Indiana Tribüne, Volume 29, Number 5, Indianapolis, Marion County, 29 August 1905 — Page 7

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- -----a. tu' -.r"" "X JA' 'V JndkanaZTribüne, 20. August lS.

C--0--0--C-K g---------I An stillen wassern

Aus dcr.l Dänischen Vo L. Budde c , ö 0 (Schluß.) - ?-v Illber Madame Brus legte ihre Hand sanft und still auf seine Stirn, und er fuhr fort: Ich stand in der festlichen Versammlung und sah ihn mit glühenden Wangen wankenden Schritten und stieren Augen vorgehen, um den Preis zu empfang:, während aller Augen mit Unwillen und Erstaunen sich auf ihn richteten. Ich sah ihn auf halbem Wege stehen bleiben und in Verzweiflung umkehren und fcrtstürzen, um seine Schande zu verbergen. Da erschrak meine Seele, ich ging fort und weinte über mich selbst, wie ich nie, weder vorher noch nachher, geweint habe. Ich fing an, jedes eitle Begehren in meinem sündigen Herzen zu hassen, und ich gelobte Gott im Himmel, daß ich von- Stund an weit, weit fortgehen wolle von aller Ehre und allem Glanz der Welt, und daS habe ich gehalten. Er kam glücklich darüber hinweg, mein armer, betrogener Freund. Er wurde ein geehrter und angesehener Mann, wie er es verdiente, das habe ich jetzt gehört, und dafür danke ich dem barmherzigen Gott von ganzem Herzen. Er hieß Svane und war Ihr Vater!" Der Schulmeister richtete einen angstvollen Blick auf das gebeugte Haupt vor sich. Es war ein heimlicher Se.'lenkampf, der Plötzlich seinen Widerschein über einem Leben erhob, das sie alle als ein so sanftes, friedliches und von allen Stürmen unberührtes zu betrachten gewohnt waren, und tl lag etwas so Ergreifendes darin, daß keine? im Stande war, ein Wort zu sagen. Aber Herr Svane erhob sein Gesicht und sah den Kranken an. und als er das that, löste sich der Kampf und die Angst in den Zügen des Schulmeisters, es kam Friede und Ruhe üb?r sie, und still faltete er seine Hände. Ich hab: sein Antlitz wiedergesehen," sagte er, und es war Bergebung darin. Nun danke ich meinem Gott, bei d:m ich ihm bald begegnen werde. Das Uebrige ist bald erzählt. Ich floh an demselben Tag und bemühte mich bald darauf um diese Neine Amt, das ich auch erhielt, und so kam ich hierher. Manches Mal. wenn ich merkte, daß der Staub auf mich fiel, und die Welt mir davonlief in meinen kleinen Thaten, so daß ich welk und alltäglich wurde, hat sich der Teufel der Eitelkeit auch hier in mir gerührt, und ich fing an zu glauben, daß ich auf einen falschen Platz g;kommen sei und dech vielleicht zu etwas Größerem berufen sein könnte. Aber ich glaube, daß ich ehrlich gekämpst habe, oft unter viel Angst und Schmerzen, aber auch in aufrichtiger Neue und ernstem Gebet. Deshalb half mir Gott. Und Ihr, liebe Freunde. Ihr alle habt mir treu geholfen. Ihr gabt mir Eure Sorgen und Freuden, und Ihr hättet mir keine gesegnetere Gabe geben können. Hier lernte ich, mit der Trauer andre? zu trauern und mich mit der Freude andrer zu freuen, oö sie nun groß oder klein in den Augen der Welt waren, hier fand ich den Frieden meiner Seele, und dafür fegne Gott Euch alle!" Er schmieg, aber Madame Bru legte ihre Hand wieder auf seine Stirn und sagte: Ich bin nur eine ungelehrte Frau, aber ich weiß, daß, wer seines Muthes Herr ist, größer ist, denn der Städte gewinnt, und ich glaube, daß Sie als unser guter, alter Schulmeister, den iedes H:rz auf dsr Insel liebt und segnet, vor Gott grvßer geworden sind, als wenn Sie der gelehrteste Professor der Welt geworden waren." lind Du hast recht, Mutter!" rief der Gutsbesitzer aus und trocknete in aufrichtiger Bewegung seine Augen. Sie sind unter uns ein größerer Mann geworden, als irgend einer vcn uns wußte, und