Indiana Tribüne, Volume 29, Number 8, Indianapolis, Marion County, 1 September 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, 1. September ?905

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Die erste este 45 M M 5J m ! V (Fortsetzung.) , n Käme doch einer,- den sie befragen könnte, in diesem Augenblicke nach dem befragen, was sie sich den ganzen Abend lang zu frägen gescheut und was es sie doch vor allem zu wissen drängte: Tetlef Palmer wie geht es ihm? Ist er noch auf seinem Gute drüben in Moorheide? Und wohnt er noch immer allein dort, oder ' Hinter ihr erklingende Schritte ließen Liane herumzucken, und sie gewahrte Wilibald. der auf den Balkon heraustrat. Mil einer seltsam leidenschaftlichen Hast winkte sie ihn zu sich heran, die Stimme zum Flüstern gedämpft. Einen Augenblick, Wilibald. nur ein paar Fragen noch. Wir haken den ganzen Abend nur von mir gesprochen, und Ihr habt mir gar nichts erzählt, was sich hier bei Euch in dem lieben Lindenstedt alles zugetragen hat. In vier Jahren verändert sich vieles. Also sag. Willi, sind hier viele Neuigkeiten geschehen, haben sich viele von Euren Bekannten verlobt, verheirathet. sind welche gestorben?" Eifrig nickte Willibald. Selbstrerständlich eine ganze Menge." Auch Bekannte von mir darunter?" Auch das. Ter Oberförster Vartelö ist gestorben, und Fräulein Jacoby hat sich verheirathet. Tie hast Du ja beide gekannt." Sie vermochte es nicht, den Namen auszusprechen, an dem ihr vor allem lag. Nur ihre Augen suchten wieder zu seinem Hause den Weg, und wieder riefen auf diesem Wege dje fremden Mauern ihr steinernes Halt. Plötzlich hob Liane die Hand und deutete hinaus. Siehst Tu die weiße Villa dort, Wilibald? Die war früher doch noch nicht da. Wer bewohnt sie?" . Tie dort am Walde?" Sie nickte stumm. Da wohnt Frau Jutta Gerland." sagte mit Nachdruck Wilibald. Liane schlug die Augen zu ihm auf. Wer ist Frau Jutta Gerland?" Wer fcie ist? Die Wittwe eines berühmten Malers und" Wilibald hielt zögernd inne, als suche er nach dem passendsten Wort und na, was man so sagt, eine interessante Frau." Es blieb still. Liane hatte die Lider gesenkt. Gute Nacht, Wilibald." sagte sie dann ganz leise und ging in ihr Stübchen hinauf. C 2. K a p i t e l. ellschimmernd lag sie mitten in dem buschenden Grün des Gartens, die kleine weiße Villa, darin Frau Jutta Gerland vor nunmehr drei Jahren sich ihr Heim eingerichtet hatte. Eine Sommervillegiatur hatte es zunächst nur werden sollen, wie es deren viele gab in dem waldumrauschten Lindenstedt, das die Annehmlichkeiten eines kleinen Kurortes mit der Bequemlichkeit verband, in vierzig Minuten die große Stadt erreichen zu können, aber dieseBequemlichkeit war es gewesen, die Frau Jutta schließlich bewogen hatte, ich dauernd in ihrem lichten Häuschen niederzulassen. Sie konnte ja, so oft es ihr beliebte, die benachbarte Großstadt aufsuchen, die während ihrer siebenjährigen Ehe ihr Wohnort gewesen war. und die tonangebenden Gesellschaftskreise standen ihr dort noch heute ebenso offen wie damals. Die in de: Vollreife ihrer vierunddreißig Jahre stehende junge Wittwe war noch ebenso umworben, wie sie es in ihrer ersten Jugendölüthe gewesen war als Gattin des berühmten Malers Werner Gerland. Sechs Jahre war es her, daß derselbe, mitten aus seiner glänzenden Künstlerlaufbahn heraus, ohne vorherige bemerkenswerthe Krankheit plötzlich verstorben war. Seine Wittwe, die er wohlversorgt