Indiana Tribüne, Volume 29, Number 33, Indianapolis, Marion County, 30 September 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, so September lvos.

44 4"f M 44 44 4-4 44 4 4- 44 Ais erste Weste ! 4 55 Öff H 44 H H 4 H j Eortsetzung.) Nü nee, min Döchting, so weit wären wir denn doch noch nicht!" sagte da Vater Dankwart,' langte mit grausaluer Hand nach dem vorwiegen Miezeichen und kommandirte es in's Haus zurück. Mach, daß Du der Mutter hilfst! Herrn Föhrenbachs Besuch geht Dich gar nichts an. Oder kannst Du ihn berathen, wie er's anfangen soll, sich was Eigenes zu gründen, wie?" Wie verschlagen er lächelte, der Eestrenge! Freilich könnt' ich's, Vater! Ich sagte ihm. er soll sich Tankwarts Mieze heirathen! Die kriegt mal einen Haufen Celd mit und die Vlumenhandlunz in der Stadt noch als Draufgäbe!" ' Weitab schon wehte ihr weißes Kleid von Vater Dankwart und Wilibald. - Der aber hatte plötzlich des Gärtners Hand ergriffen und leidenschaftlich gedrückt. Ich verspreche es Ihnen auf meinen " Jawohl, auf Ihren Händen würden Sie und so weiter. Kennen wir, kennen wir!" Vater Dankwart lachte. nahm sich des Jünglings Rechte, besak sich dieselbe von innen und außen und nickte dann beifällig: Na, wenigsten.' haben sie ein paar "Schwielen gekriegt, die weißen, zarten Pfoten! So glaub' ich's ihnen schon eher, daß sie was ,tragen' können." Wilibald kehrte selig heim. Der Kopf saß ihm fast übermüthig schief, und als ein freigelassener Hofhund ihn wüthend ankläffte, lächelte er den freundlich an dafür. Er lächelte beständige und über alles. Ueber den Vorwurf seiner Mutter, daß er zu spät zu Tisch komme, über den Riesenbraten, über seine Lieblingsspeise und endlich über die Mittheilung, Liane habe aus München geschrieben, wo sie sich mit ihren Damen aufhalte. Bevor sie nach Amerika ginge, käme fi noch nmal nach Lindenstedt, um Abschied zu nehmen. In acht Tagen etr?r dürfe man sie erwarten. In völlig himmlischer Geistesabwesenheit saß der Sohn des Hauses und aß, daß es dem Mutterherzen eine Lust war, ihm zuzuschauen, bis es Frau Mathilde beim Nachtisch in den Sinn kam, ein lebhaftes Interesse für den neuen Beruf ihres Sohnes zu bekunden. Sie wollte doch wenigstens wissen, wofür man in Ceisenheim das schwere Lehrgeld bezahlte, nachdem . man sich kaum die Schulden des leichtfertigen Jungen vom Munde abgespart hatte. Und Wilibald erklärte mit Feuereifer. Den Kursus für praktische Cärtnerei habe er nun bewältigt.- das nächste gelte dem der Pomologie. Pomolozie!" FrauMathilde horcht? auf. Das klang gelehrt, das klang gut. Das ließ sich bilden, das ließ sich hören. Und plötzlick wurde ihr so lebendig hübsches Gesicht ganz hell. Was war'S denn gewesen, was ihr am allerwehesten gethan, als ihr Wilibald sich entschlossen, Gärtner zu werden? Der Gärtne?" war's gewesen, des Wortes plebcjischer, allzu praktischer Klang. Wie anders aber lagen die Dinge, konnte sie erklären: Mein. Sohn studirt Pomologie!" Frau Mathilde wurde ganz klein und nachgiebig und athmete auf, so tief, daßdas gute Schwarze" in seinen Taillennähten krachte. Nach Tisch saß sie ganz allein auf der Weinlaubenterrasse bei Häkelzeug und sonntäglicher Gedankenfülle, als etwas ganz Unglaubliches geschah. - Ein großer, großer Strauß, ' ein wahres Bündel von Flammenblüthlern, von Nelken, Neseden, Rosen, Levkojen flog vor ihr nieder und gleich darauf ein weißes, zierlich kleines, menschliches Etwas mit rothen Haaren und