Indiana Tribüne, Volume 29, Number 13, Indianapolis, Marion County, 7 September 1905 — Page 6

Jttdiana Tribüne, 7. Septentber 1905

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Europäische Nachrichten.

Freie Städte. Q a m b n r a. Vom Anleastea? bei Winterhude stürzte der fünfjährige CXr, K2 CCrfsrtlTorR ?tt2 Wns Nm V 4 4 W-V v vw v v . v fr- w fcr. Die siebenjährige Schwester wollte ihn retten, fiel aber hierbei gleichfalls hinein. Hinzueilenden Personen aeIcrna, es, den Knaben zu retten, wäh rend das -tapfere Mädchen als Leiche aus dem Wasser cticatn wurde. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich beim Wellmgsöutteler Hos. Der Arbeiter August Tunn wurde beim Brunnenbohren verschüttet. Er war durch eine Treibsandschicht gekommen. die uder :yn zusammenstürzte. Der Verschüttete mußte elendiglich ersticken; er hinterläßt zwei unmündige Kinder. Kürzlich war die fünfjährige Tochter : Martha der EyeleuteDethjens, Rademachergang 39, allein in der Wohnung. Beim Spielen in der Küche riß das Kind einen Topf mit kochendem Wasser vom Herd und verbrühte sich am ganzen Körper. Am Bau verunglückt ist der Tischler Johs. Hoym aus Wandsbeck. Für den Forcht schen Neubau an der Barmbeckerstraße in Winterhude wurden neue Z?enstergestelle geliefert, die auf einem Wagen aufgestapelt waren. Bei der llnsayrt in den Neubau stieß der schwerbeladene Wagen an die Ecke einer Mauer; durch die Erschütterung gerieth die Ladung ins Rutschen und siel aus den Trschler, der am Hinteren Theil des Wagens nachschob. Der Verunglückte erlitt schwere Quetsckunaen und einen doppelten Bein- und Knöcheloruch. Bremen. Die Krieaer-Kamerad-schaft feierte dieser Taae ihre 25jährige Jubelfeier und dazu ihre Fahnenweihe. Das Jubiläum frei zusammen mit dem VerbandZfest des Bremischen Landeskrieaerverbandes. Vor eini ger Zeit begingen die Eheleute Hermann Mester und Sophie Mester. geb. Müller, in Lankenau das seltene Fest oer aoioenen Hochzeit. Beide und noch sehr rüstig. Mester ist. am 73. und Frau Mester im 78. Lebensjahre. Möge es dem Ehepaar vergönnt sein, noch viele glückliche Tage zu verleben. Lübeck. Ein größeres Feuer entstand im Lsgersveicher von Eduard Halle in der Breitenstraße, wodurch das dichtgebaute Viertel der Geaend stark bedroht war. Die in dem Speicher lagernoen großen Vorrathe boten dem Feuer reichliche Nahrung, doch gelang es. das dort aufbewahrte Pulver noch rechtzeitig zu entfernen. Der Schaden dürfte nicht gering sein. Die intstehungsursache des Feuers ist unbekannt. Schweiz. Basel. Der Oberbetriebsn.spektor der badischen Bahnen mit dem Amtssitz Basel. Regierungsrath Nebmann, ein Bruder des Oberschulraths und früheren Reich-stagscandi-daten, ist nach längerem Leiden, 62 Jahre alt, gestorben. Unter seiner Leitung stand zuletzt ir Umbau des hiesigen badischen Bahnhofes. Fla matt. Vor Kurzem ist hier die Handelsmühle von Louis Nußbäum, total nied gebrannt. Die Mühle ist bei der Jmmobiliarverstcherungsanstalt des KantonS Freibura für 124.000 Francs versichert. Mobiliar, Maschinen und Vorrathe sind bei der Schweizerischen , Mobiliarverstcherungsgesellschaft sur 85.000 Francs versichert. Nid