Indiana Tribüne, Volume 29, Number 13, Indianapolis, Marion County, 7 September 1905 — Page 7
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ff pie erste f 44 f f este A ,.. Tr 4 ff f4 4"t ff juj ff! 44 l ( (Fortsetzung.) 8. K a p i t e l. itua ein Monat war seit der Verlobung vergangen. Teiles Palmer suchte sich mit Geschehenem abzufinden, so gu es eben gehen wollte. Er hatte sich n allerlei Thätigkeit hineingestürzt, die Arbeit auf seinem Gute, die er um Frau Juttas willen so lange vernachlässigt, sollte ihm jetzt helfen. Sinn und Gedanken von ihr abzulenken. Meist kam er dann um die Dämmerung nach Lindenstedt herüber und verlebte in , des Doktors Garten eine Plauderstunde, wobei er Liane gegenüber, wenn auch kein sonderlich zärtitcner, 10 ooch j:ei6 em aufmerksamer Bräutigam war. Zuweilen auch holte er sie zu einem Spaziergang oder einer kleinen Ausfahrt ab. Auch heute waren sie ein Stück an der waldigen Berglehne da. hingefahren und bogen nun zu der Thalebene herüber, gerade an der Stelle, wo die Moorheider Flur begann. Zu beiden Seiten des dahinrollenden Wagens rauschten die reifenden Aehren, und in des Gutsherrn Blick, der über die Kornfelder dahinschweifte, kam ein frohes, fast stolzes Leuchten. Die Ernte steht gut die beste, die ich je gehabt. Kommt sie glücklich herein, so kann sie manche schlechte wett machen." Segen jedem Halme, bis Du ihn Dir eingeerntet hast!" Bewegt rief es Liane, die Hände ausstreckend gegen die aoldwoczende Pracht. 12? iay i'.e öaio von oer Seite an. War's die Julisonne am Himmel droben, die so etwas Heiliges über sie ausgoß? Sein Blick ging über ihr' feines Profil, glitt die sanfte Linie von der Schläfe bis zum Nacken hinab und blieb da in einer losgelösten Locke des aschblonden Haarknotens hangen, über den der Sonnenflimmer oldfunken stiebte, wie dort auf das Aehrengewoge. Da lachte er auf. ringelte sich die Haarlocke um den Finger und zog so Lianens Kopf dichter zu sich heran. Noggenmuhme treibst Du Zauberkünste?" Für Dich möcht' ich's wohl können, Segen über Deine Felder zaubern und Segen über Dein ganzes Leben, Detlef!" Voll Innigkeit seine Hand fassend, schmiegte sie sich dichter an seine Seite. Und da hatte sie eZ wieder gespürt, dieses heimliche Zurückweichen, Abwehren, das sie schon öfters zu empfinden vermeint hatte in Augenblicken, wenn in ihre Zärtlichkeit ein leidenschaftlicherer Impuls kam. War es wirklich so? Und wenn es so war, was sprach daraus zu ihr? Daß er sie weniger liebte als sie ihn selber? Die Möglichkeit des Gedankens kam ihr nicht einmal. Auch daran glaubte sie nicht, daß seine Art in Wahrheit die eines nüchtern fühlenden Mannes sei, der hohe Worte ebenso zu umgehen sucht wie tiefe Gefühlsäußerungen. Nur daß bei ihm die Tiefe seltener zu Tage trat. Doch sie war da und auf ihrem Grunde brannte heiß das Feuer. Sie hatte es gefühlt am Abend ihrer Verlobung. Da war es von ihm zu ihr herübergeschlagen wie wilder Sluthenhauch, vor dem sie fast erschrak. Und jetzt? Lernzeit der Liebe! Sie mußten sich erst hineinlernen eines in's andere. Die scheuzarte Mädchenseele