Indiana Tribüne, Volume 29, Number 10, Indianapolis, Marion County, 4 September 1905 — Page 7
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Jndiana Tribüne, . September lö05
j j"5 4 v. 4 ,f , ... '' " Die erste Welle 4 4 .- ... V 4 4 f 44 4 4V (Fortsetzung.) Sie neigte den Kopf, stützte die Arme zu beiden Seiten auf die Bank, blickte langsam an seiner Gestalt empor, schaute tief in seine Augen hinein und lachte plötzlich wie über eine glückliche Entdeung. 3arurn sprechen Sie nicht immer in diesem Tone, Detlef? Die Ironie kleidet Sie weit besser all die Sentimentalität. Es gibt ohnedies zu diel gefühlr-olle Leute!" Und wieder lachte sie. erhob sich, glitt an ihm vorbei und winkte einer jungen Dame zu, die vom Nebenzimmer zu ihr hinsah. Machen Sie uns ein wenig Musiks Liddy ja?" ' Damit schritt Frau Jutta auf das Vlondchen zu, legte ihren Arm um sie und führte sie so in das Musikzimmer Kinüber. . Palmer starrte chr nach uns am dann mit dumpfem Ae-Hzen auf den Platz nieder, auf dem sie gesessen hatte. Das kleine, schwüle, nur matt crleuchtete Gemach blieb leer. In den anderen Räumen standen die Fenster offen, hier waren sie geschlossen. Und das war gut so. Denn draußen war's Frühling, und in den Odem deZ Abends wehten Rosendüfte. Die hätte er jetzt nicht zu ertragen vermocht. Die hätten das wehe, tolle Lachen, das in ihm gellte, über seine Lippen gerissen. Nebenan hatte Klavierspiel begonnen. Die Gkste eilten in das Musik-' zimmer. Um ihn kümmerte sich Niemand, als sei er schon gegangen. Die Arme auf die Kniee gestemmt, den Kopf in den Händen saß er und starrte grübelnd zu Boden. Gehen das war ja doch das Ende von allem! Nie hatte er es wie heute gewußt, wie in diesem Augenblicke gänzlicher Verlorenheit. Warum so in Gedanken, lieber Freund?" ' Jäh schreckte er empor. Er hatte Jutta nicht nahen hören. Nun neigte sie sich flüsternd über ihn, und der Duft ihrer Kleider schmeichelte sich in seine Sinne. Seine Pulse schlugen wild auf. Er war allein mit ihr. Das Nebenzimmer war leer. Was hinderte ihn denn, wenn er jetzt die Arme nach ihr streckte, sie zu sich niederriß und ihr die Antwort auf all sein Fragen mit wildem Kusse von den Lippen zwang? Da trat sie, als fühle sie, was in ihm vorging, zurück und zuckte die Achseln. Seien Sie doch nicht so langweilig! Unterhalten Sie sich lieber! Offenbar hatten Sie doch heute Abend von vornherein die Absicht dazu. Oder" fuhr sie leiser fort und machte eine Bewegung, als streiche sie an ihm herunter haben Sie sich eigens für mich so schön gemacht? Für gewöhnlich kommt man doch nicht im Frack zu mir, wohl aber ist er obligatorisch, wenn Lindenstedt im Kurhause tanzt." Mit einem Ruck war er aufgesprungen: Jutta gehen Sie nicht weiter!" Dicht standen sie nebeneinander. Und sie sah ihn an, hielt seinen zornfunkelnden Blick fest mit dem ihren und lachZe. Was wollen Sie denn? Wer heirathen will, der pflegt doch meistens auch zum Tanz zu gehen, nicht wahr? Und sprachen wir nicht letzthin vom Heirathen?", Sie wartete, daß er etwas sage, und als er regungslos blieb, berührte sie sanft seine Schulter. Wollten Sie es nicht? Und konnte es nicht sein, daß Sie Ihren Rettungsengel schon gefunden hatten?" Tändelnd wiegt sie Kopf. Wenn man nicht anspruchsvoll ist, wenn's die erste Beste thut wirklich, Freund Detlef. ich war rteugiefig, als ich so lange nichts von Ihnen hörte." Und wieder lachte sie, ihr aufregendes, spottendes Lachen. Dahine! klangen von drüben lustige Walzertakte. Sie wollte davoneilen. Da packte Palmer mit eisernem Griffe ihr Handgelenk. Bleib!" stieß er durch die zusammengebissenen Zähne. Bleib! Und hör il noch, daß ich's jetzt weiß: Du hast allzeit freventliches Spiel mit Deiner Macht über Mannesliebe getrieben. Aber hüte Dich, Jutta, hüte Dich vor der Stunde, da Dir das Schicksal Deinen Meister schickt, der Dir das Spottlachen vom Gesicht reißt!" Meir.en Meister?" Sie warf den Kopf zurück und hob den Blick mit trunkenem, fanatischem Leuchten. Er. der mich zwingen würde, ihn zu lieben, der mir's mit Feuer und Schwert aus dem Herzen reißen würde, datz ich ihn lieben müßte ja, ihn wollte ich rneinen Meister nennen und wollt: ihm zujubeln.. wenn er käme. O daß ich ihn fände!" Finde ihn und die Welt wird Dir zu ena werden vor ihm! Aber den Meister, den ich meine, den findest Du nicht, und den suchst Du nicht. Der kommt zu Dir als ein Rächer. Lebe wohl!" Dumpf schlug hinter ihm die Thür in's Schloß.
