Indiana Tribüne, Volume 29, Number 24, Indianapolis, Marion County, 20 September 1905 — Page 6

Jndiana Tribüne, 20, Septeulber 19C5

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Europäische Nachrichten.

Provinz Schreswig'Ldolstein. Altona. Der Privatier Voß wurde in der Marienstrake von einem Unbekannten durch Messerstiche schwer verletzt. Der Thäter ist entkommen. Vermuthlich handelt es sich um einen Racheakt. Veidenfleth. In tiefe Trauer wurde hier die allgemein geachtete Arbeiterfamilie b. Aspern versetzt. Ihre erwachsene Tochter, die mehrere Jahre unter guter Fuhrung bet dem Hosbesitzer Peter Heesche in Groß-Kampen in Dienst stand, war seit einiger Zeit spurlos verschwunden. Dieselbe ist jetzt von Fischern in der Stör als Leiche aufgefunden worden. E r f d e. Durch Blitzschlag zerstört wurde das Wohi-haus des Landmannes und Bäckers Heinrich Frahm. An Mobiliar wurde so gut wie nichts gerettet. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Flensburg. Der Zimmerpolier Ekeberg stürzte von dem Neubau des Maurermeisters Ohlsen am Burgfried ab und starb nach kurzer Zeit. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und vier Kinder. Kiel. Hier äscherte ein Feuer zwei Scheunen der Wittwe JvensDietrichsdorf gegenüber der Liegestelle der Hohenzollern" ein. Der Kaiser ließ die Feuerwehr der Hobenzollern", Offiziere .und Mannschaften der Kriegsschiffe Schwaben" und Stein zur Hllfeleistung landen. Nord st ran d. Die Eheleute Peter Koch auf dem Norden feierten das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Die beiden Alten stehen im 76. bezw. 73. Lebensjahre und erfreuen sich guter Gesundheit. Neuenkirchen. Letztens ereignete sich hier das Unglück, dan der 11jahrigeSohn des Käthners Ernst Mit! zu Uhrendorfer Weg beimBaden in der Stor ertrank. Die Leiche wurde mit Hilfe deZ Fährmanns Borchert alsbald gefunden. Dieser Unglucksfall ist um so betrübender, als Witt vor drei Iahren auf dieselbe Welse einen Sohn verlor. Reh er. Durch Blitzschlag gerieth das Wohnhaus des LandmannesKlaus Ions in Brand. Da das Haus mit Stroh gedeckt ist, stand das Gebäude sehr rasch in Flammen. Das junge Mädchen Holst, welches in Rendsburg beheimathet ist, wollte durch die Thur ins Freie, als gerade das Dach niederstürzte. Sie fiel zurück ins Haus und kam m den Flammen um Frau Ions und ihr Jahr altes Kind erlitten schwere Brandwunden. - R e i s o Y. Durch eine verheerende Feuersbrunst wurden die sämmtlichen Wirthschaftsgebäude des Hofbesitzers Christian Dethleffen ein Raub der Flammen. Das Feuer brach in einer angrenzenden Scheune aus und wurde von einem Knecht, welcher gerade nach Hause kam, bemerkt. Da ein ziemlicher Sturm wüthete, waren sämmtliche Gebäude in kurzer Zelt bis auf den Grund eingeäschert. Segeberg. Rechnungsrath Gabriel feierte hier sein LojährigesAmtsiubiläum als Kreissekretär. Es wurden ihm im Verlaufe seines Ehrentaaes mancherlei Aufmerksamkeiten zu Theil. Später vereinigten sichFreunde des Jubilars im Hotel Germania" zu einem Festessen, das einen schönen Verlauf nahm. T ö n n i n g. Dem Oberlootsen Th. Petersen, der kürzlich in den