zurückgelassen, hatte sich nicht einsam in ihre Trauerschleier vergraben, sie hatte die Welt durchstreift, überall gefeiert, und auch jetzt kam ein getreuer Stab von Freunden und Bewunderern häufig aus der Stadt herüber in ihr halb ländliches Heim, das sie ihren Besuchern gastlich öffnete ode? auch verschloß, je nachdem ihr der Sinn stand. Weiches, mattes Licht, golden getönt vom Sonnenschimmer, den die festgeschlossenen gelbseidenen Fenstervorhänge ausfingen, fluthete durch den mit künstlerischer Ueppigkeit ausgestatteten Raum, darin sich Frau Jutta am liebsten aufzuhalten Pflegte. Schwellende Polster ringsum, orientalische Teppiche, wohin . das Auge blickte, kunstvoll geschnitzte antike Möbel, und auf ihnen bizarr, launenhaft, wie alles in dieser Umgebung, modernste sezessionistische Vasen mit Mimosen gefüllt, Fruchtschalen, Nauchutensilien aller Art. Ueber allem aber ein seltsamer, sich den Sinnen einprägender, herber, betäubender Wohlgeruch ein Duft, der den Athem stocken, die Pulse höher schlagen ließ und den Niemand vergaß, der sich in den Kleidern festsaugte, den

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EU n Roman von ScdZvir, (Crllttdirncdtclticv 5..Z. i. 4 53 i5 5! 4 4: jeöer mit sich nahm, der ihn geathmet, der zurücklocken konnte, der eine Macht war, wenn Frau Jutta es wollte. Wenn sie wollte! Aber sie wollte nicht nichts! Sie war müde geworden am Wollen, das von jeher ein Können, ein Gelingen in sich getragen, müde am Wünschen, das immer Erfüllung gewesen, müde des Zaubers, den sie um sich gewoben, und müde derer, die ihn empfanden. Auf ihrem Diwan hingestreckt, die Eigarette zwischen den. -Fingern, die Brauen gefaltet, nihb sie und starrte grübelnd den aufsteigenden RauchWölkchen nach, als die Siesta dieses Nachmittags von dem eintretenden Dienstmädchen unterbrochen wurde. Gnädige Frau. Herr Hauptmann Palmer bittet dringend, empfangen, zu werden." Unwillig zuckte der Herrin Kopf herum. Ich will allein sein! Sagen Sie das, oder ich sei krank, oder " Oder seh? schlechter Laune." ergänzte ein? volle, klangschöne Männerstimme, und hinter der Dienerin, auf weichem Teppich lautlos näher getreten, lernen nettes Palmer, ein gezwunge nes Lächeln um die leise bebenden Lippen. Behend wich das Mädchen zurück, ließ hinter ihm den schweren Vorhang wieder herabsinken und drückte geräuschlos von draußen die Thür in's Schloß. Frau Junta hatte sich aufgesetzt und blickte, das Haupt leicht vorgeneigt, ihrem Besucher finster entgegen. Wie können S:e derartig hier bei mir eindringen. Sie hörten, daß ich allein sein will und " Und habe diesen Wunsch Tag um Tag respektirt, bis Frau Jutta " hin zu ihr eilend, nß er ihre Hände an sich Jutta, warum diese grausamen Quälereien! Ich bin kein Mensch mehr, wie ein Wahnsinniger habe ich Ihr Haus umlauert, früh und spät, nur um mit einem Blick Sie zu erspähen." Das weiß ich und ich will es nicht!" Sich mit einem Ruck von dem pressenden Druck seiner Finger befreiend, stind sie hoch aufgerichtet neben ihm, nur wenig kleiner als er, den Nacken zurückgebogen, herrische Geringschätzung in den Augen. Er zog schwer den Athem ein, als ersticke ihn der schwüle Tust, der ihren Kleidern entströmte, und starrte regungslos sie an. Wie war sie schön! Des unverhüllten Halses halbe Rückwärtswendung, der klassisch geformte Kopf, den das tief schwarze "Haar lose, gelockt umschmiegte, das edel geschnittene Gesicht mit seiner klaren