Indiana Tribüne, Volume 29, Number 10, Indianapolis, Marion County, 4 September 1905 — Page 6
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Jndiana Tribüllk, a. September 1905 O
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Europäische Nachrichten. Provinz Schreswig-Kokskein. Schleswig. Einem Sohne des Polizeisergeanten Tiede, dem Oberbootsmannsmaaten Arthur Tiede, ist vor der Front die Rettungsmedaille am Bande dafür verliehen worden, daß er auf einer Auslandsreise in Südamerika beim Kentern eines Beibootes zwei Kameraden mit eigener Lebensgefahr vom sicheren Tode des Ertrinkens gerettet hat. Ahrenshorst. Vor kurzem schlug der Blitz in das allein belegene Haus des Chausseewärters Harms. Wohnhaus und Scheune brannten gänzlich nieder; gerettet wurde nur wenig. Der Besitzer ist versichert. Brodersby. Hier brannte infolge eines Blitzschlages das Gewese des Landmannes Blaase völlig nieder. Friedrich st ad t. Die älteste Einwohnerin unsere? Stadt, die Wittwe des verstorbenen Arbeiters Mader, vollendete ihr 91. Lebensjahr. Die Greisin ist seit Jahren in der hiesigen Armenanstalt und verhältnißmäßig rüstig. Aeltester Einwohner unserer Stadt ist Rentier F. A. Wiese; er ist im November 1810 geboren. Kiel. An Bord des Fischkutters Nordsöen" hat eine schwere Explosion stattgefunden. Während einer Fahrt
m der Nordsee explodirte der Motorbehälter und Maschmentheile flogen auseinander. Der Kapitän Thomson erlitt schwere Brandwunden. Der Fischkutter lief Esbjerg als Nothhafen an und schiffte den Verbrühten aus. N o r d d e l ch. Hier ertrank der Schiffer Stürenburg, indem er von seinem Fischkutter stürzte und so ein Opfer seines Berufes wurde. Genannter zahlt erst 24 Jahre. Rendsburg. Kürzlich fanden Kinder in der Wehrau eine Mannesleiche. Man stellte fest, daß der Ertrunkene der unverheirathete, etwa 35jährige Arbeiter Jürgen Asmussen war. Der Genannte ist bei Schulp zu Hause und war vor einiger Zeit nach hier gekommen. S u d e r h o l m. Die Eheleute Claus Friedrich Pohlmann und Frau begingen das Fest des (Zsiahrigen Ehejubiläums. Die beiden alten Leute sind verhältnißmäßig noch recht rüstig. Provinz Schlesien. B r e s l a u. Als Nachfolger von Mikulicz ist an erster Stelle Professor Bier (Bonn), an zweiter Professor Garret (Königsberg) für die hiesige Lehrkanzel in Aussicht genommen. Kürzlich ist der 60 Jahre alte Zugführer August Poschau beim Heruntergehen einer Steintreppe in einem Signalhause des Hauptbahnhofes abgestürzt und hat sich einen Schädelbruch zugezogen. Auf dem Tran-port in das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder ist er verstorben. Der Schulknabe Alfred Niewiietzky, Sohn eines Neueweltgasse 19 wohnenden Zuschneiders. ist beim Baden m der Nahe der Gröschelbrücke ertrunken. Altwasser. Auf der Chaussee wurde der Schlosser Wocichowsky von einem Automobil Übersahren und sofort getodtet. B ö h l i tz. Hier ertrank das einzige. noch nicht zwei Jahre alte Töchterchcn des Handelsmannes Hartmann im Mühlbache. Das Kind hatte vor dem Hause ohneAufsicht gespielt. G u h r a u. Der Ziegelarbeiter Klose wurde in Kainzen von einem Wagen überfahren. Die Räder gingen ihm über den Leib, wobei er schwer verletzt wurde; er fand im hiesigen Krelskrankenhaufe .Aufnahme. K a n t h. Dieser Taae feierte der im Ruhestand lebende Hauptlehrer und Kantor Emil Rausch mit