Indiana Tribüne, Volume 29, Number 24, Indianapolis, Marion County, 20 September 1905 — Page 5

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Zu der ZchuMtte. Skizze von Marie öolma (München). Schweres, wildgezacktes Gewölk, das sich zu mächtigen Massen ballt um die Bergspitzen und Firne, silbergraue, feine Nebelschwaden7 die langsam aufsteigen aus den Rissen und ffelsfurchen des Gletschers, der tief hinabsteigt in die Latschenregion, rissiggraue Felsen, das glänzende Weiß der Schneefelder, die versinken in dem schweren, grauen Nebelmeer, das einem tödtenden Mantel gleicht, der alles Leben erstickt,-und droben in schwindelnder Höhe,, in krystallblauem Aether ein Raubvogel,' der mit breitem Flügelschlag hoch über den Bergesspitzen schwebt. Kein Laut. Alles Leben scheint erstorben in dieser Welt des weisen Todes und der Nebel steigt. Ein Heller, . jauchzender Jodelruf, der weithin schallt, sich an den Bergeswänden bricht, die dunklen Konturen einer schmalen, zierlichen Mädchengestalt werden sichtbar, zwei kleine, feste Mädchenfüße gleiten flink und behende über den vereisten Abhang herunter, zierlich trotz der plumpen, genagelten Bergschuhe, und aus dem Nebei taucht ein blühendes, feines Ma'd chengesicht, dunkelglühend vom scharfen Hauch des Windes. Zerzaustes Blondhaar quillt aus derLodenkapuze, junge, lachende Augen spähen angestrengt durch den Nebel. Nun bleibt sie tiefathmend stehen, schnallt den Rucksack fester und versucht umsonst, durch die zähe Wolkenwand zu blicken .... O weh, dachte sie bekümmert, noch immer kein Land in Sicht. Wenn er nun verunglückte da oben er verstand ja vom Bergsport so' viel wie ein Neugeborenes Sie hätte ihn anseilen sollen aber das wollte er natürlich nicht, das erlaubte seine männliche Ueberlegenheit" nicht. Ein weiches Lächeln umfliegt einen Moment ihre Lippen.... Warum hatte sie ihn' hier herauf in die Berge gelockt ihn verleitet, die Tour mitzumachen? . . . Weil ihre Ueberlegenheit erst so und so viel Meter über dem Meeresspiegel begann, weil sie da unten nur ein kleines, unbedeutendes Mädchen war während er ach, Himmel, welche Verantwortung hatte sie der deutschen Wissenschaft gegenüber, wenn er verunglückte! Und bekümmert rief sie durch den Nebel: Herr Doktor!" Fräulein Maria?" klang es aus ziemlicher Nähe. Herr Gott, in welchem Theil der unbewohnten Welt befinden sie sich eigentlich?" Ich glaube in Europa zweitausendeinhundert Meter über dem Meeresspiegel, das ist aber auch so ziemlich das einzig Erhabene meines StandPunkts, genau weiß ich es nicht; denn alles-wankt, gleitet, stürzt um- mich umher." Mit komischer Verzweiflung fuhr er fort: Ich hab' es hier überHaupt satt! Ich möchte nach Hause, ich will in mein schönes, bequemes Studirzimmer mit den bequemen rothen Juchtensesseln dem Schreibtisch und der Bibliothek meinen blitzblanken Instrumenten und dem absolut zuverlässigenFußboden! Statt dessen klettere ich hier sinn- und zwecklos auf unvernünftigen Eisbergen herum, die nach meiner Bekanntschaft so wenig Verlangen haben, wie ich nach der ihrigen, in Gesellschaft einer jungen Dame, deren Ehrfurcht vor mir mit dem Ueberschreiten der Latschenregion vollständig aufgehört hat! O Maria, Tochter Evas immer stürzt ihr doch uns ' thörichte Männer in's Verderben!" Ja, mein Gott, warum kommen Sie denn nicht herunter?" O Kind," sagte er traurig, kleine Wetterheze. weißt du denn, wie gefährlich deine Nähe ist? In der Höhe von dreitausend Meter frugst du mich nach meiner