Indiana Tribüne, Volume 29, Number 22, Indianapolis, Marion County, 18 September 1905 — Page 3
Jndiana Tibüne, 18. September 1905
In
Scheint nach Berichten der dortigen Zeitungen die unzufriedene Stimmung bedrohlich.
Gute Ernte in Teutschland. Bayern's Regierung mit dem Bischof von - Regcnsburg unzusrieden. Abnahme der deutschen Zucker Produktion. Verwüstung zu Baku.
Deutschland. Die Stimmung in Tokio. Berlin, 17. Sept. Man ver. folgt hier mit großem Interesse die Vorgänge zu Tokio. Man vermuthet, daß die revolutionäre Bewegung tiefer gehend ift, als die japanischen Diplo. maten und die von ihnen gut bezahlte Presse im Auslande glauben machen wollen. So viel steht fest, daß zwischen den Berichten japanischer und auslän discher Zeitungen speziell amerikanischer ein himmelweiter Unterschied besteht. Offenkundig stnd die breiten japani' schen Volkökreise mit dem FriedenSver trage höchst unzufrieden. Sie ahnen. daß sie die Kriegskosten bezahlen rnüf sen, wenn auch Japan manche Vortheile errungen hat. DaS japanische Volk hat während des Krieges riesige Opfer gebracht und ift nun. stark enttäuscht, daß diese Opfer nach einem höchst er folgreichen Kriege fortdauern 'sollen. Unter der dünnen Kulturhaut der Ja paner schlummert noch i mmer der Haß gegen die Ausländer und er ift durch die jünzftenVorgänge wieder belebt wor den, speziell gegen die Amerikaner, welche man für den verhaßten Friedens vertrag verantwortlich hält. Die Regierung mag stark genug sein Gewaltthaten gegen die AuSlünde? zu verhüten, aber die allgemeine Stimmung des Volkes kann sie nicht hindern. Ernteberichte. Berlin, 17. Sept. Die offiziel. len Berichte über den Saatenbeftand und die Ernteergebnisse in Deutschland zeigen, daß man mit einer ziemlich gu ten Ernte rechnen kann. Manche Ge g:nd:n erfreuen sich sogar bester Aus sichten auf eine Hochernte und in den meisten werden die Zahlen des Vor jahreS übertroffen. Besonders mit Be zug auf den Weizen erwartet man aus nahmSweise gute Resultate. RügegegenBischofS.Or. dinariat in Regens bürg. München, 17. Sept. Wie ge. meldet wird, hat der bayerische Kultus miniger Dr. von Wehner dem Bischofs Ordinariat in Regensburg eine scharfe Rüge ertheilt, und zwar wegen der vor zeitigen Veröffentlichung eineS Gutach' tenS über den neuen Entwurf der KirchengemeindeOrdnung. Der Mi nister hat die Verhandlungen mit dem RegenSburger Ordinariat abgebrochen. Beträchtliche Abnahme der deutschen Zucker Produktion. Berlin, 17. Sept. Nach den amtlichen Ausweisen hat die deutsche Zuckerproduktion deö letzten Betriebs jahreS, das mit dem 31. Agust zu
ßnbe ging, um drei Millionen Doppel s centner abgenommen. Die Aussichten
für das laufende Jahr werden jedoch als besser bezeichnet. Im Manöver verunglückt. München, 17. Sept. Herzog Christoph in Bayern, Oberleutnant im 1. Schweren Reiterregiment, ift im Manöver bei ttlrchweZoach mit dem Pferde gestürzt und nach München ge bracht' worden. Seine Verletzung ist schwer, aber nicht gefährlich. Ort der Marokko Konfe r e n z. Berlin, 17. Sept. Die Ver Handlungen zwischen Berlin und Paris über den Ort, au welchem die inter nationale MarokkoKonferenz demnächst stattfinden wird, nähern sich ihrem Ende. In Uebereinstimmung mit dem Wunsche der deutschen Regierung wird wahrscheinlich die Hafenstadt AlgeciraS in der spanischen Provinz Cadiz ge wählt werden, welche gute Verbindung mit dem 5 Meilen östlich gelegenen Gi braltar hat. Während Frankreich ur sprünglich für die Wahl Madrids war und der Sultan von Marokko für Tanger, dürste doch Deutschland mit seinem Vorschlag durchdringen. Statistik der Schwind, sucht. -Leipzig, 17. Sept. Auf .An. regung der hiesigen Aerzte wird vom
