Indiana Tribüne, Volume 29, Number 27, Indianapolis, Marion County, 23 September 1905 — Page 7
Jnvlana Tribüne, 23. September KOOJ.
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tt n n ie erffe j 4 H 44 44 44 44 4 44 44 M 44 P (Fortsetzimg.) Da geht DeilefPälmer. geht schweiß gend, nur mit einem Kopfneigen durch die Seitenthür, die Frau Jutta ihm bezeichnet. Sie lauscht mit vorgebeugtem Kopf, bis sein Schritt auf der Veranda verklingt. Dann fällt sie wie vernichtet in einen Sessel nieder. Doch einen Augenblick später springt sie wieder empor, glättet den Papiersetzen, den sie zusammengeballt in der Faust hält, auseinander und starrt aus die Schriftzüge, als müsse aus ihnen der zu ihr reden, der sie schrieb. Harte, brutale Striche, alle von gleicher Stärke und Kraft, als gäbe es im Wesen dessen, der sie geschrieben, keinen schwingenden Wechsel, als sei alles nur auf ein einziges Empfinden gestimmt, ein einziges Wollen. Furcht kommt ihr vor dieser Schrift, bleiche Furcht. Was will er von ihr, warum kommt er wieder jetzt, nach vierzehn Iahren? Abrechnen die alte Schuld eintreiben? Die Meine bleibst Du im Leben und im Tode!" So hatte er damals gesprochen. Zum Spiegel stürzt sie und starrt hinein. Ihre Augen flammen. Ihre Hände bauschen loser das schwarze Haar um das bleiche Gesicht und im inneren Fieber glühen blutroth ihre Lippen. Nichts Weiches ist an ihr. nichts von lockendem Reiz, aber Jutta Gerland ist schöner in diesem Augenblick, als sie es je gewesen. So geht sie zu dem Salon hinüber, ino Horst Hardinger ihrer wartet. 23. Kapitel. rauJutta bleibt an der Schwelle des Salons stehen." Der blaue, goldgestickte Moscheevorhang, der die Thür umschließt, ist wie der Rahmen für ihre hohe, regungslose Gestalt, wie sie hinüberschaut zu dem, der in der Mitte des Zimmers in gleicher Regungslosigkeit steht und ihrer wartet. Blick trifft in Blick hinein, und Jutta weiß es:, ein Gläubiger steh! dort, ein unbarmherziger, unerbittlicher Gläubiger. Sie rührt sich nicht, hat keinen Gruß, keinen Laut, keinen Blick des Wiedererkennens. Blond ist Horst Hardinger gewesen, mit lichtem Gesicht und blauen Augen, reckenhaft und schön wie ein junger Gott der alten Nordlandssagen. Bai dur" hatte sie ihn bisweilen genannt, wenn er zu ihren Füßen liegend derklart selig zu ihr emporgeblickt. Und Siegfried!" hatte sie gelacht, wenn seine Arme sie über sich hinaufgeschwungen. Der aber dort von hohem Wüchse ist auch er, aber nichts Lichtes mehr an ihm. Wie verwitterte Bronze das scharfe Gesicht, und in demselben der starke Schnurrbart und über der dunklen Stirn das dicht emporstrebende Haar fahl wie Stroh, aus dem der Gluthenhauch der Tropensonne die Farbe ausgesogen, wie aus den Augen die tiefe Blaue. Horst Hardinger das das kann ja nicht sein!" ' Es ist!