Indiana Tribüne, Volume 29, Number 14, Indianapolis, Marion County, 8 September 1905 — Page 7

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4 4-4 - n frsff Weste ff h M H v 4 fl (Fortsetzung.) Ich weiß nicht, ob ich es bin, wenn ich Sie bitte: machen Sie es mir nicht schwer. Ihre Wege fernerhin zu mei den." Heißt da?. Sie wollen Ihre Braut nicht in mein Haus führen? Wollen also dem Klatsch Thor und Thür offnen und sich Ihrer Braut auffällig machen?" .Sie standen bisher stets über dem Klatsch " Ein dunkler, blitzartiger Blick schließt Palmer die Lippen. Wie ihm die Stirn zu glühen beginnt, wie schwüler, bekannter Duft seinen Athem drückt! Fort, nur fort! Frau Jutta lächelt ruhig, überlegen. Und dies Lächeln folgt seinen Schritten. als er davonstürzt. Auf Wiedersehen!" Ihr letztes Wort, das mit ihm hetzt, wie er in die grauen Schlier der Dämmerung hineinstürmt, die stch über seinen Weg spinnen! Nein, kein Wiedersehen! Nur das nicht. Und wenn er keinen Schritt mehr von seinem Hofe weichen sollte, bis daß der Traualtar zwischen ihm und Frau Jutta stand. Palmer fand auf Moorheide einen Brief vor. worin ihm die letzte Hypothek. mit der er sein Gut bis an die äußerste Grenze seines Werthes belastet hatte, gekündigt wurde. Die Hypothek hatte ihm bisher wenig Sorgen gemacht, ste stand bei einen: guten Freunde fest, und die Zinsen dafür ließen stch ja noch immer aufbringen. Aber gute Freunde können über Nacht sterben, und da kamen dann die Erben und zogen wacklige Posten ein. Er konnte nun seine nächste Zeit dafür verwenden, nach einem anderen vertrauensseligen Geldmanne zu suchen. - Mit starken Schritten ging er im Zimmer hin und her. Wie da vor so einem kleinenNechenezempel die schwüle Liebesstimmung in alle Winde verflog! Und wie unter diesem Gesichtspunkt seine nahe Hochzeit noch in ein ganz anderes Licht rückte! Wie er stch nun sonnen - konnte in dem erhebenden Bewußtsein, bei seinem Tummcnjungenstreich so gänzlich frei von schnöder Berechnung gewesen zu sein, nicht daran gedacht zu haben, daß er. wenn er stch schon die erste Beste nahm, stch wenigstens eine Reiche aussuchte. Am Fenster lehnte er und starrte auf den Hok sim 9. K a p i t e l. m " brummte nachdenklich V Doktor Föhrenbach, als C7 seine Mathilde ihm stirnrunzelnd davon Mittheilung machte, daß Hauptmann Palmer soeben einen Loten geschickt habe, er lasse stch für heue Abend entschuldigen, hm, ob. da am Ende doch was dran ist, wovon ste gestern Abend in der Krone munkelten? Es am die Rede auf Palmer, und da hieß es, es konnte leicht sein, daß der jetzt in Ungelegenheiten käme wegen einer ihm getündigten Hypothek, die ein anderer vielleicht nicht so ohne Weiteres auf Moorhcide tükirc." Mit einem gewaltigen Schritt stand Frau Mathilde neben dem Gatten und rüttelte ihn an der Schulter. Was sagst Du da. Hermann? Was hast Du Dir da von Deinen Skat- und Klatschbrüdern vorfaseln lassen? Berlegenheiten auf Moorheide! Jetzt, wo in sechs oder sieben Wochen die Hochzeit sein soll! Und" . Sie kam nicht weiter. Durch die halboffene Thür, die zur"' Veranda führte, war Liane in das Zimmer getreten und fragte voll erschreckter Hast: Ist das wirklich wahr, Onkel? Hat Detlef Sorgen, droht ihm vielleicht Schlimmes?" Na ja, so ist's recht, nun mach' Du aus einem Biertratsch gleich einen Bankrott und 'ne gelöste Verlobung!" fuhr Frau Mathilde auf. Wenn's auf Moorhcide