Tokio
statistischen Amt eine interessante Statistik aufgenommen. ES han delt sich um die Zusammenstellung eines für 25 Jahre vorliegenden Materials über den Einfluß der WohnungSver Hältnisse aus die Entstehung der Schwindsucht. Besondere Rücksicht wird auf Erkrankungen genommen, die den Tod zur Folge hatten. Der Bericht wird an sämmtliche Sanitätsbehörden der civilisirten Welt geschickt werden, um als Basis für weitere Ermittlungen zu dienen, die dem für 1907 in Kopen Hagen geplanten SchwkndfuchtZ.Kon greß vorgelegt werden sollen. Die Differenzen zwischen Schweden und Norwegen. Berlin, 17. Sept. Die AuZ. einandersetzungen zwischen den schwedi chen und norwegischen Delegaten in Karlftad über die Auflösung der Union werden hier mit lebhaftem Interesse verfolgt, und trotz der in den letzten Tagen wiederholt laut gewordenen Be sürchtung, daß es zum Bruch kommen werde, wird hier in leitenden Kreisen an der Ueberzeugung festgehalten, daß eine friedliche Schlichtung der obwal tenden Meinungsverschiedenheiten erfol gen wird. Die allgemein verbreitete Ansicht, daß andere europäische Mächte sich von dem Streit gänzlich fernhielten und der Ent wicklung der Dinge mit verschränkten Armen zusähen, stimmt mit den That sachen nicht überein. Von einer der hiesigen Regierung nahestehenden Per sönlichkeit erführt man, daß Deutsch, land, Frankreich und Rußland der schwedischen wie der norwegischen Re gierung dringend angrrathen haben, ihren Streit auf friedlichem Wege bei zulegen. Sie sind von dem Wunsche beseelt, einen Krieg zwischen den beiden nordischen Völkern zu verhüten, da dieser andere ernste Verwicklungen zwei felloS im Gefolge haben müßte. Krank infolge des Ge nuffes von Büchsen fleisch. Berlin, 17. September. Einer Drahtnachricht aus Kiel zufolge sind zweiundzwanzig Mann des Minen schiffS Pelikan" nach dem Genuß von Büchsenflelsch erkrankt, doch ift keine Lebensgefahr vorhanden. Für Pferdezucht ? 23 r II n, 17. September. Die Nachricht, daß der Kaiser sich mit dem Plan trage, ein LitauerGut anzukau fen, hat nun Bestätigung gefunden. Der Verwalter des Rittergutes Schreit langken, Forstmeister Freiherr Speck von Sternburg, ein naher Verwandter des deutschen Botschafter? in Washing ton, hat das angrenzende 900 Morgen große Gut Walenthal käuflich an sich gebracht und steht nun wegen Weiter Veräußerung mit dem kaiserlichen Hofe in Verbindung. Auf dem Gute ift ein ausgezeichneter Rehbestand und eine vom Kaiser seinerzeit einem ehemaligen Besitzer geschenkte Hirschanlauf hat sich bedeutend vermehrt. ES soll aber be sonders die Schnepfen und Entenjagd an der nahen Memel, dem Mariensee und den verschiedenen Teichen, sowohl auf den Memelwiesen als aitch auf den Jurawiesen auf der anderen Seite des Flusses fein, welche den Kaiser bewogen aben, an de-.t Ankauf des Gutes zu denken. Programm deS.neuenGou verneurS vonDeutfch Südwestafrika. Köln, 17. Sept. Die Kölnische Zeitung" entwickelt in einem äugen scheinlich offiziösen Artikel das Pro gramm des neuen Gouverneurs von Deutsch.Südwestafrika, Herrn v. Lin dequift. Er will mit dem Häuptling Jacob Morenga als anständigem Geg ner Frieden schließen, wenn er die Was fen abliefert und der Anfiedlung . in einer Reservation weit im Norden zu stimmt. Die WitboiS will er als Meu chelmörder vernichten oder deportiren damit ihnen nichts anzufangen und der Treubruch die Regel ift. Die He reroS, mit Ausnahme der namhaft ge machten Führer, will Lindequist amne
stiren und in Reservationen unter ftren
