Indiana Tribüne, Volume 29, Number 10, Indianapolis, Marion County, 4 September 1905 — Page 5
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Jndiana Tribüne, l. September 1905
Spätes Glück.
Von 21 Knutson. Aus dem Schwedischen von E. Wilmar. Vor dem traulich prasselnden Kaminfeuer saß das junge Paar. Das junge? Nein, sie war schon weit über dreißig und. er bereit, über vierzig. Sagen wir also lieber: das glückliche Paar. Aber merkwürdig jung sah sie aus. wie sie dort in der Sofaccke lehnte. Zum Theil war es wohl das Verdienst des Feuerscheines, der ihre Wangen mit warmer Gluth, ihre Haare mit Goldglanz überhauchte, doch mehr noch der verschönernde Reflex warmer Innerlichkeit; , denn als sie sich herabneigte und den in ihrem Schoße ruhenden Männerkops st.reichelte, schwebte ein Lächeln um .ihre Lippen, das jeden ihrer Züge wundersam verklärte. Act;, Axel., wie glücklich bin ich doch!" sagte sie leise, während sie die schlanken Finger durch sein dichtes, dunkles, hier und da leicht ergrautes Haar und dann langsam, schmeichelnd über seine Stirne gleiten ließ. .Du schläfst doch wohl nicht, Axel!" Schlafen? Bewahre. Ich genieße nur. Dort auf dem Schreibtisch liegt ein Berg von Themenbüchern und um halb sieben muß ich in's Kolleg. Aber diese Dämmerstunde gehört uns beiden. Rede, mein Kleinchen, zwitschere, Lögelchen!" Ich bin weder Kleinchen noch Voc.el, sondern ein gesetztes, verständiges Menschmkind, das jahrelang in einem Bankbureau gesessen und Renten be rechnet hat," entgegnete sie schelmisch. Und zwitschern? In welcher Tonart belieben Monsieur?" In derselben wie vorhin: Ich bin so glücklich, so glücklich!" Ein Grundton warmer Zärtlichkeit durchbebte seine tiefe Stimme. Zwitschere mir vor, wie froh Du gewesen bist, als Du merktest, daß ich geruhte. Dich meiner Gunst ZU würdigen; wie Du an dem Tage, als Du meinen Freiersbrief erhalten, immer einen Rechenfehler nach dem andern machtest und so weiter. Ja, ja, zwitschere nur über das Alte, ewig Neue!" Damit Du dabei einschläfst! nein, danke!" , Doch ohne ihre Antwort zu beachten, fuhr er fort: Zwitschere, wie Dir zumuthe ist, wenn Du träumst, daß Du mit all Deinen Ziffern im Kopf im Bankbureau, neben dem langen Kollegen sitzest, der Lisett', ach wie nett" trällert und seinen Schnurrbart zwirbelt, während er offenbar denkt: Hätt' ich wemgstens ein junges Mädel an meiner Seite!" Nein, Azel, nicht ironisch werden!" Wenn Du dann am Morgen aus solchen Träumen erwachst und um Dich schaust, erkennst Du Dich selbst nicht wieder. Du siehst den langen Kollegen nicht,Du hörst nicht. Lisett'. ach wie nett", hast keine einzige Ziffer im Kopf, doch Dir gegenüber steht ein großes, bärtiges Individuum und sagt: Adieu, Duchen, nun gehe ich!" Und dann küßt er Dich, so daß Du noch wacher wirst und merkst, daß Du nicht auf der Bank bist. Und wenn er fort ist, dankst Du Gott, daß Du an einen so vortrefflichen Mann gerathen bist und daß .Dein Glück kein Traum, sondern echte, gesunde Wirklichkeit. Und dann sinnst Du, wie schon so oft, dem Räthsel nach, wie er sich in Dich, die Du weder jung noch schön bist, verlieben konnte." Und dann gedenke ich der Antwort, die mir in solchen Fällen zu werden pflegt," fiel sie ein wenig indignirt . ein. Wir wollen über die Liebe nicht räsonniren, denn sie wägt und wählt nicht. Offen gestanden, hat diese Antwort mich ein wenig geärgert; sie klingt ganz so, als wolltest Du Dich entschuldigen." Er schwieg eine Weile, und als er dann wieder sprach, hatte seine Stimme einen ernsten Klang. Er hob den Kopf und schüttelte die Mähne aus der