braunen Aurikelaugen. Das faßte Frau Mathildes Hände, drückte und küßte sie und flehte mit zärtlichem Stimmchen: Liebes, .liebes Frau Toktorchen, seien Sie doch nicht böse, ich bitte Sie gar so sehr! Wir haben ja doch schon miteinander sterben gewollt, lassen Si? uns doch miteinander leben. Ich bitte Sie, ich kniee vor Ihnen. Ich will ja alles thun für ihn, will ein ganzes Jahr lang in Pension gehen, daß ich fein und gebildet werde. Arm bin ich ja doch auch nicht. Liebes, lieles Frau Toktorchen, wenn Sie jetzt Ja sagen, hab' ich zwei Mütterchen auf der Welt, Sie und die meine!" Sie sind ja ein richtiger Kindskopf, Mädel! Stehen Sie doch auf!" Wie rauh die Doktorin das Miczclchen anherrscht, und wie die still dasteht mit lächelndem Kirschenmunde und bettelnden Augen! Ein Mordsbalg!" gesteht sich Frau Mathilde, das heißt natürlich nur ganz im Stillen. Dabei im Grunde wirklich ganz niedlich und als Schwiegertochter jedenfalls um den Finger zu wickeln. Und einen ganzen Haufen Geld ja, den sollten Dankwars haBen!" Als hätte das Rothköpfchen das alles gelesen in der Doktorin lebhasten Zügen, b?ann sie nocheinmal mit schel

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B 5? 44 j, TT Roman von Scdzvig Vrlin Srizttrcrkcbicr 4' T &Etl Ä 4 4 4 4 44 4 4 4 4-3 4"5 4 mischem Blinzeln: ..Liebes Frau Doktorchen. Sie sind ja gar nicht mehr böse. Ich seh' es ja! Warum machen Sie uns nun nicht glücklich? Vergessen thut man doch das am wenigsten' im Leben, was als Gutthat zur rechten Zeit kommt. Warum schenken Sie uns unser Glück nicht, damit wir es Ihnen danken? Frau Mathilde war Mutter und zwar eine, die sich ihr Lebtag vergebens nach einem zärtlichen Töchterchen gesehnt hatte genau so wie Dankwarts nach einem Jungen. Daß da das Gc fühl ein wenig durchging mit der sonst stets behaupteten Vernunft wer hätte es ihr verargen mögen? Sie hatte da" Miezelchen plötzlich fest beim rothblonden Schöpf gefaßt und schüttelte es ingrimmig. ' TuFratz, Du grüner! Schämst Tu Dich gar nicht, schon an Heirathen denken zu wollen?." Gar nicht, Frau Doktor," vertheidigte sich das Miezelchen. Heirathen wollen wir uns übrig doch noch gar nicht. Nur erst verloben! Nur erst verloben, daß wir's auch richtig vor allen Leuten zeigen können: wir gehören zueinander!" Und daß er Dich eines schönen Tages sitzen läßt! Hab' ich Dir's noch nicht genug gesagt: der Wilibald taugt nichts! Die erste beste andere Mieze und er hat Dich vergessen!" Da lächelte die Kleine mit ihrem holdesten Lächeln. Ach nein, Frau Doktor, ich war ihm die Erste und war ihm die Beste, aber die erste Beste war :ch ihm nie!' Und er ist mir auch nicht der erste Beste er ist mir der Einzigste! Woher ich das so genau weiß, das könnt' ich Ihnen aber nicht sagen. Frau Doktor." Frau Mathilde hob plötzlich des Mädels anmuthsvolles Gesichtchen zu sich empor. Sag mal. Mieze. Du junges, kaum flügges Putt, was denkst Tu Dir denn eigentlich sür einen RomanHelden von dem Wilibald zusammen? Tu hast doch sicherlich ganz falsche Begriffe von ihm! Warum muß er s denn gerade fein, warum thut es denn kein anderer? Wenn ich Ihnen das sagen könnte. tfiuu uiiui, yuu,j yuuiß, luy uu; 13; Aber fragen zuvor thät' ich Sie: warum soll ich es denn gerade nicht sein, die seine Braut wird? Was habe ich denn gethan, daß Sie so hart zu mir "' fvNfi4 AAt4Cl A? I sind? Wir lieben uns doch und Sie Sie können uns wie der Herrgott selbe das Glück schenken." . Wie der