Indiana Tribüne, Volume 29, Number 19, Indianapolis, Marion County, 14 September 1905 — Page 6
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Europäische lachrichtm. bessen'Darmstndt. D a r m st a d t. Dieser Tage feierte Hofkoch Klotz, der vor 25 Jahren in Sofia getraut wurde, seine silberne Hochzeit. Es war dies die erste deutsche Trauung, die in Bulgariens Hauptstadt vollzogen wurde und erregte daher berechtigtes Aufsehen. A u e r b a ch. Kürzlich hat sich der vor Jahresfrist vonWorms hierhergezogene Privatier Heetz in seiner Dorfmühle durch einen Schuß in den Kopf getödtet. Anscheinend litt der Mann an einem Gemüthsleiden; er hinterläßt Frau und zwei minderjährige Söhne. Burkhards. Die Frau des Maurers Ruhl war mit einer Kuh auf die Weide gegangen. Die Frau hatte den Strick, den die Kuh um den Hals hatte, um ihre Hand gewickelt, als plötzlich die Kuh. wahrscheinlich infolge der großen Hitze oder eines Insektenstiches. scheute und, ehe die Frau den Strick voy der Hand entsernen konnte, mit ihr davonraste und sie etwa 400 bis 500 Meter mitschleifte. Zwei Arbeiter, welche die Kuh aufhielten, fanden die Frau todt vor. Der Kopf war vollständig zertrümmert und bis zur Unkenntlichkeit zermalmt. L o r s ch. Beim Böllerschießen derunglückte der hiesige Einwohner Schneller schwer. Unvorsichtigerweise rauchte Schneller beim Laden des Böllers eine Cigarre und scheint ein brennender Cigarrenfunken in den neben dem Böller stehenden Pulverkasten gefallen zu sein, denn plötzlich flog das darin befindliche Pulver in die Luft. Dem Unglücklichen, der sich gerade über den Kasten gebeugt, um'demselben neue Munition zu entnehmen, wurde das ganze Gesicht schrecklich verbrannt.. Mainz. Der 42jährige Schlosser Ullmann von hier, der sich wegen Urkundenfälschung und Betrugs imProvinzialarresthaus in Untersuchung befand, hat sich dort erhängt. Wnertt. München. In der mit Lorbeer und Rosen geschmückten Gruft auf dem nördlichen Friedhofe wurde letztens Hermann v. Lingg bestattet. Generalintendant v. Perfall, Intendant v. Possart, Geheimrath v. Heigel
als Präsident der Akademie der Wlssenschaften und des Maximilians-Nit-terkapitels, Akademiedirektor Reichsrath v. Miller, Professor der Technischen Hochschule Friedrich v. Thiersch, der erste Bürgermeister von Borscht mü der Deputation des GemeindecollegiumS und das GesammtcorpZ Suevia waren erschienen. Paul Heyse vertrat die deutsche Dichtung. A r n st e i n. Dieser Tage beging der hiesige Schützen-Verein das 300jährige Jubiläum seines Bestehens, verbunden mit 50jährigem Fahnenjubiläum. B a y r e u t h. Der Rechtsanwalt Justizrath v. Meyer löste vor Kurzem seine Anwaltskanzlei auf. Justizrath v. Meyer ist Ehrenbürger unserer Stadt, war 30 Jahre lang Vorstand des Gemeindekollegiums und hat seinerzeii" den Kronenorden bekommen, weil er die Angelegenheiten des verkrachten Vorschußvereins so geordnet hat. daß eine große finanzielle Katastrophe sür die Stadt vermieden wurde. E.r langen. Der Professor der neueren Geschichte an der hiesigen Universität Dr. Rickard Fester hat den an ihn ergangenen Ruf an die Akademie für Handels- und Sozialwissenschaften zu Frankfurt a. M. abgelehnt. Füssen. Zum 400jährigen Jubiläum der hiesigen Feuerschützengesellschaft hat Kaiser Wilhelm einen silbernen Pokal als Ehrengabe zum dauernden Andenken gestiftet. Krön ach. Dar erste Bürgermcister unserer Stadt. Josef Karg, ist im besten Mannesalter plötzlich gestorben. Seine 15jährige hiesige Amtsthätigkeit bedeutet für unsere Stadt eine Periode des Aufschwungs. Nürnberg. Zu seinem 70. Geburtstage