Indiana Tribüne, Volume 29, Number 8, Indianapolis, Marion County, 1 September 1905 — Page 6

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Der Stern des Kontors.

Eine Geschichte au dem Geschaftsleben von A.Battke. 2)a geht entschieden nicht mehr so weiter; diese infame Bummelei muß aufhören!" schrie Herr Heinrich Mer kurius, Inhaber der Bankfirma H. Merkurius & Co., seinen Bruder Franz an. j Dabei lief er das bequem ausgestattete Privat - Kontor so wüthend auf und ab, daß Franz, der mit dem fast phlegmatischen Temperament des Bru-! ders vertraut war, die Reformation der geschäftlichen Zustände vollkommen einsah. Er pflanzte sich daher rücklings auf seinen Stuhl und begann nachzudenken. Natürlich, die verflixte Eitelkeit war daran schuld! Denn Heinrich, der höchstens einmal am Spätliachmittage in's Kontor hinein roch, hätte ohne diese Schwäche lange keine Ahnung von der faulen Wirthschaft" erhalten und sich den Aerger darüber noch eine ganze Weile erspart. Heut: aber an seinem drelundfünfzigsten Geburtstage war er trotz der ihm angeborenen Bequemlichkeit schon um halb zehn von seiner Privatwohnung am Ende des langen Korridors nach dem Bureau hinübergeschritten, um. sich an den glänzenden Mienen seiner Angestellten zu weiden, wenn er sie bat, zur Feier des Tages in einem bekannten Weinrestaurant das Abendbrot auf seine Rechnung zu nehmen. Als er aber die Thür zum Kassenraum öffnete, schwebte ihm statt des zierlichen Herrn Prokuristen nur ein bläuliches Tadakswölkchen entgegen, das noch vom gestrigen Abend herzurühren schien und die Todtenstille zu einer wahrhaft weihevollen machte.' Das war ihm denn in der That ein wenig zu arg. Als leidenschaftlicher Nichtraucher konnte er die widerwürtige Qualmerei schon lange nicht leiden. Er war nur zu schwach bis jetzt, sie im Kontor zu verbieten. Aber nun gar diese UnPünktlichkeit?! Bis' in's Innerste getroffen lies er spornstreichs den Korridor zurück, und als Franz mit seinen Glückwünschen kam, war der ganze Dank eine Kollektion von schmeichelhaften Beinamen für die Jungens", wie Herr Heinrich Merkurius seine Angestellten ohne ihr Beisein stets zu benamsen Pflegte. Aber wartet, Euch will ich !" Was er aber wollte, war ihm nicht so ganz klar. Bor unliebsamen Scenen hatte er eine unüberwindliche AbNeigung. Und bis zum jüngsten Bolontär herunter waren die Jungens" lauter tüchtige Menschen, welche etwas leisteten für ihr Gehalt. Wenn er stch wirklich zu einem kleinen Rüffel" entschloß wer weiß, ob sie dann nicht von selber das Feld räumten. Und daraufhin die ganzen Unbequemlichkeit ten eines Neuengagcmrnts ! Herrn Heinrich trat der Schweiß auf die Stirn, während Franz, der ihm rathen sollte, noch immer auf dem Stuhl ritt, ohne seine indifferente Miene nur um einen Zug zu verändern. Plötzlich schien dem Guten aber doch ein Gedanke gekommen zu sein. Wie wär's", begann er langsam und vorsichtig, wenn Du Deine Leute dem veredelnden Einflüsse irgend eines weiblichen Wesens aussetztest?" . Heinrich blieb wie vom Donner gerührt stehen und schaute dem Bruder ungläubig in's Gestcht. Aber Junge! Du