Indiana Tribüne, Volume 29, Number 26, Indianapolis, Marion County, 22 September 1905 — Page 6

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Europaische Nachrichten. Sachsen. Dresden. Ein schweres Unglück trug sich in einer Fabrik Ut Leipziger Vorstadt beim Herablassen eines Fahrstuhls zu. Dort erhielt der 25 Jahre alte Arbeiter Ranft einen so heftigen Schlag auf den Kopf, daß er nach wenigen Stunden verstarb. . Sein 30jähriges Geschäftsjubiläum beging Ernst Lange, Inhaber des Sattler- und Taschnergeschäftes auf der Pirnaischen Straße 17. Im Alter von 64 Jahren verschied der Geheime Hofrath Professor Karl Weißbach, ordentlicher Professor an der hiesigen königlichen technischen Hochschule, an der er seit beinahe 30 Jahren als Lehrer des Hochbaues und als Leiter des Ateliers für Baukunst wirkte. A u e r b a ch. Hier ist die mit einem Kostenaufwand von 700.000 Mark erbaute Eentralschule theilweise abgebrannt; vernichtet ist die große Aula, die 1OOO Personen fassen konnte, mit ihrer werthvollen Orgel. Vobersen. Auf dem Frachtschiffe des Schiffseigners Decheri von hier ereignete sich ein schwerer Unfall. Das Fahrzeug lag am Gröbaer Hafen. Der Steuermann Wendt aus Mühlberg wollte es festlegen, hierbei stürzte er über Bord und in den kleinen Kahn. Er erlitt mehrere Arm- und Rippenbrüche, sowie einen schweren Beckenbruch. F r t i 6 1 x g. Sein 50jähriges Vürgerjubiläum beging der Fleischermeiste? und Viehhändler Friedrich August Ehregott Iahn. Ihm wurde von einer stadträthlichen Deputation das übliche Diplom überreicht. Hörnitz. In Folge Blutvergiftung starb die Kunst- und Handelsgärtners - Ehefrau Ernestine Knebel. Sie hatte sich bei der Gartenarbeit infolge Tretens in einen rostigen Nagel eine Verletzung an einem Fuße zugezogen. Obwohl sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wurde, starb die 31 Jahre alte Frau. K r a n z a h l. Einem Brande fiel die Eäbel'sche Brettmühle zum Opfer. Leipzig. Schwer verunglückt ist

hier der Straßenbahnschaffner Hänrfch aus Mckten. Er war eben dabei, auf dem Trittbrett des Anh'ängewagens stehend, einer Dame ein Billet zu geben, als er mit dem Kopfe an einen der nahen Bäume anschlug und herunterstürzte. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und einen Beinbruch. Mylau. Beim Feueranmachen erlitt . das Mädchen E. Fiedler so schwere Brandwunden, daß es starb. S e b n i tz. Die seit vielen Jahren unter der bewährten Leitung desObermeisters' Schmidt stehende hiesige Bäckerinnung beging ihr 330jähriges Jubiläum im Schützenhause". Würzen. Der bei der 6. Vatterie des Feldartillerie - Regiments No. 73 fsttx dienende Fahrer Arndt aus Lelpzlg ist beim Schwemmen der Pferde in der Mulde ertrunken. Sein Kamerad. Fahrer Präger ausZwickau. der ihn retten wollte, ertrank ebenfalls. Zittau. Rentier Witschel ist durch Sturz aus dem Fenster tödtlich verunglückt. bessen'Aarmskadt. Darmstadt. Letztens feierte Musikdirektor ftrairt Stükel dakier den Tag, an welchem er vor 25 Jahren als tabstromveter in das 2. Sbt sche Dragoner - Regiment (Leib-Dra-aoner) No. 24 eintrat, dem er nunmehr ein Vierteljahrhundert ununterbrochen angehört. BadNauheim. Der Großherzog hat der Krankenpflegerin desAlue Frauenvereins für Krankenpflege im Grotzherzogthum Hessen. Schwester Emilie Ferber Hierselbst, das Silberne Dienstauszeichnungskreuz für Krankenpslege verliehen. Eppelsherm. Die 5?rau des Fruchthändlers