Indiana Tribüne, Volume 29, Number 27, Indianapolis, Marion County, 23 September 1905 — Page 6

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Europuische Nachrichten.

Waden. Karlsruhe. Commerzienrath August Dürr, der Senior des Stadtraths, dem er seit 32 Jahren als ein äußerst tüchtiges und verdienstvolles Mitglied angehört, hat sein 70.Lebensjähr vollendet. A tz e n b a ch. Hier erhängte sich deo 66jährige Wittwer und Fabrikarbeiter A. Schlachter. ' Grund wahrscheinlich lediglich Lebensüberdruß. Schlachter hat die Feldzüge von 1866 und 1870 mitgemacht; er war auch längere Zeit in Amerika. B r u ch s a l. Beim Felsensprengen in einem nahe gelegenen Steinbruch suchten Arbeiter in einer Bretterhütte Schutz vor den umherfliegenden Steinen. Ein schwerer Stein traf die, hüte, die einstürzte. Der 49jährige derheirathete B. Müller von Oberhausen erhielt einen derartigen Stoß auf die Brust, daß er bald starb. Emmendingen. Der Bierbraver Volk von Oberwinden zog sich durch einen Sturz aus der Höhe von sechs Meter so schwere Verletzungen zu, daß er starb. G e i s e n b a ch. Hier erhängte sich wahrscheinlich infolge Schwermuty der anfangs der 30er Jahre stehende perheirathete Landwirth Seb. Schütz. Jmmendingen. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich hier. Die beiden einzigen Kinder des früheren Landtags - Abgeordneten und Falkenwirths Goldschmid, ein Mädchen von 11 und ein Knabe von 7 Jahren, wurden todt aus der Donau gezogen; sie waren beim Baden ertrunken. L a u d a. Das 10jährige Töchterchen des Lanvwirths Wörlein kam dem Herdfeuer zu nahe und stand sofort in hellen Flammen. Das Kind erlitt lebensgefährliche Brandwunden. , Mannheim. Der Wirth zur Stadt Eberbach", Karl Ries, erhielt vor längerer Zeit von einem streitsllchtigen Gaste einen Schlag mit einem Stuhl über den Kopf. Es scheint dadurch Blut ins Gehirn gedrungen zu fein. Letztens verfiel der Unglückliche in Tobsucht und rannte schließlich an den Neckar, um sich hineinzustürzen. Der Urheber dieser schweren Folgen ist verhaftet. Ochsenberg. Durch Feuer. zerstört wurde das Anwesen des Landwirths Hettich. Der Schaden beträgt etwa 8700 Mark, welcher nur theilweise versichert ist. .Der 10jährige Hirtenknabe des Pächters LeS abgebrannten Gebäudes hatte seine Schlafstelle auf der Scheuertenne und warf aus Unvorsichtigkeit ein brennendes Streichholz in das zerstreut herumlieaende Stroh, wodurch dieses Feuer sing. SanktGeorgen. Der hiesige Blechnermeister Willi Frei, der infolge erheblicher Verluste durch Bürgschaften schwermüthig geworden war, nahm Salzsäure, um seinem Leben ein Ende zu machen. Frei wurde in schwer verletztem Zustande in das Spital nach Freiburg verbracht, wo er alsbald starb. Wollmatingen. Hier wurde Schmiedemeister Motz vom Hitzschlage ereilt, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. 