seiner Gat tin das Fest der goldenen Hochzeit. Das viel geehrte Jubelpaar erhielt bei dem kirchlichen Festakte die von dem Kaiser verliehene EhejubiläumsMedaille nebst einem Schreiben aus dem Clvllkaomett. Löwen. ' Kürzlich gina der 10jährige Stiefsohn des Arbeiters Pache, Namens Stock, ein leidenschaftlicher Angler, in den Schießhausgarten, um in der Neisse zu angeln. Als er sich zu weit nach vorn neigte, stürzte er in den angeschwollenen Fluß und wurde von der starken Strömung fortgeführt. Von kleinen in der Nähe spielenden Kindern wurde der Unfall bemerkt, er wachsen? Personen waren aber nicht zur Stelle, und so ,st der Knabe er trunken. O t t m a ch a u. Zwei Knaben des Cigarrenfabrikanten Knorr in dem nahen Woitz machten sich mit einer Axt zu schaffen, wobei der ältere, seinem 4jährigen Bruder zwei Finger der linken Hand abschlug, während ein dritter Finger halb durchschnitten wurde. Strehlen. Der am Niklas dorfer Straßenllbergange postirte Schrankenwärter Lindner wurde von der Maschine eines Güterzuges erfaßt und sofort getodtet. W e n d r i n. Der Häusler Georg Raschka stieß in trunkenem Zustande aus Zorn darüber, daß ihn seine Gattin zu verlassen drohte, seiner vier Wochen alten, in der Wiege liegenden Tochter Helene ein Küchenmesser in die Magengegend. Das Kind verschied bald darauf. Der unnatürliche Vater stellte sich nach seiner herzlosen That selbst der Gendarmerie, wurde verhaftet und dem Gerichte eingeliefert. Provinz 'F'c'sen. Posen. -Der LZegierungsbaumei-
ster bei der biesiaen Eisenbahndireküon
Hans VI. carrens ii rrin ;uoiungcji an der Akademie beauftragt werden. rrr i n - i V Y - s - Seine erste Vorlesung behandelte Tagesfragen der modernen Technik. Vromberq. An Opiumvergiftung ist der bei der Eisenbahn-Haupt-wekstatt beschäftigte Schlosser Suligowski gestorben. Letztens klagte er über Leibscumerzen und trank zu deren Beschwichtigung ein Schnapsgläschen voll soqenanntcr Choleratropsen . Bald darauf brach er bewußtlos zusammen, denn die Medizin, die nur tropfenweise hätte genommen werden dürfen, enthielt viel Opium. Totz schleuniger ärztlicher Hilfe starb der Unglückliche. Konarzewo. Kürzlich spielte der 14 Jahre alte Sohn des Händlers Stachowiak mit dem seinem Vater gehörigen, mit Schrot geladenen Revolver so unglücklich, daß dieser sich entlud und das m der 'Wiege liegende Schwesterchen tödtlich verletzte. L i s s a. Vor einiger Zeit brannte die reichlich mit Bauholz gefüllte Schneidemühle des Maurer- und Zimmermeisters H. Nerger an der Reisener Straße. Es ist außer Zweifel, daß. das Feuer böswillig angelegt worden ist. Ostrowo. Der Wirth Karl ?apke aus Guminiec, welcher beschuldigt war, im Februar d. I. den ftörster Michalik bei einer Wildaffaire in der Pempowoer Forst erschossen zu haben, ist von der Anklage des Mordes freigesprochen worden. R o z b i t e k. Das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens wurde dem früheren Gemeindevorsteher und Ortssteuererheber Weinert verliehen. Wisse k. Beim Baden im See zu Schönsee ertrank der Zimmermann Eduard Höft von hier. Höft hinterläßt eine Wittwe mit drei noch unerzogenen Kindern. Provinz Sachsen. Magdeburg. Geh. Archivrath G. A. v. Mülverpedt Hierselbst feierte seinen 80. Geburtstag. Er ist der älteste unter den deutschen Archivaren. Letztens wurde der Rangirmeister Hermann Lumme auf dem