Indiana Tribüne, Volume 29, Number 26, Indianapolis, Marion County, 22 September 1905 — Page 5
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Llus der Spe!sesälschungs-Welt.
Ein trauriges Capitel mit lustigem An flug. Gesetze und Polizei haben die Nahrungsmittel Verfälschungen nur stellenweise gemildert. Attentate auf Gesundheit und Leben. Der Krieg gegen die Milchftantscher. Allerhand Fälschungen' und Giftmischereien. Guten Appetit! Wer nie sein Brot mit Gipsmehl aß,. Wer nie die kummervollen Nächte Am Magcnkrampf sich windend saß, Der kennt Euch nicht, der Neuzeit Mächte! Es sind schon etwa zwanzig Jahre her, daß obiges Verslein, in Nachahmung eines berühmten Goethe'sche Gedichtes, in einem Witzblatt erschien. Seitdem aber sind wieder viele weitere Fortschritte" in der Nahrungsverfäischling gemacht worden.' Uebrigens mag sogleich bemerkt sein, daß man auch in älterer Zeit so manche derart!gen Sünden begangen hat, besonders mit importirten Waaren, welche infolge der damaligen Verkehrsverhältnisse nur sehr umständlich' zu erlangen und entsprechend theuer waren. So rafsinirt freilich, wie heute, hat man es nie zuvor getrieben, und theilweise drängen sogar die einschlägigen Strafgesetze die Fälschungsindustrie auf immer neue Gebiete. Ja man kann sogar behaupten, daß manche Arten solcher Fälschungen einem öffentlichen Bedürfniß" entsprechen! Wahr genug sind die Worte, welche Dr. Wiley, vom Ackerbaudepartement, Dor noch nicht langcr Zeit vor 'dem Franklw Jnstitute" sprach: Samum erwarb ein colossales Vermögen, indem er nach dem Grundsatz operirte, daß die Amerikaner gerne behumbugt sein wollen. Wären die Tafchenspielerleistungen eines Hermann thatsächliche Vollbringungen übernatürlicher. Mächte, sie würden für die leisten die Hälfte ihres Reizes verlieren. Betrogen, gefoppt, bemogelt, hypnotisirt und sonstwie zum Narren gehalten zu werden, das sind Vorrechte, welche uns Allen lieb und theuer sind! Und 'dies gilt leider sogar auf dem Gebiet der Nahrungsmittel. Wehe der väterlichen Regierung, welche so weit geht, uns dieser unveräußerlichen Rechte berauben zu wollen!" Das ist allerdings nicht der einzige Grund für die Volksthümlichkeit vieler Verfälschungen, aber jedenfalls ein nicht zu unterschätzender. Bezüglich einer Menge Artikel ist die Rücksicht auf den Geldbeutel, die sich mit der Gewöhnung an einen gewissen Geschmack vereinigt,' mächtig genug, irgend einem billigen Schmierzeug, das halbwegs wie der echte Artikel schmeckt,' Beliebtheit zusxrschaffen, wenn sich der Consument auch augenzwinkernd sagt: lln a Bissel Schwindel iZ allweil dabei." Oft aber ist es .ein sehr großes Bissel und ein Attentat auf Gesundheit und Leben, ganz abgesehen' von der Schädigung ehrlicher Industrie! Man betrachte sich' einen Augenblick die Frage wissenschaftlich. Der ganze Menschenkörper ist ein chemisches Laboratorium, in welchem Taa. undNacht Feuer brennend erhalten, und manche höchst verwickelte chemische Prozesse ausgeführt werdert, deren viele der Mensch gar nicht nachahmen kann; anfcere lassen sich wohl von Fachleuten bei sehr hohen Temperaturen ausführen, während der Körper stets nur seine eiqene, mäßige Temperatur dazu braucht; und wiederum andere kann der Mensch nicht nur nicht nachahmen, sondern nicht einmal verstehen, denn