Indiana Tribüne, Volume 29, Number 23, Indianapolis, Marion County, 19 September 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, 19 Vcptember RO0S.

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tt St w -- -- j .. . . .- .. tt tt tt tt tt tt U f(Foilsetzung.) Wir haken uns wohl vor allem um Lianens willen angelegen sein zu lassen, daß möglichst wenig von der Wahrheit unter die Leute kommt sagte ernst der Doktor. Die Leute, ja, die Leute! Für die ist das nun freilich ein gefundene Fressen, die werden die Mäuler aufrei-ßen!-Und an das, was die Leute sagen werden, denkt Frau Mathilde, wie sie nun an Lianens Lager sitzt, während ihr Mann mit dem herbeitelegraphirten Kollegen aus der Stadt nach MoorHeide gefahren ist. Nun, mochten sie reden wenigstens was die Eerland betraf! Die sollte sich nicht reinbrennen, die nicht! Da klopft es von draußen leise an die Thür. Die Doktorin geht auf Zehenspitzen hin und öffnet. Das Mädchen steht vor der Schwelle und flüstert: Eine Dame ist unten Frau Gerland." Frau Mathilde sieht einen Augenblick erstarrt. Dann sagt sie kurz: Warten soll sie. Und Sie kommen wieder herauf, Minna, wenn Sie's ihr gesagt haben." In dem Föhrenbachschen Wohnzimmer sitzt Frau Jutta und wartet. Die Frau Doktor ist bei dem Fräulein oben, die im Nervenfieber liegt," hat ihr das Mädchen gesagt. Es hatte aufgeblitzt in Juttas Augen. Da war ern Ausweg, den das i Schicksal selber für sie geschaffen, mit dem sich alles erklären, alles verhüllen ließ. Ein Nervenfieber pflegt nicht V07. heute auf morgen zu kommen, das spukt schon tagelang zuvor im Blut und im Hirn. Frau Jutta eilte der Doktorin entgegen, die langsam die Thür öffnet, mit schwerem Schritt in die Stube kommt, die Augen fest auf die Vesucherin gerichtet. Sie sagt kein Wort. Sie müssen mir schon verzeihen, Frau Doktor, daß ich. hier bei Ihnen eindringe, aber die herzlichste Theilnähme für Ihr liebes Nichtchen irieo mich hierher, selbst zu hören, ob der gestrige furchtbare Schrecken über den unglücklichen Zufall nicht ewa auch für unseres armen Freundes Braut böse Folgen hatte. Wie ich bereits durch Ihr Mädchen hörte, sind meine Vefürchtungen nur allzusehr eingetroffen." Liane hat ein schweres Nervenfieder." sagt Frau Mathilde, die noch nicht eine Sekunde lang den Blick von Frau Jutta gewendet, auch jetzt nicht, als sie sich langsam niedergesetzt und auf einen zweiten, dem vollen Lichte zugekehrten Sessel deutet. Frau Jrtta nimmt wieder Platz und ruft im tiefsten Bedauern: Nervenfieber wie schrecklich! O. jetzt begreife ich auch, warum sie schon gestern, als ich mit ihr .in Moorhcide zusammentraf, wo ich vor dem Regen Schutz suchte, so seltsam war, so ganz merkwürdig aufgeregt und zerfahren. Sie haben ähnliches gewiß auch schon Tage zuvor an ihr bemerkt." Sie schaut die Doktorin fragend an. Die antwortet nicht, hält nur unentwegt auf Frau Jutta die Augen geheftet mit einem Blick, der deutlich sagt: Erst rede Du, erst will ich ganz genau ergründen, was Du für eine bist, dann rede ich!" Ein paarmal," fährt .Frau Jutta fort, schien sie mir direkt irre zu reden jetzt erklärt sich das ja alles. Die Aermste. auf kranke Nerven auch noch der Todesschrecken! Denn als der Schuß losging und sie sich herumwandte und sah, daß ihr Bräutigam sich verletzt yatte wie sie oavontturzie, !H glaubte nicht anders, als sie habe auf der Stelle den Verstand verloren!" Das würde Ihnen freilich passen." Frau Mathilde ist mit ihren Ergründüngen zu Ende und sie