Stirn, um seine Frau besser betrachten zu können, wie sie, vom Feuerschein umglüht, vor ihm saß. Ach, wie merkwürdig Du ihr gleichst!" Ihr?" Wie ein jäher Stich durchfuhr es ihre Brust. Ja, es ist merkwürdig, daß zwei Menschen einander so ähnlich sehen können," wiederholte er, während er seine frühere bequeme Stellung wieder einnahm. Sie schwieg. Doch ein tiefer Seufzer störte plötzlich seine Betrachtungen.Das klang fürwahr nicht wie Vogelgezwitscher. Warum seufzest Du, Helga?" Ich hätte es mit denken können," bemerkte sie mit leise bebenderStimme. Was denn?" Daß es nur ein Reflex war." Langsam, müde ließ sie die Hand über sein Haar gleiten. Du liebtest eigentlich nicht mich, sondern nur die Erinnerung an eine andere." - Und nun bist Du eifersüchtig, mein Närrchen, so eifersüchtig, daß die Thränen nicht mehr weit sind!... O, diese Frauen! Sollte ein Mann etwa nie verliebt gewesen sein, ehe er alt und grau geworden? Hast Du nicht selbst neunundneunzigmal geflammt, ehe Du die Meine geworden bist!" Du weißt sehr wohl, daß das nicht der Fall ist. Ich gehöre nicht zu der Sorte. Als ich jung war, machte ich hohe Ansprüche, und da mein Vater für reich galt, fehlte es mir nicht an Bewerbern; aber ich konnte mich nicht
entschließen, zuzugreisen, um nur t nen Mann zu bekommen. Und der Rechte kam erst, als es zu spät war." Zu spät? Wie meinst Du das?" Ja, er kam erst, als er alt und arau geworden, und da ward mir nur der Reflex seines- ersten Jugendfeuers, das er ihr geweiht, an die zu erinnern ich das Glück habe." Sie hatte in leisem, gedämpftem Ton gesprochen. Ihre stolze, feine Natur, die alles geKeben und daher auch viel begehrte, erbebte unter einem Gefühl der Bitterkeit, die sie nicht zu verbergen vermochte. Ihn aber schien diese Wahrnehmung keineswegs unangenehm zu berühren. Er erhob sich aus seiner nonhalanten Stellung, setzte sich dicht neben sie und versicherte unter Küssen, daß seine Liebe kein Reflex, sondern das wärm sie, echteste Gefühl sei, das je seine Brust erfüllt habe. Ja, ich kann mit gutem Gewissen hinzufügen, die einzige Liebe meines Lebens." sagte er; denn jenes andere war eigentlich nur ein Traum, eine Phantasie. Du weißt nicht recht, was in mir wohnt, Helga. Mein Vater war Künstler, und mein Bruder hat ja noch in seinen alten Tagen ein Ge dichtbuch herausgegeben. Es war allerdings auch danach! Wir .sind mithin romantisch veranlagt das liegt bei uns im. Blut. Meine Romantik offenbarte sich weder in Oeloder Wasserfarben, noch ergoß sie sich in Versen. Sie malte und malte an einem einzigen Bilde' tief drunten im Herzensgrunde und versah es mit der Devise: Sie oder keine!" Ja, ob Du es nun glaubst, oder nicht aber dieses ideale, halb erträumte, halb geschaute Bild hat sich so manches Mal von entscheidender Bedeutung für mein Geschick erwiesen. Es hat mir u. A. eine .reiche Partie fortgegaukelt, denn es stellte sich mitten auf die Geldkiste und fragte: Kommt Fortuna mir gleich, mein Herr? Kommt Fortuna mir gleich? Es hat mich in Stunden der Versuchung behütet, mich mit großen, ernsten Augen angeschaut und gewarnt: Laß keinen Fleck das zarte Bild entstellen, sonst erkennst Du sie vielleicht nicht wieder, falls ihr euch je begegnet! Hüte mich. Idealist, hüte mich!" -Er verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und lehnte sich in's Sofa zurück. Groß und leuchtend ruhten Helga's Augen auf ihn. Eine neue Seite seincs Wesens schien sich vor ihr zu entrollen, reilb an, wechselnden Bildern und mit schwer zu deutendem Text. Ich versiehe Dich nur halb," klang es von ihren Lippen. Ach. wenn