Indiana Tribüne, Volume 29, Number 9, Indianapolis, Marion County, 2 September 1905 — Page 7
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4.4. H Die erste efte tt TT w TV w S& uä T : V? v p (Fortsetzung.) Und wie gefällig ihm das Schicksal entgegenkam! Spöttisch verzerrte sich sein Mund, indessen er stehen bleibend starr vor sich hinsah. Da war ja gleich einer jener holden Engel, die zum Jasagen immer bereit waren. , Ein weißes Fähnchen hatte sie an. am Waldrand saß sie, hielt um die Knie die Hände geschlungen und schaute verträumt ins Weite. Natürlich, welcheö Lindenstedter Gänschen thut das nicht im Wonnemonat Mai! Immerhin hier auf einsamer Flur, zwischen Wald und Wiese, so gänzlich unbehütet. war das ein kühnes Stück nach Lindenstedter Anschauungen. Er kam ihr näher. Sie trug keinen Hut, hatte wundervolle .aschblonde Haare, tief im Nacken zusammengenestelt. Schemenhaft dämmerte ein Erinnern in ihm empor. Eine Kindergesialt in wallenden Locken hoch auf einem seiner Pferde, auf das sie sich hinaufgeschwungen hatte und jauchzend 'mit ihm davonflog. Und dann ein halbwüchsig Mägdelein, das erröthete, wenn er es ansah. Und endlich ein schlankes Geschöpf von achtzehn Jahren, der er einmal in toller Laune ihren schönen Namen kosend ins Ohr geflü' stert hatte. Liane süße kleine Liane! Die also war wieder hier! Da war er ja gerade in der Stimmung, ihr den Willkomm zu bieten, es war immerhin eine Ablenkung und beruhigte die bis zum Zerreißen gespannten Nerven. Hallo, verehrtesies Fräulein! Welcher gute Wind hat denn Sie hierher zurückgeweht?" Sie fuhr herum, sprang auf. siarrte ihn ein paar Sekunden an und kam dann auf ihn zu. In ihren Augen war leuchtende, unverhüllte Freude. Herr Hauptmann, Sie " Ja, ich in Lebensgröße. Und entzückt und beglückt, Sie, mein gnädiges Fräulein, nach einer Ewigkeit so unvermuthet wiederzusehen." Es klang erregt, unnatürlich, aber sie hörte es nicht, stand nur und schaute ihn an. ihre Hand, die sie ihm entgegengestreckt hatte, noch immer in der seinen. Ein Wiedersehen nach vier langen Jahren!" sagte sie dann leise. Mit jenem Lächeln, das er für junge Mädchen übrig hatte, blickte -er an ihr herab. Aeußerlich haben Sie sich sehr verändert, Fräulein Liane. Steht's mit dem Herzen ebenso?" Wieder traf ihn einer jener leuchtenden Blicke, die ihre hinter auffallend langen und dichten dunklen Wimpern verborgenen Augen so wundersam zu verklären vermochten Nein, es ist das gleiche geblieben wie vor vier Iahren es ist ein dummes Herz und steckt noch immer in den Kinderschuhen." Wieso?" Es spinnt noch Märchen. Schickt sich das wohl für ein vernünftiges Herz?" ' Palmer bohrte mit seiner Stiefelspitze in das Erdreich und starrte verlorenen Ausdrucks zu Boden. Es möchte sich schon schicken, doch taugt's zu nichts." Seine Hand fuhr durch die Luft, als scheuche sie etwas hinweg. dann sagte er veränderten Tones: Werden Sie sich länger in Lindenstedt aufhalten, gnädiges Fräulein?" Sie nickt froh. Den ganzen Sommcr über. Die Tante braucht mich nicht, sie ist gut untergebracht." Werden Sie sich nicht langweilen in unserer Metropole, Fräulein Halton?" Langweilen?" Sie sah ihn an, als hätte er ihr eine ungeheuerliche Zumuthung gemacht. Ich hier mich langweilen!" Und