Herrgott Frau Mathilde kann ein Glück verschenken wie der Herrgott selber. Mit einem Male ruht das Miezelchen an der Doktorin Brust. Als Wilibald an diesem Abend zur Ruhe ging, betete er seine Mutter cn. Acht Tage später wurde in Dankwarts Garten Wilibalds und Miezelchens Verlobung gefeiert. Noch ganz im geheimen. Keiner außer den Familienmitgliedern nahm daran theil. Frau Mathilde aber, die es noch eine Stunde vorher, ehe sie. das Schwarzseidene angelegt, sich geschworen hatte, sie werd: mit den Unebenbürtigen nur die nöthigsten, aber auch nur die allernöthigsten Worte sprechen, und die Mesallianz ihres mühsam großgezogenen Einzigsten bedeute ja doch ihr frühes Grab, dieselbe Frau'Mathilde war am Abend des ereignißreichen Tages die Lebhafteste von allen. Mochte es nun sein, daß ihr dal Miezelchen fortwährend die weichen Schmeichelarme um den Hals schlang und ihr dazu die süßesten Koseworte ln's sjvr flUster:?, lo oatz Frau Dem: wart sich hätte benachtheiligt fühlen können, wäre sie nicht selber über ihres Kindes Glück allzu glücklich gewesen, oder mochte es sein, daß Vater Dankwarts Guitarre gar so sehr an das eigene schlichte Daheim erinnerte, wa sie einst auch Abends beieinander aesessen und gesungen hatten, jedenfalls war Frau Mathilde auf der Höhe ihre: Laune und ließ sich zum Schluß der Feier sogar erbitten, auf dem durch Lampions erleuchteten SRastrt mit Vater Föhrcnbach das Menuett zu ian zen. bei dessen Klängen sie , sich' bor sechsundzwanzig Jahren in Liebe gcfunden hatten. Und während so die Alten an die Jugend dachten und milde und gütig wurden um der seligen Jugend willen, hatten zweie sich in das Dunkel des Gartens hineingeflüchtet, sahen es nicht, wie die Herbsiwolken über jenen jagten, meinten, die welken Blätter, die rieselnd über sie hinschauerten, sien Frühlinzsblüthen und küßten sich küßten sich in ihres Lebens Mai. Ach, sind Wir glücklich sind wir glücklich! . Wenn es doch so bliebe, schöner kann es. ja nicht werden!" Nein, schöner kann es wohl nicht werden, Miezelchen und Wilibald. Aber wer ist wohl so weise und und weiß um seines Lebens seligste Stunde, wenn er sie erlebt? Am nächsten Tage reiste Wilibald in seine Lehranstalt zurück. Er hatte noch Zeit zum Bleiben gehabt, aber er wollte die Arbeit nicht versäumen. Ein Jahr ; noch sollte er dann an einer landwirtl

schaftlichen . Hochschule studnen und

dann eme praktische Thätigkeit vcgmnen. Sich mütterlichem Trennungsschmerze lange hinzugeben, fand Frau Mathilde keine Zelt, denn zwei Tage nach Wilibalds Abreise war Liane noch einmal zum Abschiednehmen in Lindenstedteingekehrt. Mit Frau Mathilde im Garten auf und ab schreitend, sprachen sie von Ver gangenem und Künftigem. Tu hast Dich großartig erholt :n den fünf Monaten, die Du fort warst," sagte die Doktorin und musterte anerkennend die schlanke Gestalt an ihrer Seite. Wenn Du auch nicht gerade stärker geworden bist, so hast Du doch etwas Aufrechtes, Gesundes in Deinem Wesen das fehlte Dir lange gernn. Ja, Tante, es hat mir bitter gefehlt." Aber daß Tu nun fort willst, so für ganz und für immer nach dem fernen Amerika Liane, ich frage Dich, hast Tu denn das auch ganz genau ucerlegt? Hätte es denn da keinen anderen Ausweg für Dich gegeben, als den llber's Wasser 'rüber?" . Den eindringlichen Blick, der in ihrer Seele lesen wollte, verstand Liane und wußte, nach welchem Ausweg Frau Mathildes Gedanken für sie suchten. Mit weichem Lächeln