Weltanschauung, über , meine Stellung zur Frauenfrage und' zum Alkohol. In der Höhe von zweitausendachthundert Meter erklärtest du mir, ich besäße das ethische Bewußtsein eines einzelligen Urthierchens, in der Höhe " Weshalb duzen Sie mich, mein Herr?" Das ist. so ziemlich das - einzige Hochalpine, was .mir noch Spaß macht." Bekümmert klang es durch den Nebel: Ich werde Sie nun gar nicht mehr quälen, aber bitte, kommen Sie jetzt herunter!" Ich käme gern zu dir, mein Kind, aber siehst du, so bald ich diesen einigermaßen zuverlässigen Standpunkt verlasse, ist es durchaus unberechenbar, in welchem tieferen Theil der Welt ich ankomme. Vielleicht lande ich auf den Köpfen harmloser Spaziergänger oder einer friedlich weidenden Ochsenheerde, vielleicht in einem nie besuchten Seitenthal, wo meine Gebeine unentdeckt bleichen, oder auf einer vielbesuchten Landstraße, auf der die Automodile rasen, und mein Marterl wird einst eine Sehenswürdigkeit dieser Gegend: 10 Kreuzer inkl. Erklärung: Hier ruht " Mit ein paar flinken Bewegungen war daö Mädchen an seiner Seite. Die genagelten Bergschuhe stemmten sich fest in daö brüchige Eis. Ein paar scharfe Hiebe mit dem Eispickel, dann löste sie das Seil von ihren Schultern, schlang es um die seinigen, und sagte energisch: Jet übernehm' ich die Führung und es gibt keinen Widerspruch: man gehorcht mir wie die Bemannung eines

Schiffes dem Kapitän auf hoher Ser, verstanden? Avanti!" Auf die Schutzhütte?" Wir müssen in einer guten Stunde dort sein; ich mache den Weg bereits zum fünftenmal." Das Ende der. Männerherrlichkeit," sagte er seufzend. Aber sie trostete: Drunten im Thale rächen Sie sich an mir: dann sind Sie wieder der starke Mann und ich das junge, thörichte Mädel." Zwischen den steilen, schützenden Felswänden lag das rothgeschindelte Clubhaus. Hell blinkten die kleinen Fensterscheiben im Abcndsonnenschein, die Flagge des Deutsch - Oesterreich!schen Alpenv'ereins flatterte im Winde. Ein köstlicher Duft von Bergwäldern, frischen, jungen Matten. Tief unten im Thal lagen die winzigen Behausungen der Menschen rings Abendfrieden. Maria Förster nahm den Schlüssel aus seinem, allen Sektionsmitgliedern wohlbekannten Versteck. Sie schloß auf eine warme, dunstige Luft schlug ihnen entgegen. Er sah sich um, eine breite, niedrige Stube mit Hölzerna Bohlen getäfelt, in der einen Ecke d?r mächtige - Holztisch mit breiten Banken, roh geschnitzt, im HerrgottsWinkel ein Kruzifix aus Buchsbaum, mit Alpenrosen und Edelweiß geschmückt, über dem kleinen Eisenherd blitzblanke Holzbecher und Zinnteller, daneben eine kleine Kammer, ein Verschlag mit Kohlen und Konserven, eine gewichtige, kleine Hausapotheke, der Signalapparat des Älpenvereins. Mit großer Gemüthsruhe meinte sie: Sehen Sie, damit hätte ' man's der Mitmenschheit angezeigt, wenn wir tödtlich verunglückt wären." Scherzen Sie nicht mit so heiligen Dingen," sagte er mißgestimmt. Das june Mädchen' lachte und nahm den schweren Rucksack von ihren Schultern; sie strich das Haar aus dem glühenden Gesicht; dann streckte sie ihm die festen kleinen Hände entgegen: Gerettet aus Lebensgefahr die Erde hat uns wieder! Nun machen Sie es sich ein wenig bequem, lieber Freund entschuldigen Sie mich ein paar Augenblicke, ich will mich nur umkleiden, dann spiel ich Berghausfrau." Sie verschwand im Nebenzimmer. Er streckte sich behaglich auf der Holzbank aus. Ein wohlthuendes Gefühl der Ruhe undSorglosigkeit und mächtig gesteigerter Lebensfreude war in ihm. Er sehnte sich schon wieder nach ihr sie fehlte ihm, so kurz sie ausblieb. Zerstreut blätterte er in dem Fremdenbuch, in das die Bergfahrer ihre heiteren und aurigen Erlebnisse eingezeichnet hatten; er zeichnete ihre Namen ein: Herr und Frau Dr. Siemerling"!'