Indiana Tribüne, Volume 29, Number 21, Indianapolis, Marion County, 16 September 1905 — Page 6

Jndiana Tribüne, ZS September 1905

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Adjutant der Kämet -Barde.

Humoreske aus dem OffZzierSleben von Anna Hasselbach. Der Leutnant Ottokar Welter, Gouvernementsadjutant, saß an einem sehr schönen Sommertag in seinem einfach ausgestatteten Bureau des Gouvernementsgebäudes und blickte trübseligen Angesichtes über die soeben fron der Ordonnanz überbrachten Tagesbefehle hinweg. Seine Seele war nicht voll Sonnenschein. Die reizende Wally, die Tochter Seiner Exzellenz des Gouverneurs, die die Huldigungen des. pflichtgetreuen und begabten Adjutanten ihres Vaters immer wohl aufgenommen hatte, der er von Tag zu Tag den Heirathsantrag machen wollte, ohne jemals den passenden Augenblick zu finden, hatte ihr Herz einer plötzlich in der Garnison erschienenen ausländischen Größe, einem hohen türkischen Offizier, der in der deutschen Armee Kriegskunst studiren wollte, zugewandt und am gestrigen Abend beim Kasinofest ihrem Empfinden für den so plötzlich vom Himmel gefallenen Stern derartig Ausdruck gegeben, daß Welter, aus jede Konkurrenz verzichtend, das Kasino verließ, eine höchst trübselige Nacht verbrachte und nun Welt- oder zum mindesten europamüde in seinem Bureau saß und auf den Hof starrte, wo Wally soeben ihr Pferdchen bestieg, um in Gesellschaft ihres Vaters den gewohnten Spazierritt zu machen. Sie war wirklich entzückend in der ungezwungenen Grazie ihrer blonden Schönheit mit dem neckischen Ausdruck auf dem feinen Gesicht, das so herzig unter dem schwarzen Zylinderhut mit dem wallenden blauen Schleier hervorschaute. Aber nicht wie sonst flog ihr Blick empor zu dem Fenster, hinter welchem der Adjutant ihres VaterZ seinen dienstlichen Pflichten oblag, heute war Wallys Seele von ganz cm deren Dingen als der Existenz eines bescheidenen Leutnants erfüllt. Ja, es ist kein Zweifel, sie wird mit dem Ausländer reiten, wird sich von seinen orientalischen Augen anblitzen, von ihm die Ritterdienste erweisen lassen, die eig:ntlich ihm, Qttokar Welter, zukommen, wird ihre lachende, sonnige Seele, die so wundervoll die Ergänzung zu seiner ein wenig schwerfällig sentimentalen Art bildet, in goldenen Träumen wiegen. Und warum sollte eine deutsche Generalstochter nicht türtische Prinzessin werden können, denn so etwas Aehnliches wie ein Prinz war der Eindringling ja wohl. Wally Veysing war würdig, einen Kaiserthron zu zieren, und er, der arme deutsche Leutnant ohne Ruhm, ohne groß klingenden Namen, der der Geliebten nur sem warm erglühendes Herz zu bieten hat. will ihr nicht im Wege sein bei einem größeren Lebens schiäsal, aber zusehen, wie sie sich einem anderen zuwendet, das vermag er . nicht. Noch heute will er um seine Versetzung einkommen, gleichviel wohin, nur fort fort! O Wally, Wally Wer weiß, wie lange sich der Leutnant noch seinen schmerzlichen Träumereien überlassen hätte, wenn nicht plötzlich eine Ordonnanz mit einem eiligen Schreiben vom Generalkommando, das sofortige Erledigung erforderte, erschienen wäre. So vertiefte sich denn Welter in die vorliegende Verfügung, die er zwei-, dreimal durchlas. Immer größer wurden seine Augen, immer interessirter sein Angesicht, dann sagte er laut: Das legt mir das Schicksal selbst an den Weg. Jetzt kehre ich Europa den Rücken uno sie mag mit dem Fremden glücklich werden." Das Schriftstück aber lautete: Metz, den 30sten Juni 18 . . Heute Nachmittag drei Uhr wird, mit dem Orient-Ezpreß-Zug