Du mir alles, alles sagen wolltest!" Alles, alles..." lächelte er. Für Jemand, der nur das Aeußere. die grellen - Konturen sieht und die feine Mystik des Seelenlebens nicht faßt, wäre es eitel Dunst und Thorheit. Vor einem solchen zu beichten, würde mir nicht einfallen. Da Dein Wesen jedoch aus demselben Stoff wie das möine geschaffen scheint, so kann ich ja wohl damit herausrücken." Ja, ich werde Dich schon verstehen. Rück' nur damit heraus!" Es ist schon schrecklich lange her nahezu zwei Dezennien. Ich war damals sechsundzwanzig Jahre alt, Dozent der Geschichte, Enthusiast und Mitglied eines neugebildeten patriotischen Clubs, woselbst ich feurige Reden zu halten pflegte. Es waren damals bessere Zeiten. Das Land war noch nicht so innerlich zerrissen wie jetzt. Björnson hatte noch nicht begonnen, über Politik und Handschuhmoral zu grübeln; er schrieb nur Idyllen, .und Norwegen " Ach, Axel, verfall' jetzt nicht auf Politik. Du wolltest ja von i h r reden." Geduld das war nur ein kleiner Abstecher. Also ich war sechsundzwanzig Jahre, mithin kein unbefie-. beriet Grünling, sondern ein bärtiger Hüne, wie jetzt. Zugleich mit meiner Ernennung zum Dozenten einem unbesoldeten Titel, wie Du weißt hatte ich eine Anstellung an einer Schule erhalten, und da meine Larve gerade nicht polizeiwidrig ist, so begann man alsbald nach mir zu angeln fein, vorsichtig, mit den ehrlichsten Absichten, wie es sich für wohlerzogene junge Damen schickt. Doch gleich Dir machte ich hohe Ansprüche und konnte mich nicht entschließen, zuzugreifen, um nur eine Frau zu bekommen. Ich war ja, wie gesagt, Romantiker. Ich wollte geliebt, ja womöglich angebetet werden, doch nicht von erst wem und nicht erst wie. War es mir nicht vergönnt, den edelsten Becher zu erlangen, so dürstete ich lieber, und all meine erotischen Träume resultirten in dem Vorsatz: Ja, ich werde mit Bedacht wählen. So lagen die Sachen, als unser Club seinen ersten Stiftungsball feierte. Ich hatte das Mißgeschick ge. habt, mir einige Wochen zuvor den Fuß zu verstauchen, und wiewohl ich gehen konnte, ohne zu hinken, war ich ür den Tanz unmöglich. Jnfolgedesen stand ich viel allein und sah mir as Gewimmel an. Und inmitten dieses Gewimmels luftiger Gewänder, lockiger Häupter und nackter Schultern sah ich nur . eine einzige. Sie war keine Schönheit, doch von entzückender Frische. Hast Du halberschlossene, von Morgenthau und Sonnenschein schimmernde Nyponrosen gesehen? Einer solchen glich sie mit ihren rosigenWangen, ihren rothen Lippen und dem
langen, lockigen Blondhaar, auf dem ein Knospenkränzechn ruhte. Um den Hals trug sie eine leichte, weiße Perlschnür, die sich beim Tanz leise . bewegte." Wie genau Du das alles gesehen hast," unterbrach sie ihn lachend. Ihr Männer habt ganz ebenso ein Auge für Kleinigkeiten wie wir. Solch ein Halsband aus großen weißen Perlen habe ich übrigens auch einmal besessen." Ja, mir sieht das alles noch . so deutlich vor Augen," sagte er. D Anzug einer Frau gleicht den Blättern einer Rose: sie umgeben sie mit etwas Zartem, Individuellem. In der außercn. Erscheinung offenbart sich stets etwas vom Seelenleben. Dieses Mädchen war sicherlich eine poetische, hingebende Natur; das verrieth mir nicht nur ihr träumerischer Blick, der so sehr dem Deinen gleicht, nicht nur ihr schüchternes Lächeln, ihre weichen Bewegungen, die ebenfalls den Deinen gleichen, sondern auch ihr Kostüm, das ganz anders war, als alle anderen. In erster Reihe die schlichten, zartfarbigen Knospen, die weißen Perlen, die sicherlich weder kostbar, noch modern waren. Und