Indiana Tribüne, Volume 29, Number 23, Indianapolis, Marion County, 19 September 1905 — Page 5
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Zreundschaft. Novellette von Alfred Friedmann. Sie Waren in derselben Stadt, am Fluß und Gebirge geboren worden. Früh kamen sie zusammen, und seitijem sie sich zum erstenMal angelächelt, waren sie immer froh, einander zu sehen. Sie wurden in gleichen Wägelchen um dic Anlagen der Vaterstadt gefahren und ihre forglichen Mütter führten sie am selben Tage zur ersten Schulstunde. Dort lernten sie fleißig, halfen einander aus und Prügelten alle anderen Schuljungen; nie hatten sie aber.unter sich eine ZwistigZeit. Sie hießen Jean und Georg. Später mietheten die Eltern, wie es damals so Ste war, einen Garten vor der Stadt für die Erholungsstunden der Knaben, und nun wurde gemeinschaftlich gegraben, gejätet, gesät, gepflanzt und geerntet. Sie theilten jeden Apfel, jede Pfirsich, und Nachbars Gärtner - Marie bekam von jedem zu fast gleicher Minute seinen ersten Kuß. Darüber vergingen die Jahre. Ihr Denken, Fühlen, Empfinden aber blieb gemeinschaftlich. Sie kamen sich vor wie eine Person und auf der kurzen Universitätszeit nahmen sie sich zusammen ein Zimmerchen, das hinausging mit der Nückfeite aus den grünen Wald deö Königstuhls und vorn auf den grünen Neckar. .Sie standen im selben Corps zusammen auf der Mensur und einer pflegte die Schmisse des anderen. Man verspottete sie wegen ihrer Freundschaft, nannte sie hänselnd mit klassischen Namen Orest und Pylades und wenn sie nicht lachend Arm in Arm weiter schritten, gab's eben darum, falls sie weniger guter Laune waren, Duelle. So als sie einmal ein Teutone Achill und Patroklus Dämon und Phintias nannte. Wenn einer sie fragte, ob folch stetes Zusammensein, solche streitlose Uebereinstimmung, solch ein ewiger Gleichklang der Seelen ihnen denn auf die Dauer nicht langweilig, sei, ob sie sich nicht endlich einmal nach einem herzhaften Streit dem Vater aller Dinge nach dem dunklen Griechen Helakleitos nach einer gründlichen Schmollerei sehnten, zuckten sie kaum die Schultern. Darauf antwortete Georg oder Jean, das war ganz einerlei: Langweilt sich denn der rechte Fuß, wenn er mit dem linken in die Berge steigt? Langweilt sich das eine Auge, wenn das andere schönheitstrunken in zartflatternde Wolken des Abendroths sieht? Möchte das rechte Ohr mit dem .linken Streit beginnen, wenn sie gemeinsam göttliche Sinfonien Beethovens sich einschmeicheln fühlen? Sie verliebten sich 'in' dieselbe Kellnerin und saßen platonische Frühlingsabende bei ihr - in der Fliederlaube, lasen ihr Heine oder Herwegh Uor, je nachdem die Stimmung lyrisch oder kriegerisch war, sich die Hirtenflöte oder die Kriegstrompete im deutschen Lande hören ließ. Sie tanzten auf den MuseumZbällen mit denselben Mädchen, brachten ihnen ihre Kotillonsträuße, Huldigungen dar und fanden es ganz natürlich, daß sie stets dieselbe Dame vorzogen. Dann kam die Berufswahl und eine wenigstens theilweise Trennung. Aber Georg und Jean blieben in derselben Stadt, sie verbrachten ihre Junggesellenabende mit gemeinschaftlichem Essen. Diskutiren, sie gingen zusammen in Conc.-rte und Theater. Als einmal Georg eine geschäftliche Reise antreten und Jean daheim seinen Verpflichtungen weiter nachkommen mußte, fühlten sie zum ersten Mal so etwas wi. Unglück, Schicksal, die Hand des Lebens. Georg kürzte seine genußreichen Tage im schönen Oberitalien ab, um nur bald wieder bei seinem treuen Jean zu sein, der inzwischen wie ein Schatten umherschlich und weder an Essen noch Trinken dachte, . den auch der Schlaf floh, so daß er das alte schöne Lied singen konnte: Mich fliehen alle Freuden. Und als Georg heimgekehrt war, klagte er sich an, vor dem Freunde , einen Genuß