Ruhestand trat, ist der Kronenorden 4. Klasse verliehen worden. Frovinz Schkesien. V r e s l a u. Auf der Hohenzollernstraße wurde der Arbeiter Haschke von der Theresenstraße 19 unter seinem mit Coke beladenen Wagen todt aufgefunden. Der Mann ist anscheinend während der Fahrt aus du Schcßkelle des Wagens gestürzt, worauf ihm durch ein Rad der Kopf eingequetscht und das Hirn blosgelegt wurde.. Als der Bauarbeiter Karl Wiesner von der Berliner Chaussee 159 in einem Schachtloch bei Gandau badete, fand er seinen Tod durch Ertrinken. Altwasser. An der Stubenthür erhängte sich der Concipient und Versicherungsagent Georg Friebe, während seine Frau einige Einkäufe besorgte. Kürzlich war er aus Gräfenberg zurückgekehrt, wo er eines Nervenleidens wegen sich längere Zeit aufgehalten hatte. Da er sein Leiden für unheilbar hielt, ging er freiwillig in den Tod. V r i e g. Auf dem hiesigen Güterbahnhof gerieth bei der Anlage eines seSs Meter tiefen Kanalisationsgrabens an einer Seite desselben der Schliefsand in Bewegung. Obgleich die Wäntie des Grabens vorschristsmäßig abgestützt waren, wurden dieselben an einer Stelle doch eingedrückt und dabei der Arbeiter Nowak verschüttet. H i r s ch b e r g. Kürzlich feierte der Letter 'der hiesigen Zweigmederlassung der Kohenfirma C. Kulmiz in Saarau, Inspektor Kellner, sein 50jährigcs Dienstjubiläum. In der Stadtverordnetenversammlung war er lange Jahre erster Schriftführer. N e u s a l z. Die von ihrem Ehe mann geschiedene Frau Gehle hat aus Furcht vor ihr drohender Strafe wegen Mevstahls ihren beiden Krndern, et nem Knaben von neun und einem

Mädchen von fünf Jahren, die Kehle

durchschnitten, woraus sie sich irrn et nem Personenzuge überfahren ließ. Alle drei sind todt. Primkenau. Nach kurzem Krankenlager verschied einer der ältesten, in weiten Kreisen bekannte und geschätzte Mitbürger, der langjährige Stadtverordnete und ehemalige Schützenmajor' Eisermann im Alter von 83 Jahren. Sprottau. Aus unbekannten Gründen hat sich der Kammunteroffizier beim hiesigen Bezirkscommando, Wiesner, mit seinem Dienflgewehr erschössen. Weiß Wasser. Einige junge Burschen unternahmen auf dem Braunsteich eine Kahnpartie. Aus Uebermuth wurde geschaukelt, so daß der Kahn umkippte und alle Insassen ins Wasser fielen. Der 20jährigeGlasmachergehilfe Ast ertrank, die übrigen wurden gerettet. Provinz Fofen. Bromberg. Letztens erhängte sich in seiner Zelle im Kreisgefängniß der Ziegeleiarbeiter Gradowski aus Prinzenthal. Er konnte die wegen Schulversäumniß seiner Kinder gegen ihn festgesetzte Geldstrafe nicht zahlen und sollte dies nun durch Gefängniß abbüßen. G ü l d e n a u. Dem Amtsruth von Sänger ist aus Anlaß der Wiederkehr des Tages, an welchem die hiesige Domäne hundert Jahre im Pachtbesitz der Familie von Sänger ist, der Rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. Hohensalza. Aus Anlaß des 60jährigen Bestehens des hiesigen Gymnasium fand in dem großenSaale des Stadtparkes eine Feier statt, welche von den Schüfen; und ihren Angehörigen, vielen elcmaligen Schülern und Lehrern der Anstalt, den BeHorden und der Bürgerschaft besucht