redet. In Jutta Gerlands Wesen aber ist alle warme Herzlichkeit plötzlich verschwunden. Sie richtet sich steif auf. Ich weiß nicht, wie Sie das meinen, Frau Fohrenoach. ftrem Doktor Föhrenbach, bitte! Mein Mann ist Doktor. Sie haben sich wohl darauf besonnen, wie. Sie jemand zum Aushorchen brauchten. Und wenn Sie auch nicht wissen, wie ich's meine, ich sage Ihnen, Frau Ger land, wie Sie selbst das meinen, versteh' ich um so besser. Sie haben in Ihrem Leben gewiß schon manchem ein 36 für ein U vorgemacht, mir machen Sie's nicht vor. Was Sie icfet ve zwecken, seh' ich durch und durch und ich sage Ihnen Da steht Frau Jutta schon an der Thür und sagt im hochmütigsten ' Tone: Ich bedaure unendlich, mich hierher verirrt zu haben, und will Sie nicht langer Ihrer ranlenpslege en: stieben. " Aber Frau Mathilde leit fest ihre Sand um die Thürklinke, die Frau Jutta öffnen will. Nun sind Sie einmal hier und nun bleiben Sie hier, bis ich zu Ende geredet habe, denn ich bin noch nicht zu End. Und ich sage Ihnen, Gott auf Ihren Knieen könnten Sie danken, wenn Sie sich in Ihrem

Sie erste ZSelte

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tft A LVA jKlJi V V F wF tt tt rSf ii V Noman von Zedivig (BviinSöjlnecket'ier B tt tt tt tt tt tt tt Leben noch nirgends anderswohin verirrt hätten als wie hierher. Sehen Sie mich nur an, als ob Sie mich gleich auf der Stelle erdolchen wollten, ich laß mich nicht in's Bockshorn jagen Und an meine Krankenpflege brauchen Sie mich nicht zu erinnern, ich werd' schon thun, was in Menschenkraft und Macht liegt, und wenn's trotzdem zum Schlimmsten käme, was Gott verhüten möge, da will ich's laut hinausrufen, wer in Wahrheit so gut wie einen Mord auf dem Gewissen hat." Fahle Blässe deckt Frau Juttas Eesicht, ihre Augen zucke?, und blitzen, in ihrem Ton ist noch immer die eisigste Kälte. Ich ersuche Sie, mich nicht länger hier gewaltsam festzuhalten und mir die Thür frei zu geben." Nein," sagt Frau Mathilde. Erst hören Sie sich's noch klipp und klar von mir an, wie Sie jetzt alles gern drehen und wenden möchten. Alles dem Nervenfieber in die Schuhe schieben, meine Nichte so h'-zstellen, als wär' sie schon gestern, wie sie dahinter kam, wie's zwischen Ihnen und ihrem Bräutigam sieht, geistesgestört gewesen, damit nur jetzt um Gottes willen die Verlobung nicht zurückzeht und die Leute mit Fingern auf Sie zeigen." Um Frau Juttas Lippen zuckt ein Lächeln, das ist scharf wie ein vergifteter Pfeil. Unter halbgesenkten Lidern hervor fixirt sie Frau Mathilde. So böse, fürchten Sie, würden sich's die Leute deuten, wenn ein junges Mädchen ohne Begleitung das Haus des Vr'auti gams aufsucht? Frau Mathilde hat einen Augenblick die Sprache verloren, dann macht sie eine Bewegung, als wolle sie sich auf Frau Jutta stürzen. Das das wagen Sie auch noch! Ich glaub's ja gern, daß Ihnen jetzt nicht viel daran liegt, Frau Palmer werden zu- müssen." Jetzt ist es Frau Jutta, die dasteht, als habe heller Wahnsinn zu ihr ge sprachen. Ich Palmers Frau! Und müssen, sag'n Sie? Es wird Ihnen wohl Nichts andere übrig bleiben. Freilich " die Dokto rin zuckt die Achseln und intt dabei von der Thür zurück, zum Zeichen, daß sie zu Ende geredet hat es gibt ja wohl Frauen, die setzen sich auch über so was hinweg. Ihr wird keine Antwort. Frau Jutta geht, hocherhobenen Hauptes, ohne einen Laut der Erwiderung. Aber in ihr tobt und rast es. Ein wüthender Zorn, der sich zumeist gegen sich selber kehrt. Warum hat sie sich das