ihre Hand deutete in die liebliche Fruhlingslandschaftbinaus. Sie streifen gern durch Wald und Flur? Immer so schutzlos und einsam wie heute?" Ich fühle mich nicht schutzlos und Nicht einsam. Recht so! Furcht ist ein altmodi schcs Ding für eine weltgereifte junge Dame von heute. Furcht?" Ein Lächeln blitzte in ihren Augen auf, und ihre Hand, die hastig in das leere Gürteltäschchen gefahren war. schwang plötzlich einen im Sonnenlichte funkelnden kleinen Revol ver. Alle Wetter!" riefPalmer verblüfft. Man merkt, was aus Amerika Ion ,n! Das reitet nicht nur, das schießt sogar! Na, warten Sie. ich werde Sie wegen unbefugten Waffentragens anzeigen, Sie gefährliche Amazone Sie! , Er wollte ihr den Revolver nehmen. aber sie versenkte ihn wieder m ihre Tasche. Dabei sagte sie jetzt ernsthaft: Wir Frauen sind so leicht einmal schutzlos, und es ist gut, wenn wir tnt Waffe führen können. Ein paar Worte wechselten sie noch miteinander, dann reichte Liane ihm die Hand zum Abschied. Er fragte, sie, wann er sie wiedersehen werde. .Wann Sie wollen. Kommen Sie
k"Z ,, ,t. ,, ,tl VT V V 4" - - -- - 'ir V V jEmI ..2. VT fr r ? tt w Roman von Sedlvig ErttnSciinleciiedirr .t. t. I fe; 31 U 4-5 doch zu uns Abends sitzen wir stets im Garten unter den Fliederbüschen."Da drückte er ihr lächelnd die Hand. Ich werde kommen." Liane sagte nichts, aber ihr Gesicht war das einer Übererich Beschenkten. Palmer fühlte es mehr, als er es sah. Beschenkt durch ihn! Daß er nicht hell hinauslachte! - - Mit glühenden .Wangen und pochen dem Herzen eilte Liane allein, die Landstraße hinab, die sich wie ein weißes Band zwischen Wald und Wiesen hindurchschlängelte. Glückliches Rückerinnern ging mit ihr und sah ihn wie heute auf dieser Straße kommen und gehen. Seit sie ihn kannte, war er auf diesem Wege gekommen. Und sie kannte ihn seit ihrer Kindheit. Schon dem Kinde hatte sich seine hohe Heldengestalt in die Phantasie gedrängt, war ihrem Innenleben vertraut geworden und geblieben, ob auch die Jahre verflogen. Es kam die Liebe, die erste scheue Liebessehnsucht des werdenden Weibes wunschlos, ohn Begehren. So hatte sie ihn geliebt damals vor vier Jahren und war glücklich gewesen, als sich's ihrem Bewußtsein aufgedrängt hatte bei den Flüsterworten, die sich von ihm zu ihren Ohren gestohlen. Liane süße- kleine Liane!" Und so liebte sie ihn noch heute. Nichts von thörichter Hoffnung, von unfruchtbarer SentiMentalität hatte in ihr Raum gefunden. Dennoch war das Gefühl für ihn in der Entfernung gewachsen und erstärkt. Noch ein anderes hatte unemgestanden als heimliches Wünschen in ihr gelebt. Möchte sie ihn unverändert wiederfinden und frei noch frei! Höhere Wünsche hatte ihr Herz nie gekannt. Und frei batte sie ihn wiedergesunden! Was kümmerte sie jetzt noch die weiße Villa, die ihren Augen den Weg zu ihm verbaut hatte! Was kümmerte es sie. ob er jetzt von dieser Villa des Wegs daher gekommen war! Das weiße Haus störte Liane hmsort nicht mehr. . " . Tage vergingen. Tage, ausgefüllt vom Einerlei des Alltaas. uno oennoch schöne, heitere Tage. Liane hatte so eine Art tief innerlichen Frohsinns, der wie eine lichte Helle von ihr ausging. Sie war mit allem zufrieden, war für alles dankbar und konnte sich über ein Nichts rührend