Wilh. Herr mußte durch me Unsitte. Petroleum m das Feiler zu schütten, ihr jugendliches Leden opfern. Jsenburg. In einem Neubau stürzte ein steinerner Erker herab und erschlug den Maurer Ott. Der Wer unglückte hinterläßt Frau und fünf Kinder. Mainz. Das lliäbriae Töchter chen des Lotterie - Eollekteurs Lippold nahm ctn Bad. Als das Klnd zu lan ae im Badezimmer blieb und die El tern nachsahen, fanden sie das Kind todt m der Badewanne. Ob es er trunken oder von einem Schlaganfall betroffen worden ist, konnte nicht fkstgestellt werden. W o r ms. Ludwig Joseph Pfungst der Begründer der Wormser VolksZeitung, ist 64 Jahre alt. in Frankfurt, wv er seit einigen Jahren lebte gestorben. Pfungst hat sich allezeit durch große Wohlthätigkeit ausgezeich net. 3 ins Beim. Hier sind die Ar beiter Valentin Küchler und , Friedrich Stampp beim Baden im Main er trunken. Waye. München. Dr. Philipp Schech, k. Universitätsprofesso'r, Vorstand der laryngologischen Poliklinik, ein weit hin bekannter und gesuchter Specialist und Arzt, ist hier im Alter von 60 Jahren gestorben. Der DekorationZ maler Johann Mayer stürzte in der Dachauerstraße vom Fenstergesims auf

n seinem Laden durcy einen Schun ln

die Schläfe entleibt. .. Man nimmt an, : .. - , yrt r"n. vi;rrdaß drüaenoe escyasisoeryaiink das Motiv der That sind. Aschaffenburg. Professor Ar. die Straße und war sofort todt. Der Cigarrengeschäftsinhaber Hugo. Desckler. MittelsbQchervlan 2. bat iick Erlenmeyer feierte seinen 80. Geburtsag, und sind ihm aus diesem Anlaß verschiedene Ehrungen zutheil geworden. Ansbach. Der 17jährige Sohn deS Pfarrers in Raudenbach, Hautmüller, der das hiesige Gymnasium besuchte, nahm sich seine NichtVersetzung ' rn c r. f. .r in oie Prima vermaßen zu Zgerzen, oan er einen Selbstmordversuch beging. Er schoß sich mit dem Revolver eine Kugel in die Brust. Furth. Vor einiger Zeit ist im hiesigen Bahnhofe der Gehilfe im Stationsdienste Leonhard Albrecht beim Wageneinhängen gefallen und kam unter die Rader, so daß ihm beide Beine an den Oberschenkeln abgefahren wurden. Glashütte. Hier äscherte ein Brand in kurzer Zeit fünf Wohnhäuser ein. Sämmtliche Futtervorrathe und alles Mobiliar wurden ein Raub der Flammen. Nürnberg. Kommerzienrath Berolzheimer hat eine Stiftung von 320.000 Mark gemacht zur Errichtung eines den Zwecken der Naturhistorischen Gesellschaft, des Aerztlichen Vereins, des Volksbildungsvereins und der Gesellschaft für öffentliche Lesehallen dienenden Hauses. Dieses Haus, das den Namen Luitpoldhaus führen wird, gibt unserer Stadt das, was für die wissenschaftlichen und Volksbildungsvereine Münchens durch das Pettenkoferhaus erreicht werden soll. Schlehdorf. Beim Alpenrosenpflücken stürzte der Sohn Franz des Metzgermeisters Niclas aus Bichl von einem Felsen ab und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß er bald nach seiner Verbringung in's Krankenhaus verstarb. Traubing. Letztens schlug bei einem Gewitter der Blitz in das AnWesen des Oekonomen und BürgerMeisters Michael Günther hier. Das Anwesen brannte vollständig nieder. Maschinen und Vieh konnten gerettet werden. Würzburg. Das Korps Francsnia beging die Feier seines hundertjährigen Bestehens. Z u ch e r i n g. Vor Kurzem wurde nächst der hiesigen Station die Leiche des Arbeiters Georg Heiland von Karlskron, bisher bedienstet bei dem Kiesgrubenbesitzer Schwek in Jngolstadt, mit abgefahrenem Kopfe auf dem