Indiana Tribüne, Volume 29, Number 15, Indianapolis, Marion County, 9 September 1905 — Page 6
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Eine nirchtcrliche Minute. Humoristische Skizze von H. Frenz. Mühsam schritt Klaus Störtebeöer die staubige Landstraße entlang, aus der die breite Gluth der Mittagssonne lagerte. Kein Lüftchen regte sich, den müden Wanderer zu erfrischen, dessen Augen sehnsüchtig nach einem schattigen Plätzchen ausschauten. Aber die kahle schlesische Niederung, die er durchzog, starrte bäum- und strauchlos zum heiteren Himmel emipr. Ein nettes Sonntagsvergnühkn", dachte Klaus Störtebecker, so in Sonnenbrande umherstapfen zu Müssen." Instinktiv griff er nach der
lasche, die er m der seitUchen Tajcye ines schäbigen Rockes geborgen hatte. 1 r L xt war teer ganz leer. Pruseno tett er sie gegen das heiße Sonnencht. Kein Tropfen war m dem rünen Glase zu erblicken. Seufzend ieß er sie wuder in ihrem Verstecke erschwingen, und muthlos blickte er die Straße entlang. Eine Kummerfale zeichnete sich scharf in seine linke Wange ein er stöhnte leise. Acht Wochen lang zog er nun schon von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, ohne Arbeit zu finden. Hier und da behielt man ihn wohl einige Tage, aber dann hieß es achselzuckend: .Thut mir leid- schlechte Zeiten kein Geld keine Arbeit!" Und wieder mußte er auf die Walze". Erbarmungslos brannte die Sonne. Sie tödtete mit ihrer Gluth die Frucht in ihrer Entwicklung, und thatenlos stand der Bauer dabei und sah den Fleiß des Jahres .zunichte werden und schaute vergeben! nach Regen aus. Jetzt zog Klaus schon mehrere Tage stumpfsinnig seinen Weg. Kein Geld im Beutel, kein Stück Brot in der Tasche. Es war zum Verzweifeln. Und muthlos wollte er sich im glühenden Sonnenbrande in den nahen Straßengraben roerfen, um sein Elend zu verträumen und zu vergessen, als die in der Ferne auftauchende Sp'che eines rothen Kirchthurms seine schwindenden Kräfte wieder neu belebte. Ein Dorf, ein Dorf, Gott sei Dank!" entfuhr es ihm in überquellender Dankbarkeit. Vielleicht fand sich dort Beschäftigung für ihn. Er war ja mit jeder Arbeit zufrieden, wenn sie ihm nur ein schirmendes Dach bot für die Nacht und nothdürftig Speise und Trank. Die Hoffnung beflügelte seinen Schritt, und kaum eine Viertelstunde später fühlte er das holprige Pflaster der Dorfstraße unter seinen Füßen. Er hatte sich zu früh gefreut. Auch hier bedürfte man seiner nicht. Muthlos war er am letzten Hause der Dorfstraße dem Kretscham angekommen, nachdem er ohne Erfolg die verschiedenen Häuser abgeklappert" hatte. Ein Stück Brot und einen Trunk Wasser hatte man , ihm wohl gern gewährt aber Arbeit hatte man für ihn nicht. Ein großer, grüner Wagen, wie-ihn Gauklerbanden zu ihrer Fahrt benutzen und der einem wandernden Hause nicht unähnlich sieht, war seitwärts aufgefahren. Drei, vier kleinere Gefährte gruppirten sich'um ihn herum, und auf dem nahen Wiesenplane waren mehrere malerische Gestalten damit beschäftigt, ein Zelt aufzuschlagen. Große Menagerie von Signor Burbini!" verkündete ein Riesenschild in bunten Lettern. Klaus Störtebecker trat näher.' Viel leicht gab es hier für ihn Unterkommen. Ein