Indiana Tribüne, Volume 29, Number 7, Indianapolis, Marion County, 31 August 1905 — Page 5

Jndiana Tribüne, 31. August 1905

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Würdiger

Bnndes-Turnftstes. Die Schlußsitzung der Fcst-Bchördc gestaltet sich zur erhebenden Festlichkeit. Abrechnung .ergiebt Dividende für die Zeichner zum Zestfond. Konsul Peter (ieber geehrt.

DaS.29. BundeZlurnfest wurde ge stein in der Schlußsitzung der Festbehörde zum offiziellen Abschluß gebracht. ES war selbstverständlich, daß ein so hehreö Fest, welches noch Jahre lang frisch in der Erinnerung nicht nur der. jenigm, die zum Erfolge desselben mit gewirkt, sondern aller, welche so glück lich' waren, demselben beizuwohnen, leben wird, nicht, ohne Sang und Klang und freies Wort abgewickelt werden würde und so gestaltete sich auch die Schlußsitzung der Festbehörde zu einer herrlichen Fftier, die jedes Herz höher schlagen machte. Der große Säulenraum im Teutschen Hause, der für derartige Gelegenheiten wie geschaffen ist, war schon früh am Abend mit Turnern, und Turnerinnen und deren Freunde gefüllt, die an langen Tafeln als Gäste des Sozialen Turnvereins Platz nahmen. An der Quertafel am oberen Ende saß die Feftbehörde. ' ' , jflfj-!.Vi ' y " ; , V, . : , - ? Av'i. a '.: v..fc V- ' ' ' v : 'V""'- J y s s -'y S k, g ? 'xit.cjv. sr-w. -X" ?vz www.ww a Prof. Robt. Nix, Vorsitzer der Bundes-Fest dehörde. Mit markigenllWorten rief der Vorsitzer diese letzte Versammlung der BundeS.TurnfeftbehSrde zur Ordnung. Im Rückblick auf das Turnfest sei eS keine Selbstüberhebung, sagte Herr Nix, wenn man da? Fest als das Herr, lichste alle bisher stattgefundenen BundeSturnfeste betrachte. Die gesammte Presse deS Landes hate in dieser Weise ihr Urtheil über das Fest gegeben. Schon die Eröffnung des Feste am Kriegerdenkmal nach vorhergegangen:m Fackelzug sei von überwältigender Wirkung auf Bethei ligte und Zuschauer gewesen. Redner wies sodann auf die tressliche Mitarbeilerschaft sämmtlicher UnterauSschüsse, der Presse von Jndianapo liS und der gesammten Bürgerschaft hin, die durch ihren Enthusiasmus wahre Feftbegeisterung kundgab und -erzeugte. Herr Nix ertheilte, nachdem der durch feine Worte hervorgerufene Beifall der rauscht war, 'Schatzmeister Otto Lieber das Wort. Herr Lieber erklärte in kurzen Worten wie das prompte Ein laufen der Beiträge zum Festfond die Arbeit der Finanzbehörde bedeutend er leichtert habe. Er verfehlte nicht darauf hinzuwei fen, daß gerade von den Interessenten welche die bldeutensten Gewinnste durch das Turnfest erzielt, die Finanz behörde die einzig schäbigste Behand lung erfahren habe. ES sei dies die HotelkeeperS Association. Dieselbe habe freiwillig $500 zum Feftfond ge zeichnet, aber erst nach langer Rum drückerei $200 davon bezahlt. Auf die Aufforderung, die Reftsumme zu zah len, versuchte diese knickerige Gesellschaft sich mit einer Restzahlung von $50, die aber prompt zurückgewiesen wurde, zu rehabilitiren. HerrLieber verlas sodann den so! genden Bericht: Bericht über Einnahmen und Aus gaben. Einnahmen. Freiwillige Beitrag? zur Festkasse. 513,194.00 Dauerkarten 4,270.00 Einzelkarten zum Feftvlatz und Schaubühne , 2,893.45 Verkaufsvrivilegken 760.00 Souvenir? 495.46 Festabzeichen' und Uhrenbände?. . 2,169.16