au.. Kürzlich wurde hier ein Mann mit Namen Schläppi erschossen aufgefunden. Die Polizei nahm eine Verhaftung vor, die mit diesem Vor fall im Zusammenhang sieht. Neu - Solothurn. Vor Kurzem verunglückte auf dem hiesigen Bahnhof der Weichenwärter Ernst Viber, indem er beim Ueberschreiten des Geleises von einer Lokomotive überfahren und so schwer verletzt wurde, daß nach kurzer Zeit der Tod eintrat. Sankt Stevban. Vor Kurzem ging die Sägerei des Großraths Wälti auf dem Moos' in Flammen auf. Rasch eilten die Spritzen und Mannschaften der umliegenden Gemeinden auf die Brandstätte. Ihren unausgesetzten, eifrigen Anstrengungen.aelana es weniastens die beiden Wohnhäuser, ein älteres und ein sehr großes, ganz neues Mit angebauten Stallunaen und Oekonomieaebäuden zu retten, alles andere fiel dem rasch um sich greifenden Feuer, das rn dem vielen Holzwerk reiche Nahrung fand zum Opfer. Zürich. Der Maschinenschlosser lstuclli, em Wurttemberger. erschlug mit dem Beil seine Frau, mit der er erst kurze Zeit'verheirathet'war. und suchte dann durch einen Sprung au dem Fenster selbst den Tod. Hesterreich'F(ngarn. Wien. Der hier plötzlich gestorbene Großindustrielle Dr. Carl Kellner beschäftigte sich mit den verschiedensten chemischen Problemen. Seine Versuche führten zu manchen wichtmen Entde ckungen. Er erfand ein Verfahren, aus Holzstoffen Papier herzustellen, das Sulfit - Celluloseverfahren, sowie das elektrotechnische Bleichverfahren" und beschäftigte sich viel mit erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeiten. Der 39jährige Mechanikergehilfe Josef Ha nek wurde, als er mit seinem fllnfjährigen Sohne den Mariahilfergürtel.

Eöe der Gumpendorferstraße. ii&er schreiten wollte, von einem Motorwagen der städtischen Straßenbahnen

niedergestoßen. Joses Hanek erlitt eine Gehirnerschütterung. Rißquetschungen am Hlnterhaupte, im Gesichte und Ru6en, sowie Contusionen an den Händen und am rechten Oberschenkel. Der Knabe erlitt eine Nervenerschütterung und mehrfache Hautabschürfungen' im Gesichte, an der rechten Kopshalfte und am Körper. Unlängst schoß sich der 27jährige Privatbeamte Franz Hanauer in einer Restauration am Gra ben aus einem Revolver eine Kugel in die rechte Schlafengegend und verletzte sich gefährlich. Franz Hanauer hat die That wegen unglücklicher Liebe verübt. Vor Kurzem schoß sich der Einjäh-rig-Freiwillige des Infanterie-Regi ments No. 72 Albert Knopfelmacher eine Kugel aus seinem Dienstgewehr in die linke Brustseite. Die Kugel drang zwischen der fünften und sechsien Rippe m die Brust und führte den sofortigen Tod herbei. Dieser Tage hat der Starhembergsche Forstmeister Carl Geyer sein 60jähriges Dienstjubiläum gefeiert. trug. Wahrend eines über die hiesige Gemeinde niedergegangenen Gewitters fuhr ein Blitzstrahl in das Anwesen des Kaufmanns und Grundbesitzers Vinzenz Schwab und zündete. Dem hierdurch entstandenen Brande fielen eine Scheuer sowie ein Vorathsschuppen zum Opfer. G r a z. Kurzlich feierte der Postamtsdirektor Josef Wichera sein 50. Dienstjubiläum. Wichera wurde im Jahre 1836 in Gastorf geboren. Der zweiundzwanzigjährige Photograph Heinrich Feddern aus Hamburg