ger Polizeiaufsicht ansiedeln. Ferner oll die Regierung der Kapkolonie ver anlaßt werden, über die Grenze getre. ene HereroS nach früherem deutschen Vorbild weit von der Grenze, vielleicht n Natal, anzusiedeln. Die OvamboS m Norden des Schutzgebiets sollen pa zifizlrt und ihr Land der Besiedlung er 'chlossen werden. Die Kölnische VolkSzeltung" erhebt chwere Anklagen gegen die Kolonial Verwaltung, welche sie der Vergeudung der ReichZmittel. Mangels an jeglicher Kontrolle und einer ausgedehnten Pro ektionSwirthschast bezichtigt. Auch wird hr vorgeworfen, daß sie im Reichstage unrichtige Angaben über den Stand der Dinge in den Schutzgebieten gemacht habe. Die sozialistischen Blätter un erstützen diese Beschuldigungen des CentrumSorganS, während nationalli berale, konservative und unabhängige Zeitungen gegen solche Angaben prote stiren und sie für übertrieben oder un wahr erklären. Der Lebende hat Necht. B r e S l a u, 17. Sept. Der alte Militärkirchhof, auf dem feit demJahre 1864 keine Beisetzungen mehr stattge unden haben, soll zum größten Theile aufgegeben werden. Nur vtoa 400 Quadratmeter bleiben ihrem eigentli cheu Zwecke überlassen; der Refltheil wird in einen öffentlichen Park verwan delt, dessen Centrum ein Elausewitz Denkmal und Springbrunnen bilden wird. Die in diesem Theil befindlichen Gebeine werden in den erwähnten klei nen Raum übersührt. Sozialistischer Partei. Tag. Jena, 17. Sept. Die JahreS Konvention der sozialdemokratischen Partei wurde heute Abend von dem Präsidenten Paul Singer eröffnet. Un er den Theilnehmenden befinden sich von hervorragenden Führern Bebel, v. Vollmar, Bernstein, alle Mitglieder deö Reichstages. Man glaubt, daß Singer und Bebel aus Gesundheitsrücksichten sich nicht stark an den Verhandlungen betheiligen werden. Themata von fundamentaler Wichtigkeit liegen auch nicht vor. ES wird der Versuch gemacht werden, den Berliner Vorwärts" seines Eha rakterS als offizielles Parteiorgan zu entkleiden. Ueber diese Angelegenheit und innere Parteiverhättnlsse mag eS zu erbitterten Debatten kommen. Schweden und Norwegen. Der Lösung näher. Stockholm, 18. Sept. Im Allgemeinen ift man hier bezüglich der Verhandlungen in Karlftad über Auf lösung der Union guter Hoffnung. Man glaubt, daß Norwegen bereit ift, seine in letzter Zeit angelegten Befesti gungen zu schleifen, und ist froh, aus einem unerquicklichen Verhältnisse her auszukommen, das für beide Seiten unbefriedigte war und keine Vortheile brachte. Oesterreich'llngarn. V r a f Z i ch y a l s u n.g a r l scher Premier in Aussicht. Wien, 17. Sept. Eine Privat Meldung aus Budapest besagt: Franz Kossuth und Graf Apponyi, die Führer der vereinigten ungarischen Opposition, seien benachrichtigt worden, daß Graf Johann Zichy nach Wien berufen sei. Er soll ÄS ungarischer Ministerprüsi dent in Aussicht genommen fein. Von Budapest ver f ch w u n d e n. Wien, 17. Sept. Von,Buda Pest hat sich Baneth, der Uederfetzer der berüchtigten Zeistg.Brofchüre: Die ungarische Nr!se und die Hohenzollern" heimlich aus dem Staube gemacht, um der drohenden Verhaftung zu entgehen Der Flüchtling soll sich aus dem Wege nach Amerika befinden. Die Affaire zieht immer weitere Kreise. Nun hat der ungarische Minister deö Innern ttriftoffy, die Zeitung Hirlap- wegen Verleumdung verklagt, well sie andeu tete, er sei in den ZeisigSkandal verwickelt. Protest gegen ein Denkmal. Wien, 17. Sept. In Laibach, der Geburtöftadt des Dichters Anasta fius Grün (Graf Anton von AuerS perg), hat der Crzbischof bei dem Bür germeifter gegen das von dem Bild Hauer Preschern gefertigte Denkmal deö Dichters schriftlich proteftirt, weil das Monument eine unverhüllte Muse zeigt, die dem Dichter den Lorbeerzweig reicht.
