Indiana Tribüne, Volume 29, Number 36, Indianapolis, Marion County, 5 October 1905 — Page 4
Znoiana Tribüne. Httaukgeskitn von der antraft? a Indianapolis, Ind.
Harry D. Thndwm Präsident. SeschäftSlocal: No, 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE S'ZV. .,"..''' " Kntered at the econ Die dritte Nationaltton vention. Heute früh 9 Uhr trat der Konvent deö Deutsch'Amer. National.ButtdeS zur ersten Tagung in unserm herrlichen Deutschen Hause zusammen. Das Ereigniß ist ein wichtiges und nicht nur von einschneidendem Interesse für das Deutsch'Amerikanerthum. son dern für die ganze Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Der Einfluß deö NationaLBundeS roird je mächtiger er sich ausbreitet von Jahr zu Jahr auch einschneidender und deshalb wichtiger. Das liberale amerikanische Bürgerthum hat schon erkannt, daß die Bestrebungen deö deutsch'amerik. ' National'BundeS fe genSreich auf die fernere Entwickelung der Republik einwirken müssen und eS zeigt sich auch ZdeShalb das Bestreben dem Bunde, wo immer er einflußreich aufzutreten vermag, wirksame För derung zu Theil werden zu lassen. Der GedankeZ.individueller Freiheit, der daS Fundament des NationalBun deS ist, heimelt den Stockamerikaner, der nicht der fanatisch nativistischen Richtung angehört, an. Er hat eingesehen, daß puritanischer Zwang die Lebensgeister verdüft:rt und krankhaften Erscheinungen im ameri kanischen Volksleben Einlaß gewährt. Erst mißtrauisch den eigentlichen Zwe cken deS Verbandes, hinter denen er PoMische Strebereien witterte, gegenüber stehend ist der liberal Amerikaner nun zu der Einsicht gelangt, daß dieses nicht der Fall ist,! sondern daß dieBestrebun gen des BundeSldahin gehen, durch Er' Ziehung die Ergebnisse, die durch TeM' perenz und Prohibitiongesetze niemals erreicht werden können, zu erzielen, nämlich weise Mäßigung im Genuß und LebenSZreud. ohne Ausschweifung. In allen Staatenlschwillt die Macht des Verbandes, beinahe täglich kommt die Nachricht, daß neue Zweige in Städten undZStaaen gegründet wur den, und daß diese Zweige wiederum das gefammte liberale Element im Be reiche ihrer Einflußsphäre im Sinne deS Verbandes inspiriren. So konnten die Herren Hexamer und Timm die gute Nachricht bei ihrer An kunft bringen, daß' sich die deutschen Vereine vonlEhicago mit seinen 600, 000 Deutschen'zdem Bunde angeschlossen haben. - ' So von Stadt zu Staat geht der siegreiche Zug - des Nationalbundes überall den deutschen Idealen, .För derer und Vertheidiger werbend pro bono publico)!" Heute, Deutsches Theater." Kein Deutscher bleibe fern. Chicago in Reih und Glied. Bei einer MassenVersammlung der deut schen Verein Chicago'S die Dienstag unter der Leitung der Herren Dr. Hexamer und A. Timm in der Nord feite Turnhalle stattfand, um die Deutschen Chicago'S zum Anschluß an den National'Bund zu organistren, wurde der folgende Beschluß mit riesi gem Enthusiasmus angenommen : Beschlossen, daß die hier versam melten deutschen Bürger und Vertreter deutscher Vereine in Chicago sich mit den Zielen deS Deutsch'Amerikanischen NatknalbundeS der Ver. Staaten von Amerika" keinvttftandzn erklären. daß sie den'.Anschluß der deutschen Bür ger und Vereine herzlich befürworten und daß sie eine sofortige Ernennung eines OrganisationS Ausschusses für zweckmäßig erachten , Im Laufe des Abends gingen der Versammlung die folgenden Depeschen zu : Der deutschen Vereinigung, dem jüngsten Kinde deS Bundes, sendet Glückwunsch und Brudergruß der StaatSverband der deutschen Vereine von Jndiana. Keller, President." Glück dem neuen Bunde!" Möge er stark werden und mitschaffen an dem großen Einigungswerke. Der Verband deutscher Vereine von Indianapolis. ffridJrancke.Diese Nachricht wird jedem Freunde der Bundeibeftrebungen eine freudige sein. Chicago mit seinen 600,000 Deutschen giebt dem J Bunde neue ÄZucht. Bravo, Chlcagoer Deutsche.