mußte erst hineinwachsen in die große, starke Weibesliebe. Sie athmete tief auf, als wolle sie sich die Seele weiten. Dabei mischte sich in ihren Athem ein moderige? Hauch, den sie zuvor noch nicht wahrgenommen, und wie um sich von demselben zu befreien, stieß sie hastig die eingezogene Luft wieder aus. Ja," sagte Palmer und deutete zur Seite hinüber, wo der Moorgrund sich wie ein spitzer Keil in die Feldflur hineinschoö. Die Sonne zieht wieder einmal aus dem Moor die Dämpfe hoch. Die Mitte versumpft immer mehr. Die ganze Fläche müßte gründlich entwässert werden, dann ließe sich ein werthvolles Stück Land daraus gewinnen. Aber " Mit einem Achselzucken brach er ab. . Liane stand aufrecht in dem langsam fahrenden Wagen und schaute nach dem weit sich dehnenden öden Sumpfmoor hinüber. Aus der bräunlich filzigen Rasendecke starrte struppiges Gras in einzelnen Büscheln empor, die Mitte war bestanden mit hohen Schilfund Vinsenhalmen und von ihnen herüber schien ein Rauschen und Wehen zu streichen wie unheimlicher Stimmenklng, oder als ob schwere Fittiche rast pfeifendem Sausen die Luft durcheilten. Schwebte das Moorgespenst über dem tückischen Grunde und sie vernahm sein Schwingen? Ein Frösteln kam ihr mitten in der sonnigen Gluth. Auch üb'er Palmer hatte eZ sich plötzlich mit lastendem Druck gelegt, und während sein verlorener Blick über
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r Roman ton Sed:nkjz' Grlindimcdtcbicr 4 fe 44 44 ff f4 44 44 4 44 4 44 f' das Moor hinstrich, gingen seine (Äedanken weit ab wieder einmal den alten Weg zu Frau Jutta hin und die alte Frage bohrte und wühlte sich wieder herauf: Wenn Du gewartest hättest nur einen Tag, nur eine Stunde noch gewartet hättest!" Und rechts und links wogten die Aehren und reiften dem Schnitt entgegen und die ihm zur Seite saß und deren zärtlichen Blick er fühlte war seine Braut! Und wenn die Sichel die Felder kahl gemäht, dann sollte sie seine Frau werden. Er fuhr sich über die heiße Stirn, und sich gewaltsam herauszwingend aus der dumpfen Schwere sagte er, von dem Gefühl gedrängt,, daß er ja doch Liane etwas schuldig sei. ihr irgend etwas bieten müsse: Im Kurgarten ist heute Nachmittagskonzert. Wollen wir da uns nachher einmal zeigen?" Viel lieber wäre sie nicht unter fremde Leute gegangen, doch lächelte sie ein frohes Ja, beglückt darüber, daß er etwas thun wollte, von dem er wähnte, es werde ihr Freude machen. Vor dem Kurpark stiegen sie aus uno gmgen Arm m Arm der nicumttJ zu. wo die Musikkapelle spielte und an gedeckten Tischen die Sommerfremden sowie die einheimischen Honoratioren beim Kaffee saßen. Die Augen wandten sich nach ihnen, als sie herankamen, ganz so wie Palmer es sich vorgestellt, daß es einer jungen. Braut vergnüglich sein müsse, wenn sie am Arm des Bräutigams sich zeigte. Er selbst kam sich namenlos lächerlich vor und ging mit gesenktem Blick an den Menschen vorüber, von denen er viele kannte und grüßen mußte. Und wie die Menschen ihn dann musterten, ihn und sie mit Blicken, die allerband svrccken. Er wußte es Liane Dank, daß sie von dem breiten