Centralbahnhof beim Rangiren überfahren und tödtlich verletzt. Beim Eintreffen des alarmirten Sanitätswagens der Feuerwehr war er bereits verstorben. A u e r st ä d t. Unser Dxi, der bis jetzt noch kein Erinnerungszeichen an die geschichtlichen Ereignisse in seiner .Nähe besaß, wird nun ein Denkmal erhalten. Die Inschrift auf der emen Seite des Denkmals, die nach dem Hause zu liegt, wo im Oktober 1806 König Friedrich Wilhelm III. wohnte, wird lauten: Preußens Aai flog über Auerstädts Gefilde nach Sedan." Die Enthüllungsfeier wird am 31. August oder 1. September stattfinden. D-ü b t n. Bei einem schweren GeWitter schlug der Blitz in das Wohnhaus des Nagelschmieds Küster und äscherte es vollständig ein; auch Fluren und Gärten wurden schwer heimgesucht. Erfurt. Letztens machten sich hier spielende Kinder in der Blücherstraße mit einem zweirädrigen Karren, der zur Beförderung von Pflastersteinen bestimmt war, zu schaffen. Durch Aufkippen der Deichsel wurde der vmvnae nnave ememann am Unterleib lebensgefährlich verletzt. G a r l i p p. Der Müller Paln, sen. stürzte von den Flügeln seiner Windmühle ab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach einiger Zeit starb. Halber st ad t. Hier wurde der 6jährige Sohn des Geschirrsührers Dammköhler von einem Fuhrwerk überfahren und war sofort todt. Der Knabe hatte in der Schoßkelle des Wagens gesessen und war heruntergefallen. Kospa. Hier erschoß sich der Amtsvorsteher Gutsbesitzer Reußner, dem Vernehmen nach aus Scheu vor einer angekündigten Revision der hiesigen landlichen Spar- und Darlehns kasse. Reußner soll- die genannte Kasse um rund 100.000 Mark geschädlgt' haben. Quedlinburg. Der verstor bene Stadtrath Besser hat der Stadt testamentarisch seine 7000 Stück um fassende werthvolle Kupferstichsammlung vermacht. Sie soll der Bürgerlernst zugänglich gemacht werden. Wernigerode. Bei der Rückkehr vom Felde wurde der Arbeiter John in der Minsleberstraße vom Blitz getodtet. Provinz Hannover. Hannover. Dieser Tage feierte der Buchdrucker Wilhelm Schultz sein 60jähriges Berufsjubiläum in seltener ,;rijcye und Gesundheit in der Schlü ierschen Buchdruckerei, in welchem Ge schäft er seit 35 Jahren thätig ist. Verunglückt ist der Vorarbeiter der Straßenreinigung Alfred Brand. Ihm riei m der Gr. Paclhosstraße ein 6 Meter langes Brett vom Gerüst eines Hauses auf den Kopf. Brand erlitt eine schwere Kopfwunde und wurde irr's Krankenhaus aesckafft. Alfeld. Beim Baden in der eine ertrunken l der 14jährige Schüler August Meyer. Er verschwand plötzlich vor den Augen vier milvavenoer Kameraden an emer tie sen Stelle. D ö r n t e n. Ueberfahren und ge tödtet wurde der 63 5iabre alte Stre ckenwärter Bosse von hier, als er einem
von yier nach Drauhos fahrenden Gü
terzuge ausweichen wollte und in das
nächste (Äelelse trat. Emlichheim.- Hier verstarb nach kurzem Leiden der erste Lehrer und Organist Blekker an den Folgen einer Blutvergiftung, die durch einen Insektenstich entstanden war. Groß - Kühren. Bei einem über unsere Gegend ziehenden starken Gewitter tödtete der Blitz den aus em Felde beschäftigten Arbeiter Wegener, der erst kurze Zeit verheiratet war. I s e n s e e. Durch Scheuwerden der Pferde wurde der Hofbesitzer Hinrich Oehlers so unglücklich vom Wagen geschleudert, daß er sofort verstarb. Nordhorn. Hier ertranken beim Baden im sog. Kolk der