Indiana Tribüne, Volume 29, Number 21, Indianapolis, Marion County, 16 September 1905 — Page 7

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44 tt tt TT tt Z)ie erste este Ä-E AAXfc mF V TV 4 4 44 44 44 4 v4 (Fortsetzung.) In ihr Stübchen stürzte Liane hinauf. Schreiben will sie ihm. was sie ihm nicht sagen kann, daß sie eine von denen geworden ist. die noch gemeiner sind als die Verbrecher, und daß sie aus Liebe handelte, aus Liebe, für die er danken würde! Aber sie kann nicht schreiben. Es ist ihr unmöglich. Nein, sagen will sie es, schreien will sie es ihm in's Gesicht, und nicht wieder hierher zurück, bis sie es ihm gesagt! Wenn sie aber nicht den Muth fände, es ihm zu sagen, dann dann Eine verzweifelte Entschlossenheit stößt sie vorwärts. Sie reißt die Kommode auf. nimmt das kleine Gürteltäschchen heraus und steckt ihn zu sich, den Sckutz, den Wächter, dessen blanken Lauf sie so oft Nachts der Tante Morand zeigen mußte, wenn die nicht schlafen konnte vor den schleichenden Gespenstern, die um ihr Lager drängten. Und wenn sie nicht wieder zurückkehrte, nie wieder hierher zurück, dann Einen Bleistift hält sie in den Händen und ein Blatt Papier. Die Buchstaben, die sie darauf niederwirst, sind wie ein Schrei: Zurückgeben alles, alles zurückgeben! Nichts gehört mir!" In die Kommode, auf die Stelle, wo der Revolver gelegen, legt sie das Blatt. Dann hastet sie die Treppe hinab und aus dem Hause. Der Boden ist durchnäßt, von den Bäumen klatschen schwere Tropfen hernieder, am Himmel jagen fliehende, dunkle Wolkenfetzen. 16. Kapitel. ls Jutta die Thür zu ihren Z'.mmern ossnet, scheint draußen der letzte Lichtschimmer des grauen Tages zu verlöschen. Aus allen Winkeln schleichen Schatten die Einsamkeit geht um, der Herbst wartet mit seinen entblätternden Stürmen. Fröstelnd tritt Frau Jutta zu den offenstehenden Fenstern und schließt dieselben. Aber sie fröstelt von innen heraus unter dem Hauch düsterer Gedanken, die über ihre Seele schauern, Gedanken von der Einsamkeit, dem Ende, dem Herbst ohne Früchte, dem letzten Schlüsse allen Suchens und Tändelns, dem Winter mit karger Helle und endlosen Nächten. Müde wirft sie sich auf ihren Diwan, schließt die Augen und schlingt die Decke um sich. Da tritt er vor ihren Geist, dessen heiße Liebesworte hier noch von den Wänden zittern, dessen hohe Reckengestalt hier vor ihr gekniet. Vorüber! Verklungene Worte, vergeudete Stunden! Er ist gegangen. Um die erste Beste ist er von Frau Jutta gegangen! Er ist gegangen, wie einst jener gegangen ist, jener blonde Siegfried Horst Hardinger! Eine hastige Bewegung ihrer Hand, wie wenn sie etwas von sich scheuchen wolle. Nein, der war gegangen für immer der kam nicht zurück. Aber Detlef Palmer würde zurückkehren. Er mußte zurückkehren zu ihr. Sie brauchte es nur ernstlich zu wollen. Seit sie ihn wiedergesehen, ist sie beunruhigt. besinnt sie sich auf Züge seines Wesens, die sie gefesselt hatten, hört sie Worte wieder, die er zu ihr gesprochen. die ihr des Mannes ganzes Sein zu Füßen gelegt. Und alles das sollte eine andere besitzen, die ihn jetzt mit goldenem Netze ststhielt? Nein tausendmal nein! Sie springt auf. Wo ist das goldene Netz, das stark und dicht genug wäre, um ihrer Hand zu widerstehen, wenn sie es zerreißen wollte! Ob draußen auch der Herbst bald seine