Indiana Tribüne, Volume 29, Number 32, Indianapolis, Marion County, 29 September 1905 — Page 6
Jndiana Tribüne, 29. September 1005
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Europäische Nachrichten.
Wayern. München. Dr a. o. Professor an der Hiesigenuniversität Dr. Richard Willstätter hat einen Ruf als ordentlicher Professor für Chemie an - das Polytechnikum in Zürich erhalten. Kürzlich erhängte sich ein Arbeiter und Ausgeher des Eisenwerks Maffein, Namens Martin all, verheirathet, kinderlos, auf dem Speicher der Kupferschmiede. Von seinen Kämeraden als Streikbrecher verachtet, woll ten sie nicht zugeben, daß er für sie wie früher Bier hole, der Meister wollte jedoch von einem anderen Vierholer nichts wissen. Die Arbeiter verzichteten lieber auf das Bier, als eS sich von diesem Manne bringen zu lassen. Gall nahm sich die Haltung seiner Collegen so zu Herzen, daß er sich das Leben nahm. Allmannshausen. Kürz lich brach im Schlosse des Grafen Karl Rambaldi die 300jährige Linde unter der Wucht deö Sturmes zusammen, die seinerzeit Ernst Rosmer die unmittelbare Anregung zu der Dichtung Königskinder" gegeben hat. B a m b e r g. Der Coinmis Ludauer und der Oberexpedijor Cohn hier wurden von dem Commis Heinrich Ziehr erschossen. Ziehr verübte nach der That "Selbstmord. D i l l i n g e n. Beim 4. Chevauxleger - Regiment erschoß sich vor einiger Zeit Chevauzleger Klaus und der Chevauzleger Körner. In beiden Fällen soll Furcht vor Strafe das Motiv gewesen sein. Eicher ts Höfen. Die Maurerswittwe Wagner stellte beim Schweinefüttern eine brennende Petroleumlampe auf den Boden des Stalles. Ein Schwein rannte die Lampe um, sie erplodirte und die Frau erlitt derartige Brandwunden, daß sie gleich darauf starb. Langenreut h. . Der Blitz schlug in das Anwesen des Oekonomen Preis. Das ganze Anwesen wurde eingeäschert. N e u b u r g.' Kürzlich ist der elfjährige Gymnasialschüler Lorenz Dirr von Bieberach beim Baden am Brandl in der Donau ertrunken, und bald darauf fand der Schreinergehilfe Johann Pehl von Lichtenau an der gleichen Stelle den Tod in den Wellen. Nürnberg. Der verheirathete Geflllgelhändler Hans Wild von hier, der mit einem Handwagen die westliche Ueberfahrt imBahnhofe passirte,wurde von einem Rangirzuge erfaßt, zu Boden gsfchleudert und sofort getödtet. Württemberg. Stuttgart. Küfcrmeister Aug. Haller von Cannstatt, 29 Jahre alt, wollte mit seinemKind auf dem Rücken über den Neckar schwimmen, sank jedoch plötzlich unter und ertrank, während das Kind gerettet werden konnte. Eine Stunde später ertrank unweit der ersten Unfallstelle ein etwa Lljähriger junger Mann Namens Ernst Popp. Deizisau. An der neuen Neckarbrücke bei Deizisau ist der feit einiger Zeit vermißte 61 Jahre alte Karl Klaß aus Beuren. OA. Nürtingen, todt aus dem Neckar gezogen worden. E ß l i n g e n. Durch den Ausbruch eines Großfeuers wurde kürzlich die hiesige Einwohnerschaft erschreckt. Das große dreistöckige Fabrikgebäude der württ. Holzwaaren-Manufaktur (früher Bayer & Leibfried) in