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4 45 44 4 44 4-5 44 e 4 un Noman von Ssdivig Erlitt gtdtmcdtclucr -l -ici 44 4 44 VV 4-4 4 f , TT . . 44 Frau' Jutta aber rührte sich nicht, stand und starrte auf die Thür. Plötzlich schauerte sie zusammen, als wehe Grabeskältc über sie hin. Ein schattenhaft, unheimliches Lächeln glitt über ihr Antlitz. Da rief eine Stimme von der Thür des Nebenzimmers: Im Namen der Kunst, Frau Jutta, noch einen Augenblick so! Ich brauche einen Dämon, der sich auf Gräbern die Sehnsucht nach dem Himmel todttanzt, der ihn verstoßen hat." Tief erblaßt wandte Jutta Gerland den tfoj?r" und sah den Künstler, der sie beobachtet, finster an. Malen Sie Engel, wenn Sie sich schon mit dem Bimmel besckäftiaen Dämonen Hasen mcyts mit ihm uns rnüjts mit oer Sehnsucht zu schaffen." Trüben im Musiksalon war die Musik verstummt. Die Gäste rüsteten sich zum Aufbruch. - Frau Jutta widersprach nicht. Mit eigenem Ausdruck drängender Erwartung sah sie zuweilen durch's Fenster hinaus in den linn ??rüblinasabend. 5. K a p i t e l. m Kurgarten hatte die Jllumination begonnen. An schwanken Drähten spannten sich die bunten, leuchtenden Guirlanden der gelben und rothen Lampions, und in ihrem Scheine gingen neben den be reits zahlreich eingetroffenen Sommerfremden mit dem stolzen Gefühl der Ortseingesessenheit die Honoratioren Lindenstedts auf und ab. Stolz und stattlich m der prallumschließenden Pracht des Schwarzseidenen wandelte an des Gatten Arm auch Frau Mathilde dahin und blickte zu dem Tischchen hinüber, davor nahe dem Gartenemgang Liane stand und zum Besten der Armenkasse Rosen feilbot. Auch der Doktor wandte den Blick hinüber zu dem schlanken Mädchen in dem wie lose Schleierfalten sie umfließenden weißen Kleid, mit den weißen Blüthenbüfcheln im Haar, und. den Augen, d?e wie zwei strahlende Sonnen sich jedem Näherkommenden zuwandten. Ist doch eine verteufelt hübsche Hexe!" brummte er. ' Glaub's, daß die heute Geschäfte macht!" Mißbilligend verwies den allzu Begeisterten die Gattin: Verteufelt hübsche Hexe! Hermann, ich frage Dich, ist das em Ausdruck für einen alten Mann? Und überhaupt, statt um PAant, nach der sich ja schon gerade genug die Köpfe recken, solltest Du Dich lieber mal als Vater darum bekümMern, wo denn eigentlich schon den ganzen Abend über der Wilibald sich 'rumtreibt. Rein wie vom Erdboden verschwunden ist er ja, seitdem wir hier " Die Stimme versagte ihr plötzlich vor dem, was ihre Augen sahen. Trüuen auf einem der lampionbestrahlten Seitenwege erblickten diese den vermißten Wilibald, die lanqe Gestalt fält rechtwinklig hinabgeneigt und an seiner Seite erne Weiblichkeit. Rundlich, behäbiz. klein, dunkel gekleidet. Hermann, ich bitte Dich, das ist ja die Tankwarten, die mir jeden Vlumenstock zu theuer berechnet. Und mit der llebauqelt dieser Vengel! Vielleicht macht sie Dir dafür nun in Zukw..t billigere Preise. Tillichen," lachte der Gatte. Hermann, mir tazr's!" Und bevor der