wir werden Sie nie vergeszen. Gott segne auch Sie, Schulmeister!" Bei diesen Worten ergriff er die matten Hände, die sich nach ihm ausstreckten, so behutsam und vorsichtig, als ob er die Hand einer Frau genommen hätte, aber der Schulmeister sah ihn freundlich an und sagte: Ich habe noch eine Bitte an Sie. Machen Sie mein Unrecht gegen den Freund meiner Jugmd wieder gut, so weit ein Mensch es gut machen kann, und geden Sie Elje und seinen Sohn einander zu eigen! Sie machen zwei jung? Herzen glücklich, und mich erfreuen Sie noch einmal, wie Sie es früher so oft gethan haben! Was?" rief der Gutsbesitzer erstaunt aus, ließ seine Hand los und drehte sich um. Ist es wahr, Elle? Elfe neigte als Antwort erröthend ihr Haupt, und Herr Svane sah ihn bittend an. Nun ja! An und für sich habe ich nichts dagegen, und aufrichtig gesagt, fühle ich mich selbst Ihnen gegenüber etwas in Schuld," fuhr der Gutsbesitzer fort. Aber hören Sie, können Sie mir nicht den Gefallen thun, diese dummen Freiheitsideen fahren zu lassen? Denn ich kann sie nicht leiden. so gern ich auch wollte. Ein Kampf zwischen der Liebe und den Ieel'. begann leise über Herrn

Svanes Gesicht zu ziehen, aber der

Gutsbesitzer brach ihn plötzlich ab und ugte gutmüthig hmzu: Nun. es ist vielleicht auch zu viel verlangt. Aber dann können Sie doch weniastens das Reden davon unterlassen, wenn ich zuhöre, denn sonst werde ich wieder zorNlg. und das Ist dann so ärgerlich. Und so nehmt Euch denn in Gottes Namen'. Was sagst denn Du dazu, Mutter? Die Mutter sagte nichts, aber sie breitete ihre Arme nach Else aus, und Elfe beeilte sich, ihr Angesicht und ihre Thränen an der Brust zu verbergen, an der sie so oft Schutz und Schum gefunden hatte. Aber Herr Svane oandte einen fast demüthig dankbaren Blick auf den Gutsbesitzer, kniete am Bett nieder und flüsterte leise zu dem Kranken. Ein seltsames Gemisch von nniger Freud? und friedlicher Müdigeit glitt übe? des Schulmeisters Gesicht, seine Augen schlössen sich, und Fiirt rj r . . liu jeauq er roieoer ein. Wieder glitten die Stunden langam dahin, und still saßen sie drinnen und lauschten gespannt und ängstlich auf die fast unmerklichen Athemzuge des Schlafenden. Aber als .das Tagesucht duraz d:e Fenster zu scheinen begann, standen Paul und Soren da, begleitet von dem Arzt drüben rrm Festlande. Er loscht aus, wie ein mederaebranntes Licht!" sagte der Doktor. nährend er sich über ihn beugte, seinem Athem lauschte und den Puls fühlte. In einer Viertelstunde ist es vorüber." In demselben Augenblick erwachte der Schulmeister und sah mit unruhigen Augen auf das fremde Gesicht. Sie dürfen nicht erschrecken! er klang des Doktors beruhigende Stimme. Ich bin ja der Arzt. Ihre beiden Freunde hier sind in der Dunkelheit und dem Nebel der Nacht hinübergefahren, um mich zu holen." Da glänzte noch em Lächeln auf fcis Schulmeisters Gesicht, und er bewegte seine Hände, als ob er wünsche, daß sie sie nähmen. Paul und Soren nahmen jeder eine, und in demselben Augenbllck stieß er einen tiefen, stöhnenden Seufzer uus. Sein Kopf lau! zurück, und es wurde still um ihn. Die Morgensonne brach siegend durch 'd:e Fenster und der Nebel war verschwunden aber die kleine Insel in den Wassern des Limfjord hatte Landestrauer bekommen! Paul sch' ächzte laut am Bett, aber Soren st.. j wie eine Säule, die welke .frand dessen, den er bewundert hatte. m der 1 einen, unv eine grone yrane nach der andern rollte nieder über sein unbewegliches Gesicht. Er war ein Mann der Wissenschaft!" sagte er und ging still hinaus. Aber als auch Paul e:ne Weile nachher herausgekommen war, fühlt: er plötzlich seinen Arm erfaßt, und als er sich umwandte, stand Herr Svane