Indiana Tribüne, Volume 29, Number 15, Indianapolis, Marion County, 9 September 1905 — Page 7
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5"5 4"? k 5 44 k-i 4 xe er i6 3"S este tt .. ... TT 4 4-4 kZ f 4 (Fortsetzung.) t l. Der Korso haite bereits seinen Anfang genommen. Auf der tiefblauen. sonnenflimmerndenWasserflächeglitten die blumengeschmückten Boote hin und her. die einen wie langsam ziehende Schwäne, die anderen wie vom Bogen geschnellte Pfeile. Dazu spielte die Musik, Lachen. Singen, scherzende, bewundernde Zurufe klangen hin irnd her, und Blumen flogen von Äoot zu Boot und von den Zuschauern am Ufer zu den Booten hinüber. . Der Spiegel des S'es war wie mit Blüthen übersät. ' Palmer hatte von einem öer feilvietenden Blumenmädchen eine Anzahl Sträußchen gerauft, die Liane mit kindlicher Freude zu den Booten hinüberwarf und glücklich lachte, wenn eines derselben sein Ziel erreichte. Und jedesmal schlug sie die Augen mit stolzem Leuchen zu Palmer auf, als erwarte sie nun von ihm für ihre Geschicklichkeit eine besondere Anerkennung. Lächelnd nickte er ihr zu und etwas von ihrer Heiterkeit begann allmälig auf ihn überzustrahlen. Da klangen unter den Zuschauern laute Bravorufe auf. Vom jenseitigen Ufer herüber kam noch ein einzelnes, prächtig geschmücktes Fahrzeug daher. Eine große, schwarze venezianische Barke, von schwarzgekleideten Gondolieri gerudert. Von goldenen Stäben getragen schwankte in luftiger Höhe ein schwarzsammtnes Zeltdach. HochftämmigeNiesensonnenblumen umstanden dicht gereiht den Rand der Barke, und hinter dieser goldenen Blüthenfülle, von ihr verborgen, saß eine überrnüthrge Gesellschaft, lachend und singend zu Guitarren- und Mandolinenklängen. Eine Weile strich die Gondel mit sanftem Schaukeln in der Mitte des Sees hin und her. dann machte sie plötzlich eine Wendung und näherte sich, von stärken Ruderschlägen getrieben, der Uferstelle, wo Palmer und Liane standen. Dunkelhaarige Künstlerköpfe und reizende Mädchengesichter bogen sich lachend zwischen den Blüthenstämmen heraus. In der Mitte des Kahnes aber, wie emporwachsend aus den goldenen Riesenblüthen, aufrecht stehend, im gelbseidenen Gewände eine herrliche Frauengestalt, wje die Verkörperung blühender Sommersonnenpracht. Stolz flammten die dunklen Augen, um die gluthenden Lippen aber lag ein sinnbethörendes Lächeln. .Frau Jutta!" Liane hatte es gerufen, in entzückter Begeisterung den Strauß sich von der Brust gerissen und in schwingendem Bogen zu der Barke hinübergeschleuSt iCXt fcrrll rntl rti?Tf surrn? Wtt Vlb IjW ü"jlk QVUV Jutta hatte sich mit vorgestreckten Händen die Blüthen erhascht, hob dieselben an die Lippen und winkte dann grüßend zu Liane hinüber. , Dann war sie verschwunden hinter den Sonnenblumen. X!wne arer, mit uv.otn yanoen oem Fahrzeug nachwinkend, rief noch einmal: Frau Jutta Detlef, es war ja Frau Jutta!" Da hatte seine Hand ihren winkend erhobenen Arm herabgezwungen. Was fällt Dir ein! Wie kommst Du dazu, sie so zu nennen!" Sie bat mich doch darum," gab Liane zurück, noch immer der Gondel nachschauend. Sie bat Dich darum sie, Dich? Was soll das beißen? Wann hätte sie Dich darum gebeten?" Gestern, als ich bei ihr war." Lächelnd blickte Liane ihn an. Es ging wie ein Riß durch ihn hin. Du warst bei ihr Du allein?" Sie schob die Hand unter seinen Arm. Es kam ganz zufällig. Ich ging an ihrem Hause