wurde der Obermedizinalrath Dr. Merkel zum Ehrenbürger unserer Stadt ernannt. Rosenheim. Reaierunqsrath tauer, technischer Referent fcr hiesigen isenvaynbetriebsdittktion und StellVertreter des Betriebsdirektors, ist nach längerem Leiden verschieden Regierungsrath Bauer war als wohlwollender, pflichtgetreuer Beamter allgemein beliebt; er war mehrere Jahre im Münchner Ostbahnhof Vorstand des Jngemeur-Bezirks. Starnberg. Dieser Tage feierte der Maschinist Haarländer auf dem Dampfer Luitpold" sein 36jährigesDienstjubiläum alsMaschinist bei der hiesigen Dampfschiffahrtsgesellschast, sowie sein 36jähriges Ehejubiläum mit seiner Frau Kunigunde. Württemberg. Stuttgart. Dem Direktor der tierärztlichen Hochschule. Prof. Dr. Sußdors, ist vom Größherzog von Baden das Ritterkreuz 1. Klasse mit Eichenlaub des Ordens vom Zährn.ger Löwen verliehen worden. A l t o b e r n d o r f. Hier schlug der Blitz in das O:konomieanwesen des Johannes Faulhaber und äscherte es ein. Bothnang. Der 29 Jahre alte verheiratete Metallschmelzer Müller zankte sich mit seiner Mutter. Eine
Frau, die die Mutter vor,.THätlichkeiten schützen wollte, gab dem Müller einen so heftigen Stoß auf die Brust, daß er rückwärts gegen das elterliche Haus stürzte, und alsbald todt war. C a l w. Der Gesangverein Konkordia veranstaltet anläßlich seiner 50jährigen Jubiläumsfeier ein Preissingen, zu dem sich 18 Gesangvereine mit 700 Sängern aus Württemberg und Baden angemeldet haben. Außer dem Preislied haben die Vereine noch einen Sechswochenchor" zu singen. Die Feier findet am 27. August statt. Ebhausen. Hier schüttete das 8jährige Töchterchen des Pflästerers Walz in ein mit glühenden Kohlen geflllltes Bügeleisen Erdöl, wodurch eine Ezplosion entstand. Das Kind erlitt dabei so schwere Brandwunden, daß es nach kurzer Zeit starb. T.übingen. Prof. Dr. phil. Ludwig v. Schwabe, der Vertreter der klassischen Philologie und Archäologie an der hiesigen Universität, feierte seinen 70. Geburtstag. Untertürkheim. In der Nähe von hier ist ein in der Daimler'schen Fabrik beschäftigter junger Schmied Namens Bürth beim Baden im Neckar ertrunken. Waden. Karlsruhe. Hauptmann a. D. Philipp Weiß hier wurde auf einem Spaziergang bei Schöllbronn von einem Schlaganfall betroffen, an dessen Folgen der schon bejahrte Mann sofort starb. Andelshosen. Vor kurzem fiel die 70jährige Wittwe Marie Kabusreiter auf der Wiese vom Heuwagen herunter und brach das Genick. Der Tod trat nach kurzer Zeit ein. Engen. Die hiesige freiwillige Feuerwehr beging ihr 40jähriges Jubiläum in Verbindung mit dem Hegaufeuerwehrfest. Ettenheim. Vor einiger Zeit stürzte der Landwirth Karl Nägele beim Heuabladen vom Wagen und zog sich dabei so schwere Verletzungen zu, daß er daran gestorben ist. Er hinterläßt eine Wittwe mit 6 unmündigen Kindern. F l e h i n g e n. Dieser Tage wollte die 10jährige Tochter des Schuhmachers A. Stäb, während die Eltern von Hause weg waren, auf einem Spirituskocher Milch wärmen. Dabei kam sie der Flamme zu nahe, und die Kleider fingen Feuer. Die erhaltenen Brandwunden waren derart schwere, duß das Mädchen nun gestorben ist. Kirchgarten. Das große