Abschluß des

Festspiel 781 .b7 Volksfest Germania-Park) . : . . 3,244.03 Nachfeier lTurner-ParkZ 116.90 Zeltlager 3,936.26 CentraUuche 4.678.57 Preissingen Verkauf von Noten 32.98 Total-Einnahmen $36,623.48 Ausgaben. Empfang $ 576.55 Musik ' 2,348.85 Fackelzug 378.00 Festzug. 3,083X0 Festspiell 1,736.47 Dekoration . 2,563.08 Fesiplatz 4.395.82 Turngeräthe SS9.63 Zeltlager . 5.399.80 Centralküche 5,353.48 Bankett der Turnerpioniere und SangerkommerS 404,75 Unterhaltung der Ehrengäste.. . . 613.12 Kampfrichter..,. 228.15 Volksfest sGermknia-ParkZ 1,729.91 Nachfeier Turner-Park) 147 96 Preissingen Diplom Preise für Zeltlager, reservirt . Schulausstellung Presse Festabzeichen und Uhrenbänder 59.35 175.00 200.00 100.08 95 45 1,457.08 177.24 Hospital. Drucksachen 1.103.44 Anzeigen 665,86 Porto, Telegramme etc. ........ 324. 59 Gehälter für Stenographen etc.. 151.75 Gepäckbeförderung 417.00 Polizei Und Thursteher 224.25 Reserve für weitere Rechnungen. . 52.26 Kleinere Ausgaben 133 73 Total.AuSgaben. .". $35,195.68 Einnahmen $36,623 48 Ausgaben $35,195.65 Ueberschuß $ 1,427,80 . Den Zeichnern zum Jestfund wer den 11 Prozent ihrer Einzahlung zu rückerftattet. Der Bericht, der so günstigen AuS weis zeigte, wurde mit lautem Beifall entgegen genommen. Vorsitzer Nix forderte nun zu einem Antrage zur Ernennung eines Comite'S zur eingehenden Prüfung deS Berichtes auf. -. - Die Antwort darauf erfolgte sofort und gestaltete sich zu einem spotanen VertrauenS'Votum, indem der Antrag deS Herrn Albrecht Kipp, den Bericht wie verlesen ohne weitere Prüfung ent gegen zu nehmen, mit einem einstimmi gen kräftigen Ja" Annahme fand. Nachdem Herr Paul Jan'e den An trag gestellt hatte, der Feftbehörde den Dank der Versammlung für ihr Wir ken abzusprechen, ersolgte Vertagung der GeschäftSsitzung und die Nachfeier unter den AuSpicien des Socialen Turnvereins begann. Die Nachfeier. Herr Georg Vonnegut führte bei dieser Gelegenheit den Vorsitz und er öffnete dieselbe mit folgenden Worten: .ES ist gewiß sehr erfreulich, daß so Viele, der Einladung folgend, sich heute Abend eingefunden haben. Der Sociale Turnverein wollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, dem Festausschüsse zü Ehren eine kleine Nachfeier zu veranstalten, zu welcher er sämmtliche Ausschüsse des BundeSturn festes, die activen Sänger des Musik. Vereins und feine Mitglieder und Da men einlud. Wir nahmen an, daß es gewiß für Alle von großem Jnterefie fein würde, den Schlußbecicht des Festausschusses mit anzuhören, und haben deßhalb die Schlußsitzung mit dieser kleinen Nach feier verbundden. Als die BundeStagsatzung in Daven Port im Jahre 1902 dem Socialen Tnrnverein von Indianapolis das Turnfest übergeben wollte, glaubten wir uns nicht stark genug, dasselbe an nehmen zu dürfen; da kam uns in Form eines Telegramms die Zusteherung der Mithülfe der hiesigen leiten den deutschen Vereine. New York lehnte .ad und wir beka men daS Fest. Der großen Aufgabe die wir uns stellten wohlbewußt, gingen wir sofort vn die Arbeit und dank der Opferwil ligkeit unserer Mitglieder und der Mit. Hilfe recht vieler Freunde, sowie deS BürgerthumS der Stadt im allgemei nen, wurde es uns möglich das 29.