'ZVYeinpfarz. S p y e r. Hier hat sich am bekannten Tafelsbrunnen der 18 Jahre alte Metzgerbursche Jakob Ullrich erschössen. Der Grund des Selbstmordes ist nicht bekannt. A l s e n z. Einen bedauerlichen Unglücksfall erlitt die Dienstmagd Johanna Friedrich bei dem Ackerer Dietz. Das Mädchen saß auf einem hochgela-! fe A C. m. m. Vn 0s) Ca Vv a U vciicii jjzuiuuukii, uic -piiuk avycw plötzlich an, wobei die Magd so UNglücklich herabstürzte, daß sie beide Arme und ein Bein brach. Berghaufen. Beim Baden ertrank der im zweiten Jahr dienende Soldat Georg Haaf von der 8. Eompagnie des 17. Infanterie - Regiments von hier. . G ö l l h e i m. Schwer verletzt wurde der Landwirth Wendel von hier. Er war mit seinem Pferde auf dem Felde, als dieses infolge AusHängens des Stranges scheute, ausschlug und Wendel die Kinnlade zerschmetterte. . Kusel. Vor einiger Zeit wurde der etwa 50jährige Handelsmann Leopold Mayer aus dem nahen Ulmet wegen einer Meineidsgeschichte in Untersuchungshaft genommen. Als der Gefängnißwärter in die Zelle des Mayer trat, hatte sich dieser mit seinen Hosenträgern erhängt. Mölschbach. In einem Anfall geistiger Umnachtung hat sich die Frau des Landkrämers Jakob Adam von hier mit ihrem erst kürzlich geborenen Kinde, im Eulenmühlweiher ertränkt. Rheinz abern. Kürzlich gössen die sieben- und die elfjährige Tochter des Maurers Kauffmann in Abwesenheit der Eltern Petroleum in's Herdfeuer. Die Kanne ervlodirte. Beide Kinder starben infolge der schrecklichen Brandwunden. Studernheim. Dem LandWirth Wilhelm Kreichgauer passirte das Unglück, daß er seinem 13jährigen Töchterche.i den rechten Fuß abmähte. Skiaß'Lottzringen. S t r a ß b u r g. Vor der Strafkammer hatte sich der Student der Na turwissenschaften an der. Universität Straßburg, Eustav Dreyer, wegen

Zweikämpfes zu verantworten. Das Urtheil lautete wegen Zweikampfes mit tödtlichen Waff:n auf drei Monate Festungshaft. M a i z i e r e s. Es brach hier ein Brand aus. welcher die Scheune sammt Erntevorräthen des Hofbesitzers-Jules Eharff zerstörte. Mörchingen. Eine sehr gelungene Abschiedsfeier veranstalteten im Saale des Luxhof" die Mitglieder des hiesigen .Kriegervereins zu Ehren ihres scheidenden Präsidenten des Bahnarztes Herrn Dr. Krönig.welcher am 16. August sich nach Münster auf den dortigen Exerzierplatz und von da nach Deutsch-Süd-Ostafrika begeben wird, um als Stabsarzt in die Deutsehe Schutztruppe einzutreten. Herr Dr. König war früher längere Zeit aktiver Arzt in der königlich sächsischen Armee. W i e b o l ö h e i m. Ein an der hiesigen elektrischen Centrale arbeitender Monteur aus Gotha, Namens Hellmuth Jütte, svrana gleich hinter der

Anlage, wo das Wasser mehrere Meter tief ist, in die Jll und ertrank. Mecklenburg. Schwerin. Dieser Tage feierte die hiesige Getreidefirma Joseph Lö- . 1. O rr vr" . . -ri Iveniylll X3 uu. lyr Oiayrlges )kschäftsjubiläum. Das Geschäft wurde im Juli 1855 von dem iekiaen Seniorchef Kommerzienrath S. Nord in Gemeinschast mt dem im Jahre 1882 verstorbenen Joseph Löwentbal in Blltzow gegründet. B e l o w. Kürzlich entstand in der Jakob'schen alten Büdnerei Feuer, wodurch diese mit den eingebauten Stallungen in kurzer Zeit in Asche gelegt wurden Ferner brannte dort außerdem noch ein kleiner Stall ab. Dann theilte sich das Feuer der Scheune des Krugwirthes Köster mit, die auch total abbrannte. Dabel. .Seine Diamant - Hochzeit konnte das Einnehmer Wunrow'sehe Ehepaar feiern. Der Großherzog ließ dem hochbetagten Jubelpaare ein Glückwunschschreiben und ein Geldgeschenk zugehen. Grevesmühlen. Das Arbeiter Baumann'sche Ehepaar konnte das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Der Großherzog erfreute das Jubelpaar durch ein huldvolles Glückwunschschreiben und Zusendung. eines