. ein Scherz nur, aber wie seltsam er sie zusammenkettete! Ueberrascht blickte er auf sie stand in der Thür, so seltsam lieblich und verwandelt sah sie aus. Das krause Blondhaar hatte sie in dichten Zöpfen & la Defregger um den Kopf gewunden, den schweren Lodenmantel mit einer langen, blauen Leinenschürze vertauscht, amMiede? trug sie einen Busch Almrosen. Reizend hausmütterlich sah sie aus. Er. schaute mit wachsendem Erstaunen zu, wie sie die Aermel weit über die kräftigen weißen Arme aufstreifte, wie geschickt sie das Feuer anfachte, die Vorräthe aus dem Rucksack durch die Clubkonserven ergänzte; dann deckte sie den Tisch so zierlich, wie es mit dem einfachen Geräth möglich war. Sie füllte die Gläser mit Rothwein aus der Feldflasche, stellte einen Strauß frischer Bergblumen dazwischen und sagte mit gravitätischem Hausfrauenstolz: Herr Doktor, es ist angerichtet. Ein fürstlicher Speisesaal, so weit unsere Vorräthe es ermöglichen. Suppe aus Erbswurst, eine Büchsenzunge, Käse und'Brot und dann mein Meisterstück, ein richtiger Bergschmarrn." Was, Sie können kochen?" Er sagte das so erstaunt, als wenn sie ihm berathen hätte, sie lese Pali im Urtext oder ägyptische Hieroglyphen. Natürlich kann ich kochen," sagte sie ziemlich beleidigt. Ich bin coch die Hausmutter daheim für meine Geschwister. Was denken Sie sich, wenn man nur eine ganz kleine, bescheidene Lehrerin ist! Blos sechs Wochen im Jahre bin ich ein freier Mensch, ein Sportsmädel, das die höchsten Berge unsicher macht, sonst gehe ich mit sittsamen Kleinmädchenschritten unter? im Thal." Ein frauenhaft weiches Lächeln war um ihre Lippen. Sie bediente ihn hausmütterlich, um ih:e Verlegenbeit zu verbergen. Eine seltsam warme Empfindung quoll auf in ihm, als er sie so schalten sah. Er dachte daran, wie tapfer und unerschrocken sie dort oben an seiner Seite gestanden, furchtlos und treu, sein tapferer, kleiner Kamerad, mit starken, jungen Muskeln, von knabenhafter Behendigkeit und dabei doch weich und lieb, so ganz Weib. Er sah den feinen, schlanken Nacken er fühlte die Wärme ihrer Nähe r und sie so ganz allein so weit vor. allen Menschen. Er sah sie an, ihre Augen trafen die feinen, tapfer und unerschrocken. Nur Stirn und Nacken färbten sich purpurn. Sie hatte die Inschrift in dem Buche bemerkt. Ein Scherz," sagte sie gezwungen. Nein, Kind, kein Scherz," fuhr es

ihm heraus, warmer Menschenwillen wenn du es willst." Er zog sie an sich und sagte innig: So wie dich, Marie, hab' ich mir immer das Weib gedacht, das mir einmal Weggefährtin und Lebensgenossin sein sollte, lieb und weiblich und doch ohne all' das kleinlich Herabziehende des übrigen Frauengeschlechts; mit weichen, liebevollen Händen, die den Müden laben und Schmerzen lindern und doch stark genug sind, zu stützen und -leiten in Freud und Leib . Maria?" Lieber Freund!" Sie schlug ihre Hand in die seine, sie sprach kein Wort, eine heiße, zitternde Bewegung war zwischen ihnen. Ich will . dein treuer Kamerad sein," sagte sie schlicht. Sie traten in's Freie hinaus. Rothgold überschienen lag die unendliche Welt der ewigen Berge vor ihnen. Da that er . einen jauchzenden Jubelruf, der weithin hallte in die Thäler und sich brach an den steilen Felswänden.