von Berlin kommend, Se. Majestät NassrEdin Schah von Persien unsere Stadt berühren. Um Sr. Majestät einen Begriff von der Mannigfaltigkeit der Truppen in einer Grenzfestung zu geben, haben sich Offiziere aller Waffengattungen in Paradeuniform zur angegebenen Zeit möglichst mit Damen auf dem Bahnhof einzufinden. Den Damen wird es zweifelsohne Vergnügen gewähren, Se. Majestät durch Vlumenspenden zu erfreuen. Damit auch die Dragoner in dem militarischen Bild nicht fehlen, soll man die Offiziere unverzüglich von der Gebiras - Uebung herbeirufen. Zur allgemeinen Kenntniß wird noch gebracht, daß Majestät NassrEdin einen Offizier der deutschen Armee zur persönlichen Dienstleistung als Adjutant seiner illustren KamelGarde mit nach Persien zu nehmen wünschen. Wer von den Herren Ossi zieren geneigt ist, möge sich bei Sr. Majestät melden. Der kommandirende General. v. Frescati. Das ist aber allerhöchste Eilenbahn, wenn die Dragoner herein sollen, die ganze Garnison noch benachrichtigt werden muß und die Damen ihre Toiletten zu rüsten haben,"' dachte Welter, allnachgerade in dienstliche Erregung gerathend. - Und den Adjutanten nehme ich auf mich. Ich gehe nach Persien. Wenn die falsche Ungetreue durchs Ausland Karriere machen will, warum soll ichs nicht thun? Na, meine Gnädige, Sie werden schon schauen, wenn Ihr unter, .thänigster Reservemann mit der persi sdfcn Majestät auf und davon acht

Aber wird gemacht. Noch' heute reich'

ich mein Abschiedsgesuch em. Und vielleicht Heirath' ich dann drüben eine Kaisertochter. Ach Wally. Wally!" Wohl niemals hat eine militärische Verfügung derartiges Aufsehen erreat. als dieser wie eine Bombe in die Garnison platzende Befehl. Gleich einem Lauffeuer durchschwirrte die Kunde von der Durchreise des Schah die Stadt, und noch stärker als die Offiziere waren deren Damen Zn Erregung über das bevorstehende Ereigniß. Der Schah von Persien, diese sagenhafte Persönlichkeit, dessen Europareise schon so viel Aufsehen erregt, so viel Zeitungsartikel und so viel interessante Lügen gezüchtet hatte, NassrEdin kommt, kommt mit seinem interessanten Perserprofil, dem berühmten Diamanten - Gürtel aus Tausend und eine Nacht, dem rührenden kleinen Glücksknaben, den Nassr-Edin nicht einen Augenblick aus seiner Nähe entläßt, weil, er Mord, Meuterei. Diebstahl und anderes Unheil von ihm abwendet. Nassr-Edin kommt im Gefolge all seiner Frauen, die tief derschleiert in einem besonderen Waggon mitgesuhrt werden, den zu stürmen et? nige kecke Leutnants sich vornehmen, während es die Offiziersdamen auf die Eroberung des persischen Herrschers abgesehen haben. Die Damen sind in unendlicher Aufregung wegen der Toileite. Einige entscheiden sich für helle Seide,- andere für duftige Stoffe. Ganz Begeisterte wollen dem Fürsten besondere Ovation durch Anlegung persischer Farben oder Symbole erweisen. Eine jede will der anderen den Rang ablaufen, will von dem interessanten Perser, der ja wohl ein ganz geläufiges Französisch spricht, ins Gespräch gezogen werden. Sprachübungen werden angestellt, Hofknixe versucht. Man ist in Sorge, wie weit die militärische Instruktion das Verhalten der Offiziersdamen ins Auge faßt. Wenn Se. Majestät mir eine Prise anbietet, nehme ich mit Dank an, aber was mache ich, wenn er mir fein Schnupftuch zuwirft?" jammerte eine blutjunge, eben verheiratete Adjutan tenfrau. Seien Sie ruhig, ich werde mich vor Sie stellen, Liebste, dann kommen Sie in keine Gefahr. Außerdem wird die Tochter des Gouverneurs wohl wieder den Löwenantheil der fürstlichen Aufmerksamkeit an sich reißen," tröstete eine ältere Offiziersdame. Haben Sie schon gehört. Welter will sich zur persönlichen Dienstleistung beim Schah melden?" Ich denke, er will sich verloben?" Schön Wally hat ihn abfallen las sen, seit sie den ausländischen Stern im Gefolge hat." ..Soll nur vorsichtig sein. Welter ist 'ne gute Partie. Der Vater ist Gutsbesitzer, und Vehsings haben wenig oder gar nichts." 