vice.Prüsident. Max Guter von Newark, N. I., 2. Vice.Prüsident. Adolf Timm von Philadelphia, Pa., Secretär. : FlnanZ'Secretär, John Yenny von Pittsburg, Pa. Schatzmeister, HanS Weniger von Philadelphia Pa. Zum Schluß sprach die Versamm lung auf Antrag von Herrn Heinö den Damen den Dank für ihre liebenS würdige Bethätigung während des Konventes aus. X , Aus der gestrigen Vormittags Sitzung. , Der amendirte Antrag von New Jersey daß die ofsicielle Feier des Deut, fchen TageS stets am 6. Oktober ge feiert werden solle und die örtlichen Tage je nach Belieben der Zweigver bände wurde nach längerer Debatte, en

der sich Delegat TjarkS von Saltimore, dessen Berichtüber die Verbandsthätigkeit in Maryland besonders be friedigte, bethätigte, angenommen.. Ein anderer Antrag der New Jersey Delegaten betreffs Verstaatlichung wurde abgelehnt, hingegen der über die Schaffung von StellenvermittelungS und Rechtsschutz Bureaus ange nommen. Die New Jerseyer verstehen?, die Sitzungen anregend zu gestalten. Die vom Comite.Vorsitzer Hrn. Ru dolph Cronau zur Annahme empföhle nen Anträge der drei! deutschen Gesell schalten von New Jork, die Gründung eines BundeZ'OrganS und Bundes Kalenders gingen verloren. Als besonders eifriger Gegner der Gründung eines BundeSOrganS er wies sich Sekretär Adolph Timm. Derselbe erklärte in seiner bekannten nach drücklichen Weise, daß die ge

ammte deutsche Presse des Landes Bundes. Or gan fei und es auchblei d e n f o l l e. Er fand lebhaften Beifall. DaßDele gat Stahl von New Jersey nicht ruhig während dieser Debatte war, versteht sich von selbst und auch Karl Scholtz von Baltimore trug' sein Theil in ein drucksvvller Weise zur Ablehnung des Antrags bei. Der New Yorker Antrag, daß der Bund die Errichtung eines Lehrstuhles für deutsche Geschichte und Geographie an einer amerikanischen Universität an streben soll, wurde angenommen. Die Konvention vertagte sich nun bis 2 Uhr Nachmittags. Herr Bretzmann nahm während dieser Pause eine treff llch gelungene Photographie der Dele gaten und ihrer Damen. GeneralVicar Vater Scheidelerbe suchte gestern die Konvention, deren Ehrengast er ist und folgte den Ver Handlungen mit fichtlichem Interesse. Die Nachmittags'Sitzung. Der Bericht für deutsche Schule und Sprache der nun von Herrn Dr. Jick verlesen wurde, brachte die folgenden Beschluß'Anträge. Herr Max Griebsch erklärte die Wünsche der LehrersemlnarSchule. Der folgende Bericht deS Ausschusses für deutsche Sprache in den Volksschu len wurde von Dr. Fick unterbreitet : Der deutschamerikanische National bund möge darauf achten, daß in den in den öffentlichen Schulen zur Ver Wendung kommenden Lehrbüchern die Ruhmesthaten, welche deutsche Stam meSg'enossen hierzulande im Kriege so wohl, als im Frieden vollbrachten, nicht unberücksichtigt gelassen werden. Er. möge darauf bedacht fein, daß in den öffentlichen Schulen für den Ge schichtSunterricht nur solche Lehrbücher eingeführt werden, welche u n p a r t e i i s ch die historischen Ereignisse schildern und nicht dazu angethan sind, das Vorurtheil des Schülers gegen Fremdgeborene zu beeinflussen. Er möge besonders deutschen Schulen in Amerika das Studium deutschameri kanischer Geschichte empfehlen, und ferner Möge jeder Staatsverband oder Einzelverein dahingehend wirken, daß seinen den der . deutschamerikanlschen Geschichtsforschung dienenden Schriften die ihnen gebührende Würdigung und nothwendige Unterstützung entgegenge bracht wird. Denn durch den Hinweis auf die Errungenschaften, deren deutsche Gei steSkrüfte in 'Jbtm AdoptivVaterlande sich rühmen können, beweisen wir am besten unser gutes Anrecht auf Gleich werthung mit hier geborenen Bürgern, indem wir von den ErftlingStagen die fer, Republik an bis auf die heutige Zeit die Antheilnahme der Eingewan derten deutscher Abkunft an der rühm reichen Entwickelung dieses Landes und dessen Erfolgen auf allen Gebieten ehr lichen Streben? außer Zweifel zu ftel len vermögen.