der Schelzthorstraße stand in lichterlohen Flammen und brannte, da daselbst eine große Menge Holzwaaren usw. lagerte, bis auf die Umfassungswände sammt der Einrichtung aus, während es der rasch eingreifenden Feuerwehr - nach mehrstündiger angestrengter Arbeit gelang, die angebauten weiteren Gebäude. Magazine, Schuppen u. s. w., zu retten. , ' Gönningen. Hier hat sich der von seiner Frau getrennt lebende Samenhändler Theodor Ziegler, nachdem er von der Kegelbahn nach Hause gekommen war, erschossen. Heilbronn. Von der Berline.r Kriminalpolizei wurde der Bäckergeselle Mogler verhaftet, der vor einiger Zeit im nahen Neckardatag seinen Meister, dessen Frau und fünfjährige Tochter erschlug, dann die Kasse beraubte und entfloh. Er hat sich, da das Geld verbraucht war, freiwillig gestellt. Krailsheim. In dem nahen Alterrmünster schlug der Blitz in das Haus des Oekonomen Elsasser, das sammt Scheuer vollständig niederbrannte. Möglingen. Frau Schultheiß Pflugfelder wollte auf einem Spiritusherd etwas kochen. Dabei kam sie dem brennenden Spiritus zu nahe und erlitt so schwere Brandwunden, daß ihre Ueberführung .in's Bezirkskrankenhaus nöthig wurde. Dort ist die erst 32 Jahre alte Frau gestorben. , R o t t w e i l. In den Anlagen beim Hochthurm wurde der von Gündringen, OA. Hork, gebürtige, 27 Jahre alte, ledige Schuhmacher Josef Schuh erschossen aufgefunden. Das Motiv des zweifellos vorliegenden Selbstmordes ist unbekannt. Ulm. Im Alter von 62 Jahren starb an einem Schlaganfall der in weiteren Kreisen ls Dialektdichter bekannt gewordene Privatier Robert Kien hier. Er gab eine Reihe von Sammlungen seiner Gedichte und zu letzt Kleine Episoden aus meiner Lramosenzeit" heraus, tosf zu letz-
ierett gaben iljm'die als Prokurist in
Etzernay verlebten Jayre. . 'Maden. Karlsruhe. Geheimer Oberpostrath Hennemann, seit vielen Iahren Vertreter des Oberpostdireltors, trat nach 49 Denstjahren in den Ruhestand. Er ist 1857 noch bei der Thurn und Taxis'schen Verwaltung zum Postdienst gegangen. Baden-Baden. Beim Meisenköpfle" wurde der Dekorationsmaler Philipp Gresser todt aufgefunden. Der allgemein beliebte Mann n)ar leidend und hat im Zustande geistiger Umnachtung seinem Leben ein Ende gemacht. D ö r l i n b a ch. Vor kurzem erhängte sich hier der 60 Jahre alte Maurer Schüssele infolge Schwermuth. E p p e l h e i m. - Vor einiger Zeit stürzte der verheirathete 30jährige Zimmermann Franz Treiber von einem Neubau und war sofort todt. Furtwangen. Wahrscheinlich infolge Schwermuth hat sich der ledige Schuhmacher Peter Duffner erhängt. Frei bürg. , Privatdozent der Kirchengeschichte Dr. Josef Sauer wurde zum a. o. Professor an der hiesigen Hochschule ernannt. Heidelberg. Die naturwissen-schaftlich-mathematische Fakultät der hiesigen Universität promovirte den Forstakademieprofessor ErlenmeyerAschaffenburg anläßlich seines 80. Geburtstages zum Ehrendoktor. Krhl. Der 13 Jahre alte Karl Niemair von hier wollte im Rhein baden. Er erlitt anscheinend einen Schlaganfall und verschwand