als geschworener Weiberfeind meinst das doch sicher nicht ernsthaft!" Weshalb denn nicht? Man muß doch seine Antipathie nicht auf alle möglichen Fälle ausdehnen." Nein doch, mein Lieber. Aber bedenke nur ein junges Mädchen den ganzen Tag allein unter lauter Herren! Wenn man nicht wüßte, wie's geht! Lachen, schäkern Liebesgeschichten. Gott bewahre mich!" Nun nun so schlimm ist das ja nicht. Sie müßte eben etwas ganz Besonderes sein. Erstens aui einer soliden Familie, zweitens gescheidt und drittens nichts als ein Weib, so ein echtes. Hübsch, gediegen und ein klein wenig kokett. Du sollst 'mal sehen Wunder wird sie verrichten!" Na ja aber sie muß doch etwas zu thun haben." O. das findet stch auch. Sie könnte dem jungen Braun die Kontorarbeiten abnehmen. Das wäre gleich etwas." Herr Heinrich sank erschöpft auf die Chaiselongue. Franz, alter Knabe, geh mache Dich auf die Suche. Und denen im Kontor sage, daß sie mich heute in Frieden lassen möchten. Aber Abends sollen sie gut soupiren. Verdient haben ste's eigentlich nicht", setzte er grollend hinzu. Franz nahm den eleganten Cylinder unterm Stuhl vor, zog den Pelz über und schob stch langsam zur Thür hinaus. Im Korridor stieß er auf seine reizende Frau Schwägerin, deren Einladung zum Abend er jedoch mit der Entschuldigung ablehnte, für Heinrich ausnahmsweise stark beschäftigt zu sein. Dann bummelte er nachdenklich bis an die nächste Straßenecke und stieg dort in einen Taxameter, um sich die Erfüllung seiner Mission so leicht als möglich zu machen. Schon am Nachmittag war der ver edelnde Einfluß" für den Ersten kommenden Monats verpflichtet, und Franz saß Abends mit den Angestellt ten der Firma im Weinrestaurant und

qalf ihnen den Ehrentag des ISW nach Kräften begießen. Hier erschienen sie natürlich alle auf die Minute, und es war noch nicht acht Uhr vorüber, als sie in geschlossener Kolonne anrückten. Voran die bewährte Vertretung des Hauses, Prokurist Julius Sturm, der seinen Jntimus Franz mit herzlichem Handschlag begrüßte. Natürlich suchte sich Sturm so schnell als möglich seiner kleinen Rede auf das Wohl des Hauses H. Merkurius & Co. zu entledigen, und hatte eben ein Hoch für die prächtige Gattin des Chefs ausgebracht, als Franz sein Glas dem des Freundes näherte und noch einmal mit ihm anstieß. Auf das. Wohl Deiner Zukünftigen, mein Junge!" Sturm setzte sein Glas so energisch auf den Tisch, daß es beinahe zerbrach. Mensch was soll denn das heißen ? Zum Anöden suche Dir denn doch einen anderen heraus. Ich heirathe nie!" Du verschwöre das lieber nicht! Es geht oft merkwürdig zu." Und ich wette tausend gegen eins, daß ich recht behalte," ereiferte stch der Prokurist. Wetten willst Du? Und wenn ich nun darauf einginge?" Nur zu! Aber wenn Dir in dieser Zeit vielleicht das Malheur' passirt, was Du mir so freundschaftlich an den Hals wünschst, bist Du verpflichtet, das Doppelte sagen wir also zwei Körbe Sekt zu zahlen." Schön, das gilt", lachte Franz im Bewußtsein seiner Herzenshärtigkeit; die Herren sind Zeugen." Ein paar Stunden nach Mitternacht erst wurde die Sitzung aufgehoben, und