gewidmetem Tage. Gesang. X Konvention des Bundes.

Dem Bunde, sowie den Einzelver einen und einem jeden Mitgliede legen wir aus'S Dringendste an'S Herz, päda gogische Fachschriften, wie, die von Professor Griebsel redigirten Pädagog! schen Monatsblätter", und Jugend. schriften, wie daS von Dr. H. H. Fick redigirte Jung.Amerika", auf die zweckdienlichste Weise zu unterstützen, um den Fortbestand solch' werthvoller Oriffrn nt Rifim. vy.ttt w,.... Volks t h n m und Volks spräche find unlösbar mit einander verknüpft. Wollen wir das erstere uns und unseren Nachkommen erhalten, müssen, wir letz ere pflegen und hüten als den kostbar ften Schatz. Eine der vornehmsten Aufgaben unseres Bundes ist daher die Gründung und Erhaltung leiftungS fähiger deutsch'amerikanischer Schulen und die Einführung und Ausdehnung eines rationellen deutschen Sprachunter richtS in den öffentlichen Schulen unse reS Lande. Ein werthvoller Bundesgenosse in diesem Werke ist daS Nationale deutsche Lehrerseminar. Die dritte Konvention deS Deutsch amerikanischen NatlonalbundeS be schließt daher: 1. Dem genannten Lehrerseminar Dank und Anerkennung zu zollen für sein bisheriges erfolgreiches Wirken und den Bestrebungen dieser ErziehungSan statt Vorschub zu leisten. - 3. Wir ersuchen die Staats und StädtevereineZunsereS Verbandes ihren vollen Einfluß aufzubieten, itvx Seml nar tüchtige junge Leute zuzuführen, um dasselbe in denStand zu setzen, sein Wirkungöfeld auszudehnen. 4. Der Konvent legt eS seinen Ver einen dringend an traS Herz, das Se minar finanziell zu unterstützen. Dies, Paragraphen gelangten zur Annahme, während betreffs der beiden folgenden ein Comite ernannt wurde, um über Mittel und Wege, dieselben durchzufüh ren. Vorschlüge zu machen. , 5. Der Konvent beschließt, der Se minarbehörde die Summe von $200 zu Überweisen. 6. Der Konvent beschließt ferner, zehn Prozent der Jahreseinkünfte des Nationalbundes zu den Unterhaltsko sten deS Lehrerseminars beizusteuern und empfiehlt den Zweigvereinen des Verbandes die gleiche Maßregel zu treffen. s Als Comite für Mittel und Wege zur Beschaffung der $200 ernannte Dr. Hexamer die Herren : Lankering, Vorsitzer, Hoboken, New Bork, Arno Leonhardt, Philadelphia. Gust. Donald, Davenport, Ja. Phil. Rappaport, JndplS. H. C. Bloedel, Allegheny. Frau Fernande Richter, St. Louis. B. A. AbramS, Milwaukee. 'Carl Cberhardt. Boftn. H. H. Fick, Cincinnati. . Wm, Feldhaus, Washington, D. C. Es wurde beschlossen, dem Germani schen Museum die morallische Unter ftützung des Bundes angedeihen zu lassen. 'Herr Fritz Francke erhielt Sitz und Stimme als Delegat des Staates Min nesota. Auf Antrag ernannte Dr. Hexamer ein Comite, um Propaganda für die deutsche Bühne zu machen, mit Arno Leonhardt als Vorsitzenden. Der Paftorius Denkmal - Bericht wurde entgegengenommen. Folgender von Herrn Eberhard ein gereichter Beschlußantrag wurde ange. nommen: Resolutionen. Die Gründe, weshalb wir vom Standpunkte bürgerlicher und indiduel ler Freiheit Gegner jeder prohibitiven Temperenzgefetzgebung sind, find zu wohl bekannt, als daß es nöthig würe, sie zu wiederholen. Wir fühlen mns aber veranlaßt, unserem Bedauern AuSvruck zu geben über die neuerdings verstärkten Versuche der Temperenzler, ihr; e!genthümlichen Ansichten dem