Nukland.
Der Zar erholt sich. St. Petersburg, 17. .Sept. Kaiser Nikolaus und die Zarina treten mit ihren Kindern . eine Kreuzfahrt in finnischen Gewässern n, die etwa eine Woche anhalten wird. Verlust an Schiffen. St. Petersburg, 17. Sept. Der Verlust, welchen Rußland durch die gesunkenen Schiffe zu Port Arthur, Wladiwostock und im japanischen Meere erlitt, wird von offizieller Seite auf $113,000,000 geschätzt. Cholera. Sonja, Polen, 17. Sept. ES wird nun doch zugegeben, daß ein Schiffer an der Cholera starb. Die Behörden haben Maßregeln ergriffen. m eine Ausbreitung der Krankheit zu erhindern. Verwüstung zu Baku. St. Petersburg, 17. Sept. Nach Meldungen von Baku wurden bei den letzten Krawallen die Werke voy 21 Oelgesellschasten und 13 individueller Besitzern zerstört. Von den Rothschild. Werken ist nur eins unversehrt ge blieben. Japan. Immer noch Furcht. Tokio, 17. Sept. RegierungS gebäude und Gesandtschaften werden noch immer von Mititär beschützt. Amerikanischer Besuch erledigt. Yokohama, 17. Sept. KrieaS sekretär Taft und seine Gesellschaft trat heute Mittag mit dem Dampfer Korea die Heimfahrt nach San Francisco an. Er erklärte die Berichte über An feindungen der Ausländer in Japan schienen ihm übertrieben und er knüpfte für seine Gastgeber einige verbindliche Redensarten an. Frl. Alice Roosevelt' wird mit dem Dampser Siberia nach Hause zurück lehren. Frankreich. Graf de Brazza. Paris, 17. September. Graf de Brazza, welcher als Afrikaforscher unter allen Gelehrten hervorragte und nur durch Englands brutale Drohung, als er Fashoda besetzte, an einem gro ßen politischen Erfolge verhindert wurde, ift, wie bereits gemeldet, dem Klima erlegen. Graf de Brazza befand sich auf der Rückkehr von einer Sondermission in Mittelafrika, um die Anklagen betreffs der an Eingeborenen verübten Gran famkeiten zu untersuchen, als er von einem schweren Ruhranfall ergriffen wurde, der durch die Strapazen der Reise noch verschlimmert ward. Er vermochte sich von dem Anfalle nicht mehr zu erholen. (Graf Pierre Savorgnan de Brazza stammte aus einem alten italienischen Geschlecht und wurde am 26. Januar 1852 zu Rom geboren. Er diente seit 1870 auf der französischen Flotte, zu letzt in den französischen Niederlaffun gen am Senegal und am Gambun. Im August 1375 unternahm Brazza seine erste Expedition nach Afrika, die Jahre in Anspruch nahm. Im Jahre 1379 trat er die zweite Expedition im Auftrage der französischen Regierung an, errichtete die erste ' Station des französischen Comites der afrikanischen Association", Franceville, erreichte am 8. September 1880 den Kongo, legte an diesem die zweite Station Brazza ville an und nahm im Namen Frank reichS von diesem Theile deS Stromes Besitz. Die dritte Station legte er Ende 1880 an. Im Frühjahr 1832 nach Frankreich zurückgekehrt, gelang es ihm, die Re gierung in den von ihm erforschten und erworbenen Gebieten zu einer größeren Machtentfaltung zu bewegen. 