vorbei, da war sie im Garten und rief mich hineien." Uno das verschwiegst Du mir?" Unnatürlich ruhig kam es von seinen Lippen, während seine Augen dsrthin gingen, wo mit ihren flammenden Sonnenrosen die schwarze Barke zog. Liane bog sich gegen ihn vor und sah ihn halb neckend, halb mit einem leisen Fragen, an. Ich dachte nicht daran, es Dir zu verschweigen wie Du es mir verschwiegen hattest, daß Du auch bei ihr warst." Da fiel ihm der Arm, darauf Lianens Hand ruhte, schlaff am Körper herab. Das sagte sie Dir?" Hätte sie es mir nicht sagen sollen? War ein Geheimniß dabei?" Wieder das neckende Fragen Doch plötzlich hatte sich ihr Gesicht verwändelt durch einen Blick, der von Palmer zu ihr herübersprang. Ein bis auf's Unerträglichste gepeinigter Blick, der es ihr zuschrie: Ja, es war ein Geheimniß dabei! In ihre Augen kam ein leerer, irren der Ausdruck. Was hatte denn das zu bedeuten? Was verbarg er ihr da? Welches Geheimniß hatte ihn zu Frau Jutta getrieben, die. ja . auch nicht wußte, was er von ihr gewollt. Oder wußte sie es vielleicht doch und hatte es ihr nur verheimlichen wollen, so wie er, damit sich ihr schönes Köpfchen" nicht besckwerte?
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K m Roman von ilcirntijx Erlitttdjmcdtclncr 4 L! Alles vor ihr lüzwamm wie tn einem dunklen Flor. Ihre Hand tastete wieder nach Palmers Arm. Detlef, was ist es. das Du vor mir verbergen willst?" Ihre bebende Stimme klang hinein in seinen Zorn gegen sie, die sich in kindischer Blindheit gebrauchen ließ zu dem frevlen, verderblichen Spiel. Oder wäre ihre Blindheit auf dem Wege des Sehendwerdens? Käme ihr ein Ahnen davon, was ihm Frau Jutta war? Wie ein gewaltiger Herzstoß ging es durch ihn hin: Wär's an dem! Käme es doch dazu, daß von Liane die Lösung eines Verlöbnisses ausging, das. auf Lüge aufgebaut, immer tiefer in Trug und Lüge hinein verstrickte! Von dem Uferrand, aus der Hörirnd Geficktsweite der Schaulustigen, waren t zu öen einsamen Anlagen hinübergeschritten. Da beizte er sich gegen Liane vor und sah sie mit athemlosem Warten an. Sprich, was denkst Tu was glaubst Tu, daß ich vor Tir verbergen will?" Und im nächsten Augenblick hätte er hellauf lachen mögen, ein selbstverhöhnendeö Lachen, daß er gewähnt, Liane könne Zweifel hegen an ihm, an seiner Liebe für sie. an seiner Wahrhaftigkeit an seiner Ehre. Sie glaubte an ihn! Wie sie die Augen aufschlug und ihn ansah, das war der Glaube selber. Und an diesen Glauben rührte kein Arg und Mißtrauen, den müßte er ihr schon mit brutalen Händen aus dem Herzen reißen, wenn es ihn gar zu sehr anwiderte, noch länger der erbärmliche Komödiant zu sein, als der er vor ihr sich fühlen mußte. Deine Sorgen willst Du vor mir verbergen, Detlef! Mit Deinen Sorgen bist Du hin zu Frau Jutta gegangen, hast Dich gegen sie aussprechen wollen. Dir vielleicht Raths bei ihr erholen " Lachen hätte er mögen, nur immer lachen! Mit seinen Sorgen hin zu Frau Jutta, seinen Geldsorgen vielleicht einen Borg bei ihr anlegen! Beißender Hohn verzerrte seine Lippen, wie er ganz langsam fragte: Hat sie Tir das vielleicht erzählt das da von meinen Sorgen?" Rein, nichts hat sie mir erzählt, gar nichts. Aber ich weiß ja, fühl's ja, immer mehr fühl' ich es. daß Dich Schweres drückt und weiß auch, warum Tu es yor mir verheimlichen willst. Aus Liebe, aus Zartgefühl, weil ich Dir ja doch nicht helfen könnte, weil