Silberfäden spinnt, in ihr schwarzes Gelock hinein hat er noch keine gewoben, und ihre Augen leuchten noch in Sommersgluthen. Weit reißt sie die Fenster auf. Ein scharfer Wind fährt ihr entgegen, und am Himmel droben stehen grauschwere Wolken und ballen sich zusammen. In eigenthümlich erstarrter Versunkenheit blickt Frau Jutta hinaus. Was man wohl thut, wenn man auf freier Landstraße im dünnen Gewände vom Sturm überrascht würde? Ob man sich nicht unter das erste beste Obdach flüchtete, das sich am Wege böte? Von Frau Juttas kleinen grausamen Zähnen lösen sich langsam die Lippen sie lächelt. Und das Lächeln um ihre Lippen gräbt sich tiefer. Sie schreitet in ihren Ankleideraum hinüber und bleibt vor dem Ständer stehen, daran ihr weiter schwarzseidener Mantel hängt. Fast zu schade das kostbare Stück für Sturm und Regen! . Detlef Palmer sitzt an seinem Schreibtisch, die aufgeschlagenen Wirthschaftsbücher liegen vor ihm, doch ferne Gedanken wandern. Die Szene heute Mittag vor dem Bankhause kommt ihm zurück und er gedenkt Lianens, wie ihr das Schicksal

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s tt tt Roman von Sedivig Erlittgidjmcdtcbicr 44 44 6 $ n tT 4 44 A.5. 44 4"5 f. 44 4 44 der Betrogenen zu Herzen gegangen. Wieder rübrt ihn das weiche, gute Empfinden. Nicht jede hätte es so tief erschüttert das Betrogenwerden. Mit einem Ruck ist Palmer plötzlich aufgesprungen und tritt an's Fenster. Mit tollen Sprüngen tanzt der Wind durch die Kronen der alten Nußbäume und fegt am Himmel droben noch dichter die Regenwolken zusammen. Er schau! hinaus in die rinnenden Fluthen, die den sinkenden Tag verdunkeln. Trüben auf der Chaussee entdeckt er eine Gestalt, die mühsam ge gen den Wind ankämpft. Angespannter wird sein Blick, das Fenster reißt er auf und biegt sich weit hinaus. Die Gestalt im weiten flatternden Mantel kommt näher und näher. Eine Dame ist's, die vom Wetter überrascht wurde. Ihr schwarzer Mantel bläht sich wie ein Sturmessegel. Zurückfahrend hat Palmer plötzlich wie nach einem Halt um sich getastet. Jutta ist es! Jutta schutzlos auf der Landstraße Wind und Wetter preisgegeben! Ohne Besinnen stürzt er hinaus, reißt aus dem Ständer den Schirm und vom Haken seinen Mantel und eilt die Treppe hinab. Niemand von den Leuten gewahrt ihn. Ein erneuter heftiger Windstoß treibt ihm Frau Jutta fast in die Arme. Das feuchte Haar hängt ihr in loser Wirrniß um das Gesicht. Mühsam nur kann er ihr seinen Wctermantel um die Schultern legen und den Schirm über sie aufspannen. Sie aßt es geschehen. Drinnen erst, als das Portal hinter ihnen in's Schloß fällt, und durch das Geräusch herbeigerufen, der Diener erscheint, sagt Palmer verbmdlicu: Gnadigste Frau, ich heiße Sie als sturmverschlagenen Gast willkommen auf Moorheide. Darf ich bitten, daß Sie sich meiner Führung überlassen? Stumm sieht sie ihn an. Er aber wendet sich dem Diener zu und befiehlt: Ein paar Scheite Holz in den Kamin des Herrenzimmers und rasch Thee!" Der Bursche eilt davon. Da hebt Frau Jutta abwehrend die Hände. Aber ich bitte Sie, lieber Freund, ich möchte Ihnen nicht lästig fallen. Höchstens auf einen Wagen hatte ich mir Hoffnung gemacht, als mein Spaziergang knapp vor MoorHeide solch unerwarteten Abschluß fand." So können Sie nicht gehen! Er deutet auf ihre durchnäßten Kleider. Sie