in den Fluthen. Niemair war des Schwimmens kundig. Mannheim. Der Grenadier Reck von der 9. Compagnie begab sich während des Schießens an eine Scheibe und erhielt einen Schuß, der die Nieren durchbohrte. Die Schuld an dem Unglücksfall wird dem aufsichtsführenden Feldwebel zugeschrieden. ' Thiengen. , Beim Baden im Rhein ertranken der Friseur Wilhelm Dörflinger und Fabrikarbeiter Scheitle. Unteröwisheim. Der 1jährige Sohn des Schreinermeisters Oberst ertrank in der Kraichbach. ?tzcinpfn5z. A l s e n z. Vor kurzem beging in der unterhalb des Bahnhofes gelegenen Daubhausmühle der Zimmermann und Mühlenbauer Gabelmann von Rockenhausen, Vater von 11 Kindern, durch Oeffnung der Pulsader an einer Hand Selbstmord. Als mau nach ihm suchte, fand man ihn bereits todt, im Bette des Mahlburschen liegend. Was dtft Mann zu der unseligen That bewog, ist hier nicht bekannt. , Bocken hausen. Die diamantene Hochzeit feierten die Eheleute Karl Huckenbeck und Karoline geb. BehNng in seltener Rüstigkeit. Der Jubelbräutigam ist 88 Jahre, ' die Jubelbraut ist einige Jahre jünger. Hornberg. Kürzlich erschoß sich mit einem Revolver mitten in der Hauptstraße der 24 Jahre alte Kaufmann Karl Heintz von hier, der sich in der Steingutfabrik inStellung befand. Der Beweggrund zu dieser That ist unbekannt. Kaiserslautern. Im BlechHammer wurde die Leiche der 16 Jahre alten Anna Rothländer gelandet. Das Mädchen, das seit längerer Zeit vermißt wurde, soll die That aus Liebeskumn.er begangen haben. Vorsichtig. Itonx: ...Ein Rhinozeros hat Dich der Bürgermeisier g'heißen? Da thust Du ihn doch verklag'n, Sepp?" Sepp: Ja freiti': I' geh' nur vorher zum Herrn Lehrer und schau' in sei' Bilderbuch nach, wie so a' Viech ausschaut!" Der Scklimmere. Schuldner (zum Schneider, der ihm auf der Straße mit der Rechnung entgegentritt): lim Gotteswillen, halten Sie mich nicht auf. Herr Zwirn... mein Schuster ist hinter mir!" Vertraulich. Dame :Diese Gesellschaften sind doch eigentlich schrecklich. Immer derselbe Lachs, dieselbe Pute. . ." Herr: O. das ist noch nicht das Schlimmste. Aber immer dieselben Menschen!" Boshafte Auffassung. Haben Sie auch schon die. Wahrnehmung gemacht, daß nichts so geeignet ist, Erinnerungen zu wecken, wie Musit?" Ach ja, ich merkte es bei der gestrigen Opernpremiere!" . Ui 1 n Naturphänomen. Tourist: Der Führer hat eine verdächtig rothe Nase doch wohl vom Trinken?" Kellner: ..Warum nicht gar, das sind Reflexe vom Alpen glühn." Aus der S chule geplaudert. Elschen (auf das Flieengitter des Küchenschrankes deutend): Gelt, Mama, die Löcher sind dazu da, daß der Leni irjr Schatz schnaufen kann?!" . " V e r s ä u m n i ß. Student (der nach einer durchschwärmten Nacht erst Nachmittags um fünf Uhr wach wird): Donnerwetter, da habe ich ja heute' mein Mittagsschläfchen verschlafen! Renommage. Landstreichcrin: Ja, Kinder, das war ein fßfll cher Mensch, der Gendarm, der mich transportirt hat... die Leute haben alle gedacht, wir seien auf der Hoch-zeitsreise!"
Zkislji, Der Oapancr.