Bernsteinblässe, die dunkelumschatteten Augen, der roth leuchtende, stolz geschürzte Mund, -des-sen süßer Stimmenklang so seltsam kontrastirte zu der Art dessen, was und wie Frau Jutta sprach, der den lältesten, grausamsten Worten ihren Stachel nehmen, der berücken, verwirren konnte. Wo war Wahrheit, wo Lüge und wo die Brücke zwischen beiden? Vergebens, daß die leidenschaftsumdunkelten Augen des Mannes danach forschten, sich in jede Linie dieses Antlitzes gruben, seine Räthsel lösten sie nicht. Nur die quälende Frage rang sich aus ihm heraus: Sie wollen es nicht? Was denn, Frau Jutta, was wollen Sie und was wollen Sie nicht? Daß ich Sie liebe?" Ein scharfes Zucken der Ungeduld lief über ihre Züge. Daß Sie mich stören, sich mir aufdrängen, wenn ich keines Menschen Gesellschaft mag. daß Sie meine Worte mißachten, daß Sie. ohne daß ich selber Ihnen das geringste Recht eingeräumt, sich doch Rechte anmaßen, kurz mich namenlos langweilen." Sie hatte sich lässig auf den Diwan zurückgeworfen, die Eigarette neu in Brand fetzend. Seine Zähne knirschten hörbar. Er schritt zur Thür zurück. Verzeihung, ich werde mir Mühe geben, Sie künftighin weniger zu langweilen." Ein Helles, verblüffendes, kinderhaftes Lachen, und zwischen Frau Juttas Lippen blinkten die spitzen kleinen Zähne. Schon wieder gekränkt und beleidigt, Freund Detlef? Wo bleibt denn da das Recht der guten Freundschaft, sich ohne das Teckmäntelchen konventioneller, Lüge frank und ehrlich zu geben, wie es Stimmung und Stunde bringen?" Aus Detlef Palmers grauen, scharfblickenden Augen brach jähes Flackerlicht. Dicht trat er wieder an sie heran. Gute Freundschaft! Sie wissen es wohl, Frau Jutt7.. daß es die nicht ist, die mich zu Ihnen treibt." Geschickt blies sie ein Rauchwölkchen zu ihm empor und wiegte lächelnd den 5!opf hin und her. Weiß ich es weiß ich es wirklich? Und was weiß ich denn?" Seine Augen flammten. Jutta, sprechen Sie nicht, wie es Ihrer unwürdig ist, nicht wie eine herzlose Kokette, die sich nur darum die Thoren nnfängt, daß sie ihrer Laune ein

Spielzeug sind, und d'ie das Spielzeug

von sich wirft, wenn sie dessen überdrüssig geworden." S!e war aufqesprungen. Was soll dieser Ton? Sie ' vergessen, zu wem Sie sprechen!" Auch er hatte sich straff aufgerichtet. Zu einer Frau spreche ich. die hoch über dem Alltag steht, die Freiheit des Wortes gestattet und Kleinlichkeit zwischen Mann und Weib verachtet. Und zu Dir spreche ich. die Tu mit all Teinen kalt bohnenden Worten es mich nicht vergessen machen kannst, daß es eine Stunde gab, wo Deine grausamen Lipren unter meinem Kusse gezittert. Sie wies ihn nicht hinaus, wie er wohl qefürchtet hatte. Ten Kopf zurückgebeugt. blickte sie ihn unbewegt an. Und nun lachte sie leise. Jawohl, dieser Kuß! Dieser einzigste zwischen uns fast hatte ich ihn vergessen. Und er war doch so lieb, so voller Stimmung, voller Poesie, Jurnzauber, Rosendust, zartem Mondenschein, Sie dazu mit Ihrem Liebesgeflüstcr. Ach, ich weiß, ich fühlte mich in dem Augenblick fast in die Wonnen eines jungen Magdeleins hinein, über das der Mann, der Herr seines Schicksals, seine Gnade ausbreitet." Sein Gesicht verfärbte sich. Und ließest mich's hoffen, ließest mich's glauben, nicht nur an jenem Abend, daß es mir gelingen möchte. Dich mir zu erringen. Dich's zu -lehren, daß auch Du mich liebst!" S:e lächelte lauernden Blickes ihn an. maß seine aufrechte Hünengestalt. cm scyongeschnittenes