war. Unter Leitung des Oberlehrers Becker trua ein Doppelquartett mehrere Musikstücke vor, woran sich Klavier-, Geigen- und Flotensoli anschlössen. Hierauf wurde Wallensteins Lager aufgeführt. L o n k t a. Hier wurden 5 Wirthschaften ein Raub der Flammen. Kinder hatten auf einem Baume ein Spatzennest angezündet; dieses fiel auf das Strohdach eines am Baume stehenden Hauses, das sofort in Flammen aufging. Das Feuer breitete sich von hier weiter aus. Viele Schweine sind verbrannt. Da fast nichts versichert war, ist der Schaden sehr groß. M o g i l n o. Durch eigene Schuld ums Leben gekommen ist die 21jährige Tochter des Grundbesitzers Heller aus Czeganitz. Sie benutzte beim Feueranzünden Petroleum; das Gefäß ezplodirte, ihre Kleider wurden vom Feuer erfaßt, und im Nu war das Mädchen schrecklich mit Brandwunden bedeckt. Im hiesigen Krankenhause ist die'.Unglückliche gestorben. ,' R a w i t s ch. Der Seminarist Felix Wild von hier, Sohn des Schneidermeisters Wilde aus Ziegenhals in Schlesien, hat sich erschossen. In dem Lanskower Walde fanden ihn Frauen von hier, die Holz sammelten, leblos am Boden. Aus einem kleinen Taschenrevolver hatte er sich mehrere Schüsse m Kopf und Brust beigebracht. Auf einem bei ihm vorgcfund:nen'Zettel nimmt der Lebensmüde in herzlichen Worten Abschied von seinen Eltern und seinen Geschwistern. . . S a m t e r. Wahrscheinlich infolge zu hohen Kohlensäuredrucks explodirte auf dem Schützenplatz eine im Freien aufgestellte Tonne Bier mit solcher Kraft, daß das Faß auf das Dach des Schützenhauses flog. Hierbei wurde der Ausschänker Schuhmachermeister Ferfert von dem Boden des Fasses so unglücklich getroffen, daß er einen doppelten Kinnbruch und andere schwere Verletzungen erlitt. Provinz Sachsen. rossen. Die Dienstmagd Riedel ist vom Blitz erschlagen worden. Eilen bürg. Das sechsjährige Töchterchen des Bäckermeisters Georg Lemm jr. fiel bei den Badehäusern dcr Liebs'schen Badeanstalt in den Mühlgraben und ertrank. Nach kurzer Zeit wurde es von einem Arbeiter bei der Mitzscherlich'schen Fabrik aufgefunden. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Erfurt. Vor einiger Zeit stürzte der 30jährige'Kaufmann Franz Heinrich von hier auf einer steilen Stelle der Arnstädter-Chaussee vom Rade und zog sich einen schweren Schädelbruch zu, dem er im hiesigen katholischen Krankenhaus erlegen ist. Groß - Ottersleben. Bei einem heftigen Gewitter, das sich über unserem Ort entlud, traf der Blitz das Gebäude der Wittwe Schlüter und zündete. . Ein Schuppen, in dem sich Kohlen und Maschinen befanden, und ein Theil des Wohnhauses wurden eingeäschert. H e l b r ä. Der beim hiesigen Malermeister Rödiger beschäftigte Lojährige Malergchilfe Hennemann kam beim Streichen der Masten der elektrischen Kleinbahn in Leimbach der Stromleitung zu nahe, wurde durch den Strom herabgeworfen und fiel so unglücklich auf einen Stein, daß er einen Schädelbruch davontrug. Er war sofort todt. Herzbera. Das einjährZaeSöhnchen des Stationsvorstehers Michel siel von einer Rampe herab und wurde durch ein. nachrutschendes Bierfaß ge-tödtet.

Das vergessene Ich.

