Indiana Tribüne, Volume 29, Number 22, Indianapolis, Marion County, 18 September 1905 — Page 5
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'Der neue Stern. ' tzumcreske von Neinhold Ortmann. Seitdem feine romantische Oper Richilde" an zwei großen Bühnen mit Un üblichen Ehren .durchgefallen war, hatte Professor Arnold Benignus daZ Theater abgeschworen. Er war sonst ein grundgütiger und liebenswürdiger Herr, voll Wohlwollen und Hilfsbereitschaft für jeden, der sich in irgendwelchen künstlerischen oder materiellen Nöthen an ihn wandte. Aber vom Theater und von allem, was darum und daran hing, durfte manihm nicht reden, wenn er nicht sofort in die allerübelste Laune versetzt werden sollte. War es doch seine unumstößlicheUeberzeugungdaß er nur den schändlichsten Bühnenkabalen seinen schmerzlichen Mißerfolg zu danken hatte, und daß man ihn längst als einen zweiten Webei oder Lortzing feiern würde, wenn seine Richilde" nicht durch die Unfähigkeit, Bosheit und Niedertracht der Sänger zugrunde gerichtet worden wäre. Namentlich die Tenoristen beehrte er auf Grund feiner damals gesammelten Erfahrungen mit einen ganz besonderen, durch nichts zu versöhnenden Haß. Und man brauchte mit in seine? Gegenwart den Namen eires solchen gefeierten Bühnenhelden zu nennen, um den sonst so friedfertigen Professor in einen zornsprühenden Donner zu verwandeln. Er componirte nur noch für den Eoncertsaal. und nichts in der Welt würde ihn vermocht haben, den Zu, schauerra'um eines Theaters zu betreten. Daß sein einziges Töchterchen Ilse eine begeisterte Opern - Enthusiastin war, bereitete ihm zwar oftmals das lebhafteste Mißvergnügen; aber er war ein zu liebevoller Vater, als daß er ihr ein im Grunde doch sehr unschuldiges Vergnügen hätte verwehren sollen, nur weil er es nicht zu theilen vermochte. Sie durfte ungehindert die Aufführungen ihrer Lieblingsopern besuchen, und alles, was der Professor von ihr verlangte, war, daß sie ihr Entzücken über die empfangenen Eindrücke für sich behielt und sich's insbesondere niemals einfallen ließ, von den mitwirkenden Künstlern zu sprechen. Bis auf die eine Wunderlichkeit aber war der Professor Benignus, wie gesagt, ein prächtiger und höchst umgänglicher Mann, dem die uneigennützige. Förderung eines bedürftigen Nebenmenschen oft mehr am Herzen lag als das eigene Interesse, und der es heilig ernst nahm mit dem Dienst seiner hehren Kunst. Dafür lieferte er an jenem Winternachmittag, mit dem diese Geschichte beginnt, wieder einmal einen geradezu rührenden Beweis. In die Lektüre seines Leibblattes vertieft, lag er gemächlich auf dem Sofa des Studierzimmers, als der Klang einer ihm unbekannten menschlichen Stimme ihn verwundert aufhorchen ließ. Irgend jemand sang da ganz in der Nähe halblaut ein Lied ein ganz kunstloses kleines Volkslied, wie sie jedermann zu Dutzenden geläufig sind. Aber er sang es mit einer Stimme, wie Professor Benignus sie metallischer und glockenreiner uiemalö gehört zu haben meinte. Die Zeitung entsank seiner Hand, und er lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit, bis der letzte Ton des kurzen LiedchenS verklungen war. Dann drückte er hastig