Gesicht mit der charakteristisch tiefen Linie inmitten des trotzig vorgeschobenen Kinns, mit dem weichen Munde, mit der scharfkantigen Stirn und mit den Augen diesen Augen, deren zuckendes Flammen ihr zunächst als Eigenthümlichkeit aufgefallen war, dahinter sie Räthsel, dämonische Herrenart, unter allen Umstanden aber ttn -was vom Manne vermuthet haiie, das sie noch nicht kannte. Mit ttnem Achselzucken brach sie ihre Musterung ab und warf lässigen Tones hm: Ließ ich Sies glauden? Und wenn ich's that, was kann denn ich dafür, daß Sie kein besserer Lehrmeiste? waren, mich so enttäuschen mußten?" Jutta!" brutal fast stieß er es hervor was verlangen Sie denn von einem rechtschaffenen Manne anderes, wenn er Sie liebt, als daß er Sie zu feinem Weibe begehrt und a)lßer Ihnen kern anderes Weib mehr kennt?" Was ich verlange?" Langsam richtete sie sich von dem Sessel, in den sie sich hatte niedergleiten lassen, wieder empor. Ihr Gesicht, ihr ganzes Wesen schien sich zu wandeln, wie ein Taumel jäh auflodernder Leidenschaft schien es über sie zu kommen. Was ich verlange? Was ich von der Liebe verlange, von jener jauchzenden Flammenliebe, die ich suche, in die ich mich stürzen, daran ich mich erwärmen möchte ich, die ich noch keinem das Geschenk meiner Liebe gab, noch keinem auch deniH tinen nicht, der mich am meisten liebte, der um mich ohne Zaudern alles von sich warf, Beruf, Familie, Vaterland, der in die Wildniß zog " Starren Auges schaute Palmer sie an. Warum fiel sie ihm denn plötzlich ein, die alte dunkle Geschichte, die sie ihm vordem in einer entfernten Garnison erzählt hatten, von einem blutjungen Offizier, der um eines Weibes willen den Dienst quittirte und in irgend eine unbekannte Ferne gezogen war, und von dem man behauptete, daß er dazu das Reisegeld sich aus der knappen väterlichen Kasse hatte mitgehen heißen? Keiner hatte von dem Flüchtling je wieder ein Wort gehört. Vierzehn Jahre mochte das her sein so lange, fast so lange wie der Tag, an dem Frau Jutta des berühmten Malers Werner Gerland Frau wurde. Und auch der längst vergessene Name fiel ihm wieder ein, zwang sich ihm. über die Lippen, wahrend sein Blick sich festbohrte auf Frau Juttas Gesicht, als wolle er sich den Weg hinein zwingen in das Innerste ihrer Seele. Und dieser eine Horst Hardinaer!" wie stand noch immer da. die Augen in eine weit entrückte Ferne schweifend. Doch nun erstarrte in dieser Ferne jählings ihr Blick, die dunklen Pupillen wurden kalt und leer, langsam, wie schwer herabfallende Vorhänge, senkten sich darüber die Lider, ein gedehnter Athemzug wie ein Erwachen, und Frau Jutta fragte verwundert: Horst Hardinger wer ist das?" Röthe zuckte über Palmers Stirn. Narr, der ec war, mit seinen Ahnungen! .Harten Klanges gab er auf JuttaS Frage die Antwort: Wer das war? Auch einer, der am Weibe zu Grunde ging an Glück und Ehre, der in der Fremde draußen wohl verdorben ist und gestorben." Und es klang nach in ihm und riß das alte Fragen wieder in ihm empor: wohin trieb denn auch er, wohin trieb sie ihn täglich, stündlich mehr mit diefern quälenden, bohrenden Hin und Her. das ein Nervenreiz für sie war. dessen ihre Natur bedürfte wie der Sommer der Gewitter? Aus allen Ecken drängte plötzlich die Erinnerung auf ihn ein an alles, was sie ihm in diesem Raume hier zugefügt an Gutem und an Bösem drei Jahre lang, womit sie ihn gepeinigt, erniedrigt hatte vor sich selber. All ihre Grausamkeit, die ihn oft grundlos, ohne ein Wort der Erklärung Wochen-, monatelang ver-