freuen. Sonnenkind, Du!" hatte Doltor Föhrenbach einmal zu ihr gesagt.' Was sangst denn Tu an, wenn Dir der Herrgott mal ein wirkliches Glück bescheert?" Aber hat er das denn nicht schon? Wie ihre schönen, zärtlichen Augen dabei gestrahlt hatten! Wenn man so ganz arm ist, wie ich. und eigentlich nur ein Anrecht auf Mühe und Plage vom Leben hatte, da ist's doch wahrlich Glück genug, wenn man gute Menschen findet, wie ich sie fand." Seit jenem Tage hatte Liane Frau Mathildens ganzes Herz gewonnen. Außer bei uns hat sie eben noch keine guten Tage gehabt," sagte sie sich im Stillen. Gelegentlich fragte sie auch wohl Liane um die Art und Weise ihrer Lebensführung bei der alten Frau Morand. Man habe große Reisen gemacht, habe aber überall von der Welt vollständig abgeschlossen gelebt. Die Tante habe ein sehr menschenscheues Wesen gehabt, doch sei sie gut und nachsichtig zu Liane gewesen. Ob sie nicht lv.e. wie es mit den Vermögenbverhältnissen der betagten Frau stände. Möglicherweise, sei da für Liane noch mal eine Erbschaft zu erwarten. Aber lächelnd hatte diese den Kopf geschüttelt. Kein Gedanke an so etwas. Die Tante Morand habe, wie sie oft genug von derselben gehört, eine sehr auskömmliche Lebensrente, sonst nichts. Frau Mathilde hatte das Thema fallen lassen. Es gab rn auch ein ande res, das sie für den Augenblick mehr beschäftigte. Die Saison .in Linden stedt hatte begonnen und die erste Re union stand in Aussicht. Dabei durf ten die Honoratioren des Ortes nicht fehlen. Doch da stellte sich etwas Schlimmes heraus. Liane erklärte, sie könne so gut wie gar nicht tanzen. Du lieber Gott! Hermann, ich frage Dich, ist es die Möglichkeit, ein junges Blut zu sein und nicht tanzen zu können! Na, dann steige Du in den Jung brunnen, Alte, und wenn Du wieder 'rauskommst, gib ihr Tanzstunde. Der Wilibald kann Euch etwas dazu auf der Okarina blasen." Und Frau Mathilde stieg in den Jungbrunnen. Als sie wieder herauskam aus den sie zärtlich umschließenden jungen Armen, geschah es nach Vater Föhrenbachs Weisung. Allabendlich nach gethaner Arbeit gab es aus dem kurzgeschorenen Rasenplatze in Doktors Garten eine Tanzstunde. Zierlich rechts. und links das weite schwarze Kleid gefaßt, chassirte Frau Mathilde dahin und daher und machte die zierlichsten Plis ihrer selt-
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gend. Eins. zwei, drei ems, zwei, drei ..." I
Und droben auf der Veranda saß der Wilibald. blies auf der Okarina und schaute noch melancholischer drem als gewöhnlich. j Den feinen Blondkopf anmuthig geneiat. um den Mund in glückliches Lächeln, das weiße Kleid gehoben, die Tanzfüßchen graziös gesetzt, stand die Schülerin und ahmte nach, was sie lernen sollte. Als Föhrenbach eines Mittags von der Praris heimkam, sagte er: Ich habe Palmer getroffen und ihm vorge schlagen, heute Abend eme Maibowle mit uns zu trinken." Na und er?" fraate Frau Matbuoe, stirnrunzelnd die Kosten einer Maibowle berechnend. Er kommt!'' war die lakonische Antwort. Liane, die über einer Handarbeit saß. hatte sich in den Finger gestochen und starrte unentwegt in den quellenden Blutstropfen. ftrau Mathilde machte ihr Menfchenkennergesicht. Zu einer Maibowle natürlich, da kann er kommen! Hat sich doch so lange