auf den Knopf der elektrischen Klingel. Wer hat da soeben gesungen?" fragte er das eintretende Dienstmädchen. Es muß doch innerhalb der Wohnung gewesen sein, da ich es sonst unmöglich so deutlich hatte hören können." Es war der Arbeiter, der gekommen ist, um etwas an der Gasleitung nachzusehen," lautete der Bescheid. Er dachte wohl nicht daran, daß seine Singerei den Herrn Professor stören könnte." Sie hat mich auch nicht gestört. Bitten Sie doch den Mann, sich mal auf einen Augenblick bei mir sehen zu lassen, der Glückliche hat ja ein ganzes Goldbergwerk in der Kehle." Ein paar Minuten später trat der Verlangte ein, ein gut gewachsener und ausfallend hübscher junger Mann in blauer Arbeitsbluse und in einer freimüthig bescheidenen Haltung, die ihm sogleich die Sympathien des Professors gewann. Entschuldigen Sie, lieber Freund, daß ich mir die Freiheit genommen habe, Sie von Ihrer Thätigkeit abzurufen. Waren Sie es, der soeben da draußen gesungen hat?" Der Gefragte bejahte mit etwas derlegenem Lächeln. Es ist eine schlechte Gewohnheit, daß ich bei der Arbeit immer vor mich hin trällern muß. Und ich hatte ganz vergessen, daß ich mich nicht in der Werkstatt, sondern in einem fremden Hause befand." Sie brauchen sich deshalb nicht zu rechtfertigen, denn ich habe Ihnen mit Vergnügen zugehört. Möchten Sie mir nicht hier drinnen noch eins von Ihren Liedern zum Besten geben und diesmal mit voller Stimme?" Wenn der Herr Professor wünschen ! Aber ich bin nur Natursänger und habe in meinem Leben noch keinen Unterricht gehabt. Etwas besonders Schönes wird also Wohl nicht dabei herauskommen." Singen Sie nur, .'wie Ihnen d.r Schnabel gewachsen ist. Wir sind ja auch hier nicht im Concertsaal, und
Sie haben keinen anderen Zuhörer als mich." Diese letztere Versicherung war nun war nicht ganz zurreffendz aber Professor Benignus konnte doch unmöglich wissen, daß-sein braunhaarigeö Töchtercben flfc lauschend hinter der Thür des Nebengemaches stand und von der drinnen geführten Unterhaltung eben-sowenig-ein Wort verloren hatte als sie einen einzigen Ton von den beiden Liedern verlor, die der jung Mann im Arbeitskittel ohne Zimperlichkeit und Befangenheit ihrem .Vater vorsang. Sah' ein SinaV ein Röslein sieh'n" war das erste und Ich ging im Walde so für mich hin" das andere. Als er geendet hatte, trat der Professor auf ihn zu und legte ihm beide Hände auf die Schultern. Sie sind ein Sonntagskind, Mann! Einen schöneren lyrischen Tenor 'wie den Ihrigen habe ich überhaupt noch nicht gehört. Mit .diesem natürlichen Schatz können Sie's ohne große Mühe zu Berühmtheit und Reichthum bringen. Wenn Sie wollen, nehme ich's mit Freuden auf mich, Sie auszubilden." Ach. Sie machen doch wohl Spaß. Herr Professor ein einfacher Mechaniker wie ich Na. fo gelehrig wie ein Droschkenkutscher wird ein Mechaniker doch wohl immer noch sein, und von denen sind bekanntlich schon ihrer zwei zu berühmten Sängern geworden. Niemann war übrigens, wenn ich nicht irre, auch nur ein Schlosser oder so was-ähnli-ches. Wenn nur der göttliche Funke da ist. kommt es auf ein bischen mehr oder weniger an positivem. Wissen nicht gar so sehr an." Aber