angethan! Warum ist sie hierher gegangen! Mitten auf dem Wege bleibt sie siehen mit trotzendem. Herausfordern. Was kummern sie die Leute, die sie all zeit verachtet hat! Da sieht sie vor sich -auf dem Wege drei Herren im Gespräch stehen. Frau Jutta, kennt alle drei und ist von allen dreien gekannt. Drei Aerzte. Doktor Föhrenbach der eine, der andere der elegante Badearzt, der so amüsant die Chronik von Lmdenstedt vorzuplau dern weiß, und der dritte, den sie am besten kennt, mit dem sie so manchesmal in großer Gesellschaft zusammen war, ist aus der benachbarten Großstadt der berühmteste Chirurg und der indis kreteste Mensch. An den dreien muß sie vorübergehen. Und alle drei grüßen sie und blicken ihr starr in's Gesicht. Und als Frau Jutta vorüber ist und fühlt, wie die Blicke ihr folgen, die sragenden. wissenden Blicke, da weiß sie es: Das kann sie Nicht ertragen! Als sie beimkommt. ist von MoorHeide Botschaft da. Der Diener, der ihren Auftrag nicht veraessen hat, ist selbst herübergeritten und meldet, wie es steht. Die Kugel ist aus der Wunde entfernt, die Operation hat den Herrn zwar sehr angegriffen, doch Lebensgefahr ist keine vorhanden. Professor Elbing werde die Weiterbehandlung übernehmen. Das alles berichtet der Diener in devoter Ergebenheit, doch auch aus sei ner Art, wie er behutsam die Worte wählt und es vermeidet, Föhrenbachs oder gar Lianens Namen zu nennen. glaubt es Frau Jutta herausklingen zu hören: Es wird Dir wohl nichts anoeres übrig bleiben!" , Also fort fort -von Lindenstedt, fort, wie einer flieht, der sich schuldig bekennt! Ihr ist's, als müsse sie gegen die Wände schlagen." Was hatte sie denn gethan, das nur von ferne eine Schuld wäre. Gespielt hatte sie nichts wei ter, als nur em wemg gespielt! Ein paar Tage spater ist ihr üblicher Empfangstag. Kein Mensch ist zu ihr gekommen, trotz des herrlichen Herbst Wetters. Das maz Zufall sein, ihr aber scheint es berechnete Absicht, aus der es wieder zu ihr spricht: Es wird Dir wohl nichts anderes übrig bleiben." Fast die aanze Nacht durchwander sie ruhelos ihre Zimmer. Sie will sich mcht zwingen lassen und es zwing sie doch! Am nächsten Vormittag steht ihr Entschluß fest. Sie macht sich zum Ausgehen fertig. Sie will nach Moor

Heide. Mit festen Schritten eilt sie den

holperigen Feldweg dahin,' der zu Palmers Gut führt. Nicht rechts noch links .schauend, schreitet sie in Detlef Palmers Haus hinein, zur Treppe hin. Ter Diener ommt die Stufen herab. Melden Sie mich Ihrem Herrn," herrscht sie ihn an, als sei sie die Gebieterin hier. Der Herr Professor ist noch bei dem Herrn Hauptmann," lautet die Antwort.' So werde ich warten." gibt sie zuruck und öffnet selbst die Thür des großen Famllienzimmers, neben dem Palmers Krankenstube gerichtet ist. Sie setzt sich nicht, steht aufrecht m der Mitte des großen Raumes und hört nebenan die Stimme des Arztes, welcher zuweilen eine andere leise Antwort gibt. Ihre Lippen sind fest aufeinandergepreßt, bis sie hört, daß der Professor sich verabschiedet. Sein Schritt nähert sich der Terbindungsthür, die in dieses Zimmer fuhrt, und sein erster Blick, als er zwischen dem schweren Vorhang hervortritt, trifft Frau Jutia. Sie hier, gnädige Frau? Ihr An blick frappirt ihn dermaßen, daß er fast den Gruß vergißt. Ist Ihnen das so erstaunlich. Herr Professor?" fragt sie mit einem Hochmutn, der, weil er vor dem letzten steht. auf nichts mehr Rücksicht nimmt. Ich wartete hier, weil ich gern von Ihnen hören mochte, wie es um Ihren