bannie, die )pser verlangte. aus Neu

gierde am Opfcrmuthe und die zurückrief, lockte, schmeichelte, sobald sie an die uahlgkeit des Scheidenkönnens glauben mußte. Was würde eines Taaes das Ende sein für ihn das Ende? Wie ein verzweifeltes Wehren aeaen die steigende Fluth. darin er sich versinken fühlte, rief er: Gib mir Wahrheit. Jutta! Die Wahrheit, ohne Winkelzug. Steht keine Hoffnung für mich da, Sie je die Meine zu nennen, so sagen Sie mir ein Nein! Sagen. Sie es mir so, daß ich es glauben muß! Und ich werde gehen und wcrd's versuchen, ob ich verlorene Kraft, verlorene Ruhe wiederzufinden vermag." Vor sie hintretend, die sich, während er sprach, gegen die, Fcnsterwand gelehnt hatte, so daß ihr Gesicht dem Lichte abgekehrt war, forderte er es noch einmal. Die Wahrheit, Jutta! Denn ich bin wirklich am letzten!" Ader ich glaube es Ihnen ja. Wir taugen eben nicht für einander. Sie sollten fioi eine andere suchen, sollten" Aus seinen Augen brach ein wildes. gefährliches Feuer, das Liebe war und Haß zugleich. Sollte mir eine an dere suchen! Ist es das. was Sie meinen?" Die Lider senkten sich wieder über ihre Augen, während sie mit warten--dem, fast gierigem Auflauschen den Kopf vorneigte. Also an's Heirathen denken Sie? Wie interessant? W'i, vielleicht gar schon, weicye Sie wayien Würben?" Welche?" Wieder der schneidende Stimmenklang. Nun, die erste Beste, die mir über den Weg läuft, sie thät's ja wohl in diesem Falle." Sie suchte seinen unruhigen Blick mit dem ihren festzuhalten. Heirathen die erste Beste ob Sie's wohl könnten, wirklich über's Herz brächten, lieber Freund? Und ob Sie mir sie dann wohl bringen würden? Ja, würden Sie es thun? Oder glauben Sie mir nicht, daß ich Ihre Ihre Braut sehr lieb haben würde?" Narren haben schon Unmöglicheres geglaubt." Also brächten Sie sie mir?" Lauernd saü sie zu ihm berauf. Nein, ich brächte sie Ihnen nicht Ei sieh! Auch die erste Beste nicht, die Ihnen so zur bekannten rechten Stunde gerade über den Weg liefe?" Auch die nicht!" Sie lachte leise. Und wenn ich sie mir holte?" Da trat er von ihr zurück. Mühsam beherrscht wandte er sich zur Thür. Sie Thor!" Sie stellte sich ihm in den Weg und legte lässig die Hand auf seine Schulter. Man muß Ihnen viel verzeihen ob Ihrer Thorheit, meine müßigen Fragen so gewissenhast zu beantworten." Müßige Fragen. Jutta?" Oder meinen Sie, ich wüßte nicht mindestens so gut wie Sie selbst, was Sie könnten und nicht könnten, so ange Sie mich zu lieben glauben?" Und was könnte ich nicht, so lange ich Sie zu lieben glaube?" Ta neigte sie sich vor gegen ihn, daß ihr Odem ihn verwirrte und sah ihn fest und siezessicher an. Beantworten Ste sich das selbst, Freund Detlef. Ich bin des Fragens und des Antwortend müde." Seine Hand faßte mit hartem Druck die Thürklinke. Sie hatten recht, es thut nicht gut, bei Ihnen einzudringen. Ich werde warten, bis Sie mich zu sich rufen. Und darum für heute ein Lebewohl." Sie sprach kein Wort, stand nur und sah ihn unbewegt an, bis er ging. Tann huschte sie an's Fenster, riß den gelbseidenen Vorhang zurück und spähte hinaus. Wie er davon hastete, als könne er ihr wirklich entfliehen! Nun, da müßte einer schon sieben Schuh Erde -zwischen sich und Jutta Gerland legen, der ihr entfliehen wollte! Der Vorhang rauschte zusammen, ihre Hand hatte il'n fahren lassen, denn diese Hand zitterte. Von ihren Lippen drängien sich zwei Worte. H?rst Hardinger" Ihre bebenden Hände aber machten eine zuckende Beweaung, als wollten sie fest eine Thür schließen die Pforte der Vergangenheit. 