Indiana Tribüne, Volume 29, Number 22, Indianapolis, Marion County, 18 September 1905 — Page 6
Jndiana Tribüne, IS. September 1903
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Die döse Schwiegermutter.
Humoristische Skizze von Auguste Werner. Sie war das Gespenst, das drohend vor ihm aufstieg, sobald ihn ein holder Traum von einem sinnig ausg;statteten Heim und eine? blondlockigen Fee, von versalzenen Suppen und süßen Küssen, von tausend Machenden Thorheiten und still-seligen Stunden beschleichen wollte... Er sah sie vor sich, wie sie mit unzähligen Koffern und Schachteln in das geträumte Paradies einrückte, wie sie dessen malensche Traulichkeit in spießbürgerliche Ordnung umwandelte, wie sie dem hübschen Dienstmädchen kündigte, weil es einen Schatz hatte, wie sie dem jungen Ehemann durch Intriguen seine Cigarre, seinen Kegelclub und Skatabend zu entziehen versuchte, wie sie Scheuertage, Küchenzettel feststellte, er sah sie vor sich, wie er sie aus Witzblättern und Theaterstücken kannte, die bose Schwiegermutter, die er erst kürzlich wieder in einem Lustspiel kennen gelernt, in dem er selbst den jungen Gatten gespielt. Eine Rolle, in der er sich an der Seite seiner lieblichen Partnerin so gut gefallen hatte, daß er Lust bekam, dieses angenehme Verhältniß 'in üie Wirklichkeit zu übertragen. Doch jene Kämpfe mit der Schwiegermama, die sich auf der Bühne so lustig abgestielt, schreckten ihn zurück. Ja, wenn Susanne Helldorf neben ihren vielen andern reizenden Eigenschaften auch noch alleinstehend" wäre, so würde er sich keinen Augenblick besonnen haben doch sie hatte eine Mutter, eine Schwiegermutter, die unumschränkte Herrin ihrer Zeit war, die auf Besuch bleiben konnte, so lange sie nur wollte! Und das that Susannes Mutter, denn Erwin Falk hatte ihre Bekanntschaft nicht machen können, weil sie zurzeit verreist war. Mama ist zu Besuch bei meiner verheiratheten Schwester," erzählte Susi arglos ihrem Partner. So? Dort ist Ihre Frau Manro gewiß öfters?" fragte dieser lauernd. O ja, ziemlich oft", berichtete Suschen, und sie bleibt meistens länger, als sie erst beabsichtigt. Ich bin unterdessen unter den Schutz meiner Tante ge stellt". Und Susanne erzählte weiter, wie ernst eZ die Tante rnii ihrem Schutze nahm. Es plauderte sich so hübsch im Halbdunkel der Kulijjen, wo sie auf ihr Stichwort warteten und schließlich verpaßten. Und der Schutz der guten Tante konnte nicht hindern, daß Susi ihr Herz an ihren Partner verlor, welcher seinerseits sich mehr und mehr in die Rolle des jungen Ehemannes einspielte. Am Aufführungsabend versprachen sich zwar beide einige Male, was im Ensemble der Ressource übrigens nicht sonderlich auffiel, beide aber spielten mit einer so auffallenden Natürlichkeit, daß sie Beifallsstürme ernteten. Herr Falk", sagte Susi am Schluß des reizend verlaufenen Abends zu ihrem Partner, am nächsten Vereinsabend werden Sie Mamachen kennen lernen." Er sah, wie in ihren blauen Augen, die so freundlich zu ihm aufblicken, eine süße Hoffnung lächelte. Und doch konnte in seiner Seele der Gedanke auftauchen, an diesem Abende nicht zu erscheinen! Und er blieb weg. So viele Abende die Ressource auch noch in dieser Saison veranstaltete, Erwin Falk brachte keiner wieder. Er wollte Mamachen" nicht kennen lernen. Die böse Schwiegermutter" saß bei ihm zu fest. Seit dem Theaterabend waren mehrere Wochen vergangen, welche Erwin Falk i,kößtentheils auf Reisen in Gescbäften der Firma Falk & Co. verbracht hatte. Er reiste neuerdings mit fieberhaftem Eifer, und wenn es dem