um die Llppen nickte sie. Ja, Tante, es gab noch einen anderen. Robert Warnebrook hat mich gebeten, seine Frau zu werden." Von der Gartenbank, darauf Liane und Frau Doktor Föhrenbach Platz genommen, sprang die letztere auf. s rasch wie ihr das helle Freudenroth iu das Gesicht schoß. Liane. Du hast doch nicht etwa " Ich habe. Tante! Habe nein sagen müssen, so weh es mir auch that." I da schlag doch emer lang hm! Solch einen reichen und doch aewik auch guten Mann, den hast Du Dir verscherzen können!" Liane mußte lächeln 'über der Tante Entrüstungsschrei und mußte daran denken, wie sie auch Stunden gehabt, da es ihr nicht so selbstverständlich erschien, die Werbung eines gütigen, ehrlichen Mannes abzulehnen, da die Vergangenheit wie ein dunkler Schatten hinter ihr gestanden und sie sehnsüchtig die Arme nach einem lichten, warmen, neuen Leben hatte breiten lassen. Da klang in ihr Sinnen wieder der Tante Stimme: Dein Ernst ist das doch nicht. Liane! Einen halben' Millionär, den thut ein Mädchen doch nicht ab, als wenn's der erste beste Hans Habenichts wäre." Der erste Beste! Einen Schein blasser wurden Lianens Wangen. Auch dann nicht, wenn sie ihn nicht liebt, Tante Mathilde?" Die aber stieß ärgerlich hervor: Ach was Liebe! Ihr unvernünftigen jungen Menschen wißt ja selber nicht, was ihr eigentlich darunter versteht! Liebe nenne ich, wenn ein reicher Mann um ein armes Mädchen freit, das ist die wahre Liebe! Und wahre Liebe er weckt Gegenliebe!" ' Liane antwortete nichts und wandte den Kopf zu? Seite. Es war das letzte Mal. daß sie mit Frau Mathilde von der Liebe gesprochen hatte. Sie ging in ihr Stübchen hinauf, saß lange und lauschte in sich hinein, nahm plötzlich Feder und Papier und schrieb an Robert Warnebrook. Nur wenige Zeilen, unter d:en ihre Augen sich feuchteten. Sie würde ihm wehthun mit diesen Wort.i, aber den Freund, das wußte sie, den würde sie darum nicht verlieren. .(Schluß folgt.) Als erster weiblicher Tischleraeselle bestand vor demMeisterprüfungsausschuß in Kempten ein Fräulein Eenzi Geyer aus Nesselwang die Meisterprüsung. Fräulein Eenzi Geyer, die bereits zwanzig Jahre lang seit ihrem 15. Lebenjahre in der Tischlerei ihres Vaters thätig ist, erlernte als die Älteste das Tischlerhandmerk und will sich durch Erwerbung des Meistertitels die selbstständige Weiterführung des väterlichen Geschäftes sichern. Die Handwerkskammer hat sich durch diesen bisher wohl vereinzelt, dastehenden Fall für die Zulassung weiblicher Lehrlinge zur Gesellenprüfunq ausgesprochen. Das Meisterstück Fräulein Eenzi Geyers bestand in zinem Waschkasten mit Spiegelaufsatz. üln Geschicklichkeit steht der weibliche Tischlergeselle seinen männlichen Kollegen in keiner Weise nach, trotzdem sich Fräulein Geyer vor zwei Jahren bei einem Unfall beide Arme gebrochen hat. Der Futzreisende übernehme sich Nicht im Gehen, namentlich seien die ersten Tagestouren nicht über 5 6 Stunden, ist man das Marschiren gewöhnt, so kann man zulegen. Lesonderö bei Gebirgstouren ist es empfehlenswcrth. mit- kleinen Ausflügen den Anfang zu machen. yrn icr chimMirbalrn. Auf dem Bahnhof kommt ein vierzig Mann-starker Verein an. Na." sagt der Vorstand desselben, was ist denn das? Laut Fahrplan sind noch fünf Minuten Zeit bis zum Abaang des Zuges, und dort fährt er schon hinaus!- Ja," antwortete der Stationsdiener. als der Lokomotivführer den Haufen Leut' kommen sa, hat er Angst 'kriegt und ist ausg'rissen!"