sie gehören zu den Wundern der Natur. Die Nahrung aber, welche wir genießen, bildet den Heizstoff, welcher die Feuer in dieser wunderbaren natürlichen Retorte speisen muß, und wenn dieser Heizstoff nicht normal ist, so werden auch abnorme Substanzen erzeugt, die Maschinerie kommt außer Ordnung, wir sind krank! Ja wir müssen froh sein, wenn die Reparaturversuche nicht zu spät kommen. Und doch ist bezeichnenderweise noch immer ein großer Theil des Publikums stark geneigt, die Nahrungsmittelfälscherei nur von der komischen Seite anzusehen und hat mehr oder weniger ein Gefühl, als ob die. vielen Erörterungen und . gesetzgeberischen Maßnahmen in dieser Sache eigentlich nur ein Lärm um nichts seien! Auch die Herren Gesetzgeber selbst scheinen, zum guten Theil von diesem ulkigen Gefühl angesteckt zu sein, soweit nicht noch reellere" Beweggründe dahinter stecken. Seit vielen Jahren schon geht in unserem Congreß eine Rein Nahrungsmittel - Vorlage um; aber bis jetzt war es unmöglich, ihre Annahme, herbeizuführen. Die meisten Unionsstaaten haben allerdings mehr oder minder durchgreifende diesbezügliche Gesetze, die zum Theil auch wirklich. ausgeführt werden und z. B. einer der gemeinsten Gattungen Fälscher, nämlich den Milchpantschern. da und dort schon recht unangenehm geworden sind. Es gibt freilich auch harmlose Fälschungen, oder solche, die wenigstens nicht ein Schaden für Leib und Leben sind. Bis zum heutigen Tage aber ist es nicht möglich, eine genaue Grenze zwischen diesen beiden Arten zu ziehen, und die Gilmbrigade" unter . Onkel Sams Leitung ist noch ange nicht mit ihrer Arbeit fertig. Auch mögen noch einige Jahre vergehen, bis' die chemischen Normen oder Standards" für reine Nahrungsmittel aller Wichtigen Gattungen vollkom-
men ausgearbeitet sind', was zum Theil gar keine leichte Ausgabe ist. : . ; ''. ' ' 5 Nach mäßiger Schätzung verbraucht unser Publikum jahrlich für -hundert Millionen Dollars betrügerisch hergestellte: Nahrungsmittel, vie zahllosen Unterschiebungen billiger Naturp r o d u c t e unter die Flagge seltener und theurer gar nicht mitgerechnet. Mitunter übrigens treten diese" beiden Gattungen, Geschäftsverbesserung in edlem Verein auf, und Verfälschungen werden wiederum verfälscht, so -daß ein wahrer Rattenkönig . von . .Humbug entsteht! - Das Lustigste ist es dann noch, wenn auf den Etiketten besonders vor Fälschung gewarnt wird. Recht'lehrreich sind die einschlägigen Berichte der staatlichen Gesundheitsbehörden. Einer der neuesten derselben, om Gesundheitsrath von Nord-Caro-lina besagt, daß 33 Procent der, von dieserBehörden untersuchte! Honigproben gefälscht waren (zum Glück ist es dem Erfindungsgeist noch nicht gelungen, den in Waben befindlichen Honig nachzumachen);- 29 Procent der geprüstenFfsigproben hatten mit dem Essig weiter nichts zu thun, als den Namen ferner waren gefälscht: 37V2 Procent der Geleesorten und dicker (angeblicher) Obstsäfte, und j e d e uniersuchte Probe von Apfel-Latwerge, Catsup" und Saucen! Dies ist nur ein beliebig herausgegriffenes Beispiel. In den letzten paar Jahren haben verschiedene andere Staaten noch schlimmer Ausweise gehabt, aber inzwischen bezüglich einer Anzahl Artikel eine Besserung erzielt. Jeder dieser Ctc!2ten hat eine 'besondere Nahrungsmittelcommission.die