Bahnkörper aufgefunden. Nach der Sachlage ist Selbstmord anzunehmen. Württemberg. Stuttgart. Hier ist der württembergische Landtags - Abgeordnete und frühere Reichstags - Abgeordnete Galler (Deutsche Volkspartei) gestorben. Der im Jahre 1855 in's Leben getretene Verein Stuttgarter Sängerkranz" beging im Festsaale der Liederhalle die Feier seines 50jährigen Jubiläums. A l p.i r s b a ch. Der ledige LandWirth Christian Schmider gerieth unker seinen mit Steinplatten schwer beladenen Wagen und wurde übersahren, was seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Geradstetten. Der 40 Jahre alte I. Lederer ist beim Baden in der Rems infolge eines Schlagänfalls ertrunken Hall. Beim Heueinführen gerieth der Taglöhner Karl Schwarz in der Blendstatt unter einen beladenen Heuwagen und. wurde, da ihm die Räder des hinteren von zwei zusammengekoppelten Wagen über den Leib gingen, so schwer verletzt, daß nach kurzer Zeit der Tod eintrat. Ludwigsburg. In einem Walde bei Straßburg i. E. fand izan die Leiche des vor einiger Zeit flüchtig gewordenen, steckbrieflich verfolgten Notariatsassistenten Max Schäfer. Er hatte sich durch einen Schuß in's Herz getödtet. Mittelbiberach. Durch Feuer zerstört wurde das Söldgut des Phil. Maier. Kinder hatten durch Spielen mit Zündhölzchen 'das Unglück herbeigeführt. ,;c;,.,;03Jl S ch m a l e g g. Kürzlich gerieth der verheirathete Biersührer Grötzinger unter sein Fuhrwerk. Infolge der Verletzungen starb er nach kurzer Zeit. S t e t t e n. Hier brannte die mit Futtervorräthen gefüllte Scheuer. Brennerei und Küferwerkstätte des Gastwirtes Kaufmann zum Fäßle vollständig meder. Auch das angebaute Wohnhaus des Schneiders Otto wurde' eingeäschert. Otto, der nicht versichert ist, konnte fast nichts retten. Im Theater. Mann (zu seiner Frau): Siehst Du, Elsa, wie sparsam die Leute früher waren. Vor Zwanzig Jahren war ich 'bei diesem Stück im Theater und da hatte dieHerzogin gerade dasselbe Kleid getragen wie jetzt!" ' Schmeichelhaft. Fräulein: Ich möchte ja Ihren Heirathsantrag annehmen, aber ich fürchte, ich bin für Sie ' nicht gebildet genug." Herr: Das macht nichts, Fräulein. Mein Freund hat auch eine dumme Gans geheirathet, aber darum lebt er doch reckt glücklich mit ibr."

Die Verlobung.

Skizze aus dem Kleinstadtle'ben. Von A. von Wartenberg. Wissen Sie es schon? Haben Sie es gehört?" Mit diesen Worten trat die Frau Apotheker zu einer stattlichen Dame mit großem Umschlagtuch und federgeschmücktem Kapotthut heran, die, ein gehäkeltes -Marktnetz über den Arm gehängt, im Begriff war, ihre Einkäufe auf dem Wochenmarkt des Städtchens zu machen. Guten Tag, guten Tag, Frau Müller! Ja, was sagen Sie denn dazu?" Empörend! Unglaublich!" - So, was denn? Nicht möglich! Was ist denn, sagen Sie doch!" rief die Frau Gymnasialdirektor, einen dicken Kohlkopf in der Hand haltend. Ich kann mir nicht denken ... der uette Mensch." O, ich sage Ihnen! Man munkelt schon lange allerlei." Sie schob ihren Arm unter den der Ksrau Apotheker und zog sie mit sich fort aus dem Bereich bereitwillig lauschender Ohren. Aber so reden Sie doch, liebe Freundin!" In der schattigen Lindenallee der Promenade sah man die beiden Damen lange in eifrigster-Un-terhaltung beieinander ' stehen, heftig gestikulirend und bedenklich die Köpfe schüttelnd, und dann machten sie endlich Miene, sich mit kräftigem Händedruck und der tröstlichen Versicherung zu