ich arm bin. so bettelarm!" Das schmerzliche Beben ihrer Stimme rührte sein Herz. Unwillkürlich legte seine Hand sich um die ihre. Laß das, Liane schweig davon!" Aber leidenschaftlich fiel sie in sein: Worte: Nein, heiß mich nicht schweigen, weiche Tu selber mir nicht aus! Sag mir die Wahrheit, Detlef Du bist sie mir ja doch schuldig, mir Deiner Braut, die bald Deine Frau werden soll. Ich aber weiß ja doch, daß Du mich liebst, wie ich Dich liebe,' aber sag's mir: hast Tu's gewußt, wirklich gewußt, daß ich so völlig arm bin? Meine Kleider und was mir sonst die Tante geschenkt hat, das kann leicht täuschen, euch Frau Jutta hatte gemeint, ich müßte vermögend sein. Also sag, Detlef, hättest auch Du nicht dck vielleicht geglaubt " Wie ihre Augen nach Wahrheit riefen und doch flehten: laß es nicht Wahrheit sein! Und in sich selber vernahm er ein anderes Rufen: Laß es sie glauben! Mach' ein Ende, erspar' ihr die Kränkung des Betrogenseins! Laß sie's glauben, daß Tu in einem Augenblick der unbeherrschten Leidenschaft veraaßest, was Vernunft und des Lebens Anforderungen Tir anders geboten hätten, laß sie's glauben.- daß Du kein armes Mädchen Dir heimführen durftest!" ' 'uctv Zerles Palmer illZwreg uno schaute zur Erde nieder. Liane drängte sich dicht an ihn beran, bangende Angst immer mehr m Herzen. Es ist so. Detlef, mit DeinemSchwelgen saast Tu es irnr, daß es so ist. Unschuldig hab' ich auch Dich mit falschem Schein getäuscht. Hättest Tu von allem Anfang an meine völlige Armuth gewußt. Du hättest mich vielleicht nicht weniger geliebt, aber Du hättest Dich nicht mit mir verlobt!" . Noch immer schwieg er und hol? den Blick nicht vom Erdboden empor. Da deckte Liane ganz langsam die Hände über die Augen, als könne sie nicht noch mehr der grausamen Helle ertragen, die über sie hereinbrach. Ich weißes ja jetzt, daß Du nur eine reiche Frau heirathen durftest." Der hoffnungslose Klang ihrer Stimme riß ihn zusammen. Er trat wieder an ihre Seite und zog ihr die Hände von den Augen herab Nicht so. Liane. Laß unö warten, ein paar Tage, ein paar Wochen noch. Morgen beginnt auf den Feldern der erste Schnitt. Vielleicht wenn die Ernte eingebracht ist, hat auch alles wieder ein helleres Aussehen bekommen. Darum quäl Dich und mich jetzt nicht unnütz, Kind!"
Leise strich er über ihr geneigtes Gesicht. ' Da fuhr -ihre Hand empor, und klammerte sich um die seine. Deine Liebe für Deine Liebe dank' ich Dir, Detlef! Ob's hell wird oder dunkel. Aber jetzt möchte ich nach Hause gehen, Detlef ganz allein. Leb wohl, bis wir uns wiedersehen." Er drängte ihr seine Begleitung nicht auf. Ein heimlicher Schmerz durchzuckte ihn. Wehe thun, so wehe thun das hatte er nicht gewollt. Aber es war das beste so und das ehrenhafteste! Und es mußte sein! Sie zwang es ihm auf. daß es sein mußte, Frau Jutta, von der nicht freikam, wer einmal der ihre gewesen. Am nächstenTag deckt schwüle Gl::th den Himmel wie ein graues, flimmerndes Tuch. Regungslos, stehen die Bäume und sehen einander ängstlich an. Wann zuckt der Blitz hernieder, der droben hinter bleiernen Wolken lauert? Wann fährt in die lastende wfihi?il der brausende Sturm? DaS !