schimpfender Mann in hohen Reitstiefeln die lange Peitsche in der Hand trat zorngerötheten Angesichts aus dem Inneren der Wagenburg. Sein herrisches Gebaren ließ unschwer den Führer der Truppe errathen. Ingrimmig ballte er die linke Hand zu einer Faust und ließ die Peitsche klatschend durch die Luft fahren. - Die beim Zeltbau beschäftigten Arbeiter vermieden es, in seine Nähe zu kommen. Ach was",- überlegte Klaus, er wird mich nicht gleich fressen!", und entschlossen trat er auf den Erbosten zu. Arbeit?" schrie ihn dieser gleich nach den ersten Worten an. Ich brauch' niemanden, oder", fügte er einlenkend hinzu, können Sie brüllen?" Brüllen?" staunte Klaus Störtebecker. Ja, freilich brüllen! Wie ein Löwe brüllt!" Herr", meinte Klaus, ich hab's noch nichi versucht, aber ich glaube, es würde schon gehen." Na, dann kommen Sie mal mit", forderte ihn der Direktor mit einem Seitenblick auf die herumlungernden Dorsjungen auf. Und neugierig folgte ihm Klaus hin ter die Wagenburg. Wenn Sie brüllen können, dann ist alles gut", nahm hier Signor Burbini das Wort, dann können Sie bei mir bleiben. Mir ist nämlich gestern mein Löwe mit der Schlangenbändigerin durchgegangen. Ihr Löwe?" Na ja, der Mann, der den Löwen darstellte und den Sie jetzt er setzen sollen", brummte der Signor etwas ungeduldig. Hier ist das Fell" er holte eine alte Löwenhaut herbei, in das ich Sie, einnähen lasse wenn Sie ordentlich brüllen können. Ich kann mir doch keinen echten Wüstenkönig halte bei dem schlechten Ge schäftsgange," setzte er entschuldigend hinzu, als Klaus ihn noch immer fassungslos anstarrte. Na, also wie ist'Z mit dem Brüllen? Brüllen Sie mal!" Und Klaus Störtebecker brüllte. dafi selbst die kecken Dorsjungen, die
an den Zeltwanden umherstrichen, ent-
setzt zurückfuhren. Wenige Minuten spater siolzirte Klaus Störttebecker in der Lönxnhaut in seinem Käfige auf und nieder. In aller Eile war er in das Fell des Herrschers der Wüste geschlüpft und in sein vergittertets Reich hincinbugsirt wor den, da einige müßige Bauern sich bereits zur Besichtigung der Menagerie eingefunden hatten. Klaus spielte seine Rolle Vortrefflich. Wild rüttelte er an den eisernen Stäben, die ihn von den Zuschauern trennten, daß diese erschreckt zurückbebten. Dazu .'ieß er seine mächtige Stimme in markerschütternden Brülllauten ertönen. Die Bauern waren weiter gegangen zu den anderen Käfigen, wo Schlangen und Schildkröten an der Erde hinkrochen. Nur ein paar Kinder staun ten noch den Löwen an. Majestätisch schritt dieser in dem engen Gefängnisse umher und machte dann ei nen wilden Satz nach dem Gitter, um die davor stehenden Knaben zu erschrecken. Der Käfig erzitterte in seinen Fugen vor der Gewalt des Sprunges. Und mit Donnergepolter fiel die Holzwand, die den Löwenkäfig an ei'ier Seite begrenzte, zusammen. Klaus Störtebecker schrie entsetzt auf. Ein Tiger ging dort grollenden Tones auf und nieder. Hilfe! Hilfe!" brüllte jetzt der falsche Löwe, der von Schrecken erfaßt wurde nun, da er sich der greulichen Tigerkatze gegenübersah. Hilfe!" schrie er aus Leibeskräften, und tu zweifelungsvoll klammerte er sich an die eisernen Stäbe. Kein Ausweg bot sich für ihn und der