solche Ausbildung ist doch wohl recht theuer und ich " Machen Sie sich darum keine Sor ge, Herr ja so, ich weiß ja noch nicht einmal Ihren Namen." Schulze, Herr Professor Bernhard Schulze." Also von Bezahlung für meinen Unterricht kann keine Rede sein, Herr Schulze! Und Sie brauchen ja auch Ihre bisherige Thätigkeit nicht gleich ganz itntf gar aufzugeben. Eine oder zwei Stunden täglich werden Sie doch wohl erübrigen können." Nun ja, das ließe sich schon machen. Vielleicht so um die Mittagszeit herum ." Vortrefflich! Das einfachste ist, daß Sie vorläufig bei mir esser.. Dann können wir Ihre Freiheit am besten ausnutzen. Sie sind doch hoffentlich nicht verheiratet?" Noch nicht, Herr Professor!" Sehr schön! Sie sind also einverstanden?" Bernhard Schulze hatte zwar noch allerlei bescheidene Bedenken; aber der menschenfreundliche Professor ließ ihn damit kaum zu Worte kommen. Es ist. abgemacht '."erklärte erkategorisch. Zunächst handelt sichs ja natürlich nur um einen Versuch; denn wir werden erst festzustellen haben, ob neben dem prachtvollen Material auch Gehör und musikalische Intelligenz genug vorhanden ist. Darauf, daß ich Ihnen nichts in den Kopf setzen werde, was ich nicht vor meinem Gewissen verantworten kann, dürfen Sie sich jedenfalls verfassen. Ich erwarte Sie also morgen Mittag. Und nun 'gehen Sie in Gottes Namen wieder an Ihre Arbeit." Ich war schon fertig damit, Herr Professor! Aber ich weiß wirklich nicht, wie ich Ihnen für so viel Güte " Benignus schob ihn ohne Umstände zur Thür hinaus, denn Danksagungen für noch nicht erwiesene Dienste konnte er in den Tod nicht leiden. Aber als der Mechaniker fort war, ging er sogleich ins Wohnzimmer, wo Fräulein Ilse in emsigstem Fleiß über einer Handarbeit saß, und machte ihr mit freudestrahlendem Gesicht Mittheilung von seiner großen Entdeckung. Die Stimme dieses jungen Mannes ist geradezu ein Phänomen," rief er aus. Und ich begreife nicht, daß sie bis zu diesem Tage unbemerkt bleiben konnte. Die Welt wird mir einst Dank dafür wissen, daß ich ihr diese Quelle des Genusses erschloß. Und mir persönlich wird es die köstlichste Genugthuung gewähren, statt' der dünkelhaften Hohlköpfe, die heute auf den Brettern ihr Unwesen treiben, endlich einmal einen wirklichen Künstler zu erziehen. . Ilse hatte das reizende Gesichtchen so tief auf ihre Arbeit gesenkt, daß der Professor nicht sehen konnte, wie heiß ihre Wangen glühten. Aber sollten sie wirklich alle dünkelhafte Hohlköpfe sein, Papa?" wagte sie schüchtern einzuwenden. Sollte es nicht auch Ausnahmen unter ihnen geben?" Nicht eine einzige!" dekretirte Benignus mit unbeugsamer Entschiedenhelt. Ich kenne die Gattung zur Genüge, und ich möchte mit keinem von ihnen zu schaffen haben. Dieser Bernhard Schulze aber ist ein noch unbe schriebenes Blatt, und ich werde ihm das Gepräge meines Geistes aufdrücken. Er soll nicht bloß eine Rakete und ein Blender werden, wie die anderen, sondern ein wirklicher Stern. Davon, daß er das Zeug dazu hat, bin ich überzeugt, denn ich verstehe mich nicht nur auf die Beurtheilung einer Stimme, sondern ein wenig auch auf die Be urtheilung einer menschlichen Physiognomie ."