wurde hier wegen Mordes an der Quartierfrau Hoefler, mit der er ein Verhältniß unterhielt, von den Geschworenen einstimmig zum Tode durch den Strang verurtkeilt. Hermanitz. Kürzlich hat die Ehegattin bei Häuslers Kuzmik ein Kind mit Zwei Köpfen zur Welt gebracht. Das Kind ist todt, die Mutter befindet sich wohl. Jungferndorf. Dieser Tage beging der hiesige Pfarrer ErnstWotke sein 40jähriges Priesterjubiläum. Molostowitz. Hier ist dieser Tage die 57jährige Marie Brauner von einer Leiter herabgefallen und hat einen rechtsseitigen Rippenbruch erlitten. Sie wurde in die hiesige Landeskrankenanstalt gebracht. N e u d o r f. Ein dem Grundbesitzer Anton Machat gehöriger Schuppen mit Holzvorräthen ist niedergebrannt. T e p l i'tz. Kürzlich begina der hier zur Kur weilende Abt des Benediktincrstifte Melk, Alex. Karl, den 30. Jahrestag feiner Wahl zum Abte des genannten Stifts. ' Luxemburg. Luxemburg. Kürzlich versammelte sich die hiesige Anwaltschaft, um zur Wahl ihres Disziplinarrathes zu schreiten.. Es hatten sich 31 Rechtsanwalte erngefunden. Herr Adolf Schmit wurde mit 21 Stimmen gegen 10 wei ße Zettel zum Batonnier gewählt. Zu Mitgliedern des Disziplinarrathes wurden gewählt die Rechtsanwälte Flor. Schmit mit 21, Rob. Brasseur mit 18. Elter mit 18, Bech. Risch und Emil Bastian mit je 17 Summen. E h n e n. Johann Linster von hier, ehemaliger Schuler der Handwerker schule zu Luxemburg, hat an der Ecole desArtes decoratives zuParis, Ober - Abtheilung, Section des Artistes, den zweiten Preis nebst Medaille sowie :m Concours annuel" den 1. Accessit erhalten. S t a d t g. r u n d. Als der Arbeiter Joh. Bapt. Steffen, 64 Jahre alt. aus Stadtgrund, in der Handschuhs brik Reinhard beschäftigt war, einen Sack mit Ziegenhaaren zu füllen. wurde er vom Schlage gerührt und war sofort ein Leiche. EinFallvonseltener Ehrlichkeit wird aus Kentuckn berichtet. Im Jahre 1857 hatte W. A. Palmore in Hunters Valley bei Glasgow dem Martin Skaggs aus Edmonson County P180 geliehen. Skaggs war ein sehr junger Mann und trat beim Beginn des Bürgerkrieges rn die Armee. Palmore erfuhr, Skaggs sei gefallen, und gab das Geld auf, untersuchte auch die Sache nicht weiter Schließlich vergaß er sie ganz. Vor einigen Tagen nun oesanv um Bai more in Brownsville und wurde dort Skaggs zufällig vorgestellt. Diese erkundigte sich eingehend bei ihm und erklärte schließlich, er schulde ihm ja noch $180 UN5 die Zinsen feit 1857 Palmore hatte die Sache dergestalt verge en,Lan er zuerst meinte. Skaaa irre sich, er kenne ihn nicht. Dieser aber erklärte, er habe das Geld schon bereit und bezahlte Palmore schließlich $698, die Schuld und sechs Prozent Msen auf 48 Jahre! ' ;as eln arcven wer d e n w i l l. . . Lehrer: Welchen Nutzen bringt uns die Naturgeschichte? Mo xm 40 Prozent Lebrer: W e mein st Du denn das? Moritz: Nu, der Va ter kooft se mit sechzig Fennje un ver kooft se mit 'ne Mark! Ausredenlassen. .Lie ber Edgar, durch den Concurs meines Vaters sehe ich mich gezwungen, unser Verlobmß zu tosen." Wie edel ge dacht Du hast recht, meine Liebe. . Ja ' und Papa meint auch, i tonnte jetzt eine bedeutend besse Partie machen!

Der Tleb.