Volke aufzuzwingen. mit Gefühlen

der Scham betrachten wir das demüth! gende Schauspiel, wie unsere Politiker und Eesktzgeber kniebeugend, aus poli. tischen Ursachen und gegen ihre bessere Ueberzeugung, ihnen durch verwerfliche und schädliche Gesetzgebung helfen. Die Geschichte der Temperenzgesetzgebung während der vergangenen fünfzig Jahre zeigt in unb:ftreitbarer Weise, daß Ge tränkeverbote völlig nutzlos sind, daß die Folge derselben lediglich ein er. höhter Verbrauch spirituoser Getränke ist, der Verbrauch von Wein und Vier dagegen abnimmt, und daß als weitere Folge die Trunksucht in erhöhtem Maße auftritt. Sie zeigt, daß Prohibitivgesetze nir. gendS, und SonntagSgesetze nicht in Städten von auch nur einiger Bedeu tung, durchführbar sind, daß aber die zeitweiligen Versuche in dieser Richtung ein störendes und schädliches Element n die Politik einführen, derart, daß n der Lokalpolitik häufig alles an dere, und fei es noch so wichtig, von der Frage der Durchführung der Tem perenz oder SonntagSgesetze in den Hintergrund gedrängt wird. Im Ge olge dieser Versuche erscheinen dann Gesetzverachtung. Heuchelei, Bestechung, Erpressung, Meineid und behördliche Korruption und unvermeidliche Resul täte von Gesetzen, welche einem großen Theile des Volke?, und darunter vielen der besten Bürger deS Landes als ungerecht, bedrückend und gleich verstoßend gegen die menschliche Natur und den sreiheitlichen Fortschritt der Menschheit erscheinen. Solche Gesetze untergraben die private rmd öffentliche Moral und verfehlen außerdem' gänzlich ihren Zweck. Wir empfehlen, daß wo und wenn immer fich eine Gelegenheit dazu bietet, wir unseren Einfluß als Men, schen und als Bürger dazu benützen, solche Gesetzgebung zu verhindern oder, nach Umständen, ihren Widerruf her beizuführen. Wir verabscheuen selbstverständlich die Trunksucht, und find gerne bereit dieselbe unterdrücken zu helfen, halten aber die Wirksamkeit der Gesetzgebung in dieser Richtung für eine sehr be schränkte. Hier muß die fortschrittliche Kultur und die Besserung wirthschaftlicher Zustände helfen. Wir empfeh len indeß auf legislativem Gebiete: 1. Den Erlaß und die strenge Durch führung eines Landesgesetzes zur Ver Hinderung der Verfälschung von Nah rungSmitteln, so w:it dies in die Be fugnisse der Landesgesetzgebung fällt. 2. Unterscheidung zwischen gebrann ten und gegohrenen Getränken zu Gun ften der letzteren in Accise, Lizen. und sonstigen fiskalischen Gesetzen, so daß sie durch ihre Billigkeit zu Volksgeträn ken werden und mehr und mehr den Branntwein verdrängen. ' 3. Vernünftige und maßvolle Regu lirung deS Handels in einer Weise, welche die soziale Bedeutung der Wirth schasten und die gesellige Wirkung der leichteren Getränke würdigt und die Ansichten. der verschiedenen Völkstheile in gleicher Weise achtet. 4. Strenge und unabänderliche Durchführung solcher Regulirung. Um halb 5 Uhr vertagte fich die Kon vention. Dann wurde eine Fahrt nach Fairdank in einem Special Waggon unternommen um dort das Souper, welches vortrefflich mundete, einzuneh men. ' Die nationale deutsche Tag'Feier. Ein repräsentatives, wenn auch nicht zahlreiches Publikum stellte fich recht zeitig ein, um der nationalen deutschen Feier, welche von nun an, lant Kon ventionsbeschluß stets am 6 October stattfinden wird, beizuwohnen. Nachdem das Orchester unter der tüchtigen Leitung' von Reinhold Miller die Ouvertüre angestimmt hatte, betrat Vice.Präfident Fairbanks den Festsaal und wurde mit rauschendem Beifall begrüßt. Herr Fritz Francke, der Präsident unseres LokalVerbandeS, stellte unse ren so hoch geschätzten Mitbürger den Versammelten vor. Der Vice.Präst dent hielt sodann die folgende An. spräche: Werthe Mitbürger! ES ist mir ein großes Vergnügen, mit Ihnen die Annehmlichkeiten dieser Versammlung zu theilen, einer Ver. sammlung, welche Geselligkeit befür wortet und daS Wohl unseres Landes, welchem wir Alle in treuer Anhänglich, keit zugethan find, fördert. Ich gratulire dem Deutfch.Amerika nischm National - Bunde zu seinen Zielen. Dieselben suchen die Whl. fahrt ihrer Mitglieder zu fördern