Oelmühle der elfjährige Sohn des Färbermeisters Hemmers und der achtjährige Sohn des Maurers Moorkotte. R ö s s i n g. Kürzlich beging der Schäfer Behmann hier mit seiner Ehefrau, geb. Plötze, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Herzog von Cumberland hatte dem Jubelpaare zu diesem Ehrentage eine Prachtbibel und em Geschenk von 30 Mark überweisen lassen. Beide wurde dem Ebevaare durch unseren Ortsgeistlichen überreicht. V o a e l b e ck. 5n dem nahe belegenen Kalibergwerk Siegfried I" ereignete sich ein trauriaer Unalllcksfall. eim Abschließen der Grubenwässer platzte plötzlich infolge starken Wasserdrucks die Betonwand an einer Stelle, loodurch ciniqe Bergleute schwer ver unglückten. Der Bergmann Sakel aus Eboldshausen war bald seinen Verletzunqen erleaen und der Vorarbeiter Wiesel aus Ahlshausen hatte schwere Verletzungen erlitten. Provinz Westfren. M ü n st e r. Infolge Ueberlastung des Gerüstes am Neubau des Vrovinziak - Museums am Domplatz brach dasselbe im zweiten Obergeschoß zusammen. Der Techniker Halbers, Arbeiter Bußmöller und der Lehrling Eggert stürzten in die Tiefe. Halbers und Eggert sind den schweren Verletzungen sofort nach der Aufnahme in's Krankenhaus erlegen. Bonenbuig. Hier ist durch Blitzschlag das Haus des Gastwirths Niggemeier vollständig abgebrannt. Dortmund. Der auf dem hiesigen Eisen- und Stahlwerk Hoesch als Dolomitsetzer beschäftigte Friedrich Piontek faßte mit einer Hand an einen elektrischen Leitungsdraht. Piontek befand sich hierbei auf einer etwa 8 Meter hohen Bühne. Infolge des elektrischen Schlages taumelte er zurück, fiel von der Bühne herunter und mit dem Kopfe auf die Erde. Piontek erlitt hierbei einen Schädelbruch und war sofort todt. Die Leiche wurde nach der Leichenhalle desOstentodtenhofes geschafft. ' Gelsenkirchen. Auf der Zeche Holland" sind im Schacht I und II durch eine Explosion schlagender Wetter sechs Mann verunglückt. Die Leichen des Steigers Schmidt, sowie der Bergleute Grabowski und ErnstSchäfer wurden geborgen. Außerdem wurde noch der Bergmann Gruph, der sich an den Rettungsarbeiten betheiligt hatte, als schwerverletzt dem KrankenHause zugeführt. Von den bei der Explosion verunglückten sechs Veraleuten sind die letzten beiden als Leichen geborgen worden, fodaß, da der Schwerverletzte inzwischen verstorben ist, alle Verunglückten todt sind. Lüde'nscheid. Verliehen wurde dem Fabrikanten Wilhelm Büren d;r Rothe Adlerorden 4. Klasse. Meiner z Hagen. Ein Großseuer entstand in dem Anwesen von Krugmann auf dem Scherl. Trotz sofortigen Eingreifens der Feuerwehr brannte das große Gebäude vollständig nieder. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Der Schaden ist beträchtlich. O e st rich. Dieser Tage wurden der Landwirth Schumacher und ein Italiener vom Blitz erschlagen. Si5 hatten eine Karre Grünfutter vom Felde geholt. Schumacher hielt das Pferd am Kopfe und der Italiener ging hinterher, als der Blitz in das Fuhrwerk schlug und die beiden Personen nebst Pferd sofort tödtete. Soest. Bor Kurzem wurde der Arbeiter Gerke todt mit mehreren schweren Verletzungen im Gesicht und am Halse aufgefunden. Die stattgehabte Obduktion der Leiche des Gerke ergab, daß er sich einen Schädelbruch, vielleicht infolge Sturzes von' der Kleinbahnüberführung herunter, zugezogen hat. Die Wunden am Kopfe scheinen durch Aufschlagen auf spitze kleine en:nanoen zu sein. Gemüthlich. Bürgermeister: Was ist denn das für eine Ordnung? Sie ha ben ja heut' Nacht den Arrest gar nicht zugesperrt!" Ge m e i n de d Z e ner: Sind denn die Halunken durchaebrannt?" B L r g e : m e i st e r: Leider nicht, '