Bon Wendla Rosen. In tiefer Finsterniß lag der Raum. Der Regen schlug stoßweise gegen daS Fenster, der Sturm pfiff leise, dann lauter und immer lauter, bis er endlich von dem herausrollenden Donner übertönt wurde. , Mit einem tiefen Seufzer richtete Helene sich in die Höhe : jedesmal, wenn sie im Begriff war, einzuschlafen, wurde sie von dem Tosen des Wetters auf's Neue aufgeschreckt. Merkwürdig, wie nervös sie geworden war, hier in diesem vornehmen Erholungsort, wo sie Unterhaltung und Zerstreuung zu finden gehofft hatte. Kam es daher, daß sie so allein gebiteben war unter dem eleganten Pubukum. Manchmal schien es ihr, als hätten die Menschen eine Scheu, sich ihr zu nähern und dennoch dürstete sie seit Jahren nach einem freundlichen herzlichen Wort und dennoch sehnte sie sich mit jeder Fiber nach dem, was die Menschen Glück nennen. Sie stützte den Kopf in die Hand und sah mit brennenden Augen hinein in die Dunkelheit. War sie mit ihren 23 Jahren denn wirklich schon so alt, daß sie kein Anrecht mehr hatte auf die Freuden des Lebens? Was nutzte ihr ihr Vermögen, ihre Unabhängigkeit, wenn sie glücklos allein durch's Leben gehen mußte. Der Halbschlummer senkte sich hernieder und schloß ihre Augen, die Gedaliken begannen sich zu verwirren sie hörte ganz leise wie aus weiter Ferne ein dumpses Rollen, das sich verlor und dann wieder näher kam. Plötzlich fuhr sie erschreckt empor. Ein furchtbarer Donner krachte und gleichzeitig tobte der Sturm mit einer solchen Wucht gegen das Haus, als wollte er es emporheben und die Wände zerschmettern. Und da war es Täuschung? Helene richtete steh mit einem jähen Ruck in die Höhe. Ein anderes, fremdartiges Geräusch es tönte aus dem Nebenzimmer herein wie menschliches Regen leise dumpf jetzt ein Ton, als Ware ein Stuhl nur wenig, aber plötzlich von der Stelle gestoßen. Und sie hörte es mit geschärften Sinnen ein Schritt leise vorsichtig aber er kam näher und immer näher. Sie wollte ausschreien, doch der Ton erstarb ihr in der Kehle, ihr Herz hämmerte, daß sie seine Schläge zu hören glaubte und in ihrem Korper suhlte sie eine Starrheit,, daß ste keine Bewegung machen konnte. Mit weit geöffneten Asgen starrte sie einige Augenblicke wie leblos in den Raum da kehrte ihre Besinnung zurück, ihre Hand tastete nach den Streichhölzern, dann ließ sie sie stehen, erhob sich ohne jedes Geräusch von ihrem Lager, warf ein Kleid über und blieb auf dem Bettrand sitzen. Ihre Zähne schlugen aneinander, doch mit aller Willenskraft beherrscht ste stch. Mit vorsichtigen Schritten, fast schleichend, bewegte sich etwas vorwärts, hielt eine Sekunde lang inne, dann kam es näher näher und nun Helene faßte mit einer jähen Bewegung nach dem Herzen, ihre Augen weiteten sich sie preßte die Hand auf den Mund im Rahmen der Thür stand ein Mann. Sie öffnete angstvoll den Mund, als müßte endlich ein Schrei ihre grausige Angst auslösen, doch sie brachte keinen Ton hervor. Regungslos saß sie da, ihre Augen, die stch an das Dunkel gewöhnt hatten, beobachteten scharf die Umrisse semer hohen Gestalt, und ihr Hirn arbeitete fieberhaft. Wer war der Fremde, was wollte er von ihr, wollte er ste berauben ermorden? In ihrem namenlosen Entsetzen glaubte sie, einen Revolver in seiner Hand blitzen zu sehen. Für einen Moment verließ ne wie der die Besinnung, das Zimmer, schien sich mit ihr im Kreise zu drehen, rothe Funken tanzten vor ihren Augen, die sich allmählich in