Indiana Tribüne, Volume 29, Number 12, Indianapolis, Marion County, 6 September 1905 — Page 5

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Jnvlana Tribüne, 6 September 1905

Glaube, Liebe, Hoffnung. Einx einfache Geschichte in drei Kapiteln von Max Treu. Die Wintersaison in der Residenz stand auf ihrer Höhe. Auf der königlichen Bühne 'war gestern eine Novität in Scene gegangen, welche einen stürmischen Erfolg gehabt und vom Publikum, wie von der gesammten Kritik einstimmig als ein 'hochbedeutsames Werk aufgenommen war. Der Verfasser, Herbert Stillfried, war der Bühne kein Neuling mehr; bereits im vorigen Jahre hatte er einen großen Erfolg auf derselben errungen und sich damit zugleich eine gesellschaftliche Position geschaffen, um die ihn alle Welt beneidete. Und mit seinem letzten Werke, einem tiefernsten Schauspiel, schien er der Liebling des Glücks -ge-worden zu sein Zahllose Einladungen flogen ihm ins Haus, der König hatte ihn zur Tafel eingeladen, und in den literarischen Kreisen knüpfte man die größten Hoffnungen an seinen Namen. Es wär ein kalter Nachmittag im Januar. In dichten Flocken fiel der Schnee, und wer nicht nöthig hatte, hinauszugehen, verließ das Haus sicher nicht. In ihrer eleganten Villa draußen im Vorort lag Frau Erika Berg auf einer Chaiselongue und starrte hinaus in das Schneetreiben. Die Zofe machte sich im Zimmer zu schaffen Ach, Anna", sagte die schöne, junge Frau es ist entsetzlich langweilig!"' Wollen gnädige Frau vielleicht die Kritiken über das neue Schauspiel lesen?" Um Gottes willen nicht! Was muthest du mir zu! Ach, ich möchte einen haben, der mit plauderte, lachte und scherzte, so lustig und amüsant, daß die Langeweile, diese schreckliche Langeweile, verflöge, wie der Rauch dort drüben über den Häufern!" Warum laden sich gnädige Frau nicht jemanden ein? Die Herren kommen ja so gern hierher " Sie kicherte. Die junge Frau aber warf heftig den Kops zurück. Jawohl, sie kommen! Weil ich jung, reich und, wie man sagt, auch hübsch bin! Eine junge Wittwe eine gute Partie! Brr!" Sie schüttelte sich und lachte hell auf. ' Dann fuhr sie fort: Nein, die will ich nicht. Die sind noch langweiliger, als dieser Januartag" Es klingelte draußen. Die Zopfe eilte hinaus und kam nach einigen Augenblicken mit einer Karte zurück. Herr Stillfried bittet sein Aufwariung machen zu dürfen!" Frau Erika klatschte in die Hände. Ah,' das ist reizend! Ich lasse bitien!" Stillfried trat ein. Er war kein Jüngling mehr. Des Lebens Mittagshöhe hatte er längst überschritten, und seinen ernsten, blassen Gesichtszügen sah man es an, daß er oen Kampfs ums Dasein in seiner ganzen Schwere kennen gelernt hatte. Seien Sie mir willkommen, Sie dreimal Glücklicher!" rief die schöne Frau und streckte ihm die weiße, beringte 'Hand entgegen. Sie kommen zur guten Stunde!" Ein Lächeln flog über sein ernstes Gesicht. Das freut mich, gnädigste Frau!" Setzen Sie sich, lieber Stillfried! Nehmen Sie ein Glas Wein, Sekt, Bier? Befehlen Sie! Ich freue mich wirklich, daß Sie kommen! Ich langweilte mich entsetzlich! Der Ball gestern bei Röders hat bis 4 Uhr gedauert o, ich war 'todtmüde, und Sie müssen schon erlauben, daß ich hier auf meiner Chaiselongue liegen bleibe! Ud nun wellen wir plaudern! Daß Sie Lörigens bei diesem Wetter kommen, ikchne ich Ihnen besonders hoch an!" Ich kenne keinen Weg, der mir lieber wäre, als der zu Ihnen, verehrteste Frau!" Sie wollen schmeicheln! Lassen wir das! Wissen. Sie, daß ich Sie beneide?" Sie mich? Warum?" Warum? Wie Sie fragen! Sind Sie denn nicht zu beneiden? Gab Jhnen das Schicksal nicht eine seiner schönsten Kronen?" Er wurde sehr ernst. Eine Dornenkrone! Haben Sie schon die Kehrseite der Medaille gesehen?" Wie soll ich das verstehen?" Wissen Sie, wie viele durchwachte