Der Freiwerber.

Humoreske von Theo von Torn, Es war nach dem Fünfundzwanzigsten an einem Tage, alfo, an welchem ein gewissenhafter Leutnant nur dann noch Geld hat, wenn er so viel Zuschuß bekommt, daß er ihn beim besten Willen nicht verzehren kann. Aber wer bekommt das?...Als Robert von Köster in der Schummerstunde bei seinem Freunde Astheld eintrat, wandelten seine hoffnungsfrohen Züge sich in eine bedenkliche und enttäuschte Flunsch. Eine Weile musterte er schweigend das Souper, welches auf dem ovalen Sofatische fervirt war und an dem Wolf Astheld mit anscheinend bestem Appetit sich vergnügte. Ist das Matjes ?" .Nee " Neue Kartoffeln ?" Alte " Hm na dann kann ich ja wieder gehen. Mahlzeit." Sei nicht kiesätig, Du , und setz Dich ran. Es gibt nachher noch was Warmes." Das wäre V Die drei Harzer da drüben werden eine Minute lana über die Lampe gehalten." Leutnant von Köster griff in die Kartoffelschüssel und bedrohte den Zyniker mit einer Handvoll Erdäpfel. Da dieselben aber sehr heiß waren, ließ er sie wieder in die Schüssel zurückgleiten. Ich dächte auch." bemerkte Astheld freundlich. Man wirft nicht herum mit der edlen Gottesgabe. Morgen Abend wird der Rest gebraten. Oder willst Du heute schon welche gebraten haben r Nein, danke. Ich habe überhaupt nicht den geringsten Appetit." Na und was hast Du sonst?" Nichts habe ich." Wolf Astheld wischte seine Finger flüchtig mit der Serviette und drückte dem Freunde über den Tisch hinweg die Hand. Ich auch " Leutnant von Köstsr .zchte wenn auch etwas gekniffen. Dann ist ja alles in schönster Ordnung. Addio." Hör mal, Bob " Na ?" Du bist eigentlich ein rechter Schafskopf." Und weshalb, wenn ich fragen darf?" Erstens, weil Du meinst daß ich am achtundzwanzigsten noch was haben könnte und zweitens weshalb heirathest Du nicht?" Weil zum Heirathen drei gehören, und der Dritte es nicht zugibt." Also der Herr Eommerzienrath ist immer noch eigensinnig?" 'Eigensinnig ist überhaupt kein Wort. Der Mann ist ein hartgewordenes Gemenge von Cement und Glasscherben. Du lieber Himmel und im Jrunde kann ich es ihm gar nicht einmal verdenken. Mein ganzer früherer Leichtsinn steht ja bei ihm zu Buch. Ist es. nicht ein scheußliches Pech. Astheld, daß ich das süße Wesen erst kennen gelernt, nachdem ich den Alten nach allen Richtungen der Windrose angepumpt ?" Wie man's nimmt," erwiderte Leutnant von Astheld, indem er mit der bedächtigen Genußfreude eines Gourmands eine Kartoffel abpellte, gemeinhin entwickeln sich aus solchen Beziehungen die solidesten FamilienVerbindungen. Es gibt keine Ueberraschungen, keine peinlichen Gestandnisse und dergleichen. Weißt Du ich habe das Gefühl, als wenn D:f den Herrn Rath nicht richtig anfaßtest " Der ! Mein lieber Freund, der ist überhaupt nicht zu fassen. Nachdem er meine Bewerbung abgewiesen, vars ich natürlich nichr mehr ln's Haus " Und Fräulein Lona Ebmeyer ?" Liebt mich inniger denn je. Sie selbst besteht darauf, daß wir .uns treffen heimlich bei ihrer Tante in Buchberg, die uns wohl will. Das sind immer anderthalb Stunden mit der Bahn und anders wie erster Klasse kann ich da nicht gut anschwirren. . . ." Aha und morgen ist wohl wieder der Tag?" Ganz recht. Hast Du nicht zwanzig Em, Astheld?" Dieses weniger. Dafür aber einen guten Rath: Trefft Euch