vor ihm und sah ihn mit traurigem, reuevollem Blick an. Und plötzlich schlang er den Arm um seinen Hals, drückte ihn an sein Herz und rief: Paul! Lieber, guter, aufrichtiger Paul! Vergib mir! Ich bin schlecht gegen Dich in meinem Herzen gewesen! Ich habe Dich beneidet und gekränkt!" Mein liebste? Svane! Was fällt Dir ein?" antwortete Paul verwundert. Es ist a nie em böses Wort zwischen uns gefallen, das der Rsde werth wäre, denn Tu wirst dcch nicht unsre kleinen Dispute rechnen. Das ist nur so eine Art Bewegung, die uns Beiden gut thun konnte, und die ich als Arzt verschreiben mußte. Uebngens räume ich gern em, daß Tu v'.elleicht öfter recht hast als ich, und das Du fleißiger und tüchtiger bist als ich. wenn ich auch etwas meq? Wind von meinem bischen mache. Und so laß uns nicht mehr davon reden!" Aber Du weißt noch nicht alles ich bin mit Else verlobt!" rief Herr Svane überwältigt aus. Mit Elfe?" antwortete Paul cr staunt. Das habe ich mir wahrlich nie träumen lassen. Das müßt Ihr allerdings versteckt gethan haben, wenn nicht einmal ich es gemerkt habe. Aber es war naturlich nicht absolut nothwendig, mich vorher um meine Zustimmung zu fragen ich bin nickt so anspruchsvoll, und ich sage: Das ist ein Glück. Schwager!" Und Tu bist gar nicht bös: darüber?" fragte Herr Svane gespannt. Böse!" lautete Pauls freimüthige Antwort. Jh. das hätte ja nie auf eine glücklichere Weise geordnet werden können. Gewiß haben wir. wie ich Dir anvertraute, vor einer Reihe ven Jahren abgemacht, daß ich mich in sie verlieben sollte. Aber ich habe mein Herz geprüft, wie man es bei einer so wichtigen Sache thun muß, was Du auch dagegen sagen magst, und habe gefunden, daß ich Else liebe wie ein? Schwester, aber nicht wie eine Braut. Du hast nun meine Verpflichtung übernommen, Tu bist auch weit geschickte? dazu als ich. und ich kann mich wieder frei und ungebunden der Wissenschaft opfern. Unv zum siebenten und letzten liebe ich Euch alle Seid; und wünfche Euch von ganzem Herzen Glück." Paul reichte seinem Freunde lächelnd die Hand, aber Herr Svane schlug seine Augen nieder, während er si; griff, und fühlte sich wunderbar ged:müthigt und doch froh und leicht üm'c Herz. Am Tage darauf lagen grüng:schmückte Boote Seite' an Seite an der Küste der Insel und schaukelten im Sonnenschein des Sommertages auf dem klaren Wasser. Des Schulmeisters , Sarg stand am Strande zur Abfahrt bereit, und die aanze Bevölkerung der

nja louie folgen, die Mütter mit ihren kleinen Kindern auf dem Arm. Nur die Vögel mußten zurückbleiben, um ihm ein zärtliches und klagendes

Lebewohl zu zwitschern, wahrend die Ratten in ihre Löcher krochen, denn sie seien nieyt an der Sache betheiligt, hatte der Rattenkönig gesagt. Der Gutsbesitzer trat an das End: des arges und sagte mit tiefer, bebender Stimme: Liebe Freunde! Sie tragen uns heute einen guten Mann fort. Laßt uns unserem Herrgott danken, daß wir ihn gehabt haben!" Die Manner entblößten mit stillem Schmerz ihre Häupter, und die Frauen und Kinder weinten, aber Herr Svane verbarg sein Gesicht in den Handen. Da reichte ihm Soren die Hand. drückte ihm fest die seine und erklärte ihn rechtmäßig für einen der Ihren. Dann trugen sie den Sarg in s Boot, und in demselben Augenblick flog eine neue Schaar Töne aus der alten Kirchenglocke und kam weich und wehmüthig schwebend über das Wasser. Paul und Else sahen einander an, und das Märchen von den Glockentonen, das ihnen der alte Schulmeister einst vor vielen Jahren erzählt hatte, fiel ihnen ein. und es kam ihnm so vor, als 00 d:e Tone sangen: PRoTm, komm! Komm, komm! Wie schön ist's doch, zu entfalten die Cchwingen. Tie wir ron 05ctr, unsern Herrn, empfingen! Komm, kcmm! stemm, komm! Co hech der 5)immcl cuh ist, die Schwinger ilberccu uns doch noch znletzt Ijtnbitngen!" Da erhob sich ein einzelner Ton und flog hoch über allen andern in jubelndem Flug, aber Paul und Else nickten sich zu.