Nächte, wie viele Entsagung, wie schwere Kämpfe, wie bittere Enttäuschung mit einem Worte, welches Arsenal von Elend es mich gekostet hat, bis ich dahin gekommen bin, wo ich jetzt stehe?" Ist das möglich? Ich kenne Sie doch schon seit meinen Mädchenjahren, aber so etwas hätte ich Ihnen nie angesehen!" Man öffnet sein Herz nicht so leicht vor den Menschen, iveil man dabei in den meisten Fällen doch nichts anderes davonträgt, als das unsäglich bittere Gefühl, sich nutzlos bloßgestellt zu haben!" Sie sind bitter! Erzählen Sie mir aus Ihrem Leben ich bin neugierig geworden!" Ich fürchte, ich werde Sie langweilen!" Das ist nicht möglich!" ..Ich fürchte doch! Sie, gnädigste

Frau, sind heitere, froh Geschichten gewöhnt, die. auf den Sonnenplätzen des Lebens spielen, meine", . er seufzte leise, spielt' in den Dachkammern, durch deren Ziegel der Schnee dringt und der Regen tropft " Von solchen Geschichten habe ich allerdings noch wenig gehört! Aber sie müssen doch interessant sein, meine ich!" Wie man's nimmt! Der, der sie selbst erleben muß, verwünscht sie tausendmal und steht-oft vor der Frage, ob er ihnen nicht durch einen Gewaltstreich gegen sich selbst für immer, aus dem Wege gehen soll. Der andere, der fernstehende, mag die Geschichten sehr nett finden: er hat die blutigen Thränen nicht geweint, nicht das grausame Martyrium des modernen geistigen Proletariats jahrelang mit sich herumgeschleppt" Sie machen mich gruseln, neber Stillfried! Aber erzählen Sie!" Wohl, gnädige Frau, ich will beginnen! Liegt mir doch gerade viel, sehr' viel, alles daran, daß Sie mich ganz kennen lernen! Sie allein, Erika, sind es, der gegenüber ich mich so aussprechen kann, wie ich es thun werde!" Er entnahm aus dem ihm gebötenen Kästchen eine Cigarre, zündete sie an und begann nach kurzer Pause: Ich kann meine Geschichte in drei Kapitel eintheilen: - Glaube, Liebe, Hoffnung! Sie sind alle kurz ob sie auch interessant und kurzweilig sind, das Urtheil darüber steht bei Jhnen! Und nun erlauben Sie, daß ich beginne: I. Wissen Sie, Erika, was ein verfehl tes Dasein ist? Kennen Sie jenen unheimlichen Zustand, in dem man stets und ständig mit Gott und den Menschen, am meisten aber mit sich selbst hadert? So ging mir's lange Jahre hindurck. Ich hatte Jurisprudenz studirt, aoer ich machte mir nichts daraus. WaZ gingen mich WechselProteste, Arreste, vorläufige Verfügungen und ähnliche Schreckbilder an, wo ich tiefe Blicke gethan hatte in das unergründliche Zauberreich der Kunst, wo es sich mir im Herzen regte, als stünde ich selbst jenem Reiche nicht ganz fern? Und was ich anfänglich nur unklar und undeutlich sah, das wurde mir im Laufe der Jahre immer klarer,

bestimmter, deutlicher. So hing ich denn eines Tages die Juristerei an den Nagel, legte Barett und Amtsrobe beifeite und griff zur Feder. - Wohl hatte ich manchen freundlichen Erfolg, wohl erlebte ich diese und jene Freude an meinem Schaffen, aber im großen und ganzen folgte Enttäuschung auf Enttäuschung. Der große Erfolg, auf den ich sehnsüchtig harrte, der Erfolg, der mich pekuniär hätte sicher stellen können er kam nicht, kam nicht' trotz aller Mühe und Arbeit, und -immer schwerer fühlte ich am eigenen Lose die Wahrheit des bittern Freiligrathschen Wortes: Der Dichtung Mal ist allezeit ein Fluch!" Ohne Privatvermögen, sah ich. mich bald genöthigt, ums Brot" schreiben zu müssen. Sie schütteln den Kopf, Sie lächeln ja. Sie wissen nicht, Sie Glückliche, was das heißt! Wohl Ihnen! Ums Brot schreiben" sich seinen täglichen Unterhalt durch Arbeiten zusammenschreiben müssen, über deren Inhaltsleere und Nichtigkeit man sich hinterher selbst schämt, schreiben müssen mit der Feder, ohne daß das Herz dabei ist, nur 'damit man nicht verhungert, und bei alledem von den Hungerlöhnen