Indiana Tribüne, Volume 29, Number 18, Indianapolis, Marion County, 13 September 1905 — Page 7

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44 Ais erste N este j f .. . . w 44 4 44 44 .. TP (Fortsetzung.) I in yetmlicher Schauer rann uoei Liane hin. Es war ihr, als schwebe in der dumpfen Luft ein Hauch zitternder Kälte, wie der letzte Seufzer eines Stetbenden. Mit unhörbarem Schritt trat sie zu dein Bett hinüber. Und wieder ticselte das heimliche Grauen über sie hin. Zwei Augen wähnte sie zu sehen, die im Leben so scheu und unruhvoll geblickt, die meist an der Erde hinstrichen oder, wenn sie sich erhoben, zuckend umherhasteten, sich in die Ecken hineinbohrten, als seien sie auf einer beständigen Flucht oder auf einem beständigen Suchen. Und nun waren diese Augen groß und starr geworden und in ihrem Starren lag etwas wie ein lautes Ruf-n. . Riefen sie nach ihr? Hatten sie nach ihr gesucht mit dem letzten, brechenden Blick? Hatte die Tante ihrer gedccht mit ihrem letzten Denken, hatte sie im Sterben nach der Liebe derjenigen verlangt, der sie selbst so viel der Liebe und Güte hinterließ? Tantchen liebes, liebes Tantchen!" Vor dem leeren Sterbelager niedersinkend, begann Liane zu weinen, wie man um einen geliebten Todten weint. Als ihre Thränen still geworden waten, stand sie wieder auf, öffnet: weit .die geschlossenenFenster und ging langsam im Zimmer hin und her. Hie und da zog sie ein Schubfach, die Thür eines Spindes auf. Der eigenthümliche, ans Moschus und Lavendel gemischte Duft, den die Tante geliebt, hing noch in den Sachen fest. Hier in einem Kästchen waren die Ringe, die sie der Todten von den Fingern gestreift, funkelnde Brillanten und ein großer Nubin. Es mußte für die Lebende ein eigener Reiz in den kostbaren Steinen gelegen haben. Ein paarmal hatte Liane die Tante dabei betroffen, wie sie. die fleischlosen Hände vor sich hingestreckt, die blitzende Pracht mit einer seltsamen Gier betrachtet hatte fast wie der Geizhals feinen heimlichen Schah, hatte Liane bei sich gedacht. War die Tante wirklich geizig gewesen? Anderen gegenüber vielleicht, doch ihr hatte sie sich nie so gezeigt. Und daß sie ihren Reichthum verschwiegen, war wohl a.ls dem krankhaft tiefen Mißtrauen hervorgewachsen, das sie gegen die Menschen hegte. Ich habe noch keinen gefunden, der nicht so oder so ein heimlicher Lügner und Betrüger war." hatte sie gesagt. Arme, arme Tante, was hatten wohl ihr die Menschen gethan, daß sie so gering von ihnen dachte? Vielleicht wäre die Antwort darauf hier in den festverschnürten und versiegelten Briefpacketen gewesen, die da in der großen Schreibkassette lagen, welche Liane geöffnet hatte. ftach meinem Tode ungelesen zu verbrennen." stand in großen, doppelt unterstrichenen Buchstaben darauf. Liane nahm die beiden Packete heraus und sch.itt damit zum Ofen hinüber. Die Briefe schienen schwer in ihren Händen zu wiegen. War's ein so schweres Schicksal, das sie hier den Flammen übergeben sollte? Die gefüllte Streichholzschachtel, die sie zwischen den beiden Packeten in die Ofenhöhlung geschoben und dann entzündet hatte, loderte auf, das Feuer züngelte an den Briefen empor, zerfraß die umgewundenen Schnüre, die einzelnen Blätter fielen auseinander, die Flamme fraß sich hinein, es gab ein seltsam wehendes, leis pfeifendes Geräusch wie ächzende Seufzer, dachte Liane. Sie stand hastig auf. schloß die Ofenthür und überließ es dem Feuer, das ihm Ueberantwortete