dann das aus irgend einem luftigen Stoffe gefertigte Kleid sahnefarbener Grund mit großen, blaßrothen Bouquets. Auf dem ganzen Ball war keine so gekleidet wie sie. Welch' unpassende Toilette!" horte ich eine Dame hinter mir sagen. Auf einem ländlichen Fest draußen im Grünen wäre sie eher am Platze; hier aber sticht sie zu sehr von allen anderen ab." Mir aber erschien sie wie ein Bild der blühenden Jugend in ihrem rosenLbersäeten Gewände." Weißt Du, Axel." bemerkte Helga, ich habe einmal ein ähnliches Kleid aehabt lichtgrauer Grund mit großen, rosenrothen Bouquets, das ich auch einmal auf einem Clubfesie getragen habe. Wie merkwürdig! .... Weiter, Axel, weiter! Wie war's, als ir einander traft?" -Wir trafen uns nicht. Ich fragte einen Kollegen nach ihrem Namen. Möller," sagte er." Genau wie ich," lachte sie. Das fängt nachgerade an, verfänglich auszusehen." . Ja, sie trug wirklich diesen banalen Dutzendnamen," fuhr er unbeirrt fort. Sie war irgendwo vom'Lande her und eine Verwandte von Professor Z. Ich wollte mich ihr vorstellen lassen, kam jedoch nicht dazu, da, sie beständig von Courmachern umringt war. Und darunter war namentlich einer, der meine besondere Aufmerlsamkeit erregte. Merkwürdig, wie solch kleine Details einem im Gedächtniß haften können! Alles, waS-sie an jenem Abend umgab, steht mir noch heutigentags so klar und deutlich vor Augen, wie das, Muster jenes Tep-. pichs. Alle Farben treten so tief und sammetweich hervor, die dunkelvioletten Aurikeln, die purpurrothen Rosen, die moosgrünen Blätter, und dann die bernsteingelben Rokokogewinde, die alles miteinander verbinden...." Ach. was geht uns jetzt der Teppich an! Bleib' lieber bei der Sache!" Er lachte. Ja, siehst Du, ebenso deutlich wie ich das Muster da sehe und begreife, was es vorstellen soll, durchscheute ich alles, was mit meinem zartblumigen Mädel zusammenhing. Ich sah. daß der lange Dozent, mit dem sie soeben tanzte, verliebt in sie war, daß er um sie anhielt und einen Korb bekam..." Wie hieß er?" fiel sie ihm jäh in's Wort. Lmdensköld." Ach!" Die Hand über die Augen drückend, lehnte sie sich tief in die Sofaecke zurück. Was denn?" fragte er in verwundertem Tone. Nichts, nichts!" sagte sie leise. Ich habe mich nur an einer Nadel gestochen. Erzähle weiter! Erkläre mir, wie du damals zu dieser Wissenschaft gelangtest?" Nun. ich sah, wie er sie mit seinen Augen verschlang, wie er hartnäckig über, irgend etwas zu reden versuchte, was sie nicht hören wollte. Und einmal, als sie den Kopf schüttelte, fiel eine Knospe aus ihrem Kranz. Er hob sie auf und befestigte sie sentimental imKnopfloch. Aber sie that, als sähe sie es nicht, sie wollte ihn offenbar nicht ermuthigen. Und das wunderte mich nicht. Der Mensch sah aus, als wäre er aus Teig gemacht, grauweiß, gedunsen und verbacken. - Er ist Philosoph. ein schwer zu ertragender Pedant und hat eine lange, ungenießbare Abhandlung über Schopenhauer geschrieben. Ich kannte den Jüngling und lachte in mich hinein: Recht so, Du zartblumige Maid, recht so! Im Kotillon, den sie mit ihm tanzte meine Argusaugen verfolgten sie beständig merkte ich, wie gelangweilt sie war. Ihre großen, sinnenden, ausdrucksvollen Augen sagten ihm deutlich: Ich habe nichts zu geben"; er aber wollte ihre Sprache nicht verstehen. Dann wurde sie unwillig wer kann es ihr verdenken? Wer wüßte nicht, daß die Täube einen Schnabel und die Rose Dornen hat? Es wunderte mich also durchaus mcht. Auf feine Art war er ja nicht abzuschrecken. Als eine mit Dekorationen gefüllte Urne umhergetragen - wurde, aus der jeder dn Tanztheilnehmer einen Gegenstand wählte, nahm mein Mädel einen Korb und befestigte ihn an der Brust ihres Kavaliers. Sie machte dabei eine Bemerkung und er