vorausgehabt, etwas Schönes allein genossen zu haben. Er erzählte Jean alles haarklein, malte ihm jeden Sonnenuntergang und jedes Sterngefunkel über dem Lago Maggiore aus, bis er sich einredete, sie seien zusammen dort gewesen, und Jean es ihm glaubte. Doch fühlte er sich seit seiner genossenen Freiheit seltsam gebundener und freier. Oft traten ja auch andere, Altersgenossen, Kameraden aus der Jugendzeit, in ihr:n Kreis, ihre Nähe. Und sonderbar, es war, als ob jeder ein unerklärliches Vergnügen darin suchte, die nun schon so lange gefesselten Bande zu lockern, als ob des Menschen Urnatur Freude am Schaden, am Zerwürfniß fände. So kam Karl Stein, ein Altersgenosse, wenn er Georg auf der Straße begegnete, stets auf ihn zu, und hatte eine Neckerei, eine Dummheit in petto: Na, noch immer Jean's Busenfreund, lieber Georg? Dieser Tadellose! Aber, wie sagt Lessing: mxan keinem Freunde, sonder Mangel. Und lieb' ein Mädchen, keinen Engel." Und wie sagt unser alter, lieber, guttr Sirach:
Vertraue keinem Freunde, Du habest ihn denn erkannt in der Noth." ! Darauf gab Georg ärgerlich zurück: Und weißt Du, was unser guter, lieber, alter Schiller sagt?Nein, was meint denn der alte Herr?" fragte Karl Stein höhnisch. Wahrhast gegen Freund und Feind." Sei so gut und laß mich in Nuhe." In der ließ ihn Karl Stein denn auch 'eine Weile.' Aber es kam, daß sich Georg und Jean nun beide ernstlich in die Tochier eines reichen Kaufherrn, in das bildschöne Fräulein Edith Adelstone, verliebten. Sie sprachen sofort ganz offen darüber. Es war. komisch, zu hören, wie ei.ier dem andern die Vorzüge Ediths anpries. Sie ist das herrlichste Mädchen, das wir noch jemals kennen gelernt haben!" meinte Jean und klopfte Gecrg auf. die Schulter. Das Leben an ihrer Seite muß so eine Art privilegirten, auserlesensten 1 Hochgenusses sein!" philosophirte Georg. Und so ging es in allen Tonarten weiter. Für Eingeweihte und bald auch für die beiden Jnseparaöles, die einträchtiglich auf dem Stänglein der Freundschaft hockten und auch zusammen aus dem aufgestellten Näpfchen erfrischenden Nasses, der Liebe, zu nippen hofften war es bald mehr kein Geheimmß, daß 'sich das Zünglein der Schicksalswage Georg zuneigte. Fräulein Edith Ädelstone, übrigens eine reizende Blondine, fand mehr Gefallen an dem dunkleren Freunde, denn an dem auch germanisch blonden Jean. Zum ersten Male suchte jeder, wrn ihn die Geschäfte frei ließen, die Einsamkeit. Da konnte er ungestört seinen Liebesgedanken nachhängen, sich in Gedanken als der Auserwählte glauben und Thränen um den verstoßenen Freund weinen. Denn jedem ging das Geschick des andern nah. . Ein großer Mann hat gesagt: Wenn Du allein bist, so gehörst Du Dir ganz an, wenn Du aber mit einem Genossen zusammen bist, so gehörst Du Dir nur zur Hälfte oder noch weniger, nach dem Verhältniß TeinerBecheidenheit, an." Jean und Georg empfanden nicht so. Sie fühlten sich verlassen, halbirt, wenn sie nicht vereint waren, und fo fielen sie sich denn auch bald reuig und glücklich wieder in die Arme, wie zwei Liebende nach einem Streit. KarlStein beobachtete und neckte sie. Wer sich der Einsamkeit ergiebt, ach, der ist bald allein," sagte er- zu den beiden, die tr jetzt wicoer oft zusammentraf, wie er sie- getrennt bemerkt hatlü. Ein jeder lebt, ein jeder liebt, und läßt ihn seiner Pein!" Georg," sagte Jean eines Taaes, so kann es nicht mehr weitergehen. Wir sehen beide sehr schlecht aus. wir verzehren uns in Gram weil wir lieben. Erinnern wir uns der eligleiten, die uns jahrelang ungetrübte Freundschaft gegeben. Die Sommerferien sind vor der Tbür. Entsagen wir, Du und ich, der Thorheit, Liebe genannt. : Reisen wir an einen stillen S.eeplatz. Angesichts des ewigen Meeres und seiner wechselnden Bilder werden