wirklich so wacklig stände, da hätte stch Palmer nicht mit einem blutarmen Ding wie Du verlobt, sondern hätte sich eine Reiche genommen. Darauf kannst Du Gift nehmen." Liane antwortete nicht. Mit erblaßten Wangen blickte ste ganz still vor sich hin, blickte hinein in die vor ihr aufgestiegene Kindheitserinnerung, wo die Mutter verhärmt, verweint einherging, der Vater Tag um Tag von einem der benachbarten Farmer zum anderen ritt, immer finsterer heimkehrte, und eines Morgens waren ste fortgezogen so gut wie. Bettler. Onkel, sag es ist doch gewiß nichts Schlimmes dabei, daß ihm die Hypothek gekündigt ist?" Warum nicht gar," beruhigte der Doktor. Wer weiß, ob an dem ganzen Gerede überhaupt was dran ist." Frau Mathilde schnitt kurz das Thema ab. Warte, bis er kommt, da wirst Du's ja erfahren." . Sie selbst war höchst gespannt, was

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V yT V 4 VT "i1 ! V R 3 Noman von Kedinig Erlintdtmcdtcbicr 4 & TV : 4"5 man da erfahren werde, und keineswegs so zuversichtlich, wie sie sich den Anschein gab. Liane aber wartete. Und immer unruhvoller wurde ihr Warten, als drei Tage vergingen, ohne daß Palmer erschien oder nochmals Botschaft sandte. Am vierten endlich, als der Doktor und Frau Mathilde ihr Mittagsschläfchen hielten und Liane im Garten saß, kam er zu Pferde an. Sie flog ihm entgegen. Da bist Du ja endlich bist Du da!" Sie half ihm sein Pferd an den Eartenzaun binden, klopfte dabei dem Thier zärtlich den Hals, und in Palmers Arm stch einhängend, zog ste ihn zur Laube hinüber. Ich batte solche närrische Sehnsucht nach Dir. Detlef." Es war mir unmöglich, früher zu kommen. Tu mußt mir das fchon zu gute hatten." sagte er trübe. Da blickte ste ihm forschend in die Augen. Detlef Dir ist etwas gescheren, seit wir uns zum letzten Male sahen. In Deinen Augen seh' ich's und hör's an Deiner Stimme." Seine Züge waren plötzlich erbleicht. Was meinte. ste? Sah ste es ihm an, sein Ri'lgen mit der Räthselfrage, die ihm Frau Jutta mit auf den Weg gegeben: wie wär's geworden, wenn er nicht ungeduldig vorschnell das Buch vor dem Schlußkapitel zugeklappt hätte? Oder merkte man's ihm an, daß er vier Tage lang vergeblich von Pontius zu Pilatus gelaufen war. die Hypothek cufzutreiben? War in dem lieben Lindcnstedt die Kündigung schon ruchbar geworden? Etwas in Lianens ängstlich ihn befragendem Blick sprach dafür. Achselzuckend gab er zu: Ich habe Unannehmlickkeiten gehabt wegen einer gekündigten Hypothek das ist alles." Und jetzt ist es wieder gut? Ich meine. Tu hast das Geld anderweitig aufgetrieben?" Seine Brauen zuck'en. Aufgetrieben das Wort berührte ihn empfindlich. Ohne Sorge, Kind, ich treib's schon auf. Für so viel Kapital ist MoorHeide noch immer gut genug." Sie wurde dunkelroth. Verzeih mir, Detlef ich meinte nicht, wußte nicht Ja, ich wußte. Onkel hatt: davon gehört." bekannte ste ehrlich heraus und hob die gesenkten Augen wieder mit dem raschen Aufblick der Wahrhaftigkeit zu ihm empor. Und weil Tu nicht kamst, dachte ich. es brächte Dir Schwierigkeiten, vielleicht Sorgen und habe mir selber welche gemacht." Er klopfte ste auf die Wange, wie man es etwa bei einem unbequem fragenden Kinde thut. Sorgen mit denen fülle Du Dir lieber Dein bübschcs Köpfchen nicht an. Sie stnd der Schönheit nicht förderlich. Und Dinge, bei denen Tu nichts helfen kannst, die überlaß nur rubiz mir