Gatte sich nock zum völligen Verständniß dieser' Enthüllung aufgeschwungen, war sie von ihm hinweggeeilt, dem Sohne entgegen, der sich eben von seiner Tame verabschiedet hatte und nun eoenso ahnungslos wie ge radeswegs in die mütterlichen Arme hineinlief. Wilibald, wie kommst Tu dazu, hier vor ganz Lindenstedt diese Gärtnersfrau spazieren zu führen?" Merkwürdig gefaßt und, wie es de Doktorin scheinen wollte, sogar mit emem Zug lächelnder Energie um den Mund, sagte Wilibald: Warum sollte ich nicht vor ganz Lindenstedt höflich zu Frau Dankwart sein, Mama?" Wie kommst Du überhaupt dazu, Dich mit Leuten niederen Standes so familiär zu machen?" Wieder lächelte der Sohn ganz eigenartig. Ich hatte wohl immer den Zug nach unten m Mi?, Mutter, und habe nie ein Hehl daraus gemacht. daß ich nur mit Widerwillen studire. Junge. Du hast wohl was getrun ken wie? Möchtest Tu Dich nicht gleich be: Tankwarts als Gärtner bursche melden?" Für mein Leben gern." rief feurig Wilibald. Die Doktorin aber verfuhr nach ihrem Rezepte, Leute, die nicht recht bei sich waren, mit Milde zu behandeln, und sagte dementsprechend sanft: Na. wenn Du durch's Examen gerasselt bist, können wir'ja weiter darüber sprev aä v ...ir fir cyen. uno oann vequijam, gieiaj sam wie von hinten herum, setzte sie hinzu: Tankwarts Mieze muß ja nun auch schon herangewachsen sem.. Ist die heute Abend auch hier?"
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Es schien, als müsse sich Wilibald
furchtbar darauf besinnen, ob Dankwarts Mieze schon herangewachsen sei, endlich meinte er ganz belanglos: Ja, ja, natürlich. Aber hier ist sie nicht. Ihre Mutter sagte, sie hätte Kopfschmerzen, oder Zahnschmerzen, glaub' ich." So, so," sagte FrauMathilde. schob unter des Sohnes Arm die mütterliche Hand, begab sich Mit ihm, der sich willig leiten ließ, zu dem Gatten zurück und wandelte zwischen den beiden voll stolzer Wurde wieder in der strahlenden Helle auf und ab. Nahe dem Gartenemgang aber stand noch immer Liane, hielt ihr Körbchen mit den Rosen empor und erwartend fragten ihre Augen jeden, der da kam: Bist Tu's bist Du's nicht?" Und immer antwortete ein fremdes Gesicht: Ich bin es nicht." Ta neigte sich allmälig ihr Köpfchen immer tiefer herab, und selber fühlte sie es, wie die Sonne in ihren Auaen langsam erlosch. Ihm aber, der draußen auf dunklem Wege stehen blieb, die Fäuste an die hämmernden Schläfen gepreßt, ihm war es plötzlich, als ob ihn Jemand riefe. Dorthin, wo die bunten Lampen glühten und die Fideln klangen. Tanzmusik war s, die nach ihm rief - inoensteot tanzte! Ja. ja, Fra Jutta, wer freien will, geht auch zu Tanze. Er lachte ganz laut. Und wie er's hörte, war es ihm, als habe Frau Jutta mitgelacht. Das ging durch ihn hin wie emcs Messers Schneide. Aber sie sollte nicht lachen das sollte sie nicht! Im Kurgarten stiegen die ersten Raketen auf. aller Blicke folgten ihnen. Niemand achtete des späten Gastes, der das Parkthor aufriß und m den Garten hineinstürmte, dann