müssen sich erwarmen. Kommen Sie!" Es klingt fast herrisch. Diese Sprache liebt sie am Manne und in lächelnder Ergebenheit folgt sie ihm Er geht ihr voran die Treppe hinauf. Doch droben, wie er für sie die Thur öffnen will, ist's ihm plötzlich, als steige neiengroß und drohend em Schatten vor ihm empor, riefe eine Stimme lauter als die seines brausenden Blutes: Laß sie nicht em bei Dir, nicht übei die Schwelle Deines ehrwürdigen $auses sie ist die Versuchung, das Verderben!" Unmerklich zaudert seine Hand. Da sieht er, wie Frau Jutta fröstelnd erschauert, und weit reißt er die Thür vor ihr auf und läßt seinen Gast an sich vorüberschreiten. Wild schlägt sein Herz, kein Laut zwingt sich über seine Lippen. Aber ist das entzückend stimmungs voll bei Ihnen, lieber Freund!" Frau Jutta blickt sich lebhaft in dem hohen Gemache um, das in ein zweites führt. nur durch einen Vorhang mit diesem verburden. Früher unser Wohnzimmer," er klärt Palmer. als sie Seite an Seit den großen, altmodisch würdevollen Raum betreten. Jetzt wenig benutzt. Uno hier er schiebt den schweren Vorhang zurück mein Friedens Hafen. Das ruhigste Zimmer im Hause und mir das liebste." Ihnen das liebste!" Ein dunkler, räthselvoller Blick heftet sich sekundenlang m den seinen. dann überschreitet Frau Juttas Fuß die Schwelle des Raumes, wo jedes Möbel ihren Namen kennt, wo seine Sehnsucht tausendmal nach ihr gerufen hat. Seine Finger beben, als sie ihr den Mantel losen, den Hut vom Kopfe neh men, und schwindelnd in der Woge ihres Dustes, der erinnerungssuß ihn betäubt, suhlt er, wie er erblaßt. Der Diener kommt, brinat Thee, häuft Holz in den Kamin, und als die Flamme aufprasselt, entfernt er sich wieder, und sein lauter Schritt ver hallt auf der Treppe. Sie müssen sich erwärmen. Da. meinen Lehnstuhl, den wollen wir an's Feuer rucken! Sie sieht im nilgrllnen Kleide, das sich wie fließendes Wasser um ihre Glieder schmiegt, inmitten des Zimmers, unverwandt den rathselvollen lächelnden, machtbewußten Blick auf ihn geheftet. Ihr schwarzes, kurzes Gelock umnngelt das weiße Gesicht und zwischen den Lippen schimmern die Zähne. Palmer, die Hand auf die

Lehne des Stuhles gelegt, den er ihr

hingeschoben, sieht ihr gegenüber in athembeklenimendem Schweigen. Jetzt gleitet sie an ihm vorüber, kam n ich in den Sessel sinken, rafft das euchte Gewand em wenig hoch und treckt die Füße gegen das hell auf odernde Feuer. Palmer ist an ein eingemauertes Schränkchen geeilt, hat Flasche und Glas herausgenommen und bietet ihr nun den feurigen Ungar. Nehmen Sie, Jutta, es wird Ihnen gut thun." Sie lächelt, nimmt den Wein, sieht zu ihm auf und trinkt. Auf das. was wir luxn. Freund Detlef. Auf Ihre eizenoe Braut! Und auf Ihre aoldglänzende Zukunft!" Mit hartem Griffe stellt er das ihm zurückgereichte Glas auf den Tisch, ohne ihr Bescheid zu thun. Die Gluth m Kamin haucht rnmqe Kusse über ie hin. spielt mit röthlichem Schein über ihr Haar, sprüht Funken in ihre Augen hinein, zeichnet blutsarbene Flecke m ihr Gewand, blendet seinen Blick, seine Gedanken, seine Vorstellungen. Welch gehelmnißvoller Zufall hat sie zu ihm verschlagen und war es wirkllch Zufall, nicht mehr, nicht Besinnmung? Bestimmung letzter Schicksalsstunde wie damals, wo sie zu spät gekommen? Das lußkapitel des Buckes. das er zu früh zugeschlagen