Direktor war weit. Auch die Knaben waren erschreckt geflohen. Und näher schritt der buntgefleckte Königstiger auf ihn zu und trat in den Käfig des zitternden Löwen". Klaus schloß die Augen er glaubte sein letztes Stündlein gekommen , da tönten aus dem Rachen des Tigers die Worte an sein Ohr: Du Döskopp Du dummer schrei doch nicht so ich bin ja ooch nich echt!" Muskelstärke. Vergleichende Untersuchungen haben gezeigt, daß die Muskelkräfte der Thiere äußerst verschieden sind. Der Elephant z. B. zieht im Verhältniß zu seiner Schwere eine weit geringere Last als das Pferd. Am meisten leisteten im Ziehen zwei Pferde im Gewicht von 1600 englischen Pfund; sie zogen zusammen 3750 Pfund. Sechs zusammengekoppelte Pferde leisteten im Verhältniß weniger als die einzelnen. Die einzigen Wesen, die es im Ziehen noch mit den Pferden aufnehmen, sind die Menschen. Fünfzig Menschen im Gewicht von je 150 Pfund zogen zusammen eine Last von 8750 Pfund, d. h. jeder von ihnen bewältigte eine Last von 175 Pfund, also 25 Pfund mehr als sein Körpergewicht. Im Verhältniß zu ihrem eigenen Gewicht leisten die Menschen fast ebensoviel wie die Pferde, der Elephant hingegen leistet viel weniger. Ein Elephant, den man schon im Eircus abgerichtet hatte, konnte nicht mehr als 8750 Pfund ziehen. Das ist an sich eine große Leistung, aber im Verhältniß zu seinem kolossalen Gewicht ist sie gering, denn die bewältigteLast betrug nur drei Viertel seines Körpergewichts. Selbst die Kamele schnitten verältnißmäßig noch besser ab, als die Elephanten. Ein Kamel, etwa 1800 Pfund schwer, zog 1375 Psund. Bei den Elephanten wurden außer im Heben von Lasten auch noch Ber suche mit Stoßen und Schieben angestellt. Zwei Elephanten, Babe und Albert, mit einem Gewicht von 12,000 und 10.000 Pfund, erreichten in der Kraft des Stoßens zusammen nur ein Höchstgewicht von 6500 Pfund; aber Bab: brachte es im Schieben eines Wagens allein auf 5400 Pfund. Mithin ist die Zugkraft des Elephanten bei weitem noch größer als die Kraft, etwas zu schieben. Das Ergebniß ist um so überraschender, weil man allgemein angenommen hatte, die Elephanten wären besser zum Schieben als zum Ziehen der Wagen zu verwenden. Was er thun würde. General William Tecumseh Sherman hatte eine außerordentliche Abneigung gegen stutzerhaftts Wesen, feine Kleider waren ihm ein Greuel. Eines Tages wurde dem alten Kriegsmanne in Saratoga ein Prachtexemplar von einem Dude" vorgestellt, der ihn -auch in ein Gespräch zu verwickeln suchte. Der Jüngling blickte den General durch sein Monokel an und fragte mit affektirter VertrauliÄkei!: Aeh, General , was würden Sie wohl thun, wenn Sie, äh Ich wären und ich wäre Sie?" Oh," meinte der General bescheiden, erlassen Sie mir die Antwort." Was ich thun würde?," fuhr der alte Eisenfresser dann fort, als der Geck fortgegangen war, was ich thun würde, wenn ich das" wäre?" Hier zeigte er mit dem Finger nach dem Fortgehenden. Na, ich will's Euch sagen: Ich würde den elenden Eigarettenstummel wegwerfen, den Spazierstock zu Brennholz zerhacken, die Uhrkette unter den Rock stecken, das Monokel zertreten und alle Abende zu Hause bleiben und zum lieben Herrgott um Verstand beten."