nicht sehen lassen! Ist überhaupt wie ausgewechselt. seit " Ein bedeutsamer Blick des Doktors auf Liane hieß seine Frau abbrechen. Dafür sagte er nun selber: Er mag wohl manchmal den Kopf voll haben. Es soll nicht zum allerbesten auf MoorHeide stehen. Daß . er vor em paar Jahren seiner verheiratheten Schwester ihren Gutsantheil auszahlen mutzte, hat ihn wohl stark hineingerissen." Du lieber Gott, dann nimmt er sich eben 'ne reiche Frau, und dic Scharte ist ausgewetzt!" Liane war die Arbeit aus den Hanen geglitten, sie saß und sann vor sich hin. Ziemlich spät am Abend kam Palww , , 1 V I mer. mit lordiaier Aerlraimcyieii schüttelte er allen die Hand, sprach in semer nachlässigen, siets etwas überlegenen Art allerhand vom prächtigen Aussehen der Hausfrau und von Lianens Tanzversuchen, die er einmal über den Gartenzaun beobachtet zu haben eingestand. Dann kam eine allgemeine Unterhaltung in Gang, wobei die Maibowle reichlich floß. Mehrmals klangen alle Gläser aneinander und einmal stieß Palmer ganz allein mit Liane an. Aus die Konigin der künftigen Rcunions!" sagte er leichthin und sah ihr in die Augen dabei. Läcbelnden Blickes that sie ihm Bescheid. Auf das Glück!" Dann wollte Frau Mathilde wissen, ob er an dem ersten Kurballe theilnehme oder nicht. Man habe außerdem für den Juni eine italienische Nacht geplant. Im Juni!" Und plötzlich lachte er kurz auf. Juni! Warum denn nicht? Warum nicht tanzen und sprinaen! Es gibt größere Narreteien, zu denen alte Knaben der Junizauber verlockt! Prosit, meine Damen! Da schaute Frau Mathilde sorgenvoll in die Maibowle, vorwurfsvoll auf ihren Gatten und endlich ebenso auf Wilibald und siehe da, der Gute fehlte in dem frohen Kreise. Seit wann mied denn der Maibowlen? Wo steckte der? O, .hätte Mama Föhrenbach das ahnen können! Hätte sie sehen können, wie drunten ganz am Ende Lindenstedts, so in der Gegend von Gärtner Dankwarts Treibhäusern, zwei beieinander standen, über die der kugelrunde Mond am Himmel sich schon ganz gelb gelacht hatte. ' . Und die beiden flüsterten miteinander. Zärtliche Liebesgeständnisse, süßeste Kosenamen? O nein, nichts weniger als das. Mein sehr verehrtes Fräulein, sinden Sie nicht auch, daß wir in diesem Jahre einen ausnahmsweise schönen Mai haben?" Ach ja, das finde ich auch, Herr Fohrenbach! Und darüber lachte nun der Mond. 4. K a p i t e l. almer hatte Frau Jutta nicht wiedergesehen; er hatte sein Wort gehalten, mcht früher wieder zu ihr zu gehen, als bis sie selbst ihn rief. Sie rief ihn mcht. Er biß die Zähne zusammen, zwang die Sehnsucht hinab, die immer ungestümer in ihm drängte. Einmal wollte er ihr den Mann zeigen, der nicht nur allerwegen mit sich spielen ließ. Um die Wartezeit nicht gar so boh rend und wühlend zu empfinden, sich Betäubung und Ablenkung zu schaffen, wollte er die heute Abend im Kurhaus stattfindende Reunion besuchen. Er stand vor dem Spiegel und band sich die Krawatte. , Da klopfte es. Herr Hauptmann, ein Brief!" Palmer fuhr herum. Auf dem Tablett, das der Diener ihm entgegen hielt, lag ein Brief großen Formates mit starker, charakteristischer AufChrist. Von ihr. endlich von ihr! Er hatte gesiegt, sie ruf ihn, wartete semer! Er winkte dem Burschen, sich zu entfernen,- und mit bebenden Fingern riß er den Umschlag auf und las. Lieber Freund! Dieser Brief sagt Ihnen ein Lebewohl. Wenn Sie ihn erhalten, bin ich zwar nicht :m Jenseitö, aber doch schon weit von hier. Ich reise. Führt unö das Schicksal einmal wieder zusammen, wird sich stets freuen Jutta Gerland "