Bauerngut Thomashof brannte vollständig nieder. Bei einem schweren Unwetter, das auch an Gärten und Fluren Schaden anrichtete, hatte der Blitz in das Anwesen eingeschlagen. Ludwigshafen. Kürzlich gerieth in der Siegfriedstraße wegen einer Kellnerin der Installateur 2. Joachim von Neckarau mit mehreren Burschen in Streit. Joachim zog den Revolver und schoß nach einem Dekorateur, jedock ohne zu treffen. Der zweite Schutz traf den 25jährigen ledigen M. Schmidt in den Unterleib. Lebensgefährlich verletzt wurde Schmidt in's Krankenhaus gebracht. Der Thäter wurde verhaftet. Mannheim. Der 25 Jahre alte ledige Taglöhner Peter Erckert, wohnhaft Langstraße 39 hier, sprang in selbstmörderischer Absicht, weil ihm seine ihn begleitende Geliebte wegen seiner Trunkenheit Vorwürfe machte, von der Friedrichsbrücke aus in den Neckar und ertrank. Oberkrotzingen. Das Anwesen der Wittwe Brigitte Eberle wurde ein Raub der Flammen. Der SchaDohn
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dessen Aussagen vor dem Armstrong UntersuchungS Comite diel Licht in die modernen VerstcherungSmethoden geworfen haben, ist einer der bekanntesten SchnitttvaarenbSndler deZ Landes und ein Mitglied des JinanzComitcS der New. York Life Insurance Co. .. . gS3.
den beträgt, etwa 4000 Mark. Das
Feuer wurde durch einen Knaben verursacht, der Feuerles" spielte. Wasenweiler. Vor einiger Zeit ging hier ein wolkenbruchartiger Regen mit Hagelschlossen nieder, welche die Rebstöcke zerfetzten. Der Schaden durch Ueberfchwemmen der Reben, Gärten und Felder, Niederstürzen ganzer Raine, Aufwühlen und Fortschwemmen des guten Bodens, so daß stellenweise die Rebwurzeln offen liegen, ist bedeutend. Wol fach. Kürzlich machte der betagte Bierbrauereibesitzer K. Bäuerle hier seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Das Motiv war Schwermuth. Mheinpfakz. S p e y e r. Mechaniker und Fahrradhändler Joseph Ederer von Schwehingen hat mit seinem Motorrad das 12 Jahre alte Mädchen von Schlosser Klebsch überfahren, so daß das Kind neben einer Gehirnerschütterung weitere Verletzungen erlitt, die Gefahr für sein Leben befürchten lassen. E n k e n b a ch. Der 33 Jahre alte verheirathete Postbote Johannes Geiger wollte Postsachen in einen Zug befördern, wurde aber von der einsahrenden Lokomotive erfaßt und unter diese geschleudert. Geiger erlitt schwere Verletzungen, u. A. sind beide Beine zweimal gebrochen. Der Verunglückte konnte nur mit .Mühe unter der Lokomotive herausgeholt werden. H e t t e n l e i d e l h e i m. Kürzlich wurde der 18 Jahre alte Erdarbeiter Nikolaus Waßner, Sohn von Franz Waßner, hier beim Holzabladen von einem rollenden Stamm vom Wagen gerissen und kam so unglücklich unter den Stamm zu liegen, dah ihm der Brustkorb eingedrückt wurde. Waßner wurde mittelst Tragbahre nach Hause gebracht, doch konnte der hinzugerufene Arzt nur noch den inzwischen eingetretenen Tod konstatiren. L u d w i g s h a f e n. Der 42 Jahre alte Dienstknecht Philipp Müller. bei Lorsch & Sohn bedienstet, fiel in der Jahnstraße durch einen plötzlichen Ruck seines Wagens vom Bock vor die Räder seines mit Kehricht beladenen Wagens. Der Wagen ging über seine beiden Beine hinweg und verletzte ihn schwer, so daß der herbeicerufene Arzt seine Ueberführung in's Krankenhaus anordnete. P i r m a s e n s. Letztens wurde die in den 70er Jahren stehende Wittwe Lehmann von hier von der elektrischen Straßenbahn zu Fall gebracht. Infolge der Verletzungen mußte sie in das Spital gebracht werden, wo sie starb. ßklaß-Lothringen. Straßburg. Der frühere französische Gesandte in Wien, Napoleon Baron de Ring, von Schloß Heimbach in Baden gebürtig, ist, 71 Jahre alt, in Weißenburg i. E. gestorben. Hier ist der a. o. Professor für Chirurgie an der Universität und zweiter Direktor der chirurgischen Abtheilung im Bürgerspital Dr. Friedrich Fischer im Alter von 50 Jahren gestorben. E ck w e r s h e i m. Vor Kurzem durchschnitt die 22jährige Ehefrau des Ackerers Riehl in einem Anfalle geistiger Störung ihrem 1 Jahr alten Knaben die Pulsadern und versuchte sich dann durch Oeffnen der Pulsader des linken Armes gleichfalls zu tödten. Das Kind ist lebensgefährliche die Mutter sehr erheblich verletzt. Scharfblick. Feldwebel: Reservist Huber, nur nicht so ängstlich sein. Sie sind wohl in Civil Ehemann?" Claflin,