herrlichen

Bundesturnfest so erfolgreich, ja glätt zend durchzuführen. Unstreitig war eS oas schönste Fest daS der N. A. T. B. soweit gefeiert hatZ Nun lade ich Sie ein von dem Ge botenen guten Gebrauch zu machen und nach Herzenslust sich zu amüsiren. Um Anderen die Gelegenheit zu ge den, sich noch zu äußern und besonders um denselben mit gutem Beispiele vor anzugehen, habe ich meine Ansprache recht kurz gesaßt. Ich ersuche nun alle Anwesenden sich zu erheben und dem so erfolgreich durch geführten 29. Aundeöturnfeft ein drei facheS Gut Heil nachzurufen !" Donnernd ertönte das Gut Heil!" durch den weiten Raum. Dann trug der Musilverein ein inniges deutsches Lied Das alte Mütterlein" unter Lei tung des Dirigenten Ernestinoff vor. Konsul Peter Lieber geehrt. Prof. Robert Nix erhielt nun daS Wort. Er erwähnte der Verdienste der Bundes Alten um den Nordamerikas fchen Turnerbund und wie ihr kerniges Beispiel die jüngeren Turner zu turne rischer Begeisterung ansporne. Diesen BundeZalten zu ehren, habe der BundeSVorort vor drei Jahren durch Begleichung von Diplomen nach 50jähriger Mitgliedschaft zu ehren. Zu dieser Auszeichnung sei der Ehrengast deS Abends, Herr Konsul Peter Liber, nun in Düsseldorf wohnhaft, in erster Linie berechtigt. Herr Nix bat sodann Konsul Lieber, vorzutreten und überreichte ihm daS geschmackvoll eingerahmte Diplcm unter dem begei fterten Zuruf der Anwesenden. Herr Otto Lieber, der Schatzmeister beim Bundesturnfest. Nach einem weiteren LiederVortrag des Musikvereins erhielt August M. Kühn das Wort zu einem Toast auf die Executive des BundeZturnfesteS. Herr Kühn sprach in bekannt launi ger Welse. Obwohl eS Manchen Wunder genommen habe, daß eine Be hörde deren Kopf ein Nix" fei, so große? geleistet habe, sei eS ihm ganz natürlich erschienen, denn selbst die Welt sei auS einem Nix- erschaffen worden. Da ferner der Schatzmeister lieber" mehr Geld wie weniger einge nommen und auch der Sekretär seinen Stemp(f)el. fortwährend geführt habe, so wundere ihn der Erfolg durchaus nicht. Der launige Toast rief selbftver stündlich große Heiterkeit hervor. Der Sociale Turnverein. Herr Peter Scherer erhielt nun das Wort. Er sagte etwa Folgendes: Wie wir aus den Berichten, welche heute Abend verlesen wurden, ersehen. war das 29. Bundesturnfest in finan zieller Hinsicht von einem Erfolg beglei tet, der die Erwartungen der meisten um uns weiZ Übertrossen hat. . Aber ich wage zu behaupten, daß der Erfolg in turnerischer Beziehung; ein bedeu tend größerer war. Der Nordamerika nische Turnerbund wird stets mit be rechtigtem Stolz auf das in Jndiana polis abgehaltene Turnfest hin weisen. Denn wenn ein Bun deS Turnfest den Zweck hat. das Gesühl der Zusammengehörigkeit und in . unserem Falle auch daS der Stammesverwandtschast zn sördern und zuftärken, die Leistungsfähigkeit der Turner zu heben, den Turnbetried zu oervollkommen, und die Turnsache in die weitesten Kreis, deS amerikanischen