vollends zu Asche zu machen. Dann hob Liane aus der Kassette die Schreibmappe der Tante heraus. Sie sollte viel geschrieben haben in den Tagen vor ihrem Ende. War da vielleicht irgend ein Gruß, ein Wunsch, eine letztwillige Verfügung für sie dabei? Die Mappz war verschlossen, und kein Schlüssel daran. Doch wie sie an der Klammer drückte und rüttelte, sprang das Schloß auf. Vor ihren Augen lagen 'beschriebene Blätter.. Ungleiche Buchstaben, die einen hart und schwer und breit, die anderen lange, dünne, kaum leserlich hin und her fahrende Striche die auf und ab zuckende letzte Lebenskraft. Behutsam, mit einer feierlichen Ge berde hob Liane die Mappe empor, trug sie zu dem Tische hinüber, zog sich einen ) Stuhl heran und begann die durch ' Nummern in ihrer Reibenfolae kennt lich gemachten Blätter zu lesen. -Es geht zum Sterben und ich habe Furcht. Wovor, weiß ich nicht. Mein Leben war keines, von dem das Schei- . den schwer fallen könnte. Und an ein Jenseits, wo sie Gericht halten über Gut und Böse, glaub' ich nicht, will nicht daran glauben. Aber ich habe Furcht. Vielleicht, weil ich so allein sein werde, wenn ich sterbe. Ob ich Liane kommen lasse? Kein, sie soll bleiben, wo sie ist. Was konnte daö Kind mir helfen. .Und sie

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aJE. äLa V V V V i 5i fr s W 44 44 Noman von )cfcttiifl Erlitt&rijmccUcbicir 44 44 44 m 44 14 4v 44 44 44 44 44 44 hat etwas an sich, was mich immer gequält hat. Ihre Äugen sehen einen immer so klar und ruhig an. Ich mag so ein unverwandtes Ansehen nicht es macht mich nervös. Och,, Nervös, nein, nervös macht's mi nicht. Vor sich selber wenigstens soll man ehrlich sein, wenn man den Tod schon im Herzen spürt. Nerven sind es nicht, es ist das böse Gewissen, daß ich keines Menschen festen Blick aushalten kan.i. .,Tas wird noch einen letzten harten Kampf geben.' hat heute Morgen der Doktor der Schwester zugeflüstert, wie sie dachten, daß ich schliefe. Ich fürchte mich vor einem harten Todeskämpf. Ob er leichter würde, wenn ich mir das Gewissen befreite? Vielleicht übertreib' ich's, was ich gethan. Ich hab's doch früher anders genommen. Aber das Sterben macht feig. Einen leichten Tod möcht' ich haben sanft einschlafen. Da kommt das Zupfen am herzen schon wieder. Keiner weiß, daß ich ein zweites Mal verheiratet war und mit wem. In England geht das Heirathen leicht, wenn man di- nöthigen Papiere hat es können auo) gefälschte sein. Wenn einer anvertraute Gelder stiehlt. kommt's auf einen gestohlenen Namen auch nicht an. Da bin ich denn gleich nach d:r Trauung mit Edward Smith nach Indien gefahren, und wo der Bankier Albert Delsberg hingekommen war, den sie in Teutschland stcckbrieflich verfolgten, hat Niemand erkundschaftet. Er k?at das 5llima drüben nicht vertragen, ein Vierteljahr später ist er am Fieber gestorben. Zuvor hat er mir alles gestanden, was ich bereits ahnte unterschlagene Depositenge!der, an die zweihunderttausend Mark. ,6i& es zurück, Katharina, eö hängt kein Glück daran.' hat er gesagt, wieder im Sterben lag. .Schwör es mir zu. daß Du's zurückgeben willst!' Ich Hab's ihm zugeschworen, und er ist ganz sanft gestorben. Ich Hab's ja auch zurückgeben wollen. Aber wie ich dann das Geld nachzählte es waren lauter englische Zehnpfundnoicn und viel, viel Gold, der ganze Tisch war voll davon da hab'ich's nicht mehr gekonnt. Wenigstens eine kurze Weile wollt' ich es lehalten nur em paar Tage lang so thun, als