Fräulein Ilse sagte nichts weiter, aber die dunkle Gluth brannte auf ih ren Wangen noch lange nachdem der
freudig erregte Vater sie verlassen hatte. Pünktlich stellte .sich Bernhard Schulze am nächsten Mittag ein diesmal nicht in Arbeitskleidung, sondern in einem sehr sauberen und anständiAen Anzüge. Benignus hatte ihn bereits mit Ungeduld erwartet, und die erste Lektion nahm sofort ihren Anfang. Die Gelehrigkeit seines Schülers versetzte ihn geradezu in Entzücken. Der Mechaniker verfügte . wie er sagte: noch von der Schule her bereits über einige Notenkenntnisse, und sein Gehör ließ an Feinheit und Sicherheit nichts zu wünschen übrig. Auch sonst zeigte er sich über alle ErWartung hinaus intelligent, so daß ihm der Professor wiederholt in überströmender Herzensfreude die Hände schüttelte. Ich werde einen großen Künstler aus Ihnen machen einen von den ganz großen verlassen Sie sich darauf und überdies einen Künstler nach meinem Herzen. Als das Mädchen die Herren zu Tisch gebeten hatte, machte Äenignus den hoffnungsvollen Mechaniker auch mit seinem Töchterchen bekannt. Bernhard Schulze verbeugte sich ein bischen steif, und Fräulein Ilse sah befangen vor sich nieder. Aber während des Essens wich die anfängliche Verlegenheit der beiden jungen Leute mehr und mehr einer fröhlichen Stimmung, die durch des Professors "gute Laune so mächtig gefördert wurde, daß sie nach Verlauf der ersten halben Stunde alle drei schon wie gute alte Bekannte miteinander verkehrten. Und wie an diesem ersten Tage ging es auch an den folgenden eine ganze Woche hindurch, ohne daß des Professors Freude an seinem neu entdeckten Stern" auch nur durch den kleinsten Mißton getrübt worden wäre. Einmal hatte Bernhard Schulze den Klavierauszug der Oper Richilde" auf dem Flügel liegen sehen. Er hatte den Namen seines Wohlthäters auf dem Titelblatt gesehen und hatte bescheiden um die gern gewährte Erlaubniß gebeten, den Notenband auf ein paar Tage mit nach Hause nehmen zu dürfen. Im Uebrtaen waren seine Fortschritte von einer so erstaunlichen Art. daß der Professor manchmal kaum feinen Ohren zu trauen wagte und daß er schon etwas wie wirkliche Zärtlichkeit für seinen Schützling zu fühlen begann. Dann aber, am letzten Tage der Woche, kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel, die Katastrophe, die verdorrend und vernichtend über die, junge Hoffnungssaat dahinfuhr. Professor Benignus hatte sich' beim Besuch eines erkrankten Freundes derfpätet, und ganz athemlos, damit sein Schüler nicht gar zu große Einbuße an der kostbaren Unterrichtszeit erleide, eilte er die Treppen zu seiner Wohnung empor. Die Corridorthür war zufällig nur angelehnt, so daß er nicht erst zu klingeln brauchte. Aber seine Vermuthung, den Mechaniker wartend im Studierzimmer zu finden, erfüllte sich nicht. Das Gemach war leer. ' Aus der anstoßenden Wohnstube indessen wurde der Klang einer Stimme vernehmlich. Und ahnungslos öffnete der Professor die Thür, um wie vom Entsetzen gelähmt auf der Schwelle stehen zu bleiben. Denn was er da erblickte, ging so weit über die Grenzen des Glaubhaften und Wahrscheinlichen hinaus, daß es wohl begreiflich war, wenn der gute Benignus eine kleine Weile brauchte, um es zu fassen. Da standen nämlich sein Töchterchen Ilse und der Mechaniker Bernhard Schulze mitten im Zimmer, hielten sich innig umschlunaen und hatten in ihrer Zärtlichkeit offenbar die gesammte übrige Welt so vollständig vergessen, daß sie das Oeffnen der Thür ebenso überhörten wie das entrüstete Schnaufen des Professors, und daß sie erst auseinanderfuhren, als Benignus mit einer vor Aufregung wiederholt überschnappenden Stimme rief: Das ist ja unerhört! Hat man je so was erlebt! Auf der Stelle verlassen Sie meine Wohnung, Sie undankbarer, schamloser Mensch Sie Vertrauensbrecher Sie Sie schändlicher Tenorist!" Bernhard Schulze war wohl