tincr wahren Ärgedrnhrit nacherzählt von Heinrich Minder. Es war von Japan die Rede. Der alte Major hatte eben die Aussagen eines Arztes über die Kriegstüchtigkeit der Japaner zu widerlegen versucht. Alles Unsinn, was da von Heldenmuth und Todesverachtung gefaselt wird. Gewiß, sind tüchtige Kerle aber die Sympathie ist bekanntlich stets auf Seiten der Kleinen, der Schwachen. Mit dem Kriege ist's ebenso- wie mit dem Leben. Siegt einer einmal, dann macht er sich von selbst immer breiter. Glauben Sie mir. mefre Herrschaften wenn Japan die ersten Schlachten verloren hätte, dann würde es heute anders aussehen." Nach d:m Major sprach ein Großkaufmann: Ich denle. wir brechen doch noch nicht auf. Da kann ich hnen ja eine kleine Geschichte erzählen. Sie ist nicht laneilig und kann dazu dienen, uns d:n japanischen Lolkscharakter in verständlicher Weise zu zeichnend Die Gesellschaft rückte zusammen nd der Sprecher begann: Wie Sie iifo wissen, wohnte ich im vorigen Jahre noch in Berlin. Ich hatte mir aus Japan einen Koch, Namens Nishi, mitgebracht. Er war bereits zwei Jahre bei mir und war nicht nur ein ausgezeichnete? Koch, sondern auch ein ergebener Diener. Man findet selten beides in einer Person vereint, aber Nishi bildete eine rühmenswerthe Ausnähme. Eines Tages kam meine Frau bestürzt zu mir: .Nishi will fort.' In fast vorwurfsvollem Tone brachte sie diese drei Worte vor. .Ja ich hab' doch keine Schuld! Weshalb will er denn gehen?' .Wegen eines Reiskuchens!' Ich konnte ein lautes Auflachen nicht unterdrücken, und bat meine Frau, Nishi hereinzurufen. Er kam leise und behutsam herein. .Habe ich recht gehört, daß Du fort willst?' ,Tja. Herr. Neiskuchen backen.' Als ich ihn fragte, ob er verrückt geworden sei, sagte er in gebrochenem Teutsch: .Nishi allright. Nishi muß zehn Tage Hamburg fahren. Nishis Bruder Koch in Hamburg. In wenige Tage großes Fest für Herrschaft und Nishis Bruder nicht kann Reisluchen kochen.' Jetzt verstand ich. Der Kerl wollte Urlaub haben. Er fuhr fort: .Nisbi hat hier Freund Toki. . Toki hier will arbeiten bis Nishi zurück. Toki guter Koch. Sein Vater großer Mann in unser Stadt.' Ich wußte, daß der Toki bei der Gesandtschaft angestellt war und fragte Nishi deshalb, ob sein Freund Zeit hätte. .Toki' nicht mehr bei Akatsuka. Toki keine Arbeitsplatz.' Mir war's recht, daß der andere solange aushelfen sollte. Ich fragte Nishi. wann er gehen wollte. .Auf dem Platz'. Herr.' .Ja. wo ist denn Dein Freund?' .In Küche!' Nishi verbeugte sich und steckte sein freundlichstes Lächeln auf. Dann drückte er mir, meiner Frau und unserem Baby, dessen Freund und Beschützer er war. herzlich die Hand und ging wieder leise zur Thür. Hie? blieb er stehen, kreuzte unter einer nochmaligen Verbeugung die Arme auf der Brust und fort war er. Als Nishi draußen war, sagte meine Frau in weinerlichem Tone: .Der kommt nie wieder!' .Unsinn.' sagte ich. .der ist in zehn Tagen wieder hier.' .Abwarten.' sagte meine Frau, .ich hab mir den andern vorhin angesehen, der ist nicht so sauber wie Nishi.' Ich tröstete sie. .zehn Tage wären ja nur eine Kleinigkeit.' " Der Erzähler machte eine kleine Pause und fuhr dann fort: Wenn alles mit Kochen anfangen und aufhören würde, hätte es in unserem Hause nach Nishis Abreise gut ausgesehen. Nishi hatte recht: Toki war ein quter Koch. Aber er wusch weder Geschirr auf. noch rührte er sonst irgend etwas im Hause an: .Toki nur kocht.' Das war die einzige Antwort, di: wir bei irgend einem Auftrage bekamen. Meine Frau war Unglücklich und wartete ungeduldig auf den zehnten Tag. Endlich war die Zeit um. Ter Tag verging, aber