Hauptweg hinüber in eine stille, menschenleere Seitenallee einbog. Nur die Vögel zwitscherten in den Gebüschen und über den hellen Kiesweg tanzten und haschten sich die Sonnenstrahlen. Da fuhr ein schwarzer Schatten in das lichte Getändel. Eine hohe, auffallende Frauengestalt kam um die Wegbiegung herum. Die warf den Schatten in die Sonne. Leicht und wiegend kam sie daher, und doch war etwas in ihrer Haltung und ihrem Gang, als müsse sie tiefe Fußspuren hinterlassen, wo sie geschritten, und der leichte schwarze Seidenmantel, der über ein Kleid von gleicher Farbe herabwallte, flatterte dunkel wie die Flügel eines "Nachtfalters in leuchtender Sommerpracht. Sieh doch, Teiles welch eine wunderbare Erscheinung!" Lianens Worte weckten Palmer aus seinem dumpfen Brüten und im nächsten Augenblicke stürzte eine Blutwelle ihm in's Hirn hinauf, daß er meinte, in der rothen, heißen, brausenden Fluth ersticken zu müssen. Jutta!" Ein Tonnerhall, der ihren Namen dröhnte und doch kein Laut von seinen Lippen. Seine Füße schritten weiter voran, und er hörte es doch unter seinem Tritt, klirren und schleifen die alte Galeerenkette seiner unbefreiten Liebe. Da sagte er laut: Es ist Frau Jutta Gerland, liebe Liane." Die ist es. die " Sie rief's, als habe sie sich bereits ein festes Bild vn Frau Jutta Gerland gemacht, und die Wirklichkeit habe ihr nun dieses Bild verwandelt. Näher schritten sie einander entgegen. Palmer zog den Hut vom Kopfe, über seinem Antlitz lag die Maske starrer Förmlichkeit. Liane aber neigte das feine llöpfchen mit der schweren Haarpracht. Dann standen sie einander gegenüber, und Frau Jutta war es, die das erste Wort sprach. Lächelnd, lindersüßen Klanges wie immer, nur in den Augen ein zuckendes Licht, während sie sprach. Das war früher noch nicht darinnen," dachte Detlef und hatte das Gefühl, als müsse er laut dazwischen schreien, damit er nur ihre Stimme nicht wieder hören mußte, nicht hören mußte, wie nun ihr erstes Wort ein Glückwunsch war zu seiner fröhlichen Verlobung. Ah, sieh da, lieber Hauptmann!" rief sie und streckte ihm die Hand entgegen, völlig gefaßt, vorbereitet auf diesen Augenblick und vorbereitet mit herzlichen, freundschaftlichen Worten: Meinen Glückwunsch zu dem, was sich in Ihrem Leben gewandelt hat. seit wir uns zum letzten Male sahen." Ihr lächelnder Blick schaute auf Liane, kehrte dann wieder zu Palmer zurück und blieb erwartend an seinen Zügen hangen. Kühl und förmlich stellte er, während er Frau Juttas Hand aus der seinen gleiten ließ, die Damen einander vor. Fräulein Liane Halton. meine Braut Frau Jutta Gerland." Frau Jutta, sich gegen Liane vor beugend und ihr, .mit unverhohlenem