'n Mann kriegt die Wally immer. Sie ist hübsch und unterhaltend. Schlimmstenfalls kriecht sie unters Zivil." Uebel nehmen kann man ihrsnicht, wenn sie sich nach einer anderen Partie umsieht. Welter schmachtet und schmachtet und kommt keinen Schritt vorwärts. Wer weiß, wie er denkt, wenn er von Persien zurückkommt." Na vielleicht besinnt er sich doch noch." Welter hat sein Abschiedsgesuch schon eingereicht." Na, dann adieu Wally! " Hei ist das eine Pilgerfahrt aus allen Gegenden der alten Beste durchs deutsche Thor nach dem Bahnhof. Blitzende Uniformen aller Waffengattungen und hell seidene oder durchsichtige Toiletten der Offiziersdamen wechseln miteinander. Die Damen tragen Blumensträuße, um den interessanten Perserfürsten zu überschütten, und jede hofft einen Blick oder ein huldvolles Wort zu erringen. Auf dem BahnHofs - Perron ist ein Gedränge, daß die Beamten sich kaum durchzuwinden vermögen, und je näher die Ankunft des Orient - Expreß rückt, um so erregier werden die Gemüther. Der Gouverneur erscheint mit seiner Tochter, und die reizende Wally, ganz in zart Rosa gekleidet und einen entzückenden Blumenstrauß tragend, erhält als vornehmste Dame der Gesellschaft sofort einen bevorzugten Platz. Aber das sonst so heitere Antlitz der jungen Dame erscheint merkwürdig nachdenklich. und ihre Augen suchen unruhig umher. Und endlich haben sie den Leutnant Welter gefunden, der in strammer Haltung mit entschlossenem Gesichtsausdruck dasteht und alle an ihn gerichteten Fragen mit ruhigem Ernst beantwortet. Nicht ein Blick fliegt hinüber zu Wally, die. durch das Gewühl gleitend, einige Damen der Gesellschaft begrüßt und dann plötzlich an Welters Seite steht. ' 'Tag Herr Leutnant." Habe die Ehre, gnädiges Fräu lein." Herr Leutnant Welter " Fräulein von Beysing " Sie haben einen sehr auffallenden Entschluß gefaßt " .Wieso? " Sie wollen nach Persien? " Wie Sie sagen, gnädiges Fräulein Aber Herr Leutnant Welter, Sie haben doch wahrhaftig keine Veranlassung, ins Ausland zu gerben. Sie machen auch hier Ihre Karriere. Papa I saat immer, der Generalstäbler t&tz

der 'RotyetlungLHes im rlegsmimne- j rium wäre Ihnen sicher. Nicht einen Tropfen Abenteurerblut haben Sie in Ihrer! Adern und machen solch extravagante Geschichten. Sie, der Musteroffizier, der Liebling aller Vorgesetzten, Adjutant dieses exotischen Posen taten! Das ist ja lächerlich ganz einfach lächerlich " ..Gnädiges Fräulein kritisiren sehr sch-rf " Die ganze. Garnison sagt'3 Das macht auf mich wenig Eindruck " Aber Papa ist außer sich, daß er seinen so tücktigen, ehrenwerthen Adjutanten verlieren soll " Den Herrn Gouverneur verlasse ich auch ungern. Herr General war mir immer ein sehr gnädiger Vorgesetzter " Herr Leutnant Welter was hat Sie denn eigentlich so schrecklich verwandelt, daß Sie uns durchaus verlassen wollen " Aoer gnädig' Fräulein, ist es so ersiaunlich, wenn einer im Ausland Karriere machen will? Ich kenne sogar Damen, die es versuchten " Nun ja, Herr Leutnant Welter. wenn man in Deutschland immer auf demselben Punkt steht nicht einen Schritt vorwärts rückt da verliert man schließlich die Geduld " Mit