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Also es war auss , Drei Jahre san-
ken zusammen, und er sank mit ihnen hinab, jäh des VodenS beraubt, darauf sem Leben gestanden. Sie hatte die Wahl getroffen, ihm die Klarheit qeaeben. die er von. ihr verlangt, hatte gehandelt nach ihrer Art, hatte ihm und sich die Pein des Wartens ersparen wollen. Sie war selbst geganqen, und er wußte nicht wohin, nicht wann sie gegangen, wann ! sie wiederkam, und ob sie wiederkam. Aber vielleicht konnte er in ihrem i Hause etwas erfahren, und, wenn nicht, wenigstens noch einmal die todten Fenster sehen, dahinter ihm das goldene Licht erstorben war. Auf seinem leichten Kutschirwagen jagte Detlef Palmer wenige Minuten später nach Lindenstedt hinein. Als er vor Juttas Hause mit scharfem Ruck die Pferde anhielt, warf er dem hinter ihm sitzenden Kutscher die Zügel zu, sprang zur Erde und gebot: Nicht warten. Ich komme zu Fuß nach Hause!? Dann hob er den Blick zu ihren Fenstern empor. Sie waren hell erleuchtet. Irgend Jemand war also im Hause, er würde hören von ihr, vielleicht ersahren, wohin sie gegangen. Wie sonst zog er die Hausglocke, und wie sonst öffnete sich lautlos die Thür. Er trat ein. Im untersten Hausflur kam ihm Niemand entgegen, ganz so wie sonst. Droben an der Glasthür, die ihre Zimmer vom Flur abschloß. wollte er noch einmal die Glocke ziehen, als ihm das Mädchen bereits öffnete. Palmer stutzte. Es war ihm. als höre er Stimmen. Seine Blicke starrten zu dem mit allerlei Garderobe behangenen Kleiderständer hinüber. Ja, ist denn Die gnadige Frau hat ia doch ihren Jour heute," sagte freundlich lächelnd die Dienerin. Es sind erne Menge Herrschaften aus der Stadt herübergekommen. Darf ich den Herrn Hauptmann melden? Er wußte nicht, hatte er genickt, er fühlte nur, daß sich in seinem Gesicht jeder Muskel spannte unter dem Zwange, sich beherrschen zu müssen. Sie war also nicht verreist, war daheim, hatte Gesellschaft bei sich! Aber sie sollte ihm, m'dem noch dasHerzweh zuckte, das ihr Bnes ihm angethan, erklären, was das zu bedeuten habe. Ja, das sollte sie! Eine gefährlicke. erbitterte Stimmung kam über ihn, äußerlich war er ruhig, unheimlich ruhig. So trat er bet ihr em. Das goldene Licht fluthete ihm entgegen, und in diesem glänzenden Rah men plaudernde, lachende Menschen und mitten unter ihnen sie, Jutta, schö ner, verführerischer als je. Em welches, leuchtendes, gelbseidenes Gewand floß in losen Falten an ihr hernieder. Weißer als sonst schimwerten Hals und Wangen, m dunklerer Gluth als sonst brannten ihre Augen. Ten Kopf ein wenig vorgeneigt, ein Lächeln um die Lippen, begrüßte sie ihn. Sieht man Sie auch einmal wieder, lieber Palmer? Sie sind, scheint mir. kokett geworden, daß Sie sich so vertmfiVn Iifün " Zwei Herren, die links am Theetischchen standen, ' lachten. ' Es waren bekannte Künstler. Vergnügt hoben sie jetzt ihre Theetäßchen gegen ihn. Mechanisch verbeugte er sich und hatte das Empfinden, als thue es