Geldgeschenkes. M a s ch i n. Das vierjährige Söhnchen des Werkstattschmiedes Horn fiel in den Kanal und ertrank. Die Leiche wurde bald geborgen. R ö b e l. Der Lokomotivführer B. hier beging sein 25jähriges Dienstjubiläum. Anläßlich dieser Feier ehrte die Eisenbahn - Direktion den Jubilar durch Uebersendung eines Diploms. Seine Mitbeamten ehrten ihn durch Überreichung namhafter Geschenke. Humoristisches. Boshaft. Fräulein: Denken Sie, ich habe erst mit vier Jahren sprechen gelernt!" Herr: Na, das holen Sie aber jetzt gründlich nach, Fräulein!" Reizlos. Freundin: Wie, schon wieder gesund? Hat dein Mann die Badereise bewilligt?" Hausfrau: Ich habe freiwillig verzichtet ... er wollte mit!" Verdächtig. A.: Wie geh! es, alter Freund?" B.: Danke, mir geht's gegenwärtig ganz ausgezeichnet." A.: Soo, ist vielleicht Ihre Frau verreist?" Darum. Was, Du Knirps, willst keine Wurst essen?" Nein, der Vater, hat mir's verboten." Der ist wohl Vegetarianer?" Nein, Metzger." N u r d a n n. Patientin: Halten Sie auch die Wirkung des Kaffees für schädlich. Her? Dök!?r?" Doktor: Nur dann, wenn er in Kränzchen" getrunken wird!" Naiv. Junges Mädchen: Ich möchte mich verheirathen." Standesbeamter: Wo haben S' denn den Bräutigam?" Mädchen: Ja bekomme ich den denn nicht hier?" Falschgehört. Souffleur: Herr Ritter, ein Pilger, .der fürbaß zieht, läßt Euch grüßen!" Schauspieler: Herr Ritter, ein Pilger, der ein Bierfaß ziebt. läßt Euch grüßen!" Küh Erwartung. Backfisch: Sie waren in Amerika, Herr Doktor?" Doktor: Jawohl, mein Fkäulein!" Backfisch: - Kennen Sie da vielleicht einen gewissen Gustav Müller?" Kü h n e B e h a u p t u n g. Besuche? deö ZoologischenGartens: Dieses Rhinoceros ist wohl ein Männchen?" Wärter: Nein, das gehört zum schönen Geschlecht, das ist ein Weibchen." Ein liebenswürdiger Gatte. Beamter (auf dem Reisebureau): Sollen die Plätze nebeneinander gelegen sein?" Herr: Das ist nicht nöthig; ich fahre mit meinerFrau zusammen. Stolz. Angeklagter (der wegen seines hartnäckigen Leugnens freigesprochen werden mußte, zum Vertheidiger): Na, was sagen Sie, Herr Doktor; heute habe ich Ihnen ber doch Ehre gemacht!" Vergriffen. Weshalb bist Du uf den Kapellmeister so wüthend? Nur weil er Dich auf .der Straße geküßt hat?" Natürlich! Als Kapellmeister darf er doch nicht fo Wa frinl"

Me GeisterZZriilke. Skizze von M. W. Im sagenumwobenen Riesengebirge, da. wo nach Nordosten der Koppenplan fast senkrecht abfällt, liegen in unHeimlicher Tiefe der kleine" und der große Teich." Hier ist der Ursprung eines wilden Gebirgsbaches, der sich raufchend in die Tiefe hinabstürzt, vieles Gestein mit lautem Getöse und Gepolter mit stch reißend, um sich schließlich in den Bober zu ergießen. Auf seinem Anfangs steilabfalfallenden nd holprigen, dann aber allmählich hinabgleitenden Wege berührt er eines der schmuckesten Dörfer des schönen Schlesierlandes. Unweit dieses Dorfes führt über ihn hinweg eine steinerne Brücke nach dem Nachbarorte, in dessen nächster Nähe' ein Vorwerk dicht am waldigen Abhänge des Schmiedeberger Kammes gelegen ist. Hier wirkte vor vielen, vielen Iahren als biederer Kantor der Held unserer Erzählung. Die freien Abendstunden verbrachte Kantor Klexl gewöhnlich in dem Dörfchen, wo im Gasthof zum Rübezahl" die Honoratioren aus der Umgegend ihre