nächstbesten Provinznest galt. Es war doch eine Zerstreuung, und er fühlte das dringende Bedürfniß, sich zu zerstreuen. Eines Tages betrat er wieder den Bahnhof, um eine Tour nach einer benachbarten kleinen Stadt zu unternehmen. Es war durchaus keine Zeit zu verlieren, der Schnellzug stand schon da. Da durchfuhr Erwin ein heftiger Schreck, er hatte vergessen sein Cigarrenetui zu füllen. Eine zweistündige Fahrt ohne Cigarren, nimmermehr. Rasch entschlossen stürzte er sich in das im Bahnhof befindliche Cigarrengeschäft, nach zwei Minuten mit der errungenen Beute wieder heraus und langte an dem Zug an, als eben der Inspektor das Pfeifchen an die Lippen setzte. Schnell riß der Schaffner die nächste Coupethur aus, und während der Zug sich in Vewegung fetzte, taumelte Erwin Falk über einige Frauenröcke hinweg in eine Ecke. Als er die Augen erhob, fiel fein erster Blick auf ein Blechschild, das in markigen Lettern die Inschrift trug: Rauchen verboten! Da saß er nun mit seiner gefüllten Clgarrentasche rn emem Nichtraucher coupe, das noch dazu den Charakter eines Frauencoupes hatte. Denn ein zweiter Blick belehrte ihn, daß sammt nche Mitreisenden weiblich waren, ausgenommen ein dicker Junge von vielleicbt zwei Jahren, der sein rundliches Gesicht in zahllose freundliche Fältchen legte, wobei er Papa" sagte und auf Erwin deutete. Die Mutter des Jungen war blond. Blond! Mit einem sentimentalen Seufzer strick sich Erwin über den Fart und lies dann den. musternden
Blick weiter schweifen. Doch viel zu mustern gab es nicht: neben der Blon-
den eine ältere Dame runden Genres und auf Erwins Seite eine ebensolche, vielleicht noch etwas runder, die mit runden Augen über runde Brillenaläser hinweg den jungen Mann forschend ansah, als wollte sie fragen: Na, was bist denn du für einer? Erwin Falk ließ hochmüthig die Lider sinken und entfaltete eine Zeitung. Doch er hatte kaum begonnen, sich über die neuesten Ergebnisse zu informiren, ajs die Worte Griessüppchen", Kindermehl , Kuhmilch und Spreewälderamme" aufdringlich an sein Ohr schlugen. Unter den drei Damen hatte sich ein eifriger Disput über die Erziehung junger Weltbürge? entsponnen, und mit berechtigtem Stolze blickte die junge Mutter auf ihren dicken Buben. Herr Erwin -Falk versuchte weiterzulesen, d. h. er starrte gedankenvoll ? r "! ! -i. - em i in seine Jeliuna, als iqn erwas ceriwürdiges aufschreckte. Es fing plötzlich an, Würste zu regnen! Rothwürste, Mettwürste, Leberwürste feinster Art. elegant und appetitlich aussehend, fielen auf das Polder herab. eine große, schöne Cervelatwurst rollte hin Aufschreie aus weiblichen Kehlen begleiteten das seltene Ereigniß. Die ältere Dame auf Herrn Falls Seite stand händeringend da und sah zu dem Netz hinauf, in welchem eine Menge Pakete aufgethürmt lagen, zu obcrst die auseinandergegangene Umhüllung der Wurstwaaren. Es blieb Falk nichts übrig, als hilfreich beizuspringen, sämmtliche Pakete herabzuholen und zur erneuten und festeren Verpackung der WurstWaaren seine Zeitung zu opfern. Ohne Zeitung, ohne Cigarre saß er nun in seiner Ecke und sah, wie die Dame jedes Packet fürsorglich auf die Umschnürung hin prüfte. Dabei stellte sie der gegenübersitzenden Dame ein jedes dem Inhalte nach vor. Kaviar , sagte sie und klopfte bedeutungsvoll an ein kleines Fäßchen. Lächelnd schaukelte sie einen schweren Gegenstand hin und her: Gänsebrust" ! Oelsardinen", Spickaal", Kronenhummer", erklärte sie weiter, auf die verschiedenen braunen Hüllen tippend Himmel! Wollte sie ein Delikateßgeschäft anlegen? EinPoulardchen