ein anderer für ihn. Ich hatte nicht auf das Glück gehofft, Sie noch in Lindenstedt anzutreffen, gnädige Frau," sagte,er steif. , Frau Jutta that, als ob sie ihn nicht sogleich begriffe, dann lachte sie. Ach richtig, ja, ich wollte verreisen ganz plötzlich. Knall und Fall, wie das so meine Art ist. Aber " und sie nahm den Ton eines verzogenen, verwöhnten Kindes an ich überlegte mir's eben anders, außerdem haben mich alle diese lieben Leute hier so wundervoll unter halten, daß ich finde, es wäre schade, meine Empfangstage schon abzubre chen." Bravo, gnädige Frau, erlaube mir einen Hochachtungsschluck!" rief einer der Maler. Da hielt sie sich mit drolligem Entsetzen die Ohren zu. Um Gottes willen, der Mensch sagt gnädige Frau zu mir und will ein Künstler sein! Tetlef, das müssen Sie verschuldet haben, Sie haben den Hauptmann wieder einmal nicht draußen gelassen. Vorder sagte dieser Malersmann Frau Jutta, wie sich's gehört. Hat ja schon meinen Mann gekannt, meinen guten, seligen Werner!" Dabei legte sie die Hände ineinander und sah empor wie eine Heilige. Das stand ihr gut und war das mindeste. was der selige Werner verdiente für alle seine Liebe, die er um sie gebreitet, bis daß er sich vor. dem an seiner Seite zum Weibe gewordenen Kinde mit dem kalten Herzen in's Grab hinein geslüchtet hatte. Aufreizende Gedanken irrten in Palmer hin und her. indessen er sich den übrigen Gästen zugesellte. Es war ein kleiner, erlesener Kreis, der ihre SaIons- füllte. Künstler und Gelehrte aus der nahen Stadt mit ihren Damen. Palmer waren sie nicht fremd. Bald schloß er sich der einen, bald der anderen Gruppe an. doch sprach er wenig Seine Augen suchten unablässig sie, die in ihrem schmiegenden Seidenkleide lautlos in den Zimmern hin und her glitt. Wie eme schillernde Schla"'
dachte er. Alles, was schön an iEr
war, verursachte ihm heute .einen wilden. schmerzenden Groll. Die weiche Lässigkeit ihrer Bewegungen, die verschleierten heimlichen, dunklen Blicke, die zuweilen von ihr zu ihm herüberzuckten, das alles peinigte ihn, so daß er Mühe hatte, nicht davonzustürzen. Er wollte, mußt: doch aushalten, bis er sich einen Augenblick des Alleinseins mit ihr erzwungen hatte. Plötzlich aber gewahrte er sie nicht mehr und begann nun unauffällig in den vier nebeneinander gelegenen Zimmern nach ihr zu suchen. Da entdeckte er sie. Sie saß auf einer geschnitzten Holzbank, die sich an der Schmalseite des hintersten, sehr kleinen Gemaches hinzog, und hatte den Kopf wie in plötzlicher Erschlaffung gegen die Wand gelehnt. Jutta," flüsterte er. ich fordere Aufklärung. Was hat Ihr Brief bezweckt?" Ich bezwecke niemals etwas, mein Lieber. Im Uebrigen. bitte, starren Sie mich nicht so wild an, ich wünsche nicht, in meinem Hause kompromittirt zu werden!" Sie hatte hastig und leise gesprochen, aber dabei so ruhig lächelnd zu ihm aufgeschaut, daß jeder ihrer Gäste meinen konnte, sie erzähle einem besonders Bevorzugten die harmlosesten Dinge von der Welt. Er hätte ihr dies Lächeln vom Gesicht reißen mögen, und zwischen den Ott0t & VtX juviiwi in 5 tv ituv wOW dies Haus verlassen, Jutta, sobald Sie mir sagen, daß ich mich tausche, wenn ich mir auf Ihren Brief hin mindestens einzubilden wage, daß Ihnen daran gelegen war, mir