Allzu psifsig: Humoreske von Maz Wundtke. Frau Sparvogel 'gehörte zu den zahlreichen Hausfrauen, die ein Paar Sohlen halb entzwei laufen, wenn sie das Pfund Zucker irgendwo einen Pfennig billiger bekommen. Wo irgend ein Profitchen für sie herausj prang, war sie da, und wäre dasProfitchen auch noch so klein gewesen. Kein einziger Händler, sei er auch der geriebenste Hausirer, durfte sich rühmen, sie jemals über das Ohr gehauen zu haben. Frau Sparvogel war viel zu helle dazu. Sie wußte das, und liebte es, ihre Helligkeit zu beweisen. Einmal aber hat sie doch mit ihrerHelligkeit schmählich Fiasko gemacht, und das ging so zu: Frau Sparvogel war. wie es sich von selbst veisteht, sparsam, fast bis zum Geiz. Wenn sie nicht gar so genau gewesen wäre, sie hätte ihren alten Parapluie längst in den Bodenrummel gesteckt und sich einen neuen angeschafft. Obwohl diese ausgediente und nebenbei auch ziemlich ausgedehnte Regenmaschinerie von Anfang an nie etwas Besseres gewesen als ein Boomwollener", so that es ihr doch in der Seele weh, ihn jet-t schon in den Ruhestand zu versetzen, und sie bätte ihn wohl gar noch als heiliges Familien - Erbstück ihrem Aeltesten" hinterlassen, wenn dieser selbige Aelteste", beiläufig ein Dreijähriger, nicht eines Tages Malheur mit seiner zukünftigen Erbschaft 'gehabt hätte. Er hatte nämlich drinnen in der Stadt Sparvogel's wohnten halb draußen in der Wildniß" die Grünkramfrauen auf dem Marktplatz mit den riesigen Regendächern sitzen sehen, unter denen ein zehnköpfiger FamilienVater mit todtem und lebendem Inventar bequem Platz hat. Jedenfalls war besagtem Aeltesten beim Anblick des mütterlichen Boomwollenen" die Erinnerung an den Marktplatz ausgetaucht, und er war pietätlos genug, das ihm zugedachte Erbstück zu einer Parodie auf den Marktplatz zu verwerthen Darüber war Mutter Sparvogel in helle Wuth gerathen, hatte ihrem Sprößling den zum Spielzeug herabgewürdigten Pacapluie zornig entrissen und o Schrecken! dabei diesem eine seiner acht Fischbeinrippen zerbrochen. Wir wollen der Sicherheit halber konstatiren, daß dem Schirm, nicht etwa dem Sprößling) die fragliche Rippe gebrochen wurde, sintemalen der Erzähler sich ziemlich dafür verbürgen kann, daß der Sprößling kaum über Fisckbeinrippen verfügt haben dürfte. So, nun war das Malheur erst recht groß, und Frau Sparvogel erwog allen Ernstes, ob nicht doch ein neuer Schirm angebracht sei. Sie sind ja so billig, meinte sie. Für dreiMark kann man schon etwas ganz Feines haben. Schließlich ließ sie aber doch den Gedanken als zu ungeheuerlich fallen. Drinnen in der Stadt wußte sie einen Handwerker, der ganz gewiß für ein Billiges dem Regendach eine Rippe einfügen würde. Und dann ging's noch eine Weile mit dem Schirm. Vielleicht wäre sie dann einmal auf die Idee verfallen, dem alten Schirm einen neuen Ueberzug und nach Jahresfrist dann ein neues Gestell zu verleihen Das Verdienst muß geioürdigt werden, das war ihr Grundsatz. Frau Sparnagel hatte in der Stadt einen Besuch zu machen, und da sie doch einmal mit der Elektrischen hinein mußte, beschloß sie, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, und den Schirm zur Reparatur mitzunehmen. Der Himmel machte ja ein sehr freundlich :s Gesicht, und sie würde ihrcn Anti - Pluvius ganz gut entbehren können. So machte Frau Sparvogel sich hübsch", setzte ihren Neuen" auf und fuhr ab, ausgerüstet mit ihrem verunglückten Baumwollenen". In der Elektrischen nahm ein elegant gekleideter Herr neben ihr Platz. der so lange auf der hinteren Platform gestanden hatte, weil er seine brennende Cigarre nicht wegwerfen wollte. Es muß ihm aber auf die Dauer doch zu zugig draußen geworden sein. Seine brennende Cigarre hielt er in der Hand, um sie ausgehen zu lassen. ' Während der Herr die vor den Fenstern vorüberfliegenden Gegenstände aufmerksam beobachtete, hatte er nicht weiter Acht auf seine Cigarre. Plötzlih dringt ein penetranter Geruch in seine Nase, alle Insassen richten zornige Blicke auf ihn, und Frau Sparvogel reißt wütbnd den Schirm auf die andere Seite. Ach Gott, mein schöner, neuer C'chirm!" jammerte sie auf, und alle Welt erwartete, sie in Thränen ausbrechen zu sehen. Erschrocken bittet der Herr um Entschuldigung und zertritt die missethäterische Cigarre mit dem Fuß; aber Frau Sparvogel ist mit dieser Sühne keineswegs zufr'idengeflellt. Nein, das mir das auch Passiren muß!" wehklagte sie. Es ist mein einziger Schirm und ein guterSchirm! Ich kany doch unmöglich jetzt mit dem Loch herumlaufen! Der ganze Schirm ist ruinirt!" Beruhigen Sie sich, liebe Frau," entgegnete der Herr. Der Schaden wird ja noch zu repariren sein, und ein Rittergut wird's nicht gleich kosten." Dabei griff er in die Tasche nach sei nem Portemonnaie.