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Volkes zu verbreiten, so müssen wir sa gen, daß daS 29. Turnfest seinen Zweck voll und ganz erreicht hat. Und nun drängt sich wohl manchem die Frage

auf, ist eS denn um das Turnen eine so gute Sache,- daß man deshalb so viel Wesens macht. Das Turnwesen ist der hältnißmüßig junge Errungenschaft. Die Nothwendigkeit der Leibesübungen, das Gedeihliche einer gleichmäßigen Ausbildung der Verstandes und Kör perkraft hat sich den Einsichtsvollen im. mer mehr und mehr mit unäbweiSlicher Gewalt aufgedrängt und so bildet denn daS Turnen einen wesentlichen Theil der neuen Pädagoge!. Die Bewegungen find von wohlthu! gem Einfluß auf die menschlichen Or ganismen und daher ist die Turnkunft m nicht zu unterschätzendem Worte für daS Allgemeinbefinden deS Menschen. Wohlgefällig ruhte daS Auge einer viel ausendköpfigen Menge auf einer jun gen Münnerschaar, die auf dem Turn elde ihre Kräite übten und sich also zum Ringkampf mit den Stürmen deS Leben? vorbereiten. 'Denn die Selbst acht und Energie, diellus den turneri chen Uebungen als nothwendiges Re ultat erwachsen, müssen ihren Einfluß auf den ganzen Menschen offenbaren, da Körper und Geist in enger Wechsel. beziehung zu einander stehen. v 5. aü;. w George Vonnegut, Vorsitzer der Nachfeier. Die Schulung' deS Körpers gereicht zum Vortheile deS Geistes und führt zu Selbstvertrauen, zu selbständiger Ent Wickelung des EharacterS, zur Belebung und Erfrischung deS Gemüthes und lei tet.daS geistige Leben., in gesunde und starfe'Formen. Daß dem so ist, ha. ben.die Activen in dem Zeltlager be wiesen. Fachleute wcren erstaunt über die musterhaste Ordnung und das gute Betragen der Aktiven und zwar um so mehr, als hier militärische '.Disziplin ganz ausgeschloßen ist und alles das. was gethan wurde, um daS Zeltlager sozusagen zu einem geordneten, Gemein Wesen zu machen, auS freiem Antriebe aelcbab und nicbt deshalb, weil der Vernachlüsfigung die Strafe drohte. Hier ist der . beste Beweis, daß das Turnen von wohlthuendem Einfluß ist, Manneszucht fordert und so tüchtige Glieder der menschlichen Gesellschaft heranbildet. Was ich, hier von den Aktiven im Allgemeinen gesagt habe. gilt auch von den Aktiven deS Sozialen Turnvereins im Besonderen. Sie haben sich tapser gehalten, einen schönen Preis errungen, und dieses ist um so höher anzuschlagen, da ihnen auch noch die Pflicht oblag, zur Unter Haltung der Fremden mitzuhelfen. Im Volksturnen hat Max .Emmerich gezeigt, daß er auch auf einem Bundes turnfeste der erste fein kann. . Wie ich höre hat er vor, feine Wohnung um ein Zimmer vergrößern zu lassen, da mit er die Diplome und Kränze unter bringen kann. Möge diese kleine Schaar auch ferner unter ihrem fähigen Letter zusammen halten und weiter arbeiten, dem Verein zur Ehre und Freude. Gut Heu! . Wieder durchbrauste das kernige Gut Heil den Saal. Dann ergriff Herr Robert Lieber das Wort, um der Presse von Jndianapo liS den Dank für ihre so wichtige Un terstützunz zum Gelingen deS Festes auszudrücken. Nach ihm sprachen noch Herr Theo dore Stempfel, derbem Petrus für das gute Wetter beim Turnfeste em Gn Heil ausbrachte, Herr Henry . Victor, der die Damen hochleben ließ u. A. ES war sehr spät geworden als die fröhliche Tafelrunde an den Heimweg dachte. Viel und auch verdienter Beifall wurde den Leitern der City Band ge zollt, die mit nur wenigen Leuten treff liche Musik lieferten. DieAnweisungen für die llprozentige Dividende wurden noch während des Abends unter den Anwesenden, die dazu berechtigt waren, vertheilt und die meisten derselben sofort dem Socialen Turnverein wieder zum Geschenk ge macht.