wie ein jeder glücklich zwischen sein Laken und das Deckbett gekommen war, wußte am nächsten Morgen niemand mehr zu berichten. Einige Schwierigkeiten mußte es wohl gemacht haben, was Lattenberg's, des Herrn Kassirers, ziemlich rauhhaariger Cylinder zur Genüge bewies; daß er ihn beim Ankleiden merkwürdigerweise aus dem. Waschbecken geangelt hatte, verrieth er keinem. Julius Sturm ritt rücklings auf seinem Bock und schlürfte zur Ausheilung des angegriffenen Magens einen steifen Grog, den ihm des Kassenboten würdige Frau als Morgentrank gebraut hatte. Das Idyll wurde jedoch bald durch daS ohrenzerreißende Geklingel des Telephons gestört. Mit schmerzenden Gliedern schlich der junge Braun zum Apparat, weil keiner Miene machte, ihm sein Amt gutmüthig abzunehmen. Langsam nahm er den Hörer herunter. Hier: H. Merkurius & Co., wer dort? Wer? Bitte noch einmal Ihre werthe Firma. Ja Sie wünschen? " Einen Augenblick bitte " ," Mit unsicherer Stimme wandte er sich an Sturm. Irgend eine Stellenvermittlung fragt an, ob die Vakanz bei uns fchon erledigt und Fräulein Dora Kelch endgültig engagirt sei. Was sie sonst noch reden, kann ich absolut nicht verstehen." Der Prokurist musterte den jungen Mann mit scharf - ironischen Blicken. Sie haben wohl noch nicht ausgeschlafen, mein Kind? Klingeln Sie ab!" Braun biß sich auf die Lippen. Es war allerdings eine Dummheit, nicht prompt durchzurufen, daß die Stellenvermittlung für weibliches Bureaupersonal" wohl falsch angeschlossen sei. Er murmelte schnell ein paar Worte in den Apparat hinein und drehte die Kurbel. In diesem Moment trat Franz Merkurius in das Bureau. Kaum hatte er den Cylinder auf eins der Pulte gelegt erneutes Geklingel des Fernsprechers. Diesmal bewegte sich Braun etwas schneller zum Apparat. Hier: Merkurius & Compagnie! Ja wohl und ?" Nein Fräulein, ein entschiedener Irrthum!" Wer ist denn da?" fragte Franz. Die Stellenvermittlung für weibliches Bureaupersonal" redet sich ein, wir hätten von ihr eine Dame engagirt." Na, das lassen Sie mich 'mal lieber erledigen. Also hier: Franz Merkurius. Sind Sie noch da? Schön, mein Fräulein. Alles in Ordnung! Danke verbindlichst danke sehr Schluß!" Ja, lieber Franz, was soll denn das heißen?" rief Sturm. Weiß ich selber nicht! Uebrigens habe ich Eile. Adieu, meine Herren." Weg war er. Sturm blickte nachdenklich in's Weite. als er die Meldung erhielt, vor der Börse noch einmal in's Privatkontor hinüber zu kommen. Daß die Mittheilungen des Chefs entschieden etwas eigenartiger Natur gewesen waren, konnte man dem Herrn Prokuristen Nachmittags noch ansehen. Jedenfalls befleißigte er sta) eines gleichgültigen Tones, als er dem , braven Kassenboten die Weisung ertheilte, den Drehsessel vom Boden zu holen und das leere Pult am Fenster für die neu engagirte Dame sorgfältig zu säubern. Die Wirkung einer einschlagenden Bombe wäre schwerlich anders gewesen, als die der eben gesprochenen Worte. O, meine Ahnung", stöhnte Lattenberg. Da sehen Sie, Herr Sturm. daß ich heute früh absolut munter war", meinte Braun etwas vorlaut.

Ter Prokurist konnte sich nicht meyr !