leidenschaftlich erregtem Gesicht, in welchem verrätherisch ein paar Thränen perlten, hatte Wally es herausgestoßen, dann wandte sie ihrem so plötzlich vom Lamm zum Löwen verwandelten Verehrer den Rücken und nahm Aufstellung an der Seite des Gouverneurs, um den sich inzwischen die höchsten Offiziere der Garnison mit ihren Damen gruppirt hatten. Leutnant Welter aber stand wie vom Blitz getroffen. Wally die Geliebte war nicht treulos, war entmuthigt gewesen durch sein Zaudern und hatte dem zaghaften Liebhaber durch ihr Entgegenkommen gegen den anderen nur ein wenig Feuer ins Blut treiben wollen. Und er blinder Thor hat durch sein voreiliges Handeln nun sein und der Geliebten Glück zerstört. Denn zurück kann er nicht mehr. Die ganze Garnison weiß um sein Abschiedsgesuch. Er kann nicht wie ein Knabe oder Weib seine Entschlüsse wechseln. Der Zug braust in die Halle. Man gruppirt sich. Die militärischen Spitzen, der Gouverneur, der Kommandant, die Regimentskommandeure mit ihren Damen stehen ganz vorn, dazwischen die. Dragoner, auch Leutnant Welter. Sein Herz klopft gewaltig. Ist es nicht doch ein schwerer, übereilter Entschluß? Wenn er jetzt plötzlich ein Unwohlsein heuchelte und davonging? '! Der Zug hält. Aller Hälse recken sich, alle Augen sind weit geöffnet. Wo ist Se. Majestät Nassr-Edin? Die Damen durchbrechen suchend die Reihen, die Beamten laufen am Zuge ent lang , ein Salonwagen ist nicht vorHanden. So muß sich denn Se. Maje stät in einem Wagen erster Klasse befinden. Aber Se. Majestät ist nicht zu entdecken. Wo ist der Schah? Die Beamten zucken die Achseln und meinen, wenn der Schah wirklich im Anzug gewesen, wäre es angezeigt worden. Die jüngeren Offiziere fangen an zu lachen. Die militärischen Spitzen sehen einander' konsternirt an. Die Da men mit ihren Sträußen sehen verlegen zur Seite. Am schlimmsten daran ist natürlich der unglückliche Adjutant der Kamel-Garde, Leutnant Welter, dem nicht nur die große Karriere im Ausland verloren geht, den der Adjutant zu Kamel" nun auch in alle Garnisonen, durch alle Rangstufen seines Lebens begleiten wird. Wenn der Schah wirklich und wahrhaftig nicht kommt. Aber, er kommt nicht, er kommt nicht. Die Garnison ist das Opfer einer ungeheuren Mystisikation geworden. Wer ist es gewesen, der diese unglaubliche Geschichte in Szene gesetzt hat, wer schrieb diesen mit der Namensunterschrift des kommandirende Generals versehenen Befehl? Wer hat auf solch unerhörte Weise die ganze Garnison zum besten gehabt, all die höchsten und hohen Herrschaften zur Huldigung des fremden Potentaten hinaus nach dem Bahnhof gelockt, um sie dann mit langer Nase abziehen zu sehen? Der Gouverneur raste, und der Kommandant raste, die Negimentskommandeure rasten. Weiter nach unten, wo die Stellung nicht mehr so exponirt ist, wollte man sich todt lachen. Und noch einer lachte, auf dessen Stimmung es in dieser Angelegenheit für den betreffenden Schuld!gen am meisten ankam der kommandirende General. Der kommandirende General, als der Gouverneur ihm zornentflammt Bericht erstattete, lachte, bis er Thränen in den Augen hatte. Aber mein Bester, daß niemand daran dachte, mich zu fragen! Jedermann hätte doch denken müssen, daß es eine Mystifikation war. Verzeihen Sie, daß ich lache, aber Adjutant der Kamel-Garde das hätte doch jeden befremden müssen!" Exzellenz haben gut lachen Exzellenz sind nicht dabei gewesen." Es soll sich ja sogar ein Offizier zu dem Posten gemeldet haben." ?Za natürlich mein eigner Adju tant!" Und hat man noch keine Spur von dem Schuldigen?"