Tafelrunde hatten. Gerade nicht mit hohen Geistesgaben, aber desto größerem Mundwerk ausgestattet, war er, ohne es gewahr zu werden, das Ziel der Spottlust des ganzen Biertisches und nur darum geduldet; erst seit kurzer Zeit war er, der nun schon lange selig entschlafen ist, in seinen neuen Wirkungskreis im Riesengebirge versetzt worden und daher wenig vertraut mit den Verhältnissen des Landes. Die Gespräche, die er führte, handelten nur von seiner Person, von seinen Thaten und Erfolgen auf dem pädagogischen Gebiete, und er prahlte hinein in einer ganz unbeschreiblichen Weise. Er verstand auch zu erzählen; mäuschenstill waren alle Zuhörer, sobald er sich in Positur fetzte und mit gewichtiger Miene, den Mund weit aufreißend, begann: Da war einmal .... Ja, was das Latein anbelangte, hätte er einen ganz famosen Jäger abgegeben im übrigen, lang und hager, wie er war, glich er mehr einem Don Quichotte. Es war an einem stürmischen, ßnsteren Novemberabend, als wiederum die Tafelrunde Rübezahls, wie sie sich scherzhaft' nannte, vollzählig beisammen saß; man schimpfte auf dies, man tadelte das, man ' sprach über die Drehbarkeit der Erde", über die letzten politischen Ereignisse, über die bevorstehenden Kriege, über ' die Landwirthschaft, über die letzte Ueberschwemmung und das angerichtete Unheil, und so kam man auch auf die erst kürzlich erbaute Brücke über den nahen Gebirgsbach zu sprechen. Die einen tadelten ihre Plumpheit, die anderen dagegen behaupteten, gerade das Plumpe würde den im Frühjahr anstürmenden Wassermassen am besten widerstehen. Der Streit wurde immer heftiger, und schon platzten die erregten Gemüther aufeinander, als just zur rechten Zeit der alte Förster, als Spaßmacher bekannt, dem drei junge Burschen folgten, das Gastzimmer betrat. Aber, Herrschaften, wozu der Lärm?" Doch der Lärm nahm kein Ende. Hört doch endlich mit euerem Geschimpfe auf. Wozu das alles? Uebrigens, meine Herrschaften, kennen Sie denn schon den Spuk auf der Ärücke?" Nein! Nein!" scholl es im wüsten Durcheinander. . Förster, erzählen. erzählen!" riefen die Stimmen der Tafelrunde, die, Klezl ausgenommen, irgend einen Witz dahinter vermutheten. Erzählt doch. Förster!" Und der alte Förster Bruckmeyer erzählte mit der bierehrlichsten Miene: Vor etlichen Wochen es war noch im October war ich auf der Forstbaude. wo mir Mutter Riedl einen goldgelben Eierkuchen gebacken hatte, der mir vortrefflitch mundete. Im Gespräch mit ihr hatte ich ganz des Heimgehens vergessen. . Als ich endlich aufbrach, dunkelte es bereits, und schon herrschte finstere Nacht, als ich am Rabenstein vorüber kam. Der Sturm heulte und psiff um mich herum und drohte mehrmals, mich hinwegzublasen es war ein Sturm, genau wie heut doch, gestützt auf meinen derben Stock, hatte ich' glücklich das Thal erretcht. Im Gasthofe zum EisenHammer" beschloß ich, das Er.de des Sturmes abzuwarten; aber anstatt nachzulassen, wurde er immer heftiger. Es war spät, als ich mich trotz des UnWetters aufmachte. Eben hatte ich die Brücke überschritten da schlug unsere Kirchthurmuhr zwölf, und hinter mir erhob sich ein wüstes Geheul. Entfetzt lief ich davon, und erst, als ich mich in sicherer Entfernung glaubte, wagte ich mich umzuschauen. Da sah ich und ich traute meinen Augen kaum auf der Brücke, mitten drauf ein weißes Ungethüm mit feurigen Augen in wilden Sätzen umherspringen. Von neuem packte mich das Grausen, und ich rannte, was meine Füße laufen konnten. Meinem Hause entgegen, wo ich, vor Schweiß triefend, halb ermattet anlangte." Das ist ja kaum glaublich," rief ein noch junger Mann. Wa? Sie wollen mich doch nicht etwa Lügen strafen. Sie junge? Dachs. Sie. Gehen Sie hin. überzeu-