im ersten Moment etwas bestürzt; aber er sah lange nicht so zerknirscht aus, wie die Situation es ihm eigentlich zur Pflicht machte. Verzeihen Sie, verehrter Herr Professor,. ich " Der Teufel ist Ihr verehrter Professor! Kein Wort will ich mehr hören. Hinaus! Wir beide. sind geschiedene Leute." Aber so laß Dir doch erklären, liebsier Papa, wagte Fräulein Ilse schüchtern zu bitten. Doch mit dem Erzürnten war in diesem Augenblick nicht zu reden. Ich brauche keine Erklärungen mehr nach dem, waS ich gesehen habe. Mit Dir werde ich mich später auseinandersetzen. Du ungeratheneö Kind. Sie aber, Herr, werden gut daran thun, mich nicht länger durch Ihren Anblick zu reizen." Gut denn da Sie mich jetzt nicht anhören wollen, werde ich gehen. Aber ich tröste mich mit dem edlen Aerengar in Ihrer herrlichen "Richilde", und ich singe wie er: , Noch, mein Lieb, bist Du mir nicht verloren! Hell noch leuchtet uns der Hoffnung Stecn." Er sang es wirklich mit einer weicken. seelenvolkn. wunderbaren Stim-
me, mit inniger Beseelung des Vorkrages und mit einer so vollendeten Kunstfertigkeit, daß dem abermals fassungslosen Professor die in wüthender Gebärde erhobenen Arme schlaff am Leibe herabfielen, daß er mit weit aufgerissenen Augen dastand und auf Bernhard Schulze wie auf eine überirdische Erscheinung starrte. Der aber verstummte nicht eher, als bis er die ganze, sehr lange Arie mit allen ihren schwierigen Coloraturen von ' Anfang bis zu Ende gesungen hatte so schön und ergreifend gesungen hatte, daß dem Professor in Stolz und Freude über seine eigene Schöpfurm zuletzt die hellen Thränen über die Wangen rannen. Schluchzend fiel er nach dem letzten Ton dem Sänger um den Hals; 7ch kann Ihnen nicht böse sein ich sann nicht. Sie sind ein Weltwunder ein wahrhaft gottbegnadeter Mensch. Von mir aber können Sie nichts mehr lernen. O, wenn man diese Arie doch damals so gesungen hätte damals, als ich elenden Stümpern und Intriganten das große Werk meines Lebens anvertrauen mußte." Er h ar außer sich vor Rührung und vor Entzücken. Das Wunderbare. Unfaßliche hatte ihn ganz überwältigt. Bernhard Schulze aber sagte mit liebenswürdigem Freimuth: . So ' darf ich Ihnen jetzt vielleicht das Geständniß machen, Herr Professor, an dessen Ablegung Sie mich vorhin gehindert haben. Ich habe Ihnen zwar meinen richtigen bürgerlichen Namen genannt; im Publikum aber kennt . man mich schon seit mehreren Jahren als Alfred Bernhardt. Denn ich bin kein -Mechaniker, sondern der erste lyrische Tenor des Stadttheaters, und aii solcher bitte ich Sie von ganzem Herzen um die Hand Ihrer Tochter." Wa was? Ein wirklicher ein fertiger Tenorist? Und warum haben Sie diese abgefeimte Komödie mit mir gespielt?" Weil es für mich keine andere Möglichkeit gab. Ihre Bekanntschaft zu machen. Ilse hatte mir versichert, daß Sie einem Bühnensänger, der mit, solchem Anliegen zu Ihnen käme, ohne weiteres die Thür weisen würden. Und so wagten wir es denn, auf Ihre Menschenfreundlichkeit und auf die Güte Ihres Herzens zu spekuliren. Es war ein Betrug, das gebe ich reumllthig zu, aber ein Betrug aus Liebe. Und darum werden Sie uns, wie ich hoffe, gnädig verzeihen." Was bleib! mir denn anderes übrig? Aber ehe ich Ja und Amen sage, müssen Sie mir die Arie aus meiner Richilde" noch einmal singen. Denn damit allein haben Sie sich mein Hz . gewonnen." . Den ganzen Berengar, wenn Sie wollen, Schwiegerpapa! Ich habe ihn ja bis zur letzten Note im Kopfe." Mit dem neu entdeckten Stern war es nun freilich nichts, denn Alfred Bernhardis Ruhm leuchtete schon hell genug am Himmel der Kunst. Aber der Professor Benignus trug an der Enttäuschung niHt allzu schwer, denn er hatte dafür eine andere, kaum weniger erfreuliche Entdeckung gemacht, die Entdeckung nämlich, daß es auch unter den Tenoristen wenigstens einen trefflichen und liebenswürdigen Menschen gebe.'