ärihh5äT Hübsches . geben.' sagt Frau Mathilde und .schließt besorgt die Wohnstubenfenster. Hätte auch ncch ein: Weile warten können, bis die Ernte herein ist." Detlef wollte, heut mit dem Schnitt beginnen lassen." Na. da geb's Gott, daß ihm kein Hagelschlag dazwischen fährt!" Ja, das gebe Gott!" Liane hat ihre Handarbeit beiseite gelegt und ist aufgestanden. Schwerathmend, als drücke die Gewitterluft wie ein Stein auf sie. Die Doktorin wirft einen prüfenden Blick auf die Nichte und meint: Dir scheint der Korso gestern ja merkwürdig bekommen zu sein. Siehst ganz elend aus. Hast Tu schlecht geschlafen?" Ja. Tante Mathilde." Nanu, warum denn?" Ich hatte Gesellschaft, die mich nicht müde werden ließ lauter schwarze Vögel." Da, ehe Frau Mathilde geantwortet, ist es, als lege sich eine gewaltige dunkle Hand über die Landschaft draußen, als breiteten sich Schattenschleier über jeden Gegenstand. Und dann von ferne ein unheimlich langgezogenes Pfeifen, Winseln, wie von einem Thier, das die wartende, lauernde Mordwollust nicht länger mehr dämpfen kann. Um Gottes willen, was gibt das! Ich muß auf den Boden, die Luken sind offen." Frau Mathilde stürzt hinaus. Liane eilt an's Fenster. Der Himmel wie ein drohendes Angesicht, mit einem Lachen darüber, wie der Neid lacht, gelber, hämischer Neid. .Lieber, lieber Gott, laß es nicht gescheben!" Sie'hat die Hände gefaltet, ringt sie verzweifelt und blickt starr empor. Lieber Gott, lieber Gott nicht für mich, nur für ihn!" . ' Und das lauernde Raubthier springt auf, stößt ein Siegcsgeheul aus, hebt die Pranken und wirft sich auf seine Beute. Die Stirn an's zitternde Fensterkreuz gepreßt, steht Liane wie entgeistert. Da öffnet sich die Thür, der Doktor tritt ein. ihm folgt seine Frau. Hermann, ich sage Dir das ist wie das jüngste Gericht! WtVs wohl in der Stadt sein mag? Der June. ich bitte Dich in seinem Wolkenkratzer!" Föhrenbach tritt zu Liane. Kind, geh vom Fenster weg!" Nein. Onkel, laß mich!" - Hermann, ich bitte Dich, Du mußt Dich mit mir auf's Sofa setzen, ich fürchte mich. Und Du darfst auch nicht reden. Bei Gewiter schwatzt man nicht."' Und sie setzen sich auf's Sofa miteinander, wie Frau Mathilde es wollte. Blendender Schein erfüllt das Zimmer. . , Eins zwei drei vier " zählt die Doktorin. Da prasselt der Donner, das ganze Haus erschütternd. Nicht bis fünf bin ich gekommen. Es ist über uns. Hermann. Liane. Du bist wohl wahnsinnig so aus dem Fenster zu starren!" Die rührt sich nickt. Lieber Gott. auf den Halmen sieht die reise Ernte!" Ihre Lippen beben es, doch niemand hört sie. An die Fenster prasseln plötzlich eisige Körner, und der Sturm peitscht sie in wildem Tanze durcheinander. Die gelbe Faust des Neides auf Menschcnwerk!! Heisa, wie sie in goldene Hoffnungen schlägt und ihr mitten in's Herz hinein, die das blonde Köpfchen in die gefalteten Hände birgt und um die Kraft der Liebe bittet, die alles kann und alles trägt und alles duldet. Und Blitz auf Blitz wie Schlachtenfeuer, und Donner auf Donner wie Gewehrsalven! Dazwischen jauchzendes Heulen und, wie von frevelnden Händen geschleudert, mörderische Wurfgeschosse, faustgroße Hagelstücke. Schlag auf Schlag! Und mit jedem Schlag ein stummer Schrei: ihn trifft es, ihn! Liane hört kaum, daß der Doktor zu ihr spricht, sie beruhigt sie lauscht in sich hinein, der Stimme, die da ruft und fordert: Um Deiner Liebe willen sei stark! Hilf ihm auf Deine Weise! Gib ihm den Weg frei, den ihm Deine Armuth verstellt. Keine Last darfst Du ihm werden! Gib ihn frei! Ein Mann vergißt, verwindet Du aber mußt es können in dem Bewußtsein.