und Ihnen durch eine kleme Gefuhlssensatwn das graue Einerlei der Tage aufzubessern!" Hochmuthig blitzten ihre Augen. Worüber glauben Sie, daß ich Ihnen Rechenschaft schuldig sei?" Ueber alles das, was eme rechtliche Frau einem Manne, der sie liebt, nicht zufügt." Und was hat Ihre Ihre sögenannte Liebe damit zu thun, ob ich meine Reisepläne usführe oder nicht?" Blick brannte in Blick. In Palmers Gesicht stieg dunkle Rothe. Schwer nur wahrte er die Korrektheit seiner Haltung. Sehr viel. Frau Jutta! sie läuft Gefahr, über Abschiedsbriefen, wie der heutige, mit nachfolgenden fröhlichen Empfangsabenden den Hals zu brechen! Aber ich weiß docq noch nicht sicher, ob Sie das wollen." - $Swu. Fortsetzung folgt.) J D e r Nachlaß in der H o l z k i st e. Im Allgemeinen Krankenhause zu Graz starb kürzlich eine 60jährige Frau Namens Vinzenzia Breiner. Sie galt allgemein als ganzllch mittellos, lebte m den armlichsten VerhaltniUen und bewohnte blos em Dachzimmer. Ihr Bett bildeten zwei Kisten, auf die sie eine Matratze ausgebreitet hatte. Das Holz, das sie benöthigte. pflegte sie sich selbst aus den Wäldern zu holen. Bei der behördlichen Nachschau wurden in dem Dachzimmer in einer Holzkiste Sparkassebucher und Werthpapiere im Werthe von 410.800 Kronen (etwa Z80.000) vorgefunden. Die Breiner. die in früheren Jähren als Reisebegleiterin einer vermögenden Dame angestellt war, soll das Geld von dieser geerbt haben. Die Erben der Verstorbenen sind ein Bruder, der sich in Mexiko als Arbeiter befindet, und zwei Neffen, von denen der eine in London, der ander in RussischPolen lebt. VerheerenderWolkenb r u ch. In dem Orte Bischhausen, Hessen-Nassau, richtete dieser Tage ein Wolkenbruch große Verwüstungen an. Die Einwohner, die zumeist auf dem Felde weilten, fanden bei ihrer Himkehr den Zugang zu ihren Häusern durch Hochwasser versperrt. Eine wahre Ueberfluthung, wie sie selbst 1864 nicht schlimmer war, vernichtete schöne Wiesenfluren und Getreidefelder. Ganze Häuserreihen standen bis an die Fenster im Wasser. Im Wasser schwammen Kornhaufen, Holzstöße, Bäume. Balken, Bretter, Gartenzäune, Schweine, Ziegen. Federvieh u. s. w. Das neue Pfarrhaus stürzte wie ein Kartenhaus zusammen. Viele Häuser hatten durch den Anprall der Wasserwogen schweren Schaden gelitten. Werthvolle schöne Gärten glichen einem Trümmerhaufen. Folgenschwerer Unfall. Schreckliches Unheil hatte der Zusam menstoß zweier Züge auf der WaterlooStation in Liverpool, England, :m Gefolge. Der Zusammenstoß wurde dadurch herbeigeführt, daß ein elektrische? Expreßzug. der mit einer Geschwmdlg keit von 4050 Meilen die Stunde fuhr, auf einen leeren, auf einem Ne bengeleise siehenden Zug auflief. Deerste Wagen des Ezpreßzugesin dem 25 Passagiere saßen, wurde gänzlich zertrümmert: 20 Personen waren so fort todt, die übrigen wurden verwundet unter den Trummern begraben. Die Linie, auf der sich der Unfall ererg nete, war die erste, die für den elekirischen Fernverkehr in England eröffnet worden war. Die Dampfer der Nordseefischereiflotte kosten etwa Z25.000.pro Fahrzeug. Fast fünf Prozent des deutschen Bodens sind Moor, in Oldenbürg über 18 Prozent. In den B er. Staaten wurden letztes Jahr ,1.494.191,325 Gallonen Bier konsumirt.
Seuer-Signale.