doch nicht leben können und doch trotz aller Anstrengung die Nahrungssorgen drohender und drohender heranschreiten sehen das, gnädigste Frau, zerrüttet Körper und Geist, macht das größte Talent stumpf und müde und verbittert Herz und Gemüth. Wie es kam. daß ich in diesem jahrelangen Kampf ums Dasein nicht zugrunde gegangen bin, daß ich selbst nach schweren Krankheiten, die ich zu überstehen hatte, doch immer wieder Oberwasser gewann und nicht im Strome unterging ich weiß es nicht, fast ein Wunder dünkt's mich! Ich glaubte an meinen Stern, glaubte daran, daß die innere Stimme, die mich immer wieder aufrichtete und mir Muth zusprach, nicht lügen könne, und glaubte, daß ein ehrlicher Kampf auch einen ehrlichen Sieg bringen müsse. Wohl gab es Stunden, in denen alles Selbstvertrauen versank, in denen ich kleinmüthig klagend und stöhnend zum Himmel aufblickte und um mich herum nichts sah, tiefe, dunkle Nacht. Das waren die furchtbarsten Stunden! Und doch mitten in ihnen, wieder und immer .' wieder erschien mir jener Stern, dem ich seit Jahren gefolgt, wieder und immer wieder gewann ich, wenn ich ihn nur leuchten sah, die Krast mich aufzuraffen und vorwärts zu schreiten. So ging's Jahre hindurch, lange, bange Jahre Erika, glauben Sie es mir. solche Jahre gra-. ben sich ein in das Herz, wie der Bohrer in weiches Holz; tief und tödtlich verwundend! Und gar manchmal hat sich damals auS meiner Brust der verzweislungsvolle Schrei losgerungen: Herr im Himmel, hilf! Laß mir den Stern und ben Glauben an ihn und dich!" Und der Himmel erhörte mich er ließ mir beides!" II. Stillfried schwieg einige Augenblicke, ehe er fortfuhr: So kam es, daß ich cn müder, erbitterter Mann wurde. Vor der Zeit!" sagten die Leute. Und zu aUe-

dem sollte es geschehen, daß über mich noch ein neuer Kampf eine neue Prüfung verhängt wurde. Ich war im Laufe der Jahre fast zu einem fahrenden Gesellen geworden heute hier, morgen da! Es litt mich nirgends lange; weder die Großstadt noch die Kleinstadt konnte mich, auf die Dauer fesseln; die erstere mit ihrer Verlogenheit, ihrem , Haschen nach Genuß um jeden Preis, selbst um den der eigenen Ehre, ihrer rücksichtslosen Brutalität im Kampf um die Existenz' widerte mich an:. die andere., die Kleinstadt, bot mir für meine Thätigkeit nicht Anregung genug, auch nicht die wissenschaftlichen Hilfsmittel, deren, ich bedürfte. So käm es,' daß ich - bald hier, bald da hauste - am liebsten freilich im Schoße der Wälder, zwi-, schen den Bergen,' an klaren silberhellen Bächen, wohin der Lärm."det' Städte nicht schallt und keine Menschen, einander belügen und betrügen.. Da konnte ich tagelang, sijen und den, geheimnißvollen Stimmen lauschen, die. da um den einsamen Wanderer herum erschallen. Und auf einer, solchen Wänderung war es da' war's, wo ich ja, wie soll ich'ö Ihnen sagen, Erika? .Nun gut, da sah ich ein junges Mädchen, licht und sonnig, wie ein Frühlingstag, und von dem Glanz und von der Wärme, die auf ihren Zügen lägen, zog es -in mein Herz ein, wie der Frühlingshauch in die weitgeöffneten Fenster der Winterwohnungen. O, die Sehnsucht nach dem Glück und dem ' Frieden wie tief innen wohnt sie im Menschen, daß er, wenn er jahrelang in den finsteren Tiefen des Unglücks wandelt, gierig jeden Strahl glücklicherer Sterne in seine Seele schlürft, selbst auf die Gefahr hin, hinterher zu den vielen Enttäuschungen seines Lebens eine neue, schmerzlichere hinzuschreiben zu müssen. So ging's auch mir, als ich jenes. Mädchen sah Sie hören mich doch, Erika?" Ich höre: Fahren Sie nur fort!" Sie wohnte in einem kleinen Badeorte in der Nähe mit ihren Eltern. Ich sah sie dann öfter, sprach sie auch zuweilen, und in meinem Herzen jauchzte eö auf!" Das ist nicht wahr, lieber Stillfried! Sie lernten in jenem dummen