In Frau Sparvogel's Gehirn tauchte jetzt ein sublimer Gedanke auf. Sie frohlockte. Nur pfiffig sein! Das Schicksal meinte es offenbar gut mit ihr. Nicht zum zweiten Male würde sich eine solche Gelegenheit bieten; die munte.' wahrgenommen werden. Wenn sie es klug anpackte, kam sie plötzlich zu einem neuen Schirm, der ihr keinen Pfennig kostete. - Ja, mein Herr, was denken Sie denn? Stopfen lassen? Mich zum Skandal der Leute machen? Sie müssen mir den ganzen Schaden ersetzen. Ich kann mir nicht alle Tage einen neuen Schirm kaufen." Gut, gut! Regen Sie sich nicht auf. Einen neuen Bezug also. Das ist aller Ehren werth. Hier, beste Frau, haben Sie eine Mark." Frau Sparvogel spielte ihre Rolle gut. Was? Eine Mark? Für diesen schönen, neuen Bezug? Reine Seide, sag' ich Ihnen! Wofür halten Sie mich! Mit solchcm Schundzeug' lauf ich doch nicht 'rum. Nein, die Herrschaften hier sind Zeugen, daß mein Schirm' durch Ihre Schuld ruinirt
wurde. Ich verlange vollen Schaden-. ersatz und habe nicht nöthig, mich aus Flickereien einzulassen." Herr des Himmels," fuhr der Herr ungehalten auf, die ganze Mußspritze ist kaum einen Thaler werth." " Was Sie sagen!? Aber gut, mit einem Thaler will ich zufrieden sein." Der Herr dachte einen Augenblick nach, sah durch die Fensterscheiben des Wagens, lächelte dann verschmitzt und sagte: Ich werde Ihnen den Schirm für drei Mark abkaufen. Geben Sie her." Den Schirm?" Freilich! Wenn ich Ihnen den Schirm bezahle, verlange ich auch seine Auslieferung." Frau Sparvogel hatte in einem Schaufenster schon Schirme für 1.50 Mark gesehen. Sie überschlug, daß sie für daZGeld einen funkelnagelneuen Schirm und einen baaren Profit obendrein haben würde. Sie willigte ein. Der Herr nahm den Schirm an sich, und sie erhielt den Thaler; aber ie hatte in ihrem heimlichen Triumphgefuhl etwas nicht gemerkt, was der Herr schon längst beobachtet hatte, nämlich, daß der Himmel sich ganz schwarz umzogen hatte, und daß schon einzelne Regentropfen herniederflogen. Gerade als der Wagen hielt, wo Frau Sparvogel aussteigen mußte, setzte ein gediegener, strömender Landregen ein. Frau Sparvogel prallte wieder von der Thür des Wagens zurück und griff instinktiv nach ihrem Schirm. "Der Herr aber hielt ihn fest und sagte ganz trocken: Aber, erlauben Sie mal, das ist jetzt mein Schirm. Ich habe ihn theuer genug bezahlt." Die Fahrgäste brachen in ein schallendes Gelächter aus. Sie werden aber doch unmöglich v?rlangen, daß ich in diesem Regen hier auösteige. 5ein Haus ist in der Nähe. Ich verderbe mir ja meinen neuen Hut und meinen Umhang! Das geht doch nicht." Ich verlange gar nichts, liebe Frau. Thun Sie, was Sie wollen, aber dieser Schirm gehört mir." - Frau Sparvogel wurde kleinlaut und legte sich auf's Bitten. Der Herr blieb fest. Auch der Hinweis, welchen Schaden sie an ihrer Toilette nehmen würde, rührte ihn nicht. Da raffte sie sich zu einem heroischen Entschluß auf. So nehmenSie Ihren Thaler wieder, und geben Sie mir den Schirm zurück," rief sie erbost. Ich mache keine