- durch ihre Thränen lächelnd, denn sie wußten, daß es der alte, verirrte und gefangene Ton war, der nun frei geworden war. Und der Limfjord breitete seine siillen Wasser aus, der Himmel spiegelte sich darin, und nicht ein dunkler Schatten spielte auf dem Grunde. Ende eine sR o m a n s. Die 18 Jahre alte Nachel Pechodburski, eine israelitische Waise aus Lodz, Rus-sisch-Polen, wurde letzthin inPaterson, N. I., Zwei Stunden nachdem sie von Ellis Island entlassen worden war. mit einem jungen Seidenweber Namens Harry. Miller getraut. Beide waren in Lodz zusammen zur Schule gegangen und hatten dann ein LiebeZVerhältniß angeknüpft. Als der rus-sisch-japanische Krieg ausbrach, wurde Miller zum Militär ausgehoben und kam nach Port Arthur. Nach der Ucbergabe der Festung wurde Miller mit anderen Gefangenen nach Tokio geschickt und von dort kam er nach Amerika. Er sparte sich so viel Geld, um die Geliebte und deren Angehörige herüberkommen zu lassen, das junge Mädchen konnte aber nur allein kommen. da ihre Eltern und Geschwister während d:s Massakres in Lodz ermordet wurden. Sie entging, wie sie erzählte, dern gleichen Schicksal nur da durch, daß sie sich in einen Keller versteckte und dann aus der Stadt flüchtetc. Neue Rettungsleiter Eine interessante Vorführung fand dieser Tage im Hauptquartier der Feuerwehr in New Jork statt, wo ein neuer Rettungswagen dem Feucrkommissär und -Chef demonstrirt wurde. Die neue Konstruktion ermöglicht es, eine Rettungsleiter von 75 Fuß Höhe innerhalb von sieben Sekunden auszuschieben und in korrekter Lage an ein Haus zu lehnen, was einen bisher unerreichten Zeitrelord bedeutet, da sonst wenigstens mehrere Minuten zu dieser Prozedur erforderlich sind. Der Te monstrator fchob allein mit Leichtigkeit die Stützlciter von 45 Fuß Länge in nerhalb ron sieben Sekunden hoch, und in derselben Zeit ließen zwei andere Leute die Ertenuonskiier mittelst Hebeln hochspringen, so daß eine Arbeit. die sonst ron sechs Mann in längerer Zeit verrichtet wird, mit Vequemlichseit von drei Mann in sieben Sekunden geleistet wird. Der Apparat wurde probeweise in Dienst gestellt. Irrsinnige mordet. In einem Jrren-Lsyl in Traverse City. Mich., braute eine Insassin Namen: Ernestine Bruges Nachts ihre Zirn mergcnosstn. Mary Larkins um. indem sie ihr rcii einer Granitschüssel den Schädel einschlug. Beide litten an der Selbstmordmanie und wurden aus diesem Grunde im gleichen Zimmer untergebracht. damit sie einander beobachten sollten. Sie hatten keine Symvtome an den Tag gelegt, welche auf Gefahr für andere Patienten schließen ließen. Als die Wärterin in's Zimwer kam. mußte sie sich gegen Angriffe der Frau Bruges vertheidigen, und dann entdct: sie, was passirt war. Die geistesgcstöite Mörderin sagte, daß sie von einem Wann angegriffen worden se: und iich verteidigt habe. Zwei C e n t n e r schwerer E t s s o? r a n I gestohlen Einen außergewöhnlichen Job" vollführten neulich unternehmende Nitter vom Brecheisen in New Fork. Sie brachen in einen Laden ein, in welchem ein Zuckerwaarengeschäft eröffnet werden sollte, und stahlen nicht nur die ganze Ladeneinrichtung, sondern auch einen im Keller stehenden Eisschran im Cerch! von über 2000 Pfund. Der Eisschrank wurde bald vor dem Laden emes Althandlers gefunden, der ihn von einem Unbekannten gekauft haben wollte. Um den Unbekannten zu erMitteln, sah sich die Polnel genöthigt den Althändler unter der Anklage der Hehlerei :n Haft zu nehmen.