Dinge von Mädchen ein abscheuliches, verzogenes, vergnügungssüchtiges, oberflächliches Geschöpf Jennen " Wozu das. Erika? Zerstören Sie mir die süße Erinnerung nicht aus jenen Tagen, da ich Sie zuerst sah! Sie erschienen mir wie das Morgenroth eines schönen, kommenden Tagest Ihr Bild schwebte mir in allen Träumen vor, allen Mädchngestalten meiner Novellen verlieh ich Ihre Züge, überallhin begleitete mich Ihre Gestalt! Es waren selige Stunden, die ich damals, erlebte.. Aber, wie' konnte ich, ein sahrcnder Geselle, ein mittelloser Schriftstller ohne Namen, es wagen, mich Ihnen ernsthaft zu nähern ich, der ich nichts besaß, als meine Feder und das Mal der Dichtung", jenes scharfe Kainszeichen? Und so führte ich denn einen neuen Kampf mit mir .selbst und dem Begehren meines Herzens und ich gewann ihn. Freilich hatte ich ja die Kunst des Entsagens schon so oft üben müssen, daß sie mir geläufig war; es gelang auch in diesem Falle. Nach welchem Leiden, nach welchen Schmerzen das, Erika, lassen Sie mich verschweigen oder" seine Stimme sank zum Flüstern herab , Ihnen in einer glücklicheren Stunde anvertrauen! Zweimal aber noch stand das Bild jenes jungen Mädchens so deutlich vor mir, daß ich vor dem scharfen Blick meines inneren Auges selbst erschrak. Das eine Mal war es, als ich in einer Zeitung die Vermählung dieses Mädchens mit einem reichen Bankier las; daö andere Mal, als ich in derselben Zeitung las, daß es nach kaum einjähriger Ehe Wittwe geworden wäre. Und merkwürdig, diese letzte Notiz las ich an demselben Abend, in dem ich im vorigen Jahre meinen ersten, großen Bühnenerfolg davontrug und mit diesem bie Sorgen des Lebens hinter mir versinken sah. Und damit könnte ich eigentlich meine Erählung schließen. Erika. Was noch kommt, Sie wissen es! Wir sahen uns oft seit jener Zeit ich kann darüber schweigen!" Nein", sagte die schöne Frau, ich halte Sie beim Wort: Drei Kapitel, so sagten Sie, sollte Ihre Geschichte haben. Wohlan, lassen Sie auch das dritte hören! Wie?" rief sie, als sie sah, daß er eine Bewegung machte, um aufzustehen, wollen Sie gehen? Nein, das nicht! Ihr drittes Kapitel will ich hören ich bin so entsetzlich müde, ich würde einschlafen, wenn Sie gingen! Bleiben Sie doch!" Er sah sie an, fragend und bittend zugleich. Sie lag ruhig auf der Chaiselongue u. schaute ihm mit ten schönen, großen, müde aussehenden Augen ins Gesicht. Ihm aber war, als flösse bei diesem Blick ein Feuerstrom von seinem Herzen zum Kopf. Gut. Erika", sagte er. Sie sollen auch das dritte Kapitel hören, das von der Hoffnung!" Und dann fuhr er fort: III. Der Glaube hat mich stegrekch zum tk geführt, die Liebe einen freundlichen Strahl in die düsterste Zeit meines Lebens fallen lassen, und nun soll die Hoffnung mir den AuSblick in die Zukunft verklären. AlleS, wonach man hier auf Erden streben

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Lorbeeren, tzhren! Und doch, Erika, bin ich nicht glücklich eines fehlt noch. Sie kennen das schöne Wort von Hamerling: ' Sagen möcht' ich jedem Frauenwesen, Das ein Dichterherz sich auserlesen, ' Hab ihn lieb und wahre sein! Sieh,,so lang' er wandelt hier auf Er- ' - .. den. Kann er groß, berühmt; unsterblich . , ; werden Glücklich wird er nur durch, dich a ' : . ''' ' . - lein!. .; -' .Ist's nicht so, Erika?". -' Er wandte sich mit bittendem Blicke zu ihr.