allein." Sie drückte sich seine Hand gegen die Wange fest. So wirst Tu nicht sprechen zu mir, wenn ich erst Deine Frau bin, Tetlef. da wirst Tu mich theilnehmen lassen an allem, was Tick angeht. Nicht wahr. Tu wirst es thun? Ich will ja doch Deine Weggefährtin werden in allem Guten wie in allem Bösen." Statt der- Antwort streichelte er ihr nur wieder das Gestcht. Dann stand er auf von der Gartenbank. Meine Zeit ist knapp, verzeih, wenn ich Dir schon wieder Lebewohl sage, Liane." Heimliche Besorgniß regte sich wieder in ihr. Was trieb ihn so eilends von ihr fort? Er kam ihrem Fragen zuvor. Es gibt allerhand vorzubereiten für die Ernte. So oft ich kann, werde ich aber herüberkommen." Sie schritten zu dem. angebundenen Pferde hinüber. Von einem der sertwärt blühenden Roscnstämme pflückte Liane eine halberschlossene Knospe und mühte sich, 'dieselbe an Palmers Rock zu befestigen. Während sie es that, fragte sie: Sag. Detlef, werden wir bald einmal bei Frau Gerland unseren -Besuch machen? Ich freue mich darauf, sie näher kennen zu lernen." Du wirst Dich gedulden müssen. Ich habe wenig Zeit jetzt für-Besucöc." Wie er das sagte, fast hervorstieß! Aengstlich forschte ste in seinen Zügen. Ich dohte, es würde vielleicht unhöflich sein, lange mit einem Besuch zu zögern, zu dem wir so liebenswürdig aufgefordert wurden. Frau Gerland nennt Dich ihren Freund. Du bist sehr vertraut mit ihr. hast viel bei ihr verkehrt " Er riß und zerrte an dem Sattel gurt und sagte: Es sind ihrer manche, die sich des Vorzugs erfreuen, von Frau Jutta Freund genannt zu werden." Dabei kam's ihm, daß seine Art zu antworten, Liane befremden müsse. Sie ist eine kluge, interessante Frau und es läßt sich über alle möglichen Dinge mit ihr reden. Später werden wir sie natürlich besuchen. Jetzt aber darf ich mich nicht längerversäumerl.."'

Er hatte sich rasch wieder Liane zugekehrt, ihre Hand, an die Lippen gezogen und saß dann mit einem Schwung auf dem Pferde. Auf Wiedersehen! Empfiehl mich Föhrenbachs." In der offenen Gartenthür stehend, blickte Liane dem Daronsprengenden nach. Er wandte sich nicht noch einmal zurück. Da ging sie langsam, gesenkten Hauptes wieder zur Laube hinüber. Banges, unruhvolles Fragen ging mit ihr und blieb bei ihr. Was trieb ihn in solcher Eile davon. ließ ihm kaum Zeit, ihr Antwort zu geben? Eine Frau, mit der sich über alle möglichen Dinge reden läßt eine kluge, interessante Frau! Und mit der klugen Frau hätte er vielleicht über Dinge gesprochen, hätte ihr anvertraut, wofür ihm die junge Braut noch nicht reif, nicht erfahren genug war! Hatte vom ersten Tage ihres Hierseins Frau Juttas weißes Haus ihre Blicke magnetisch zu stch hinübergezogen, so war es jetzt, als zwinge ein gcheimnißvolle? Wille ihre Schritte dorthin an einem jeden der Tage, die wieder vergingen, ohne daß Palmer abermals vorsprach. Einmal würde ste auf diese Weise vielleicht Frau Jutta begegnen. Aus ihrer inneren Bedrücktheit heraus wartete sie auf diese Begegnung, ohne sich klar darüber zu sein, was sie sich davon eigentlich erhoffte. - Aber noch einer anderen erfüllte Warten die Tage. Frau Jutta wartete auf etwas, das nicht kam. Etwas Seltenes in ihrem Leben, das ihr alles, was sie gewollt, im Fluge zugetragen und ihr damit alle seine Gaben entwerthet hatte. Nun kam plötzlich einer, dessen Liebe ihr zum Gewohnheitsspielzeug geworden und von dem sie gemeint, ein