Der Schwimmer. Eine Humoreöke von M. Hemelle. Bridot, ein junger Soldat, der erst vor wenigen Tagen in's Regiment gekommen war, wiederholte sich die weisen Rathschläge, die ihm ein alter Soldat gegeben, ehe er seine Heimath verlassen hatte. In dem Berufe, alter Freund," hatte Monbal gesagt, mußt Du immer Zu Befehl!" sagen, das spart Dir Erklärungen und verpflichtet zu nichts. Später, wenn Du erst Deine Tressen hast, kannst Du in derselben Weise sagen Ich peife drauf." Das ist der ganze Wortschatz für einen guten Soldaten." Bridot hatte auch wirklich so gehandelt, wie man es ihm anempfohlen hatte. Wenn es ihm bei der Dufche gelang, sich mit seinem allzu rauhen Handtuch abzutrccknen, und der Sergeant .ihm zurief: Na, sind Sie fertig?" hatte er Zu Befehl!" erwidert und schnell sein Hemd über den noch patschnassen Körper gezogen. Bei der Untersuchung hatte der Stabsarzt, ohne auch nur die Augen zu erheben, ihn gefragt: Sind Sie gesund? Sind Sie ein guter Fußgänger? gaben Sie gute Augen?", und er hatte jedesmal Zu Befehl!" erwidert. Als ihn der' Hauptmann beim Anprobiren der Monturstücke gefragt hatte: Na, fühlen Sie sich darin behaglich?" hatte er gelacht und Zu Befehl!" gesagt, obwohl dieStiefel zu knapp, dieMütze zu -weit, die Hose zu lang und die Jacke zu kurz war. Jetzt stand er verdutzt, wie vor den Kopf geschlagen, in dem Bureau des Feldwebels und betrachtete mechanisch die Plakate, die an den Wänden hingen. Kommen Sie mal her, Bridot. Können Sie lesen?" . Zu Befehl." Schreiben, rechnen? Haben Sie ein Schulzeugniß?" .; Zu Befehl." Können Sie schwimmen?"' 'Zu' Befehl." Gut?" Zu Befehl!" . Schön. Abtreten! Der Nächste!" So kam denn auf seine Konduitenliste die Bemerkung: Beim Eintritt in's Corps sehr guter Schwimmer." Als er allein im Hofe war, kratzte er sich den Kopf. Aber das ist ja.Mumpitz, was ich da gesagt habe. Ich kann ja nicht schwimmen, nicht mehr als ein Pslasterstein. . . . Na. ichwerde es dem Unteroffizier sagen." Er ging einen Schritt zurück und blieb dann stehen. Nein, das würde zu dumm aussehen, ich werde dem Feldwebel lieber morgen sagen, ich hätte mich geirrt." Dann überlegte er sich; man würde ihn vielleicht für einen Drückeberger halten, und bei diesemGedanken durchlief ihn ein unangenehmer Schauder. Er hörte noch die Stimme des Leutnants, der vorhin zu einem Alten" gesagt hatte: Sie wollen sich wohl vom Dienst drücken, wie? Stellen sich Wohl ein bichen dumm an? Das gibt's nicht, Sie Drückeberger!" Trotzdem blieb eine gewisse Unruhe in ihm zurück, er ging deshalb zu einem Soldaten, der schwermüthig mit einem Besen ein dürres Platanenblatt wegfegte. Sag' mal, Du, ist ein Fluß in der Stadt?" Der andere sah ihn mitleidig voller Staunen an. Äas fällt Dir denn ein, in dieser elenden Gegend?-Hier gibt's nur einen Rinnstein, so groß wie mein Arm, und so schmutzig, oaß die Enten lieber auf die Bäume klettern, als daß sie darin herumschwimmen... Dabei nennen sie das Ding noch einen Bach." Bridot athmete auf. Wenn es keinen Fluß gab, qab es auch kein Bad. Es würde also Niemand jemals die Wahrheit erfahr;. Wozu sollte er jetzt den Feldwebel mit der Geschichte langweilen? Einige Zeit später rief der Hauptmann die Leute auf dem Kasernenhof auf. blieb dabei vor Bridst stehen, warf einen Blick In sein Buch und sagte ju ihm: S:e sind also der Schwimmer?" Bridot machte daS vorschriftsmäßigt Gesicht und erwiderte?