wo anders E:s!ens macht Ihr der guten Tante keine Unannehmlichkeiten, wenn ihre ChaperonnLge einmal rauskommt was früher oder spater doch der Fall sein wird zweitens ist auch die beste Tante unter Liebesleuten überflüssig, und drittens kannst Du Dir's billiger einrichten. Könntest Du die Kleine zu morgen noch verständigen? Das allerdings, aber " So verabrede mit ihr eine Kahnfahrt auf dem Nizensee." Auf dem unheimlichen Wasser hinter dem Selbstmörderfriedhof?!" Das ist sehr romantisch, sehr verschwiegen und kostet nichts. Außerdem kann es Dein Glück sein, Bob." Mein Glück r Aus den gebrochenen Augen dieses Schusterkarpfens lese ich, daß es Dein Glück sein wird. Willst Du die Verabredunq treffen? - Es bleibt mir im Grunde nichts anderes übrig," seufzte Köster, wenn Du mcht vielleicht doch zwanzig

Ttaxi. ... Die Antwort war nur ein Blick, aber er genügte, um Bob von Köster in die Flucht zu jagen. Eommerzienrath Ebmeyer faltete die Qände über der weißen Weste, die sick prall um das behäbige Bäuchlein legte. Was verschafft mir die Ehre ?" Leutnant von Astheld entledigte sich seiner Handschuhe, legte sie in die Mütze und rüAte dann auf seinem Stuhle zurecht, als wenn er sich für mindestens zwei, drei Stunden häuslich einzurichten wünsche. Wenn Sie zunächst beachten wollten, Herr Eommerzienrath, daß ich mich mit demRücken nach Ihrem Geldschrank gesetzt habe " Felix Ebmeyer schaute verdutzt. Dann lachte er. Aber Herr Leutnant " Nein, bitte das hat seine tiese Bedeutung, die Sie freundlichst nicht verkennen wollen. Unsere Verhandlungen gewinnen dadurch an Harmlosigkeit, und Sie werden es dann auch besser verstehen, wenn ich Ihnen, dem König der Hufnagelindustrie, gegenüber den Muth der eigenen Meinung habe " Sie sind gut aufgelegt, Herr Leutnant " Und doch ist es mir gallebitterer Ernst, Herr Eommerzienrath, wenn ia) Ihnen erkläre, daß Sie ein schlechter Geschäftsmann sind." Sie sind gekommen, um mir das zu sagen?" Und zu beweisen. Die Behandlungwelche Sie meinem Freunde und Kameraden Köster zutheil werden lassen " Sie würden mich verbinden, wenn Sie Herrn Leutnant von Köster in meinem Hause nicht erwähnten." Das wird sich leider nicht machen lassen. Die Behandlung ist meines Erachtens eine durchaus ungeschäftliche. Wenn ich nicht irre, sitzt er mit sechzehn oder achtzehntausend Mark in Ihrem Portefeuille " ? Aber was hat denn das " Pardon. Achtzehntausend Mark sind viel Geld bei den heutigen theuren Fleischpreisen. Selbst der Nabob von Dafür würde eine solche Summe nicht so leichtsinnig auf's Spiel setzen wie Sie. Jeder Gläubiger 'hat in seinem eigensten Interesse füv das leibliche und geistige Wohlbefinden seines Schuldners Sorge zu tragen. Das ist eine einfache Pflicht der Selbsterhaltung. Denn thut er das nicht, gefährdet er sein Geld. Außerdem darf der Gläubiger einer guten Gelegenheit, zu seinemGelde zu kommen, nicht hartnäckig sich verschließen. Dazu sind solche Gelegenheiten zu selten. Wie verhalten nun Sie, Herr Commerzienrath, sich diesen augenfälligen Wahrheiten gegenüber? Es wird Ihnen die Möglichkeit geboten, das Konto Köster mit Zinsen und Zinseszinsen auszugleichen. r Sie wollen nicht. Und damit nicht genug! Sie bringen durch Ihre Härte den Unglücklichen derart in Verzweiflung, daß ich nicht nur für Ihr Geld, sondern auch für meinen Freund sürchte " Was was wollen Sie damit sagen?" fragte der alte Herr betroffen, indem er das Daumendrehen einstellte. Wolf von Astheld zog die Brauen hoch und neigte den Kopf vielsagend auf die rechte Schulter. Herr Eommerzienrath ich wage das kaum auszudenken, geschweige denn zu sagen." Felix Ebmeyer sah dem jungen Offizier prüfend in's Gesicht. Ob er dort in einem Augenwinkel oder Mundfältchen den Schalk bemerkt, oder was sonst den Umschlag seiner be-