entgegnete etwas. Damit war alles zwischen ihnen erledigt. Ich weiß nicht, ob es zur Tour gehörte, doch gleich darauf hatte sie einen neuen Kavalier, mrt dem sie lachte und scherzte, allein ihr Blick verrieth mir den sehnlichen Wunsch: Wenn es doch erst aus und alles vorüber wäre! Jmer Blick es war, als suche er etw.s in dem wogenden Menschenmeer oder vielleicht auch in weiter Ferne . . . Mitunter war's mir, als hätte dieser Blick unbewußt mich gesucht, damals und später, immer und überall... In unserem realistischen Jahrhundert lächelt man über die Theorie von der harmonischen Ergänzung zweier Seelen; ich aber glaube, daß ein männlicher und ein weiblicher Geist eigens zur Verschmelzung miteinander geschaffen sind ' werden, wie Gott und die Poeten sagen. Wer nicht an die Unsterblichkeit der Seele glaubt und die Materie über alles stellt, verlacht derartige Ansichten wohl oder zuckt mitleidig die Achseln. Doch ein feines Ohr merkt es wohl, ob das Lachen mitunter wie Zähneklappern klingt und der Mitleidsvolle einen Seufzer des Neides unterdrückt. Hast Du Heine gelesen, Helga?" Natürlich habe ich Heine gelesen; aber nun gerathe nur ja nicht auf dieses Kapitel! Wie war's denn weiter?" . Wie es weiter war? Nun, ich erkündigte mich anscheinend beiläufig, wer das hübsche Mädchen war, der Lindensköld so den Hof gemacht hatte, erfuhr jedoch nicht mehr, als was ich bereits wußte. Und . alles,. was ich seither von ihr zu Gesicht bekommen, war ein flüchtiges Auftauchen an einem Coupefenster, als sie gen Süden und ich nach Norden reiste." Nach Ystad," sagte sie leise. Und damit, war der Roman aus," fuhr er, ohne ihre Bemerkung zu beachten, fort. Aber ich ' habe - meine zartblumige Maid nie vergessen, und hättest Du, kleines Ziffernweiblein, ihr nicht so merkwürdig ähnlich gesehen, so. wäre ich wohl niemals in die Falle gegangen. Allerdings bist Du etwas dunkler, hast durchaus nichts Backfischartiges und vielleicht 'auch niemals einen Rosenteint besessen. Das Gemeinsame an euch ist eigentlich etwas rein - Seelisches. Das Ideal weiblicher Anmuth und echter Weiblichkeit, das ich in meinen Jugendtagen meteorgleich an meinem Horizont auftauchen und verschwinden gesehen, habe ich, wenn ich den Zenith meines Lebens überschritten, in nächster Nähe gefunden. Doch um einen wahren Freund für's Leben zu haben, wird man nie zu alt. Und kein ehrenhafter Mann, mag' er nun grau. oder grün sein, will eine Frau, die ihn nicht um seiner selbst willen liebt, sondern nur den Versorger in ihm sieht. Hättest Du-Deine Angel nach mir ausgeworfelij'nur um der Nothwendigkeit überhoben zu sein, auf ehrliche Art Dein Brot zu verdienen wahrlich, ich hätte nicht um Dich geworben, so lieb Du mir auch warst." . ''Nein, das glaube ich wohl,". sagte sie stolz. -Dazu warst Du viel zu gui;" 'Nein, ich merkte deutlich, daß Du mich liebtest,? fuhr er in innigem Töne fort, und ebenso merkte ich, daß kein halbes Dutzend ausgebrannter Flammen auf dem Grunde Deines Herzens ruhten. Das Ideal hatte Dich sowohl wie mich gerettet. Keiner von uns hat sein zartestes Empfinden in schnödem Flirt vergeudet. Und darum haben wir einander auch wirklich etwas zu geben: ein wahres, gesundes Gefühl, das unser Leben bis zum letzten Athemzuge durchwärmen und verschönern kann. Aber warum weinst Du denn? Habe ich wieder etwas Thörichtes gesagt?" Ach nein ich bin nur so froh, so froh und dankbar das Warum" sollst Du später erfahren. Aber nun mußt Du wohl in's Kolleg, die Uhr ist bald halb sieben." 