wir Edith vergessen!" Und es geschah so. Es war ein kleiner .Badestrand Nordfrankreichs, den sie erwählt hatten. Sie fühlten sich wie von einer Last befreit. Sie saßen auf den großen runden Steinen, die zu Millionen unter dem Druck der Wogen jenen Chorgesang zu EhrenGottes anstimmten, den wir Meeresrauschen nennen. Sie wanderten in das Dörfchen zu den einfachen Kindern der Bretagne die aber, wie die Galais, die Meereier, schon recht gerieben waren. . Eines Tages, als Jc'an ein wenig zurückgeblieben war, bettelte eine Art von Zigeunerin Georg an. Sie rief alle Gnaden des Himmels und der heiligen Jungfrau von Ploermel auf sein Haupt und gab ihm ein silbernes Rinqlein: Wahret es, Herr, für alle Zeit, es ist wie ein treuer Freund und soll Euch nie verlassen!" Georg lachte und steckte es achtlos in die Tasche. Als er umkehrte, ein zweites Ninglein für Jean zu erstehen, denn er wollte keinen Talisman allein haben, war das Weib wie vom Erdboden verschwunden. Die Tage !5erqingen. Georg ward unruhig. Er gestand es sich ein er empfand Sehnsucht nach Edith. Er erinnerte sich jener Reise nach Oberitalien, da er zum ersten Male allein gewesen und es vor Sucht, Jean wiederzusehen, nicht ausgehalten hatte. So war es nun mit ihm und Edith. Jean war nicht mehr die Hälfte seines Lebens nein, alles für ihn. Er konnte sich in den Gedanken hineindenken ohne Jean zu fein. Was hast Du?" fragte ihn dieser. ,.Hier ist Friede, und Du bist so unstat. Du willst fort! Du willst mich verlassen. Du willst zu Edith! Was hast Du da für einen Ring, den ich nicht kenne?" Georg lehnte die ersten Anschuldigangen ab und lachte über den Ring. EineZigeunerin gab ihn mir. Aber sieh, ich werfe ihn in's Meer, zwischen die Steine. So wenig er wieder an meinen Finger kommen wird, so wenii, schwöre ich, werde ich Dich je verlassen!" ' Die Zeit .schwand.. Georg erholte sich nicht, magert ab, Jeau betrübte
sich baroS. Eines Tageö waren sie weit hinauf gewandert, bis an eine Landzunge, wo hochgeschürzte Bretagner Fischermädchen Garnelen mit Netzen fingen. Während Jean ihnen unverwandt zusah, ging Georg ein paar Schritte zurück. Jean!" rief er plötzlich. Was ist?" Sieh da, mein Ring!" Und er hob den weggeworfenen Schmuck, der noch ganz blank war, auf. .Das ist Gottes Finger!" sagtt Jean traurig. Du mußt fort und zu Edith.' Geh!". Und Georg holte sich Edith. Er sagte nur niemals, daß er ein zweites Ringlein hatte machen lassen, und vergaß, Jean zu geben. Stärker als der Hang zum Ruhm, der Drang nach Gold, der Zug derFreundschaft ist der Ruf der Liebe. Die beiden Porträts. Novellette von I. H. Rosny (Paris).
Outorisierte Uebersetzung von Wilhelm Tha , Lieben Sie alte Porträts?" fragte Clarence ie Biorne. Ich liebe sie leidenschaftlich, besonders die, die man in den alten Häusern der Provinz findet! Wenn ich in irgend einem verfallenen Schloß oder einem Familienhause aus früheren Jahrhunderten ein recht ausdrucksvolles Porträt entdecke, so ist es mir, als beginne eine Welt verklungen Dinge vor meinem Geiste aufzuleben. Diese Manie wenn ich so sagen darf hat auch einmal Einfluß auf mein Schicksal gehabt. . . . Die Geschichte liegt um zehn Jahre zurück. Ich war damals Junggeselle, freute mich meiner Freiheit, und wenn ich überhaupt an die Ehe dachte, so geschah das ganz verschwommen und unklar, wie man etwa an das Alter oder an den Tod denkt. Ein Freund, den ich im Fechtsaal kennen gelernt, und der sich, infolge eines Duells, bei dem ich sein Zeuge gewesen war, an mich angeschlossen hatte, nahm mich im Sommer zu seinem Vater mit. Der Stammsitz der Familie war ein altes Schloß aus der Zeit Heinrichs II. Es war noch solide, sehr geräumig, ziemlich unbehaglich, etwas feucht und dunkel. Man bewohnte eö übrigens nur im Sommer. Aber auch