11 Ja nuar 1883 wurde ihm für seine For schüngen und die Anlage neuer Statio nen eine staatliche Beihilfe von 1,275, 000 Frö. bewilligt. Am 30. März 1883 verließ Brazza, zum RegierungS kommlssür in Weftäquatorialafrika er nannt, Bordeaux und traf 21. April zu Libreville am Gabun ein. Wüh rend aller seiner Unternehmungen wid mete sich Brazza nicht winder der Or ganisatlon der neu gewonnenen Land striche. 188637 war er General kommissär von Französisch Kongo worauf er nach Paris zurückkehrte. 189192 hatte er eine neue Erpedi tion von Brazzaville aus nach dem oberen Eangha unternommen, um dort eine Station . als Stützpunkt für weitere. Unternehmungen nach dem
Schart und Tfadfee zu gründen.)
Ein ZZn'cf aus Äfttlia.
Mit welchen Schwierigkeiten die deutschen Krieger in Deutsch-Südwest-afrika zu kämpfen haben, erhellt aus einem Briefe, den ein Reiter cm seine Schwester schrieb und der kürzlich die Adressatin erreichte. Da Schreiben lautet: Lieber Matz! Zuerst theile ich Dir mit, daß ich von der fünfwöchigen Patrouille, die sehr anstrengend aber auch sehr interessant war, gesund und munter nach Rehoboth zurückgekehrt bin. Am 20. Mai wurden wir alarmirt. da eine Abtheilung in den Hinterhalt von Herrero gefallen war und mehrere Todte und Verwundete verloren hatte. Wir rückten nun an demselben Abend ab und erreichten das Gefechtsfeld am vierten Tage. Während des Gefechts waren der Abtheilung die Proviantthiere entlaufen, es mußten daher Pferde oder Esel geschlachtet werden, damit die Mannschaften bis zum Eintreffen von neuem Proviant nicht verhungerten. Be: unserm Eintreffen wurden wir förmlich bestürmt, natüruch gaben wir alles eben Entbehrliche ab. Dort trafen wir auch mit einem Zuge unserer Kompagnie wieder zusammen, der seit Ansang Marz dauernd unterwegs gewesen war. Schlimmer kann eine Räuberbande in den Abruzzen nicht aussehen: keine Schuhe, keine Strümpfe, zerrissene Kleidung, der eine mit Mütze, der andere mit Tropenhut, meist mit einem oder gar keinen Sporen, seit Monaten nicht mehr rasirt, aber trotzdem noch voll Humor. Als Fußbekleidung hatten sie Gewehrschuhe und Packtaschen zerschnitten und Sandalen daraus gemacht. Nachdem nun alles ergänzt und auch genügend Proviant zur Stelle war, ging es unverzüglich an die Verfolgung der inzwischen abgezogenen Bande, mit der wir schon am 26. März ein Gefecht gehabt hatten. Die Spuren führten meist über himmelhohe Berge, die wieder mit tiefen Schluchten und ausgetrockneten Flußbetten abwechselten. Nach einigen Tagen merkten wir die Absicht der Bande, daß sie sich auf englisches Gebiet, und zwar nach der Walfischbai, flüchten wollte. Um dieses zu vereiteln, wurde ein Marsch durch die Ganswüste beschlossen. Was für Anforderungen dieser an Mannschaft und Pferde stellte, ist nicht zu beschreiben. Zwei Tage bekamen die Pferde kein Wasser und kein Futter. Am dritten Tage erreichten wir den Hudaop-Berg, nur 62 englische Meilen von der Küste entfernt. und fanden dort eine Wasserstelle, unten in einem Flußbett. Man gebrauchte nur zwanzig Minuten, um den Berg hinabzusteigen, dagegen nahm der Aufstieg über zwei Stunden in Anspruch. weil man wegen Fluglanoes oft mehr rückwärts als vorwärts kam. Hier sah ich zum erstenmal Zebras, von denen wir drei Stuck erlegten, Die uns in unserer Lage ausgezeichnet