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Haartrachten aus alten Zeiten.

Ueber absonderliche . und bizarre Kopf- und Haartrachten der Ve.rgangenheit wurde gelegentlich eines Hi storischen Bazaar" in London berichet: Zur Zeit Wilhelm's I. von Engand trug man breite Kopftücher, die aum das Gesicht freiließen und den ganzen Kopf umschlossen. Schwer war es fu? die Frauen des Mittelalters, die üppige Fülle ihres Haares zu bändigen, die ihnen vielfach bis auf die Fuße herabreichte, und sie verbargen sie in den seidenen Falten des Kopftuches. Später wurde dann eine zweihornlge Form des Kopfschmuckes modern, die zunächst von der burgundischen Mode ausgegangen war. Die Schriftsteller wandten sich mit bitterem Spott gegen diese tolle Laune, die der Frau die Zierde eines .Ochsen aussetzte. In der Fruhrenaissance verschwand diese gothisch ausgeartete Mode völlig. Der neue Stil liebte scharfe Linien, ein. krauses Flechtwerk und eme glatte, harte Form. Darum wurde das Haar völlig aus der Stirn genommen, ja die Stirnhaare wurden sogar ausgezogen, weil eme möglichst hche Stirn für schön galt; der Kops war fast bis zum Wirbel frei, die Haare waren in glatten Strähnen über' die Ohren zurückgestrichen und dann in vielfach verschlungenen Flechten zu einem Knoten zusammengenommen. Perlenschnur?, die sich m seitsamen Verschlingungen um das Haar legten, Hauben,' die den Hinterkops und die Ohren bedeckten, waren der fernste Kopfputz. So fchen wir die Frauen auf Bildern des Domencio Veneziano und Piero della Francesca. In der Zeit Leonardos wird dasHaar als Schmuck und Schönheit der Frau neu entdeckt. Was die Antike m den lockeren Windungen bewegter Flechten gesehen, das gab auch Leonardo m seinen Haarswdien, die all den berückenden Duft, die fließende Leichtigkeit und die sinnliche Anmuth des Haares athmen. In den kräuselnden Wellen des Flusses fand e? dieselbe liebliche Form, wie in den weich über die Ohren herabströmenden Haarbandeaux, deren leicht gelöste Locken einen warmen Schatten auf die volle Wange werfen. Nun beginnt die Zeit der raffinirten und koketten Haardrapirungen, die fchon in der Mailänder Schule auffallen. Die Frauen der Hochrenaissance, die Madonnen Raffaels und die Porträts Bronzino, scheiteln freilich das Haar noch scylicht .m der Mute, lassen es über die Ohren fließen und umrahmen es mit einem Schleier oder leichten Kopftuch. Doch die falschen Haare, die man bis dahin nur aus nahmsweise gebraucht, werden immer beliebter, im 17. Jahrhundert beginnt dann die Brennscheere ihr kräuselndes Werk, und die abenteuerlichsten For men kommen auf. Ein Modestich des Wenzel Hollar vom Jahre 1645 zeigt folgende damals beliebte Haartracht: die Stirnhaare sind durch zwei Scheitel an den Seiten abgetheilt und in einem Knoten mit starker Unterlage auf dem Hinterkopf zurückgenommen. Die Haare zu beiden Selten der drei ten Scheitel sind als Schläfenlöckchen in das Gesicht gekämmt und fallen über die Backen bis tief in den Hals herunter. Die Haare werden nun bald in der Mitte, bald fafcf gescheitelt wie bei den spanischen Prinzessinnen d? Velasquez, scho:: früh beginnen sich die Dar:en mit craucm Cyperpulver zu pudern, und di: Mode d:r Perucke, die in der mcnr.liwcn Haar tracht allgemein Mode ist, beginnt auch bei de.l Frauen Nachahmung zu finden. So nah: die Zeit der u-on-tange, in der die schwerfällige Würde und die barocke Ueberladcnheit der Zeit Ludwigs XIV. zum Ausdruck kommt.' ES ist ein hoher, thurmartiger Aufbau, ein: aufrecht stehende Spitzenhaube, die auf einer großen Haartour getraue wird. Puder und Unterlagen von falschen Haaren sind auch im Rokolo noch beliebt, doch werden nun die Formen der Haartrach wieder einfacher, zeigen schlicht aufgesteckte Flechten, die den schönen Nacken freilassen. Em m Deutschland die beliebter, sehr geschmackloser Kopfputz der sich auf Bildern Wenzel Hollars findet, ist eine kleine, ganz flache Kappe, in reren Mute sich ein Stab chen mit einem nickenden Ponpon befindet. Sie wurde bald at.f demWir-b'-, bald auf der Stirn getragen und muß einen ziemlich grotesken Eindruck gemacht haben. Allmählich bricht sich aber die schlichte Schönheit der Haartracht immer mehr Bahn, bis sie in den aufgelösten Haaren der Revolurtonsdamen eine Hoye an Naturllchke: erreicht. - Aus der Schule. Lehrer (tnz der Geographiestunde über Jta lim und sein BoM: -ßatjcn die Ttla liener auch immer mit guten Absichten t I AM ur W gehandelt? Schmer: cein, Mi Gvpsfiauren!" Sonntaasreiter. Sonn tagsreiter (zum Pferdeverleiher): Ich rann muy doch verladen, dag an dem Pferde alles in Ordnuna ist?" PferdeVerleiher: Gewiß, Herr Meier, sogar die Mähne ist fest." Anspielung. Sommerfrischler: Das Wasserleitungswasser ist dock nickt mebr so aut. wie daö frühere Brunnenwasser?" Wirth: Das können Sie doch nicht sagen, da sie ja kem Wasser trinken." Sommer frischler: Aber Wein.-