- tönt's zurück wie Hammerschlag. Und noch immer sieht er sie an, mißt Zoll um Zoll ihre Gestalt, jede Linie ihres Gesichtes, seine Augen flimmern, in seine Starrheit kommt unmerllich eine Bewegung. Ihr Blick erstarrt in Furcht. Einen Herzschlag lang steht sie gelähmt. Dann flammen ihre Augen auf wie Sonnen. Ein Mann, solch ein Mann, selbst wenn er von den Todten auferstanden, was hätte sie von ihm zu fürchten! Und ihre beiden Hände sireckt sie Horst Hardinger entgegen, daß er dieselben fasse, halte, wie er es tausendmal gethan, daß er geblendet von ihrer Gnade niederstürze und morgen morgen wieder m die Welt hinausginge, ihr vom Wege, darauf ein anderer ihrer harrte wie damals vor vierzehn Jahren. Aber er rührt sich nicht, ihre Sonnen blenden ihn nicht, ihre ausgestreckten Hände sieht er nicht, nur ein mühsames, todtes Lächeln zerrt sich um seinen Mund. utta Gerland nicht wayr'5 Osttn 5utta Gerland, was glaubst Du wohl, warum ich mich nach vierzehn tahrtn aus einer Hölle ' von Noth. Elend und Scbande bierber au Dir aeri nn nn -ttsllt lJ1U ZUWttleN j4tw jy-r-w " " ' U " meiner gedacht in Deinem warmen Neste hier. Du, Jutta Gerland von beute und Jutta Palmer von morgen! Mit dem Muthe jäher Todesangst wagt sie es. ihm die Stirn zu bieten, als wäre sie die Gläubigerin. er der Schuldner. Ich sehe, Du hast Dich gut orientirt, ehe Du zu mir kamst. Und wenn Du's thatest, und wenn Du alles weint, was gibt Dir ein Recht, nach vierzehn Jahren wie dem Erdboden entstiegen vor mich hinzutreten und diese Svracbe zu führen? Ich habe Dich zu den Todten gezählt und habe es thun, müssen. Außer dem einen Briefe, der mir Deine Ankunft in San Francisco meldete, habe ich nichts von
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Bf 3 tl V T JLJ, U Roman von Öcbiuifi Erlindmcthcbicr Ä 4m$ it YT 4 n 4-4 tt 4.4 4 Dir geHort, vierzehn Jahrelang nicht." Und wenn Du von mir gehört hattest? Wärst Du, vielleicht davongelaufeir, um mir über's Wasser zu folgen, wie Du mir's geschworen hattest, während schon das Hochzeitstleid auf Dich wartete?" Vor ihren Augen beginnt es zu schwimmen, wogende Fluthen. darauf sie hilflos treibt. - Dennoch rafft sie sich zusammen, die furchtbare Stunde zu bemeistern. Und wenn ich Unrecht an Dir gethan hätte, Horst Hardinger, so büßte ich es in den langen Jahren, da ich mich mitschuldig an Deinem vcrmeintlichen Tode glaubte. Ja, ich habe es .gewollt, damals, daß Du gingst, und ich habe auch gewußt, daß ich Dir richt folgen würde, auch dann nicht, 'wenn Du Dir drüben eine Existenz errungen. Aber ich war irre an mir und aller Welt geworden, ich fand mich nicht mehr in mir zurecht Du weißt es. Und ich hatte Furcht vor Dir und Deiner Liebe." Ein klangloses Lachen bewegt seine Lippen. Wie gut Du Dich gehalten fast, schön und verführerisch wie die leibhaftige Sünde damals wie heute! Und noch so ganz, dieselbe bist Du geblieben, genau wie damals, ganz dieselbe! Und was Du mir da soeben für hübsche, zärtliche Dinge gesagt hast! Der grüne verliebte Leutnant von vor vierzehn Jahren hätte sie Dir auch alle