Sonderbare Radler. In Woolwich. England, wurde vor einigen Jahren ein Radfahrverein gegründet, in dem nur Einäugige als Mitglieder aufgenommen wurden. Ein Club in Norwood zählt gar nur Blinde zu seinen Mitgliedern. Dieser Club besitzt nur ein Rad, dafür ist dieses aber auch das längste, das je gebaut wurde. Es hat zwölf Sitze, elf davon werden von Blinden eingenommen, und ein Diener des Clubs, der natürlich sehen kann, nimmt den zwölften Sitz ein und lenkt zugleich das Fahrzeug. Der Alphabetclub in London unternimmt seine Fahrten nur nach Orten, deren Namen mit Buchstaben in der Reihenfolge des Alphabets beginnen. Im ersten Jahre fuhren die Clubmitglieder nur nach Orten, deren Namen mit A begannen, im zweiten nur nach solchen mit V. usw. Ein Londoner Club nimmt nur Mitglieder auf. die das fünfundsechzigste Jahr überschritten haben. Er heißt der Club der alten Knaben". Die Mitglieder müssen sich bei Strafe der Ausschließung verpflichten, in jeder Saison eine bestimmte Anzahl von Kilometern zu fahren. Ein anderer Club in London nimmt nur Leute auf, die wegen irgend einer Uebertretung der Polizeiverordnung, wegen zu schnellen Fahrens oder Fah-, rens im Dunkeln ohne Laterne u. s. w., bestraft worden sind. Ein dritter Club wieder nimmt keine Person auf, die schon wegen eines der obengenannten Vergehen bestraft wurde. . Scheinbarer Wiv,r s p r u ch. Direktor (zu einer Anfangerin): Also,' ich will den 'Versuch machen, Sie heute die Maria Stuart spielen zu lassen, aber verlieren Sie nicht den Kopf.", Im Zweifer. Chef: Was nur der Meyer hat, daß er den ganzen Tag bei der Arbeit pfeift!" BuchHalter: Gewiß weiß ich's nicht., Aber entweder pfeift er auf die Arbeit oder auf den Gehalt!" '
Die j?rifl In dem englischen Brauercigewerbe Iwird durch die Vorgänge auf der Hauptversammlung der Gesellschaft Samuel Allsopp & Sons in ein näheres Lich gerückt. Während der fünf letzten Jahre ist der Reingewinn dieses großen Unternehmens um 65 Prozent Zurückgegangen, bei einer Abnahme des Absatzes um 20 Prozent. , Die Verwaltung führte die schlechten Ergebnisse des am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahres auf die allgemeine uugünstige Lage zurück.' Dann aber auch sei der Verzehr von Bier niedriger geWesen, als jemals während der zehn vorangegangenen Jahre. Der Niedergang treffe das Hauptgeschäft, nämlich denAusschank vom Faß imWirihsHause; der Verkauf von Flaschenbier dagegen nehme zu. Als Ursachen des geringern Verzehrs werden angegeben: die allgemeine Temperenzbewegung. die joch auch die Brauer nicht ohne weiteres bekämpfen könnten, weil sie am Ende nur die Trunkenheit, nicht den mäßigen Verbrauch von geistigen Getränken hemmen werde, was jedoch nicht ohne zeitweilige Störung des Geschäftes abgehen könne; der verminderte Verdienst der Arbeiter, der mit in erster Linie die Braugewerbe treffe. In Irland nehme das Biergeschäft zu. weil dort nicht dieselben Ursachen für einen Niedergang vorhanden seien. Das Ergebniß des Geschäftsjahres für die Gesellschaft ist eine Verminderung des Gewinnes von 336.000 Pfd. St. im Vorjahr auf 318.000 .Pfd. St. Aus Miethen wurden 4000 Pfd. weniger eingenommen,' namentlich fäll! die Abnahme auf den sogenannten Potteries-Bezirk, die Gegend der leramischen Industrie, wo der Besitz an Schankyäusern bisher am höchsten angeschlagen wurde. Die Kapitalanlagen haben 3000 Pfd. weniger ergeben. Die Geschäftskosten sind um 11.000. auf 186.000 Pfd. St. vermindert worden. Die Ausgaben für Anzeigen. Gehälter. Agenturen und Reisen sind zum ersten Male zusammen aufger'cchnet. weil man der Öffentlichkeit nicht preisgeben will, welcher Betrag für Anzeigen ausgegeben wird. Bezeichnend ist die Aeußerung des Vorsitzenden der Versammlung, daß der Aufsichtsrath anerkennt, durch die Schmälerung des Anzeigenbudgets Anlaß zur Kritik gegeben zu haben. Die Versammlung schloß mit der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses aus der Mitte der Aktionäre.