.Zu Befehl, Herr Hauplmann!" Guter Schwimmer?" . Zu Befehl, Herr Hauptmann! Der Hauptmann saMtelte denKopf: Schade, daß kein Wasser da ist, Sie werden hier einrosten." Von so viel Wohlwollen ermuthigt, versetzte. Bridot bescheiden: O, bitte, Herr Hauptmann, so etwas verlernt man nicht." Abends auf der Stube wurde nur vom Schwimmen gesprochen,' man fragte ihn um seine Meinung, er er-, zählte schon allerhand Heldenthaten, die er vollbracht, sprach vom Wettschwimmen, von Herausforderungen und allem möglichen. Er behauptete zwar gerade nicht, daß er Jemand das Leben gerettet habe, aber er ließ derlei durchblicken. Nach einiger Zeit war die anze Compagnie stolz auf ihn, und die Sache wurde auch dem Bataillon bekannt. Kurz und gut, man kannte ihn im Regiment nur unter dem Beinamen: der Schwimmer. Unter diesem Titel stellte man jhn auch dem Brigadecommandeur vor, als im Januar die große Inspektion stattfand. Der Divisionsgeneral und der Commandant des Corps machten ihm Komplimente, als sie die Front der Truppe abschritten. Was ihn selbst betraf, so hatte er sich nach und nach an den Gedanken gewöhnt. und schließlich brauchte er fast gar nicht mehr zu lügen, denn die anderen waren genügend bemüht, für ihn und zu seinen Gunsten zu renommiren. Jetzt, nachdem fast ein Jahr verflossen war, erzählte man sich, daß er auch verschiedene Rettungswerke vollbracht habe, und er leugnete nicht mehr. Man zog in's Manöver. Den Tornister auf dem Rücken, etwas keck und hochnäsig, denn nach der Rückkehr der Compagnie sollte er Corpora! werden, wanderte Bridot fröhlich über die Landstraße, äußerst stolz auf den Staub, der ihm die Haare und den Bcrt puderte und ihm ein kriegerisches Aussehen verlieh. Eines Morgens, als der erste Kampf beendet war, machte man, bevor man in die Quaetiere zog, auf, einer sonnigen Wiese Halt. Dichte Bäume spenbeten ihren erquickenden Schatten, und zu ihren Füßen rauschte ein Fluß, ein schöner, breiter, klarer Fluß, der recht fröhlich über Kiesel rollte, zwischen denen man die Fische hin- und herschwimmen sah. Die Truppen hatten noch nicht ihre Gewehre zusammengestellt, als sich plötzlich ein lautes Geschrei erhob: Hilfe! Zu Hilfe!" Alles rief durcheinander;dann schrie eine Stimme:' Bridot! Wo ist Bridot von der ersten Compagnie?" Hier!" Schnell, schnell," rief ein Leutnant, rennen Sie los. da vorne ist ein Mann in's Wasser gefallen, er ist schon am Ertrinken . . ." Bridot wurde sehr blaß und trat einen Schritt vor. Na, worauf warten Sie denn? Vorwärts vorwärts!" Er setzte sich' in Bewegung. Eine Strecke weiter aufwärts zappelte ein Soldat im Fluß, während einige Leute versuchten, ihm von der Böschung ihre Gewehrkolben hinzuhalten. Mit, einem Ah!" der Erleichterung traten sie vor Bridot zurück. Na los, in's Wasser, Bridot," rief der Haüptmann ihm zu. Der Oberst kam mit vorgebundener Serviette herbeigelaufen, ein Leutnant stürzte ihm entgegen, um ihn zu beruhigen: Es ist nichts zu befürchten, Herr Oberst, der Schwimmer ist ja da, er wird gleich in's Wasser tauchen." Aber Bridot tauchte noch immer nicht. Dann, als man ihm von allen Seiten