DaS (Zquipagensystem vcr rnsfi

scheu Marine. Die Mannschaftsrevolten und Unrächen in den russischen Kriegshäfen des Schwarzen Meeres und der Ostsee enlen die Aufmerksamkeit auf die Struktur des russischen Flottenpersonals. In der russischen Manne be sieht noch immer das ihr allein unter allenMarine eigenthümlicheZquipagenystem, d. h. die Zusammenfassung der Besatzung eines oder zweier große, r r ; r r . cyisse mit oenen mehrerer tiemerei Fahrzeuge zu einem gemeinsamen Berband sur Ausblldunas- und Berwaltungszwecke. Die einzelne Equipage hält die Besatzungen der zu ihr gehörenoen Schiffe auf der etat-maßigen Hohe, bildet sie aus. giebt sie an die chlsse zur Indienltstelluna ab und nimmt sie nach der Außerdienststellung wieder bei sich auf. An ihrer Spitze steht der Kommandeur", welcher in der Regel der rang'älteste Kommandant der zu der betreffenden Equipage gehorendcn Schiffe ist: er hat die Ausoüdung der Equipage zu leiten und ist für die Disziplin, Unterbringung und Verpflegung der ihm unterstellten Mannschaften verantwortlich. Neben dem Kommandanten sind aber die übrigen Seeoffiziere und Ingenieure dauernd bei denjenigen Equipagen kominandlrt. zu denen das ihnen zugewiesene Schiff gehört. Die Absicht bei , der Einführung des Eauipaaensystems war: jederzeit für die Indienststellung eines Schiffes die vollzählig zusammengestellte Besatzung zur Hand zu haben und sie, wie auch die Offiziere, schon vorher Mit den Einrichtungen und besonderen Eigenthümlichkeiten ihres Schiffes bekannt zu machen. Es ist aber sehr schwierig, die Besatzungsstämme für die einzelnen Schiffe auch wirklich vollzählig beisammen zu halten. Die Nothwendigkeit der vielfachen Spezialausbildung bei den verschiedenartigen Branchen unter der Besatzung wird das in der Regel zur Unmöglichkeit machen; andererieits wird oft genug die wirklich zur Verfügung stehende Mannschaft nicht genügend für denwirklichenFrontdienst ausgenutzt werden können, well die Offiziere durch die ihnen obliegenden Arbeiten der Selbstverwaltungder Eqiupage außerordentlich belastet sind und für die Beschäftigung mit ihren Leuten nur wenig Zeit erübrigen. Im Ganzen besitzt die russische Flotte jetzt 33 solcher Equipagen. An der Spitze derselben steht die GardeEquipage, deren Chef die Zarin ist, und zu d außer den meisten königlichen Jachten auch der bei Tsuschhna untergegangene alte Panzerkreuzer Admiral Nachimow geHorte. Die Mehrzahl der Equipagen vereinigt in sich: 1 Panzerkreuzer, 2 Kreuzer und mehrere Torpedoboote, Schul- und Hafenschiffe. Die nach Zabl und Größe der Schisse wechselnde Mannschaftsstärke beträat im Durchschnitt etwa 1000 Mann, die wieder zu je "J00 oder 200 in Kompagnien eingetheilt werden. Die Garde-Equipage erhält ihren Offiziersatz nicht wie die übrigen Equipagen aus dem Marinekadetten korps, sondern wird aus Offizieren ergänzt, die auf ihr Gesuch aus der Front übertreten. Vermögen und ZugeHörigkeit zu den vornehmsten Kreisen sind aber die unerläßlichen Vorbe dingungen für diesen Uebertritt, der meist in der Abneigung gegen die Se?fahrt auf nicht zusagenden Schiffen seine Hauptursache hat. Dazu kommt die Verlockung, ohne sich den Mühseligleiten des Seedienstes aussetzen zu müssen, in dem Schmuck einer besonderen Uniform in den ersten Kreisen verkehren und im Genuß des Großstadtlebens aufgehen zu können. Die Equipage thut zur See fast ausschli?