ob ich reich wäre. Und dann fiel mir was anderes ein. Ich wollte ein paar Monate, hochstens ein Jahr lang mit dem Geld an der Börse Geschäfte machen, mir selber etwas damit verdienen, was dann rechtmäßig mein Eigenthum war. das ich behalten konnte. Das andere wollte ich dann zurückgeben. Ich nannte mich wieder mit dem Namen meines ersten Mannes, ging nach Europa zurück und fing zu spekuliren an. Im ersten Jahre hatte ich kein rechtes Glück. Da dachte ich, es wäre Narrheit. jetzt das Geld auszuliefern und ich machte mich vielleicht noch obendrein strafbar, weil ich so lang geschwiegen hatte. Ich dachte schließlich überhaupt an kein Zurückgeben mehr. Und von da an batte ich Glück. In zehn Jahren hatten sich die zweihundcrttausend Mark um die Hälfte verdoppelt. Solang ich gesund und kräftig war, ging alles gut. Aber als ich krank und kränker wurde, , und die schlaflosen Nächte kamen Es waren ja alles nur Einbildungen und Fieöcrphantasien, aber oft war's mir, als hörte ich lautes Schreien und Wehklagen und wilde Flüche von denen, die betrogen waren. Albert hatte eine genaue Aufzeichnung darüber hinterlassen, wer Geld von ihm bekam und wie viel. Und wenn ich auf der Liste die Namen las, wurden das lauter lebendige Menschen, die auf mich eindrangen. Ich habe die Aufzeichnung verbrennen wollen, aber aus dem Feuer riß ich sie wieder heraus. Nun liegt sie zwischen AlbertL Briefen. Oft in der Dunkelheit kommt er zu mir und hält das angekohlte Papier in den Händen und ruft mir zu: Gib's zurück! Du hast's geschworen! Ich kann aber nicht von dem Gelde lassen! Es hat sich festgekrallt an mir wie ein Dämon. Jetzt ist ja auch bald alles verjährt, und dann ist's rechtmäßig mein. Nur einmal alles frei herausreden hätte ich mögen. Nun hab' ich zu dem Papier gesprochen. Es hat mich so müde aemacht, aber doch ruhiqer. Ob ich vielleicht heute Nacht 'sterbe? Und wenn sie's dann nach meinem Tode erfahren? ,,,, Nein, c3 soll Niemand erfahren, was ich an die zwanzig Jahre lang geheim gehalten. Was ich hier geschrieben. will ich zu Alberts Briefen packen. Liane wird dann alles verbrennen ungelesen neugierig war sie nie und für sie hängt nichts an dem Gelde, sie hat es rechtlich, rechtmäßig geerbt. Erst wollte ichMes einer wohlthätigen Stiftung vermachen, aber wie ich

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dann Liane zu mir nahm, und sie war

so ueb und gut zu mir, und ich sah, I daß keine Berechnung dabei war. da setzte ich sie zur Erbin ein. Lieber einen Menschen glücklich machen, der ; mir nahe steht, und der mein Andenken segnen " Das Schreiben brach ab. Ein paar zitterige unentwirrbare Striche noch, die auf dem Vapier hin und her zuckten Hieroglyphen des Todes. Liane starrte darauf nieder, selber wie eine Todte. Ein einziges Mal nur hatte sie sich beim Lesen unterbrochen, war emporgeschnellt, latte mit einer wilden Bewegung die Arme von sich gestreckt zu dem leeren Sterbelager hinüber, als wolle sie etwas Grauenhaftem wehren, das sich von dorther ans sie werfen wollte. Tann sank sie wieder - rmf ihren Stuhl zurück und las bis zu Ende. Zu Ende! Etwas anderes stand nicht in ihr. vermochte sie nicht zu denken, als nur immer: 5ta Ende zu Ende! etc rührte jtch nicht, yane lern empfinden für die schwindende Zeit. Die letzten krausen Schnöikel da vor ihr auf dem weißen Papier waren wie ein schwanker Steg, der über einen finsteten Abgrund lag. und ihre Gedanken kletterten darauf hinauf, hinab, immer