gen Sie sich, aber ich warne Sie gleichzeitig." Bisher hatet unser Schulmeisterlein still und in sick gekehrt dagesessen, ohne seiner sonstigen Gewohnheit entgegen auch nur ein Wörtchen zu riskiren. Jetzt aber begann er: Und solche Feigheit erzählen Sie noch. Sie kratzen aus, anstatt dem Ungeheuer gehörig auf den Pelz zu .rücken. Wozu haben Sie denn Ihre Büchse? Uebrigens, wer wird solchen Mumpitz glauben. Sie glauben's ja selbst nicht, Herr Bruckmeyer." Gemach, mein lieber Herr Klezl, Ihr werdet's wohl heut' an Eurem Leibe erfahren, wenn Ihr nicht bald den Heimweg antretet denn heut' stürmt's wiederum ganz hübsch." Und wenn der Spuk kommen sollte, ich fürchte mich nicht, ich bin kein solcher Feigling. Zur Mitternacht gehe ich über die Brücke und werde Ihnen beweisen, daß das, was Sie gesehen, nur das Produkt des jedenfalls reichlich genossenen Alkohols war." Und vollständig vergessend, was er soeben gesagt hatte, erzählte er die tollsten Spukgeschichten, und wie tapfer er sich dabei benommen hatte. Man ließ ihn ruhig gewähren und amüsirte sich köstlich über seine Begegnungen mit Teufeln, Nixen und Kobolden. um so mehr als man vermu thete. daß der alte Bruckmeyer inzwkschen seine Dispositionen treffen werde, wozu er jedenfalls auchZeit gebrauchte. Um halb zwölf wollte Klezl schon aufbrechen, um. wie er meinte, rechtzeitig auf der Brücke zu sein, in Wirklichkeit aber, um, wie man ganz richtig ahnte, die Brücke bereits passirt zu haben, bevor die Glocke zwölf schlug, denn die Entfernung bis dorthin betrug allerhöchstens eine Viertelstunde. Man beschwor ihn, sich doch nicht muthwillig in Gefahr zu stürzen, der Wirth bot ihm ein Nachtquartier an, und so hatte man erreicht, was man beabsichtigte. Zehn Minuten vor zwölf ließ sich Klezl nicht mehr halten und stürmte in die dunkle Nacht hinaus. Höchst unauffällig hatten sich jene drei Burschen, die nach dem Förster eingetreten waren, inzwischen wieder entfernt. . Daß etwas vorging, ahnte man, aber keiner der Tafelrunde wußte es. und aus dem alten Förster war nichts herauszubekommen. Im Scheine des flackernden Laternenlichtes vor dem Gasthofe blickte der tapfere Herr Klezl aus seine Taschenuhr: Was Nur noch zehn Minuten Zeit. Da muß ich aber eilen, um die Brücke vor zwölf hinter mir zu haben", murmelte er vor sich hin und lief, so schnell ihn seine Füße zu trägen vermochten, davon. Doch jetzt blies der tückische Sturmwind mit solcher Gewalt, daß er an ein schnelles Vorwärtskommen gar nicht denken konnte. Der Wind fegte durch die dürren Aeste, welche knackend zur Erde flogen auch sein Hut wurde ihm vom Kopfe gerissen und kullerte lustig davsn. Ihn entbehren keineswegs, dazu rechnete Klezl zu genau. Also ihm nach. Glücklich er hatte ihn bald erwischt und frohen Muthes trabte er weiter. Plötzlich erhielt er einen Schlag in's Gesicht, der ihn beinahe betäubte es war der herabhängende Zweig eines Baumes, unter