ß lich nur auf den kaiserlichen Jachten Dienst, die Beförderung ist zudem noch erheblich schneller als in der Front. Tictrich v. Quitzow als Naubgraf v. Netnsteitt. Auf der weltbekannten Felfenruine Regenstein bei Blankenburg a. H. wird besonders gern eine Ansichtskarte gekaufte die das Bild des Raubgrasen Albrecht v. Reinstem trägt, in Schup penpanzer und Pelzschaube, mit Schwert, wallendem Haar und marha lischem Schnurrbart. Woher stammt das Bild? Ein jetzt in Pension lebender Souffleur des Hannoverschen Hoftheaters. Freund lustiger Stücklein, zeigte einst bei einem Besuche der alten Ruine ei nem Bekannten die Photographie des königlichen Schauspielers Hans Albert ausHannover (der letzt zurückgezogen i Bayern lebt), der gerade den Dietrich v. Q.'uitzow neu gespielt und sich in der Rofle hatte typen lassen. Wer ist das? fragte der hinzutrctende Wirth. Das sollten gerade Sie doch wissen! Das ist doch der Raubgras v. Re n fictn: Wirklich? rief der Wirth hocherfreut. Würden Sie mir das. Bild zur Anfertigung von Ansichtskarten lei hen?" Aber qern!" Seit der Zeit prangt Hans Alber! in der Maske des Dietrich v. Quitzow auf den Regensteiner Postkarten als der brllchtigte Raubgraf Albrecht V. Reinstem. Die Welt will betrogen sein! Der Arbeiter Mühlen, bach in Fraulautern. der seinen Vater, welcher das Leben der Mutter bedrohte, erschossen hat, wurde aus der Unter suchunasbaft entlassen.

Gravelotte und Mars la Tour. Seit Jahrzehnten ist es auf beiden

Seiten der Vogesen Brauch, die Au, gusttage des großen Krieges in feierlicher Weife zu begehen. Die deutsche Bevölkerung von Metz und Umgegend. sowie zahlreiche Abordnungen aus dem Reiche wallen am Tage von Maria Himmelfahrt nach Gravelotte hinaus. um dort an geweihter Stätte, inmitten der Denkmäler und geschmückten Krie gergräber, eine patriotische Gedenkfeiei zu begehen, der im Geiste ganz Deutschland beiwohnt. Redner rufen die Erinnerung wach an die Tage des Sieges und Ruhmes, und ernste Chorale der Militärkapellen, sowie volksthümliche Weisen der Männerchöre verleihen der rhebenden neier auf dem blutdurchtränkten, weiten Schlachtgesilde den würdigen Rahmen eines gewaltigen Weihcaktes. Am Nachmittage versammeln sich Tausende in der berühinten und schönen Waldschlucht vn Gravelotte zum srohen Volksfeste. Anders werden die Tage auf sranz'ösischem Boden, eine kurze Strecke von der deutschen Grenze, begangen. Dort ist der gestrige Tag der Erinnerung an den vergeblichen Heldenkamps, an die ehrenvolle Niederlage todesmuthiger Kriegerschaaren geweiht. Zu der Ceremonie de Mars la Tour" strömt, so zu sagen, ganz Frankreich zusammen. um seine Todten zu ehren. Alle Regimenter, die auf den Schlachtfeldern um Metz gekampft und geblutet haben, sowie die großen und auch die m der Nähe gelegenen kleineren Garnisonen sind durch Abordnungen vertreten. Es heißt deshalb, daß man am 16. August in dem lothringischen Dorfe mehr vcrschiedene Uniformen sieht, als in Paris. Neben dem Militär und den Kriegervereinen ist die Geistlichkeit besonders stark vertreten, weil die Ceremonie" der Hauptsache nach das Gepräge einer großen kirchlichen Trauerseier tragt. In dem Zuge nach dem prächtigen Kriegerdenkmal erscheinen zwei anmuthige Mädchengestalten, eine blonde in der Flügelhaube und eine brünette in dem bekannten weniger kleidsamen kleinen Häubchen Elsaß und Lothringen. Daß' in den Reden hie und da der Revanchegedanke durchklingt, ist bei der Art der Feier nicht aerade verwunderlich. Seit jenen blutigen Tagen des deuti'ch.