nur mit dem einen, schwindelnden Wissen: u Ende " Aber Liane, Kind Tu bist noch immer hier! Im Hotel hab' ich Gott weiß wie lange auf Dich gewartet. Dann dacht'- ich aber, nun dürfte ich Dich doch nicht länger allein lassen." Frau Mathilde stand vor ihr. frisch und blühend von der wonniglichen Fahrt durch lachende Nebengelände hindurch, an alten, winkenden Burgen vorbei und immer mit dem Blick auf die gewaltigen Bergeöriesen. Und dazu hatte sie. ganz an der Quelle, ein Viertel alten, feurigen Terlaner getrunken. Jetzt trat sie näher an die Nichte heran, die langsam den Kopf hob. Von Frau Mathildes Lippen klang ein unterdrückte? Aufschrei: Liane ich bitte Dich! Liane um Gottes willen, waö ist Dir? Bist Du krank, oder ist was geschehen?" 'Es ist alles Ende alles, alles ist wieder zu Ende!" Wieder zu dem Sterbelager geht ihr Blick hinüber. .Und wie mit Fäusten schlagen die Worte auf sie ein, die die Sterbende zu ihr gesprochen: Ich habe noch keinen gefunden, der nicht ein heimlicher Lügner und Betrüger war!" Ja, Lügner und Betrüger! Sie, die Belogene und Betrogene grausam, grausam betrogen und um ihr Glück genarrt. Tausendfach unglücklicher als zuvor, wo sie nicht mehr an das Glück geglaubt hatte! Und noch ein anderer er Detlef Detlef! Belogen betrogen!" Mit wildem Aufschluchzen stößt sie es heraus. Aber Liane!" Frau Mathilde hat den Arm um sie geschlungen und zieht die an allen Gliedern Bebende zu dem Sofa hin. Komm doch nur zu Dir, sag doch, was geschehen ist! Hast Du etwa gar " ihre Stimme dämpft sich zum Flüstern hast Tu etwas gefunden? Vielleicht ein zweites Testament?" Auf die Blätter hin. die auf dem Tische liegen, deutet Liane. Das hab' ich gefunden." Frau Mathilde fragt nicht, ob sie lesen darf. Zuvor aber ist sie hin zur Thür und schiebt den Riegel vor. Ehe sie dann zu lesen beginnt, dreht sie die Papiere nach allen Seitn. Gott sei Dank, tl ist nichts Gerichtliches." Nein," sagt Liane, es ist nichts Eerichtli:s. Es schreit sich aber selber baZ Gericht." Frau Mathilde achtet nicht auf ihre Worte. Sie liest. Auf ihrem Gesicht kommt und geht die Farbe. Ein paarmal bricht ihr ein unartikulirter Laut hervor. Dann ist sie mit Lesen fertig und starrt ganz so. wie es Liane gethan. auf die Blätter nieder. Aber nicht lange. Sie springt empor, läuft zu Liane hin und beugt sich zu ihr hinab. Und nun sag doch, Liane, rede doch, was Du denkst!" Was ist da zu denken." Lianens Stimme klingt hart. Auf das Gericht gehen und gestohlenes Geld zurückgeben." Ciane! Die Doktorin macht eine Bewegung, als wolle sie ihr den Mund zuhalten. Liane. Du denkst doch nicht willst doch nicht etwa die ganze, ganze Erbschaft " Soll ich etwa theilen?" Frau Mathilde senkt den Kopf, geht ein paarmal im Zimmer hin und her und setzt sich dann neben Liane auf das Sofa. Erst käm's doch überhaupt darauf an, wie viel von dem allen wahr ist. Ein Sterbender hat das geschrieben und man liest s ja aus jeder Zeile einer, der nicht mehr Herr seiner fünf gesunden Sinne war." Liane fällt ihr in's Wort. Tante Morand war bis zum letzten Augenblick bei vollem, klarem Bewußtsein. Was da geschrieben steht, ist Wahrheil." Sie hat's aber doch verbrennm wollen!" flüstert kaum hörbar die Doktonn. Liane antwortet nicht, starrt zu dem Ofen hinüber, in dem sie selbst die Briefe verbrannt hat. die Briefe die Listen der Betrogenen. Sie stürzt zu dem Ofen hin. reißt die Tbü7 auf. Nichts, nichts mehr als eii. Häuflein Asche.