stehen blieb und hinüberstarrte nach einer schlanken weißen Gestalt, die. das Haupt gegen einen Baumstamm gelehnt, emporschaute, als wolle sie Mit ihren leuchtenden Augen den Stern auffangen, der vom goldenen Feuerregen droben langsam auf sie he:niedersank. Ein stimmungsvoll arrangirtes Bild! Und wenn sich sein Blick nicht täuschte wieder sie! Vom Zufall ihm zum zweiten Male zu kritischer Stunde in den Weg gestellt! Ingrimmig lachte er m sich hinein. Und etwas von dem Lachen blieb in seinem Stimmenklang, als er sich plötzl:ch zu der v. Schauen ganz Versunkenen hinabbeugtc. . Guten Abend, weine Nankenrose! Darf man pflücken, was so am Wege blüht?" Das Korbchen Mit den Rosen entglitt ihren Händen und schüttete seinen Inhalt Detlef Palmer vor d:e Fuße. Verwirrt, mit emem Rufe -des Bedauerns wollte sich Liane danach bücken. Da faßte er ihre Hand und hielt sie zurück. Lassen Sie nur! Die Wohlthatlgkeit soll deshalb nicht zu kurz kommen!" Er wollte seine Geldtasche ziehen, doch sie wehrte lächelnd. Es scheint in der That so!" Gur. gelnd erstarb sein Ton. Sein Fuß aber stieß die Rosen von sich und schritt Lber sie hinweg. Befremdet sah Liane zu ihm empor. Möaen Sie die Rosen nicht, Herr Palmer?" Nein! Die rothen nicht. Aber diese hier, die weißen, schlanken, die nicht brennen, nicht stechen!" Tiefer neigte er sich zu ihr und zog ihren Arm durck? den seinen. Welche Einsatz gilt's, wenn einer sich dies Röslein hier zu eigen machen möchte?" , Das Leben!" sagte sie und senkte die großen strahlenden Augen nicht vor seinem Blicke. . Also keine wohlfeile Junirose?" raunte er, und sein Ton war seltsam schwer für einen Scherz. Langsam schüttelte sie- den Kopf. Da machte er eine Bewegung, als wolle er die anmuthige Gestalt an seiner Seite gewaltsam mit sich fortreißen in irgend einen tollen Strudel hinein. Ich hab' Sie aber gefunden am Wege gefunden und halte Sie nun fest! Finderglück! Kommen Sie, wir wollen tanzen, lachen, trinken was Sie wollen!" Ihr Arm erzitterte in dem seinen. Finderglück! Zu ihr war es gekommen doch nur allein zu ihr! Jubeln hätte sie mögen, wie sie an seinem Arm tiefer in den festlich erleuchteten Garten hmeinschritt. Aber ein beunruhigender Hauch fremden Wesens, der von ihm ausging, erfüllte ihr eigenes mit scheuer Behutsamkeit. Das Feuerwerk war im vollen Gange. Ein wenig seitlich von den anderen, die um den freien Platz vor dem Kursaal sich drängten, standen Palmer und Liane, sahen die goldenen Sonnen aufflammen, die Feuergarben versprühen. Nicht wahr, es macht sich gut, so ejn bischen goldener Zauber. Ob er im. nächsten Augenblick verpufft, das schadet nicht es wird oft noch ein besseres Feuer um nichts anderes verknallt, als daß es einen guten Moment effekt gibt. ' Hurrah hoch! bravo hoch!" Lauter noch als die. anderen rief er es, als jetzt die Landeshymne erklang und dazu das Wappen und der Na menszug. des Herrscherhauses in elek irischen Flammen aufglühten und all mälig wieder erloschen.