Patienten steht." Der Professor gibt ihr sachlich knappe Antwort, so wie man sie wohl den Anaehoriaen eines Kranken aibt. Es wird noch eine Weile dauern, bis er sich wieder erheben kann. Der starke Blutverlust hat ihn sehr erschöpft, dazu ein fieberhafter Zustand, der durch irgend eme fortdauernde seelische Erregung unterhalten zu werden scheint. Die Verwundung selbst nimmt ihren normalen Verlauf." Eine kurze Verbeugung. Der Arzt hat sich entfernt. Ein paar Augenblicke zögert Frau Jutta noch' vor dem Vorhang, der von beiden Seiten die Thür verhüllt. Dann hat sie ihn mit einer heftigen Bewegung zur Seite geschoben und tritt in Palmers Zimmer ein. Er ist schreckhaft zusammengefahren, als der Thürvorhang sich bewegt, dieser Vorhang, an dem stundenlang wie gebannt seine Blicke hangen, zwischen dessen schweren Falten er oft und oft ein todtenblazz es Gesicht zu erblicken wahnt. Und jefct Frau Jutta, die langsam in da5 Zimmer schreitet, an sein Lag?? tritt! Ihr Anblick überwältigt ihn derart. daß er nicht vermag die Lippen zu osfnen. Auch Frau Jutta blickt schweigend auf ihn nieder. Sie haben bose Taae hinter sich, sagt sie endlich, nur um zunächst überHaupt etwas zu sagen. Ja, bos Tage," sagt er und dabei empfindet er ihren Besuch jetzt als so viel Gute, daß er ihre Hand, die sie ihm reicht, inbrünstig an seine Lippen preßt. Von ganzem Herzen danke ich Ihnen dafür, daß Sie sich meiner erbarmen und zu Mir kommen trotz allem." Daß ich wieder zu Ihnen komme trotz allem, glauben Sie denn wirklich. das konnte jetzt noch eme besondere Sensation nach sich ziehen?" Er erschrickt, denn er versteht, was sie ihm andeutet. Jutta, hat man es Wirklich gesagt " Warum sollte man eö nicht tvagen?- fällt sie schroff ein. Es bat ia nicht eine jede das Glück, sich zur rechten Zeit hinter em Nervenfieber zu retten. Der ganze erbitterte Haß. den sie gegen Liane empfindet, auf die sie alles häuft, woöon sie selber sich nicht die Schuld zuerkennen will, klingt aus ihren Worten. Palmer hört, empfindet es und doch kann er nicht anders, er muß fragen: Wissen Sie haben Sie gehört, oo sie außer Gefahr ist?" Frau Jutta lacht schneidend auf. Außer Gefahr? S:e dürfen voll, beruhigt sein, sie ist außer aller Gefahr! Keinem fallt es ein, danach zu fragen. was wohl eine Braut um die Damnerzeit allein in das Haus des Vräutirams geführt hat. Palmers farbloses Gesicht wird noch sahler. Dieselbe Frage, der auch er vergeblich nachrathselt: was war es, UM oas Liane zu ihm kam? Ich weiß es nicht," preßt er endlich hervor. Es muß ein ungewöhnlicher, schwerwieaender Grund gewesen sem. Leider Blicke treffen einander, und in beiden ist ein gleiches Fragen. Eifersucht konnte das der Gru? d gewe sen sein? Hatten and:re, hatte vielleicht Liane selbst gesehen, welchen Weg Frau Jutta genommen? Daß ich hier liegen muß in meiner erbärmlichen Ohnmacht!" Grimmig blickt er auf seinen rechten Arm. der fest bandagirt auf der Brust liegt. Frau Juttas Augen folgen den seinen. und ihre Lippen ziehen sich höhNisch von den Zahnen empor. Gedach ten Sie vielleicht mit der Pistole in der Hand die Welt zum schweigen zu zwingen? Als ob es nicht ein radikaleres Mittel für einen Mann qabe, die angezweifelte Ehre einer Frau wieder heil zu machen. Fällt Ihnen das nicht ein?" Mit einem Ruck hat er den mit einer leichten Joppe umhüllten Oberkörper erhoben, des heftigen Schmerzes in der verletzten Schulter nicht achtend. Jutta soll ich Sie recht verstehen? Sie waren bereit zetzt bereit?"