-Allerdings. Da ist so ein einjährig?r Arzt, ein Student, der immer voll toller Streiche steckt. Der soll am letzten Kasinoabend keine Dame zu Tanz bekommen haben, während man dem türkischen Offizier von allen Seiten den Hof machte, worauf der Einjährige höchst subordinationswidrig räsonirt und gesagt hat, dem deutschen Michel imponire jeder ausländische Klimbim. Er mache sich anheischig, die ganze Garnison mit solch einem fremdländischen Lockvogel zum besten zu haben. Dieser niederträchtige Bengel hat das Dokument mit Eurer Exzellenz Unterschrift verfaßt und einer gerade aufs Gouvernement gehenden Ordonnanz in die Hände gespielt. Na, vorläufig hat er sich krank gemeldet und in die Tiefen des Lazareths verflüchtigt.' Aber wenn der herauskommt " So ein verfluchter Kerl! Das ist ja noch gar nicht dagewesen," meinte Se. Exzellenz, mit mühsam verhaltener Lachlust eine Amtsmiene aufsetzend. Der von der ganzen Sache am schlimmsten Betroffene aber, Leutnant Welter, ertrug die Spötteleien und Sticheleien über die ihm so schnöderweise entgangene Karriere mit Gleichmuth, ja mit Humor, hatte ihn doch das glückstrahlende Antlitz Wallys, als der Schah unsichtbar blieb, über der Geliebten Gefühle vollends aufgeklärt, und als ihn am nächsten Tage der Gouverneur, der noch immer nach einem Sündenbock suchte, zu einer vertraulichen Unterredung in seine Privatwohnung ersuchen ließ, um dem Herrn Adjutanten das Erstaunen über seine in der Schah-Affäre bewiesene Kurzsichtigkeit auszudrücken, da lächelte der Gemaßregelte so selig verklärt, daß der Gouverneur ganz erstaunt meinte: Aber Herr Adjutant, Sie haben Ihre Gedanken anscheinend wenig bei der Sache.'" Herr Gouverneur verzeihen das gnädige Fräulein ich meine nämlich Fräulein Wally " Aber Herr Leutnant Welter, ich habe Sie zu einer dienstlichen Unterredung befohlen." Ja das gnädige Fräulein ist nämlich die Ursache, daß ich meinen Verstand nicht beisammen hatte und die Mystifikation nicht durchschaute." Meine Tochter ja, was hat denn die Wally mit der Geschichte zu thun?" Das gnädige Fräulein hatte am Abend zuvor immerwährend mit dem türkischen Offizier getanzt und ihn ausgezeichnet. Da wollt' ich fort, gleichviel wohin." Ja, macht denn dieser Türke die ganze Garnison verrückt? " Mir hat er zu einer sehr glückseligen Erkenntniß verholfen, so daß ich es nunmehr wage, den Herrn Gouverneur um die Hand von Fräulein Wally zu bitten ." Der Gouverneur starrte seinen Adjutanten einen Augenblick vollkommen fassungslos an, dann stotterte er: Lieber Welter, Sie wären mir ja als Schwiegersohn hochwillkommen, aber glauben Sie gerade in diesem Augenblick, wo doch eigentlich die ganze Garnison ein wenig, über Sie lacht, daß die Wally ja sagt?" Um Gotteswillen, Papa, verscheuch ihn mir nicht. Es hat ja so Unmenschlich lange gedauert, bis er nun glücklich geredet hat," erklang statt anderer Antwort eine helle, jubelnde Mädchenstimme, und Wally, reizend wie der junge Morgen, stand auf der Schwelle zwischen der zurückgeschlagenen Portiere. So willst Du also wirklich diesen Adjutanten der Kamel-Garde zum Gemahl, meine Tochter?" Und wenn man mich im ganzen Deutschen Reich die Adjutantin zu Kamel heißt. Dem Anstifter der eben erzählten heiteren Episode aber, die der Garnison die freudige Aussicht auf den Besuch des Schah von Persien verschaffte, erging es nicht allzuschlimm. AuS dem Garnisonlazareth wanderte der übermüthige Doktor in eine durchaus erträgliche Festungshaft, die ihm verschönt wurde durch mannigfache Freundlichkeiten von unbekannter Hand. Sollten zwei zärtlich liebende Brautleute, die um ihrer Stellung willen sich nicht bekennen durften, vielleicht die Urheber sein? Das kleinere Nebel.