Eine sommerfrischliche Humoreske von Emil Verdau. - Vergeßlichkeit und Zerstreutheit sind zu allen Zeiten zwei ursprüngliche Symptome echter Verliebtheit gewesen, und zwar sowohl in den Zitter"-Wo-chen kurz vor der Trauung, wie in den Flitterwochen kurz nachher. In diesem symptomischen Zustande befand sich auch die junge Ehe des Zahntechnikers Geisbart mit seiner hübschen, sentimental angehauchten Gattin Flora. Beide waren erst seit zwei Wochen glücklich verheirathet; und beiden spielte nun die verliebte Vergeßlichkeit und die vergeßliche Verliebtheit folgenden ergötzlichen Streich. Es war an einem Sommertage. Da hatte . Geisbart sein Weibchen aus der tropischen Hitze der Großstadt an den mittels Sekondärbahn in kurzer Zeit bequem zu erreichenden Mee resstrand vorausgeschickt. Er selbst wollte ihr Nachmittags nach Schluß der Sprechstunde dorthin folgen, um mit ihr wenigstens für einige Stunden kühle Meeresluft zu athmen, da ihm zur längeren Badekur" die Heit und' damit vorläufig auch das nöthige Geld fehlten. Der Nachmittag kam heran. Die Sonne sank tieser und tiefer. Und lustwandelnd spazierte Frau Flora auf der Strandpromenade in. Gesellschaft ihrer lebenslustige.: Schulfreundin Ella, der noch ledigen Tochter des Baumeisters Franzberg, dahin, welcher sich bereits seit einem Monat mit seiner Familie am Meere befand. , Wann muß denn der geliebte Ehe mann eintreffen?" fragte Ella Franzberg lächelnd, Du bist ja ganz Sehnsucht und Erwartung!" Die Sprechstunden 'dauern bis sechs!" erwiderte die junge Frau und seufzte. Bis sechs!" lachte Ella. O Du Aermste! Und jetzt ist's erst zehn Minuten bis fünf! Zehn Minuten bis fünf? Deine Uhr geht nicht richtig, Ella! Aber hm Du hast recht. Auch meine zeigt soviel. Also noch mehr als siebzig Minuten " In diesem Moment erschien ein Telegraphenbote auf der Promenade. Depesche für Frau Geisbart!" Hastig griff die junge Frau nach der Depesche, riß sie auf und las: Komme 5 Uhr! Alfred!" Flora' erbleichte, und ein Zittern überlief ihren Körper. Ella sah sie erstaunt an. Was lsi Dir? Du bist ja einer Ohnmacht nahe, Flora!" Statt der Antwort übergab die junge Frau ihr das Telegramm: Nun ja!" lachte Ella, Alfred kommt eine Stunde früher! Freue Dich doch. Du namenlos Glückliche, Du! Die Sehnsucht läßt ihm ja keine Ruhe." Mein Gott! Ich soll mich freuen? Was redst Du da. Ella! Vor sechs Uhr kann Alfred doch nie fort! Es ist etwas vorgefallen! Aber was? Ella lachte lauter. Das will ich Dir sagen! Der junge, . liebeseifrige Ehemann hat, von Sehnsucht getrie ben, seine Sprechstunden um sechzig Minuten verkürzt! Das ist, der ganze Vorfall! Flora schüttelte den Kpf und seufzte. Aber was soll denn sonst vorgefal len sein?" fragte Ella verwundert. Weiß ich das?" jammerte die Seängstigte. Entschieden nickts Erfreu liche,! Ein Unglück! Ein böser Zufall! DaUit riß sie sich los und wollte fort. Wohin? Wohin? Flora!" rief Ella ihr nach und' wollte sie zurückhalten. Laß. mich, ich bitte Dich!" gab die junge Frau hastig zurück, eilte die Stufen empor und verschwand in der Richtung nach ihrem Hotel. Er ist krank! Er will mich sehen! O Gott! O Gott! Was mag ihm nur zugestoßen sein?" Mit diesen Befürchtungen eilte sie nach dem Bahnhof. Ich komme, Freddie, ich komme ja schon!" Damit dampfte sie nach der Stadt zurück. Eine Stunde später trat Zahntech niker Geisbart in den Kursaal. Ah guten Abend, Herr Franzberg! Gut, daß ich Sie treffe!" Guten Abend, Herr Geisbart! Wo haben Sie Ihre Frau Gemahlin? Deshalb komme ich ja eben hierher, Verehrtester! Ich kann meine Frau nicht finden! Man sagte mir im Hotel, sie sei nach der Stadt zurück. Aber das kann ich doch nicht Ihre Frau Gemahlin. Herr Geisbort." rief Ella vom Tische her, ist mit dem Funfuhrzuge heimgefahren.' Der Zahntechniker machte ein Ge sicht, als hätte er sich selbst einen Zahn ausgezogen. Flora nach der Stadt?" keuchte er verblüfft, ja. warum denn? - Sie befürchtete so etwas wie ein großes Unglück " Großes Unglück?" Das Ihnen zugestoßen sein sollte. Aber ich bitte Sie um alles in der Welt gnädiges Fräulein! Da war doch rein gar nichts zu fürchten!" rief der Verblüffte verzweifelnd und treck nete sich den Angstschweiß. Ja, ja, Freundchen!" lachte der Baumeister, so geht es, wenn man die Zeit Nicht mehr erwarten kann und sem Geschäft verliebter Sehnsucht hal ber liegen läßt! Das ist die Strafe! Aber nun setzen Sie sich nur ruhig her und vergessen Sie, was nicht zu an dem ist!"