einmal von ihm geliebt worden zu sein!" In die Knie zusammengesunken ist Liane, über sie hin flammt weißes Leuchten, als habe der Himznel sich geöffnet, und dazu ein Rollen und Knattern, daß die Wände schüttern. Eingeschlagen hat's!" ruft der Doktor und stürzt an's Fenster. Im Garten draußen ein Brechen und Rauschen die Krone eines früchteöeladenen Birnbaumes liegt am Boden. Liane hat den Blick erhoben und starrt auf den Baum. Vom Blitz getroffen, um alle Hoffnungen betrogen, wie der da draußen mit seinen Früchten erschlagene Baum! . Und wieder flammt das Zimmer. Hellauf schreit FrauMathilde. Hermann, ich bitte Dich die Welt geht unter!" Ja. es geht unter, mein ganzes, ganzes Glück." Die es mit bleichen Lippen geflüstert, gleitet in's Dunkel hinein und lehnt sich gegen die Wand. Endlich ermattet das Hagelgeprassel, das Donnergrollen, und dann rauschen Reaenschauer hernieder, wie ein unendliches Weinen über die Macht derer, die da zerstören. Gott sei gelobt und gepriesen, die Geschichte kriegt wieder ein menschliches Anseb zer orior rnar. ,,s ya: ncy ausgetobt, wie's scheint." Da tritt aus dem Hintergrund des Zimmers wieder Liane hervor, langsam mit geisterhafter Ruhe, die Hände gegen die Brust gedrückt, und wiederholt es: Ja. es hat ausgetobt auch in mir. Und im Sturm hab' ich meinen Weg gefunden. Helft mir, daß ich ihn bis zu Ende gehen kann. Sobald das Wetter es zuläßt, gehe ich nach Moorheide und bringe Detlef seine Freiheit zurück." Hätte es nochmals eingeschlagen, Frau Mathilde wäre nicht fassungsloser gewesen als jetzt, wo ihr sogar das Wort versagt. Auch der Doktor starrt in völliger Verständnißlosigkeit Liane an. Ja," ruft Liane, ohne daß in ihrem erblaßten Gesicht ein Muskel zuckt, ich thu's, weil ich es thun muß! Die ganze Nacht hab' ich umsonst um den Muth dazu gekämpft. Jetzt fand ich ihn. Das Schicksal hat gesprochen, hat ihm die Ernte zerschlagen, hat neue Sorgen auf die alten gehäuft! Da will ich ihm helfen in meiner Weise. Er soll stch nicht mit einer armen Frau belasten, soll kein Leben der Entbehrungen an meiner Seite führen." Aber Kind, Kind ... Du bist ja krank komm doch zu Dir!" Der Doktor klopft ihr begütigend auf die Schulter, Frau Mathilde läuft aufgeregt hin und her. Solch ein Mädel, nein, so was von Ueberspanntheit! Um so eine einzige Ernte! Wird ja wohl Moorheide noch nicht umschmeißen. Was ist denn nur in Dich gefahren?" Sie preßt die Hände ineinander und stößt in flehender Angst heraus: Macht es mir nicht schwerer, was ich auf mich nehmen muß. In einer schwachen Stunde hat seine Liebe über seine Vernunft gesiegt. Mein Lebtag werd' ich ihm für diese schwache Stunde danken. Aber ihn zu seinem Unglück an meiner Liebe zu mir festhalten nein, das will ich nicht! Ich selber würde ja in Noth und Elend mit ihm gehen. Daß er's nicht könnte, das hab' ich gestern gefühlt. Und darum fragt mich nichts, "helft mir, laßt mich zu ihm gehen jetzt auf der Stelle!" Ueber's Fenster gleitet leise ein erster Sonnenstrahl wie ein verweintes Lächeln. Liane deutet hinaus und nickt, als spräche einer vor seinem letzten Gang im Leben: Da es ist so weit." Und mit schweren Füßen geht sie zur Thür, als ihr Frau Mathilde nachstürzt, sie festhält und rüttelt, als wolle sie eine Todte erwecken. Mädel. Mädel, was willst Du uns denn für Geschichten machen? Liane, ich frage Dich, das hat einen anderen Grund! Und den sagst Du mir! Was hast Tu dem Palmer vorzuwerfen? Bist Du gar etwa eifersüchtig auf auf irgendwen?" Liane versteht die Frage kaum, sie drängt nur fort in verzweifelter Flucht vor des eigenen Herzens Feigheit. Ta schrillt die Hausglocke. Frau Mathilde sinken die Arme von Lianens Schultern. Bei dem Wet.ter kommt wer? Hermann, das wird was für Dich sein." Tas Mädchen kommt und meldet: Der Postbote mit 'nein ei.qeschriebenen Eilbrief für's Fräulein ist da!" Liane erzittern die Kniee, sie weiß nicht warum. Da steht schon der Postbote, den Frau Mathilde in die Stube gerufen, vor ihr und reicht ihr einen groszen dicken Brief entgegen. Mit bebenden Fingern unterzeichnet sie die Quittung, studirt den Abgangsstempel und ruft alsdann erleichtert und doch zugleich betroffen: Aus Meran! Aber fremde Schriftzüge sind's." (Fortsetzung folgt.)