Wohlgefallen in das Gesicht blickend, reichte auch ihr die Rechte. Alles Glück auch Ihnen! 'Ich habe mich auf diesen Augenblick persönlichen Kennenlernens schon gefreut, denn vom Anschauen sind Sie mir' bereits bekannt und zwar seit Ihrer Verlobung, der ich so ganz aus dem Hintergrunde, gleichsam als Zaungast, beiwohnte." Ein lächelndes, dankendes Verneigen Lianens. . Palmer rührte sich nicht, nur aus seinen Augen fuhr ein Blick wie ein zuckender Blitz über Frau Jutta hin. die. Liane zugewandt, in bezaubernder Liebenswürdigkeit weiterredete: Ja, ich sah Sie damals. Obwohl ich im Allgemeinen Massenvergnügungen nur wenig liebe, kam mir an jenem Abend in meiner Einsamkeit daheim plötzlich das unwiderstehliche Verlangen, unter die Glücklichen zu gehen. Und mein Verlangen kam auch vollauf auf seine Rechnung, denn ich sah zwei Glückliche." Leicht gegen Palmer den Kopf wendend, lächette sie ihn mit heimlichem Lauern an. Das alte Lächeln! Und das alte Spiel! Wie gellendes Lachen schlug es plötzlich in ihm empor. Narr, eitler Narr, der er gewesen war. einmal bei ihr an Ernst und Wahrheit zu glauben! Lüge und Spiel! Als wär's ein Schild, mit dem er sich decken kenne vor ihr. so rief er sich's zu. Ja. das alte Spiel! Ihr nur prickelnder und reizvoller geworden in seiner neuen Form. Liane hatte irgend etwas gesprochen, er hörte es nicht; erst Frau Juttas Stimme, die ihr Antwort gab, orang wieder in sein Bewußtsein hinein. So waren Sie frühes schon in Lind:?.stedt. kennen diesen Glücklichen hier wohl schon seit Langem?" Ich trug noch Kinderkleider, als wir uns zum ersten Male sahen," entgegnete mit holder Anmuth Liane. Frau Jutta wiegte d?n Kopf wie nach einer unhörbaren Melodie. Also eine alte Liebe!" Von meiner Seite eine ganz alte " leichtes Errötben auf hm TOgen. in den Augen aber all ihre strahlende Liebe, blickte Liane Detlef an. Frau Jutta lachte. Ein leise girrendes, wie entzücktes Lachen. Erste Liebe beste Liebe! Sie Beneidenswerther, der so sie fand, die Erste Beste!" Als sei die kosende Stimme ein sausender Peitschenhieb, der ihn getroffen, so zuckte Palmer auf. Frau Jutta aber sagte abschiednehmend voll dringlicher Herzlichkeit: Auf baldiges Wiedersehen! Lassen Sie mich nicht zu lange darauf warten, lieber Freund, daß Sie Ihre reizende Braut mir bringen, sonst" mit einer besitzergreifenden Geberde streckte sie nach beiden Seiten die Hände aus hol ich sie mir eines Tagest mit Gewalt." Die wird bei mir nicht nöthig sein. Ich komme nur zu gern, wenn Sie mich wollen, gnädige Frau," rief Liane, von Frau Juttas Art bezaubert, und drückte die ihr dargereichte Hand. Also auf Wiedersehen!" wiederholte nochmals Frau Jutta, die andere Hand, die Palmer zu ergreifen keine Miene machte, noch näher ihm entgegenhaltend. Da hob sich langsam sein Arm, starr streckten sich seine Finger und kaum die Spitzen der ihren berührend, neigte er sich tief darüber und sagte unbewegten Tones: Gnädige Frau sind gar zu liebenswürdig!" Dann trat er einen Schritt zur Seite und ließ Frau Jutta Mischen sich und Liane hindurch des Weges weiter gehen. Sie machte ein paar rasche Schritte, dann wandte sie sich mit schneller Bewegung noch einmal um und nickte lächelnd zurück. Unter dem tief überschattenden schwarzen Hute hervor leuchtete ihr weißes Gesicht wie eine geheimnißvolle Verheißung. Danach ging sie in gleichmäßiger Ruhe weiter, und die kurze Schleppe ihres schwarzen Kleides streifte raschelnd über den Kies des Weges. Wie schön sie ist!" In fast begeisterter Bewunderung rief