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Most. Humoreske von Franz Kurz-Elsheim Hm, man muß sich hüten vor dem Moste. Das ist ein gar -schleckeriger, heimtückischer Geselle. Da setzt man sich hin in irgend eir.e Rheinkneipe oder in das Zimmer eines Privathauses, über dessen Eingang ein Kranz hängt das berühmte Herbstzeichen, daß man nun die flüssige Kraft des gelben Trankes erproben kann und trinkt und trinkt. Und das süße Zeugs rollt einem so leicht durch die Kehle. Frau Wirthin, noch einen Schoppen!" Heidi, auch er füllt den Magen. Noch einen. Komm her, Lieserl, gieb mir 'nen Kuß." Ganz unternehmungslustig wird man angeregt, und man entdeckt auf einmal, daß man eigentlich doch auf einer nicht unüblen Welt wohnt. Und freut sich ,daß einem der Most so gar nichts anhat. Nicht das geringste. Schau nur her, ich steh' auf. Stolz und gerade. Nichts dreht sich vor mir. Und festen Schrittes kann ich bis zur Thüre gehen Abu wenn man dann ins Freie kommt, nachdem man die Süßigkeit des Mostes allzulange gekostet uijeh! Da merkt man erst, wie tückisch der Geselle ist. Und begreift das alles gar nicht. Drinnen war doch alles so nüchtern, so klar. Und nun hier plötzlich. Straße, wie wunderlich siehst du mir aus." Wenn man's weiß, sst's natürlich gut. Aber man muß es eben erst wissen. Ernst wußte es, Otto noch nicht. Beide waren die eifrigsten Courmacher der jungen Wittwe Lenzmann, die nach Ablauf des Trauerjahres in einer reizend gelegenen Villa bei RUdesheim Hof hielt wie eine Fürstin", wie der stets galante von Hanft behauptete. Jedenfalls war's ein entzückendes Persönchen, die Lenzmann, wenn sie auch wirklich die kastanienbraunen Haare, die das lustige Gesichtchen umrahmten, gefärbt hatte, wie die boshafte Lizzie Tillmann immer behauptete. Ich glaube übrigens, daß die Lizzie nur eifersüchtig war. Man bedenke doch, die Tillmann war bereits 23 und noch nicht einmal verlobt! Und unter den Umständen ist das immerhin schon ein kritisches Alter. Und Frau Lenzmann hatte erst 24 Jahre gesehen und konnte sich, wenn sie wollte, morgen am Tage ach nein, erst müßte doch immer die Aufgebotsfrist dazwischen liegen also sagen wir, wenn sie wollte, in drei Wochen zum zweiten Male vermählen. Na ja, wenn man jung ist und von der ersten Ehe nichts weiter gehabt
hat als einen kranken Mann, dann ist das erklärlich. Dennoch, einen kleinen Haken hatte die Geschichte trotzdem. Ihr Herz vermochte zwischen Ernst und Otto noch nicht endgültig zu entscheiden. Der stets zu lustigem Schabernack aufgelegte Ernst hast Du, lieber Leser, auch schon entdeckt, daß alle die, welche Ernst" heißen, ihrem Vornamen so gar keine Ehre machen? gefiel ihr nicht schlecht. Ging sie aber mit sich selbst aufrichtig zu Rate, dann gestand sie sich, daß der stille und ruhige Dr. Otto Holst eigentlich noch mehr Eindruck auf sie machte. Seine Anbetung, seine Verehrung, der alles ftürmisch Draufgeherische mangelte, hatte etwas Rührendes und gerade deshalb etwas Bezwingendes. So kippte denn die Herzenswage auf und ab. Und noch ein Umstand war dabei. Der schwerwiegendste von der Welt. Klärchen, wie die Frau Lenzmann getauft worden war, konnte doch nicht den Herren einfach sagen: Wer wn! mich nun?", obwohl sie sich dabei keinen Korb geholt haben