Ja, das wär' so schon das Aller-

beste!" sagt Frau Mathilde. Lianens Bewegung und ihre Absicht mißverstehend. Lmne wendet sich langsam wieder herum. Nein, Tante so war es nicht gemeint." Aber m ibr klinat es auf: und wenn Du's thätest? Keiner zwingt Dich, es anders zu thun. Keiner, keiner! Und Niemand würde wissen. Niemand Rechenschaft fordern. ' Fremde Menschen. Die vielleicht lanast verschmerzt und verwunden hatten, was sie einst verloren! Was kümmerten sie fremde Menschen, wenn das eigene Glück darum zerbrach das ihre das seine! Wie von unsichtbarer Hand aezoaen steht sie vor dem Tische, darauf das Geschriebene liegt, hebt den Arm. läßt ihn wieder herabfallen und stürzt zu der Doktorin hin. das Haupt in ihren Schooß einwühlend. anie '2ltatyi!oe. uanke yjiaVjUüt ich verliere den Verstand!" -Aber Mädchen, ich bitte Dich, saß Dich doch nur erst, daß man zum rich. tigen Ueberlegen kommt!" Liane hat sich wieder erhoben und streicht sich das Haar aus ftr Stirn. Wir wollen gehen. Tante. Vielleicöt finde ich mich besser zurecht, wenn ich nicht mehr hier in diesem Zimmer bin Auch die Doktorin springt auf. Ja. nur erst einmal fort von hier aus diesem gräßlichen Raum. Nur erst einmal zu sich selber kommen, einen Standpunlt finden. Dreihunderttausend Mark! Ganz Lindenstcdt war jetzt voll davon und dann das alles aar nicht wahr. Diebstahl, gemeiner Betrug und das nun womöglich öffentlich an die Gerichte! Und Föhrenbachs mit hineingezogen! Nein ! Wie das nun auch werden mochte, eines stand schon jetzt fest bei Frau Mathilde: an die große Glocke durfte nichts gehängt werden. Sie führt die Wankende in ihr Hotelzimmer. Tort setzt sie sich in einen bequemen Sessel an das Fenster und denkt still für sich weiter darüber nach. wie man sich wohl als praktischer, vernünftigcr Mensch und ohne romantische Ncberspanntheiten zu diesem allen zu stellen und dementsprechend zu handeln habe. v Liane aber liegt in einem Lehnsesse! äußerlich völlig apathisch, wie zerbrochen, innerlich aber Hetzen und drängen die Gedanken, und alle drängen sie nur um einen Punkt um ihn, Detlef. Heute früh hatte sie einen Brief von ihm erhalten. Ein kurzes Schreiben nur, aber es war voll von einem warmen tiefen Ernst, den sie emvfand wie der Liebe höchste, stillste Kraft. Ich sende Dir nur diesen Gruß, bis wir uns wiedersehen." schrieb er, denn ich habe viel zu schaffen und freue mich dessen." Er freute sich dessen, freute sich, daß er der Sorgen ledig war, daß er nicht länger bangen mußte, seinen Besitz zu verlieren, freute sich des Glückes, daö vor ihnen beiden als winkende Erfüllung stand. Und sie mußte kommen und alles wieder zerstören, vernicbten! Mußte Mußte? Wer zwang sie denn, daß sie es mußte, wenn sie nicht wollte? Weißt Tu was, Liane." sagt vom Fenster herüber Frau Mathilde, ..das gescheiteste wär's, wir machten erst, daß wir wieder nach Lindenstcdt kommen. Ich denke mir. dort wird nachher schon alles ganz von selber recht -und richtig werden. Jedenfalls, wenn da irgend waö geschehen soll, muß das ganz im geheimen geschehen und ohne die Gerichte. Die Tante Morand darf nicht nach ihrem Tode öffentlich gebrandmarkt werden. Und das bat ja