'Jawohl, ich muß fort. Lebewohl, mein Liebling. Wie feucht Deine Wangen sind! Warum in aller Welt diese Thränen? Lebewohl, meine zartblumige Maid!" . Halte mich nicht zum besten, Axel. Das ist längst, längst vorbei." . --Dann stand sie lange und siarrte in's Kaminfeuer. Thränen perlten über ihre Wangen, doch ihre Lippen lächelten. Was wird er sagen?" flüsterte sie. Was wird er sagen?" Sie entzündete eine kleine Lampe, eilte damit in die Vorrathskammer und öffnete einen Koffer, aus dessen Tiefen.- sie. allerhand Flicken und Spitzen an's Tageslicht beförderte, wie viele Frauen sie gerne aufbewahren, nur weil sie zum Fortwerfen zu schade sind. Und sie fand, was sie suchte die zerknitterte Stoffbreite eines alten Ballkleides, ein zartgeblümtes, luftiges Gewebe, ein wenig vergilbt, doch mit deutlichen Spuren seiner einstigen Schönheit. Wie emsig die kleine Hand dann mit Scheere und Nadel hantirte, schnitt, nähte, mit Spitzen garnirte es ging wie der Wind. Und währenddessen gedachte sie vergangener Zeiten, jenes BallabendZ, als sie einen Korb ausgetheilt, den ihre Angehörigen viel lieber in einen glatten Reif verwandelt gesehn hätten. Aber wie wunderbar! Gerade damals war es ihr ganz so gewesen, als hätten ein Paar ernste, flammende Augen sie auf Schritt und Tritt begleitet, als hätte Jemand sie wußte nicht wer voll Bangen gedacht: .Möchte sie doch bedenken,
was sie thut, und ihr edleres Selbst nicht an einen Strohmann verschleudern!" Und jenes Gefühl hatte sie durch's Leben begleitet. Wie oft, wenn sie müde und einsam über ihren Ziffern gesessen, hatte sie sich gesagt: Ich habe Arbeit und Seelenfrieden; das dürfte mir genug sein. Ich habe das befriedigende Bewußtsein, daß ich mir selber treu geblieben und das Edelste nicht in den Staub gezogen habe." Und wie sie so sann und sann, ward es ihr allgemach klar, daß er es wußte, daß sie und die zartblumige Maid identisch waren. Er wollte wyhl nur die rechte Gelegenheit aöwarten, um mich damit zu . überraschen," dachte sie. Er hat es die ganze Zeit über gewußt! Daher auch das schalkhafte Leuchten seiner Augen! Und habe ich nicht schon öfters diesen Ton vernommen? O, dieser Schelm! Und da fragt er noch, , warum ich weine! - Nein, solch ein Schelm!" Sie lachte glücklich vor sich hin. Nun war die Arbeit fertig, das Büaele' ru "sunen. und oie rosa Bouqueis leuchteten m raoei Icfc Frische. Er mag zwar keine Antimakassars, er nennt sie Dekorationsschlingen, in denen mcm sich verfängt, sobald man im Sofaeckchen Ruhe sucht, doch diese hier wird er hoffentlich gelten lassen." Sie ging in's Wohnzimmer einen Salon hatten sie nicht zündete die Hängelampe und sämmtliche Kerzen ringsherum an, bereitete die zartblumige Dekorationsschlinge über die Sofalehne Fauteuils hatten sie nicht und dachte voll frohen Erwartens: Was wird er nur dazu sagen!" Jubel erfüllte ihr Herz, Jubel sich so ersehnt, so geliebt zu wissen. Doch Licht und Schatten sind unzertrennliche Begleiter, und Lächeln und Seufzen wohnen gar oft unter einem Dach. Und so wandelte der Jubel sich alsbald in ein wehmüthiges Warum? Warum fanden wir einander nicht früher?" Von dem Verlangen erfüllt, hinauf in unendliche Weiten zu schauen, schritt sie zum Fenster und blickte zu dem dunklen Winterhimmel mit seiner flimmernden Sternenwelt empor. Wie wunderbar hatte der Lenker der Welten auch ihr Geschick gelenkt! Nun weiß ich, warum das Glück .so spät gekommen ist," flüsterte sie leise. Sonst hätten wir übereinander vielleicht Gott vergessen."