stand es vor ihm? ' Wartend, schweigend blickt sie ihn an. Und wie sie das Haupt zurückbiegt, ihr Haar über die Lehne breitet, damit es besser trockne, da ist's, als flüstere es heimlich aus jeder ihrer weichen, lässtgen Bewegungen: Ich suhle mich zu Hause bei Dir Tu aber hast nicht warten können! Ueber seine Lippen ist kein Laut gekommen. Zwischen ihnen beiden aber tönt ein Klang: Zu spät zu spät! Gewaltsam faßt er sich endlich und fragt, was sie bei diesem Wetter hinausgetrieben habe auf die unwirthliche Landstraße. HerbsteinsamkeitSahnen. Freund q etlef, weiter nichts." Herbsteinsamleitsahnen!" wieder holt er bitter. Bei Ihnen, Frau Jutta?" Tann nennen Sie es Laune, wenn Ihnen das besser scheint." Unsicher starrt er sie an. Was will sie denn von ihm, warum tändelt, spöttelt sie incjt wie sonst? Warum ist ihre Stimme so leise, wie von verhaltener Zärtlichkeit? Ob sie sich wehren wurde, wenn er ? Wahnwitziger Gedanke! Und wie in Furcht vor sich selber triit er zurück von ihr. füllt sich ein Glas mit Wein und stürzt es hinunter. Nachdem Palmer sein Glas ausgetrunken, wendet Jutta lächelnd den Kopf nach ihm. Ei, ei, Freund Detlef, welchem Gewässer huldigen Sie da so heimlich? Dem Tränke der Hoffnung oder dem der Vergessenheit?" Jutta!" Und alles, was in den stummen Minuten in ihm gekämpft, sich gewaltsam zurückzuhalten gesucht, löst sich in den verzweiflungsvollen Ruf, mit dem er hinstürzt, ihre Hände an sich reißt: Jutta, warum haben Sie mir das gethan? Warum sind Sie in mein Haus gekommen? Warum spielen Sie mit meinem Frieden?" Wie könnte ich das heute noch. Detlef? Aber ich that es auch frühe? nie." Sie thaten es nie? Und ich hätte hoffen dürfen? Jutta, ich beschwöre Sie. seien Sie jetzt wahr zu mir! Ich weiß, meine Frage ist ein Verbrechen gegen jene, die mir gläubig vertraut, aber dennoch Jutta, was war es, das Sie damals, an meinem Verlobungsaöend, noch zu so später Stunde auf das Fest trieb?" Vielleicht vermuthete ich dort Jemand, für dessen Thorheiten ich an dem Abend so etwas wie eine leise Verantwortung empfand." Und wenn Sie mich suchten, Jutta was hätten Sie mir zu sagen aehabt?" Da erhebt sie sich langsam, nestelt das Haar ein wenig zusammen, blickt nach dem Fenster und sagt gelassen: Ich habe Ihre Gastfreundschaft nun lange genug genossen, lieber Freund. Das Wetter hat sich beruhigt. Aber um einen Wagen möchte ich Sie doch bitten, denn es beginnt zu dämmern." Sie sollen mir erst antworten, Jutta! Ich weiß, die Stunde kommt nie wieder, und ich lasse Sie nicht fort, ehe Sie mir geantwortet haben." Ich bin in Ihrem Hause. Detlef!" fällt sie ihm in's Wort. Doch alles an ihr. ihre Haltung, ihr Lächeln alles ruft: Nur wer mich zwingt, den liebe ich. nur den Meister, nicht den Sklaven. Zwinge mich! Und so reizt und peinigt sie des Mannes Sinne, bis daß er, außer sich, keiner Zurückhaltung mehr fähig, sie gewaltsam packend an sich reißt, als wolle er sie zerbrechen, und zwischen knirschenden Zähnen hervor ihr in's Ohr raunt: Hier hier halt' ich Dich fest! In meinem Hause, das Du hättest fliehen sollen, mehr als Wind und Wetter, davor Du hättest laufen müssen, so rasch Dich Deine Füße trugen. wenn Du mir nicht antworten wolltest: Ich aber will'3 nun wissen endlich, endlich wissen, wie Du Dir's gedacht hattest das Schlußkapitel zwischen uns!"