3. Kapitel.. en Hut tief in die Stirn gedrückt, schritt Detlef Palmcr seines Weges dahin. Narr lächerlicher Narr!" Es war ihm, als riese die ganze Welt es ihm zu. Warum war er wieder so von ihr gegangen, hatte sich die Qualen abermaligen Wartens aufgebürdet!? Warum hatte er sich's nicht erzwungen, daß sie ihm klipp und klar ein Ja sprach oder em Nein? Aber womit denn sie zwingen, die nicht zu fassen war, die sich ihm en! wand wie eine gleißende Schlange, und doch Mit jeder Windung sich nur un löslich fester um ihn schlang? Ein Ende machen, vielleicht allen Ernstes das Ende, von dem er ihr vorgefaselt: hingehen, sich irgend eme Lrn denstcdter Grete oder Elfe als Pflaster auf die von Frau Jutta gerissene Wunde kleben, die erste Beste am Wege freien? ?.?I7.-T , f . . U '-V""Ö - -o Friedfisch ist die leichtver ständliche Bezeichnung derjenigen Arten, die nicht von ihresgleichen ll ben.

ZNeik Haverfack's Schreibebrief.

r.7. Geöhrter Mister Edithor! Mit die allerbeste Jntenschens un mit Entußjiassem, wo einiges geböte Hot, sin ich mit den Saluhnwerth in die Mietung gange. Es war en immens große Hahl un e Kraut war do, schiewiß, hen ich gedenkt, well, wann ich do Widder mit mei ganze Bohns autseit komme, dann will ich sattisfeü sein. Mer sin reiteweg in Front gange, wo Siets for uns riesehrft gewese sin. Alle Leut hen for mich gebaut, bifor daß se gewißt hen, wer ich sin. das war, bikahs ich hen so schwell geguckt. Ich hen mich off Kohrs auch ang fein uffgetackelt un was me: Fiehling konzerne duht, do kann ich nor sage, daß ich selbst nit gewißt hen, wie's war. Ich hen die Aemblschen in mich gehabt, en Spietsch zu mache, wo sich gewasche Hot, awwer dieselwe Zeit hen ich auch e wenig daunhartet gesuhlt. Es :s nit, daß ich zu wenig Drinks in mich gehabt hen, nosser, so ebbes loß ich mich nie nit zu Schulde komme es war sotsch e fonnie Fiehling, wie ich's in mei ganzes Lewe noch nit gehabt hen. Well, es Hot nit lang genomme, do is einer von die Schentelmanner an die Stebtsch gange un dieselwe Minnit war alles mais'che still. Er Hot en ziemlich lange Spietsch gemacht. Was er gesagt Hot, sell hen ich off Kohrs Nit ausmache könne, bikahs er Hot in die norrwegische Lengwitsch gesproche: awwer ich hen mich gefreut, daß er so lang getahkt Hot, wisse Se, ich hen mich gesagt, wann der so viel Ze?t juhse duht, dann bleibt nit mehr so viel iwwer for mich. Ich sin puttinier eingeschlofe, bis ich uff eemol mein Name hen menschene höre un all dig,,Piebels Hurreh gehallert hen. Mein Freund Hot mich am Arm getäckelt un Hot gesagt, nau Mister Habersack, jetzt is Jhne Ihre Tschehns. Spreche Se nur in die deitsche Lengwitsch, bikahs all die Piebels wo hier sin tahke ungleiche deltsch. Mit schwerem Herze sin ich an die Plattform un hen gebaut un do hätte Se emol höre solle, wie die. Ahdienz mich getschiert Hot! Ich hen in einem fort geschmeilt un hen gebaut un ich hen zu mich gedenkt, well, wann die noch for e halwe Stund so weiter hallern, dann brauch ich ja gar nicks zu sage. Awwer mein Wisch is nit wahr komme. Nach e halwe Minnit is es so still gewese daß mer e Pinn hätt drappe höre könne. Ich hen mich emol geräuspert un dann hen ich gesagt: ' Schentelmänner un Zittisens, als en Zittisen von