Die sehr hübsche Frau eines Kopenhagener Geschäftsmannes trieb eifrig den Pferdesport und gab schließlich Neigungen zu erkennen, als Schulreiterin sich für immer dem Cirkus zu widmen. Die letzte Ausbildung übernahm ein Cirkusleiter, in dessen Bahn sie auch zuerst auftrat. Der Erfolg. war durchschlagend. Kaum aber hatte man am nächsten Morgen die glänzende Kritik der Presse genossen, als der Mann der schönen Schulreiterin sich im Cirkus einfand und die Bedingungen" darlegte, unter denen die Schöne auftreten wolle; 'sie lauteten kurz und gut auf 11.000 Kronen für einen oder 19,000 Kronen für zwei Monate. Der verblüffte Cirkusleiter bot indessen nur 500 Kronen und erklärte sofort, daß er lieber verzichte. So zerschlug sich die Laufbahn, die Schulreiterin ist ohne Stellung, und sie wie ihr Mann durchleben eine Zeit schrecklicher Ernüchterung. 50,000 Liter Freibier hatte Fürst Max Egon zu Fürstenberg für das kürzlich in Donaueschingen gefeierte 200jährige Jubelfest der Fürstenbergischen Brauerei gespendet, um damit die Bewchner des Volksfestes zu tränken 50.000 Liter Fürstenbergbräu, Tafelgetränk Sr. Majestät d:s"Deutschen Kaisers", eine stolze Menge! Das badische Bezirksamt in Donaueschingen versagte jedoch der Spende des fürstlichen Großbrauerei besitzers die Genehmigung, und zwar um Ausschreitungen vorzubeugen, wie sie beispielsweise 1892 bei dem Jahrhundertfest der Staatsbrsuerei in Nothhaus Amt Bonndorf bei Anwendung des Freibicrverfahrens vorkamen. Infolge dieses Verbots entschloß sich die Brauerei, den Bierpreis mit 50 Prozent Ermäßigung auf 5 Pfen nige für das Dreidezi-Glas (3s10 L!ter) festzusetzen, so daß die Gäste doch immerhin 50 Pfennige bis 1 Mark aufwenden mußten, um sich die richtige Jubelfeierstimmung anzuhängen. Das neu gebildete schwedische Kabinett Lundeberg - Wachtmeister enthält in dem Ackerbauminister Petersson - Paalsboda. den ersten Bauern, der jemals ein schwedisches Portefeuille bekleidet hat. Auf den in vier Stände getheilten Reichstagen des 18. Jahrhunderts haben die schwedischen Großbauern häufig eine ausschlag'gebende Rolle gespielt, aber in jener Zeit der unter einem Scheinkönigthum thatsächlich bestehenden oligarchischen Republik waren die MinisterPosten dem Geburtsadel vorbehalten. Dagegen ist seit 1901 in Dänemark der seeländische Hofbesitzer Ola Hansen Mitglied des Ministeriums, und zwa, gleichfalls für das landwirthschaftliche Ressort. Merkwürdigerweise hat daS klassische skandinavische Land der Bauernherrschaft, Norwegen, noch keinen Angehörigen dieses Standes zu einem solchen Posten gelangen lassen; dort bevorzugt man ganz überwiegend die Juristen. Völkerpsychologen könnten darin ein lehrreiches Moment erÄn.
Das Hschzcitsb.id.