- 'Sie hatte ihm-das Gesicht abgewendet und -gab gar keine Antwort auf seine Frage. Und hatte er seine letzen Worte nur halblaut gesprochen, so sank seine Stimme jetzt zum. Flüstern Ur als er fortfuhr: - Nein, Erika, ich habe jenes kleine Mädchen von damals 'nicht vergessen können, und noch heute schreitet start und belebend die Hoffnung neben mir! Und wenn auch jenes Mädchen heute eine vornehme, verwöhnte Weltdame geworden ist, der man nachsagt, daß sie zwar Millionen, aber kein Herz habe ich, ich glaube doch, daß sie ein -Herz hat, und daß es tönt und klingt, wenn man nur mit dem richtigen Hammer daran zu schlagen weiß! Ja, ich glaube an ihr Herz, denn ich liebe sie noch immer, und nun, Erika", ' leise sank er auf die Knie nun, Erika, sag du mir's: darf ich Hoffen?" Es kam keine Antwort. Regungslos lag die schöne Frau da. Stillfried erhob sich. Wortlos schaute er ihr ins Gesicht. Die Augen waren fest geschlossen: mit einem weltfrohen Lächeln auf den Zügen war sie, während er sprach, eingeschlasen. Ein bitterer Zug spielte um seine Mundwinkel. ' Heftig drückte er die Hand aufs Herz und sprach vor sich hin: Nein, gnadigste Frau, ich war im Irrthum: zu hoffen habe ich hier nichts. Das Herz, das ich zu finden hoffte ich fand es, nicht. Leben Sie wohl für immer!" Und unhörbaren Schrittes ging er über -die- schwellenden Teppiche zur Stubenthür und unhörbar klinkte .:r dieselbe ins Schloß Am anderen Morgen erhielt Frau Erika einen Brief. Nur wenige Worte standen darin: Das dritte Kapitel meiner Erzählung, gnädigste. Frau, haben Sie nicht gehört: Sie schliefen. Es ist vielleicht auch besser, daß meine Geschichte mit 'dem zweiten Kapitel abgeschlossen hat, besser für Sie und mich. Leben Sie wohl! Herbert Stillfried." , Was mag er damit nur meinen?" sprach die schöne Frau vor sich hin, rollte das. Billett zusammen und warf es dann gleichgültig in das hellauflodernde Kaminfeuer. Zuweilen aber wunderte sie sich im Stillen, weshalb der Dichter nie mehr ihr Haus betrat. -

i , In Graz starb kurzlich im Krankenhaus die sechzigjährige Vinzenzia Breiner. eine Frau, die immer in den ärmlichsten Verh'älnissen gelebt hatte. Sie bewohnte ein Dachzimmcr; als Bettstelle diente eine Matratze, die über zwei Kisten gelegt war. Das Holz, dessen sie benöthigte, sammelte die alte Frau, die übrigens keinerlei Verkehr unterhielt, selbst in den Wäldern. Bei der' behördlichen Untersuchung ergab sich nun, daß die Verstorbene ein Vermögen von nicht weniger als 410,800 Kronen in Sparkassenbüch::n, Depotscheinen und Werthpapieren hinterlassen hat. Das Geld soll sie von einer reichen Dame, bei der sie in früheren Jahren als Reisebegleiterin angestellt war, geerbt haben. Die Erben sind ein Bruder, der als Arbeiter in Mexico lebt, und zwei Neffen, von denen sich einer in London, der andere in Russisch-Polen aufhält. Ein Besuch des flüchtigen Exministers Nasi in Rom, gegen den vor zwei Jahren aus Parteihaß Anklage wegen aller möglichen Betrügereien erhoben wurde, hat die ewige Stadt etwas aus dem Sommerschlaf gerüttelt. Der. Besuch hat natürlich in allergrößter Heimlichkeit stattgefunden, aber alle Welt wundert sich doch, wie ein in Rom so bekannter, fast möchte man sagen: populärer Flüchtling allen Steckbriefen und aller Polizei zum Hohn sich einen Tag lang in Rom aufhalten konnte, um einen notariellen Akt zu unterschreiben. Am 27. Juli wurde nämlich von den Verihcidigern Nasi's der Anklagesektion eine Berufung an den Kassationshof gegen das Urtheil präsentirt, das den Exminister, der sich gern vor dem Ehrengericht des Senats rechtfertigen möchte, vor die Geschworenen verweist. Die Berufung begleitete ein von Nasi und zwei Zeugen unterzeichneter Akt. Nach Unterzeichnung dieses Aktes ist Nasi, von dem die Einen behaupten, er habe sich im Priestergewande in die Stadt geschlichen, die Anderen, er sei frank und frei durch die Straßen gegangen, aber ohne seinen charakteristischen blonden Schnurrbart, und wieder dorthin verschwunden, woher er gekommen ist. Merkwürdigerweise soll das Original diesesDokumentes, nachdem der Staatsanwalt darin Einblick genommen hatte, wieder verschwunden sein. - ...

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