ein scharfes Auge aus jede Art von Nahrungsmitteln hat oder haben soll, welche innerhalb der Grenzen des Staates verkauft werden. Es werden Proben der Lebensmittel in offenem Markt unauffällig gekauft und vom chemischen Sachverständigen der ComMission auf ihre 'Zusammensetzung untersucht. Wo man eine Fälschumz entdeckt im Sinne des betrefsenden Gesetzes wird der Missethäter verfolgt, und meistens sind solche Verfolgungen nicht vergebnißlos. So fanden im Staat Ohio allein im Jahre 1901 nicht weniger als 252 Verfolgungen dieser Art statt und' nur 9 dieser Processe endeten, mit .Freisprechung, w'ahrend in 7 sich die Geschworenen nicht einigen konnten; in allen andern Fällen wurden die Angeklagten verdonnert. Das will im amerikanischen Justizwesen gewiß viel heißen' , . Einer unserer classischen Staaten in der Fürsorge für reine Nahrungsmittel wie auch in der Förderung guter Landstraßen und noch einigen anderen Dingen ist Massachusetts, wo es gelungen ist,, den. Procentsatz gefälschter Milch von 83 Procent im Jahre 1883 auf 28 im Jahre 1900 herunterzubringen und demjenigen sonstiger Fälschungen gangbarer Lebensmittel von 31 auf 14 Procent. Nicht weniger, als drei Fünftel der einschlägigen Bewilligung werden in diesem Staat auf die Inspektion von Milch, Butter und Käse verwendet, und gewiß ist dieser Posten auch wichtig genug dafür. Stramm wird besonders auch in Connecticut gegen die Milchvantscher vorgegangene Natürlich ist die VerZockung zu solcher Pantscherei eine sehr große, da der Hauptverfälschungsstoff Wasser ist, das gewöhnlich nichts kostet, im Uebrigen nicht einmal immer rein ist. Da Milch einen ausgezeichneten Boden für vas Wachsthum aller Arten Bacterien bildet, welche ihre Zersetzung herbeiführen, so wird sie außerdem von vielen Händlern mit irgeid einem fäulnißverhinderndenStoff, vorzugsweise Formaldehyd gedoktert, damit sie auch in heißem Wetter lange verkaufsfähig bleibt. Formaldehyd aber bildet eine schwere Bedrohung der Gesundheit, und solche Fälschungen sind schon deshalb sehr gefährlich, weil sie zur Vernachlässigung natürlicher, und gerade in diesem Fall so wichtiger Reinlichkeitsvorkehrungen führen! Bis vor Kurzem schien es unmöglich, natürliche Eier nachzumachen, soviel auch mit ihrer gradweisen Frischheit Schindluder getrieben wurde und wird. Neuerdings aber fabricirt man ein EiSubstitut unter dem Namen Ovine". Dasselbe soll frische Eier beim Backen ersetzen"; indeß hat sich bei einer chemischen Untersuchung ergeben, daß es in seiner Zusammensetzung nur dem Eiw e i ß ähnlich ist. Darin wird es also zumTheil sogar von manchen Ostereiern des Zuckerbäckers übertroffen! Bei der großen Vorliebe unserer Nation für Süßigkeiten darf man sich zu der Thatsache gratuliren, daß der gewöhnliche granulirte weiße Zucker in den Ver. Staaten so rein ist, wie der Fabrikant ihn herstellen kann, trotz verschiedener Güte-Grade. Wir sind eben in - dieser Beziehung auch der Quelle sehr nahe; in manchen auswärtigen Ländern dagegen, sogar in England mit. seiner großer directen Colonialeinfuhr, wird dieser Zucker viel verfälscht. Aber der Ahornzucker, o rühret, rühret nicht daran!" Ungemein vielfach, und zum Theil höchst unverschämt, sind die Kaffeeund heeverfälschungen. .Die Kaffeebohnen werden nicht nur grün, sondern auch in geröstetem Zustande sehr schwunghast nachgeahmt, und über ein Halbdutzend Firmen in unserem Lande befaßt sich damit ganz regelrecht, mit besonderer Maschinerie uno tonnenweise! Doch ist es in einem unserer