Ihr Blick ruht starr auf ihm. Ein

dunkler Blick, der hinabsinkt in seiner Seele Tiefe. Wo ist denn die Freudenfackel, die emporlodert bei dem Gedanken an die Möglichkeit. Frau Jutta ooq noch rne Seme zu nennen? In seinen Augen webt ein Ausdruck des Schreckens, fast der Abwehr. Ein leises Lachen klingt auf. Sie haben viel heißes Blut verloren. Freund Detlef. Unserer Verbindung wird das nur vortheilhaft sein. Am v',Ls;. r,ui raP r.: uu4iuy.u ynu jicy uui ichsten bei wohltemperirten Warmegraden." Jutta!" Nur ihren. Namen ver mag er herauszustoßen, und er klingt wie ein unterdrücktes Schluchzen. Sie hat es ausgesprochen, und er weiß, es ist ihr Ernst damit. Gewähren will si: ihm. wonach er drei Jahre lang m wilder Herzensfehnsucht sich verzehrt hat, wovon er gewähnt, wenn die Stunde käme, da er sie die Seine nannte, es müßte sein, wie wenn der Himmel herab zur Erde stürzte. Und nun nicht seine Liebe, die sie sich errungen, nicht allgewaltige Leidenschast, me Mauern Niederzwingt und feste Bande zerreißt, treibt sie ihm zu nein, die Seine will sie werden aus Feigheit vor der Leute Mund. Und noch einmal lacht Frau Jutta und bietet Detlef Palmer die Rechte dar mit emer Bewegung, die nimmt, nicht gibt. Hier. Freund Detlef, die Hand, nach der Sie so lange Sehnsucht getragen das Schicksal selbst spielt sie Ihnen zu." Er hat Juttas ncmd ergriffen, halt sie fest und sagt langsam, mit schwerem Ernst: Nicht das Schicksal Sie selbst, Jutta, haben unser aller Schicksal herbeigespielt." 19. Kapitel. Krankenlagern hastet die Zeit A" nicht, sie nimmt langsame, zögernde Schritte zur Qual derer, die von zukunftigen Stunden ein neues Leben erhoffen. Nach fünf langen, bangen Wochen aber war die von allen theilnehmenden Herzen herbeigebetete Stunde doch gekommen. Das Leben trat an Lianens Lager und sprach zu dem armen, sieberverwüsteten Körper: nun zeige Deiner Jugend Kraft! Auch zu dem Miezelchen war die Freudenbotschaft gedrungen, die vom Hause Föhrenbach aus durch das ganze Stadtchen den Weg nahm. Und das Miezelchen, die doch auch wußte, was Liebesleid war, stand nun im Garten, ließ sich von der Oktobersonne beschernen und pflückte Georginen, Astern, buntgesprenkeltes Herbstlaub, rothe Beeren, bis ihr die Arme schwer wurden von all der farbenleuchtenden Herrlichkeit. Dann setzte sie sich auf eine Bank und wand einen Strauß nach ihrem Herzen, keinen, wie man ihn m der Gärtnerei hatte kaufen tonnen. nein, einen viel schöneren, einen, in dem jede Blume lachte, als prange sie noch im Heimathsboden ihres Gartens und Wisse nichts vom Welken und Vergehen. Und mit dem Strauß machte sie sich zu einer Stund:, wo daheim weder Vater noch Mutter ihr Thun beobach teten, auf den Weg. Und das war genau derselbe Weg. den ein paar Minuten zuvor in entgegengesetzt Richtung Frau Doktor Föhrenbach geschritten war, um nach des Gatten Verordnunq alltäglich in der frischen Herbstluft sich die Krankenstubenatmosphäre ein wenig aus den Gliedern zu laufen. Da