bedingungslos geglaubt. Der aber von heute lacht Dich aus, schöne Heuchlenn, und dreht der Luge das Genick um. wammn uno aew: enios fortgeschafft hast Du mich, nicht weil ich Dir innere Konflikte brachte, sondern weil einer kam, der Dir das Leben auszutapeziren vermochte, wie Du Dir's wünschtest." Tu weißt es w:r waren arm alle beide. Ich eine Waise, die in allen Künsten sich versucht und dabei ihr germges Erbe verbraucht hatte, Du em mittelloser Leutnant. Was sollte denn aus uns werden? Narrheü war s, was wir planten!" Und als sie die eisige Verachtung in seinen Zügen sich nicht wandln sieht, wiederholt sie s: Ja, Narrhnt Wahnsinn! Ich hatte den Muth nicht, ehrlich zu Dir zu sprechen. Du hattest Mich qetodtet ich fühlte es. Und ich dachte auch, drüben im neuen Leben wird er Dich vergeh sen. Du thatest es auch! Vierzehn Jahre lang schweigt nur, wer vergaß. Unser Einst, ob Schuld, ob Nichtschuld, liegt im Grabe." Aber ich lebe noch. Du hast kein Recht, kein Mann hat das Recht, für die eigene Schwäche die der Frau verantwortlich zu machen. Ich habe das Recht!" Mit wuchtigem Schritte ist seine Riesengestalt dicht vor die ihre getreten. Und wer es mir gibt? Die Vergangenheit! Die Stunden, in denen Du mir Liebe ge schworen. Jutta Gerland! Und die Tage, die Nächte, in denen ich drüben für Dich geschafft, gearbeitet, gehun gert, gebettelt habe. Und jene Stunde, die mein Götzenbild, um das ich Vater und Mutter. Heimath und Ehre fortgeworfen, zertrümmerte, die mir die Nachricht brachte, wie Du mich betrogen hattest. Und weiter die Stunden des Wahnsinns. d:e meine Hände tn Blut tauchten, daß ich ein Weib mordete. nur weil es Dir ahnlich sah, Jutta!. Und dann. Jutta, die Jahre, in denen ich hinter Gesangrnßmauern Deiner gedachte. Und dann die Stunde, wo ich mir den Schwur that: sie soll Dir's zahlen Dein durch sie zerfetztes Leben! Du holst sie Dir und solltest Du Dir den Weg zu ihr Mit Dolch und Fäusten bahn:n. Und reich nur kommst Du zu ihr, ob Du auch schaffen müßtest bis dahin, daß Dir das Blut unter den Nageln vervor bräche. Und aus dem Hause des anderen, aus seinen Armen reißest Du sie Dir mit der Gewalt des Hasses! Und nun, Juna, nun ist er heimge kehrt, der Todte, der Verlorene, mit goldgefüllten Taschen, vom vergossenem Blute gereinigt, vom Wahnsinn geheilt helmgekeyrt zu Dir, Jutta!" Schaudernd ist sie von ihm zurück gewichen. Was was willst Du von mir?" Sein Blick folgt ihr nach, aber seine Gestalt verharrt in steinerner Ruhe. Was ich von Dir will? Dich will ich!" Fest lehnt sie sich gegen die Wand hmter sich und ihre Kniee wanken doch. Dich will ich. Jutta! Hast Du mir darauf nickts zu saaen?" Ja! Daß Du von Sinnen bist, daß Du mich auf der Stelle verlassen sollst. oder " Oder. Jutta ?" Wieder steht er vor ihr. legt ihr die schwere, kalte Hand auf die Schulter und sieht sie Mi durchdringenden, stechenden Blicken an Willst Du vielleicht den Bräutigam rufen, der Mir's noch eines Tages oan ken wird, wenn ich ihn von Dir befreie? Es wäre schade um den armen Kerl Meine Kilgtl trifft sicher und gerade ihn ließ ich gern am Leben. Du siehst ich bin auf dem Laufenden. Ich hatte Zeit, Dein Thun und Lassen auszu kundschaften." Jutta hat nur Laute gehört, der Worte Sin:: ist nicht zuihr gedrungen