dann mußte man heizen, sobald der Himmel sich bewölkte. Prachtvolle Wälder, wahre Urwälder mit allerhand Quellen.Wasserfällen. Bächen machten die Unannehmlichkeiten der alten Behausung wieder wett. ' Namentlich aber waren es-zwei junge Feen, die hier ihren Zauber Walten ließen, Es waren die Schwestern meines Freundes, zwei brünette, junge Mädchen, die trotz der gleichen äußeren Erscheinung doch ganz verschieden von einander waren. In dieser Einsamkeit wirkte ihr Zauber wahrhaft verführerisch. Ich weiß nicht, welche die reizendere war. Ich empfand in ihrer Nähe ein Gefühl des Rausches, das nicht Liebe war, aber doch eine große Ähnlichkeit damit hatte. Und damals dachte ich zum erstenmal an"' die Ehe. . . Doch welche sollte ich wählen? Die eine, die altere, gefiel mir mehr in den Stunden der Dämmerung, des Regens, des Sturmes. Sie hieß Clotilde und war die dunklere von beiden Sie trug eine noch schwerere Haarfülle als die andere, ihre Augen leuchteten noch tiefer. Der Teint der andern, Irene mit Namen, war zart und licht wie die Oberfläche einer Perle, und auf ihrem Gesicht spiegelten sich alle Eindrücke so rasch und leicht wechselnd, daß sie beständig ein neues Wesen zu werden schien. Die Wochen vergingen. Man ließ mich nicht fort. Ich war Widerstandslos gegen den Zauber, der der Stimme, dem Lachen, dem Gange dieser schönen jungen Mädchen entströmte. Der Gedanke an eine Heirath nahm festere Gestalt an, doch die Schwierigkeit der Wahl erschien mir von Tag zu Tag größer. An einem regnerischen Vormittag hatte ich mich in die Bibliothek begeben, wo ich die Bücher aus dem sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert zu, durchblättern liebte. Auf dem Wege von dort verirrte ich mich in den weiten Corridoren des Schlosses und gerieth an eine halb vermoderte Thür. Ich öffnete sie und sah in dem recht geräumigen Gemach zwei Porträts an der Wand, die meine Neugier reizten. Ich trat näher, um sie zu betrachten, und ... war wie vom Blitz getroffen. Es waren in Rahmen, die wenigstens zwei Jahrhunderte alt waren, die Bilder meine? beiden Feen, zum Sprechen ähnlich! Nur sie waren mindestens jede fünfzig Jahre alt; die Haare, waren weiß, die Schläfen von ganz feinen Runzeln durchzogen, . die Augen verschleiert und schwermüthig. Und doch, wie verschieden war der Eindruck, den sie auf mich machten! Trotz Alter und Runzeln besaß Clotilde ich meine die auf dem Bilde noch immer eine Harmonie, eine Anmuth, einen Zauber, daß sie mein Herz auch so noch hätte höher schlagen lassen, wenn sie mir an einem jener Sommerabende begegne! wäre, d so gut zu ihrer jungen Schönheit paßten. Irene dagegen erschien welk, fahl, farblos, kläglich, versallen, ein wahres menschliches Wrack. . . Ich blieb wohl eine gute halbe Stunde in dem entlegenen Raume und be trachtete das Bildniß jener ersten Cls-
ttlde, die. laut Aufschrift im Jahre Jahre 1697 Enguerrande d'Oreciöreö hieß. Dann suchte ich den Weg in die Bibliothek zurück und vertiefte mich in eine alte Ausgabe Pascals. Als ich die beiden Schwestern wieder sah", , fuhr Clarence fort, erkannte ich, wie sehr die beiden alten Bilder zu meinem Herzen gesprochen hatten. Irene, die mir am vorigen Tage noch ebenso verführerisch wie Clotilde erschienen war, war jetzt nur noch ein hübsches und feines Geschöpf, während mir ihre Schwester als die Schönheit und der Seelenadel in Person erschien. Schon nach einigenTagen erfüllte mich der Gedanke, ich könnte verurtheilt sein, fern von ihr zu leben, mit Entsetzen. Doch gleichzeitig drückte mich das Gekllbl meiner Unwllrdizkeit zu Boden; es erschien mir fast als ein Verbrechen, daß ich es wagte, ein so reizbegabtes Geschöpf zu lieben. Ich wagte nicht, von meiner Liebe zu ihr zu sprechen; ich hatte thatsächlich die