oemelirern. Setzen Sie sich hin und schreiben Sie Ihre Schlußnoten aus", donnerte er den verblüfften Jüngling dermaßen an, daß ein Murmeln des Unwillens durch das Bureau ging. Als v Uhr am nächsten Morgen zum neunten -Schlage ausholte, saß das ganze Kontor bereits an der -Ar-beit. Sie vermutheten sehr richtig, daß das Fräulein zum Antritt wahrscheinlich auf die Minute erscheinen und vom Chef persönlich eingeführt werden würde. Letzterer brauchte durchaus nicht zu wissen, daß seine Leute aus dem akademischen Viertel meist zwei zu machen pflegten. Und was die Kollegin betraf die Sache wird ja bald ein Ende nehmen. Wird einfach hinausgedampft", sagte Lattenberg mit satanischem Lächeln. Ehe ihm aber Kopitz, der kleine Sienograph, antworten konnte, öffnete sich die Thür, und eine schlanke Mädchengestalt trat mit leichtem Morgengruß über die Schwelle. Hinter ihr mit etwas verlegenem Gestcht Herr Heinrich Merkurius selbst. Niemand blickte auf. Nur die Federn kritzelten instinktiv eifriger sonst düsteres Schweigen. . . .'n Morgen, meine Herren. Hier stelle ich Ihnen eine neue Kollegin, Fräulein Kelch, vor. Sie sind wohl so freundlich, lieber Sturm, und führen die jungeDame 'n bißchen in die Gel)eimnisse des BZlnkwesens ein." Herr Heinrich hatte diese Worte unter' steigender RllckwärtSbewegung gesprochen und verschwand eiligst hinter der Thür. Sie war ihm peinlich, diese sichtlich unangenehme Ueberraschung der Jungens". Unterdessen kletterte Dora Kelch auf den Drehschemel und nahm vonSturm die verschiedenen Kopirbllcher in Empfang, um sie zu registriren. Braun, der dies bis jetzt besorgt hatte, kam langsam näher. Er wollte eben eine kurze, ironische Rede im Sinne seiner Kollegen beginnen, als sie ihm schon mit freundlichem Lächeln den Anfang verwehrte. Sie wisse mit Kontorarbeiten vollkommen Bescheid, er solle sich nur nicht stören lassen. Schneller als er da war, befand er sich wieder auf dem Rückwege. Die Kleine war in der That fix. Nun, die anderen würden ihr schon besser beikommen. Lattenberg dachte das auch, indem er sich vorsichtig eine Cigarre ansteckte und das Kistchen ganz gegen seine Gewohnheit herumreichte. Garnicht lange, und das Kontor war in eine einzige Wolke gehüllt. Ach, Verzeihung, Fräulein. Sie können den Rauch sicher nicht vertracen", bemerkte Kopitz, dem von der schweren Sorte selber schon ganz eigenihümlich zu Muthe wurde. Ich? Aber bitte, durchaus. Mein Vater und die Brüder rauchen sehr stark; da bin ich's gewohnt", klang es heiter zurück. Also auch damit war s nichts. Lattenberg trat einen Schritt näher. Sie verabscheute keinen Rauch? Daraufhin mußte er sie sich einmal näher ansehen. Wirklich ein interessantes Mädel! Er verstand sich auf Physiognomien. Das schmale, zarte Gesicht von blonden Locken umrahmt, die in's Röthliche spielten und am Hinterhaupt hoch zu einem losen Knoten gesteckt waren, etwas tiefliegende, klarblaue Augen unter einer heiteren Stirn und ein paar Lippen, die dem sanften Antlitz einen kleinen pikanten Reiz verliehen. Langsam zog er sich in seinen Kassenraum zurück. Sie haßte die Raucher nicht! Nun da konnte sie seinetwegen ganz ruhig bleiben, denn im Grunde war sie ein entschieden angenehmes Mädchen. Was ihr nur fehlen mochte, datz die hellen Äugen manchmal so umflort don hen Büchern aufschauten? Etwa Liebeskummer? Auch Sturm, der sie den Tag über verstohlen beobachtete, waren die Schatten nicht entgangen, welche hin und wieder über das sonnige Gestchtchen huschten; und