mundeten. Nachdem wir uns an der Wasserstelle etwas erholt hatten, ging es wieder vorwärts, und zwar einige Tag? den Kuisebflutz abwärts. Wir ritten mehrere Tage unter herrlichen Baumen dahin, zu beiden Seiten aber von hohen Bergen eingeschlossen. Eine schönere Winterlandschaft habe ich noch nicht gesehen. iDer Gegner aoer lernen inzwischen unsere Ab icht gemern zu haben, denn die Spuren gingen wieder direkt nach. Süden, und es blieb uns nichts übrig, als nochmals eine Wüste zu durchqueren, und zwar mt wanno Wüste. Letztere ist noch beschwerlicher als die Ganswüste, denn es gab fast kein Gras und nurwenige Wasserstellen mit Salzwaner. Auf diesem Marsch haben wir sehr viele Pferde verloren. Diejenigen, die nun den Marsch zu Fuß machen mußten, wurden gewiß nicht beneidet, umsomehr da der ganze Weg mit keinen, scharfen Klippen dicht besät war. Hatten wir unsere Kameraden vorher wegen ihres Aussehens ausgelacht, so ging es uns jetzt nicht besser, denn in ein paar Tagen waren unsere Stiefel auch ganz zerfetzt. Unter den Witterungsverhältnissen hatten wir auch fehr zu leiden. Hier in Rehoboth ist es bei Tage warm, Nachts sehr kalt, in der Ganswüste war es bei Tage auch sehr warm, in der Nacht fror Eis. Am Hudaob traten noch Morgens Seenebel dazu, die unsere Schlafdecken durchnäßten, und im Kuiseb-Revier war es wieder glühend heiß. Daß es auf dieser Patrouille Rheumatismus und Gliederreißen gratis gab, kannst Du Dir wol,l denken. Auch haben wir hier einmal den Werth des Wassers kennen gelernt. Wenn auch Kaffee mit Salzwasser gekocht nicht besonders schmeckt, so waren in dem Sllßwasser meistens Frösche und Kaulquappen vorhanden; einmal traf es sich, daß wir einen Frosch mit aekocht .hatten. Aber, deshalb wurde das Wasser doch noch zum Trinken benukt. Durch den unvermeidlichen Aufenthalt hatte der Gegner jedoch inZwiscken einen solchen Borwrung erhalten, daß er uns noch entschlüpft wäre, wenn er nicht einer aus dem Süden heraufkömmenden Abtheilung in die Hände gefallen wäre, die ihn g'anzlich zersprengte und das ganze Vieh (300 Ochsen. 800 Schafe und Ziegen) erbeutete. Trotz der großen Anstrengungen sind wir so um die uns erwartenden Lorbeeren gekommen und kehrten daher hierher zurück.-
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S1.50 Secatwt S1.50 Sonntag, den 24. September. Stationen JndianopoliZ nach Bloomingdale l 00 ; loommgdalk nach Hnme ?1.25. bsahrt de Spezialzuge vo Judianavoli um V Uhr ,rgen ; Retourfahrt dou Deeatur 7 Uhrbnd Züge ersten Ranges Schnelle Zeitig Zu bequemen Stunden ! 14 12 6 6 4 Züge zwischen Cincinnati. Indianapolis und Züge zwischen Indianapolis und Dayton. Züge zwischen .Indianapolis und Toledo und Detroit. Züge zwischen Indianapolis und Decatur, Illinois. Züge zwischen Indianapolis und Spnngsield, Illinois. Parlor WagqonZ an aSen Tage? und Echlas lvaggon? an allen Nacht-Züzen. Indianapolis Office : Union Bahnhof und 8 Nord JllinoisSt. . R. P. Algeo, D. P. A. IAKE ERIE & VESTERI1 R. H. . . . Fahrzeit der Züge . . Sfcfajrt nkun I olkd. hieazo und ichigau iprttt 7.15 119M koledo. Detroit und ktrago to niiO f 8.18 vttchtga