Empfindung, ich würde in ihrer Gegenwart häßlich, genau wie ich mir dumm und linkisch vorkam. Und ich fühlte mich erst dann ein wenig ruhig und glücklich, wenn ich mich zu dem alten Porträt im Seitenflügel flüchtete was mindestens täglich drei- bis viermal der Fall war. Diese Gesuche in dem verfallenen Zimmer führten Übrigens schließlich die Lösung meines Abenteuers herbei. Herr von Orcires, dessen Arbeitszimmer auf dem Wege lag. den ich zurückzuleg: hatte, bemerkte schließlich meine Wanderungen; eines Abends, als wir, Clotilde und ich, gerade frische Luft auf der Terrasse schöpften, während mein Freund und Irene im Salon ein Musikstück spielten, sagte der alte Herr plötzlich mit liebenswürdigem Lächeln: Ich glaube, unser verehrter Gast tat in unserm alten Schloß einen Schatz entdeckt. . . Ich sehe Sie Morgens und Abends mit der geheimnißvollen Miene jener Zauberer, dieKreise in den Sand ziehen, durch die Corridore irren. . Wir saßen im Dunkeln. Nur die ferne Lampe im Salon und die Sterne des Sommerabends verbreiteten ein schwaches, milchweißes Licht. Es ist wahr", sagte ich mit. einiger Anstrengung, ich habe einen Schatz entdeckt. . . oder doch wenigstens das Abbild eines Schatzes . . . und ich werde nicht müde, es zu betrachten. . Ich zögerte, ob ich fortfahren sollte; Clotildes Gesicht hatte 'sich mir zugewendet; mein. Herz klopfte so heftig, daß ich glaubte, man müsse es hören. ' Nämlich?" fragte mein Wirth.
Ein Porträt!" versetzte ich und nahm meinen ganzen Muth zusammen, um einen möglichst harmlosen Ton anzuschlagen. Das Porträt einer. Ihrer Ahiten, Madame Enguerrande d'Orciör'es . . . Hätte ich zu ihrer Zeit gelebt; ich bin überzeugt, ich hätte sie wahnsinnig geliebt, und nichts hätte mich darüber trösten können, wäre es mir nicht vergönnt gewesen, meine &a ge. mit ihr zusammen verbringen zu dürfen. Es herrschte ein ziemlich langes Schweigen. -' . Herr von Orciöres hatte .sich erhoben. Er wandelte auf und ab. Man sah ihn abwechselnd im Schatten der hundertjährigen Ulmen verschwinden oder unter dem freien Himmel auftauchen. In dem Augenblick, wo er sich am andern Ende der Terrasse eine Cigarre anzündete, fragte mich Clotilde: Ist das wahr, was Sie eben meinem Vater gesagt haben?" So wahr ich Sie vor mir sehe!" versetzte ich, während ich vor Erwartung zitterte. Ueber ihre Lippen huschte ein Lacheln, in dem sich Güte mit Schelmerei vereinte; dann fuhr sie fort: Es thut Ihnen also sehr leid, daß Sie nicht im 17. Jährhundert gelebt haben?" Nein," versetzte ich ganz leise, ich bedaure nichts. . . denn ich glaube, Enguerrande d'Orciöres hätte mich nicht geliebt. . . und mein Leben wäre, dann nur ein langes Elend geworden. .-." Und ich", entgegnete sie mit ihrer frischen Stimme, die mich immer an dasKlingen eines Springbrunnens erinnerte, ich glaube gerade das Gegentheil!" Unsere Blicke begegneten sich. Ein klares und sanftes Licht stand in Clotildes schönen, dunklen Augen, und ich las in ihnen, daß die silberschimmernde Landschaft, die weiten, .dunkelblauen Wälder, die Teiche, das alte Schloß die erste Stunde eines großen Glückes im Zifferblatt meines Schicksals verkündeten." t Vom Kasernenhof. Leutnant (die Front ausrichtend): Der fünfte Mann, Kopf etwas zurück!... Donnerwetter, wer ist denn der Kerl? Aha, der Einjährige und Doktor der Philosophie Müller!... Also bitte, Herr Doktor, nehmen Sie 'mal Ihr geistiges Uebergewicht um eine Nasenlänge zurück!" G e f a ß t. Gast (als von herumziehenden Musikern in ganz kurzer Folge sammelt wird): Donnerwetter, Sie waren doch eben erst da!" Musiker: Keene Spur nicht, det tt schon lano, her; aber Sie seh'n, wie gut Se sich bei uns amüsiren, wenn Ihnen, die Zeit so schnell vergehe tjut." 7. 1
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