dem er hinweg lief, und den er bei der fast vollständigen Finsterniß nicht bemerkt hatte. Wiederum mußte er jetzt innehalten: der Sturm war kräftiger als er. Da jetzt hatte er die Brücke bald erreicht. Er sah die weißen Steingeländer aus der Dunkelheit hervorleuchten. Nur noch wenige Schritte und er war gerettet. Eben wollte er den Fuß- auf die Brücke setzen da begann die Kirchthurmuhr zu schlagen. Dumpf tönten die Schläge durch die Nacht zu ihm herüber: eins zwei drei. Er ging weiter. Aber wie gebannt blieb er plötzlich stehen. Was kroch ihm da mitten auf der Brücke entgegen? Ein weißes Ungeheuer ganz so wie der Förster geschildert Bruckmeyer hatte also doch nicht gelogen, es spukte thatsächlich. Es kam näher und näher: ein großer, weißer Pudel mit feurigen Augen. Eisige Kälte überlief ihn, und er schauerte zusammen. Doch kräftig stieß er mit seinem Stock 'auf d:n Steinboden der Brücke, daß es ordentlich widerhallte, und schritt ermuthigt drauf los. Doch entsetzt wich er zurück. Ein Grausen erfaßte ihn. Was hüpfte doch zu jeder Seite auf dem Geländer heran? - Links eine Meerkatze, rechts ein Kobold. Hm! Er zitterte wie Espenlaub und ja, als die beiden Ungeheuer auf dem Brückengeländer ein schauerliches Concert begannen. das der Pudel kläffend begleitete, war er im Begriff umzukehren. Aber so ganz feige war er doch noch nicht vielleicht dachte er auch an das höhnische Gelächter, mit welchem ihn die Tafelrunde sicherlich empfangen hätte und tapfer drang er von neuem vor. den Ungeheuern entgegen. Jetzt aber der letzte, . dumpfe Glockenschlag war eben verhallt erfaßte ihn ein furchtbares Grufeln, die Haare stiegen ihm zu Berge: das weiße Ungethüm erhob sich auf den Hinterfüßen; ganz deutlich sah Klezl die großen, rathen, feuersprühenden Augen. eine schwarze Schnauze und schwarze Vorderpfoten mit riesigen Krallen. An den Hinterpfoten tan-

zend, kam der Pudel hm näher und immer näher; schon vermeinte er einen heißen, übelriechenden Athem desThieres zu spüren, da saß ihm, ehe er Zeit gewann, davonzulaufen, der Hund an der Kehle, und von links und rechts sprangen die beiden kleinen Ungeheuer herzu, entrissen ihm Hut und Stock, und heiser . lachend umkreisten sie den Kantor und den Pudel. Fast drohten ihn die Sinne zu verlassen. Der Pudel wurde nun liebkosend: er küßte ihn beinahe todt, strich ihm mit seinen schwarzen Pfoten über die eingefallenen Backen, zupfte ihn zärtlich an den Ohren und drückte ihn mit Inbrunst an seine Brust, daß ihm sast die Rippen knackten. Da nahm Klezl alle Kraft zusammen er rang ja auf Leben und Tod, und die Angst verdoppelte seine Kräfte Klezl war frei. Bevor das Thier ihn von neuem mit den Armen umfangen konnte, hatte Klezl schon kehrt gemacht und Reißaus genommen. Zwar stoben die Viecher hinter ihm drein, doch die Furcht beflügelte seinen Lauf, und glücklich entrann er der Gefahr. In Schweiß gebadet, bleich wie der Kalk, zitternd wie Espenlaub, mit wirren Haaren, ohne Hut und Stock und im Gesicht schwarz wie ein Mohr, stand er vor der Tafelrunde, die in ein schallendes Gelächter ausbrach, ohne zu wissen, was eigentlich vorgegangen war, denn Bruckmeyer hatte geschwiegen wie das Grab. Wie Klexl so vor der schadenfrohen Gesellschaft stand, konnte er einem wirklich leid thun, und Bruckmeyer empfand auch