Ollivtcr übcr die MarokkoZZrage. Emile Ollivier, der Mann mit dem leichten Herzen", dessen Name mit' den für Frankreich so verhängnisvollen Ereigniszen von 187071 verknüpft ist und verknüpft bleiben wird, nimmt jett gleichfalls zu den das Interesse seiner Landsleute gegenwätig so lebhaft erregenden Fragen der auswärtigen Politik das Wort. Der hochbejahrte Staatsmann und Publizist, der aus seiner halb frciwilligen, halb unfreiwilligen Zurückgezogcnhcit nur selten heraustritt, billigt das Vorgehen Rcuvier's in jeder Hinsicht. Rouvier, so erklärt er. habe wohl daran gethan, sich über die MarokkoFrage mit Deutschland zu verständigen. Ein Krieg wegen Marokko wäre eine Ungeheuerlichkeit gewesen; denn Frankreich habe in Marokko kein Protektorat und noch weniger Eroberungen zu suchen, und selbst als Reformator brauche es dort nicht nothwendigerweise einzugreifen, so lange es im eigenen Lande noch so viel zu verbessern
und zu reformircn habe. Klug wäre es dagegen nach Ollivier's Ansicht geWesen, wenn Frankreich sich Spanien behülflich gezeigt hätte, in Marokko die Stellung zu erlangen, auf die es mehr als ein anderer Staat Anspruch habe. Für eine solche Hülfeleistung hätte der Nachbar jenseits der Pyrenaen durch den Abschluß einer Offensiv- und Defensiv-Allianz sich erkenntlich zeigen können, einer Allianz, die Frankreich von Nutzen sein würde, wenn einst an seiner Ostgrenze Gefahren im Anzüge sein sollten. Emile Ollivier ist aber auch für em herzliches Einvernehmen mit England, ja selbst für eine allerdings durchaus friedliche Allianz. Man sieht, sagt er. in den Engländern allzu leicht nur Krämer, die überall Absatz für ihre Erzeugnisse suchen. Sie importiren aber nicht blos Waaren, sondern auch Ideen und Einrichtungen; denn da. wo sie sich festsetzen, psleqt die Freiheit zu blühen und die Menschheit Gewinn zu haben. Daß die Freundschaft Frankreichs mit England zu einem Kriege mit Deutschland führen könne oder müsse. glaubt er nicht. Da Frankreich auf den Revanchekrieg verzichtet zu haben scheine, solle es sich mit Deutschland auf den Fuß rücksichtsvoller, höflicher Beziehungen stellen; mear werd Deutschland nicht verlangen: es werd: zufrieden fein, wenn es sehe, dajj Frankreich die Ablicht habe. Englands wegen ihm gegenüber eine trotzige. herausfordernde Haltung anzunehmen. Eine Allianz Frankreichs und Teutsch lands, der England sich anschließen würde, wäre allerdings nach Ollirer'Z Ansicht die schönste diplomatische Combination. Aber eine solche Allianz zwischen den beiden Nationen wäre nur möglich, wenn die eine der anderen do ut des" verschaffte, wie Bismarck zu sagen pflegte. Was bietet uns Teutschland für eme solche Allianz r fragt der greise französische Staatsmann. Giebt es uns Meh? Dann könnten wir ein Gespräch schon anknüpfen. Einstweilen müssen wir einander gegenseitig Achtung bezeigen. Die (SestZNckte cincs Papageis. In der Rue Barbitte in Paris wohnt eine ältere Dame. Madame Dumont. deren Papagei unlängst die ganz: Straße in Bewegung und Aufruhr veretzte. Frau Dumont war der felsenestenUeberzeugung.daß