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Hirn, tolle Plane kommen und gehen. Sie weiß, ne fühlt: über ihr schwingt ich die Faust vergangener Schuld, und hre Macht zerbricht daran. Soll sie's n die Welt hinausschreien: Der hier ist ein Wahnsinniger, der mich verolgt? .Nicht lange wurde man ihr glauben. War er auch einstmals verschwiegen wie das Grab gewesen, hatt? es Niemand geahnt, gewußt, wer sie war, um derenwillen er bei Nacht und Nebel mit dem Ersparten seines Vaers über's Wasser gmg, weil sie ihm gelobt: ich folge Dir. sobald Du Brot hast für uns beide! Heute würde er nicht schweigen, sondern reden, reden! Und wie sie noch ringt und kämpft, schlägt abermals die harte Stimme an hr Ohr: Mir scheint, ich habe Dich überzeugt, daß Tu mir nicht entcminst. Und was ich Dir biete, ist ja am Ende noch immer unterhaltender, als sich auf Moorheide den fleckig gewordenen Leumund wieder auffrischen zu lassen. , Wenn Du Dich eilst, kannst Du in zwei Stunden reisefertig sein. Den Plunder hier magst Du verkaufen assen. Uebermorgen schon können wir zu Schiffe sein!" Mit iahcr Krast stoßt sie ihn zurück. stürzt zur Thür, legt die Hand auf die Klinke und öffnet doch nicht. Unter autlosem Aufschluchzen erbebt plötzlich ihre Gestalt, und die Stirn auf den metallenen Thürgriff herniederbeugend, stöhnen die schneeweißen Lippen: Zu Ende... zu Ende!" ..Ja. Jutta. Dein Spiel, Dein kluges Spiel ist aus. Fortschicken läßt er sich nicht wieder, der hier steht. Abrechnung mit Dir zu halten. Und der hat auch kein allzu heißes Blut mehr. Jutta, der hat Zeit und kann warten. Hat ia vierzehn Jahre lang gewartet und hatte Zeit, das Gold zu schaffen. das er vrauchtc, um Dn das Nest zu bauen." Sie muß fliehen, noch diese Nacht, em neues eoen beginnen, irgendwo. Sie richtet sich auf, und er sieht den Hoffnungsschimmer in ihren Augen. Mir zu entfliehen denkst Du, Jutta? Du Herrscherin über Menschenherzen, bist Du so blind? Fällt Dir nicht ein, daß ich damit gerechnet hätte? Daß ich Tag und Nacht Dem Haus und ieden Bahnhof belauern lassen könnte? Ich, der ich Dich aus Himmel und Hölle heraus zu mir gezerrt hatte. ich trete Dich dem Leben mcht wieder ab nur dem Tode! Wenn Du den lieber wählst als mich den, diesen einzigen Wcg, gebe ich Dir frei!" Ist das noch Liebestollheit, die so droht und wüthet? Und das Weib tastet nach des Mannes Seele, wo sie am verwundbarsten ist. Horst, um das, was Dir durch mich gekommen ist, will ia) vergessen, wie Du zu mir ge sprochen, wenn Du mir frank und ehrlich antwortest: warum willst Du wie ein Dieb und Räuber in mein Dasein fallen, warnm willst Du