Blick von ihr genüge, ihn jederzeit in ihren Bann zurückzuzaubern und dieser ließ sie warten. Das machte ihr den Mann begehrenswerther als vordem, regte allerhand Fragen in ihr an, die ste beschäftigten. Nahm er seinen thörichten Flucht versuch vor ihr wirklich so ernst? Nahm er es mit seiner ersten Besten" so ernst? Wes Geistes Kind war diese Braut, die ihm so just zur rechten Stunde über -den Weg gelaufen war? Wenn sie ihr nur einmal allein begegnen, sie sprechen, ausforschen könnte! Dieser Wunsch Frau Juttas sollte sich erfüllen. Eines Nachmittags um die Stunde, da sie auf ihre? Veranda den Thee zu nehmen Pflegte, sah sie Liane langsam an dem Hause vorübergehen und in den Garten hineinschauen. . Sofort erhob sie sich und trat einen Schritt gegen die Verandastufen vor. Liane blieb grüßend stehen, als fu Frau Jutta erblickte. Diese winkte ihr vertraulicb la chelnd zu: Welch netter Zufall! Treien Sie doch ein wenig bei mir ein, wenn Sie Zeit haben." ,Auf das Angenehmste berührt von diesem Willkommen, schritt Liane in den Garten hinein, zur Veranda empor, wo Frau Jutta ihr mit ausgestreckten Händen entgegenkam. Eigentlich jollte ich ernstllcy voje sein. Sie lassen ja lange auf stch warten, Sie und Ihr Bräutigam!" Lassen Sie mich um Verzeihung für ihn bitten, gnädigste Frau." siel Liane ein und beugte sich, die noch immer in der ihren ruhende Hand zu küssen. Nein. Schatz, ganz so ehrwürdig bin ich denn doch noch nicht, trotz meiner mütterlichen Freundschaft für einen gewissen blonden, wilden Jungen." . Ueber Lianes Wangen huschte helle Nöthe. Wild," wiederhole ste dann leise, ach nein, wild ist er wohl nicht." Frau Jutta bog den Kopf vor, als lausche sie angespannt auf einen besonderen Klanq, den sie wohl erwarten mochte. Nicht wild? Aber Sie haben recht: O rühret, rühret nicht daran! Darum zu etwas anderem. Kommen Sie. setzen Sie sich dahin und trinken Sie eine Tasse Thee mit mir." Damit hatte sie Liane schon in einen Korbsessel gedrückt, eine zweite Tasse herbeigeholt und hantirte nun an der Theemaschine. So, liebes Kind, nehmen Sie den ersten Gasttrunk bei mir." Frau Jutta setzte die gefüllten Täßchen auf und hob das ihre. Lickne that ihr Bescheid mit einem Aufflammen ehrlicher Bewunderung im Blick. Fontana Trevi," sagte sie dabei und sah in die schönsten dunklen Au gen, die sie je zu sehen gemeint. Wer je von Teinem Quell getrunken, den zieht's zurück, wo er auch weilen mag!" Ei. steh. Freund Tetlef ist ein Schlauer, lehrt seinem Bräutchen, langweilige, vernachlässigte alte Freundinnen mit Galanterien versöhnen." Gnädige Frau, im Ernste. Sie dürfen ihm nicht zürnen, wir haben noch nirgends Besuch gemacht. Er... er hat " Liane zögerte ein wenig, sah auf ihr Kuchenlöffelchen hernieder und drehte es hin und her. Frau Jutta saß ihr dicht gegenüber und wandte keinen Blick von dem feinen Köpfchen der anderen. Sie war sehr hübsch, seine Braut, schön sogar, nicht schön im landläufigen Sinne, sondern in dem eines künstlerischen Betrachtens. das Anmuth und Reinheit der Linien sucht. Ueberrascht von ihre? Entdeckung, die sie beim ersten