-französischen Krieges sind jetzt gerade 35 Jahre verflossen, und die Zeit, die alle Wunden heilt, hat auch hier wohlthätig gewirkt. An der Feier bei Gravelotte nehmen bereits seit ge raumer Zeit Franzosen theil, und zur Ceremonie de Mars la Tour" erscheinenn sogar Aborvungen deutscher Kne aervereine, um auch ihren dvrt-gefal-lenen Kameraden die gebührenden Ehren zu erweisen. Deutsche und Franzosen begegnen sich Mit achtungsvoller Höflichkeit und wechseln Händedruck und freundliche Worte. Neuerdings sind Dank den Be mühungen des deutschen Kaisers zwischen den beiden Nachbarvölkern bessere Beziehungen angebahnt worden, wie sie je seit der Zeit des großen Krieges bestanden. Für die jüngere Generation schließt die Rückerinnerung an die Jahre 1870 und 1871 nicht mehr das quälende Bewußtsein der miterlebten Niederlagen in sich, und der jüngste Erlaß des preußischen Kultusministers Dr. Studt lehrt, daß man auf deut scher Seite auch ehrlich bemüht ist, di kaum vernarbten Wunden des Nachbars zu schonen und den Siegesfeiern icoe Spitze und krankende Scharfe ge gen Frankreich zu nehmen. Eine Proklamation des Kaisers Menelik. In Abefsinien gilt bekanntlich noch ausschließlich der Mana TheresiaThaler als Tauschmittel, und Würfel aus Steinsalz als Scheidemünze. Der Kaiser Menelik hat jetzt aber eine Münzreform beschlossen. An Stelle des Maria Theresia-Thalers soll ein neuer Thaler mit seinen Unterabtheilungen, versehen mit dem Bilde des Kaisers Menelik und der Inschrift in amarischer Sprache eingeführt werden, und zwar wurden die neuen Münzen in Paris geprägt. Charakteristisch ist die Proklamation, mit welcher die Rcform dem aöessinischen Volke angekündigt wird. Sie lautet auf deutsch: Höre! höre! Gott nehme die Einigkeit den Feinden der Berge und der Hügel! Höre! höre! Gott nehme die Einigkeit den Feinden unseres Herrn Menelik! Höre! höre! Gott nehme die Einigkeit ven Feinden Marias! Nun wollen wir die Sache nennen. Auf daß unserem Lande von Aethicpien Ehre geschehe, und unser Handel gedeihe, habe ich einen neuen Thaler mit meinem Bilde und mü meinem Namen schlagen und dir zukommen rrr. rs:.r. cvt.. ;n . - lauen. Fleier gaici iji reiner ais der alte, nach seinem Gewichte aber ist er ihm gleich. Die Schrift auf ihm ist amarisch. Da.es mein Wille ist, diesen mit dem Namen Äthiopiens ge prägten Thaler an Stelle des alten in Gebrauch zu bringen, so nimm ihn an beim Handel, gleich diesem, und zu dem gleichen Werthe des alten. Für die Anschaffung kleiner Gegenstande habe ich wissen und dir zukommea lassen einen halben Thaler, einen viertel und einen achtel. Wer sich weigert, ihn anzunehmen, den ergreife mit Gewalt und bringe ihn zu mir." i Der wegen Hehlerei bei dem großen Golddiebstahl verfolgte flüchtige Handelsmann Seeliq in Ho nau ist zurückgekehrt und sofort ver haftet worden.

Dir yogig.

eine indische L!5ketesckte und lte'mcxt wurdtac Fertlgkeiten. Ueber die indische Asketensekte der Jogis sind durch europäische Forscher interessante Aufklärungen geschaffen worden. Der Lebenszweck der Nogis ist die Vereinigung (Aoga) mit der Weltseele. ocm Brayman. Um diese zu erreichen. Üben sie sich entweder in philosophischen uno religiösen Betrachtungen oder aus der Niederen Stufe m Fasten. Kasteiungen und allen möglichen Arten von körperlichen Torturen. Viele gelangen dadurch nach und nach dahin, das Athembedllrfniß und die anderen Le-. bensfunknonen auf ein Minimum zu beschränken und in diesem Zustande längere Zeit in abgeschlossenen Räumen, sogar unter der Erde, zu verweilen, ohne das Leben einzubüßen. Der ?)ogi lebt allein oder auch zu zweien in -1 v ;r .r . r st r i n citier unierirvicyen Zeue. iice ij: klein, hat nur eine niedrige Thür und liegt in einer Gegend, wo wenig Verkehr ist. Sie ist von einer Mauer umgeben. Das Bett des Yogi besteht aus Gras, Blattern und Wolle. Fleisch und Alkohol genießt er nie: Milch. Reis, Butter und Honig bilden seine Hauptnahrungsmittel. Der Jogi unterwirft sich nun jahrelang einem System erprobter gymnastischer