und die gute Bürgerschaft im Lande zu

heben. Keine besseren Ziele, wie gerade diese, verdienen die Aufmerksamkeit deS amerikanischen Bürgers. Die große Mehrzahl der hier Ver ammelten wurden auf hiesigem Boden geboren, wir haben kein anderes Land gekannt wie dieses. Doch find auch viele hier, die auf deutscher Erde groß gezogen wurden. Diese bewahrten dem Vaterlande ihre Zuneigung, fle wün schen, xdaß ihre Brüder über'm Wasser proSperiren und daß ihr Heimathland an Macht und wohlthätigem Einflüsse gewinne. Doch das Land, welches jetzt den ersten Anspruch an sie hat und für welches fle die größte Liebe hegen, ist das Land lbrer Wahl, die große Republik der Ver. Staaten. Die Deutschen haben der Welt viele gesunde Lehren gegeben. Sie stehen voran, lwenn eS die. Interessen der Menschheit zu fördern gilt. Sie halten eft an dem Prinzip der Jugenderzie hung, da sie wissen, daß Bildung das Fundament der Macht ist. Sie für dern die Turnerei, und die Musik ist eine Geburtsgabe der Nation. Wir find den Gefangvereinen, welche diese Versammlung mit ihren Vortrügen be ehrten, für den seltenen musikalischen Genuß sehr verbunden. Wahrend der Deutsche so dem Ein zelbürger seine Aufmerksamkeit midmet, bedenkt er zugleich aber auch den Staat, ein doppelter Endzweck, der im höchsten Grade lobenSwerth tjU Die Pflicht dem Staate und dem Einzelbürger ge genüber find verwandte Pflichten. Der beste Dienst, welcher dem Staate ge leistet werden kann, bezweckt ftetS die Verbesserung des BürzerS, der am Ende ja doch stets dem Staate Macht und Ansehen verleiht. Was immer die Kultur und Entwicklung derjenigen fördert, welche Mitglieder des Deutsch Amerikanischen Bundes sind, fördert auch den Fortschritt und die Wohlfahrt unseres gemeinsamen Vaterlandes. Die Amerikaner deutscher Abstam mung sind ein mächtiges Element in unserer Entwickelung zu einem großen Volke. Fast 10. Millionen derselben zählen wir zn unsern Mitbürgern eine große Macht, die für Intelligenz, Bildung, Ordnung und Patriotismus kämpft. Unbekümmert darum, unter welchem Firmamente wir geboren wur den, unbekümmert um die Sprache, welche wir auf dem Schoße der Mutter erlernten, wir alle sind einfache ameri kanifche Bürger, stolz auf unser Land, stolz auf seine große Vergangenheit, seine mächtige Gegenwart und zuver fichtlich für seine wunderbare Zukunft. Das Wort Amerikaner" schließt uns alle ein. ES umschließt in seinem Allgemein begriff die Anhänger aller Sprachen; das beste Blut der Erde. Die Deut schen die hierher kamen um unter der Unionsflagge ein Heim und einen Sieg