doch auch noch alles Zeit, nichts brauch! über's Knie gebrochen zu werden. Bei allen Erbfchaftsregulirunacn ist ein volles Vierteljahr die gesetzliche Frist Mit großen Auaen sieht Liane Frau Mathilde an. Ihr bliebe also Zeit. eine Gnadenfrist sie brauchte Nicht in dieser Stunde noch zu entscheiden, sie konnte erst noch einmal Tetlef schen und dann Sie eilt zu der Doktorin, zieht diese aus dem Sessel empor, als wolle sie keinen Augenblick länger bier versäumen. Ja, Tante Mathilde, nach Hause nach Hause!" 14. Kapitel. oktor Föhrcnbach war einigermaßen erstaunt, als am letzten Tag seiner kurzen Strohwiitwerschaft Frau Jutta Gerlands Zofe ihm die Mittheilung überbrachte, die gnädige Frau lasse um seinen ärztlichen Beistand bitten. Wohl kannte er Frau Jutta vom Sehen, aber ihr seine Hilfe angedeihen zu lassen, hatte er bisher noch keine Veranlassung gefunden. Die Villenbesttzer und Sommergäste pflegten ihre Gebreste dem schneidigen, eleganten Kurarzte anzuvertrauen und den etwas umständlichen, phlegmatischen, nicht im mindesten eleganten ertseingesessenen Doktor veraltet zu finden. Frau Gerland mußte sich also eines Besseren besonnen haben. ZMÄ (Fortsetzung folgt.) Sn 5uv SeikvidN'ötliclr. Prinzipal (zu seinem neuen Kommis): ...Und wenn 'mal ein junges Fräulein absolut nichts Passendes findet... so geben Sie ihr nur 'was Unpassendes ... das paßt ihnen immer!"

Die Ekttcralvcrsammlung. Der Herr Aktuar Pimpflein war das Muster eines Aktenmenschen. Sozusagen die verkörperte Akte. Für ihn existirte nichts in der Welt, das nicht aktenmäßig festgelegt worden war; selbst seine häuslichen Funktionen hatte er schwarz auf weiß aufgezeichnet, so daß er niemals aus der Ordnung kam und keinen Schritt that, der nicht gewissenhaft vorgeschrieben war. Pimpflein war so gewissenhaft, daß cr kaum an seine eigene Existenz geglaubt hätte, wenn nicht auf dem Thürschild sein weither Name gestanden wäre. Die Folge seiner Schreibmanie und Pedanterie war denn auch ein phänomenaler Gedächtnißschwund, der ihm aber eigentlich nie zum Nachtheile gereichte, weil er infolge seiner gewissenhaften Notizen allen Obliegenheiten pünktlich nachkam. Besagter Aktuar Pimpflein schenkte nun eines Tages der neu gegründeten Gesellschaft Frohsinn" die Ehre seiner Mitgliedschaft, die man derart zu schätzen wußte, daß man ihn gar bald einstimmig zum Schriftführer machte. Seine erste Thätigkeit, die cr in ersprießlicher Weise fci den Dienst der Gesellschaft zu stellen versprach, bestand darin, daß er die schriftlichen Borarbeiten für die demnächst stattfindende erste große Generalversammlung zu crledigen hatte. Dazu gehörte auch das Einladen sämmtlicher Mitglieder mit der Bitte um pünktliches Erscheinen, da wichtige Fragen zu besprechen waren. Die Genera-Versammlung fand am 1. Juni laufenden Jahres statt und wurden die Mitglieder von dem gewissenhaften Schriftführer acht Tage vorher schriftlich eingeladen. Der Za der Generalversammlung brach an und vereinigte am Abend eine stattlicheKorona derGescllschaft Frohsinn" im Saale des Goldenen Löwen." Zum Erstaunen aller fehlte aber einer, und zwar kein geringerer, als der Schriftfübrer Herr Aktuar Theodor