Sekundenlang ist es. als schmiege ste sich in nachgiebiger Schwäche selbst in seine Arme, dann aber befreit sie sich mit einem Ruck. Was wollen Sie von mir. Detlef? Sie haben ja bereits gewählt und klug. Daß Sie Ihre Wahl aufrecht zu erhalten wünschen, haben Sie mir deutlich gezeigt, ganz besonders deutlich, seitdem Ihre Braut eine reiche Erbin geworden ist. Oder täusche ich mich?" i Schweigend starrt er zu Boden. Sie fühlt, wie Pein. Erkennen. Besinnen ihm die Zunge lähmen. Und berauscht vom piel mit ihrer Macht, zwingt ihr dunkler Blick den seinen zu sich empor. In die Seele sckauen will sie ibm. zeigen soll er ihr. wo seine Kraft, wo seine Vernunft ihr widerstände, wenn sie ihn in Versuchung führte. Zeiaen auch soll er ihr. was ihm die Braut ist. mitsammt ihrer goldenen Beiaabe. gegen sie! Die Lippen nur wenig öffnend, flüstert sie mit verheißungsvollem Lacheln: Was nützte Ihnen meine Antwort heut, wie sie auch ausfiele?. Selbst wenn dieselbe nach Ihrem Herzen wäre was nützte sie Ihnen heute?" Jutta!" Ein Ruf der Abwehr, des erschütterten Schreckens. In diesen Ausruf, der aus tiefster Seele herauskommt, llingt ein Geräusch, als wäre eine Thür zugefallen. Aber weder Palmer noch Jutta beachten das. Auch das Stimmengemurmel im Hausflur hören sie nicht.

Ter Herr Hauptmann ist oben in seinem Zimmer aber er hat Besuch. Soll ich das gnädige Fräulein mel den?" fragt der Diener und sieht seines Herrn Braut an, als traue er seinen Augen nicht. Was hatte denn die für ein Gesicht? Steif und weiß wie eine Leiche. Und allein war sie doch noch nie gekommen! -Und droben die andere, die des Wetters wegen schon längst hätte fort sei können! Dienstbeflissen will er für Liane eine Thür im Erdgeschoß öffnen, aber sie schüttelt den Kopf, winkt ihm, zurückzubleiben, und geht die Treppe hinauf. Oben will sie warten, leise in' eines der 'Zimmer neben dem seinen treten, bis sie hört, daß sein Besuch sich entfernt hat. Und dann dann will sie hineinstürzen in sein Zimmer und dort, wo sie ihm das Glück mit vollen Händen zu bringen geglaubt, dort, auf ihren Knieen vor ihm will sie es schluchzen, ihre ganze unselige Feigheit und Schwäche. Lautlos bewegt sich die Thür in ihren Angeln und läßt Liane über ihre Schwelle. Dieselbe Thür, durch die Frau Jutta gegangen ist. Unhvrbar sinkt ihr leichter Schritt in die Weiche des Teppichs, gleitet sie hinüber zu dem tiefen Erker. Ueber ihre bleichen Wanaen rinnen Thränen, ohne daß sie es weiß unaufhaltsam, ein Weinen ohne klagendes Schluchzen. wehr- und hoffnungslos. Von nebenan dringt gedämpfter Stimmenklang zu ihr seine Stimme. Worte versteht sie nicht, aber die Laute trinkt sie mit durstenden Lippen. An den Besuch denkt sie nicht was kum mert sie die Welt m diesem schwersten aller Augenblicke! Plötzlich aber neigt sie sich lauschend vor. Die andere Stimme, die der seinen Antwort gibt, die ist doch keines Mannes Stimme! Und diesen weichen Ton, den kannte sie doch! Hastig tritt sie aus dem Erker hervor. wie von der schmeichelnden Stimme gelockt, gezogen und jählings wurzelt ihr Fuß in fassungsloser Ueberraschung. Frau Jutta sie ist bei ihm! Ehe Liane noch zu irqend einer