und ein Rehkeulchen " Da wird sich ja de? Herr Schwiegersohn nicht schlecht freuen " Das ist er nun schon nicht anders gewöhnt." Ja, ja, die Herren Schwiegersöhne lassen sich gern ein bißchen verwöhnen." Beide Damen lächelten ''sich verständnißvoll an. Und die junge Frau lächelte und fragte ihren, wieder erwachten Buben: Von 'wem hast Du denn Dein schönes Mäntelchen?". Omama", sagte der Kleine mit lachendem Gesicht. . . Er sah sie vor sich, wie sie, mit zahllosen Gepäckstücken beladen, in sein geträumtes Heim einrückte. Doch all' diese Gepäckstücke enthielten rührende Beweise mütterlicher Denkungsart. . . Wie lange gedenken Sie denn bei Ihren Kindern zu bleiben?" fragte die Gegenübersitzende. Solange der Karneval dauert," lautete die vergnügt gegebene Antwort. O weh da senkte sich ein Schatten -über den milden Glorienschein, der von den Wurstpacketen ausgegangen war. Sie wollte sich mitnehmen lassen als überflüssiges Anhängsel bei den Festlichkeiten, als stille, aber fcharfe Beobachterin Wehe der Flasche Sekt, die zu viel getrunken wurde! Welche Erörterungen beim nächsten Morgenkaffee! Wie lange ist das nun schon her, seit ich mein letztes Karnevalsfest als Waldfee" mitmachte", plauderte die alte Dame und nickte erlnnerungsverfunken vor sichjjm. Das bißchen Karnevalszeit ist 'bald vorbei, und darum sollen s die Kinder genießen, und ordentlich und sorgenlos! Ich schwinge unterdessen das wirthschaft liche Szepter, daß heißt, hauptsächlich den Kochlöffel, denn die Köchin ist ge stern krank geworden. Und dann will iS) vor allem das Baby Nachts übernehmen " Ein verklärendes Lächeln glitt über ihr Gesicht. In Erwin Falls Herz aber schlich sich bohrend die Reue ein. Das nächste Mal werden Sie Mamachen kennen lernen," hörte er eine liebliche Madchenstimmer sagen. Und Ihr jüngstes Töchterchen? erkundigte sich die Dame gegenüber. Ist schon seit gestern dort. Sie soll auch ein bißchen mitthun, soll tanzen und lustig sein. Wann soll sie s denn. wenn sie s zetzt nicht will?" Ja, will sie denn nicht?" fragte die andere verwundert. Bewahre", klang die Antwort, von einem bekum merten Seufzer begleitet. Ich weiß nicht, was mit dem Kind ist. Sie ist wie ausgewechselt, so ernst, fo nach denklich seit sie in der Ressource Theater gespielt hat! Damals war sie Feuer und Flamme. Wenn sie nur nicht eine unselige Leidenschaft erfaßt bat " - - Der Mann in der Ecke zoq mit plötzlicher Hast seinen Hut tief in die Stlru. Ich meine, fürs Theater, für die Kunst", fuhr die Dame fort
fo, wie erne ihrer Freundinnen',, die
partout Schauspielerin werden will " Der Zug hielt in der kleinen Provinzstadt, die Erwin Falls Reiseziel war, dieselbe Stadt, d Susanne Helldorf osters erwähnt hatte 'als den Ort, wo ihre verheirathete Schwester lebte. Erwin 5VaIf batte ilck mit überraschender Zuvorkommenheit mit sämmt lichen Packeten der ebenfalls auSstetgenden- älteren Dame beladen und stand nun wartend neben' dieser aus dem spärlich erleuchteten erron. Mamachen!" Ein junges Mädchen eilte auf die Dame zu, fuhr aber erschrocken zurück, als sie richt neben derselben einen großen, schlanken Mann erblickte, sehr bepackt. Die Hände konnten er nicht reichen, doch seine Augen leuchteten ihr entgegen. ... Wenige Wochen später spielte Ewin Falk wieder die Rolle des jungen Ehemanns, diesmal jedoch auf der Bühne des Lebns! Und er fühlte sich unendlich wohl an der Seite seiner reizenden, blonden Partnerin, zumal er die Ueberzeugung gewonnen, daß die böse Schwiegermutter" nur ein Fabelrhier war. - Papier. Anzüge. In