trennen: Also auf Wiedersehen heute Nachmittag im Kaffee bei der Frau Bürgermeister." In diesem Augenblick ging ein junger Mann an ihnen vorüber, der höslich grüßend den Hut zog. Die beiden Damen sahen sich mit verständnißinnigem Blick in die Augen und dankten sehr reservirt und kühl. Als der Vorübergehende außer Hörweite war, meinte die Frau Direktor nachdenklich: Eigentlich hätten wir ihm wohl gratuliren müssen." Aber ich bitte Sie, zu der Partie kann man ihm doch unmöglich gratuliren, und wenn Sie als die Frau des Vorgesetzten ihn beglückwünschen, so haben Sie doch damit sozusagen seine Wahl gutgeheißen und diese Person in Ihre Kreise aufgenommen." Sie haben recht, ich hätte eine schwere Verantwortung auf mich geladen." Und der Mann hätte so gute Partien machen können." Ja Ihre Emma" . . . Meine Emma!?" Nun, er war doch oft . genug bei Ihnen zu Gast, daß man hätte denken können ... Oft bei uns? Nicht öfters als bei Bürgermeisters! Und meine Emma kann ganz andere Ansprüche machen als einen simplen Schullehrer. . ; Die Frau Direktor biß sich auf die Lipepn. Sit hatte ihre Ehre auch als simple Schullehrersfrau begonnen, wie die Nachbarin wohl wußte. Ach ja, daS Emmachen soll nur nicht zu wählerisch sein', parirte sie geschickt den Hieb. Die Jahre fliegen so rasch dahin, wenn man erst über die erste Jugend hinaus ist, und das rechte Glück bringt doch erst die Ehe. das sehe ich immer wieder an meiner Lucie." Der Frau Direktor älteste war um zwei Jahre jünger als die bewußte Emma und bereits glückliche Frau und Mutter sehr zum Aerger der Nachbarin aus der Apotheke, deren Töchterlein noch ganz aussichtslos des Freiers harrte. Mit süßlichem Lächeln schluckte die Frau Apotheker die bittere Pille hinunter. . Man trennt sich so ungern von seinem Kinnd," versetzte sie, während sie innerlich sich zuschwor: Na warte, das tränle ich dir ein." Mit größter Herzlichkeit schieden die Damen.Wie hier, so bildete heute überall das Tagesgespräch des Städtchens die unerwartete Verlobung des jungen Gymnasiallehrers Schmidt, der, einer der wenigen helrathssahigen Herren B.'s. als solcher sich großer Beliebtheit erfreut hatte. Niemand hatte etwas davon gewußt. Das Morgenblättchen erst brachte die Anzeige, und nun natürlich herrschte in diesem an Neuigleiten armen Weltwinkel allgemeine Aufregung und große Empörung über die unverantwortliche Heimlichthuerei. Nichts aber auch gar nichts verlauten zu lassen! Wie konnte der Mann es wagen, diesen verantwortungsreichen Schritt zu thun, ohne den Rath und die Beihilfe von Gevatter Hinz und Kunz einzuholen? Noch dazu ein Mädchen zu wählen, das Niemand kannte, von dem man nie etwas gehört hatte! Die wunderbarsten Gerüchte tauchten auf, und die am bösartigsten gefärbten stammten aus der Apotheke, wo heute Frau Müller beim Bedienen der Kunden ihrem Manne zur Hand ging. Die einen sagten, die Braut sei eine Schusterstochter, die andern: ein Tagelöhnerkind, und nach einer dritten Lesart sollte es eine Kellnerin aus einer Vorstadtkneipe sein, wenn es nicht eine geschiedene Gräfin war. Hier nannte man sie eine Schönheit, dort häßlich wie die Nacht; der eine wollte wissen, sie sei furchtbar reich, während ein dritter sie arm wie- eine Kirchenmaus schalt. Und dabei hätte der gute Schmidt überall bei 'den ersten Familien anklovfen können, ohne einen Korb befürch-

ten zu müssen, und nun es wär ein allgemeines Kopfschütteln.