gelbe, schwingende Kreise auflösten. Jetzt kam er näher, trat an den kleinen Tisch, auf dem die Juwelen lagen und rührte stch mcht mehr. Und nun zuckte ein Blitz herein, flammend roth, sekundenlang anhal tend, als öffnete sich der Himmel. Mit einem Blick hatte ste seine Gestalt um faßt, hatte ste gesehen, daß seine Kleidung nicht die eines Einbrechers war, daß sein Gesicht einen intelligenten, aber' ängstlichen, düsteren Ausdruck hatte. Da kam eme plötzliche, ganz un motivirte Ruhe über ste; ste tastete nach dem Tisch ein Streichholz flammte auf, bald darauf brannte die Kerze. Der Mann an dem Tische machte eine Bewegung, als ob er vornüber hinstürzen wollte, dann hielt er sich mühsam fest und nur die Augen leuchteten seltsam starr aus dem leichenhaft bleichen Gesicht, als Helene jetzt hoch aufgerichtet vor ihn hinirat: Was was ? brachte sie muh sam hervor, und es war ihr, als sei es gar nicht sie, die das Wort sprach, so dumpf und fern klana.ihr ihre eiaene Stimme. Wortlos sahen sie sich eine Weile an, er mit scheuem Blick, sie prusend und fragend. Plötzlich tönte es von der Wand her, murmlnd, . wie ein erstickter Ton: Verzeihen Sie mir Sie antwortete nicht, sondern blick te ihn noch immer schweigend an, jede Bangigkeit war von ihr gewichen. Sie fühlte nur das Sonderbare, das Un-

gewöhnliche des Augenblicks, und in ihrer Seele regte sich etwas wie Neugierde, wie ein Interesse für das Problem, das da lebendig, bleich und voll tiefster Verlegenheit vor ihr stand. ' Sie haben sich in der Thür geirrt?" fragte ste endlich, scheinbar gleichgül-tig.

Nein," antwortete er leise, aber stst. Ueberrascht hob sie den Kopf. Eimge Sekunden herrschte wieder tiefe Stille. Dann sagte er langsam, m seinem bisherigen dumpfen Ton: Ich wollte Sie bestehlen." Mich bestehlen?" wiederholte sie fast mechanisch. ..Nickt gerade Sie, wer es eben war. hier wohnte. Ich wußte es nicht. Ich setzte voraus, daß ich etwas finden wurde. Und einige Augenblicke, nachdem ich gekommen war, öffneten Sie schon die Thu?. Ich fluchtete mich ins Nebenzimmer, versteckte miaund wartete, bis ich glaubte, daß Sie schliefen." Warum sagen Sie mir das?" fragte ste nach einer kleinen Pause. Ich weiß es Nicht, antwortete er mit mattem Ton. Ich glaube, ich muß es sagen. Ja ich wollte stehlen aber ich bin kein Dieb ich habe es nie gethan . Verzeihen Sie, daß ich Sie erschreckt habe . Wenn Sie jetzt Leute rufen wollen und mich der Polizei übergeben " Nein." sagte sie ruhig, gehen Sie!" Er löste sich langsam von der Wand los und machte eine Bewegung, als wollte er in das anstoßende Zimmer schreiten, dem Ausgange zu. Da regte sich plötzlich etwas in ihr, etwas ihr Unverständliches, etwas wie Mitgefühl, und ohne daß sie es hemmen konnte, fragte sie rasch: Wenn Sie es noch nie gethan haben warum warum? " Er blieb stehen und wandte den Kopf ab. Die Noth." sagte er leise. Dies oder Selbstmord! " Aber " wandte sie ein. Er lehnte wieder müde an der Wand. Ja, ich weiß, wenn ich auch nichts genommen habe, bin ich trotzdem ein " er unterbrach sich, fuhr aber langsam fort: Ich wohne hier in diesem Hotel seit drei Tagen. Ich wollte hier mit einem Freunde zusammentreffen, der mir geholfen hätte. Da telegraphirte er. daß er nicht kommen könne. Und jetzt bin ich ohne Geld ohne Ausweg ich kann mein Hotel nicht bezahlen nicht Weiterreisen verloren, so oder so Sie betrachtete ihn jetzt noch scharfer. Seine Kleidung verrieth den