verschiedenen Ländern KurovaZ beginnt man, Anzüge aus, Papier herzuziellen, unv die Erfinder bemühen r i r, . , . ' licn, oas aorikat recht modern zu gestalten. In Sachsen werden l&mali Papierstreifen mittels eines patentirten Verfahrens zu Tuch verwebt; auch wird Papier mit Baumwolle verfponnen. io vaö im fertigen Garn das Papier die Baumwolle umhüllt. Das Garn wird mit dem Einschuß von Baumwolle zu Handtuchstoff und Sommerstoffen verwebt. Schivereres und wärmeres Tuch wird aus einer Combination von Papier und Wollgarn hergestellt. Das Gewebe ist cremesarvlg unv kann hausig gewaschen werden, ohne daß das Aussehen leidet, und eignet sich sehr gut für Ten-nis-und Ausfluasanzüae. Der Stoff zu einem kompletten Anzug stellt sich . . & I . y-x mm m yv s aus erwa $z.öu unv sur Arbeiter werden noch billigere Anzüge hergestellt. Die Waaren sollen sogar gegen Wasser außerordentlich Widerstandsfähig sein. Der Name des Fabrik, tes ist Xylolin. Ein russisches ttulturbild. Ein trauriges Kulturbild von dem Aberglauben und dem geistigen Tiefstand der russischen Landbevölkerung gibt ein Bericht aus Odessa von der Ermordung eines russischen Dorfpriesters zu Sciza Krivza in der Krim, Da eine große Trockenheit die diesjährige Ernte vernichtete, so schob man im Volke dieses Unglück auf den Tod eines alten Mannes, den man für einen Ophir" oder Zauberer hielt, denn feit seiner Beerdigung im März war kein Regen gefallen. Nun herrscht ein Aberglaube unter dem Volk, daß der Geist des Zauberers besänftigt werden müsse, und zwar muß man zu diesem Zweck seine Gebeine um Mitternacht ausgraben, ein Pope muß sie mit heiligen Wasser besprengen, und dann werden sie wieder in das Grab gelegt. Eines Sonntags zogen deshalb die Dorfbewohner nach dem Kirchhof in einer langen Prozession, Knaben und Mädchen, die Fackeln trugen, an der Spitze, dann Geiger und Flötenspieler, die Trauerlieder spielten. Dann wurde der Leichnam des todten Zauberers ausgegraben, in sitzender Stellung gegen den Baum gelehnt, und dann führten bei der Musik der Dorfmusikanten 40 bis 50 Bauern einen seltsamen Tcmz um den Leichnam aus. Doch plötzlich erschien mitten unter denTan zenden der Dorfpope Vater Konstantin, und die Bauern jubelten ihm freudig zu, weil sie meinten, er wolle nun den Leichnam mit Weihwasser besprengen und ihrem Brauch dadurch die rechte Wirksamkeit verleihen. Doch der Priester schalt sie wegen ihrer gotteslästerlichen Barbarei, verfluchte ihren Aberglauben und weigerte sich, bei fo sündigen und heidnischen Ceremonien mitzuwirken. Nun-wurden die Bauern, die auch wohl schon etwas angetrunken und durch die Musik und den Tanz seltsam erregt waren, von Wuth gegen ihren Priester erfüllt und schrieen, er wäre der eigentliche Zauberer, denn der Geist des Todten wäre in seinen Körper gefahren und richte neues Unheil an. Die fanatische Menge ergriff den Priester und stieß ihn in das geöffnete Grab hinein, dann warf man die Leiche nach und schüttete Erde und Steine darüber. Am anderen Morgen schickte dn von zwei Frauen benachrichtigte Poli zeicommissär Leute nach dem Friedhof, die den aufgeschütteten Hügel wieder aufgruben, aber nur noch den Leichnam des Priesters vorfanden. Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg, der Tod war durch Erstickung er folgt. . T h e.i l n a h m e. Sind Sie nicht wohl, Herr Studiosus? Sie haben so ein examenfarbiges Gesicht!" Auch eine Karriere. Schauspielerin (zur andern): Die Schn-nkwitz hat doch kolossal rasch Karriere gemacht! Mit fünfundzwanzig Jahren war sie schon komische Alte"!" .