ihrPapagei der chönste des ganzen Landes sei und kein anderer Vogel es mit ihm im vsllendeten Sprechen aufnehmen könne. Die bösen Nachbarn freilich waren ganz anderer Ansicht, sie behaupteten, daß der Papagei einen unheimlichen Spekakel vollführe, und beschlossen, dem Lärm ein Ende zu bereiten. Es gelang ihnen, das Stubenmädchen der Madame Dumont zu bestechen, und in Abwesenheit der Besitzerin stellte di? Magd den Vogel mit dem Käsig auf den Balkon und öffnete die 'Thür. Das Thier flog heraus, setzte sich auf das Balkongitter, besah sich von hl.'r die schöne Welt und krähte und kräch-te lustig darauf los. so daß die B:wchner der Straße sich unten vor dem Hause versammelten und neugierig zuschauten, ob der Papagei nicht bald das Weite suchen werde. Da er aber anscheinend keinen Freiheitsdrang in sich fühlte, warfen die Passanten mit Steinen und anderen Gegenständen hinauf nach dem Balkon, bis der Vogel unwillig und ärgerlich kreischend, auf und davon flog und gerade in die ceöffnete Thür des auf der anderen ScUe der Straße ballenden Polizeigefährts. Der Polizeibeamte, auf diesen Häftling nicht vorbereitet, wollte ihn greifen, doch Lorchen" biß so wüthend um sich, daß der Beamte von ihm ablassen mußte. In diesem Augenblick crschien Frau Dumont. Entsetzt wies sie das Anerbieten ab, in den ..grünen Wagen" zu steigen, um den Papagei zu fangen, da sie eine anständige und ehrbare Frau sei. Es blieb also nichls anderes übrig, als Hilfe herbeizuholen. Den vereinten Kräften gelang es denn auch, des Papageis habhaft zu werden und ihn in den Käfig zurückzutransportiren. zur großen Freude seiner Eigenthi.merin und zum Leidwesen der Nacbb"" Zu fröhlicher Krähenj a g d waren unlängst 39 Nimrode in den Counties Elgin und Kane, Jll., ausgezogen. Die Jagd währte zwei Tage. Erlegt wurden in der Zeit 1131 Krähen, neben 50 Neuntödtern und 5 I Habichten.
Die Avarvankkittlagkn drr ttJclk.
Ihr Sesammidetrog in fern einzelnen Hin dcrn-Tie sparsamste VIaUcn. Unter den sparsamen Nationen der Erde steht das Volk der Ver. Staaten obenan, denn der in den Sparbanken der Union von Millionen von Tepositoren hinterlegte Reichthum betrug vor Kurzem Z3.060.176.611. wobei zu berucksichtigen ist, daß es rn 14 Staaten der Union überhaupt keine Sparbanken gibt und der Geldüberfluß daselbst in anderer Weise angelegt wird. Allen Staaten voran steht New Jork. in des sen Sparbanken insgesammt $1,252,928,299.62 hinterlegt sind, oder $85," 836,855.59 mehr, als im verflossenen Jahre. Mit Bezug auf seine Vevölkerungszahl ist jedoch Connecticut dem großen Nachbarstaate über, denn bei einer Einwohnerschaft von 908.000 Köpfen betragen dort die SparbankDepositen $211.177.974. Nächst den Ler. Staaten ist dann Deutschland das Land, wo. was di: Gesammtsumme anbetrifft, der Sparsamkeitssinn am meisten entwickelt ist, denn die Depositen betragen dort $2,273.45.226. Es folgen 'dann Oesterreich-Ungarn mit $1.309.700.000 und England mit $966.854,258. In Frankreich beläuft sich der Gesammtbetrag der Sparbank-Tepositen auf $847.200.000. wobei jedoch bemerkt werden muß, daß der Franzose mit großer Vorliede sein Geld in Ren--ten anlegt. In den italienischen Sparbanken befinden sich .