Dann beaannen die dickten Gruvven
sich zu lösen, dränaten zu dem Reunionsaal empor wo Tanzweisen ertonten und auf der Terrasse draunen an den aufgestellten Tischen die älteren Herrschaften sich's bequem machten. !er Höflichkeit zu genügen, trat Valmer mit Liane an Mrenbachs Tisch heran und nahm auf freundliche Aufforderung hin Platz. Aber wie ein Wildfremder, ein Ausgestoßner kam er sich, vor inmitten dieser allaemernen, harmlosen Fröhlichkeit. Zwei, drei Gläser starken Weins stürzte er hinunter, die jaaten wieder ein wenig das Blut empor. Sem Blick suchte Liane, und beider Augen begegneten sich. In den ihren war ein Fragen 'und Rufen. Da trat er vor sie hin: Einen Tanz ich bitte. Fräulein Liane." ..So ist's reckt, err auvtmann. lobte Frau Mathilde. Damit ich doch Ni.cht umsonst mit dem Madel Abend für Abend herumchassirt bin." Ja. tanzen!" saate nun Liane und erhob sich. Tanzen Sie gern. Fräulein Liane?" fragte Palmer dicht an ihrem Ohr, als sie m den Saal hmemschritten. Ihr lächelnder Mund blieb stumm. doch ihre Augen sprachen. Also tanzen! Die Musik spielte einen Walzer Klänge zärtlicher Hingabe, trunkenen Vcrgessens! Fest schlanq sein Arm sich um Liane. dicht zog er sie zu sich heran und emPfand das Schauern ihrer schlanken Glieder wie rieselnde Gluth. Nicht so rasch! Ach ich glauve, ich kann ja gar nicht tanzen." Er lachte und zog sie in gleitender, kosender Bewegung mit sich fort. Und sie tanzten, tanzten wie die zwei im Märchen, dle nimmer aufhören können. Wie herabgezogen von der 'blonden weichen Haailast bog sich Lianens Kopf in den Nacken, ihre Lippen losten sich von den schimmernden Zahnen, auf ihren Wangen erblich die Farbe. Da schwieg die Musik. Hochaufathmend blieben sie stehen und sahen einander an. Sein Arm lag noch immer um sie. Ich kann wirklich tanzen!" lächelte sie selig zu ihm empor. Er preßte leicht ihren Arm an den seinen und geleitete sie aus dem Saale hinaus in's Freie. Ter warme Junmbend schlug ihnen wie eine trunkene Duftwoge entgegen. Es war köstlich hier bei den in der Ferne klingenden heißen, zündenden Rhythmen, so in der Gartenstille, im Rosen- und Jasminduft. Die Liebe vom Zigeuner stammt " Zwischen den Zähnen summte er sie mit, die süße Carmenmelodie und auf seinem Arm zuckte die kleine schmale Hand leise zurück. Da hielt er mit der seinen die scheue fest. Haben Sie Angst, Fräulein Liane? Ich dachte, Furcht sei Ihnen fremd. Oder haben Sie heute die schützende Wafse zu Haus gelassen?" Ja, ich ließ sie zu Haus," sagte sie und sah ihn an mit weltentrücktem, glücklichem Lächeln. Also keine wehrhafte Amazone jetzt. 'Schutz- und hilflos in meine Macht gegeben! Fürchten Sie sich da nicht vor mir, Liane?" Sie schüttelte kaum merklich den Kopf, aber er fühlte wieder das Zittern ihrer Hand und hielt dieselbe noch fester als zuvor. Sie fürchten sich ja doch, möchten am liebsten davonlaufen!" Ich fürchte mich nicht," sagte sie bestimmt. Aber Sie sind so seltsam heute." Er lachte. Meinen Sie? Merkt man's? Ja, ja, es gibt seltsame Tage und Stunden und seltsame Gerüche. Liane Rosen und Jasmin. Da wird einem schwindlig vor all den Bildern, die durcheinander duften und daß wir beide nun so Arm m Arm h:e miteinander gehen auch das ist selt sam." Ja, es ist seltsam," sagte sie. und ihre Stimme klang, als sei sie von un ruhvollen Herzschläaen hervorgestoßen. Und ich bitte Sie. daß wir auf die Terrasse zuruckaehen. Er achtete ihrer Worte nicht, zog sie fast gewaltsam ein paar Schritte auf den schmalen Seitenweg welter. den die tief hermederhängenden Bäume überschatteten. Da blieb er stehen, starrte vor sich hin. zu den gelben und rothen Lampions hinüber. Gelb und roth die Farben, die Frau Jutta liebte! Stand sie schon wieder da, daß er ihre schmeichelnd lockende Stimme an sei nem Ohr zu fühlen wähnte! Konnte er wirklich nicht heraus aus dem Käfig. nicht die Flügel rühren? Er rührte sie ia doch fliegen tanzen, tanzen - und lachen und srinken und küssen, was sich aerade dem Mund zum Küssen bot junge Lippen, rothleuchtend in der rosenduftenden Jumnacht. An sich riß er Liane und hatte schon auf ihren Mund seine Lippen gepreßt. i ! .1:;' . (Fortsetzung folgt.) .v Gesunde, frohsinnige Mutter sind immer die sicherste Bürgschaft für einen normalen Nachwuchs des lebenden Geschlechts. . Salz verschickt man. in Deutschland nicht in Fässern, sondern in Sacken. Man verladet Speisesalz auch niemals lose, wie es in Amerika in Güterwagen und selbst in Schiffen geschieht.