Auffassung gekommen ist, dringt mit den Lauten der Worte auch deren Sinn zu ihrem Verständniß. Sie waren es ja doch selbst Detlef, der d:e Brücke zwischen uns abgebro chen hat an jenem Abend." sagt Jutta Weil ich Deinen Kuß nicht vergessen konnte und weil es Juni war. Jutta! Drei Jahre hattest Du mich gemartert, und ich wollte frei werden von Dir frei!" Und Sie hatten nie danach gefragt. ob mich nicht vielleicht ganz nüchterne Erwägungen davon abhielten, mich Ihnen so zu zeigen, wie ich wirklich war! Was wollten Sie denn mit einer Frau, wie ich es bin, in Ihren Verhältnissen. Detlef?" Tu weißt es, Jutta, tausendmal hatt' ich Dir's geschworen: Dir hatte kein Entbehren an meiner Seite ge droht. All meine Kräfte hätte Dein Besitz in mir aufgerüttelt, alles hätt' ich um Dich gekonnt und alles um Dich erzwungen. Und hätte ich wie ein Taglöhner arbeiten, hätte ich hungern, betteln müssen Dir hätte ich allzeit einen weichen Boden bereitet! Hat Niemand den wimmerndenLaut vernommen, als ringe Jemand in Todesnoth? Nein! Sie reden weiter freveln weiter! ifi (Fortsetzung folgt.) Merkwürdiger S ch ! ä f e r. Ueber einen merkwürdiaen Schläfer" sind die Aerzte in Maso? City. Ja., konsternirt und vollständig rathlos. Ein anscheinend gesunder Mann von 32 Jahren Namens W. F Burkcs schläft seit Wochen ununterbrochen, ohne daß er Jemand in seiner Umgebung Hort oder sieht. Man sloß ihm Nahrung ein, die er schluckt, ohne daß. er zu wissen schemt, was es ist Die Doktoren sagten, es sei der sonderbarste Fall in der Geschichte der ärztlicken Kunst.

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Ausland -H-H-H-! H I I .M.frM-M-M-frM. Selbstmord aus Liebeskummer verübten in Hohendorf. Sachsen, die 16iährige Frieda Fischer, in Auerbach der 17iährige Kaufmannslehrling Schwab. Munizipalräthe im Duell. Vier Munizipalräthe von Malaga. Spanien, die sich nach einem heftigen Streit infolge von MeinungsVerschiedenheiten ohne Erfolg ihre Zeugen geschickt hatten, schössen in den Räumen des kaufmännischen Vereins mit Revolvern aufeinander. Einer von ihnen wurde getödtet, zwei wurden i . ( fc A M Uam'mI Sl ujti; ti'iiuuuua. Fürchtete s i ch vor Anarch i st e n. Die livländischen Besitzungen des rauschen Landraths Baron Maydell waren von aufrührerischen Bauern verwüstet worden, und als ihm elbst von einem 'anarchistischen Komite ein .ooesurlkelt zuaenellt wurrc. lüchtete er stch nach Deutschland und lichte Zuflucht in einem Sanatorium ,u Eifenach. Hier durch erneute Droh?riefe in wahnsinnige Angst versetzt, beging Maydell Selbstmord. Gefahrvolle Feuerwehrarbeit. In einer Gastwirthschaft zu Landshut. ' Niederbayern, brach nachtliche? Weile Feuer aus, das alsbald den hinter dem Wohnhaus stehenden Stadel und das m nächster Nähe befindliche, der Landshuter Schützengeselltchaft gehörende Schutzenhaus einäscherte. Ter in dem Schützenhaus wohnende Veremsdiener konnte sicb und seine Familie nur mit knapper Noth retten. Die Feuerwehr hatte insofern eine gefahrvolle Arbeit, als 3000 scharfe Patronen im SchützenHause aufbewahrt lagen deren Explosion man befürchtete. Brudermord. In Niederberzdorf. Böhmen, aeriethen die beiden Brüder Franz und