sorgten Stimmung herbeigeführt ledensalls polterte er aus. Das ist alles Unsinn. Herr Leutnannt! Ein Mensch, der so leichtsinNlg ist wie Herr von Köster irügi licy überhaupt nicht mit ernsten Gedanken, geschweige denn mit solchen! Nichts wird mich dazu bestimmen, mein Kind einem Manne anzuvertrauen, der " der, ehe er ernst unnd regelrecht verliebt war, ein leichtsinniges Huhn gewesen ist. Ist das' logisch, Herr Eommerzienrath? Sind Sie immer der solide Kreissynodale, Stadtverordnetenvorsteher u. s. w. gewesen, der Sie heute sind? Ich entsinne mich, daß mein Oheim, mit dem Sie vor dreißig Jahren bei Brown & Son in London volontirtcn, gelegentlich verschiedene kleine Scherze angedeutet hat, die immerhin erkennen lassen " Hm das ist doch etwas anderes," wandte der Eommerzienrath ein, indem er. zwischen Lachen und Verlegenheit seine Platte kraute. Allerdings. Aber nur insofern, als Sie damals. schon Geld genug hatten und sich für die kleinen Scherze keins zu pumpen brauchten. In den acht Monaten, seit mein Freund Köster Ihr Fräulein Tochter kennen und lieben gelernt, ist er ein völlig anderer Mensch geworden. so daß Fr ganz gut auch in die Kriessynode gewählt werden könnte, wenn das anginge. Hat er Sie in diesen acht Monaten ein einzigesmal angepumpt? Na also! Und als künftiger Schwiegersohn hätte er doch wirklich ein moralisches Recht dazu'gehabt " Ich erkläre Ihnen nochmals, -Herr Leutnant " Bitte, erklären Sie nichts. Her? Rath, sondern lassen Sie mich aus reden. Robert von Köster richtet' sich

seither mit seinem kargen Zuschuß em, so gut es geht. Er speist Abends Kartoffeln und Hering und zwar weder Matjeshering noch neue Kartoffeln. Er unterläßt sogar dringend nothwendige Eisenbahnfahrten, weil er sie in standesgemäßer Form nicht bestreiten kann. Kurz und gut er ist ein Mustermensch, dem ich nicht eine, dem ich alle sechs Töchter anvertrauen würde, wenn ich sie hätte! Dazu übersehen Sie eins, Herr Eommerzienrath, und zwar die Hauptsache: Fräulein Lona liebt meinen Freund Köster " ' Sie wird sich's abgewöhnen." Die Liebe ist keine Unart wie Nagelkauen oder mit dem Messer essen" die man sich abgewöhnen könnte. Die Liebe ist ein Gesetz und auf Grund dieses Gesetzes wird Fräulein Lona meinem Freunde anhangen wie auch sein Schicksal sich erfüllt gleichviel ob im Leben oder im Tode . . ." ; Hören Sie mal, Herr Leutnant Sie reden mir da schon wieder sowas ich mag das nicht' hören. Ich bin ein nervöser Mensch ich " Wolf von Astheld zog die Brauen noch höher als vorhin und neigte den Kopf noch vielsagender auf die rechte Schulter, dann sah er nach der Uhr. - Wissen Sie, wo Fräulein Tochter um diese Stunde sich befindet ?" Um Gotteswillen was wollen Sie damit sagen? Nach Buchberg wollte sie zu ihrer Tante " Leutnant von Astheld schüttelte duster