wußte denn das Miezelchen, daß es ohne alle Scheu 'mit ihrem Genesungsstrauße zu Föhrenbachs hingehen konnte. Glückstrahlend glühten ihre Wangen, als das Dienstmädchen, nachdem es mit dem großen bunten Strauß zu der armen Kranken hinaufgegangen war. zurückkam und bestellte, das Fräulein Liane ließe sich auch recht, recht vielmals bedanken, und hätte sich sehr über den wunderschönen Strauß gefreut. ' ' , Gefreut hatte sie sich also! Und sie. das Miezelchen, hatte ihr die Freude bereitet! Ach, nur einmal sie sehen hätte sie mögen nicht zu ihr hineingehen, wo noch keiner zu ihr durfte nur sie sehen, ganz heimlich von ferne! Sie sagte das zu dem Mädchen und faltete inbrünstig die Hände dabei: Nur mit einem allereinzigsien Blick möcht' ich sie sehen!" Für die Berechtigung dieses Verlangens hatte Minna angesichts des prächtigen Straußes ein Begreifen. Ich muß noch einmal zu ihr 'rein, da werd' ich ein klein bischen die Thür auflassen. Aber ganz stille müssen Sie fein!" Und mäuschenstille verhielt sich das Miezelchen, wie sie. das Gesicht dicht an den schmalen Thürspalt gedrückt, hinüber zu dem Lager schaute, darauf Liane halb aufgerichtet in den weißen Kissen ruhte. Wachsbleich das schmale Gesicht, die Augen noch immer ein wenig starr, leblos, wie sie wohl in den langen Fieberwochen vor sich hinaus in die unheimliche Welt geblickt haben mochten, um die Lippen noch immer die wehen, verkrampften Linien. ' Das Miezelchen hätte zerfließen mögen vor Mitgefühl und Jammer. So viel konnte die Liebe einem anthun so viel! Ach ja, keiner wußte es ja besser, als sie selber, wie viel einem die Liebe anthun konnte! Aber ihr Strauß, der stand dort gerade dem Bette gegenüber, auf den mußte sie Hinblicken, so oft sie die Augen hob, und da sollte es eine jede Blume ein jedes goldene Blatt ihr zurufen: Gräm Dich nicht mehr, sei gui ten Muthes, es wird ia ganz gewiß für

Dichnoch eines Tages' alles, alles wieder gut! Und aus den Augen wischte sich das Rothköpfchen die dicken Thränen und ging leise, leise wieder die Treppe hinab und aus dem Haus und lief, weil es gar zu viel zu denken hatte und nicht aufschaute, schnurstracks der Doktorin in die Arme, die von ihrem Spaziergang heimkehrte und nun ihre größten Augen machte. I steh mal einer an!" Aber weiter kam Frau Mathilde nicht, denn würdevoll richtete sich das Miezelchen auf und fagte: Sie brauchen nicht böse zu werden, Frau Doktor, ich habe nichts Unrechtes gethan." Dann schritt sie stolz davon. Einigermaßen verblüfft sah ihr die Doktorin nach. Solch ein Fratz, solch ein grüner! Ein Glück, daß der Wilibald das nicht gesehen hatte. Der arme Junge, der da einsam in der Stadt saß. um dessen Wohl und Wehe sich zu kümmern Niemand Zeit gefunden hatte in den letzten fürchterlichen Wochen! Ob er da wieder Todtenkranzgeschichten angebandelt hatte? Doch dann hätte sich der Rothkopf wohl gehütet, so keck das Haus Föhrenbach zu betreten. Vielleicht hatte sie dem Doktor eine Bestellung machen müssen. Sich dabei beruhigend schritt Frau Mathilde in. ihre Wohnung. Im Grunde war ihr jetzt alles, was außerhalb der Sorge um Liane lag. ziemlich gleichgiltig. In all den bangen Stunden. die sie am Krankenbett gesessen, da