kkgknartkge Vorfeierllchkeiten btl Trau ge in Siordbulgarien. Einer der originellsten Gebräuche in Nordbulgarien ist das sogenannte Hochzeitsbad. In allen orthodoxen Ländern wird der Sonntag mit Vorliebe zu den Hochzeitsfeierlichkeiten bestimmt. Gewöhnlich wird am Donnerstag vorher die Braut in's Dampfbad geführt, geleitet, von ihren Und ihres Bräutigams weiblichen Verwandten, sowie von allen ihren Freundinnen. Die Laderäume sind schon vorher gemiethet; es sind meistens aus der Türkenzeit stammende Badeanstalten, die aus einem Marmorbecken und den darumliegenden Zimmerchen bestehen. Sind alle Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten getroffen, so beginnt eine in den Nebenräumen untergebrachte Zigeunerkapelle ihre fröhlichen Tnzwei-sen.-nach deren Klängen die Badegesellschaft die Braut zum Horotanz aufsordert, dem sie selbst mit Begeisterung im Wasser huldigt. Man verbringt dann den ganzen Tag im Bade. theils badend und enend ein kostbares Mahl wird in kupfernen Schüsseln schon vorher hingebracht . theils sich dem orientalischen dolce sar niente (süßem Nichtsthun), dem sogenannten Kef. hingebend. Zum Schluß wird die Braut mit Rosenöl und Rosenwasser besprengt, und erst spät in der Nacht tritt man den Heimweg an. Die Gesichtsfärbe der Heimkehrenden ist durch die starke Hitze im Bade die eines heißzesottencn Krebses, und manche hat sich durch den plötzlichen Temperaturwechsel, besonders zur Winterzeit, eine schwere Erkältung, oft auch den Tod geholt. Samstags folgt dann in derselben Weise die Säuberung des Bräutigams, zu der als Gäste die männlichen Freunde und Verwandten desselben eingeladen werden. Jeder der Gaste gibt sich die größte Mühe, den angehenden Ehemann durch Reiben und Massiren so blank und gelenkig wie möglich zu machen. Am Sonntag endlich, früh am Morgen, bringt der Bruder oder irgend ein männlicher Verwandter der Braut dem Bräutigam ihr Hochzeitsgut, das aus einer Truhe von Rosenholz besieh! und worin sich ihre Wäsche und Kleider befinden. Ter Ueberbringer setzt sich sodann auf diese Truhe und verläßt seinen Sitz nicht eher, als bis ihm der Bräutigam ein Vaargeld von 10 Silberpiasiern ausgehändigt hat. Für die Erwerbung der Braut mußte er schon vorher seinen Schwiegereltern eine Summe auszahlen, die sich nach seinen Vermögensverhältnissen richtet. Nach diesen Vorfeierlichleiten kann dann die kirchliche. Trauung beginnen. Der schlaue Imker. Einem Imker in Nienburg. Hannover, waren öfters Bienenvölker ge stöhlen worden. Alles Anzeigen und alles Aufpassen half nichts. Der Bestohlene war ein Menschenkenner und spekulirte auf den Aberglauben. Er griff sich einen fremden Handwerksburschen auf, hatte eine lange heimliche Unterredung mit ihm, gab ihm einen,' Thaler und ließ ihn am Sonntagmorgen mit einem zugebundenen Bienenkorb auf dem Rücken in einiger Entfernung von seinem Bienenstände stehen. So war's verabredet. Ter Mann stand nach Kirchenanfang bis elf Uhr Vormittags, als die Leute aus der Kirche kamen. Verwundert blieben Männlein und Weiblein stehen und schauten den Fremden mit dem Bienenkorb an, der wie festgewurzelt dastand. Der Imker stand, gemüthlich seine Piepe rauchend, am Bienenstand. Nachfar. wat is düt, un wat schall datt bedüden?" Oh, wider nix, nich. dat is'n Deef, de het mi Immen stalen." Worüm stecht he denn aber da?" Oh, ick hebb em bannt," meinte unser Imker und wies mit der Pfeifenspitze auf den Bienendieb." Nun war die Sache den Leuten klar, ein Grusein ging ihnen den Rücken herunter und scheu blickten sie zu dem Herenmeister hin, der solche Dinge verstand. Ein altes, gutherziges Weiblein mit dem Gesangbuch in der Hand trat nun zu dem Imker heran und bat ihn: Nachber. nu lat em loopen. he het jo nu sin Deel." Na, wenn ji meent, denn schall en dat noch mal so hen-gähn,"-sprach's, ging auf den Gebannten" zu, holte seinen Bannzettel" aus der Tasche und las halblaut die beschwörende Formel ab; dann machte er drei Kreuze über den Gebannten und damit war der Bann gebrochen." Der Dieb" hatte plötzlich den Gebrauch seiner Glieder wieder, jäh ließ er den Bienenkorb fallen und rannte wie besessen durch den Obstgarten in's freie Feld. Im ganzen Dorfe aber wurde noch nach Wochen die gruselige Geschichte immer und immer wdec erzählt, aber dem schlauen Imker wurde niemals mehr ein Bienenkorb gestohlen. Eine sechs Meilen lange Petition ist von der British National Canine Defense League zur Unterstützung einer Gesetzesvorlage eingereicht worden, welche das Verbot der Vivisektion bei Hunden bezweckt. Der Biber kommt in Deutschland noch wild vor in den Elbauen der! Provinz Sachsen, wo äUes dafür geschieht. ihn zu schonen und zu erhalten, und außerdem wohl auch in Bayern noch an der Salzach.