DZeMikasa," Admiral Togos Flaggschiff in der Seeschlacht gegen Rofchdjestvensky, führt den Namen eines mäßigen, aber prächtige Fernsicht bietenden Berges, - des Mikasa, Drei-Hut," bei der ehemaligen Hauptstadt Nara.
Die Wa?)f.
Von Gin) de Teramond. Da sie nicht zusammen leben konnten, so ließm sie sich scheiden. Die Geschichte ist mehr als alltäglich. Wie gewohnlich gegenseitige Abneigung; das Urtheil gab in seinen Gründen keinem von beiden Recht; das Unrecht und die Schuld waren auf beiden Seiten. Und da Kinder vorhanden waren Zwillinge so entschied das Gericht, die Mutter sollte sich das eine wählen, und der Bater sollte das andere behalten. Herr und Frau Girianne batUi: sich aus Liebe geheirathet. Es war eine Liebe auf den. ersten Blick, ein Blitzschlag, ein Sturm der Leidenschaft. Sie war eine zierliche und zarte Blcndine, er ein kräftiger, stattlicher Mann. Das ewige Gesetz der Kontrasie hatte diese Ehe zu Stande gebracht. Zwei Monate nach ihrer ersten Begegnung fuhren sie als Neuvermählte nach Nizza, sich im Luxuszuge innig umschlungen haltend. Ein reizendes Paar, sagte man in ihrer Umgebung. Und das war auch richtig. Im fünften Jahre verkehrten sie nur noch durch ihren Anwalt mit einander. Kurz nach den Flitterwochen war ihnen das gemeinsame. Leben zu einer Hölle geworden. Als die Leidenschaft der ersten Wochen vorüber war, hatte ihr Charakter die Oberhand gewonnen. Er hatte sich als eifersüchtig, brutal und mürrisch gezeigt; sie war nervös, zanksüchtig und launenhaft geworden. Im Grunde waren sie beide nicht bösartig, aber die Liebe war schon entschwunden; sie konnten ihre beständigen Zänkereien nicht mehr durch gegenseitige Konzessionen mildern. Und von einem Tag zum andern wurde der unüberbrückbare Graben zwischen den beiden Gatten, die nach und nach Feinde geworben waren, immer tiefer. Die Geburt zweier kleinen Jungen. Pierre und Paul, hatte die Eintracht in der Häuslichkeit für einige Zeit wieder hergestellt und die Gatten in gegenseitiger Liebe zu den kleinen Wesen einander näher gebracht. Dann hatten die Streitigkeiten von Neuem wieder begonnen; die Haushaltungsgegenstände flogen von Neuem durch die Stuben; die Schwiegereltern hatten sich hineingemischt und das Feuer geschürt, das nur eines Hauches bedürfte, um hell aufzuprasseln; dem Schmollen waren die heftigsten Szenen gefolgt; dann war jeder wüthend, empört, außer sich seine eigenen Wege gewandelt. ' Indessen mußte man nun vollstänbig ein Ende machen; die Kinder waren während der Scheidung ihre: Großmutter anvertraut gewesen; diese Situation konnte nicht ewig so weiter gehen; der Anwalt des Herrn Girianne theilte dem der Madame Girianne mit. sein Klient wünsche, daß das Urtheil zur Vollstreckung gelange, seine Frau solle also Pierre oder Paul mitnchmen, damit der andere in die väterliche Wohnung zurückkehren konnte. Mehrmals war Madame Girianne zu ihrer Schwiegermutter gegangen, um sich eins der Kinder zu holen; doch sie war verwirrt, perplex fortgegangen, ohne sich entschließen zu können. Sie liebte sie beide gleich. Wenn sie sich noch ähnlich gesehen hätten, vielleicht hätte sie dann den Muth gehabt, sich zu entschließen und einen, gleichviel welchen, mitzunehmen, aber es war nicht möglich, zwei so verschiedenartige Naturen zu