Vom Inlaude. Hundertevonodten Speringen bedeckten dieser Tage die Stu-

fen des Courthauses in La Crosse. Wis und den Platz nach einem hestlgen Sturm, der sie von den Bäumen geblasen und gegen das Gebäude gechleudert hatte. Mehrere Bushelkorbe voll Vögel wurden aufgelesen. Ernearoßmuthlge Mutter ist die von Raymond Kais zu Belleville in Süd - Illinois, de? kürzlich einer Mutter in angetrunkenem Zulande beinahe die Kehle zuschnürte. Naymor.d wurde dem Richter Evans in Belleville voigeführt und bekannte ich schuldig. Der Richter büßte ihn um $200 und Kosten für sein Bergebcn. Die Mutter. Frau Louise Kais. war zugegen, als die Strafe auferlegt wurde, und zahlte den Betrag, da sie nicht wollte, daß ihr Sohn die Buße rm Gefangmß absitze. -Betend und kniefällig vor dem kleinen Altar, den sie in ihrem tillen Kämmerlern selbst hergerichtet. ist in New York die 20jährige. hübsche Anna Lübeck vom Sensenmann abberufen worden. Bor einem Muttergottesbilde sank sie weder, um zu be ten, als ihr großer Strchhut an der Wachskerze Feuer fing. Anna, deren Kopf gebeugt, deren Augen geschlossen waren, ahnte ihre eigene Gefahr nicht, bis ihr Haar von den Flammen ergriffen wurde. Ein gewisser James mm m m 1 k . l sV 1 . 1 - tzajUvy aus X5ong JLlano imio eine ihr zu Hilfe, warf eine Decke über das Madchen, dessen Kleidung gleichfalls "euer aefanqen. und erstickte schließlich die Flammen. Man brachte Anna sodann in's St. John's Hospital, wo sie nach dreistündigen entsetzlichen uaien durch den Tod erlöst wurde. Erne aroße Enttäuschung erfuhren Melchior Rein und feine Famitte, welche dieser Tage aus Deutschland auf Ellls Island ankamen. Rein wollte in Birginien fein Glück versuchen, während mit ihm auf Elli5 Island angekommene andere Famitten sich zu Verwandten nach Nebraska begeben wollten, aber wegen Manael a'n Reisegeld auf der Insel . detinirt wurden. Die Familie Rein reiste gleich am Tage ihrer Ankunft nach Birginien ab, aber rn wenigen Tagen kam sie betrübt nach Ellis Jsland zurück. Rein sagte, daß er. als er lauter Schwarze vor sich fah, sofort beschlossen habe, umzukehren. Seine Reisegefährten hat er noch auf Ellis Island vorgesunden, da .das nöthige Geld für v.c noch nicht angelangt war. Jetzt wollte er sich mit ihnen nach Rebraska begeben, aber mit dem Reisegeld haperte es nun. da er den roßten Theil semer Baarschast sur ie Reise nach dem Süden verausgabt hatte.. Eine vor 43 Jahren erfolgte Entfremdung zwischen