würde. Und die Herren kamen nicht zum Reden. Otto hatte nie die rechte Courage und schließlich ist doch Courage bei den Frauen alles , und wenn Ernst auch diese Unternehmungslust besaß. Otto hinderte ihn durch seine Eifersucht, Ge, brauch davon zu machen. Er ließ die beiden nie allein, er überwachte sie mit Argusaugen. Und zu guter Letzt war Ernst nicht anders. Doch die Zeit nahte, da sie Abschied nehmen mußten. Sie konnten doch nicht ewig Gäste Klärchens bleiben. Nein, das ging nicht. Das sagten sich beide, Otto sowohl als Ernst, der nebenbei ein gut Stückchen Filou war. Und so beschloß er, die Geschichte zum Klappen zu bringen. Schlau wie er war, hatte er wohl entdeckt, daß die hübsche Wittwe selbst noch zu keinem Entschluß kommen konnte. Also würde es sich, so rechnete er, darum handeln, wer den ersten energischen Anqriff auf die Festung unternahm. Und damit er freie Bahn hatte, mußte Otto wenigstens für einen Abend unschädlich gemacht werden. Bon, machen wir ihn folglich unschädlich." Und mit der ganzen Raffinesse, die nur ein Nebenbuhler ersinnen kann, verfiel er darauf, sich die an sich ja harmlosen Eindrücke des Mostes zu Nutze zu machen. Jawohl, Otto wird mitgeschleppt, fällt, wie jeder Sterbliche, dem Zauber dieses Herbsttrunkes, anheim, ist entweder für den Abend unmöglich oder und er schmunzelte boshaft bei dem Gedanken macht sich in seinem Dusel läche?lich. Lächerlichkeit aber, sagt der sranzose, tödtet. Und eine Frau wird sich hüten, einen Mann zu heirathen, der sich lächerlich gemacht hat. Demnach konnte es gehen, wie es wollte, Ernst mußte Sieger bleiben.
Ich constatire ja schon, daß er ein gut Stückchen Filou war. Den Doktor, der aus dem Norden unseres im allgemeinen recht annehmbaren Vaterlandes stammte, zu überreden, mal mit nach Rüdesheim zu pilgern und Most oder Federweißen zu probiren, war kein Kunststück. Und es geschah auch so, wie Ernst gerechnet hatte. Dem Doktor gfiel der Trank über die Maßen. Er leerte Becher umBecher und wurde zusehends lustiger und aufgeräumter. Und in feine Augen trat jener leuchtendeGlanz. den die Animirtheit im Gefolge hat. So lange er in der dumpfen, alten Kneipe saß, in der es sich behaglicher und gemüthlicher trinkt als in den vornehmen Restaurants, in dieser alten Stube, in der der Wirth selbst seine Gäste bediente, und die Frau Wirthin, geschmückt mit einer weißen Schürze, wie eine Herrscherin hinter dem kleinen Büffett thronte, so lange ging's. Als er indessen hinaustrat in den ver gehenden Tag, da ja, zum Kuckuck da hatte er doch wahrhaftig Mühe, sich aufrecht zu halten. Nein, so was! Zum Glück war Ernst bei ihm. Doktorchen, Sie haben zu viel getrunken." lächelte er arglistig und schob seinen Arm in den Ottos. Kommen Sie, ich führe Sie und schaffe Sie ins Bett. So können Sie sich nicht gut vor einem Menschen sehen lassen. Das ist mir ein Räthsel." Dieser verflixte Most! Ernst, Sie sind ein Engel. Wir müssen Brüderschaft trinken." Schon gut, m. w., machen wir. Aber nun kommen Sie. Wir haben eine gute Stunde Wegs vor uns." - Und die beiden schoben los. Innerlich triumphirte Ernst. Der Nebenbuhler war für heute Abend beseitigt. Frau Klärchen, Du mußt Dich entscheiden. Der sonst so stille Doktor war lu stig und fidel wie nie und ahnte nicht, welch' böses Complott sein Begleiter geschmiedet. Er sang alle möglichen Studentenlieder. Dann wieder rühmte er die Schönheiten Klärchens. Dann schrie er übermüthig und fuchtelte dabei mit seinem Stock in der Luft herum: Hurra, wir hau'n ein Loch in die Welt!" Na, der Most hatte eben seine Schuldigkeit gethan.