Geschäfte." lehnte der Herr ab. Ich will keinen Profit herausschlagen. .Geben Sie mir den Thaler wieder und dem Schaffner fünfzig Pfennig für's Warten, so soll der Schirm wi'der ihr Eigenthum sein. Anders thu' ich's nicht!" Was half's? So sehr Frau Sparvogel auch schäumte wollte sie vor Größerem, Schaden bewahrt bleiben, mußte sie in den sauren Apfel beißen. Sie zahlte und nahm ihren Boomwollenen" wieder in Empfang. ' An dieses gute Geschäft mußte sie aber noch lange zurückdenken. Nichtiger Einwand. Das ist eine wunderbare Entdeckung, mein Fräulein." erklärte ein Jünger der Wissenschaft. Denken Sie blos, daß durch die Einwirkung dieses geheimnißvollen Radiums auf sterilisirte Bouillon Leben produzirt werden kann. Welch' ein Gedanke von unabsehbarer Tragweite! Und das mag in der Welt schon vor Millionen von Jahren so gewesen sein." Hm, ja," antwortete die skeptische Jungfrau; ich versiehe schon, daß da mals bereits Radium ezistirt haben mag. aber. woher kam denn die Rindsbrühe?" . HullunMe?. Parirt. Mann:' In unserer Häuslichkeit komme ich mir vor wie in einer Wüste. Frau: Also auf deutsch gesagt: Du fühlst Dich wie zu Hause Du Kameel! ' . Mangel. Frau Amtsrichter! Nun. Männchen, wie schmeckt Dir das Gericht? Gut, aber die Gerichtskosten werden da wohl wieder sehr hoch werden?"
Altkgypttsche Schrcrdmatcrialien. PaphruSblätter. Kalkstewplatten. Thon, fch erden und Thierkzünte. Die alten Egypter hatten eine solche Freude an der Kunst des Schreibens. daß sie hierzu nicht nur Papyrusbläiter, sondern jeden nur irgend brauchbaren Gegenstand benutzten. Es gab Kalksteinplatten und Thonscherben in Menge, auf die sich mit den egyptischen Tuschen gut zeichnen und schreiben ließ, und für wichtigere und größere Urkunden boten den dauerhaftestem Stoff noch vor der Erfindung der Papyrusbereitung die Thiere des Landes, die Gazellen, Krokodile und Esel. Neuere Funde haben bewiesen, daß lange, bevor das Pergament in Pergamon seinen Namen erhielt, d:: Kunst, aus Thierhäuten einen schönen pergamentartigen Schreibstoff herzustellen, den alten Egyptern schon bekannt gewesen ist. Darauf führten schon früher einzelne urkundliche Angaben, wie die in den Jahrbüchern des Königs Thutmosis III., daß dieser König die Kunde von seinem großen Siege in der Schlacht bei Megiddo auf einer Lederrolle im Tempel des Ammon verewigen ließ, oder die Erwähnung eines Planes auf Thierhaut für den Tempel von Denderah. Und im Louvre zu Paris konnte man schon seit 18L5 eine solche Handschrift auf Thierhaut betrachten, die 6 Fuß lang und 10 Zoll breit ist. Sie stammt aus der Zeit des Königs Ramses II.. der zur 19. egyptischen Dynastie (1400 bis 1200 v. Chr.) gehörte, und enthält das Rechnungsbuch eines königlichen Intendanten. Aber griechische Urkunden auf 'Gazellen- und Krokodilleder sind erst in neuester Zeit von dem österreichischen Forscher Professor Dr. Krall veröffentlicht worden. Es sind- drei kleine Streifen aus Gazellenleder, etwa 1 Fuß lang und 2 bis 9 Zoll breit, auf denen Charachen, der