er nahm sich vor, morgen einmal ausnahmsweise früher zu kommen, um mit dem Fräulein unbehelligt ein kleines Privatgespräch führen zu können. Als er jedoch am andern Tage einmal ausnahmsweise früher in das Bureau trat, stand er traute seinen Augen nicht Lattenberg fchon mit aufgestemmten Armen am Pulte des Fräuleins, in ein interessantes Gespräch verwickelt, was sie bereits zu guten Freunden gemacht zu haben schien. Ein Schwerenöther, dieser Lattenberg! , Herr Heinrich Merkurius rieb sich vergnügt die Hände. Ja, ja Ihr Frauen!" Und seine prächtige Jeanette bekam für den veredelnden Einfluß des Fräulein Kelch einen dankbaren Kuß. Der Franz! Wirklich ein kapitaler Kerl, ein Prachtjunge. Jeder Einfall von ihm ein Goldstück werth ach! mehr noch, viel mehr.'" Daß der Prachtjunge jetzt beinahe täglich nach dem Kontor kam, interessirte Herrn Heinrich nicht weiter. Aber es verhielt sich in der That so. Franz mußte doch sehen, ob sein Mittel auch dauernde Wirkungen hatte, und das schien hochgradig der Fall zu sein. Die Junaens" arbeiteten mit einem Eifer, als gälte es, binnen Jahresfrist eine Million zu verdienen. Nur sein Freund Sturm wollte ihm nicht recht

geraum. Wer machte wrhl der yuvschen Kleinen allen Ernstes den Hos? Na ja, Sturm brauchte eine Frau, er wünschte ihm sogar eine besonders nette, aber warum denn gerade das Fräulein? Solch' ein feines Geschöpfchen mußte einen Gatten haben, der ihr Reichthümer zu Füßen legen konnte, und die besaß Sturm nicht im entferntesten. Folglich war's eine entschiedene Dummheit von ihm, sich auf die Heine Kelch zu kapriziren, eine Unverschämtheit war's nebenbei auch. Während der Bureaustunden mit der Buchhalterin ein Verhältniß anzuknüpfen unerhört. Franz schwindelte, wenn er einen Blick aus den blauen Augen erhäschte und dabei an den Franz Merkurius dachte, wie er außerhalb des Bannes dieser Kinderaugen war: ein Bonvioant, der den Freudenbecher des Lebens bis auf die Neige geleert hatte und dem manchmal ekelte, oh Doch es konnte noch anders werden, wenn er nur Wache hielt, daß ihm Sturm den rettenden Engel nicht wegschnappte. Eines Tages blieb Dora Kelch, die in letzter Zeit merkwürdig durchsichtig ausgesehen und leicht gehüstelt hatte, zu seinem Entsetzen aus. Ein Lungenkatarrh und Bleichsucht", meinte der Arzt; wahrscheinlich von allzuviel eingeathmetem Cigarrendampf". Das ganze Kontor gerieth in Aufregung. Ohne Schuld war eigentlich keiner; aber Lattenberg, diesen wandelnden Fabrikschornstein, traf unbedingt die größte, was ihm die Kollegen auch keine Minute verhehlten. Er selbst ging mit der Miene eines armen Sünders herum, doch davon wurde vorläüfig nichts besser. Der Platz des Fräulcins blieb leer lange, lange Wochen hindurch. Endlich war die Krankheit gehoben, und der Tag rückte näher, an welchem sie ihre Pflichten wieder übernehmen konnte. Lattenberg athmete auf. Gott sei Dank! Gemordet hatte er sie wenigstens nicht; aber er wollte stch hängen lassen, wenn er während der Bureaustunden je wieder diesen infamen Glimmstengel zwischen die Zähne nahm. Auch den andern fiel ein Stein vom Herzen. Sie schworen wie ein Mann dem verderblichen Kraute ab und überlegten, wie die Huld Fräulein Kelch's am besten wiederzuerringen sei. Daß sie ihnen die abscheuliche Qualmerei nachtrug, stand für sie fest. Sturm war in den endlos dahinstreichenden Wochen, wo sie ihm fehlte wie die Luft, mit sich einig geworden. Eine verlorene Wette mit der obligaten Ulkerei? Pah eine