Deutsches erzteelcnd. Ein grelles Schlaglicht auf daZ Aerzteelend, so theilen Berliner Blätter mit. warf eine Verhandlung vor dem Schöffengericht. Der Äauunternehmer Koch ist in einem westlichen Vorort (Südende) Eigenthümer eines Grundstücks, aus dem er einen Neubau errichten wollte. Er hatte Bauholz und andere Materialien auf dem Platz aufgeschichtet. Schon nach kurzer Zeit bemerkte er, daß ihm auf unerklärliche Weise Bauholz von dem Grundstück verschwand. Er vermuthete einen Diebstahl, konnte aber den Thäter nicht ermitteln. Eines Tages im Februar d. I. theilte ihm das Dienstmadchen Margarethe Bregemann einen Vorfall mit, den sie kurze Zeit vorher beobachtet hatte. Ein anscheinend den besseren Ständen angehörender Mann betrat das Kochsche Grundstück, sah sich scheu um, ergriff dann mehrere Stücke Bauholz und ließ diese unter seinem Paletot verschwinden. Nach einiger Zeit erschien eine Dame auf dem Platze, packte ebenfalls einige
Stucke Bauholz und versteckte sie unter ihrem Mantel. Beide Personen waren miteinander bekannt, da sie zusammen weitergingen. Der Eigenthümer b:nachrichtigte einen Gendarmen und legte sich .mit diesem auf die Lauer. Nach kurzer Zeit erschien jener Herr nochmals auf dem Bauplatz. Er ließ wieder mehrere Stücke Bauholz unter seinen Mantel verschwinden und wollte sich damit entfernen. Die beiden Beobachter traten nunmehr aus ibrem Versteck und hielten den Unbekannten an. Er wurde sofort durchsucht, wobei mehrere Stücke Bauholz unter seinem Paletot gefunden wurden. Der Festgenommene wies, sich zum größten Erstaunen aller Anwesenden als der praktische Arzt Dr. med. Z. aus, de? sich in größter .Noth zu diesem verzweifelten Schritt hatte hinreißen lafsen. Er war unverschuldet ins Elend gerathen, seine Mittel waren durch das Studium aufgebraucht, eine einigermaßen einträgliche Privatpraris oder eine amtliche Stellung konnte er bei dem starken Andränge, der in ärztlichen Kreisen herrscht, nicht erlangen. Es stellte sich nach und nach ein Mangel in den nothwendigsten Lebensbedürfnissen in seiner Familie ein. der ihn allmählich zur Verzweiflung trieb. Um wenigstens in der Februarlälte eine warme Wohnung zu haben, ließ sich Z. verleiten, sich auf unrechtmänige Weise Brennmaterial zu verschaffen. Die Folge war eine Anklage wegen Diebstahls, die jetzt vor dem Schöffengericht verhandelt wurde. Der Arzt war geständig und bat um eine milde Strafe, da ihn nur die Verzweiflung zu diesem Schritt verleitet habe. Die Mitangeklagte Ehefrau stellte jede Theilnahme an dem Diebstahl in Abrede. Das Dienstmädchen Bregemann erkannte sie jedoch mit aller Bestimmtheit als jene Frau wieder, die sie bei einem Diebstahl beobachtet hatte. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Arzt zwei Monte, gegen die Ehefrau einen Monat Gefängniß. Der Gerichtshof beließ es bei der ganzen Sachlage bei bedeutend mildern Strafen und erkannte gegen den Angeklagt ten auf eine Woche, gegen die mitangeklagte Ehefrau auf zwei Tage Gesängniß. Nunzio Rast in Rom. Das neueste Skandalcreigniß Roms ist die Anwesenheit des bekanntlich feit Jahr und Tag steckbrieflich verfolgten früheren Unterrichtsministers Nasi in der italienischen Hauptstadt. Seine diebische Excellenz geruhte incognito naturlich am 24. Juli in Rom anzukommen, bei dero Herrn