Mich demuthigen, daß ich Dich bitte: geh von meinem Wege! Tu liebst mich doch nicht mehr! Was kann ich Dir also sein, was willst Tu von mir?" Dich will ich halten will ich Dich. sonst nichts! Die Liebe, die ist mir vergangen, als mir der Hunger in den Eingeweiden wühlte und Mir me Sonne den Schädel aushöhlte. Aber ein Ziel hab' ich noch und das Ziel bist Du. JuttalSie fragt nicht mehr, was er von ihr will. Zu Boden blickt sie. als lägen dort ihre Schicksalskarten ausgebreitet, die doch noch einen letzten Trumpf enthalten mußten. Hat sie ihn gefunden? Die verkrampften Züge lösen sich, werden weich in hingebender Schwache. Horst!" Heimlich, süß. verheißend ülngcn die stockenden Laute. Horst. ich bitte Dich. Du siehst, ich halte mich kaum noch ausrecht, gib Mir Keit ' Und Deine Hochzeit. Jutta?" Ich werde Sie aufschieben!" Sie haucht es nur noch mühsam und ist jetzt wirklich am Ende ihrer Kraft. Also Du wirst Deine Hochzeit auf schieben! Schön, Jutta! Und Du sollst auch Zeit haben. Dich zu Mir zurückzufinden. Einen ganzen Tag, bis morgen Abend. Dann erwarte ich Dich reisefertig! Er nennt ihr das Hotel in der Stadt, wo er abgestiegen, und gebietensches Befehlen unterstreicht jedes Wort. Sie nickt zu allem, ihrer Sinne fast nicht mehr mächtig. Ja doch, ja alles versprechen, alles hoffen lassen, nur gehen soll er, gehen! 'Aber noch einmal erklingt die einförmige, grausame Stimme: Du oenr : an Flucht, utta! Es Ware fchade um die überstürzte Reise. 5kch finde Dich, wohin Du auch läufst. Und Wu wir n xtmt falschen Küsse. Deine falschen Schwüre einlösen und sollte ich noch einmal vierzehn Jahre lana jeden Winkel der Erde nach Dir durchforschen! Bis dahin aber lebe wohl, Jutta (Lerlano. Er ist gegangen. Mit ausdrucks losen, starren Augen sieht sich Jutta ringsum. Was denn nun thun mein Gott, was denn nun thun? Vergangenheit, Gespenst mit Riesenfäusten, junge heiße, schuldige Vergangenheit, die sich aufreckt vor ihr, um bobnlachend ibr mit so viel Künsten, fn riel Listen ausgebautes Leven zu zer kümmern gibt es keine Rettung vor ihr, kein Entweichen? Kein Erinnern, keine Klarheit lebt in ihr. als sie auftaumelnd die Glocke durch das Haus schrillen laßt, bis das Dienstmädchen herbeieilt. Gnädige Frau um Gott, soll ich zum Arzt?"
Nein, nein!" Eine packende Leiucgung Juttas hält die Dienerin am Arm zurück. Nein, doch hören Sie, Sie waren mir treu! Helfen Sie m.; auch jetzt! Packen Sie mir vor allem meine Koffer! Ich muß fort auf der Stelle!" Gnädige Frau und ich soll nicht " Nein, nichts sollen Sie! Nur schweigen schweigen. . Und morgen fortgehen aus diesem Haus! Ich gebe Ihnen Geld! Und alles ordnen sollen Sie. was ich zurücklasse. Und dsc Schlüssel meinem Anwalt in der Stadt übergeben und die Briefe, die ich noch schreibe, besorgen . . . und " Gnädige Frau o Gott!" Und weinend hält das Mädchen ihre Herrin umfangen, die ihr in halber Ohnmacht in die Arme gesunken ist. 24. Kapitel.