Statt ' tSnglU'l0hr'HiI EaftndZtt,Z)ork sNobltUNdVichigan S 31 Jersey u. Stoff SM Pt n North Vkkt und Pine 11 Vermont nahe East 53 Sto. 8 Sprhachau Vttkss.OnahNobl iS Deiaw und Walnut 14 . Jersey u Lentral. ift ass. und Corncacti sy Mid II trab 17 Pmk SU und il etx .8 Columbia nd Hilllid, 19 Highland ft u. Pratt 11 Jllinoi und St. Je U Pennsylv. und Pratt 4 Veridi, und II. Etr 25 3to. 5 SpriZenhauZ 15. nahe Jllinoi 1 Senate ve u.etLIair 27 JUuloit und Vichigaa 8 Pr.sylvaia und 14. Senate . und 13, 31 9lo. 1 Eprtdacha! JndZoenahMichiga Reridia und almlt 54 California u BarnMt Vkt,uudS!eVnk Jd.v..Et.lai, 17 tty Hospital 48 Llake und NorH ZMchigau und Lö üSo.e CdrtdenbM WasbmgtonnaheSeft ii Snjendors u äff. 4, Mfsouri u New Zlork' Ü Meridian u Wasy Jllinoi und Ohi, Z7 Capitolv.Wash tt mgan'4 Porkbau Straßenbahn Stalle . Z. Wafhwaton.SU 249 ! Ei und 11 818 Capital t ud IT. 818 Pennsvlv. . ichiA ti4 JlllnoU und 18. 815 Senat Wh und 81. 816 Pennsvlvania und 23. 817 Meridian nd 18. 818 Capital und 8. 819 roadway und 18. 831 Jllinoi und ZVKLe Z4 No. 14 Spritzenhau Lenwood nd 80. 835 Jllinoi nd 88. 836 nnetta und 86 837 No. 8. Spritzen? Udell und aber 838 Ndell Ladder SEorB 869 Jsabel und 87. 841 Meridian und 84. 848 Jllinoi u St. Clats 48 Cldridge und 88. 818 Weft uud Wadmt 818 Weft und 18. 814 Howard nd 16. 81 Xortxt nd Paca 816 Capital ve nd I 817 Rorchwofta 818 Gent nd 18. 819 Kanal nd 10. 894 Cerealine Vor 824 Vermont und Lvn . 885 imau ezrandkiel 82 No. 0 pritzenha Haughville. 887 Vichiga . HolneB 828 Vlchiga . Concord, 841 Weit und ZKJnty 418 Missouri . Maryland 413 Vijsourl und Ohio 415 Capital veii5?ßto 416 Missouri entuöy. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P nd rwndbau 38. Washington. 428 Irren-Hospital. 424 VKlev Aveu.JDuZ8 425 Wasy. nd Harr IZt No. 18 Spritzen) SB. fßaftraatoc 427 Oliver und Bin) 488 Oliver und Osaood Korddke nd ork 431 HadleYAveu.N5S 432 Riva v B. RotU 484 wer v nd Rat 5Hardingu.rig? 436 Harding nd 437 No. 19 epritznHöll? Vorri nd ffl&lafr & o.ia SVrttzenhau JlltnoU u errill Jllinoi Louistana 5 WeK und Souty WeftundMearty 36 Senat. Henry 17 Sleridia und Aay " Ro. 4 Spritzenhaus adisov.Morri Vadiion Lv.u Dunlop U Slo Hakn Leiterhau South nahe Delawar Pen.uVrill 4 ttlatoar . SteSarti 1 BHiotbEtcCarty Cfi ew Jersey u. orrtJ 7 virg. Av. n Lradsya aft und Prospect Vicking und High o. 11 prttzenhauZ irAve. nah Hur 7 äft und Georgia , n red und Eh 74 Davidson eorgia n english Lv.Pine 74 Ehelby und Bäte 7g No. , Spritzenhau Prospnt nah Shelby Fleüh A. ii Shelby n Market .e Jersey 83 Delaware und Waff. i,ft Washington fA ew Fork u. Davids? 68 Taubstummen Anstalt W Ler. 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Auf dem letzten aeronau tischen Eongreß, der in der französi schen Hauptstadt tagte, wurde es von verschiedenen Seiten lebhaft bettagt, daß es an Einrichtungen und Jnstituten fehle, um tüchtige und erfahrungsreiche.Luftschiffer auszubilden. Diesem Uebelstande ist nunmehr durch Gründung einer Normalschule für Luftschiffahrt", wie der offizielle Zu tel heißt, abgeholfen worden, und der französische Minister des Innern Hai feine Erlaubniß zur Errichtung einer derartigen Anstalt gegeben. Die Schüler werden durch Vorträge und in der Praxis ausgebildet, müssen ein Examen ablegen und erhalten sodann ein Diplom ausgestellt, das ihnen ermöglicht, in das militärische Luftschiff corps zur Vervollständigung ihrer Kenntnisse einzutreten. : . . '