kennenlernen so nicht gemacht, munte ste stch erst zusammenraffen, ehe ste Liane in die stockende Rede fiel.' Er hat nun waS hat er denn, der Böse? Mir dürfen Sie's schon an-, vertrauen, Kind." Als nicht sogleich eine Entgegnung kam. bog stch Frau Jutta noch dichter gegen Liane vor. und indem sich, jede Fiber ihres eigenen Gesichts spannte, forschte sie in dem anderen, das, in Vcrstellungskünsten ungeübt, ein heimliches Zagen und Bangen verrieth. Ich nehme natürlich an," fuhr ste mit ihrer süßesten Stimme fort, daß es nur sein reizendes Bräutchen ist. das ihn so ganz und gar in Anspruch nimmt und nicht etwa andere, lästigere Dinge .ihn beschäftigen." Liane fand nicht den Muth zu einet direkten Antwort. Sie schüttelte nur den Kopf. O nein, gnädige Frau, nicht ich nehme meinen Bräutigam so sehr in Anspruch, sondern die' Arbeit auf seinem Gute füllt seine Zeit so völlig aus. daß auch ich ihn oft tagelang nicht sehe." Frau Jutta wandte hastig das Haupt zur Seite und blickte in den Garten hinaus. Sie lachte ihr lautloses Lachen. Arbeit! Was hatte Detlef Palmer die Arbeit gekümmert, als er in Frau Juttas Garten Rosen brach. Laut aber sagte ste: Ja' ja im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brot essen das gilt für den Landwirth noch mehr als für jeden anderen Mann. Nun. diese kleine Hand hier wird stch's jedenfalls künftighin zur angenehmen Aufgabe machen, ihm des Alltags sauren Schweiß soviel als möglich zu ersparen." Sie hatte Lianens Hand tändelnd emporgehoben und betrachtete den kostbaren Brillant, der an einem der schlanken Finger funkelte. Dabei war in ihrem Blick ein fast athemloses Lauern. Würde ste vielleicht nun erfahren, was es ste zu wissen drängte, ob diese erste Beste" ihm auch noch goldene Schätze zubrachte? " Liane aber wechselte jäh die Farbe, toie hatte verstanden, wie es Frau Jutla meinte. Sie halten mich für vcriügend, weil, man mir ein werthvolles Andenken schenkte? Es ist mein ganzer Besitz, gnädige Frau. Ich bin ganz arm, und Tetlef weiß das." Und er weiß es! Sie Glückliche, wie muß er Sie da lieben!" Gnädige Frau " Liane sprang von ihrem Stuhle auf verzeihen Sie mir, aber ich bitte, beschwöre Sie, daß Sie mir deutlicher sagen, wie Sie Ihre ÄZortc meinen, was Sie damit andeuten wollen." Auch Frau Jutta hatte stch erhoben und blickte Liane scheinbar ein wenig befremdet an. ..Andeuten aber gar nichts, liebes Kind, oder doch nichts anderes, als was meine Worte besagen: daß er Sie unendlich lieben muß. Mir aber macht es Freund Detlef doppelt werth, daß er aus seiner Liebe kein Rechenexempel gemacht hat., wie vielleicht manch ein anderer in seinem Falle." In seinem Falle!" Kaum hörbar sprach es Liane nach und plötzlich stürzt rs ihr über die Livven. ws fi; so nicht hatte fragen wollen. Gnädige Frau. Sie kennen Tetlef so viel länger alsich, kennen wohl auch seine Veryäilntjie besser spracn er ynen davon, daß er Sorgen hat?" Ueber Frau Juttas Augen hatten stch die Lider gesenkt. Zögernd sagte sie: Sorgen? Ich weiß nicht recht, wie Sie das meinen. IiebeZ Kind. Moorhcide soll ziemlich stark belastet sein, das ist wohl allgemein bekannt, aber direkte Sorgen er sprach mir nie davon, und ich habe auch nichts bemerkt. Nur als er neulich im Anschluß an unsere Begegnung bei mir war, da schien es mir allerdings einen Augenblick, als habe er etwas auf dem Herzen, das ihn beschäftigte." Tetlef war an jenem Tage bei Ihnen, gnädige Frau?" fragte Liane in so deutlicher Betroffenheit, daß Frau Jutta immer gespannter wurde. Wußten ie das nicht, liebes Kind?" Und ohne eine Antwort abzuwarten, setzte sie. wie sich besinnend, hinzu: Vielleicht hatte er die Absicht gehabt, die alte