finden, wie es diese beiden Kinder waren; der eine war das -Ebenbild semer Mutter, der andere das seines Vaters; Pierre war ein feiner, zarter Blondkopf; Paul, der ihn weit überragte, war brünett und kräftig und versprach später ebenso stark wie Herr Girianne zu werden. Welchen sollte sie wählen? Ihr lebendes Abbild oder das des Mannes, den sie trotz allem angebetet und an den sie nicht denken konnte, ohne daß sich ihr Herz heftig zusammenschnürte. Eine entsetzliche Wahl, und willenlos stand sie vor der dringenden Nothwendigkeit, zu der sie sich selbst verurtheilt hatte. Denn sie durfte sich nicht täuschen; das Kind, das man ihr nahm, kannte sie nicht mehr; trotz des Rechtes, das ihr das Gericht zugestand, es in der Woche einmal 'zu sehen als Austausch sollte sein Bruder an diesem Tage zu seinem Vater gehen würde sie für ihn nur noch eine Fremde sein, wenn Herr Girianne seinen Sohn nicht gar sie hassen lehrte. Es ist , doch etwas trauriges um solche Scheidung, denn sie traf sie ja grade in den geheiligten Gefühlen ihrer Mutterliebe! War es etwa ihr Schicksal, von jetzt ab ohne Zuneigung und ohne Schutz durch das Leben zu c;ehen? Sollte sie die schönsten Jahre ihres Lebens verstreichen sehen, bis ihre Haare grau waren, und die Runzeln sich in ihre Stirn gruben, ohne jemals den unendlichen Genuß der erwiderten Liebe kennen gelernt zu haben. Und sie, sie hatte das alles so gewollt . i . und das Uebel war nicht gut zu machen... einsam und allein, so lautete das traurige Loos. das entsetzliche Schicksal, das ihr hier auf Erden noch vorbehalten war . . . Und doch . . . war das nicht doch besser, als die furchtbaren Szenen, die ihr Leben in diesen Jahren gebildet hatten, und die ihre grausamen Narben für immer in ihr zurückgelassen? Vielleicht war es sogar das Beste! Und dieses Wort Vielleicht." in dem
gleichzeitig die Hoffnung und Bedauern lag, das neben derDämmerung der Vergangenheit auch die Morgenröthe der Zukunft bedeutete, quälte sie mit unsagbarer Angst. Indessen wurde Herr Girianne unoeduldiaer: er wiederholte fortwäbrend seine Aufforderung, und zwar immer gebieterischer. Um der Sache ein Ende zu machen, drohte er, selbst eins der Kinder zu holen, und das andere der Mutter zuzusenden. So mußte sie denn die letzten Stufen des Kalvarienberges hinaufsteigen, und ohne zu wissen, wie sie -ten festgesetzten Termin wieder einmal hinausschieben sollte, begab sie sich gebrochenen Herzens zu ihrer Schwiegermutter, fest entschlossen.' diesmal nicht allein nach Hause zurückzukehren. Infolge eines unerklärlichen Zufalls befand sich ihr, Mann im Salon, als sie eintrat. Er erhob sich und begrüßte sie stillschweigend. Seit mehr als einem Jahre hatten sie sich nicht gesehen; sie betrachteten sich verstohlen; er schien ihr schöner als je mit seinen Athletenschultern, seinem Siegerschnurrbart, seinen lustigen. schwarzen Augen; sie kam ihm noch entzückender vor als früher mit ihrem Teint einer blassen Rose, ihrem schmachtenden Blick und ihrer zarten Taille, die so schlank wie ein Schilfrohr war. Doch wozu noch daran denken? Das lag ja schon so fern! . . . Madame," sagte er endlich mit möglichst fester Stimme, 'ich freue mich, Sie hier zu sehen. Wir wollen endlich einmal einer Situation ein Ende machen, die sich nicht so endlos