kein Nishi kam oder ließ etwas von sich hören. Zehn weitere Tage vergingen. Als ich eines Morgens nach Toki schickte, um diesen über den Verbleib des Nishi auszufragen, war das Nest leer. Toki war ohne ein Wort davongelaufen. Meine Frau tröstete sich in ihrem Schmerz mit dem Triumph, daß sie ,mal wieder' recht behalten habe. Uns blieb nichts anderes übrig, als einen einheimischen Koch zu engagiren. Meine Frau versuchte niir zwar, eine Köchin aufzureden, ich wollte jedoch nicht von meiner- Gewohnheit abweichen. Wir bekamen nun einen Koch, der meinen Wein trank und mit, m:inen Cigarren ziemlich großmüthig umging. Sonst war er ein verträglicher, fleißiger Mensch, der seine Arbeit gut verstand. So verging die Zeit und allmälig war Nishi aus unserem Gedächtniß entschwunden. Nach etwa vier Monaten laz eines Morgens ein Packet bei der Post, das mit russischen Marken und Zeichen beklebt war. In dem Packet lag ein Brief und ein sauber geschnitztes. kleines japanisches Fischerkoot. Den Brief, den ich übrigens stets
bei mir trage, können Sie sich nachher
anzeyen, .meie Herrschasten. Er ist originell wegen der unbeholfenen Schriftzeichen er ist im wahren Sinne des Wortes aber auch schön, weil eine edle Seele diese deutschen Hieroafovfon aemalt bat." Der Erzähler hatte einen Brief aus seiner Brieftasche genommen. Er fa!t?te ihn sorgfältig auseinander und begann langsam.zu lesen: Liebe Herr, Mistreß und Baby! Ich schreibe Vergebunz. Nishi gelogen an Herr. Mistreß und Vaby. Nishi jetzt nicht mehr lügen kann, da morgen todt. Russen Soldaten haben Nishi und sein Bruder in Nußland gefangen, weil Neiskuchen gebacken, mit dem Eisenbahnörücke explodiren sollte. Nishi denkt oft an Herr, Mistreß und Baby und an schöne Tage. Nishi jetzt aber auch froh. . Russen Offizier gut mit Nishi, gibt mir Holz ich gemacht Joo: für Baby. Mit liebe Gruß Dein treue Nishi.' Als ich den Brief gelesen hatte, meine Herrschaften, stahlen sich zwei Thränen der Rührung in meine Augen. Ich sage das ohne Scham. Aber es geht noch weiter die Geschichte -ist noch nicht, aus. Zwei Wochen darauf reiste ich mit meiner Frau nach Nizza. Wir trafen dort mehrere russische verwundete Offiziere an. die zur Erholung und Kräftigung auf Staatskosten dort weilten. Ein junger Offizier wohnte in unserem Hotel. Er war ein gebildeter, anstelliger Mensch, der übrigens fertig Teutsch sprach. So wurden wir bald gute Freunde. Er war in der Schlacht am Jalu verwundet worden. Eines Abendsaßen wir auf der Terrasse und Dronsky.so hieß dieser Offizier, erzählte uns von seinen Erlebnissen: .Wie jeder von Ihnen wohl weiß.' so sagte er. .ist die sibirische Bahn unsere mächtigste Stärke und gleichzeitig unsere größte Schwäche, und keiner wußte das besser, als die Japaner. Daher war ihre größte Sorge, diese Bahn aufzureißen und die Brücken zu zerstören. Ungefähr fünfhundert Werst nach dieser Seite hin vom Baikalsee entfernt, fließt ein tiefer Fluß von Norden nach Süden. Er ist von einer hohen Steinbrücke überspannt, die ungefähr achtzig bis hundert Mete? lang ist. Ueber sie führt unsere endlose, eingeleisige Bahn, und an dem westsichen Ufer des Flusses liegt das Städtchen Rensk. Hier war ich stationirt. um mit fünfzig Mann die Brücke zu bewachen und den Bahnbetrieb zu beaufsichtigen. Ich stellte Wachen an beiden Ufern und unter den einzelnenVrückenbogen aus. Jede Nacht kontrollirte ich diese Wachen und schärfte ihnen die größte Wachsamkeit ein, unter Hinweis auf die unendlich große Bedeutung dieser Brücke. In der Nacht zum 14. April ging, ich wieder über die Brücke. Es war ein geradezu grauenhaftes