wildrasendes. Fieber an dem zuckenden Lebensfaden zerrte, da in wirren Phantasien die leiddurchwühlte Seele alles herausschrie, was sie nicht leben und nicht sterben ließ und doch niemals etwas dabei zu Tage trat, was kleinlich oder unschön gewesen wäre in diesen Stunden war auch von ihr selber so viel abgefallen, was vordem ihre enge Welt ausgefüllt, so viel unwichtiges, gedankenloses Interesse für des Lebens Nichtigkeiten. Nur gesund werden sollte Liane und dann gut machen, gut machen! Ihr die Gedanken ablenken, nicht an Vergangenes rühren, hatte der Doktor geboten. Aber Frau Mathilde wußte es besser, und an dem ersten Tage,' da die Kranke außer Gefahr erklärt worden war, hatte sie es den fiebermatten, fragenden Augen beantwortet, was das müde Hirn doch nicht ruhen ließ. Auf Mcorheide ist alles wieder gut! Es hat nichts auf sich gehabt, und jeder weiß, daß er sich selber aus Unvorsichtigkeit die kleine Verletzung zugefügt hat." Er sich selber?" Nur die Augen fragten es, die bebenden Lippen blieben stumm. Frau Mathilde nickte und nahm die bleiche, abgezehrte Hand, die auf der Decke ruhte, in die ihre. Natürlich er selber. Und auch das andere, Kind, das mit dem Unglücksgeld, wird alles wieder recht und gut. Es ist schon heimlich eingeleitet, und sobald Du gc fund genug bist, um selbst verfugen zu können, wird alles geordnet werden." Mit einem Dankesblick sah Liane die Tante an, ein tiefer, befreiter Athemzug hob ihre Brust, das Haupt sank in die Kissen zurück, und müde senkten sich die Lider. Wie es um Detlef Palmer und Jutta Gerland stand, danach hatten die matten Augen nicht gefragt, die sich schlafesschwer schlössen. (Fortsetzung folgt.) Gauter-Monolog. Mein Gott, wie doch die Zeit ve. geht... Jetzt sind's schon wieder drei Wochen, daß ich nirgends eingebrochen hab'!' Selridigt. Wirth (zu seiner Frau): Heut' legt mir so a' Stadtfrack, wie er zahlt. zehn Pfennig' Trinkgeld hm... na den Blick, den ich d e m zug'worfen X X i!. iJt - Vii fn tt tin ijuu t unc iu viv g-vu ftimitg vui 'steckt hab'!' -

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Die ftodqdchrxt Signal iverdai nutmmTfaxm ichta engegebea da an den ietnsZd VCtYltltACtt BRnC Kl4lCBXS3uQt dtfCSCttCz H WWVWMr V W MM Mathilde Serao, die berühmte italienische Romanschriftstellerin, ist Chefredaktrice des alten Mailänder Blattes Jl Giono" geworden. Der König von 'Schwcdm vnlich der bekannten Ueborfetzerin schwcdi scher Litcraturworke in's Deutsche, Fräulein Marie Franzos, die goldene Medaille Litcris et Artibus". Der Rumane. besonders der Hirte, wohnt nur selten in Dörfern, sondern zumeist auf in den Bergen ver streuten Gehöften., - UnVerbcNcrlwl. Mutter: So gib doch endlich Ruh' und frag' nicht imme? warum! " Ä i n d: Warum nicht?"