Mann der besseren Stände, sein bleiches Gesicht trug den Ausdruck eines gebildeten Menschen. In ihrem Herzen krumpfte sich etwas zusammen. Was sind Sie? Welchen Beruf?" fragte sie plötzlich. Ingenieur," antwortete er. OhneStelle ohne Beschäftigung ?" fuhr sie fort. Ich habe mich in der letzten Zeit mit einer Erfindung beschäftigt, alles, was ich hatte, ging drauf ich hoffte mein Freund " Und stehen Sie denn allein da ohne andere Hilfe Eltern Verwandte?" Allein ganz allein!" Sie erhob sich von ihrem Sitz und schritt an - ihm vorbei zum Fenster. Eine Weile blickte sie hinaus m die dunkle Nacht. Aus der Ferne tönte das Rauschen des erregten Meeres und der Regen schlug an die Scheiben, Tropfen um Tropfen. Und dorthin zum wildschäumenden Meere mußte der Mensch hinaus, der jetzt hinter ihr stand, hinaus, um nie mehr zu den Lebenden zurückzukehren oder zum Verbrecher werden . Nein, es darf nicht sein," sagte sie sich. Bin ich nicht auch einsam und verlassen, wie er : nur. daß ich nicht Noth leide. Und wenn meinNcichthum nicht wäre?" Sie dachte den Gedanken mcht zu Ende. . Sie werden jetzt gehen?" fragte sie, ohne den Kopf nach ihm zu wenden. Er antwortete nicht; sie hörte nur, wie sein Körper sich regte. Wohin?" fragte ste wieder rasch und fast schroff. Er blieb stehen und blickte zu Voden. Es ist doch alles vorbei, es ist doch alles gleichgültig." murmelte er.Und Ihre Erfindung? Ihre Zukunft?" Er machte eine Geberde verzweifelter Resignation. Zukunft!" wie' ein Echo hörte es sich an, so leise sprach er. Wenn ich nicht ein Ende mache morgen läßt mich der Hotelier verhaften ich kann ja nicht zahlen also lieber das Ende." Sie blickte ihn fest an, als wollte sie seine Gedanken hinter seiner Stirn lesen. Dann sagte sie langsam, mit einer gewissen Trockenheit, als wollte sie zeigen. daß ihr Gefühl nicht dabei betheiligt sei: Ja vielleicht wäre es etwas . Ich habe ein gewisses Interesse an Erfindungen gerade an den Erfindungen, die auf diesem Gebiete gemacht werden ich möchte Ihnen helfen ich meine natürlich ich will Sie aus Jh. rer Lage befreien, um Ihnen die Vollendung Ihrer Aufgabe zu ermögli chen Ein dumpfer Schrei, ein unartiku-

lirter Ton, daß sie zusammenschrak. Im nächsten Moment lag ein Körper neben ihr, in sich zusammengebrochen, zwei Hände hielten ihre Hand, und sie fühlte, wie Thräne um Thräne darauf fiel. Stehen Sie auf." sagte sie erschüt-

tert und ganz leise. Sie machte ihre Hand frei und entfernte sich etwas von lbm. Sie fühlte, wie chr etwas vom Herzen in die Kehle stieg, wie sich etwas Feuchtes in ihr Auge drängte. was sie nicht zeigen wollte. Nun huschte sie zur Tbur. öffnete sie leise, blickte hinaus und schloß sie rasch wieder. .Sie müssen ietzt gehen," sagte sie fast befehlend. Und kommen Sie morgen Vormittag wieder morgen Vormittag ." Die Thür fiel hinter ihm zu. Helene horchte auf seine stch entfernenden Schritte. Plötzlich griff ste mit einer unwillkürlichcn Bewegung an .ihr Herz. Es klopfte in seltsam raschen Schlägen schneller als es seit Langem geklopft hatte. Gesundheit und Zeitvertreib. Auf den ersten Blick erscheint es. als ob zwischen diesen beiden Begriffen kein besonderer Zusammenhang bestehe. und doch sind ste sehr innig mit einander verbunden. Nichts vermag die Lebensgeister ss niederzudrücken, als ein ewig gleichmäßiges, schablonenhaftes Leben ohne Abwechslung. Wir alle vergegenw'ärtigen uns- viel zu wenig, daß eS noch eine