Dpernvorstellung von Irren. Sine bemrknSwerihe Affäre in einer tt?aw kenanstalt bei Paris. In höchst interessanter Weise wei ein französischer Journalist von eine! Operettenvorsiellung zu erzählen, de: er in der Irrenanstalt von SamteAnne bei Paris beigewohnt hat. Lieb habervorstcllungen im bescheidener Rahmen hat man ja schon des Oefterer in diesen Instituten gesehen. Hier abei gab es eine Operettenvorstellung großer Stils, die einen Apparat an Solisten, Chören, Orchester und Ausstattung erfordernde Tochter der Madame Angot." Das Werk fand eine Wiedergäbe, die überraschen mußte. War dock fast das gesammte mitwirkende Personal aus Angehörigen der Anstalt zusammengesetzt. Nicht weniger als 150C Kranke beherbergt das Institut, unte: diesen auch eine Anzahl Künstler unl stimmbegabter Dilettanten. Der Kapellmeister. der die Operette dirigirte. ein gewisser Larivaudiere. ist seit Iahren unter den Gemüthskranken von Sainte-Anne. Die Rolle der Ange Pitou sang eint Kranke," die unter dem Namen Polyaene auf dem Zettel stand; eine etwas verschleierte, aber sonst wundervolle, wohlklingende und gutgeschulte Stimme unterstützt sie. Nur die beiden Rollen der Clairette und der Mlle. Langt spielen zwei gesunde junge Mädchen, Töchter von Angestellten des Instituts. Unter den hohen Bäumen des von festen Mauern eingeschlossenen Parkes hat man die Bühne aufgeschlagen. Mächtige Fackeln spenden im Verein mit dem elektrischen Bogenlicht so viel Helle, daß man auch die interessante Zuschauergemeinde genau beobachten und mustern kann. Hinter den Fremden," die man zu dieser Vorstellung geladen, sitzen, durch eine Barriere von ihnen getrennt, die Kranken der Anstalt. Natürlich hat man auch hier eine sirenge Auswahl getroffen, nur dic Gesünderen" konnte man zulassen, während ungezählte andere, die Schwerkranken, die rettungslos dem Irrsinn Verfallenen, in ihrer ewigen Gefangenschaft nicht einmal dieser kurzen Freude theilhaftig werden können. Aber auch die hier Versammelten werden scharj beobachtet von den Wärtern der Anstalt und'den Schließerinnen. Ueber allen Gesichtern der armen Kranken liegt in dieser Stunde ein Schein von Freud'e. Das Gaite-Thea-ter von Paris lieh seine schönsten Kostüme aus, und die Chöre und Tänze sind von geradezu frappanter Exaktheit. Welche Arbeit, welche Geduld mag es gekostet haben, die Irren so weit zu bringen! Sobald zum letzten Mal der Vorhang gefallen ist, setzt ein frenetischer Beifall ein: enthusiastisch
fordert man immer von Neuem, daß der Vorhang sich hebe, und die Dar stellerinnen der Hauptrollen erhalten wundervolle Blumenarrangements. Ein ungarisches Original. Auf feinem Landgute bei Gr'oßwar dein ist dieser Tage eine der originell sten Gestalten des 'ungarischen Abgeordnetenhauses, der Abgeordnete Franz Rigo, gestorben. Obgleich er nicht zu den alten Leuten gehörte, die in längst entschwundenen Zeiten aufgewachsen sind und sich dem modernen Leben in Ungarn niemals anpassen konnten, wandelte er . doch während der 20 Jahre, m denen er sein Heimathnest im Reichstag vertrat, wie eine UeberLieferung aus vormärzlichen Zeiten unter seinen Abgeordnetenkollegen herum. Der wohlgenährte, vierschrötige Mann mit dem glatt gewichsten spitzen Schnurrbart war einer der reichsten