Sohn, Advokat Virgilio Nasi, abzusteigen und mit Hülfe des Notars Palmucci einen Recurs gegen das Urtheil zu unterzeichnen, der Hochdieselbe (die Excellenz von Trapani nämlich) an das Schwurgericht verweist. Man findet es nun etwas unbegreiflich, daß eine 'so siadt-, vielmehr landbekannte Persönlichkeit mit so scharf charakteristlschen Zügen und o ausfallender Ft gur wie der kleine blonde Sizilianer Nunzio Nasi. auf den seit anderthalb Jahren Jagd gemacht wird" (?) sich ganz unbemerkt nach Rom begeben und dort' aufhalten darf! Und dabei soll beißt es Na is Sohn beständig polizeilich überwacht sein. Der Abgeordnete von Trapani, der erst kürzlich wieder von seinem alten Wahlkreis mit Stimmenmehrheit und beispiellosem Enthusiasmus gewählt wörden ist. soll der Zukunft mit Seelenruhe in's Auge sehen, und Kenner der Verhältnisse meinen, daß Excellenz Nasi dazu allen Grund habe. Wenn man einen Onorvole Palizzolo, das Haupt der sizilianischen Mörderbande Mafia, den anerkannten Schlachter des Ehrenman nes Notarbartolo, freigesprochen hat. wird man den harmlosen kleinen Nasi mcht vernrtheilen, well er sich auf Re gimentsunkosien eine Villa eingerichtet und seinen Getreuen erlaubt hat, die Ministerialfonds - für Lehrerwittwen und -Waisen zu ihrem eigenen Vortheil zu plündern. Der Vijouteriefabrikant Vogt in Hanau hat sich erschossen, muthmaßlich. weil er in die schwebende Goldhehlereiaffäre mit verwickelt war. Nach 55-jahriger Lehrthätigkeit ist der Leiter der städtischen höhern Mädchenschule zu MünchenGladbach. Direktor Löhbach. in den Ruhestand getreten. Die Schule, deren Leiter er 29 Jahre lang gewesen t hat ihm eine schone Abschiedsfeier der-nstaltet.
Russische Hrrmaltungszuständk.
Ein ufsesundener Kodlenfchatz in P.rt Arthur Betrugsmethoden. Ein grelles Streiflicht auf russische Verwaltungszustände wirft der folgende unlängst inder Kreuz-Zeitung" erschienene Artikel: Bei der Uebergabe von Port Arthur wurde von japanischer Seite die Einreichung eines genauen Inventars aller in der Festung noch vorhandenen Vorr'äthe verlangt. General Stönel ließ denn auch natürlich nach den Büchern das Verzeichniß anfertigen und überreichen. Bald darauf fiel es auf. daß zwischen den Berichten Generals Nogis über die gemachte Beute und den Angaben Stössels ein eigenthümlicher Widerspruch bestand. Die Japaner haben sogar in Port Arthur 150.000 Tonnen bester Cardif-Stein-kohle erbeutet, während nach den amtlichen russischen Ausweisen Kohle fast gar nicht mehr vorhanden und daher die Flotte zur Bewegungslosigkeit verurtheilt war. Beide hatten recht: der Widerspruch hat in gewissen Gepflogenheiten der russischen Bureaukratie längst eine befriedigende Erklärung gefunden. Man hat es in Port Arthur nicht anders getrieben als in allen übrigen Kriegshäfen, nicht anders als in Kronstadt, Libau oder Sewastopol. Wenn ein Schiff auskaufen soll und thatsächlich sagen wir 6000 Tonnen Kohlen einnimmt, so schreibt man" 8000 oder 10.000 ab. Die 6000 werden eingeladen, die übrigen bleiben im Depot, sind aber amtlich nicht vorhanden, sondern verheizt. So sammelt sich mit der Zeit ein großer Vorrath an, der nun zum Besten von man" verkauft wird und zwar an den Lieferanten, natürlich zu einem geringeren Preise. Dies Geld vertheilt man" nach dem Range. Der Lieferant