$482,200.000. in den dänischen $236.100.000. in den schweizerischen $193.000.000. in den belgischen $141.800.000 und in den schwedischen $151.400.000. Selbst Rußland kann m seinen Sparbanken $445.600.000 aufweisen, was per Kopf der Bevölkerung $3.16. gegen $96 in Dänemark. $62 in der Schweiz und $40 in Teutschland beträgt. Befremdend wirkt es, daß sich die Spar-bank-Tepositen in dem fleißigen Holland nur auf $72.700.000 belaufen, doch mag als Erklärung dafür dienen, daß dort mehr Kapital geschäftlich und überseeisch angelegt ist, als es seitens anderer Staaten des europäischen Kontinentes der Fall ist. Pfändung mit Hindernissen. Im Hafen am Schifffahrtskanal zu Berlin erschien kürzlich ein GerichtsVollzieher mit einem vollstreckbaren Schuldtitel gegen einen' Schiffseigenthümcr, dessen beladen Steinkahn in dem Hafen ankerte. Bei der Ankunft des Beamten befanden sich nur zwei junge Schiffer auf dem Kahn, die sich der Pfändung widersetzten. Dem Gerichtsvollzieher blieb daher nichts anderes übrig, als polizeiliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, die ihm auch zu Theil wurde. Mit fünf Schutzleuten kehrte er nach dem Kahn zurück, um seines Amtes zu walten. Nun standen aber die Hüter des Rechtes vor einer neuen Schwierigkeit. Sie konnten einfach nicht zu dem Steinkahn gelangen. weil die Schiffer das zum Ufer führende Verbindungsbrett entfernt hatten. Es wurde nun versucht, von den benachbarten Kähnen aus vorzudringen, allein dieses Vorhaben scheiterte an der Solidarität der Schiffer. Sobald sich die Beamten irgend einem Kahne näherten, wurde dessen Verbindung mit dem Ufer aufgehoben, indem die Schiffer ihre Bretter einfach zurückzogen. Schließlich verfielen die Beamten auf die Idee: Getrennt marschiren, vereint schlagen! In zwei Abtheilungen umgingen sie nach verschiedener Richtung hin die im Hafen liegenden Kähne und hatten jetzt den Erfolg, daß ihnen an beiden Endpunkten Handkähne in die Hände fielen. Nun erreichten die Beamten den für die Pfändung bestimmten Kahn und brachten die beiden jungen Schiffer nach Gegenwehr zur nächsten Polizeiwache. Seltsame Begräbnißseiet. In einem Städtchen am Rhein war ein Eisenbahnbeamter gestorben; da er ein alter Krieger war, wünschten die Angehörigen ein feierliches militärisches Begräbniß. Nun war man aber gezwungen gewesen, die Leiche wegen der großen Hitze schon vorher im Leichenhause auf dem Kirchhose unterzubringen; ein Leichenzug durch die Straßen des Städtchens war daher nicht möglich. Man verfiel deshalb auf den Ausweg, eine Leiche" zu markiren. Es wurde ein zweiter Sarg beschafft, der alsdann unter Begleitung eines Kriegervereins mit der Fahne, zahlreicher Leidtragender" und eines Priesters leer zum Kirchhofe gebracht wurde, wo der nothwendige Austausch und die richtige" Bcerdigung stattfanden. Ein großherzogliches Hotel. Der Großherzog von Hessen wünscht in Mainz, der größten und bedeutendsten Stadt seines Hessenlandes, die Errichtung eines großen modernen Hotels im alten Palaisgarten nahe dem großherzoglichen Schloß am Rhein, um dort Gäste jederzeit bequem unierbringen zu können. Die großherzogliche Zivilliste will denBauplatz für 500.000 Mark hergeben und zu den Baukosten einen namhaften Zuschuß leisten, der Hof das erste Stockwerk des Hotels dauernd miethen, da der Großherzog mehrere Wochen in Mainz residirt. Der Duft des Heliot r o p kann von dem der Vanille kaum unterschieden werden.
es ist noch emer dazugekommen!
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