Grundbesitzer semes Komita tes und hatte auch das genossen, was man in seiner Jugendzeit in Ungarn Bildung nannte, ' denn er hatte die Richteramtsprüfung abgelegt; .er ging jedoch bis an sein Lebensende in der Tracht der ungarischen wohlhabenden Bauern umher und konnte sich von dem dunkelblauen, verschnürten Tuch rock, von den engen Stiefelhosen und dem kleinkrempigen runden KossuthHut" Zeit seines Lebens nicht trennen. In der Politik hat er sich zweimal be merkbar qemacht, einmal, als er wäh rend eines stürmischen Auftritts zu dem damaligen Ministerpräsidenten Grafen Kbuen hintrat und ihm einen so derben Ausdruck in's Ohr flüsterte, daß der Ministerpräsident bis zum Ohr errothcte und nicht emmal wagte, die Anzeige gegen Rigo zu erstatten. aus Furcht, die schamlosen Worte wiederholen zu müssen, und em zweites Mal im letzten Winter, als er während einer Rede des Justizministers aus einem Scylafchen erwachte und emen gähnenden Ton herausstieß, der den Minister so aus der Fassung brachte, daß er seine Rede mitten im Satz abbrach und sich niedersetzte. Ern Pro totyp der Unkultur blieb er auch auf seinem Todtenbette, da er sich hart näckig weigerte, einen Arzt kommen zu lassen, und sem asthmatisches Leiden mit Krautern zu heilen suchte, die ihm die alten Dorfweiber seiner Bekannt schaft anriethen. Nur nach seinem Tode huldigte er wenigstens in einem Punkte modernen Anschauungen sein Testament enthielt nämlich die Ber fügung, daß man seinen Leichnam nach Gotha bringen und dort verbrennen möge. Thee mit Schafsfeti und Salz gewürzt ist em Lleblmgsgc tränk der Burjäten im Transbaikal gebiet. '
Seuer - Signale.
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ZS Capital Ave und hl 23 No. 16 Spritzenhaus 15. und Äff. 4 Alabama und IS. .85 Central Zlve und IS. t Fandes und 15. ?7 Brooksid und Jt 11 Central Svt und 17. 29 DeKtwart und IS. 21 Alabama und 11. .? Wellekontawe und '. 4 CslKg Slv und . .5 Telaware und 13. ZS ZUabama und L!o?iZ 7 Newmann und IS. SS College Slv und 14. JS9 Ccrnell Ave und 15. DandeS urüi 19. & High land Slv? und l. 43 Tecumsch und 10. .46 New Jersey und SA 6 Sllrord und 17. 47 No. Spritzenhaus HiKside Ave und 1. ss Kollege Zlve und 5. .49 Kollege Slv und VI. 52 Park ve und 12. .63 LEU. 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Feuer aus und Schlauch ufzerrV Schlag, Wafferdruck ko. Schlag, 1 Uhr Mittags. Dik so l.chnctm Signal vda r ? rhum Ächt angegeben da an de ctrfffeni Jtch keuiung kw SllaunMte anakcht ZKd. Ein originelles Sorn werfest veranstaltet, wie aus dem Oberharz mitgetheilt wird, alljährlichauf dem Jberg bei Grund der Wärter und Wirth des dortigen Nussichtsthurmes. Dieses Waldfest enthält nämlich neben Concert und sonstigen Vergnügungen eine für die Jahreszeit jedenfalls eigenartige Spezialität, ei nen Schneemann, der aus Schnee der benachbarten sogen. Gletscbeltöpfe-, Schluchten und Löcher, in dcnen der Schnee nie schmilzt, hergestellt wird. Nachdem der Schneemann, euch sehr eigenartig, mit Rosen und Nelken geschmückt und die ganze theilnehmende Gesellschaft photographirt ist, beginnt ein regelrechtes - Schneeballwerfen. Dieses Winterfest- im Sommer übt selbstverständlich auf die Sommerfrischler weit und breit die lebhafteste Anziehung aus.