Uebungen, die alle darauf hinauslausen, den Stoffverbrauch des Korpers um em Minimum herabzusetzen. So müssen z. V. Arme und Beine in die schwierigsten Positionen gebracht werden. Die schwerste Uebung ist die Beherrschung des Athems. Zu diesem Zwecke macht sich der Yogi 24 Einschnitte in's Zungenbändchen, alle acht Tage einen. Nach jedem Einschnitte melkt" er seine Zunge, das heißt cr zieht sie so weit als möglich heraus, um sie zu verlängern; er fastet dabei in immer steigendem Maße und übt sich darin, die Athmung mehr und mehr zu verringern und fast ganz aufzuheben. Ist die Zunge lang genug, so beginnt er mit den Uebungen. sie zu verschlucken, so daß sie die Luftröhre schließt. Ist er so weit gelangt, daß er dadurch die Athmung zum Stillstand bringen kann, dann fastet er zwei Tage völlig, füllt Magen und Därme mit Luft, athmet tief und füllt die Lunge mit Luft. Dann schließt er die Kehle mit der zurückgelegten Zunge, athmet nicht'mehr und ist nun bereit zum hysterischen Scheintod. In diesem Zustande kann der Yogi lebendig begraben werden. Der englische Arzt MacGregor hatte Gelegenheit. ?iner solchen Affäre anzuwohnen.Ein Yogi kam durch Lahore und ließ verkünden, er werde sich in einer Kiste auf eine gewisse Zeit in die Erde vergraben lassen. Der Maharadscha Randschit beschloß, den Mann aufdie Probe zu stellen. Der Yogi wurlhg eine hölzerne Kiste gelegt, die mit gel und Schloß versehen ward. Diese Art Sarg wurde im Parterre eines Hauses eingegraben, dessen Thüre fest verschlossen ward und das man außerdem Tag und Nacht scharf bewachen ließ. Nach 40 Tagen wurde der Yogi ausgegraben. Man zog die .Wachspfropfen aus seiner Nase, die er sich selber vorher eingelegt hatte. Die Zunge lag fest am Gaumen; sie wurde wsgelöst und mit Essenzen eingerieben. Die verschränkten Arme und Beine wurden in ihre normale Lage gebracht, die Lider emporgehoben und gerieben. Die Augen selber hatten einen trüben, verschleierten Blick gleich dem eines Todten. Nach und nach jedoch kam Leben in den Mann. Der Puls wurde wahrnehmbar, bald erholte sich der Yogi völlig. Er erhielt von dem Maharadscha eine große Summe Geldes. Taschengeld der Kinder. Es ist ein wesentlicher Nutzen für das Kind, wenn wir ihm, auch wenn es schon im Besitze einer Sparbüchse oder noch besser eines Sparkassenbuchleins ist, ein kleines Taschengeld geben und es auf nützliche Anwendung desselben aufmerksam machen, ohne ihm jedoch zu bestimmen, wofür dieser oder jener Cent ausgegeben werden müsse. Auf solche Weise wird es früh Herr über ein eigenes Vermögen, wenn es zuweilen auch nur aus einigen Cents besteht. Das Kind lernt hierdurch früh am eigenen Besitze haushalten, sich und anderen mit seinen kleinen Ersparnissen Vergnügen bereiten, sammeln und stets berechnen, wie es sich dies und jenes anschaffen könne. Auf solche Weise lernt das Kind auf die natürlichste und einfachste Art den Werth des Geldes schätzen, und durch eine Reihenfolge von Entwicklungen und Erfahrungen bildet es sich zu einem rernünf-tlg-n Sparmelster. Von elterlicher Seite bedarf es hierbei nur einer unbemerkten Oberkontrolle, die es zur Sparsamkeit anleitet. Das Kind wird dadurch schon zu einer gewissen Unabhängigkeit und Selbständigkeit erzogen. Die k l e i n st e Elektrischl i ch t - A n l a g e der Welt soll in dem Thüringischen Dorfe Bremen zu finden sein. Sie besteht aus einer einzigen. in der Dorfkirche angebrachten Bogenlampe, die den Strom ron einem kleinen Dynamo erhält, welcher durch das Rad der Dorfmühle betrieben wird. Die billigsten Meteor steine werden zu $16 das Pfund verkauft, die theuersten kosten zehnmal mehr als ihr Gewicht in Gold.