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Ansprachen und Routinegeschäste. Die
Heute Abend Festvorstellung im English Opera House-,Der
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. 3. heramer, Präsident des Deutsch-Amerik. Nationalbundes.
Der Präsident deS Verbandes deut scher Vereine von Indianapolis Herr F. Francke begrüßte die im SitzungS saale deS Deutschen HauseS versammel' ten Delegaten mit herzlichen Worten und stellte sodann der Versammlung den Mayor unserer Stadt Herrn John W. Holtzman vor. Herr Holtzman bot den fremden Gästm in freundlicher Weise im Namen der Stadt Jndianapolis die Gastfreundschaft an, er er wähnte dabei, daß er' stolz auf seine deutsche Herkunft sei, denn die Deut schen wüßten besser wie irgend eine an dere Nation sich wciser Mäßigung zu befleißigen. Die Bürger deutscher Ab kunft brauchten nicht durch Gesetze zur Mäßigung angehalten zu werden. Er schloß mit der Bemerkung, daß er nicht wie gebräuchlich die Schlüssel der Stadt der Convention übergeben würde, son dern einfach alle Thüren weit öffnen und den Schlüssel fortwerfen würde. Präsident I. C. Hexamer dankte dem Mayor für die herzlichen Worte. Er erwähnte dabei der Bemerkung eines französischen Feuilletonisten, welcher zu 'ihm gesprächsweise bemerkte, daß Ame rika überhaupt keine Nation sei,sondern einSuppenkessel, in welchem alle Natio nen der Welt ihrenAbschaum hineinwür fen. Er habe dem Herrn geantwortet, daß das SuppenkesselArgument etwas wahres für sich habe, daß aber der Deutschamerikaner bei dem brodelnden Kessel Wache halte, den auf der Ober ffäcke erscbeinenden Schaum herauslöf fele und wegwürfe, aber dafür Sorge trage, daß nur der edle Extrakt der Amerikanischen Nation verbleibe, als schöner Zuwachs. Lauter Beifall folgte dem Redner, der sodann ' A P . : . - 'A '. -''Itfiir' vft tpr 111 r . r I ' . .... ,
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Nationalbundes eröffnet.
Die 3. Konvention des Na tionalBundeS officiell i eröffnete und folgende Ansprache hielt, die be geisterten Beifall fand. Rede deS Präsidenten Dr. C. I. Hexamer. Meine Damen und Herren! Schöner als Franz Keim es denDeut? schen eines and:ren Landes sagte, kann unsere Arbeit wohl kaum ausgedrückt werden: Nicht Zorn und nicht Waffen, '-' Nicht Kamps und nicht Blut, r Nur ewiges Schassen Und Treue und Mut ! Nur herzliche Freude, den Boden, den alten, Dem Baum, dessen Blätter wir sind, zu er halten. Zu schützen das einsamste Zmeiglein der Krone, Das sei unser Stolz und das weid' uns zum Löhne, ''' Dann rühmt uns dereinst unser Snkelvolk nach: Kein Blättlein vergaß, voal die Wurzel ver sprach!" Die Frage ist, wie können wir das, was uns lieb und werth ist, das, was wir der uralten germanischen Kultur entw'lcklung zu verdanken haben, am besten zum Wohle - dieses Landes erhal. ten und verbreiten? Da handelt eS sich nicht allein um die deutsche Sprache, denn wie Dr. Pfaff sehr richtig sagt: Gewiß ist unsere Sprache ein köstliches Gut, aber noch höher steht deutsches Fühlen und Denken." Der Volksstamm, der unserem zusammengewür. feiten amerikanischen Volke am kräftig. ften seinen Stempel aufdrücken wird, ist der,, der geistig am regsten ist. ES handelt sich hier nicht um Quantität, , w VtrAvV-' ' T ' ;!Lei ... . ; -tsr?'. v , i n w 4 iv ? ;;r ü'ttfif T
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VerbandsfaHnen schmücken den Vorsaal.