Charles Dudley Warner erzählt in seinen Reminiszenzen" einen Scherz, der ihm zur Zeit des Bürgerkrieges passirte, als er Leiter einer Tageszeit tung in Hartford war. Er war damals im Anfange seine? Earriöre und that mit großer Begeisterung alles, was er konnte, um den Patriotismus seiner Leser anzufeuern. Eines Tages kam einer seiner Setzer in die Office und pflanzte sich vor ihm auf: Well, Herr Warner," sagte er, ich habe mich entschlossen, Soldat zu werden." Mit einem Gemisch von Stolz und Verantwortlichkeitsgefühl sagte Warner dem Manne, wie sehr es ihn freue, daß jener dem Rufe seiner Pflicht folge. Oh." meinte der Setzer, das ist's eigentlich nicht, aber ich lasse mich lieber im Kriege todtschießen, als daß ich noch länger Ihre Manuskripte setzen würde."

Wohlthäterinnen. Es gibt Frauen von einer so überquellenden Güte des Gemüths, daß sie für ihre eigene Familie zu viel werden würde, daß sie nothwendigerweise über ihre nächste Umgebung hinauslangen, den Ueberschuß in weitere Kreise vertheilen muß.Wer sich mit diesenFrauen gut steht, ist gut aufgehoben. In allen kleinen Lebensnöthen gibt es für ihn eine Zuflucht, eine Hilfe. Unter den Fittichen dieser Wohlthäterin ist er geborgen wie in Abraham's Schooß. Hapert es irgendwo, so weiß die Wohlthäterin Rath. Sie kennt alle wohlfeilen Bezugsquellen. Sie kennt eine Quelle, wo durch Gelegenheitskäufe Mäntel vom Aussehen echtester Pariser Modelle für einen Spottpreis zu erstehen sind, und eine andere, in der man tadellos moderne Kleidungsstoffe fast geschenkt bekommt. Natürlich hat sie auch eine Schneiderin an der Hand, die diese Stoffe zu Wunderwerken der Saison umgestaltet, die ebenso bereit ist, bei sich" wie im Hause" zu arbeiten, und die sich sicher, trotz aller Arbeitsüberhausung, herablassen wird, auch unserer Person ihre Huld angedeihen zu lassen, d. h. nur dann, wenn unsere Gönnerin ein gutes Wort für uns einlegt. Müssen wir die Wohnung wechseln, so empfiehlt sie uns ihren Spediteur; sind wir in Mädchennöthen, ihre Vermiethen; wollen wir eine Gesellschaft geben, so ist ihre Kochfrau", ihre Servierfrau" auch für uns zu haben. Sie entwirft uns das Menu, hilft uns bei dem Arrangement, bestimmt die Tischordnung wie das Kleid, das wir an dem wichtigen Abend tragen werden. Bleibt eine der von uns angewordenen Hilfskräfte aus, so läßt sie ihre Köchin in die Bresche springen, und im letzten Augenblick erscheint sie wohl noch einmal selbst, nach dem Rechten zu sehen. Sie ist von einer unerschöpflichen Hilfsbereitschaft; sie liest uns unsere uneingestandenen Sorgen von der Stirne ab es scheint, als sei es ihr nur wohl, wenn sie etwas zu unserm Besten thun könne. Ein Ausfluß wirklicher Herzensgüte treibt sie zu ihren Liebeswerken; denn sie ist vollkommen uneigennützig. Nie nimmt sie unsere Gefälligkeit für sich in Anspruch: sie wünscht nichts weiter, all daß wir von ihr annehmen. Das aber mit Energie. Wir sollen, wir müssen von