den Kopf und erhob sich. Ist Ihr Automobil bcmt, Her: Eommerzienrath? Das mit den 60 in r Es ist aber so erklären Sie mir doch , Herr . . ." Dazu ist jetzt keine Zeit. Fahren Sie mit 30 Kilometer Geschwindigkeit nach dem Nizensee " Nach dem " stotterte. Felix Ebmener schreckensbleich. .Nach dem Nixensee hinter dem Selbstmörderfriedhof. Wenn Sie iu zehn Minuten dort sind " In knapp sechs Minuten hatte der Kraftwagen des Commerzienraths den Weg am See erreicht. Nicht weit vom Ufer schaukelte ein Boot auf dem Wasser, das aus den ersten Anruf zunächst sich zur Flucht wandte. Als aber der Herr unter verzweifelten Veschwörungen seinen väterlichen Segen verhieß, kehrte es zurück. Die Insassen waren zwar etwas verdutzt ob des Lberströmend herzlichen Empfanges aber doch sehr, sehr glücklich. Ein weinendes Denkmal ist dasjenige', welches vor Kurzem dem Dichter und Maler Friedrich Müller in den Kuranlagen seiner Vaterstadt Kreuznach errichtet worden ist. Es besteht aus einem Bronzerelief, das in gelblichen Hunsrücker Kalkstein eingelassen und mittels weißen Gipses befestigt ist. So oft ein Regenguß über Kreuznach herniedergeht, rieseln die Wasser über den Kalkstein und den Gips und erscheinen auf dem dunklen Vronzegesicht als regelrechte Thränenstreifen. Alles Abwäschen des Reliefs erweist sich als unzugänglich, da sich dieses immer von Neuem wieder mit hellen Thränenstreifen bedeckt. Man wird also das Denkmal wohl noch durch eine Thränenschutzvorrichtung" vor dieser Verunzierung schlitzen müssen. Eine ganze Druckerei zusammengestohlcn haben sich in Berlin zwei bisher unbestrafte Männer. Als der Buchdruckereibesitzer Me.ves aus der Oderberger Straße in der Nacht um 12 Uhr nach Hause kam, sah er in seinen Räumen Licht und überraschte zwei seiner Drucker dabei, wie sie Formen, Platten, Schriftzeichen und dergleichen mehr zutn Mitnehmen zusammenpackten. Sie suchten sich damit herauszureden, daß sie nur gekommen seien, um für sich selbst Visitenkarten zu drucken. D?u hätten sie aber nicht gerade die Mitternacht zu wählen brauchen. Die Kriminalpolizei fand denn auch bei einer Haussuchung in ihrer gemeinsamen Schlafstelle eine vollständige Druckerei, die sie sich aus gestohlenen Theilen zu-sammengcstell-t hatten. Einem Virminghamer Kriminalpolizisten, der unmittelbar neben dem städtischen Gefängnisse wohnt, wurden kürzlich die Handschellen gestohlen. Außer den Schellen nahm der Dieb auch noch die mit Gummisohlen versehenen geräuschlosen" Stiefel des. Polizisten mit. ' DerRepräsentant der Krakauer Versicherungsgesellschaft in Krosno Graf Los ist flüchtig und wird steckbrieflich verfolgt. Er hat die Einlagebücher der Lemberger Sparkasse gefälscht," indem er auf sie 10 bis 15 Kronen einlegte und daraus Tausende mit eigener Hand machte. Diese gefälschten Büchlein versetzte er. Als einer 'der Käufer bei der Sparkasse in Lemberg die Auszahlung der im Einlagsbüchlein eingetragenen Summe verlangte, wurde er festgenommen, und der Betrug kam an's Tageslicht. Auf diese Weise soll Graf Los 50.000 Kronen ZUM Schaden verschiedener Perfönen veruntreut haben. Es verlautet, er habe außerdem die Krakauer Versicherungsgesellschaft geschädigt. Er lebte aus großem Fuße, was ihm aber sein geringes Einkommen nicht erlaubte. Darum wurde er zum Be-trüser.