Freundin über etwas zu befragen, in's Vertrauen zu ziehen, womit er der Braut nicht das schöne Kövfchen beschweren wollte." Das schöne Köpfchen! . Dieselben Worte, die er zu ihr gesprochen, im gleichen Tonfalle fast! Unwillkürlich richtete sich Liane gerader auf. Frau Jutta bemerkte es und lächelte: Ich glaube gar. liebes Kind, Sie wollen sich thörichte Gedanken darüber machen, daß Sie Ihrem Bräutigam keine Mitgift mitbringen. Freund Tetlef ist ein Mann und weiß schon, was er gethan hat, wenn er sich eine unbemittelte Frau erwählte. Wenn er Sie liebt, was kümmert Sie denn der schnöde Mammon! Sie wissen ja doch: Raum ist in der kleinsten Hütte . . ." Frau Jutta lachte, und Liane er-, schrak vor einem ihr fremden Laut. Dann aber verschwand ihre Umgebung vor ihr, und ste sah eine jener kleinsten Hütten und sah ein liebendes Paar darinnen: ihren Vater und ihre Mutter. Vor ihr stand die schöne, berückende Frau und lächelte ste fast zärtlich an. Da tastete Liane stch über die Stirn, als wache sie aus einem Traume auf. Gnädige Frau, ich weiß selbst nicht, wie ich dazu kam, zu Ihnen wie zu einem Menschen zu sprechen, der ". Den herzlichsten Antheil an Ihrem Glücke nimmt, wenn Sie für das aräk-

liche ,gnädige Frau' künftighin Zräu Jutta' setzen, wie das alle vernünftigen Leute, die bei mir verkehren, thun Ihr Bräutigam voran." Scherzend hatte ste dabei LianenS Kopf in ihre Hände genommen und ihr das weiche, schöne Haar gestreichelt. Nein, was für einen entzückenden Schatz er' hat!" In der überquellenden Dankbarkeit eines Menschen, der sein Lebtag wenig Liebkosung erfahren, faßte Liane bit beiden weißen, kühlen Hände, neigte stch darüber und preßte fast leidenschaftlich die Lippen darauf. Frau Jutta aber stand gerade aufgerichtet und blickte über den gesenkten blonden Kopf vor stch hinaus mit Augen, die im Siegesbewußtsein triumphirten. 10. K a p i t e l.

er folgende Tag war ein Sonntag. und an ihm fand auf dem Lindensiedter See der Blumenkorso, das jährliche Saisonereigniß, statt. Einen Augenblick hatte Palmer daran gedacht, daß er es der Braut wohl schuldig sei, stch mit ihr an der Korsofahrt zu betheiligen, aber im blumengeschmückten Boote festfröhlich dahinzufahren, wäre ihm in seiner augenblicklichen Stimmung unmöglich gewesen. So kam er denn nur am Nachmittag, Liane zu einem Spaziergang um den See abzuholen. Frau- Jutta liebte es nicht, bei öffentlichen Vergnügungen mitzuthun. Eine Begegnung mit ihr würde heute kaum zu befürchten sein. Liane sah entzückend aus in einem spinnwebgrauen, spinnwebzarten Wollcnkleide. dazu ein großer, duftigzarter Hut und ebensolcher Sonnenschirm, alles, selbst die Fuß- und Handbeklcidüng, in dem gleichen, mattschimmernden Grau. Er sagte ihr ein galantes Wort darüber, das' ste beglückte. Dabei forschte ihr Blick an ihm. Er sah gesellschaftsmäßig aus in Kleidung, Haltung und Mienen. Nichts deutete darauf hin, daß Außergewöhnliches oder gar Schweres ihn beschäftige. Es ist wohl alles wieder gut, er hat die Hypothek erhalten," dachte Liane wie erlöst. Eine Frage aber wagte ste nicht, gab ihr doch die stolze Kraft seiner Erscheinung cv: so glückliches Gefühl des Geborgenseins, daß ihr wie eitel Thorheit und schwächlicher Kleinmuth zu dünken begann, womit ste in diesen Tagen stch so bang das Herz beschwert. Sonnige Heiterkeit kam über ste und blühte noch heller auf vor dem fröhlichen Bilde, das