Wetter. Schneesturm und tiefste Dunkelheit. Als ich ungefähr in der Mitte der Brücke angelangt war. hörte ich ein leise klingendes, rhythmisches Geräusch. Es klang, als ob Jemand mit Stahl an Stein schlägt. Ich stand still und horchte athemlos. Ungefähr fünfzehn Minuten lang. Aber nichts regte sich mehr, es herrschte Todtenstille. Ich fand aus. daß ich mich auf dem seitlichen Hauptpfeiler der Brücke befand, der bereits auf dem Ufer stand. . Ich ging weiter und fragte sofort den Posten an diesem Pfeiler, ob er dieses Ceräusch vernommen habe. Er hatte nichts gehört. Das war wahrscheinlich, denn der Pfeiler war haushoch. Ich ging wieder zurück und beugte mich über das Geländer. Es war nichts zu hören und zu sehen; nur der Sturm heulte und trieb mir eisigen Schnee in das Gesicht. Ich hatte mich nicht getäuscht; das wußte ich bestimmt. Ich wußte auch, daß mein Schicksal besiegelt sei. wenn die Renskbrücke in die Luft fliegen würde. Ich wartete voller Ungeduld auf den grauenden Morgen. Als die Dämmerung aufkam, ging ich von der Brüe und beobachtete den Pfeiler mit meinem Glas. Ich bemerkte, daß oben, in Thurmhöhe, wo sich das Eisenwerk mit den Steinen verbindet, ein Bündel lag. Und kurze Zeit darauf bewegte sich dieses Bündel langsam. Ich wußte genug. Ich ließ meine Leute mit Leitern und Stricken hinunterkleitern. Als sie zurückkamen, brachten sie zwei Japaner. zwanzig Pfund Dynamit, zwei Meißel und zwei Hämmer mit. Ich sah mir die beiden Kerle mit einem Gefühl an. das ein Gemisch von Acktung und Mitleid war. Wir hatten sie nach Recht und Gesetz selbstverständlich zu erschießen. Ich fragte sie aus und erfuhr, daß -der eine sehr gut Teutsch sprach. Dieser mußte mir erzählen, wie er nach Rensk gekommen war. Sie hatten sich beide an die Puffer des letzten Wagens eines Militärzuges geklammert kurz vor den Stationen abgesprungen, dann gewartet, weite? geschlichen und kurz darauf sich wieder unter den Wagen bis zur Abfahrt versteckt gehalten! Ich fragte ihn. wie er das Dynamit hätte transportiren können, ohne daß es ezplodirte. Er lachte, antwortete aber nicht darauf. Sie waren in Rensk des Nachts an' Seilen auf den Pfeiler geklettert, nachdem sie vorher alles ausgekundschaftet hatten. Als wir sie entdeckten, waren sie schon drei Tage an der Arbeit. Ich fragte ihn: .Wie gedachtet Ihr denn wegzukommen bei der Explosion?' Ich werde in meinem ganzen' Leben die Antwort nicht vergessen, die er mir mit ruhiger Miene gab:
,'ceme ruoer uno icy mcy: wegrom- : men, mit in Luft gehen!' 1 ,Kann man sich größeren Heldenmuth denken? Ich wartete mit de? Vollstreckung des Urlheils noch mehrere Tage. De? eine. Namens Nishi, bat mich darum. Er schrieb einen japanischen Abschiedsbrief an seine Geliebte in Tokio und einen Brief an einen deutschen Herrn. Tann schnitzte er noch ein kleines Schiff und übergab mir alles zur Besorgung. Er nannte mir eine Adresse in Berlin, die ich mir notirte, und an die ich später das Boot und den Brief sandte. Ter Tag. an dem diese beiden Burschen, die ich achten und ehren mußte, zur Richtstätte geführt wurden, war wohl der schwerste meines Lebens. Ter Krieg ist ja grausam aber dieser Tag war einfach schrecklich. Sie hatten irgendwo ein paar weiße Kleider aufgetrieben, in denen sie wie Kinder aussahen. Als der Sergeant sie vorführte, brachte er einen in Seide gestickten Plan der sibirischen Eisenbahn mit, den man bei einem der beiden gefunden hatte Rensk war daruf mit einem rothen Kreuz bezeichnet. Ich sah sie beide an, aber keiner zuckte mit einer Wimper. Ter eine von ihnen sagte: ,Viele genug solche Karten, um Rußland zu finden!' Sie