verkauft darauf die Kohlen sofort an den Marinefiskus zurück, und dieser bezahlt sie zum zweiten Male. Dann beginnt das Spiel von Neuem. So finden sich in jedem Depot große Vorräthe an Kohle, die bald nicht vorhanden sind, bald einen Augenblick dem Lieferanten gehören und darauf wieder in den Büchern auftauchen. Und was der Kohle recht ist, ist sonstigen Vorräthen billig. Es ist dazu nur einfaches Umbuchen nöthig, und die Taschen sind gefüllt. Seit die bisherige Marincverwaltung fällen gelassen worden ist und es nichts mehr zu beschönigen gibt, hat die Regierung es aufgegeben, der Presse die Besprechung dieser empörenden Diebstähle zu verbieten, und sie werden offen besprochen, sogar von Blättern, die unter der Censur stehen. Daß zu den betheiligten mas" hochmögende Männer bis zu den lokalen Spitzen gehören, versteht sich von selbst. In Port Arthur hatte sich gerade ein großer Vorrath nicht vorhandener Kohle angehäuft, als die Einschließung begann und sowohl den Verkauf an den bisherigen Lieferanten als auch eine fiktive Neulieferung unmöglich machte. Daher konnte die Kohle auch nicht in das Inventar aufgenommen werden, und die Diebe kamen um den erhofften Gewinn. Wespen in der Wobnung. Die Miether eines neuerbauten Hauses in Landau, Rheinpfalz, bemerkten in ihrer Wohnung von Zeit zu Zeit große bis zu 1.6 Zoll lange Wespen. Sie nahmen an, diese seien zum Fenster hereingeflogen. Plötzlich aber machten sie eine sonderbare Entdeckung. Das Insekt kam direkt aus dem Fußboden oder aus den Hölzern der Thürrahmen und Dachkonstruktionen. Man fand schöne sauber gebohrte Löcher, aus welchen die Wespen ausgeflogen waren, ohne eine Spur von Holzmehl aufzuwerfen. Einer der Miether beobachtete deutlich das letzte Durchbohren des Fußbodens, sah wie das Insekt sich beim Bohren im Kreise drehte und das Holzmehl sauber unter' sich schaffte. Als es dann ausfliegen wollte, spießte er es auf. Das Insekt entpuppte sich als die sonst nur im Wald vorkommende Holzwespe, welche ihre 'Eier in weiches Holz legt. Die Wespe nahm bei ihrem Ausflug sofort den Flug zum Fenster. War dieses offen, so flog sie fort auf Nimmerwiedersehen. War das Fenster zufällig einige Tage geschlossen, so mußte die Wespe aüs Mangel an Nahrung verhungern. Natürlich ist anzunehmen, daß die Eier oder Larven sich schon in dem verwendeten Tannenholze befanden, -toß sie ihre Entwicklung trotz fester Abschließung durchmachten, und daß dann die entwickelten Wespen sich durch Balken. Fußboden und Teppiche ihren Weg in die Freiheit suchten. Werthvolles Hochzeitse s ch e n k. Das Hochzeitsgeschenk, das 453 mittlere und kleinere preußische Städte dem deutschen Kronprinzenpaär überreichen ließen, kostete nach der jetzt vorliegenden Berechnung 22.986 Mark. Das Geschenk ist ein Service, dessen einzelne Stücke von Künstlerhand mit Ansichten von historisch wichtigen Baulichkeiten und schönen Punkten der betheiligten Städte geschmückt sind. Es besteht aus 100 Desserttellern. vier Dessertschalen auf niedrigem Fuß und vier Fruchtschalen aus 'hohem Fuß. einer großen Jardiniere und zwei kleineren Jardinieren. Gleichzeitig wurde eine künstlerisch ausgeführte Adresse mit ebenfalls kunstvoll gestalteter metallbeschlagener Mappe überreicht.
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