König oder Häuptling der Blemyer, eines den Nubiern verwandten Volkes, im fünften nachchristlichen Jahrhundert seine Regierungsakte bekannt gibt. Und zwar verleiht er in der Haupturkunde die Nilinsel Tanare, aus der sich die Blemyer festgesetzt hatten, seinen Söhnen Charapatkur und Charahiet, und ermächtigte sie, den Nilzoll auch von den Römern einzutreiben. Und von eben diesem Flußzoll handelt die zweite längere Urkunde, eine Bankquittung, in der der Bankier Argon bestätigt, daß bei ihm elf Solidi (Goldstücke) hinterlegt sind, die in Kleingeld eingcnommen sind von den Flußschiffen durch Noaimek. den königlichen Zollbeamten, der die Summe nicht in seiner Hütte behalten wollte. Reiche Tteinkoülcnlager. Gute Steinkohle hat jetzt ein sachverständiger und unparteiischer deutscher Gelehrter. Professor Schmieder, in Chile entdeckt. Er berichtete darüber in einem Vortrag vor der BergbauGesellschaft in Santiago. Die Lager, die eine Ausdehnung von etwa 30.000 Acker haben, liegen etwa sechs Meilen von Lautaro im Araukanenlande, am Abhänge der Gebirge und in der Nähe der Eisenbahn. Die Kohle ist von sehr guter Qualität, gleich der englischen Kohle und findet sich zusammen mit Anthracit. Eisen und Schwefel. Chile ist ein sehr mineralreiches Land, aber viele Mineralien, so z. B. die reichen Eisenerze, konnten bisher aus Mangel an guter Steinkohle nicht verarbeitet werden. Bei Lota und Coronel, am Abhänge der Küsten-Kordilleren, wird seit langer Zeit Braunkohle gewonnen und' in großen Mengen ausgeführt. Kleine Lager einer minderwerthigen Kohle sind zwei- oder dreimal in der Nähe der Magelhaensstraße gesunden worden. Diese Funde haben sich aber wegen der Transportschwieigkeiten und der geringen Heizkraft de-: Kohle bald als werthlos herausgestellt. Gestohlenes Gut zurückerstattet. Eine Kassette, die einem gewissen Herman S. Scheney in Southbridge, Mass., aus seinem Wohnhaus gestohlen' worden war. ist wieder in seinem Besitze. Ter Inhalt, bestehend in M.000 Vaargeld und Sekuritäten im Werthe von 250.000, war nicht angetastet worden. Die Kassette wurde ebenso geheimnißvoll zurückerstattet, wie sie gestohlen wurde. Scheney hatte die Kassette aus einer Bank geholt und sie in seinem Hause verborgen, weil er im Begriffe war. eine Inventur seines Vermögens aufzunehmen. Die Polizei und die Vanken aller größeren Städte wurden von dem Diebstahle .benachrichtigt, allein es war nirgends möglich, dem Diebe auf die Spur zu kommen. Chronischer Alkoholism u s. Nach dem Statistischen Jahrbuch für den Preußischen Staat 1904" wurden in den allgemeinen KrankenHäusern Preußens im Jahre 1902 13,377 Personen, und zwar 12.576 Männer und 801 Frauen, wegen chronischem Alkohoismus ausgenommen. Außerdem wurden im Jahre 1902 in sämmtlichen Irrenanstalten 1418 Männer und 111 Frauen am SäuferWahnsinn behandelt. Dazu kamen noch hie Fälle von ausgesprochenen alkoholischen Geistesstörungen, die nicht besonders bezeichnet sind. In südlichen Städten on Union wird . verhältnißmäßiz wenig Milch verbraucht.