Staaten gelungen, den Procentiatz gefälschten Kaffees bmnen 2 Jahren von 63 auf 24 herunterzubringen, mittels eines strengen und auch wirklich durchgeführten Nahrungsmittelgesetzes. Für Theefälschungen müssen die Blätter einer Menge gewöhnlicher Pflanzen, wie Weide, Buchen, Rofen u. f. w. herhalten ; das Schlimmste aber sind mit verwendete Giftstoffe, namentlich beim schwarzen Thee oder seiner Nachahmung. In unseren. Tagen, in denen Viele ibrer Nerven balber keinen Kaffee oder Thee mehr trinken, greift auch die Verfälschung der zahlreichen gesundheitlichen" Ersatzstoffe immer weiter um sich, und es bietet in diefem und in anderen Fällen auch noch keine Garantie gegen Fälschungen, daß solche Fabricate, der Versicherung auf den. Etiketten nach, von Aerzten empfohlen" werden. Solches mag mitunter wahr sein, was aber nur zeigt, daß derartige Empfehlungen noch immer zu leicht zu haben sind und, mindestens hinterher, mißbraucht 'werden. Zum Theil sind ehe-' malige Kaffeefreunde enthusiastische Freunde von Cocao und Chocolade geworden. Aber auch diese, von Natur aus nicht genug zu lobende Producte sind schon schnöde gefälscht worden; es ist schon allein eine Fälschung, obwohl noch die harmloseste, wenn die natürlichen Cocaobohnen mit den Hülsen gemahlen werden. Gewöhnlich werden auch viele Abfallshülsen dazu gegeben. Es ist eine schöne Sache mit ObstGelee, aber nur wenn derselbe wirklich aus Obstsäften mit Zusatz von Rohrzucker hergestellt ist. Doch nußerordeutlich zahlreich sind seine Verfäl--schungen, deren viele nicht einmal eine Idee von dem betreffenden Obst enthalten! Stärke, Gelatin und AgarAgar (ein gallertartiger Stoff, welcher aus Seegras gewonnen wird) liefern den Charakter des Gelee Dieses Zeug hat allerdings keinen Geschmack; aber dem ist sehr schnell abgeholfen: sobald man einen geeigneten Extract in sehr geringer Menge sowie etwas Färbestoff beifügt. , hat man im Nu den .schönsten" Johannisbeeren-,Trauben-oder irgendwelchen gewünschten Gelee! Wer künstlichen Johannisbeerengelee kriegt, der hauptsächlich aus weggeworfenen Apfelbutzen besteht, kann noch von Glück sagen. Zum Versüßen solcher Fabricate muß auch das große Fälscher - Hilfsmittel Glucose viel herhalten, das nur etwa drei Fünftel der Süßigkeit des Rohrzuckers hat. An .einer unserer staatlichen Nahrungsmit-t:l-Untersuchungsstationen wurden von 63 Gelee - Proben 20 rein und 43 verfälscht gefunden! .. p -'s; Fast noch schlimmer wird es - mit den Jams" getrieben,, und unlängst wurde in Nebraska eine Erdbeeren"Marmelade geprüft, von der es sich herausstellte, daß sie hauptsächlich aus Kürbiß Bestand, der mit Kohlent Heer - Farben, also Giftstoffen, behandelt war; und damit das liebe Publikum auch die Erdbeerensamen" in der Masse nicht vermißte, war. einfach Grassamen hineingeworfen joörden. . jOhne Zweifel haben es schon' viele amerikanische Schwindelhuber' bebauert, daß es ihnen mit allem ihrem Witz nicht gelungen ist, Honig in Waben künstlich herzustellen; soweit wenigstens bekannt, ist dies bis jetzt- unmöglich und hat die Biene