e freies Kontrie, als en Zittisen von die große Juneitet Stehts, als en alter Deitscher, wo auch nit mehr gegliche Hot, sich von en Ferscht bahse zu losse, duhn ich euch willkomme heiße un kohngratuliere Euch zu Euer Korretsch, mit die Ihr die alte Fessele abgeworfe habt un Euch als t independente Nehfchen ohrgeneist habt!" Dann hen ich e Paus gemacht un ei tell juh, die. Fellersch sin fascht krehsig geworde, so hen se mei Worte eppprieschjiehtet. Soweit hen ich ja mein Spietsch noch ganz gut auswennig un bei Herz gekennt, awwer jetzt hen ich such noch nit mehr e Wort gewißt. Gasch, do sin ich awwer in e schone Ficks gewese! Wie alles still war, do hen ich gesagt: Ihr duht jetzt meirle Gesinnung un mei Fiehling kenne un was ich hier sage, das mein ich. Ihr habt gezeigt, daß Ihr der Stoff seid un die ganze Welt un die Juneitet Stehts freue sich, daß es immer noch Mensche Hot, wo das Herz uff . die rechte Seit wehre." Jetzt hot's Widder e großes Gehaller gewwe un ich hen genohtißt, daß ich mit mein Spietsch en große Sockzeß mache oeht. Awwer jetzt hen ich auch rein gar nicks mehr gewißt un da is mich in meine Emberresment en Eidie komme, wo in die Juneitet Stehts viele Pallitischens juhse, wann se uff den Stump gehn un nit mehr wisse, was se sage solle. Schentelmänner, hen ich gesagt, es is nit meine Jntenschen, hier en lange Spietsch zu mache, awwer wann ichJhne einige Ecksplennehschens getnwe kann, dann stelle Se Kwestschens an mich,, wo ich ennsere will. Ich denke, das is von mehr Werth, als wie viele Worte. Sell scheine se auch gegliche zu hen un in e Minnit Hot sich einer uffgestellt un Hot gesagt, er möcht gern wisse, ob es in e Riepoblick auch arme Leut hätt. Schuhr Ding, hen ich gesagt, es Hot Milljone arme Leut in die Juneitet Stehts, awwer das is e gutes Sein, denn arme Leut sin nämlich all annest un se mehr arme Leut e Kontrie hat, desto mehr Annestie un Ehrlichkeit is da. Do Hot der Mann Widder gefragt: Was duhn denn die reiche Leut?" Do hen ich gesagt: Die gucke aus, daß die arme Leut nit reich wern un wann se's nit annerscht helfe könne, dann sin se auch annest." Mei Ennsers hen me Kraut

mich gefeuert, das war auteseit, awwer ich hen se all gemiet un Se hätte nor emol höre solle, wie se all röhrt

hen. bikahs mei Ennsers sin all so zu den Peunt gewese. Uff eemol Hot so e schmales, derres Mannche gefrogt: Well, Mister Habersack." Hot er lagr, !H oeyt gleiche, Jhne auch emol ebbes zu frage; wie kommt es, daß in e Riepoblick, wie die Juneitet Stehts. die reiche Leut immer reicher un die Arme immer ärmer wer'n?" Sell is iesig, hen ich gesagt, das is bekahs es Hot immer e Kläß Piebels, wo dumm sin un selle Kläß werd nie nit all. Die reiche Leut sinne aus, daß die Dumme immer noch ebbes hen. was se tackele könne un iuhbettschurleif, se kriege's auch; den Weg kommt's, daß die Dumme immer ärmer wer'n un die Reiche, was die Schmarte sin, wer'n immer reicher. Ich kann an die Ahdjienz nohtisse, daß es auch hier in Euer Kontrre , e ganze Latt Dumme Hot un dieTschehnses sin, daß auch hier die Reiche immer reicher wer n. Selle Ennser Hot se nit gepliest. bikahs se hen gedenkt, se wär all schmart un instett von mich zu tschiere, hen se all gehißt. Mein Freund Hot mich den Wink gewwe, daß ich von die Stehtsch erunner sollt gehn, awwer ich hen widder emol en darn Fühl aus mich gemacht un in mein nächste Brief verzähl ich Jhne, wos noch gehäppend is. Mit beste Riegahrds Juhrs trulie, Meik Habersack, Eskweier un Sheriff von Apple Jack, Holie Terrer Kauntie. Große Geistesgegenwart. Humoreske von Th. Müller. Die Bürgergcfellfchaft Harmonie" kultivirte unter anderen aefellfchaftlichen Veranstaltungen auch ein Liebha-