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Adolph Timm, Sekretär des Deutsch-Amerik. Nationalbundes.
auch nicht nur um Qualität, sondern zum größten Theil um Activität. Seh: richtig wurde bemerkt, daß im nationalen Kampse'daSNichtrasten und nicht rosten" ganz besonder- gilt. DaS thätigere Volk wird darum Sieger sein, und auch wir wollen hoffen, daß wir eS sind. Mit schönen Reden ist eS hier nicht gethan, nur die regste, unablässige Agitation, und zwar nicht nur in den eigenen Kreisen, sondern auch noch un ten kann unS helfen. WaS Hofrath Dr. VMarz den Deutsch . Oefterreichern sagte, gilt auch für unS: Der bloße Hinweis auf deutsche Wissenschaft und Kultur nützt unS nichts. . Das, was Wir brauchen, find ' tüchtige Leistungen auf allen Gebieten menschlichen Wissens und Könnens; solche müssen wir anstre ben, jeder .in seiner Sphäre, nur da durch schaffen wir die Grundlagen für eine bessere Zukunft." , Und dann müssen wir mit erhabe nem Ernst bei der Sache sein, sie muß für unS nicht ein momentaner Sport zur Befriedigung kleinlicher Eitelkeit fein, sondern sie muß für uns eine heilige Pflicht, ja unser Lebenszweck werden. Laßt, Volksgenossen," können auch wir sagen, die Vielrederei und Rechthaberei, vereinigt Euch zur Schaffung deutscher Schulen, zur Ver tiefung nationalen Bewußtseins, zur Wkckung nationaler Opferwilligkeit und Rücksichtslosigkeit. Ermüdet nie in der nationalen Arbeit, wenn auch der augenblickliche Erfolg Euch nicht befrie digt. Langsam, aber sicher werden wir auf diesem Wege ein Geschlecht heranziehen, das volksbewußt ist. nackenpeif für seine Rechte eingeht und genug opferwillig, um die Mittel auf ,.H j m . 1
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y Talismann". zubringen, die nothwendig find, unS unseren Besitzstand ungeschmälert zu erhalten und Verlorenes wiederzuge winnen." An amerikanischer Opfermilligkei können wir Deutschamerikaner unS ein Beispiel nehmen. ES ist wahr,' daß tbeilw?ise auf Betreiben. deS National Bundes Steuben durch Beschluß des Kongresses ein Standbild in der Haupt ftad! des Landes erhalten wird; eS ist wahr, daß die Inschrift am Herkimer Monument auf unser Betreiben daS richtige deutsche Herchheimer zeigen wird, aber ebenso wahr ist eS auch, daß der mit so großem Enthusiasmus tn der Baltimore Konvention angenom mene Beschluß, ein PaftorinS'Denkma zu errichten, noch um keinen Schrit weiter gediehen ist. Ja wir müssen nicht allein reden, sondern auch han dein, und Geldopfer bringen. Jeder in seinem Kreise nach eigenem Glauben und Gefühl muß mit Geldopfern die deutsche Schule, die deutsche Kirche, das deutsche Theater, deutsch Spitäler, die deutschen Gesangs, Turn, Unter ftützungS,Schul', FortbildungS.Ver eine etc., kurz jede deutschkulturelle Be wegung kräftig unterstützen. Die Einführung der deutschen Spra che in den Volksschulen können wir auf breitester Basis fordern, da sie die Sprache des am höchsten in der Kultur entwicklung stehenden Volkes ist. Was Griechenland seinerzeit für Rom war. daS muß Deutschland für die Vereinig ten Staaten werden. Wir verlangen vom Staate," wie schon gesagt wurde. .wie von der ganzen Gesellschaft und jedem Einzelnen, der an den Aufgaben der Zeit mitarbeiten will, daß sie von V
einem großen Ideale getragen seien. Und dieses Ideal soll und darf kein an dereS sein, als das, einen immer grö ßeren Theil unseres Volkes zur Theil nähme an allen 'größeren Gütern der Kultur, an Bildung und Wohlstand zu berufen. DaS soll und muß die große, im besten Sinne demokratische Aufgabe unserer Entwicklung sein, wie sie das große Ziel der Weltgeschichte zu sein scheint." Ist es nicht beschämend für unS, daß das einzige deutsche Lehrerseminar deS Landes fast vergeblich nach Hülfe ruft? Welch' geistiges ArmuthSzeugniß für unsere reichen DeutschAmerikaner. WaS Professor Czerny über die Ver hältniffe in Oesterreich sagte, paßt auch für unS: Die deutsche Schule, deutscher Handel, deutsche Spitäler und Aerzte find die Pioniere des Deutschthums im Auslande kund fallen uneinnehmbare Festungen an der Sprachgrenze sein. Leider fehlen unS an vielen Orten