. ' s bart setzte sich und leerte eine Flasche Selters." Aber seine Gedanken weilten ferne vom Kursaal cei der jungen Gattin in der Stadt. Ach. Flora. Du Sllke! Wie Du mü s?psstl fcnt rttaw vm glücklich bin ich, solch ein Weibchen zu baben'Und nun mun man so aetrennt voneinander sitzen, ich, das Wasser im Magen und sie gewiß in den Augen! rr i r-1 v. fi."i. i Cf.r. Vinc luiiue jfuict uui cui .cic raphenbote in den Kursaal. Zwei Sekunden später las Geisbart das Telegramm: Komme mit dem Abendzuge! Flo ra!" Fast hatte er laut aufgejubelt, so sehr freute er sich über diese wenigen Worte. Sprach doch die offenbarste Sehnsucht aus ihnen, und der Telegraphendraht mußte ordentlich heiß davon geworden sein. Ja. :a, mein allersußestes Puttchen! Ich versiehe Dich von Herzen, Du bist so allein, und es wird so finster. und da bangst Du Dich nach Deinem Freddie! Ja, mein Lieb, ich werde kommen! Ach. ich bin ja schon bei Dir!" Drei lange, bange Ewkgkeitsstunden saß. ging und stand er noch auf glühenden Kohlen". Dann wurde es ihm zu heiß". Er ließ Gesellschaft. Concert, Feuerwerk, alles im Stich und dampfte mit dem Abendzuge heim heim zu Ihr! die ihn gewiß schon mit Herzklopfen und Seufzern erwartete! Aber Florchen. li'ebeS!" lachte Ella. als sie der jungen Frau Geisbart auf dem Corso unter den Klängen des Concerts plötzlich begegnete. Was willst Du hier?" Du fragst, was ich hier will? Ich suche Freddie!" antwortete die Aermsie. Ich komme direkt vom Bahnhof hierher! Freddie war weder auf dem Perron noch im Hotel! Er muß also hier sein! Hast Du ihn. nicht gesehen?" O ja, ich habe ihn gesehen! Du hast? O Ella, Liebste, wo ist er? Spielt er Verstecken mit mir?" Ich habe ihn gesehen, als er, vor einer halben Stunde ungefähr, nach der Stadt fuhr!" . Die zunge Frau wäre vor Schreck umgefallen, hätte Ella sie nicht zu einer Bank gefuhrt.' Aber mein Gott! Mein Gott! Ella, wie ist das nur möglich?" - Das junge Ding lachte. Bei Verliebtheit ist alles möglich!" Aber hat er denn meine Depesche Nicht?" - Er hat sie. Florchen! Er hat sie rechtzeitig erhalten, um in Deine, ihm sehnsüchtig entgegengebreiteten Aermchen zurückzueilen! Hast Du ihn nicht mehr erwarten können? Ist Freddie denn so zuckersüß?" Aber ich bitte Dich. Ella, so war ja die Depesche nicht gemeint! JZs wollte doch mit dem Abendzuge komwen! Ich! Ich! Und nun ist er abgereist! O diese unglücklichen VerWechslungen!" Was half aller Jammer und alles Klagen? Flora fügte, sich ins Unvermeidliche und genoß den Abend, den ersten, getrennt von ihrem Gatten in Gesellschaft ihrer' Schulfreundin und deren Familie. Ihre Gedanken freilich weil ten immer wieder bei Freddie, den sie im lautesten Jubel und Trubel schmerzlich vermißte. Der Morgen graute kaum, und schon verließ der junge Strohwittwer wider Willen sein einsames Lager. Jetzt hole ich sie aber mit dem ersien Morgenzuge ab, ohne zu telegraphiren!".nahm er sich fest vor. Die Sprechstunden fangen ohnehin erst