noch immer das Monopol in dieser Beziehung behauptet. Desto, mehr aber wird der durchgetriebene Homg gefälscht, und es will schon etwas heißen, wenn gerade' genug wirklicher Honig beigegeben wird, um etwas von dem echten Geschmack zu verleihen, und wenn man in der Flüssigkeit einig: Stückchen Honigwabe schwimmen läßt. Ha, lockt das die Gimpel an! ' Daß in der prächtigen SodawasserFontäne, auf deren Vervollkommnung der Amerikaner stolz ist, oft ein ganzes Heer von Sumuggeistern sein Wei'en treibt, ist bekannt genug. Die bessere Plätze halten ja die wirklichen Obstsäste für den Liebhaber der Sodawas-ser-Erfrifchungen, und ihr Ruf mag ihnen höher stehen, als der unmittelbare Profit, den sie dabei machen, und der in solchem Fall oft so gering ist, daß der ganze kohlensaure Ausschank hauptsächlich aus Gefälligkeit für- die sonstigen Kunden betrieben wird (mit gar manchem leisem Fluch über die endlose Schmiererei, welche die Geschichte mit sich bringt). Aber viele Andere stellen jeden gewünschtenSyrup einfach dadurch her, daß sie granulirten Zucker in Wasser auflösen, das Farbe und Geschmack durch eine Fabriksubstanz erhalten hat, und sie verschmähen es sogar nicht, Seifenrinde beizusetzen, um einen recht schönen Schaum zu erzeugen. Besonders schadlich für den Magen und die Verdauungsorgane sind die künstlichen Extracte, welche zum Nachahmen von Erdbeer- Himbeer- und sonstigen Obstsäften benützt werden. Auch hier werden d berüchtigten KohlentheerFarben in sehr ausgedehntem. Maße verwendet. Auch manchen der billigen Sauergetränke, wie Wilder Kirschen-Phos-phat" ist wenigstens schon auf der Etikette der Vermerk künstlich" beigefügt, und eö wäre zu wünschen, daß dies bezüglich aller derartigen Stoffe erzwungen würde. Wie schon erwähnt, sind auch die Etiketten oft unehrlich, und manche der frechsten Humbugger fügen mit Vorliebe eine genaue" Angabe der chemischen Zusammensetzung ihres flüssigen Schundes bei. So wurde
bis zu 90 Procent Fälschungsstosfe. Viele er letzteren werden selber nur in verfälschter Form verwendet. Das hängt Alles davon ab. wie sich die Sache am billigsten stellt. Die Lebensmittel - Falschungsindustrie hat wieder große Errungenschaften seit den Tagen erzielt, als eine, damal vielgelesene Wochenzeitschrift sich unter dem Titel Fälschers Tagewerk" folgendes Gedichtchen leistete, dessen Schluß besonders gut auf die ScheinHeiligkeit des amerikanischen Grabschers paßt: ' ' Wenn früh'n die blauen Wölkchen . zieh'n. Färb' ch die Weine mit Fuchsin. . Lacht Mittags hell der Sonnenschein, Thu' Schwerspath ich in's Mehl hin- ' ein. Wenn's Abendroth den Berg erklimmt, Schüttl' Ziegelstaub ich in den Zimmt. So leb' ich jeder Sorge fern Und preise brünstig Gott den Herrn." Aber die Vielseitigkeit, die Arbeitstheilung und damit der Großbetrieb kommen auch iner NahrungsmittelHumbugwelt immer mehr zur Geltung, und währerd manche der Pantscher vor dem Strafgesetz die Flucht ergreifen müssen, werden andere durch dasselbe nur raffinirter. Man darf schon sehr zufrieden sein; wenn wenigstens die Vergiftung des Publikus mit solchen Fabricaten verhütet wird, und selbst dieses Ziel ist n o ch lange nicht vollständig erreicht. Die Bewegung für reine Nahrungsmittel ist nicht vergeblich, hat aber noch eine Herculesarbeit vor sich!