Josef Engel aus geringfügiger Ursache in einen Wortwechsel, welcher m eme Rauferei ausartete. Franz Engel, der Aeltere, welcher mit emer Holzhacie bewaffnet war. warf seinen Bruder Joses zu Boden und brachte ihm mit der Hacke erhebliche Verletzungen am Hintcrkopfe und am Rücken bei. Josef Engel feuerte nun aus einem Revolver mehrere Schusse gegen seinen auf ihm knieenden Bruder Franz ab. wobei er diesem in der-Ma-gengegend eine Verwundung beibrachte. welcher Franz Engel am nächsten Morgen erlag. Josef Engel war infolge der Verletzungen, welche er erlitten, nicht transvortfäbia.. Die beiden Brüder waren als Messerhelden gefürchtet. Erplodirtes Motor boot. Das Motorboot Stanley das an den Motorbootsrennen der Kie ler Woche theilnahm, ist durch eine Ex plosion untergegangen. Die Katastrophe ereignete sich im Kattegat, wo der Fischkutter mit seinem Führer Ka pitän Ohlsen dem Fischfang oblag. Aus unbekannten Gründen explodirte der Motor und entzündete das im Tank befindliche Oel. Im Augenblick stand der Stanley m Flammen. De; Kapitän und seine Leute sprangen rechtzeitig in das Beiboot. Ein Dampfer versuchte zwar den Stanley," der vom Bug bis zum Heck ein Feuermeer bildete, auf den Strand zu setzen, doch war die Absicht nicht durchzuführen. Zischend versank das Motorboot; alle Gerätschaften und Ausrüstungen gin gen verloren. Hundertjährige Grei s i n. Ihren 100. Geburtstag beging neulich Frau Julia Ascher in Lobositz, Böhmen. Die Greisin ist von großer Geisiesfrische und körperlich vollkommen rustiq, nur beklagt sie es bitter. daß sie seit Kurzem- die Zeitung nicht mehr selbst lesen kann, sondern sich vorlesen lassen muß. Mit Vorliebe erinnert sie sich an das Kriegsiahr 1813 in welcher Zeit sie als achtjähriges Mädchen in Dresden weilte. Dort sah sie den Einmarsch der Franzosen mit an und hatte Gelegenheit. Kaiser Na poleon zu sehen. Nach der Schlacht bei Kulm befand sich Frau Ascher wieder in ihrer Heimathstadt Lobositz und beobachtete hier den Durchzug der Rus sen. Und sie erinnert sich noch daran, daß während des Durchmarsches eii russischer Soldat aus Reih und Glied trat und dem kleinen Madchen, das eben einen Apfel verzehren wollte, diese Frucht heißhungrig aus der Hand riß. Frivole Wette. Auf einer Sprccbrücke in Berlin hielten sich drei junge Leute im Gespräch auf, von denen sich der eine plötzlich an den anderen mit den Worten wandte: Du, Oskar, riskirst Du es, für 30 Mark in's Wasser zu springen?" Oskar, der sich in angeheitertem Zustande befand, hatte nun mchts Eiligeres zu thun, als das Jackett auszuziehen und über das Brückengeländer hinweg in die Spree hinabzuspringen. Ausgemacht war bei der Wette noch, daß Oskar zehn Ml nuten lana schwimmen mu ne. )tx leichtsinnige Mnsch versank sofort in den Fluthen und wäre zweifellos ertrunken, wenn ihm mcht em m der Nähe vor Anker liegender Schiffer nachgesprungen wäre. Er holte den Waqhalsigen aus der Tiefe. . Die beiden Freunde, die den Verlauf der Wette von der Brücke herab angesehen hatten packten Oskar möglichst schnell in txrt Droschke und fuhren eiligst davon sie hatten das Herannayen emes Pouzelbeamten bemerkt.

Europäische Nachrichten.