Klärchen wunderte sich; wo die beiden Herren heute blieben. Der wundervolle Herbsttag war nun zur Rüste gegangen. Die Villengäsie. die wohl sämmtlich allmählich an den Abschied denken mußten, um sich in die Winterstrapazen zu stürzen, hatten noch, schnell eine italienische Nacht arrangirt. Und lautes Lachen und Gläserklirren füllte den Garten des Hauses, in welchem neben Klärchen deren Tante und Onkel die Honneurs machten. Klärchen war unruhig. Und die erste beste Gelegenheit benutzte sie, um sich aus der Gesellschaft hinwegzuschleichen und auf die Veranda vor dem Hause zu eilen, von wo aus sie die Straße bequem überschauen konnte. Noch Niemand zu sehen. So setzte sie sich hin. die sich plötzlich man hat manchmal so Stimmungen ganz -einsam und verlassen fühlte, und träumte Da knarrte die Pforte. Die Träumerin fuhr auf. Richtig, Ernst und Otto kommen Arm in Arm. Hochaufgerichtet sieht die hellgekleidete Gestalt der jungen Wittwe an der Brüstung. Und als Otto sie nun erschaut, kommt der Mostmuth erneut über ihn. Er kümmert sich nicht mehr um Ernst, von dem er sich losreißt. Der lange Spaziergang hat ihm so wie so gut gethan. Er stürmt voran, die Stufen hinan; jetzt steht er vor ihr, und jetzt sagt er und so laut, daß Ernst jedes Wort hören muß: Liebe Kläre, ich liebe Sie. Und wenn Sie mich nicht erhören, erschieße ich mich auf der Stelle." Klärchen wußte gar nicht, was in den Doktor gefahren war. Aber ihr qefiel dieses ' frische Draufgehen plötzlich mehr als sn sonstiges stilles Wesen. Dennoch zierte sie sich. Nur ließ Otto sie nicht mehr locker. Jetzt hatje er Courage für zehn. Und unten stand Ernst ganz paff und mußte sogar sehen, wie Otto die schlanke Gestalt verwegen in seineAme nahm, und sie auf den Mund küßte, und wie Klärchen sich nicht nur nicht wehrte, sondern seinen Kuß auch noch herzhaft erwiderte. Und er machte ein recht dummesGe ficht und sagte sich: Da hab' ich was Schönes angerichtet. O, diese Unglückliche Mostidee!" Ein räthselhafter Leichenfund wurde im Rittergutsparke in Zehmen in Sachsen durch einen Maler gemacht, der sich dort verirrt hatte. Er ' fand die Leichen eines Paares im Alter von etwa 26 resp. 35 Jahren. Der Mann, der noch krampfhaft den Revolver in der Rechten hielt, hatte erst durch zwei Schüsse in die Schläfen seie Begleiterin und dann durch einen wohlgezielten Schuß sich selbst getödtet. In der Rinde des Baumes, unter dem die Lebensmüden lagen, war ein Herz ein-. geschnitten; daneben befand sich ein ' Zettel, worauf die beiden Unbekannten baten, daß die Ortsgemeinde Zehmen ihnen eine gemeinsame Ruhestätte bereiten möge. Die Namen sowie- die Herkunft der Todten konnten bisher nicht ermittelt werden, da sie keinerlei Ausweispapiere bei sich führten. Es handelt sich offenbar um den tragischen Abschluß eines Liebesdramas. Die beiden Leichen wurden der Anatomie in Leipzig überwiesen.
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