es Liane. Ja. sie ist schön!" Detlef Palmer sagte es und seine Stimme klang in seinen Ohren, als komme sie aus weiter Ferne herüber. Und Du kennst sie, verkehrst mit ihr seit Jahren schon, und mich mich liebst Tu. Detlef und mich hast Du Dir erwählt!" Ja Dich hab' ich mir erwählt." Dann schritten sie schweigend dem Gartenausganz zu. Palmers Fuhrwerk stand noch vor dem Kurpark. Als er dasselbe erblickte, kam ihm ein befreiendes Aufathmen. Wirst Du mir verzeihen. Liane, wenn ich mich hier von Dir verabschiede und Dich allein heimfahren lasse? Ich möchte noch gerne " . Sie war ihm schon in's Wort gefallen und. strebte ihm beide Hände hin. Leb wohl, Detlef! Um mich sollst Du Dich nicht versäumen in nichts. Als Kette sollst Du mich nie empfinden." Ihr scherzendes Lachen schnitt in ihn hinein, er vermochte es nicht, ihrem Blicke zu -begegnen, preßte nur stumm ihre Hände und hob sie in den Wagen. . Dem davonrollenden Gefährt starrte er nach wie geistesabwesend. Was war denn geschehen was brachte ihn so aus allen Fugen? Frau Jutta, war heimgekehrt und sie waren einander begegnet. Und ja. das war's das konnte er nicht! Kein zu dreien! Dem war er nicht ge-
wachsen. Das wollte er auch nicht! Da hinein sollte sie ihn nicht zwingen. Freie Bahn soll sie ihm geben und aus seinem Wege gehen! Das will er ihr sagen ja, das will er, daß es ihm Ernst ist mit dem, was er in Trotz und halbem Wahnsinn gethan, daß er kein frevelndes Spielen duldet mit einer, die ihm vertraut. Detlef hat nicht nöthig, sich bei Frau Jutta melden zu lassen. Er sieht sie auf der Glasveranda stehen, zu der vom Garten aus die Stufen emporführen. Lächelnd blickt sie ihm entgegen, als habe sie ihn erwartet. So erwidert sie auch seinen stummen Gruß. Ihr Lächeln aber erlischt bor dem unbeweglichen Ernst in seinen Zügen, und sie schreitet ihm voran in das an die Veranda angrenzende Zimmer hinein. Hier träumt müder schwerer Nachtoiolenduft. Müde und schwer hat sich Frau Jutta in einem der kunstvoll geschnitzten Stühle niedergelassen.- Gr rade über ihrem Haupte züngelt ein Schlangenkopf, und Palmer starrt zu ihm hinauf, als ob er es sei. zu dem er zu reden habe. Doch die Worte liegen in ihm wie Blei. Alles, was er ihr hat sagen wollen, entgleitet ihm plötzlich vor der-überlegenen, wartenden Ruhe dieser Frau mit dem unverletzlichen Machtbewußtsein.' Da bricht sie selbst das Schweigen. Ich nehme an, Sie wünschen etwas ganz Besonderes von mir. lieber Freund, bafc Sie es vorzogen, ohne Ihr reizendes Bräutchen zu mir zu kommen." Das klingt so einfach, so natürlich, als wäre es vor hundert Zeugen gesagt. Ihm aber stößt die Furcht, eine lächerliche Rolle zu spielen, beinahe brüsk von den Lippen: Warum denn jetzt unter vier Augen nicht ehrlich zueinander? War's noch nicht genug des unwürdigen Komödienspiels da draußen zu dreien?" Sie bleibt stumm, regungslos, die Arme auf den beiden Seitenlehnen des Stuhles ausgestreckt, den Kopf leicht geneigt, die Züge im Schatten. Palmer empfindet ihr Schweigen wie ein leises Thüröffnen zu d:m, was wahr in ihr ist. Davor weicht seine Erbitterung