sich ihnen darbot, als sie das See gestade erreichten, das rundum mit Schaulustigen besäumt war. (Fortsetzung folgt.) Gießen der einreden an Häusern. Weinreben, die an Gebäuden stehen, leiden oft sehr an Trockenheit und stnd namentlich in trockenen Jahren dann und wann einmal recht gründlich zu begießen. Auch ein Bedecken des Bodens mit klarem Dünaer oder dergleichen ist anzurathen. Blutthaten eines Neg e rs. In einem Streit über die BeZahlung einer Schuld tödtete der Neger Oliver. Lott in Selma, Ala., einen gewissen John Helton und brachte dessen Bruder Henry tödtliche Verletzungen bei. Der Mörder entfloh und verbarrikadirte stch in einem Hause, wo ihn später ein Bürgeraufgebot fesizuneh men versuchte. Das Aufgebot umzingelte das Haus, allein Lott leistete Widerstand und feuerte auf die Verfolger, von denen einer getödtet ward. Die Bürger feu:rtcn dann auf Lott. und seine von vielen Kugeln durchbohrte Leiche wurde später aufgefunden. Eigenthümlicher Ukas. Der Propbet" John Alexander Dowie in Zion Ei'.y. Jll.. hat einen Ukas an alle seine Anhänger erlassen, in welchcm er genaue Vorschriften für Verlobte und Verheirathete macht. Die Ordre lautet: Jede Familie soll jedez Jahr ein Baby zur Taufe bringen und so durch die'Geburtsrate für die Ausbreitung der Kirche und gegen Nassenselbstmord wirken. Verlobte sollen einander vor der Trauung nicht küssen oder umarmen. Kein getreues Mn glied der christlich katholischen Kirche von Zion soll heirathen, ohne vorher die schriftliche Erlaubniß des Apostels Dowie erlangt zu haben. Trauungen, die von Friedensrichtern vollzogen werden, sollen von der Kirche nicht als giltig anerkannt werden. Elfjähriger todte t. Ein elf Jahre c-.lter Knabe Namens John Eoodson in Detroit. Mich., wurde dieser Tage unter der Anklage, ein siebenjähriges Mädchen Namens Hannah McQuale getödtet zu haben, in Haft genommen. Das kleine Mädchen fuhr in Begleitung ihrer beiden alteren Schwestern nach ihrem Elternhause; Goodson und drei andere Knaben in seinem Alter, welche auf der Landstraße außerhalb der Stadt Spatzen geschossen hatten, traten aus dem Gebüsch und versuchten, auf den Wagen zu steigen, aber die Mädchen wollten sie nicht auf den Wagen lassen. Goodson wurde wüthend und schoß auf die Kinder. Die Kugel traf die kleine Hannah in den Kopf und tödtete sie auf der Stelle. Die Genossen des verhafteten Knaben behaupteten dagegen, daß der Schuß einem Sperling gegol ten habe.

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'S Schlag, 1 Uhr Mittag. 0 bezeichnete Signale Karden n dr TZMO Dächt angigeben da an d Ktresluck KtsÄb Zru,ung rein AlarmkS nfKfeacht pA Sie werden nicht alle. In Trierern Blättern stand kürzlich e:ne Anzeige, in der ein gewiffer Ohliz auZ London mittheilte, daß er eine Person suche, die ein Kind in Psleze zu nehmen bereit sei. Als Äerpflegungölosien seien 50C0 Mark ausgeworfen, hiervon erhalte die Pflegemutter sofort 1000 Mark, der Nest werde in Naten ausbezahlt. Die Anzeige war so verlockend, daß mehrere Frauen sich meldeten. Sie erhielten umgehend ein Antwortschreiben, in dem der Bermittler 100 Mark Provision verlangt 10 Mark sofort und L0 Mark bei der Uebergabe des Kindes. Das Kind selbst. sol!e vier Tage nach Empfang der 10 Mark übergeben werden. Vier Frauen (wahrscheinlich aber noch mehr) sandten die verlangten 10 Mark ein und warten heute noch auf weitern Bescheid.