ganze Menge anderer Krankheitsvorbeugungs- und Heilmittel giebt, als Pillen und Mixturen, ja selbst als die schönste Wasser- und Luftkur, wenn solche gar zu einseitig, ohne eigenes Nachdenken vollführt wird. Auch der Geist will Nahrung und Auffrischung haben, damit die gesunkenen Lebensgeisier stch heben, und demzufolge auch die körperliche Kur zu einer vollkommenen, dauernden werden kann. Nie mand darf stch als vollkommen gesund betrachten, welcher sich niedergedrückt und lebensmüde fühlt, sei sein Gliederbau anscheinend noch so robust. Körper und Geist sind so innig mit einander verbunden, daß eine beständige Gegenwirkung stattfindet. Nun kommt es bei Punkt Zeitvertreib, wenn er von gesundheitlichem Werth sein soll, allerdings darauf an, genau zu wissen, was man unter gesundemZeitvertreib versieht. Wer zur Erholung" am Kaffee- oder Viertisch nichts Besseres zu thun weiß, als Stadtklatsch Gehör zu schenken und über den lieben Nächsten herzuziehen, der ist weit davon entfernt, seiner Gesundheit einen Dienst zu erweisen. Wohl aber kann fröhlichem Spiel und Sport im Freien, geistanregendem Schach- und anderem Spiel, wenn es in den richtigen Grenzen bl:ibt, Harmlosen Briefmarken-, Kuriositäten-, Münzen-, Stein- und hunderterlei ähnlichen Sammlungen nicht genug das Wort geredet werden. Derartiger Zeitvertreib lenkt von den Sorgen des Lebens ab, regt einen neuen Gedankengang an und kann unter Umständen' unser ganzes Leben in andere Bahnen, unserer individuellen Eigenart besser angepaßt, lenken. Wie oft ist das schon, was anfangs nur Spielerei war, zu einer lohnenden Erwerbsquelle für diejenigen geworden, welche durch Umstände in einen Beruf gezwängt worden waren, der ihren Wünschen und Neigungen absolut nicht angepaßt war, und auf dessen Gebiet sie nie im Leben über das bescheidenste Mittelmaß hinausgekommen wären, einzig nur deswegen, weil eS ihnen an echtem Interesse für ihren Beruf gefehlt hatte. Spannt man einen Jagdhund an einen Milchwagen, so mag das eine Weile ganz leidlich gehen, bis sich der erste Hase zufällig zeigt, und Hund und Wagen zu Schaden kommen. Und was für den Erwachsenen gilt, ist auch auf unser kleines Völkchen anwendbar. Tiefer Sinn liegt oft im kind'fchen Spiel!" Wie verkehrt wäre es z. V., einen Knaben, dessen Hauptvergnügen es ist, wenn er sich unbeobachtet glaubt, Schule zu spielen und an aneinandergereihte Stühle stundenlang Reden und Erklärungen zu halten, als wenn dort eine ganze Klasse Schuljungen säße, zum Soldaten oder Kaufmann bestimmen zu wollen, oder ein Backfischchen zur Seminarlehrerin ausbilden zu lassen, welches mit 15 oder 16 Jahren noch heimlich sein Püppchen in der Tasche herumschleppt und von allen Lehrfächern nur dem Handarbeitsunterricht ein wirkliches, echtes Interesse entgegenbringt. Immer wieder .von neuem sei's wiederholt: Rückkehr zur Natur in körperlicher und seelischer Beziehung. Ein schlagfertiges" Madel ist offenbar Cecil Vogel, eine Stenographin in Marinette, Wis. Verschiedene Male wa- sie, wie sie behauptet. nahe ihrem Hause von einem jungen Manne, Namens Bert Williams angesprachen worden, und schließlich wies sie ihn dadurch zurück, daß sie ein Brett aufhob und ihn damit schlug. Sie warf ihn nieder und prügelte ihn, bis er um Gnade schrie. Eine große Menge sammelte sich an und feuerte die junge Dame bei ihrer Arbeit an. Williams war gründlich g:schlaaen und schlich unter den Jubelrusen der Menge davon. ,