iesmal ist's Ernst mit meinem Abschiedsgruß. Empfängst Tu ihn, bin ich Dir fern für's Leben. Hast Du mich wirklich geliebt, dann forsche nicht nach mir. Ein Stärkerer als Du und ick ist gekommen und hat sich mit dem Rechte eines Gläubigers eine Schuld eingetrieben, die er mir vierzehn Jahre lang gestundet hatte. Der Racher die Schuld ist's, die sich rächt! Lebe wohl, Detlef Palmer, frage nicht, forsche nicht. Du siehst mich niemals nieder. Jutta." Nur mühsam raffte Palmer sich zusammen. nachdem er diesen Brief gelesen, den ihm sveven ein Bote überbracht hatte. Trotz der Kälte ritt er sofort hinüber, stieg vor. ihrem Hause ab und riß an der Glocke, am verschlossenen Gartengltter. Gott sei Dank, der Hausmeister kam, mit dem er reden konnte! Wo Frau Gerland sei. herrschte er den Mann an. Dem mußte der Mund geschlossen sein. Er antwortete äußerst wortkarg, das wisse er nicht. Die gnädige Frau sei in der Nacht mit der Zofe verreist. Er selber müsse bis zum Abend das Haus geräumt und die Schlüssel einem ihm namhaft gemachten Sachwalter in der Stadt übergeben haben. So sei es von Frau Gerland bestimmt worden, andere Befugnisse habe er nicht. Palmer fragte auch nichts mehr, er wußte, es wäre umsonst. Irgend eine dunkle Aynung beherrschte sein ioan--deln, trieb ihn. daß er nach dem BahnHof jagte, sein Pferd einstellte und nach der Stadt fuhr. Was er dort wollte, hätte er sich selbst nicht zu sagen gewußt. Während der Fahrt saß er mit starren Augen und rn trüben Gedan ken da. Wer war Jutta Gerland in Wahrheit? Eine große Komödiantin, eine Unwürdige? Seine ganze Seele schrie dagegen. Eine Schuldige vielleicht, eine kaltherzige Spielerin an der Roulette des Lebens eine Glucklose auf alle Fälle! Ob er sie liebte m den Augenblicken. da er über sie nachsann wie über ein Wesen aus ferner Vergangenheit? Ob das Heute sie Mit raschem, grausamem Schnitte von ihm celost? Er hatte keine Antwort darauf. Als der Zug hielt, er ausstieg, das Getöse der Großstadt ihn umfing, stand er zunächst wie einer, der absolut nicht weiß, was oegmnen. Hast Du mich wirklich geliebt, dann forsche nicht nach mir! Das waren ihre Worte, die ihm flehend die Hand auf den Mund legten. Da löste sich die steinerne Schwere in ihm. und es war ihm, als habe das Schicksal selbst gesprochen: Denn alle Schuld rächt sich auf Erden!" Und er wußte nun plötzlich, daß er mit der Qual dieser Stunde den einer anderen zugefügten Schmerz bezahlte, wie Juttas Lebensexempel aufging nach, der alten Rechnung: Denn alle Schuld rächt sich auf Erden! Aber die Stimmung verging, und m o:e stil.e, tiefe Erschütterung des Augenblicks hinein schlug die alte Leidenschaftlichkeit semes Wesens. ix mufcie oocy irgend etwas zu thun, zu hören versuchen! Aber wie das anfangen? Eine Weile lief er ziellos in den verschneiten Siraßen hin und her. Dann kam es ihm in den Sinn, zunächst einmal sämmtliche Fremdenllsten durchzusehen. Vielleicht, daß hellseherisches Ahnen ihm seinen Weg weise. Drüben in der Weinstube eines der ersten Hotels der Stadt ließ er sich die m Frage lammenden Zeitungen brmgen, und hatte kaum emen Blick hmeingeihan, als er sich jäh verfärbte. Mister Hardinger aus Veracruz. Hotel Central," las. er da. (Fortsetzung folgt.) & x a a x i o i i cn t z a n d e l. Ein Weinbauer im Markgräflerlande, Baden, dessen Berge durch einen großen Hagelschlag für den heurigen Herbst vernichtet worden sind, verkaufte jüngst den Ertrag von 1674 . I . l n , . r?? - - .- suaoralyaros emgeianoe sur zwei Flaschen Bier! ltttevvrsrixene Rede. V o l k s r e d n e r (in der Vecsammlung): Hier stehe ich, eine deutsche Eiche und rufe in die Welt (zum vorübergehenden Kellner) emen Seidel!" Zankaft. Barbierlehrling (nachdem er den Fremden auf der rechten Wange viermal geschnitten hat): 'Wollen Sie die andere Halft' auch noch rastr: ra ben?"