und nur das schmerzvolle Fragen bleibt zurück: Hatte es wirklich so zwischen ihnen kommen müssen, wie es gekommen war? Gegen den Tisch gelehnt, steht er und sieht sie an, als ihre Augen sich zu den einigen heben. Dabei huscht wieder das heimliche, wissende Lächeln um ihre Lippen. Haben Sie vorhin an der Aufrichtigkeit meiner Glückwünsche gezweifelt, oder was hatten Sie sonst an unserer erfreulichen Begegnung auszusetzen?" Starr ruht sein Blick noch immer auf ihrem weißen, schönen Gesicht, dann nickt er plötzlich zu dem, was in ihm ruft: Ja und tausendmal ja. es mußte so kommen er hatte das End: machen müssen! Aber daß er nun zu ihr gegangen, um wie ein Schuljunge zu betteln: hilf mir. die Aufgäbe löse ich nicht allein! das war eine Dummheit gewesen, die Frau Juttas Spott verdiente. Doch sie spottet nicht mehr, sondern ändert plötzlich den Ton, als habe sie seine Gedanken gelesen. Was wollen Sie eigentlich, lieber Freund? Warum machen Sie sich Kopf und Herz schwer? Denn Sie thun es doch! Wäre es anders, hätten Sie mir gar nichts mehr zu sagen. Sie aber haben mir allerHand zu sagen. Als ob das nöthig wäre! Als . ob so Verwunderliches geschehen wäre. Sie haben sich verlobt! Gut das war vorauszusehen bei Ihrer unruhvollen Natur, die" wieder spielt eine feine bewegliche Linie um ihre Mundwinkel wohl gern einmal ein Buch vor dem Schlußkapitel zuklappt, um ein anderes zu beginnen. Also da verlobten Sie sich an jenem Abend, griffen blind oder vielleicht auch nicht blind, was weiß ich in die Schicksalsurne hinein, hatten rasendes Glück, zogen die verkörperte Liebe und' nun und ich brachte Ihnen heute meine Glückwünsche dar, Ihnen und ihr.' Tas mußte einmal sein., nicht wahr? Sie aber werden Hochzeit seiern, ein braver Ehemann werden, und anstatt wie früher allein, künftighin mit Ihrem blonden Frauchen meine Gasiabende verschönen. Tas ist doch alles so cinsach, lieber Freund!" Er hat sie schweigend zu Ende sprcchen lassen. Jetzt greift er nach seinem Hute, der neben ihm liegt, und steif: Sie haben recht, gnädige Frau, das alles .ist vielleicht einfach. Aber einem komplizirten Menschen, wie ich nun einmal einer bin, werden Siebes gütigst verzeihen, wenn er sich vorläufig noch zu wenig der Ehre Ihre? Freundschaft würdig fühlt, um dieselbe annehmen zu dürfen." Da erhebt sie sich mit einer ungeduldigen Bewegung. Sie sind thöricht mit Ihrer Tragik!"
(Fortsetzung folgt.) Die 200.jährigeJllbel. feier der fürstlich Furstellbergischen Brauerei ist in Donaueschittgeu unter großer Betheiligung von nah und fern begangen worden. Es fand ein glänzender Festzug statt. Der ürst machte aus Anlaß der Jubelfeier eine Stiftung für Arbeitervcrsorgung von 100,000 Mark. Zum Rector Magnisicuö der Berliner Universität wurde Geh. Regierungsrath Professor Dr. Hermann Diels gewählt.
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Und was, Herr Professor, ist wohl nach Ihrer Meinung das Werthvollste an dem Gemälde meines Gatten: die Technik, die Zeichnung, oder die Auffassung des Ganzen?" Professor der Malerei: Die Einfassung" des Ganzen, meine Gnädigste."