im . Kampf um's Leben zu gewinnen. sie waren keine Aristokraten. Sie ka men nicht mit Titeln, mit keinen Pässen, welche Macht und Ansehen ga rantirten gesunde Herzen, vernünf tige Köpfe, kräftige Glieder und den Wunsch für Freiheit und Gleichheit brachten sie mit fich. Die große Mehrzahl . derselben war arm, aber sie waren würdig und streb sam. Die ehrlichen einfachen ' Deut schen, welche noch vor wenigen Jahren an unseren Gestaden landeten, deren einziges Besitzthum eine vererbte In telligenz, Fleiß und Treue zu ihren Landsleuten und ihrem Lande waren, siod unter den Mächtigen und Einfluß, reichen in Politik und Geschäft zu fin. den, und sie find ein vornehmer Theil jener großen Armee fleißiger Arbeiter in allen Lebenslagen, welche die Stärke und die Macht der Republik erbauen. Rauschender Beifall dankte dem Redner. j Nun sang der Indianapolis Lieder, kränz das herrlih?e Lied Uhlands Ab schied- von Hale unter der Leitung sei nes tüchtigen Dirigenten Riegner. Lau ter Beifall dankte den Sängern. Herr Robert Nix hielt nun die fol. gende Ansprache. Zwei Völkerschaften, beide den ger. manischen Barbaren des Altertums entstammt, haben die junge amerika Nische Kultur geschaffen und ihr das eigenartige Gepräge verliehen, das sie befähigte, mit der Kultur älterer Völ. ker in Wettbewerb zu treten. Die ein gewanderten Engländer und Deutschen waren, eS, die vor allen andern der Kultur Europas die Pfade in die ame rikanifche Wildnis bahnten. Die Ame rikaner deutschen und englischen Stam., meS bilden auch heute noch den Kern des stolzen Volkes, das fein sternbesätes

Banner überStröme undEebirge hinweg von Weltmeer zu Weltmeer getragen und dadurch den Scharen, die Europa ver. ließen, ungeheure Gebiete zur Besiede. lung erschlossen hat.' Aber keineswegs gleichartig waren die Gaben, welche die zwei ftammver wandten' Völker der neuen Heimat und dem neuen Volke darbrachten. Schon im dreizehnten Jahrhundert war Englands Königtum gezwungen worden, in der Magna Charta eine lange Reihe wichtiger VolZrechte anzu erkennen und dann durch Schaffung des UnterhaAseS dem Bürgertum derStüdte Vertretung im Parlament zu gewüh ren. Die zahlreichen Kriege, die England mit anderen Völkern führte, treten an Bedeutung zurück vor den Kämpfen, in denen das englische Volk mit wach sendem Selbstvertrauen seine alten Rechte gegen die Uebergriffe der Krone zu'schützen suchte. Während die Nach, kommen der Angelsachsen in ihren poli tischen Einrichtungen sich immer mehr der republikanischen Staatsform näher ten. erstarkte zugleich ihr Nationalbe.