deutschgesinnte Seelsorger, welcher Man gel daS Zurückweichen unserer National litüt begünstigt." Ich möchte diejenigen deutschen Pa stören, die dem:Drucke einiger jünge ren Glieder ihrer Gemeinde nachzc bend", in deutschen Kirchen zuweilen englisch predigen, fragen, ob sie nicht dadurch ihrer eigenen Sache sowohl wie unserer schaden? Mit in gebrochenem Englisch gehaltenen Gottesdiensten kön nen sie Jung'Amerila" nicht halten. sondern machen sich dadurch nur selbst lächerlich, und wo die Lächerlichkeit an fängt, da hört der Respekt auf. Nein, da muß erziehend gewirkt werden; nur . so macht man Eindruck auf die Ver ftändnißschwachen. Wie kann man er warten, daß '.Andere das Deutschthum achten, wenn man cS selbst so wenig schätzt?" Den Knieschwachm rufe min zu, an ein Nachgeben ist nicht zu denken! Unser Streitruf sei: Ihr Jungen löst im Kampfe ab die Alten"; dann und nur dann wird sich unser idealer Traum der nach dem Wesen deS deutschen Geistes, wie Wagner meinte, sich von innen baut" auch verwirk lichen. Dr. Chiari 'hatte recht: Nach seinen Kräften für sein Volk zu wirken ist kein Verdienst, sondern selbstver ftändlich Pflicht." Vergessen wir nie. daß die Lebenstüchtigkeit eines Men schen, und die Stellung, die er sich selbst und anderen gegenüb im Leben einnehmen muß, sich auf seine Erzie hung bafirt. Daher möchte ich allen Jenen,, die unS in gewissen Kreisen allein helfen können. Blüthzen'S schöne Verse wiederholen: Wo der fremde Einfluß droht Deutsche Lehrer, statt zu klagen. Eh' das Haupt ihr hebt zum Beten, Laßt die Kinder also sagen : Hilf uns auch die Treue wahren, Herr, dem -Stamme unserer Väter ! Wer verleugnet, daß er deutsch. Sei wie JudaS, der Verräther." Die Erhaltung der deutschen Bühne in Amerika, soll sie nicht zum Niveau von Schmieren" herabsinken, glaube ich, ist nur mit der thatkräftigen Unter ftützung der Zweige deö DeutfchA.e rikanifchen National'BundeS möglich. In den größten Städten des Landes müssen eigene Theater durch das Volk errichtet werden, da deutsche Theater in Mietpreisen mit amerikanischen Un ternehmern nicht konkurriren können. JedeS Fach muß mehrfach besetzt wer den, so daß für kleinere Orte Gastspiel. Tournee'S stattfinden können; dafür, daß diese erfolgreich find, müssen unsere Zweige sorgen, waS mit Thatkraft und taktvoller Zuhülfenahme von gebildeten Amerikanern geschehen kann. Zum Schlüsse möchte ich noch bemer ken, daß wir besser als es bisher ge schehen ist, die aus unserem Bunde ent ftandene GermanAmerican Hiftori cal Society" unterstützen müssen, da eö hre vornehme Aufgabe ist, die Thaten unserer Vorväter zu erforschen und die gewonnenen Kenntnisse zu verbreiten. und das, was wir und unsere Nach ommen leisten, zu verzeichnen. Nun bleibt mir noch die angenehme Pflicht, der deutschen Presse und mei nen bewährten Mitarbeitern z'u danken, denn ihnen gebührt der Kredit für un seren Fortschritt. Nun verlas Sekretär Adolph Timm den Bericht über die Errungenschaften deö National Bundes, den wir im Nächsten im Wortlauf veröffentlichen werden. Herr Hans Weniger verlas sodann den Schatzmeister Bericht. Während die stehenden Comites sich zu der ihnen zuständigen ComiteArbeit zurückzogen wurden die Berichte der verschiedenen Delegaten über die VerbandZcmgele genheiten der von ihnen vertretenen
Zveige.verlesen.