Jiccstrcnlutrö. Goldberg. Nach längerer Krankheit starb im Alter von 57 Iahen der praktische Arzt Dr. Med. U. Dreyer. Der Dahingeschiedene hat über 30 Jahre hier d arztliche Prazts ausgeübt. Än dem Kriege 187071 nahm er als Assistenzarzt theil. Hohensprenz. Das Einneger Kegebein'sche Ehepaar erhielt aus Anaß ihres goldenen HochzensjubüaumZ vom Großherzog nebst einem Glückwunschschreiben dessen Bildniß im -Rahmen. L u d w , a s l u st. Dieser Tage t erte der frühere Lehrer am hiesigen Realgymnasium E. Saubert mit seiner Frau das Fest der goldenen Hochzeit. Pastor Ehrich hielt im Kreise der Familie eine Andacht ab. Dem Jubelpaare gingen viele Glückwünsche und Aufmerksamkeiten von nah und ern zu: die Trompeter des hiesigen Dragoner - Regiments brachten ihm ein Ständchen. M l ch l n. Vor einiger Zelt ama der Maurer Benzin von hier zum Angeln. , Da er nicht zurückkehrte, nahm man an, ihm sei ein Unglück zugestoßen, und mehrere Männer machten sich auf, ihn zu suchen. Sie fanden ihn als Leiche in einem Remplmer Tors graben. Neustrelitz. Geh. Medizinal rath Dr. Goetz feierte letztens seinen achtzigsten Geburtstag. Dem. ehrwurdigen Herrn wurde dadurch eine ganz besondere Freude zutheil,. daß der' Großherzog in' seiner Wohnung erchiey. um mm zu aratunren. Vorher hatten schon der Erbgroßherzog und Karl Borwin dem Geburtstagskinde ihre Glückwünsche abgestattet und ei nen Blumenkorb überreicht. Radeaast. Vor einiger Zeit brach hier Feuer aus, durch das in kurzer Zeit das Wohnhaus des Hosdesitzers W. Schröder vollständig eingeäschert wurde. Das Feuer übersprang das massive Wohnhaus und setzte die-, gleichfalls mit Stroh gedeckte Scheune in Brand. Von den Mobilien konnte nur wenig gerettet werden; mitverbrannt sind die landwirthschaftlichen Maschinen und zwei Kuhe. Rostock. Der Professor an der Leipziger Universitätsklinik und Poliklinik Dr. H. Brüning hat sich an der hiesigen Universität für das Fach der Kinderheilkunde habilitirt. Stargard. Im Krikower See ertrank der 18jäh?ige Schnitter Jakob Blokum aus Golowmze (Rußland). Der Verunglückte war allein an den See gegangen, um ein Bad zu nehmen. Hrdenöurg. Y t . kf t

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eines Schlaganfalles verstarb hier im 80. Lebensjahre der Oberkammerraih und Obervermessungsdlrektor a. D. Scheffler. Seit 1866 stand er im Vermessungsdienste des Großherzogthums, und 22 Jahre hat er an der Spitze desKataster- und VermessungsWesens gestanden. Im vorigen Jahre trat er, nachdem er sein 50jähriges Jubiläum gefeiert hatte, in den Ruhestand über. - . Gut in. Mit der Medaille für Treue in der Arbeit wurden ausgezeichnet . die Gerbergehilfen Gädecke und Petersen, Ahrensbök, Arbeiter und Arbeiterin Prieß, Hörsten. Maschinenmeistr Jungmann, Stellmacher Diehn, Arbeiter Petersen und Wwe. Evers geb. Spieckermann, sämmtlich hier wohnhaft. Jeder. Letztens wurde die Frau de Bur in Fedderwardergroden blutend im Bett gefunden. Die Kleider waren in Fetzen gerissen und im Zimmer zerstreut. Die Frau htte mehrere Schnittwunden in der Schläfe. Sie wurde gleich in das Sophienstift in Jever transportitr, wo sie, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, gestorben ist. Verdacht fällt auf den Ehemann de-Vur, der mit feiner Frau in Streit lebte. W e g l o ch. Vor einiger Zeit wurde auf dem Lande des Hausmanns Pophanken die Leiche eines etwa 35jährigen Mannes gefunden, die später als die des früheren Kaufmanns Dietzen erkannt wurde. Dietzen, ein Sohn eines früheren Beamten, hatte im Leben Schiffbruch erlitten und war seit Jahren Gelegenheitsarbeiter. Zwischenahn. Auf dem See kenterte ein Boot mit vier Personen. Drei konnten sich durch Schwimmen retten, der vierte, der 18jährige Lehrling Brand aus Oldenburg, ertrank. ' Unangenehm. Kadett (bemüht, ein Gespräch anzuknüpfen): Haben gnädiges Fräulein auch schon etwas von Heine gelesen?" Fräulein: Freilich! Den hab' ick schon gelesen, wie ich noch so klein war wie Sie!"