Vater' und Tochter, weil Letztere mit ihrem Verliebten durchbrannte, endete dieser Tage in New Jork mit einer Versöhnung am Todtenbette zwischen Frau Mary Hughes und LouiS Goldenberaer. Die Frau kehrte zu ihrem Vater zurück, weil derselbe sterbenskrank war und fand nach seinem Tode, daß der Vater fein aroßes Vermögen von mehr als $150,000 der Jsabella-Hei-math vermacht hatte. Frau Hughes, die jetzt 63 Jahre alt ist. entzweite sich mit ihrem Vater vor fast einem halben Jahrhundert, nachdem sie mit einem Polizisten durchgebrannt war. Freunde hatten von Zeit zu Zeit immer und immer wieder versucht, den Vater mit der Tochter auszusöhnen, doch hatte der Alte dies Ansinnen stets schroff zurückgewiesen und erst nachg'g:ben, als er sein Ende nahe fühlte. Frau Hughes war mehrere Stunden mit ihrem Vater zusammen und sagte, als sie aus dem Krankenzimmer kam, daß sie sich mit dem Vater völlig ausgesöhnt habe. Als man ihr von dem Vermächtniß und ihrer Enterbung berichtete, schien sie die Mittheilung mit Gleichmuth aufzunehmen. Ein für die Ozeandampfer-Ge-sellschaftcn hochwichtiger Fall, die Frage der Behandlung von Zwischen-decks-Passagieren betreffend, wird die New Yorker Gerichte beschäftigen. Es handelt sich um die Frage, ob die Dampfer - Gesellschaften gesetzlich verpflichtet sind, den Zwischendecks-Pas-sagieren Sitzgelegenheit beim Essen zu geben. Vundesmarschall Henkel 'ist der Ansicht, daß es eine gesetzliche Bestimmung giebt, die es den DampserGesellschaften zur Pflicht macht, jedem Zwischendecks - Passagier Tische und Stühle für das Einnehmen der Mahlgeilen zu geben, uno um einen Präcedenzfall zu schaffen, hat der Marschall 'den Capitän des kürzlich aus Mittelmeerhäfen in New York eingetroffenen Dampfers Georgia". Namoldo de Parovich, verhaften lassen. In dem Haftbefehl heißt es, daß der Capitän Zwischendeckspassagiere nachNew Fort gebracht habe, ohne sie mit Tischen und Sitzen für das Einnehmen der Mahlzeiten versorgt zu haben.. was gegen den Frieden und die Würde der Ver. Staaten verstößt". Der verhaftete Capitän verzichtete auf ein Verhör und leistete $500 Vaarbürgschaft für sein Erscheinen bei dem nächsten Äerhör und um das Eingreifen der Bundes Grandjury abzuwarten. Sollten die angeblichen betreffenden gesetzlichenVestimmungen scharf durchgeführt werden. so.vürde dies für verschiedene Dampfergesellschaften geradezu eine Revolution bezüglich der Einrichtungen für die ZwischendecksPassagiere bedeuten.