kurzlich eine Probe untersucht, auf welker zu lesen stand: Citronen Extract. Alcohol 535. Aqua'450. Citronenol 15." (Von 1000 Bestandtheilen nämlich.) Indeß stellte es sich heraus, daß das . Zeug viel mehr Wasser (Aqua) enthielt, als angegeben, viel weniger Alcohol und gar kein Citronenol! Ein verlockendes Gebiet für die Nahrungs - Schwindelhuber bilden auch die Gewürze. Englisches Gewürz oder Allspice" z. V. ist mitunter zu 85 Procent verfälscht, hauptsächlich mit Nußschalen und Weizenabfällen.- Cayennepfeffcr 'wird mit Welschkorn, Weizen, Ingwer und rother A n i -lin färbe gefälscht, Nelken mit Weizen, Sägemehl, Holzkohle und Fabrikkehricht! 'Mancher' Senf enthält Ueverdaötnteressante Phänomen eines in den ostasiatischen Gewässern beobachteten Seebebens berichtet, der Kapitän des Dampfers Brisgavia" der Hamburg-Amerika-Linie folgendermaßen: Am 6. Juni 9i Uhr Vormittags der Dampfer befand sich an der Ostküste Japans auf 34.53 Grad , nördlicher Breite und 139,21 Grad ostlicher Länge verspürten wir plötzlich eine ungefähr zwei Sekunden lang anhaltende Erschütterung im Schiff. Es wurden -sofort die Pumpen gepeilt, jedoch wurde alles leer gefunden. Wir waren mitten im FahrWasser; da uns sowohl an Backbord wie an Steuerbord Schiffe passirten. In ca. vier Seemeilen Abstand hatten wir die Vries-Jsle, aus der sich ein thätiger Vulkan befindet. Meine Annähme, daß die beobachtete Erschütterung des Schiffes auf ein Seebeben, wie, sie in diesen Gegenden zuweilen vorkommen, zurückzuführen sei, wurde später an Land vielfach getheilt und durch früher gemachte ähnliche Beobachtunaen bestätigt. 'Der Schatten. Also, Ihr Herr Onkel war krank, meine Gnädige? Da ist er' wohl jetzt, auch nicht mehr so corpulent wie früher?" Ach Gott, der arme alte Herr ist nur noch ein Schatten; kaum drei Centner wiegt er jetzt." Sein Ideal. Fritzchen: Wenn ich mal so groß bin, wie Bruder Karl, schaff' ich mir auch so große Kragen an." Mutter: Warum?" Fritzchen: Da braucb ich mir doch nicht mehr den Hals zu waschend Poe ne und Prosa. (Aus dem Bahnhöfe nehmen zwei Freunde von einander rührenden Abschied.) B. (dem scheidenden Freund nochmals die Hand reichend, schluchzt): Und, wenn dann endlich alles schwindet, so bleibt doch die Erinnerung!" A. (ebenfalls tief ergriffen): Ach, dann erinnerst Du Dich vielleicht auch einmal, daß ich Dir vor zwei Jahren fünfzig Mark geliehen habe!"
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Die drohende Hungersnoth in . . Rußland. . Für das arme Zarenreich gilt mehr denn je der verhängnißvolle Erfahrungssatz.' daß ein Unglück fetten allein iommt. Die furchtbaren Niederlagen im fernen Osten würden allein schon genügen, das Land . in seiner gewiß aicht übermäßig vorgeschrittenen wirthschaftlichen Entwickelung um mehrer: Jahrzehnte zurückzuwerfen. Die endlosen inneren Wirren, verbunden mit der schon sprichwörtlich gewordenen Unentschlossenheit der . regierenden Kreise, schlagen dem schwer leidenden Volke so tiefe Wunden, daß gar nicht abzusehen ist, wie es sich jemals davon soll wieder aufrichten können. Und nun gesellt sich zu all diesem Unglück noch die Gefahr der Hungersnoth, da auch die Natur mit den Feinden Rußlands im Bunde zu sein scheint. Ueber die voraussichtliche Größe dieser Heimsuchung werden folgende Einzelheiten gemeldet: Die diesjährige Ernte ftvird über Rußland neues Elknd bringen. Nicht weniger als 26 Gouvernements sind von der Mißernte betroffen. deren Folgen bereits jetzt sichtbar werden. Das Gespenst des Hungers zieht allmählich wieder über das Land herauf. Das furchtbare Hungersjahr 1891 dürfte sich mit allen feinen Schrecken wiederholen, ja diesmal noch größere. Dimensionen annehmen. . da der Krieg, der alle flüssigen Staatsgelder