zubrüllte: Spring' doch!" ließ er sich wie ein Sack in den Fluß fallen, erhob die Arme, drückte die Augen zu, rief: Mutter!" .und verschwand. Glücklicherweise hielt die Herzugekommene Marketenderin die Leiter hin, mit der sie auf ihren Wagen zu klettern pflegte, und man konnte die beiden Männer herausfischen. Nachdem man sie frottirte und äbgetrocknet, verhörte man sie; der erste war in's Wasser gefallen, als er den Zweig eines Apfelbaumes hatte pflücken wollen. Er bekam' für diese Leistung acht Tage Kasten. Was Bridot betraf, dessen zweideutige und jammervolle Haltung Argwohn erweckt hatte, so wurde er, nachdem er seine Lüge eingestanden, von der Avancementliste gestrichen. Er , wurde niemals Corporal, und als er am Tage seiner Entlassung seinen Militärpaß aufschlug, las er unter der Notiz: Beim Eintritt in das Corps sehr guter Schwimmer" eine andere Bemerkung: Beim Abgang vom Corps' kann nicht mehr schwimmen." Ueber einen eigenartigen Grund für den Ausschluß einer Einwanderin wird aus Ellis Island berichtet. Unter den dort durch die Inquisition Ausgeschlossenen befand sich Fräulein Sophie Bär. 45 Jahre alt, aus Baiern; sie hat $100 im Besitz und wurde ausgeschlossen, weil sie angeblich einen Kröpf besitzt. Der Vertreter der Deutschen Gesellschaft in New Fork appellirte gegen das Deportationsurtheil. Frl. Bär is eine gute Köchin und kann sich gut fort-bringen.

Englands Postvcrkchr. Teutschland nach den B,r. Staat, der be dcuteudste ttorrespondcnt. Laut einem Beri.bi der britischen PostVerwaltung leförderte die Post in England. Schottland und Irland im abgelaufenen Fiskaljahre 2.624.600.000 Briefe, eine um 27.000.000 größere Anzahl als im vorigen Jahre. Die Postkartenzahl übertraf die des Vorjahres um 20.800.000 und belief sich auf 734.600.000. Für je einen halben Penny (1 Cent) Porto wurden 843.700.000 Päckchen befördert. Zeitungen bis zu 179.400.000 und 97,200.000 größere Pa.kete. Man hat ausgerechnet, daß jeder Einwohner Großbritanniens in diesem Jahre durchschnittlich 61 Briefe und 17 Postkarten erhalten konnte. Der stetig zunehmende Versandt von Ansichtskarten bewirkte während der letzten acht Jahre mehr als die Verdoppelung des ehemaligen Postkartenverkehrs; von 1903 bis 1904 nahm die Zahl um 25 Prozent zu. von 1904 bis 1905 um 19.7 Prozent. Im Vergleich zu anderen Ländern nimmt England auf diesem Gebiete den dritten Platz ein; als Stadt blieb London mit dem Empfang von 166.500.000 Postkarten im Laufe des Jahres unübertroffen. Dagegen ist die Ausgabe der Briefe seit 1902 jährlich um etwas geringer geworden, trotzdem empfing London noch immer die stattliche Zahl von 727.000.000. Die andauernd schlechten Geschäftsverhältnisse imHandel mit billigem Schmuck sollen zum Theil die Ursache der verminderten Anzahl eingeschriebener Briefe sein. Wegen mangelhafter, zum Theil gänzlich fehlender Adresse konnten im vergangenen Jahre 26.568.740 Postsachen nicht befördert werden. Darunter waren 316.000 Geldbriefe. In einem Paket befand sich werthvoller Schmuck. In vielen Fällen konnte man die Absender ermitteln und ihnen ihr Eigenthum zurückerstatten; immerhin befand sich am Schlüsse des Jahres noch viel herrenloses Gut in den Händen der Verwaltung. Geradezu erstaunlich ist der Briefverkehr Englands mit Deutschland. Mit Ausnahme der Ver. Staaten empfängt Großbritannien aus keinem Lande annähernd solch große Postsendung als ausDeutschland.' Im verflossenen Jahre erreichte sie das Gewicht von 359.000 Pfund. 