starben beide ruhig. Ter eine sogar mit einem Lächeln.' Ter Offizier war zu Ende. Er stand auf und ging zum Rande der Terrasse. Sie können sich denken, meine Herrschaften, mit welchen Gefühlen ich dieser Erzählung gelauscht habe. Ich ging auch wortlos fort. Erst am andern Tage zeigte ich dem Offizier den Brief Nishis: Er war natürlich über das Spiel des Zufalls höchst erstaunt und in treuem Gedenken an einen braven Todten weihten wir dem gemeinfchaftlichen Freunde ein stilles Glas." Dir Cochlcr dcs Soldatkn. Der 1747 verstorbene Fürst Leopold von Anhalt-Dessau. im Volksmunde der alte Tessauer" genannt, wurde nicht blos durch seine kriegerischen Leistungen eine Berühmtheit, sondern auch durch das wunderliche Gemisch von Rauhheit und Gutmüthigkeit in seiner Natur. Als seine mit dem Fürsten Viktor Friedrich zu Anhalt-Bernburg . verheirathete Tochter schwer krank darniederlag, sah man den Kriegshelden stundenlang im Schloßgarten herumlaufen und weinen, und die daselbst beschäftigten Arbeiter hörten ihn immer wieder jammern: Herr Gott, ich habe lange nicht von Dir erbeten und ich will Dir auch so bald nicht wieder kommen, aber laß jetzt mein Kind gesund werden." Dieses Gebet nützte dem gequälten Vater nichts, und die Fürstin starb. Kurz vor ihrem Tode erwies sie sich noch als echtes Kind des Soldaten: Ihr letzter Wunsch war, den Vater noch einmal mit seinem berühmten Regiment manöoriren zu sehen. Ter alte Tessauer aber ließ sich nicht lange bitten. Tas preußische Regiment, dessen Oberst er war, lag in Halle. Sofort ging ein Eilbote ab. und das Regiment marschirte nach Bernburg. Mit. klingendem Spiele zog es nach dem Schlosse, und in dem weiten Schloßhof ließ es nun der Vater mit Thränen in den Augen einige Uebungen machen, während die to.dtkranke Tochter, die man an's Fenster ihres Sterbezimmers getragen hatte, von dort aus zusah. Das Regiment marschirte dann vor die Stadt, wo es sich lagerte und bewirthet wurde; die Offiziere speisten im Schlosse an der fürstlichen Tafel, der alte Dessauer aber lief wieder im Garten herum und weinte. Napoleons Furcht vor dcn Iraucn. Es ist wenig bekannt, daß der große Eroberer Napoleon der Erste vor nichts mehr Angst, hatte, als vor den Frauen, das heißt weniger vor den Frauen seiner Zeit, als vor denen, die er kommen sah, den Frauen, die sich ihrer geistigen Kraft bewußt geworden, nach Entwicklung derselden strebten und anderen Frauen weiter zu helfen suchten. Er war ein maßlos heftiger Gegner der Frauenemanzipation zu einer Zeit, da derartige Bestrebungen nur auf sehr enge Kreise beschränkt geblieben waren. Wenn man den Frauen gleiche Rechte wie den Männern einräumt," sagte er eines Tages zu Ceneral Gourgaud, so ist das der Anfang der Anarchie. Man muß die Frauen niederhalten, denn sie sind aufrührerisch, im Augenblick des Kampfes unerschrocken, todesmuthig und sogar grausamer und blutdürstiger als die Männer. Sollte einst der Kampf zwischen den beiden Geschlechtern wirklich entbrennen, dann wird er viel erbitte?terund sch?ecklicher sein, als der zwischen verschiedenen Ständen oder verschiedenen Rassen." Gkdankrnsnlittcr. Kommt Ti? einer immer in scndschuhen. sa mißtraue seinen Händen. Oft schleift Jugend die Pflugschar, die d?s Alters Furchen zieht. Großen Herren und Tummköpfen nuderspricht man nicht. Die unverdaulichsten Pilze find ClücksPilze. An dem. was er für unter seiner Würde hält, verräth sich der Emporkömmling. Muth liegt im Tlut, Gemüth im Geblüt. Eine Fata Morgana in der Jugend hat manchem sein ganzes Leben zur Wüfte ge, macht.
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