um 10 Uhr an. Habe also noch wenigstens ein Stündchen Zeit, Arm in Arm mit ihr die erfrischende Seeluft zu genießen. Und kann doch pünktlich wieder im Atelier sein." Gedacht gethan. Toilette machen, Mokka schlürfen, sich dabei die Zunge verbrühen, über Hals und Kopf zum Bahnhof eilen, alles war das Werk weniger Augenblicke nur". . Unterwegs aber wurde Geisbart in seinem Entschlüsse schon wieder mankend. Hm, hm," meditirte er, wenn sie nun aber denselben Plan gefaßt wie ich? Ei, was dann? Dann sitzt sie wie der hier und ich dort. Donnerwetter! Das geht nicht! Hm. 'Und ich irre mich nicht, paß' auf. Der Frühzug vom Strande geht ja volle zehn Minuten früher ab als der Stadtzug dort hin. Gott du Gerechter! Telegraphiren muß ich, telegraphiren! Sofort!" Und um halb sieben schon erhielt Frau Flora Geisbart folgende Depesche: Komme mit dem ersten Morgen zuge! Freddie." Und Punkt sieben Uhr dampfte der Absender, seinem Avis gemäß, dem Strande zu. Na, da soll doch gleich ein siedendes Donnerwetter dreinschlagen!" fluchte der .abermals Getäuschte, als er am Strande erfuhr, daß feine junge Frau schon wieder nach der Stadt gereist war. Diesmal aber ohne Telegramm. Sagen Sie bloß. Herr Franzbrg. was mag das nur für ein Teufel sein, der so ein verfluchtes Gaukelspiel mit uns treibt?" Ein schallendes Gelächter des Bau-

Was blieb ihm anders ubria? Geis

mtiitx$, der eben seinem Morgenbade entstiegen war, antwortete ihm und schreckte den Unglücklichen ordentlich auf. Wissen Sie, wo der eigentliche Teufel steckt, der Ihnen diese Pastete gebacken hat? Ich habe ihn nämlich schon gestern Abend entdeckt." . Ach. Sie wollen scherzen, Herr Franzberg." Durchaus nicht, Verehrtester! Der Teufel steckt in Ihnen beiden. Ein jeder von Ihnen beiden hat aus supcrlativer Verliebtheit sein eigenes Ich ganz und goi zu Gunsten des anderen vergessen! Das ist jaallerdings außer ordentlich lobenswcrth und schmeichelhaft für ein junges Ehepaar, aber so'n stupider Morseapparat macht sich nichts daraus. Bitte, schätzen Sie also jetzt endlich einmal Ihr eigenes Ich so hoch ein, daß Sie es wenigstens mit auf die Depesche setzen. Telegraphiren Sie demgemäß, und Sie werden Ihre heißgeliebte und nicht minder heißliebende junge Gattin wiedersehen. Thun Sie das nicht, so bleiben Sie getrennt auf ewig!" Geisbart starrte den Baumeister sprachlos an. Dann ging ihm plötzlich ein zwanzigpfündiges Wachslicht auf, er schlug sich mit der Faust vor den Kopf und lachte. Bei Gott! Sie haben recht! Sie ha ben recht!" Und dann nahm er seine Beine kreuzweise unter'n Arm. eilte zum