verschlang, auch das Land von jungen Arbeitskräften ganz entblößte. Besonders furchtbar ist durch die Mißernte , die, sogenannte Kornkammer Rußlands, die Gouvernements, Rjäsan und Tula betroffen, wo eine vollständige Hungersnoth erwartet wird. Auch das Gouvernement Odessa ruft bereits die öffentliche Hülfe an, indem zu Geldsammlungen aufgefordert wird. Schwierig dürfte sich auch die Lage in den Gouvernements Wjatka. Samara. Saratow. Tambow, Pensa. Woronesch, Orlow, Kaluga, Kasan. Rischni Rowgorod und im ganzen Dongebiet gestalten, wo die Ernte weit unter mittelmößig ausfällt. Ganz unbefriedigend ist sie in den Gouvernements Taurien, Tschernigow und Simbirsk. Im Jahre 1891 hatte die Hungersnoth nur" 20 Gouvernements ergriffen. Die Regierung rüstet sich bereits, dazu einen großen Theil der flüssigen Summen der zur Verwaltung . der Landwirthschaft gehörenden Ressorts für öffentliche Arbeiten auszugeben, zur Bodenentwässerung, Erdeinigung u. s. w., um der hungernden Landbevölkerung Verdienst zu verschaffen:' . Ein hoher Beamter dieses Ressorts. .Herr Nikolajew, ist bereits nach den :ti?n der Mißernte betroffenen Gouvernements abkommandirt, um mit den 'Landschafts - Vorstehern Berathungen zu pflegen. - Ebenso sollen den Bauern Vorschüsse zu den allergünstigsien Bedingungen gewährt werden. Ob sich die Regierung diesmal anders ' als im Jahre 1891 auf der Höhe der ihrer auf diesem Gebiete wartenden Aufgabe befindet, wird stark bezweifelt. Das Geld, worauf hier zunächst Alles ankommt, dürfte bald knapp werden, und die Privathülfe allein kann nur wenig ausrichten. Im Jahre 1891 arbeitete auch das Rothe Kreuz mit großem Erfolge in den vom Hunger heimgesuchten Gouvernements heute hat es alle seine Kräfte und Mittel auf den Kriegsschauplatz erschöpft. Ueber die Vorgänge in Bialystok schreibt der Riiss. Korr." 'ein Augenzeuge folgende Einzelheiten: Der 12. August war einer der schrecklichsten Tage in Bialystok. Nachmittags um 3 Uhr hatte sich auf einer Straße eine Arbeitermenge angesammelt. um zu demonstriren. Kaum hatte ein Redner begonnen, als Patrouillen herbeistürzten und die Polizei in Kenntniß gesetzt wurde. Beim Herannahen der Polizei stob die Menge auseinander. Als aber ein Soldat vor ihren Augen einen sehr angesehenen Arbeitervertreter niedergestreckt - hatte, sammelte sich der Volkshaufe von neuem und begann, die Patrouillen mit Steinen zu. bewerfen. Es wurde auch eine Bombe geworfen, die indes keinen Schaden verursachte. Die Kosaken sprengten herbei und es begann eine regelrechte Schlächterei, die bis spät in die Nacht hinein fortdauerte. - Die Einwohner behaupten, daß das Militär von oben den Befehl erhalten hätte, nach Gutdünken zu verfahren. Jedenfalls hat es von diesem Rechte den weitgehendsten Gebrauch gemacht. Die Soldaten trieben eine förmliche Jagd und schössen mit Absicht auf unbewaffnete Passanten, auf Frauen und Kinder. Die Straßen Lapischanskaja und Suraschskaja sind mit Blut besudelt. Durch die geöffneten Fenster wurde in die Häuser hineingeschossen. In einem Hause wurde ein - völlig unschuldiger Greis, ein Jude, beim Beten getödtet. Es gab, wie man sagt, gegen 80 Todte und 200 Verwundete. Die meiste sind Juden, aber auch nicht wenige christliche Arbeiter sind darunter. Die meisten Todten und Verwundeten haben an der Manifestation nicht theilgenommen. Dem irdischen Richter entzogen hat sich der Kindermörder Schu mann, der, wie wir meldeten, in Tep-litz-Schönau in , Böhmen seine beiden Kinder im Alter von vier und zwei Jahren aus Verzweiflung in einem Teich ertränkte. . Der Mörder, der steckbrieflich verfolgt wurde, ist' bei Teplitz-Schönau an einem Baume erhängt aufgefunden worden.
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