Unter den Offizieren in Deutsch afrika deren Zahl infolge der sehr starken Vermehrung der Schutztruppe für Südwestafrika auf nahezu 600 gestiegen ist, befinden jich nur 44, die seit länger als fünf Jahren der Schutztruppe angehören. Am längsten in Afrika ist der Major Johannes von der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, der dieser seit 1. März 1889. also mehr als 16 Jahre, angehört. Ebenfalls 1889 in die Schutztruppe für DeutschOstafrika ist der Major Fischer eingetreten, der aber seit langen Jahren zum Oberkommando der Schutztruppen in Berlin kommandirt ist. Auch der Hauptmann Langheld von der Schutztruppe für Kamerun gehört den Schutztruppen bereits seit 1889 an. Nach diesen drei Senioren folgen drei Offiziere.' die seit 1893 in der Schutziruppe sind; dann fünf aus 1894. zwei aus 1895, sieben aus 1896. fünf aus 1897. drei aus 1898. fünf aus 1899 und elf aus der Zeit bis Ende Juli 1900. Während die jüngsten Osfiziere der Schutztruppe für Kamerun schon seit August 1899 und der jüngste der Schutztruppe für Deutsch-OstafriZa im Januar 1900 Offizier geworden sind,, zählt die Schutztruppe für Südwestafrika mehr als 50 Offiziere, die erst in den letzten fünf Jahren Leutnants geworden sind. Eine Weltausstellung in NeuTee tand. Die Regierung der australischen Kolonie Neuseelands hat beschlossen, im Sommer, d. h. nach dcn nörd lichen Jahreszeiten im Winter 1906 1907 eine internationale Ausstel lung in Christchurch zu veranstalten, zu der alle Nationen der Welt eingeladen werden sollen. Dcr Haupt zweck der Ausstellung geht darauf aus, zu beweisen, daß Neu-Seeland durch seine natürlichen Mittel 'Und deren Verwerthung ein wichtiges Glied in der Weltproduktion geworden ist. Die Vertreter der anderen Länder sollen die ungeheuren Mineralschätze der gesegneten Doppelinsel kennen und würdigen lernen, ihre an Großartigkcit und Vielseitigkeit in der Welt einzig dastehenden landschaftlichen Szenerien. die Naturwunder der Vulkane. Geyser und heißen Quellen, auch die ungewöhnliche günstige Gelegenheit für Sportsleute zu eigenartigen touristischen Leistungen. Jagden u. s. w. Alles in Allem soll den IndustrieVölkern der Alten Welt gezeigt werden, daß Neu-Seeland ein weites Feld für Unternehmungen bietet, sowohl für Produktion als für den Absatz. Hiernach kommt es also den Neu-See-ländern bei ihrer Weltausstellung weniger. darauf an, die Leistungen der europäischen Industrie kennen zu lernen, als den Europäern ihr eigenes Land w möglichst günstigem Licht zu zeigen. Die Vereinigung Ruh? ozt mit Duisburg tritt am X Oktober in Kraft. . , . -
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