In der nachmittaglichen Kaffeeschlacht bei der Frau Bürgermeister erreichte die allgemeine Erregung ihren Höhepunkt. Die Damen konnten sich, sofern sie nicht zu den tochterreichen Müttern und freiersuchenden Töchtern gehörten, die allerdings ein vernichtendes Urtheil fällten, einer gewissen mitleidigen Regung nicht verschließen. Er hat sich sangen lassen, meinten sie entschuldigend und: Er ist zu ehrenhaft. Man weiß ja, wie solch eine Person darauf - ausgeht, einen Mann zu angeln." Als man sich endlich mit hochrothen Backen nach unzahligen Tassen Kaffee und Bergen von vertilgtem Kuchen spät gegen Abend trennte, hatte nian sich das Wort gegeben, aufzustehen wie ein Mann, Front zu machen gegen den ungebetenen Eindringling, gegen die Person", wie die Frau Apotheker immer wieder nachdrucklich betonte. Die Frau Bürgermeister gab ihren Gästen bis zur Pforte des Vorgärtchens das Geleit, um hier noch einmal alle Hände zu drücken und die Dankfagungen für den reizenden Nachmittag zu empfangen. Schwatzend stand man noch ein Weilchen zusammen in der lauen Abendluft. Da kam eine alte Frau in Kattunrock und blauer Küchenschürze am Zaun entlang. Frau Aftekern. Frau Astekern!" winkte sie geheimnißvoll. Se kommt!" Was? Wer kommt?" regneten die Fragen von allen Seiten auf die Alte herein, die zungenfertig Rede stand. Als Aufwartefrau bei der lahmen Mutter des Lehrers Herrn Schmidt habe sie heute ein Gastzimmer für die Braut des Sohnes richten müssen. Morgen mit dem Mittagszuge solle sie eintreffen, der Bräutigam hole sie selbst von der Bahn ab, und da doch die Frau Aftekern . . . Schon gut, schon gut," wehrte diese eine Indiskretion ab. Sie werden doch nicht Besuche machen wollen?" fragte man - sich ganz entsetzt. Ich bin nicht zu Hause." Ich auch nicht." Ich keinesfalls." Am anderen Tage um die Mittagszeit hatten die Damen und Mädchen ungeheuer viel Besorgungen in den Läden, am Markt und in der BahnHofsstraße zu erledigen. Frau Apotheker schien Reisepläne zu hegen, denn sie studirte mit ihrer Emma eifrig den Fahrplan im Bahnhofsgebäude. Die Frau Stationsvorsteher wunderte sich über die Beliebtheit, deren sie sich plötzlich erfreute, da man es sonst in den ersten Honoratiorenkreisen gern vermieden hatte, sie zu den offiziellen Damenkaffees einzuladen. Heute hatte es manche dieser Damen es sich nicht versagen können, dem lieben, kleinen Frauchen" den längst versprochenen Besuch zu machen, so daß bei Eintreffen des Mittagszuges die sämmtlichen nach dem Bahnsteig hinausgelegenen Fenster dicht besetzt waren. Da ist Herr Schmidt", ging die Kunde im Flüsterton von Mund zu Mund. Die Bahnhofsbesucher hatten sich auf einmal so viel zu berichten, daß sie im Eifer des Gesprächs fast den Gruß des jungen Mannes, der, ein paar lose Blumen in der Hand, den Bahnsteig betrat, zu erwidern vergaßen. Der Schnellzug brauste heran. Aller Blicke hingen mit gespanntester Aufmerksamkeit an dem jungen Mädchen, das aus einem Coup6 3. Klasse Herrn Schmidt lebhaft zuwinkte. Grete, meine Grete!" Inniger Jubel lag in dem Ruf. Mit ein paar Sätzen war der junge Lehrer neben dem Coupö, schwang sich hinein, zog seine Braut zum Nitgegengesetzten Fenster und ... Das hätte er eigentlich ua draußen machen können", lieh einer der Zuschauer der allgemeinen Enttäuschung Worte. Als das Brautpaar zum Vorschein kam, er mit Koffer und Tasche bela den, sie den Schirm, die Blumen und ein verschnürtes Packchen in der Hand, lag auf beider Gesichter helle Gluckseligkeit. - Die Kritik der Damen lautete: Sehr einfach angezogen" und: Kaum hübsch zu nennen." Was er an der wohl gefunden hat! Man begann, sich einer milderen Auffassung zuzuneigen, indessen tit Herren eine leise Enttäuschung bei der Entdeckung verspürten, daß sie" für so eine" doch ein bischen zu sittsam" i . oreinscyaue. Wieviel Leute du hier kennst. sagte die aus der Großstadt kommende Braut staunend bei dem häufigen Hut schwenken des Verlobten. Ja. das bringt die Kleinstadt mit r c m i r v . am i sicy, oie Aeugier lyur aucy viel, enigegnete Schmidt in richtiger Erkenntniß der Sachlage. Du wirst die Leute auch noch alle kennen lernen." Ach. Leopold, ich fürchte mich, die Frau Hat mich so böse angesehen." Die Frau Apotheker? Einbildung, Herzchen! Sie ist zwar unsere größte Klatschbase in B., doch das ist für dich doch kein Grund zur Furcht. Wer so rein dasteht wie du, an dir wetzen sich d!e Lästerzungen doch vergebens. Und was geht unß der Klatsch an? Laß sie reden. Wir haben uns und unser Glück." . Mein Geliebter!" Innig drückte sie den.Arm des Verlobten an sich. In der Thür der kleinen, freund-

lichen und rosenumranlten Lehrerwohnung stand eine alte Frau.