Citft, Munci u.Lasal,ettepl5 70 fl0.1S töftliSj Conntagl. f aal genommen . sssssBSsaamm Die Kundgebung Gapons in Petersburg. Der blutiqe Zusainmcnstojz. der im Januar zwischen den vom PriesterGa pon geführten Arbeitern und dem Mi litär stattfand, ist Gegenstand einer rwtersuchung gewesen, die von einer Kommissüin der Petersburger NechtZ anwaltschaft vorgenommen würd?. Dieser Kommission gehören bekannt;? und hervorragende russische Anwälte an, und der frühere russische Justiz minister Murawiew hatte sich mit der Veranstaltung dieser Untersuchung einverstanden erklärt. Der Bericht wurde im Mai fertiggestellt und sollte oerOeffentllchkeit oder wenigstens den ersten Würdenträgern des Reiches überarbeit morden. tnas iedock durck oen enraigouverneur veryins . rr ... . YlI V-.i wurde. Die Vossische Zeitung"- ver-" öffentlich: nun Bruchstücke aus dem Berichte. Danach hättm sich Gapon und die Arbeiter keineswegs mit wl dersehlichen Absichten getragen und auch vorher bei der Behörde rnige fragt, ob gegen ihre Kundgebung Ein. Wendungen erhoben würden. Dies sei von der Behörde verneint worden mit dem Hinzufügn:, daß sich das Verbot von Zusammenrottungen nur auf revolutionäre Kundgebmigm be ziehe. Der Zug sei dann ganz und gar in der Art kirchlicher Prozessionen veranstali?t worden unter Vorantra gung von Heiligenbildern und Vil dern des Kaisers und der 5kaiserin. Ganz wie bei Prozessionen seien Po lizisten an der Spitze des Zuges mar schirt und hätten durch Aufhalten und Zurückweisen von Wagen den Weg für die Prozession freigemacht. Wo der Zug auf seinem Wege PolizeiAb theilungen begegnet sei hätten die Polizisten ihn durch Vekreuzigungen begrüßt, und nichts habe darauf hin gewiesen, dad man den Zug als eine unerwünschte Kundgebung betracht?. Als der Ziig sich dem Narwaschen Thor näherte, seien dann plötzlich die Salven abgegebeir worden. Dafür, daß die Menge sich mit keinen An. griffsabsichten trug, sei bezeichnend, daß auch im Augenblick der Abgabe des Salvenfeuers zwei Polizisten noch an der Spitze des Zuges sich befanden und daß sie als die ersten Opfer der Salven fielen. Der Bericht, dessen Richtigkeit sich nicht prüfen läßt, verfolgt den offenbaren Znxck, das Vor gehen des Militärs als eine durch nichts herausgeforderte ungeheure Roheit hinzustellen, und es tann zu treffen, daß die Truppen mit-größter Rücksichtslosigkeit vorgegangen sind. Anderseits bleibt aber immer die Thatfache bestehen, daß das Unternehmen Gapons, über 100,000 Menschen in eregten Zeiten zum Staatsoberhaupt führen zu wollen, wohl von keiner Behörde der Welt gestattet worden wäre, und daß die Veranstalter d?5 Zuges sich sagen mußten, welcher furchtbaren Gefahr sie die Theilneh mer ausfetzten. Die zu Judenhetzen gegründete bekannte russische Organisation Tschowaja Sotreja in Viala bei Warschau hat eine Feuersbrunst ange-, legt: 40 jüdische und 10 christliche H?user sind eingeäschertt, 400 Juden und 40 Christen sind dadurch obdachlos. Ein psdjvoQcU Herr Zwickel: Fünf Jahre bin ich nun fchon in der Unfallversicherung und noch nicht ein einziger lumpiger Dachziegel ist mir auf den ttopf gefallen!"