bertheater. .Schade war es frelllä), daß unter den Mitgliedern nicht immer jene Einigkeit zu herrschen pflegte, welche ein gedeihlich:s Zusammenwirken bedingt. Selbstredend stand dabei im Vordergrunde der bekannte Rollenneid, und es war oft recht betrüblich, mitansehen zu müssen, wie manchmal sogar bei offener Szene sich Dinge ereigneten, die nicht dazu angethan waren, die innere Einigkeit erstarken zu lassen, sondern direkt auf das Gegentheil hinarbeiteten. So hatte sich Herr Meier einmal den Helden des zur Aufführung kommenden Stückes erträumt, und was bekam er? Eine elende, erbärmliche Charge", eine Dienerrolle! Meier schäumte und war auf seinen Nebenbuhler Müller, der den Helden natürlich durch seine Jntrigantenkünste! erhalten hatte, entsetzlich geladen. Mit einer Feindseligkeit sonderglei-. chen gegen sich selbst zermarterte er.' sein Gehirn, diesen Kerl" auf denTod zu blamiren und er fand etwas! Seine Rolle verlangte, daß er dem verhaßten Müller einen Humpen Wein zu reichen hatte und dieser Moment sollte seiner Rache dienen denn Müller mußte, seiner Rolle nach, diesen Humpen leeren! Meier trank also vor der Auffüh-rung-den guten Wein, den er Müller reichen sollte, heimlich selbst aus und mischte dann für Müller in dem Bccher ein Gebräu zusammen ein Gebräu schweigen wir lieber davon! Und dazu murmelte der Erbärmliche noch: Wohl bekomm's!" und lächelte sein infamstes Lächeln! Die für Müller verhängnißvoll wer den sollende Szene war da. Meier als Diene? reichte ihm auf einein Tablett den Humpen mit dem Trank" und seine schwarze Sle machte in seinem verruchten Körper vor Freude die tollsten Sprünge. Müller nahm den Humpen mit großartigem Anstand von dem Tablett, setzte ihn an den Mund, und die Bewegung seines außerordentlich Lppig entwickelten Adamsapfels" bezw. Kehlkopfes zeigte den Zuschauern, daß er sich einen gewaltigen Schluck einverleibt haben mußte. Meiers Gcsichtsausdruck zeigte das Höchste an reiner Freude, was ein Menschenantlitz überhaupt auszudrücken imstande ist: ganz aus dem Häuschen" hieß der Grad. Aber die Bestie in ihm hatte zu sehr triumphirt, sie glaubte Müller schon gänzlich vernichtet dieser war jedoch zäher und schlagfertiger, als es sich Meier geträumt hatte. Allerdings, es kann nicht geleugnet werden, Müllers Mienenspiel war ein höchst dramatisches. Der entsetzliche Geschmack ließ ihn den Mund weit über das Maß des Schönen aufmachen und die Augen bekamen sogar einen höchst unintelligenten Ausdruck aber es waren diese Symptome fabelhafter innerer Ueberraschtheit und gewaltiger Abneigung nur den dritten Theil einer Minute sichtbar und ebenso waren die würgenden Bewegungen des so sehr entwickelten Kehlkopfes um keine Sekunde länger zu beobachten dann hatte sich der Liebhabermime gefaßt, und in gewaltigem Schwünge hatte er dem Diener. Herrn Meier, den Rest des Trankes in das Gesicht geschleudert und donnerte in seinem gewaltigsten Tone: Schuft, Du hast die falsche Sorte erwischt!" Natürlich raste das Publikum vor Applaus, und Meier zog sich als der stärker Blamirte zürü er hatte Müllers Geistesgegenwart bei Weitem zu gering eingeschätzt!

' arig gevliest un sc hen Kwestschens an