Dein Heim, mem L'.eb. . Wie habe ich mich in den langen Jahren unter Fremden nach einem Heim gesehnt. Und deine Mutter." Zwei zitternde Arme streckten sich ihr entgegen. Mein Kmd. mein liedeS Kind. Thränen heißer Dankbarkeit und Liebe feuchteten die Augen der Waise, die so lange nicht mehr an einer Mutterbrust geruht hatte und nun ihren Einzug m das Haus des Gelierten hielt, das als dauernde Heimath ihr Glück bergen sollte. Am Abend, trug die Aufwartefrau der Frau Bürgermeister die Kunde zu, daß das Fräulein Gretchen Nutze bei einem Pastor gewesen sei und eine unerwartete Erbschaft gemacht habe. Nun konnten sie nach drei Jahren heimlicher Verlobung endlich heirathen. Habe ich es nicht gleich gesagt, meinte höchst logisch Frau Bürgermeister zu der gerade zufällig anwesenden Apothekerin. die nun wieder ihrerseits ganz verwundert sich mit der Frage an die nur auf einen Stipp" herübergekommene Frau Direktor wandte. Wer nur das unsinnige Geklatsch aufgebracht hat! Man sollte es wirklich nicht für möglich halten, was die Leute alles reden. Aber, aber, wo ein Rauch ist, muß immerhin ein Feuerchen sein." Innerlich dachte sie: Heimlich verlobt - seit drei Jahren schade um das so oft nutzlos verschwendete warme Abendbrot!" Als das junge Brautpaar seine Antrittsvisite machte, war die Frau Direktor doch zu Hause. Sie lächelte, auf dem steiflehnigen Sofa ihrer guten Stube sitzend, der neben ihr angstlich auf der äußersten Sesselkante hängen den Grete so freundlich zu, daß dieser ganz warm um's Herz wurde. Der junge Lehrer hatte wohl nicht ohne Absicht erzählt, daß der Onkel Schulrath zur Hochzeit seiner Nichte nach B. kommen wolle. Apothekers Emma aber war bald ??rau Gretes innigste Freundin, auf deren Hochzeit sie mit dem Vetter der jungen Frau, einem hoffnungsvollen Candidaten der Theologie, den TiscyWalzer getanzt hatte. Nur leider ging die Freundschaft eines schönen TageZ j'äb in die Brüche. Man denke diese Hinterlist! der Candidat war verlobt! Kindermund. Dein Onkel, der mit dem Automobil verunglückt ist, lenkte die Maschine wohl selbst, Hänschen?" Ja, der Onkel ist eigenhändig verunglückt." Heimgeleuchtet. Stutzer: Ach gehen Sie mit Ihrer Philosophie. Ich hab das Zeug ein Jahr lang ffudirt und nicht einmal die Lösung der einfachen Frage gefunden: Zu welchem Zweck lebe ich?" Professor: Die Frage ist auch bei Ihnen sehr schwer zu beantworten!" Wie die Alten sungen. Ich darf richt mehr mit Dir spielen. Gretchen. Dein Vater soll einmal bei einem Ehrenhandel Satisfaktion verweigert haben." Betrachtung. Zuchthäusler: Hm. das neue Zuchthaus ist wirklich hübsch da gibt's DampfHeizung, Dampfwäscherei. Tampfkochapparate. Jetzt sollen s' bloß noch Dampfwürst' und Dampsnud'ln haben!" Tie Hauptsache. Fremder (der Nachts aus dem Schlafe aufgeschreckk wird): Zum Kuckuck, was ist denn los!" Wirth: Schnell stehen Sie auf. das ganze Hotel brennt . . . hier ist Jhre Rechnung!"