hinziehen kann. Wollen Sie mir mittheilen, welchem unserer Söhne Sie den Vorzug gegeben haben?" Sie konnte nicht gleich antworten; Thränen stiegen ihr in die Kehle und erstickten sie; die Mutter empörte sich in ihr; endlich gewann ihr Schmerz die Oberhand, und sie rief: Mein Gott, haben Sie denn kein Herz, daß Sie mich zwingen wollen, einen solchen Entschluß zu fassen... Kann ich denn meine Kinder anders als gleich lieben?" Etwas bewegt, stammelte er: Aber das Urtheil, ich habe doch das Recht" Ja, Sie haben das Recht, aber trotzdem wundert es mich, daß Sie den Muth haben, mir einen solchen Vorschlag zu machen. Nehmen Sie einen Ihrer Söhne mein Herr ... welchen Sie wollen ... ich beuge mich vor dem Gesetz . . . Aber verlangen Sie nie von einer Mutter, sie solle eins ihrerKinder freiwillig ihrer Liebe und ihrer Zärtlichkeit berauben . . ." Er fühlte, wie Thränen an seinen Wimpern perlten. Jeanne," murmelte er, Jeanne. Sie sind besser als ich! ... behalten Sie Ihre Söhne ... ich werde mich opsern...ich lasse sie Ihnen alle beide . . . vielleicht werden Sie mich dann nicht mehr hassen ..." Ich hasse Sie nicht ..." Sie hielt ihm frei und offen die Hand hin: Und der Beweis dafür ist, daß ich Ihren Vorschlag nur unter der Bedingung annehme, daß Sie sie tagtäglich bei mir besuchen ..." Er neigte seine Lippen auf ihre kleinen Finger, die in den seinen zitterten, und murmelte: Ja, ich werde kommen." Eine Berliner Uikscnl:anonk. Ueber die berühmte Riescnkanone Asia," die auf Befehl Friedrichs I. vor 200 Jahren, 1704. von Jacobi gegössen und vor dem Berliner Zeughause im Kastanicnwäldchcn eusgestellt, aber unter Friedrich dem Großen 1744 wieder eingeschm.olzen wurde, bringt Professor Weinitz in der Zeitschrift für historische Wafsenkunde" in einem Aufsatz näheren Aufschluß. Von Interesse ist die Beschreibung, wie der Guß des 370 Centner schweren Rohres, das eine 100pfündige Kugel schoß, zu stände kam. Obgleich die Waffe wohl nur ein Prunkstück darstellen sollte und an einen Gebrauch für den Krieg kaum zu denken war, gab man doch vom Bastion hinter dem Zeughause einen Probeschuß ab. Die Kugel soll über die Stadt hin beinahe eine halbe Meile in der Richtung gegen Tempelhof geflogen sein. Die Kanone war eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges im Anfange des' 18. Jahrhunderts; 1712 stieg der Zar mittelst einer Treppe auf das Rohr, um sich darauf zu setzen. Endlich entdeckt. Ein Zuhörer des Professors Muretus (gest. 1585) erlaubte sich einmal, eine Klingel mit in's Kolleg zu bringen und während des Vortrages zu klingeln. Ter berühmte Gelehrte, durch seine schlagfertigen und beißenden Witze bekannt, sagte gelasien: Also endlich ist er entdeckt. Ich habe mich nämlich schon lange gewundert, daß unter einer so großen Menge von Schafen sich nicht auch ein Leithammel befinden sollt?." Das Auditorium lachte, und das Geklinge! hatte ein Ende. Gedankensplitter. Zufriedenheit ist das Vergnügen an eigenem. Neid das Mii.vergnÜLen an fremdem Glück. Wenn zwei Menschen sich fremd werde?, sind sie sich's im Gründe immer gewesen. Gerade diejenigen, die nicht nnterschriden körnen, ob etwas g::t ist, tvisien alles desier. TaS ist noch kein helles Licht, H man nur leuchten sicht, wenn es ringsherum ganz kinfter ist. '