Auf dem
Braut (leise, unwillig): Um so ein dummglücklichcs Gesicht!" Im Zweifel. Diener (der erst seit Kurzem bei einer neuen Herrschaft eingetreten): Ich weiß mcht, meine jetzige Herr schaft die zahlt alles gleich . . . sind sie so nobel oder kriegen sie nichts mehr gepumpt?!" Höflichkeit. Hausirer Jun ger Herr, Sie sollten etwas höflicher gegen Ihren Schnurrbart sein. Ich hab' a keinen!" Eben, Sie sollten ihn 'mal mittels meiner Pomade einladen, zu kommen!" Ein Gemüthsmensch. Daß der biedere Provinzonkel alle meine Schulden bezahlt hat, ist ja rie!ig stilvoll, aber daß das kleine Scheual absolut unseren offiziellen. Frühschoppen Mitmachen will, find' ich einfach unanständig!" AngewandteKunst. Lie be Ella! Ich danke Dir herzlich sür das reizende Hochzettsgeschenk. Wenn DU mir wieder schreibst, vergiß, bitte, doch nicht mir mitzutheilen, wozu man es m besten verwenden könnte!" Praktisch. Afrikareifender (erzählend): ...Einmal hatt' ich PaPier und Bleistift vergessen; ich hatte aber 'n Stuck- weiße Kreide, und da hab' ich einfach die Rücken meiner schwarzen Begleiter voll gedichtet." Anknüpfung. Herr (sich neben eine Dame setzend):Jchbinsofrei!" Dame (verschämt): Ich auch noch!" . DerVerliebte. Verehrer: Seit drei Jahren, will ich schon um die Dame anhalten, und jedesmal. wenn ich vor dem Hause bin, entfällt mir der Muth (stöhnend) o Gott, der Zinsvcrlust!" FeineFamilie. Hänschen (wm Vater, der auf dem Sopha liegt): Vater, die Mutter laßt Dir sagen. Du sollst vato ausstey'n... der Gericktsvollueber wartet schon auf'Z Sop.hal" '
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Standesamt.
Gotteswillen, Oskar, mach' doch nicht , Ueberhaupt. Lina, kennst Du den reichen Baron, welcher gestern hier im Bade angekommen ist?" Nein er soll aber unverheirathet sein!... Ueberhaupt hab ich nur Gutes von ihm gehört!" Vom Stammtisch. Einge, führter Gast (zu einem Bürger, während der Förster hinausgegangen): Aber der Herr Förster ist ein gebll deter Mann!" Bürger: Kein Wunder. der lauft ja den ganzen Tag m der Kultur herum!" Macht der Gewohnheit. Mädchen (zum Sanitätsrath, der zu seinen Patienten die immer mit eingebildeten Leiden kämpfende Räthin zählt): Ach. Herr Sanitätsrath, kommen Sie rasch ... die Gnädige ist vom Balkon gefallen!" ' Sanitätsrath: Na, das bildet sie sich gewiß wieder bloß ein!" . Durchschaut. Man sieht dich gar nicht mehr auf der Kneipe, Kurt!" Ich mache jetzt 'ne Kur .. Wem denn?!" Untrüglicher Beweis. ...Jst es Ihnen mit Ihrer Neigung zu mir auch wirklich ernst?" -Aber ich bitte Sie, Fräulein, wie würde ich sonst auf meine neuen Hosen knieen?!" Ein schlechter Nachbar. Kommst Du mit Deinem neuen Nachbarn gut aus, Schucksenbauer?!" Na, gar net! . . . Mit dem ifc nij anz'fangen der laßt si' in kein' Pro zeßein!" Na ja! Ist es wahr, daß Herr Leutnant so viele Gedichte schreiben?" Muß ja, da Muse natürlich 'n Mann wie mich fortwahrend abküßt. Reklamcschikd im Zeitalter der Luftschiff. fahrt. ZZllerthal. Bankier: Sa rahleben. . sing' 'mal daZ schöne Lied: .Löwenthal, du bist mei' Fraid"!"
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