ihr annehmen. . Unsere Wohlthäterin verträgt es durchaus nicht, wenn wir für Eier, Butter und Roastbeef vielleicht eine andere, uns ebenso vortheilhaft dünkende Bezugsquelle ausgetüftelt haben oder ihrer erprobten Wäscherin unsere. Kundschaft entziehen. Sie vermerkt es höchst übel, wenn unsere Erscheinuna einmal einen anderen Stil trägt ll jenen, den uns ihre" Schneiderin zu verleihen vermag. Stoffe und Farbent'öne. die nicht aus dem Vereich der von ihr entdeckten Quelle stammen, verstimmen sie und veranlassen sie zu der Bemerkung, wir hätten heute keineswegs unseren vortheilhasten Tag. Ein Mädchen, das nicht durch ihre" Vermieterin uns zutheil geworden, erregt ihre unüberwindliche Antipathie, und in eine Wohnung, die wir o.egen ihren Rath gemiethet, würde sie nie ihren Fuß setzen. Sind wir aber gar einmal in unseren Emanzipationsgelüsten so weit gegangen, eine Gesellschaft nach eigenem Geschmack arrangiren zu wollen, mit eigener Speisenwahl, mit neuen Bekannten, die nicht die ihren sind, so haben wir es ganz mit ihr verdorben. Es ist schade um unsere Wohlthäterin. Sie könnte eine der ganz Gu--ten. könnte eine Segen für ihre-sZreun-de sein, wenn sie das Eine über sich gewinnen könnte: sich zu bescheiden. Aber ihrer großen Herzensgüte haftet der eine kleine, böse Erdenrest an, daß sie den von ihr Protegirten auch nicht die kleinste Eigenmächtigkeit gönnt. Wer sich unter ihren Schutz geflüchtet hat, ist ihr verfallen mit Haut und Haar. Kein eigenes Ueberlcgen, keinen, eigenen Willen gibt es da mehr. Man ist nichts als ihr Geschöpf, das sich in allem, aber auch in allem, ihrem besseren Wissen, ihrer gediegeneren Erfahrung, ihrem gereifteren Ueberlegen unterordnen muß. Eine Tyrannei durch Güte, die Einen zur Verzweiflung bringen kann! Man verliert schließlich ganz den Glauben an die eigene Einsicht, wird von einem kläglichen Mißtrauen gegen sich selbst, von Zweifeln an die Intaktheit des eigenen Verstandes geqäult. Unwillig versucht man wohl einmal, sich von dem Gängelbande frei zu machen; aber nach dem leisesten Versuch schon schämt man sich, klagt sich der Undankbarkeit an; unsere Wohlthäterin meint es ja so gut mit uns, wir sind ihr ja so sehr verpflichtet. Und allmählich, in dem fortgesetzten, gezwungenen Annehmen bildet sich etwas heran, das ganz gewiß nicht schön ist, wegen dessen man sich wiederum schämt, über das man aber dennoch nicht hinwegkommt: Erbitterung. Nun rechnet man gegeneinander, was man ihr verdankt und es ist wahrhaftig nicht wenig und das, was sie uns genommen hat, indem sie unser Selbstgefühl untergrub, und da man, immer niedergehalten durch das Gefühl der Verpflichtung, eine Aussprache scheut, bleibt alles äußerlich beim Alten nur daß die Erbitterung steigt. Die Wohlthäterin aber hat davon keine Ahnung, denn sie ist sich ihrer befien Absicht bewußt. Und eben toaS schützt sie, macht sie unangreifbar.

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