Telegraphenbureau und depeschirte oringeno : Ich komme mit dem nächsten Zuge! Freddie." Und genau 23 Minuten nach zebn Uhr lagen sich beide Gatten lachend Und küssend in den Armen. - -- m m Provinz Kannover. Hannover. Letztens wurde die Leiche des verstorbenen Studenten der hiesiacn technischen Hochschule, HarraldNorgaard aus Christian!, aus unhekannten Gründen beschlagnahmt. Norgaard soll sich bei der Mensur durch einen verrosteten Schläger eine Blutvergiftung zugezogen haben, der er erlegen ist. Vor Kurzem begingen die Eheleute Christian Meyer und Frau. Roscherstraße No. 7, das Fest der diamantenen Hochzeit. Die Eheleute stehen im Alter von 86 Jahren. Basse. Landwirth Bergmann, der vor einiger Zeit in den Seegelkenschen Hof einheirathete, wurde vermißt, nachdem er noch fröhlich am Schützenfest hier theilgenommen hatte. Letztens wurde seine Leiche unweit Averheu bei der Fähre aus der Leine gezogen. Familienverhältnisse, die wohl seinen Erwartungen nicht entsprachen, sollen ihn in den Tod getrieben haben. Dohren. Vor Kurzem feierten die Eheleute Portier a. D. F. Reinhold und Frau das Fest der Diamanten - Hochzeit. Groß -Gusborn. Hofbesitzer Wilhelm Struck wurde durch einen bösartigen Stier so arg zugerichtet, daß nach kurzer Zeit der Tod eintrat. Struck wollte aus Gefälligkeit in AbWesenheit seines Nachbarn, des StierHalters, das Thier aus dem Stalle holen. Hameln. Ein eigenartiger Unglücksfall mit todtlichem Ausgange ereignete sich hier am Bachberge, wo Arbeiter der Firma Huhnstock Nachf. mit dem Verladen kleinerer Hölzer beschäftigt waren. Ein solches Holz entglitt beim Heben auf den Wagen der Arbeiter Naßmann und. fiel demselben auf den Kopf. Raßmann war erst betäubt, verstarb aber bald darauf. Lüneburg. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte nach mehrtägiger Verhandlung den Arbeiter Hermann Voß aus Obermarschacht a. d. Elbe, der längere Zeit hindurch die ganze Elbkante durch Brandstiftungen beunruhigt hatte, zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Drei der Brände hatte der Angeklagte eingestanden, ehe das Urtheil verkündet wurde. Peine. Der Walzer Marwede hier hatte das Unglück, daß ihm ein aus der Schnellstraße in's Walzwerk kommender glühender eiserner Stab, durch den Oberschenkel drang. Der Schwerverletzte, dem die Schlagader zerrissen ist, wurde in die Privatklinik von Dr. Bock geschafft. Westgroßefehn. Vor Kurzem brannte hier die Dammholz'sche Sägemühle nieder. Das Feuer sprang, weil starker Wind herrschte, auf die Nachbarhäuser über und äscherte sie auch ein. Die Hitze, die von dem umfangreichen Brande ausströmte, war so groß, daß drei kleine Schiffe, die unweit der Mühle lagen, in Brand geriethen. AuS Furcht vor vä terlicher Strafe für fünftägiges Fernbleiben aus dcr Schule hat in Berlin ein 13jähriger Gemeindeschüler Gift zu sich genommen. Hausbewohner fanden ihn auf einem Abort röchelnd und mit dem Tode ringend vor. Neben ihm land eine Flasche mit Resten von Lydl. Ein zufällig hinzugekommener 5uhrmann nahm den schwer leidenden Knaben auf seinem Geschäftswagen nach der Unfallstation mit, wo ihm sofort der Magen ausgepumpt wurde. Der Knabe hatte . jedoch eine solche Menge von dem Gift verschluckt, daß er kn hoffnungslosem Zustande nach einem Krankenhaus gebracht werden mußte. Auf. dem Wege dorthin verstarb' der Knabe.