Lappalie, wenn er dabei diesen Edelstein gewann. Er wollte es ihnen beweisen, daß er die Lächerlichkeit nicht fürchtete. Der Iahrestag des Chefs nahte ja wieder. Und besaß er dann das Mädchen mit dem herzigen Köpfchen Er konnte nicht ausdenken, was er alles anstellen würde vor Glück. Julius Sturm drehte stch ein paarmal vor dem Korridorspiegel herum, ließ den Sonnenschein auf das frische Gesicht fallen, nieste kräftig und besah sich von Neuem. Ja, er war wirklich ein hübscher Kerl und der Prokurist der Bankfirma H. Merkurius & Co. Dora würde daS nicht unterschätzen. Beinahe hätte er stch selbst eine Verbeugung gemacht, doch es war keine Zeit mehr dazu. Er mußte hinein in die Arbeit. Doch er wollte ste noch heute um eine Unterredung unter vier Augen an irgend einem von ihr bestimmten Orte bitten. Da schlug es neun, gerade als er eintrat. Die Kollegen waren bereits vollzählig versammelt. Eine gewisse freudig - erwartungsvolle Stimmung hatte sich der Harrenden bemächtigt. Sie kommt!" Braun rannte Lattenberg über und schob Sturm höchst respektlos zur Seite. um sich auf den riesigen Strauß zu stürzen, den er als Jüngster am ungezwungensten überreichen konnte. Jetzt hörte man ihren leichten Schritt auf dem Korridor, und nun trat sie ein. Sturm nahm ihr galant das Cape ab, und Vrcmn überreichte das ungeheure Wagenrad von einem Bouquet als kleinen Willkommensgruß im Namen der gesammten Kollegen". Dora lächelte glückselig. O, wie schön! Herzlichen Dank, meine Herren. Und da ich mich gestern mit dem Ingenieur Bergstedt verlobt habe, will ich diese entzückenden Blumen gleich als Ihren Glückwunsch ansehen." Sie steckte das Näschen in die duftenden Kelche, um die schelmischen Grübchen zu verbergen, welche die nicht gerade geistreichen Mienen ihrer Kollegen hervorgezaubert hatten. Braun erholte sich zuerst. Meinen allerherzlichsen Glückwünsch, Fräulein!" Meinen auch meinen auch!" Und jeder drängte sich heran, um ihr kräftig die Hand zu drücken. Sturm war der letzte. -Ich wünsche Ihnen alles Gute". Seine Stimme zitterte ein ganz kleines bißchen dabei. . . Einige Tage darauf hatte der Geburtstag des Chefs wieder das ganze Bureau zur fröhlichen Runde versammelt, und nach dem üblichen Toaste, erhob Sturm noch einmal sein Glas. Wie Sie sich wohl entsinnen wer-

den, meine Herren, wurde uns ungefähr vor einem Jahr unsere liebe Kollegin bescheert; und da sie uns wohl bald wieder ' genommen sein wird, schlage ich vor, ihrem Andenken ein volles Glas zu weihen. Sie lebe hoch!" Franz drückte dem Freunde die Hand und sah ihm ernst in die Augen. Einen Moment lang schauten sie sich an, dann fand Sturm den alten Ton wieder. Na, Jungchcn", lachte er, habe ich meine Wette gewonnen?" Nein", meinte Franz melancholisch. Ich glaube, wir haben sie beide verlo-

ren". Dann zahlen wir sie alo auch iv ide! Kellner. Sekt her. Es lebe das Junggesellenthum hoch. hoch, doch!" uxemourg. L u x e m bu r g. Herr Armand Stümper aus Luxemburg hat die zweite Prüfung für das Doktorat mit Recht mit der Note befriedigend bestanden. ' B e t t b o r n. Die Tochter der Familie Schaus aus Bettbar sagte .zu ihrer Mutter, im Ziehbrunnen im Garten habe sie Kleidungsstücke bemerkt. Die Mutter ging hin und fand zu ihrem größten Schrecken, daß es ihr dreijähriges Söhnchen sei, das in den Brunn?n gefallen und ertrunken war. Ettel brück. Der Ettelbrücker Gemeinderath hat die Errichtung eines öffentlichen Schlachthauses mit den für das Postbureau erforderlichen Lokalen im Prinzip beschlossen. zever. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten der Häusling Heinrich Harms und Frau zu Horsten, Gemeinde Sande. Fast alle Kinder und Enkel, ich eine Familie aus Amerika, waren erschienen. Später kam der Ortsgeistliche und die Kirchenrathsmitglieder, um Glück zu wünschen. Der Jubel-Bräutigam ist 90. die Jubel-Braut 76 Jahre alt. Ruhwarden. Durch Blitzschlag entzündet brannte das Wohnhaus des Klempnermeisters Rohne ab. Von dem Eingut konnte vieles nicht gerettet werden, leider ist letzteres nicht versichert. Sandhatten. Einen plötzlichen Tod fand der bei Landwirth Oesting bedicnstete Knecht Eduard Hohn. Er wurde nach der Marsch geschickt, das gemähte Gras zu beheuen; er ist aber nicht bis zu der Rieselwiese gekommen, sondern beim Hingange in die Hunte gerathen und ertrunken. Man sand am Hunteuser Hut und Weste mit der Uhr und das eben berührte Frühstück und später wurde etwa 100 Meter davon die Leiche an's Land gebracht. Ob Hohn den Tod gesucht hat oder verunglückt ist, steht dahin. Z-rcic gtaM?. Hamburg. Das 50jährige Doktor - Jubiläum feierten Dr. Reye und Dr. Oehrens. Dr. Reye leitet die Jrrenanstalt Fii:drichsberg, während der zweite Jubilar als praktischer Arzt wirkt. Der Blitz schlug kürzlich in das Haus des Müllers Seidel in Glashütte . ein. Das Wohnhaus brannte mit der ganzen Einrichtung ab. Das Haus war in der Schleswia - Holsteinischen Vrandkasse versichert. Der Grenzaufseher Gillhof brach, als er sich zum Dienst nach dem Kehrwieder begab, auf der Drehbrücke des Niederbaums plötzlich zusammen. Passanten eilten schnell herbei und brachten ihn nach dem Hafenkrankenhaus, wo er an einem Herzschlage kurz nach seiner Einlieferung verstarb. Vor 25 Jahren übernahm Heinrich Schmersahl, jetziger Subdirektor der Schweizerischen Unfall - Versicherungs - Aktiengesellschaft in Winterthur", die Vertretung dieser Gesellfchaft für unsere Stadt und Schleswig - Holstein. Ihr 25jähriges Jubiläum beging Frau Schwidder als Oberkassirerin am Totalisator in Horn. Herr Schinkel überreichte ihr persönlich im Namen des Rennclubs ein Geldgeschenk. Bremen. Vor einiger Zeit feierte ein hiesiges Ehepaar der Hauptmann a. D. Friedrich von Hennings und Gattin, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar ist der letzte noch lebende Offizier, der als solcher dem ehemaligen Vundeskontingent der freien und Hansestadt Bremen angehorte. Die Gattin von Hennings' ist eine geborene Schomaker aus der Neustadt, v. Hennings gehörte von 1852 1854 dem Bundeskontingente als Premierleutnant an, er ist geborener Holsteiner und hat denKrieg der Herzogtbümer gegen Dänemark 1843 51 als Offizier mitgemacht. Nach seinem Ausscheiden Qus den Diensten der Stadt trat er in die englisch - deutsche Legion während des Krimkrieges. Auch den Krieg 1870 71 hat er als reaktivirter Offizier tnitgemacht. Lübeck. Der seit längerer Zeit spurlos von hier verschwundene Kaufmann Julius Jäde, Theilhaber der Schiffsmaklerfirma Jäde & Co. hier, wurde vor Kurzem von Schülern im Waldhusener Forste nahe der Försterei in dichtem Gestrüpp als Leiche gefunden. Jäde war Veteran von 1870 71, hat sich um das Kriegervereinswesen große Verdienste erworben und war Gründer und eifriger Förderer der Krieger - Sanitätskolonne hier. Er war Ehrenvorsitzender des KriegerVereins von 1870 71 und EhrenMitglied des Kriegerverbandes hier-, selbst, nachdem er vorher Vorsitzender gewesen war.

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