Heimgezahlt. Der Herr mit der Glatze : .Mit was für einem Sport soll ich meine freie Zeit ausfüllen?" Der Herr mit derrothen Nase: Photographiren Sie ! Eine Platte haben. Sie ja schon!" Gut, und Sie können mir dabei helfen, Sie haben das rothe Licht." Vorsichtige . Gauner. Was hast Du denn da?" Eine Auskunft über den Privatier Maier!" Willst Du vielleicht gar seine Tochter heirathen?" Nein, aber einbrechen möchte ich bei ihm!" Richtig. Haben denn die Bergleute auch einen Schutzpatron?" .Natürlich, sogar drei, Sankt Michael, Raphael und Gabriel." Warum denn gerade die?" Nun, das sind doch die Erzengel." Entsprechend. Eommerzienrath : Herr Bildhauer, ich hab' Sie kommen lassen. weil ich mer möcht' machen lassen a Statue vom Rasenden Roland" für mei' neien Schloßgarten." Bildhauer: Ach, Herr Commerzienrath, das ist ja ein herrlicher Vorwurf! Haben Sie irgend einen Wunsch soll ich ihn zu Pferd " Commerzienrath: Aber wo denken Sie hin im Automobil natürlich!" Ehelicher Zwist. Sie (aus reichem Hause): Ich hätte Dich nie geheirathet, aber meine Eltern haben mich zu dieser unseligen Heirath getrieben!" Er (verschuldeter Lebemann, von hoher Geburt): Und ich hätte Dich nicht geheirathet. aber mich haben meine Gläubiger dazu getrieben!" Aus Erfahrung. .Ack. Vava. es ist sckrecklick. ick bin schon vierundzwanzig Jahre alt!" I Na. sei nur ruhiq. an Deinem nächsten Geburtstag wirst Du schon jünger werden!" Zurückgezogen. Fremder: Ich suche für einige Tage ein Privatzimm.er zu miethen, hätten Sie viel-' leicht etwas frei?" Hausfrau: Allerdings, aber nur ein Zinrn' mit zwei Betten und das möchten? wir doch lieber an ein Ehepaar vermiethen." Fremder: Dann entschuldigen Sie. heicathcn will ich wegen der paar Tage doch nicht!"
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Sebr einfach. Lehrer (zu den Kindern): Ihr verwechselt immer gestern und morgen, jetzt paßt mal auf: Vorgestern war gestern gestern und vorgestern heute; gestern war vorgestern morgen und gestern heute; heute war vorgestern übermorgen und gestern morgen und ist morgen gestern und übermorgen vorgestern; morgen ist übermorgen gestern und war gestern übermorgen; übermorgen ist morgen morgen und übermorgen heute. Da gibt's doch keinen Irrthum! Borsichtig.
. . . Warum sind Sie denn Ihrem früheren Weinlieferanten untreu geworden?" Aus Vorsicht. Der hat sich einen anderen Arzt genommen, einen NaturHeilarzt, der alles mit Wasser kurirt und da trau' ich ihm nimmer!" Hyperbel. Äast (zum Wirth nach dem ersten Schluck): Donnerwetter. das Bier ist ja so kalt, wie wenn ein Eisbär darin gesotten worden wäre!" Ihm k a n, n 's egal sein. Sie: und am Ende des JahrHunderts wird die Frau, alle Rechte haben, um die sie heute noch kämpft." Er: Mir egal." Sie: So? Ist daö alles? Hast Du mir nicht bereits erklärt, daß ich Dich überzeugt habe? Ist es Dir wirklich egal?" Er: Ja! Bis dahin bin ich todt!" Auch etwas. Gast (zum Weinwirth): Ist der Wein, den Sie mir da empfehlen, auch wirklich gut?!" Wirth: Das will ich meinen . . . in dem Fasse, wo er d'rinn' ist. da war früher sogar einmal Rüdesheimer d'rinn!" Protzig. Herr:. Für fünftausend Mark haben Gnädige dasBild erstanden? Das ist sehr' billig! Dame: Nun, es soll ja auch nur für's Vedientenzimmer sein!" Bedenklicher Auss p r u ch. A. (zu B., der berauscht ist und den er nach Hause führt): WaZ wird aber Deine Frau sagen, wenn sie sieht, daß ich Dich in diesem Zustand nach Hause bringe? B. (lallend): O meine Frau weiß schon daß ich heute heute Abend mit mit einem Assen tjrnme." Ter Pedant. Professor (zum Zimmermädchen. das den Globus abstäubt und dreht): Aber, Mina. Sie machen doch alles verkehrt; die Erde dreht sich doch von links nach rechts!"
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