60.000 Pfund mehr als Frankreich sandte. England dagegen beförderte nach bei-' den Ländern dasselbe Gewicht, 315.000 Pfund. Die Gesammtkorrespondenz Englands mit Indien und Australien kommt derjenigen mit Deutschland lange nicht gleich. Im Telegraphenverkehr sieht das Deutsche Reich auch bei weitem obenan; 1.381,968 DrahtNachrichten wurden nach Deutschland abgeschickt und 1.026.079 von Deutschland empfangen. Telephonverbindung hat England nur mit Frankreich und Belgiens Ovfer des Vierten." Das Journal of the American Medical Association" veröffentlichte letzthin eine Statistik der infolge des Schießens am 4. Juli erfolgten VerSetzungen mit besonderer Berücksichtigung der daraus resultirenden Fälle von Mundsperre. Die Gesammtzahl der Erkrankungen an der genannten Krankheit war 104 gegen 105 im Vorjähre und 415 im Jahre 1903. Die Gesammtzahl der durch Platzpatronen entstandenen Verwundungen war 809 gegen 1005 im Vorjahre und 1672 im Jahre 1903. Neben 87 an der Mundsperre verstorbenen Personen gab es noch 95 Todesfälle infolge anderweitiger Unfälle, die mit der Feier des 4. Juli in Verbindung standen zusammen somit 182 Todesfälle. Die Zahl der nicht gefährlichen Verletzungen wird mit 4994 angegeben, wozu noch ungefähr 1000 Personen kommen, welche Riffe, und andere entstellende Wunden im Gesichte erlitten. Sämmtliche Zahlen zeigen gegen die entsprechenden der vorangegangenen Jahre eine nicht unbedeutende Verminderung. Der Tugendpreis im Elsaß. Eine einzigartige Wahl findet alljährlich in dem oberelsässischen Dorfe Waldighofen statt, um dasjenige Mädchen zu bestimmen, das als tugendhaftestes und würdigstes die Zinsen einer von der Familie GroßguthSiebering gemachten Stiftung erhalten soll Wahlberechtigt sind nur die Frauen des Dorfes. Von 280 eingeschriebenen Wählerinnen sind in diesem Jahre 143 Stimmen abgegeben worden, von denen 138 auf Maria Sieder entfielen und 5 auf nun den Namen dieser Tugendpreis-Aspirantin verschweigt man als höflicher Sänger mit Rücksicht auf die wirklich geringfüqige Zahl 5 Die glückliche Erwählte erhielt den Zinsertrag der Stiftung in de; Höhe von 240 Mark. Förster a l s W' i l d e r e r. Der Förster Döhn in Mitterbuchen, Hessen-Nassau, dessen Frau in Hanau beim Einschmuggeln eines srisch erlegten Wildes betroffen ward, ist wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Wilddieberei verhaftet worden.' Eine in seiner Wohnung vorgenommene Haussuchung förderte zahlreiche Briefe zu Tage, durch die auswärtige Wildprethändler Wild bei ihm bestellten. Er hatte offenbar das Wildern schon lange Zeit betrieben, was bei dem dortigen reichen 'Wildbestand für den Förster recht einträglich gewesen sein muß.

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