Pimpflein. Da konnte nur ein schweres trnqiua ooer lonu etwas pqiui sein, sonst wäre dieser gewissenhafteste aller Menschen doch sicher gekommen. Aber es war weder das noch das andere passirtr Die Mitglieder erfuhren später mit vcrjtandnißlosem Kopsjchutteln. daß ihr Schriftführer - deshalb zur Generalversammlung nicht erschienen war. weil er vergessen hatte, sich selbst eine Einladung zu schicken. Wenn man eine Million zäklt. Kürzlich wurden, wie bereits berichtet, in einem Eisenbahnschuppen zu Samara durch Zusall vier vom Kriegsschauplatze kommende Kisten entdeckt, die angeblich dem Rothen Kreuz gehörende Hausgeräthe. in Wirklichkeit aber nahezu eine Million Rubel in Gold und Papiergeld enthielten. Dieser Fall erregte selbst in Rußland, wo man stch an Unterschlagungen in größerem Maßstabe ja nachgerade gewöhnt hat. das peinlichste Aufsehen. Die Gendarmerie nahm daher die Sache in die Hand. Es wurde sofort eine genaue Untersuchung eingeleitet, aber jetzt zur allgemeinen Verwunderung ebenso plötzlich wieder eingestellt offenbar auf höheren Befehl! Zu diesem Falle, der in der russischen Presse viel besprochen wurde, äußert sich nun die Notvot wie folgt: ay im fernen Osten gestohlen wird, das wußte man schon vorher. Man weiß auch, daß nicht nur im fernen Osten, sondern auch im nahen Westen. Süden. Norden und Centrum, kurzum überall, öffentliches und anderes Gut ungenierl gestohlen wird, wo es nur irgend möglich ist. Interessant beginnt rer Fall mit den vier Kisten erst von dem Moment an zu werden, wo die Kontrolle" einsetzt, das hfcißt, wo man anfing, das auf so eigenartige Weise gefundene Geld zu zählen. Die erste Zählung ergab annähernd, 900.000 Rubel. Man beachte annähernd eine ganz bestimmte Summe! Natürlich mußte das Geld noch einmal, und zwar von einer neuen, im Rechnen geübteren Kommission gezählt werden. Das Ergebniß war jedoch wieder ein annäherndes", nur daß diesmal nicht annähernd 900,000 Rubel, sondern bloß annähernd 040,000 Rubel zusammenkamen. Die dritte Zählung, bei der noch zustand!gere Rechenmeister mitwirkten, ergab endlich nur eine Summe von annähernd 600,000 Rubeln. Man wird das Geld vielleicht noch zum vierten, fünften und gar zum zehnten Male zählen, bis schließlich von all den schönen blanken Goldstücken und bunten Scheinen im Ganzen nur sechs Rubel übrig bleiben. Das wäre aber eine Summe, die am Ende jeder Sanitätosfizier oder Jntendanturschreiber aus dem Kriegsschauplätze sich ganz gut erspart haben könnte, wenigstens wäre es nicht weiter auffällig. Freilich müßte der unbekannte Absender dafür zur Rechenschaft gezogen werden, daß er dem Eisenbahnreglement zuwider gehandelt und Geld als Hausgeräthe" beförderte. Man würd: wahrscheinlich von ihm auf Grund irgendeines Paragraphen 6 Kopeken Strafporto und vielleicht noch an sonstigen Gebühren und Schreibauslagen 5 Rubel 94 Kopeken einziehen und der ganze unliebsame Fall mit der Samaraschen Million wäre damit endgültig und zu allgemciner Zufriedenheit aus der Welt ge schafft. Da sieht man doch wieder einmal den Nutzen einer gründlichen staat lieben Kontrolle- in Rußland!"

Kuer - Signale.

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