aufrichtiges Mitleid mit ihm. Er nahm den armen Kanto? untern Arm und führte ihn hinaus, wo der Wirth hilfsbereit Waschbecken und Seife herbeiholte. Dann saß der vorher noch so redselige Klexl tonlos auf seinem Platze, immer noch bleich und verstört. Die Fragen schwirrten durcheinander, doch der Kantor blieb sprachlos, nichts und Niemand vermochte, ihn zum Reden zu bringen. - Der Förster, der seinen groben Scherz, nun da er geschehen, dem Anscheine nach bereute, saß auch in sich gekehrt da und sprach nicht. So erhob sich denn die Tafelrunde, und jeder machte sich bereit, heimzukehren. Aber auch hierzu war Klexl nicht zu bewegen. Endlich als die Gesellschaft versprach, ihn nach Hause . zu geleiten, willigte er ein, doch nur unter einer Bedingung: Jedermann sollte sich bewaffnen. Ein kurioser Zug war es, der kurz vor ein Uhr auf dem Wege nach der Brücke zu entlang marschirte: Kantor Klezl in der Mitte, umgeben von Spaten, Hacken, Dreschflegeln und allen möglichen zur Waffe erhobenen Geräthschaften sogar einen alten, verrosteten Schießprügel von Anno 1813 und einen französischen Dragonersäbel aus derselben Zeit sah man darunter. Als die Geisterbrücke überschritten wurde, konnte sich Klezl eines leisen Schauers doch nicht erwehren, aber er gelangte ungefährdet in sein Haus. Aus dem Rückwege nach dem Gasthofe gab Bruckmeyer die Erklärung, die natürlich mit jenen drei jur.gen Leuten im engsten Zusammenhang stand. Zwar machte man dem alten Förster noch heftige Vorwürfe ob seines schlechten Scherzes, der leicht böse Folgen hätte haben können, aber das war überflüssig, denn Bruckmeyer hatte schon genügend Gewissensbisse. Der Kantor war nur mit dem Schrecken davongekommen, aber - die Tafelrunde mied er für die nächste Folge. Erst Monate später ließ er sich wieder sehen, und nun zeigte sich der Erfolg, den Bruckmeyer, wenn auch mit ungerechtfertigten Mitteln angestrebt und auch erreicht hatte: dem Großmaul war ordentlich mal das Maul gestopft worden, Klezl war bescheiden geworden und nun gern gesehen. Allerdings sprach die Tafenrunde deö öfteren noch von russigen Händen, die wie Hundepfoten ausgesehen, von glimmenden Cigarrenstummeln, die wie rothe Augen geglüht, und von drei Burschen, die sich als Geister sehr geschickt benommen hätten. Bei sotchen Sticheleien ahnte Klezl wohl, waN in jener Nacht vorgegangen war, doch hütete er sich, etwas zu sagen aber über die Brücke zur mitternächtigen Stunde ist er nie wieder gegangen. Theurer Stiefelknecht.

Ein Vergnügungsreisender besonderer Art kehrte unlängst, wie in der schweizerischen Presse berichtet wird, in einem Rigihotel ein. Es war ein Engländer, der Abends durchaus verlangte, daß ihm der Hotelier selbst die Stiefel ausziehen ' solle, so sehr sich auch die Hotelangestellten bemühten, dem Sohne Albions diesen Dienst zu leisten. Dieser verlangte immer nachdrücklicher den Hotelier selber, dem schließlich auch das englische Ansinnen mitgetheilt wurde. Er ließ dem Herrn von jenseits des-Kanals sagen, er ziehe ihm die Stiefel aus, allein das koste 1000 Franken. Der spleenige Engländer war es zufrieden und deponirte die Summe, worauf e; durch den Hotelier seiner Fußbekleidung entledigt wurde. Auf die Dauer dürfte dem Herrn auZ England das Stiefelausziehen auf diefe Weise doch etwas tbeuer kommen.