wußtsein in so hohem Maße, daß eS elbst die heftigsten ReligionskSmpfe überdauerte. In den ersten Jahrzehnten deS siebzehnten Jahrhunderts, als die StuartS die Wiedereinführung eines unbeschränkten Königthums von Gottesgnaden zu erzwingen such en, wurde mit weiser Umsicht der Crund zu jenem einträglichen Kolonial syftem gelegt, daS später den Erdball umspannen sollte. Zehntausende von Engländern verließen die Heimat, um in Amerika Freistätten zur Ausübung ihrer Religion zu schaffen, ohne dadurch daS nationale Band zu zerreißen. daS sie mit dem Jnselvolk verknüpfte. Die Freiheitsideale dieser Einwanderergrup. pen waren allerdings grundverschieden; denn während die Puritaner in Neu England der FreiheitSgöttin die Zwangsjacke deS eigenen Glaubensbe ttenntnisseS anlegten,wurde in der kathol. Kolonie Maryland allen Christen und in der Quäkerkolonie Pennsylvanicn über. Haupt allen, die an eine Gottheit glaub ten, volle Religionsfreiheit zugestanden. Aber trotz dieser Verschiedenheiten wa ren die einwandernden Engländer größ tenteilS reif zur Selbftregierung, und ihre Führer besaßen die Fähigkeit, große, geordnete Gemeinwesen zu grün? den, deren Ausbau auch, nach dem Zu sammenschluß zum unabhängigen Staa tenbund im Zeichen der politischen Ein richtungen Englands stand. Das alte Deutsche Reich hat keine überseeischen Kolonieen gegründet. Der Traum von der Wiedererweckung deö römischen Weltreiches, die Lüge vom Heiligen römischen Reiche deutscher Nation, von dem Voltaire sagte, daß eS weder heilig, noch römisch, noch ein Reich sei, daS Haschen nach bloßer Schattengröße . hatte jahrhundertlang der inneren Entwicklung Deutschlands entgecngewirkt. Als das sechzehnte Jahrhundert jenes mächtige Erwachen deutschen Geistes brachte, jenes Ringen nach Wahrheit und Freiheit, das der ganzen Menschheit zum Heil gereichen sollte, da war daS Reich der Aufgabe nicht gewachsen, die stürmenden und drängenden Gewalten in Bahnen zu len len, die zu seiner innerenKrüftigünz hüt ten führen müssen. Nicht gesunde Fort entwicklung, sondern Erkrankung deS deutschenVolkSkörperS war die unmittel bare Folge derErschütterungen jener gro ßen Zeit. AlS dann der Dreißigjährige Krieg daS unglückliche Land verwüstet und des Reiches Macht gebrochen hatte, da war das Nationalbewußtsein deS verarmten deutschen Volkes nahezu ver nichtet. Wohl wurde durch den Frie denSschluß den Reichsftaaten eine Selb, ftändigkeit gewährt, die sie instand setzte, einzeln an die Aufgaben heran. zutreten, zu deren Lösung das Reich zu schwach war, einzeln zu Kulturstaaten emporzublühen, aus deren Zusammen, schluß in ferner Zeit ein neues Deut fcheS Reich erstehen sollte, dessen Größe nicht auf erborgtem Glänze, sondern., auf innerer Kraft beruht. Aber länger als zwei Jahrhunderte dauerte dieser ereignisvolle Entwick. lungSgang, welcher durch kleinftaatliche Gewaltherrschaft bald gehemmt, bald unbewußt gefördert wurde. In den ersten Jahrzehnten nachdem großen Kriege war für Deutschland die Wiederbevölkerung der verwüsteten Landstriche eine näherliege ade Aufgabe, als die Befiedelung ausländischer Wildnisse. Außerdem gebrach eS da malS wie auch später seinen Fürsten an der StaatSklugheit und Macht, die zur Gründung und Schirmung lebensfähi ger Kolonleen erforderlich find. Bitterer Mangel, NellgionSbedrü. ckung und politische Willkürherrschaft

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