Indiana Tribüne, Volume 29, Number 4, Indianapolis, Marion County, 28 August 1905 — Page 7
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An stillen wassern Aus dem Panischen $ 5 Von L. Budde -6 -0-0--C--0-3--0--0--0- -- (Fortsetzung.) v Die Nacht schritt vor. Wie unruhige Geister, die keinen Frieden in ihrer Stille finden, verschwanden die dunklen Gestalten und kamen wieder vor des Schulmeisters Haus, drinnen über vergingen die Stunden still und langsam. Eise und Herr Svane waren fegen lange mit starkenden und er quickenden Mitteln, die für viele kranke ausgereicht hatten, zuruagekommen, aber man hatte keine VerWendung dafür, denn der Schulmeister war eingeschlafen, und alle hatten sich still um ihn gesetzt. Niemand wollte den Pla räumen, bevor er wieder erwacht wäre, und man gesehen hätte. welche Wirkung die Riche haben würde wenn man überhaupt von Ruhe reden konnte, denn der Schlaf wurde immer unruhiger und der Athem schwer und mit der Zeit stöhnend. Nur des Gutsbesitzers heißblütige Natur konnt: die Ruhe nicht völlig ertragen. und so machte er ab und zu eine flusiernde Bemerkung, die keine Antwort fand und auch keine forderte, oder cr fuhr auf und ging ein paarmal mit knarrenden Schritten, die sonderbar durch die Stille tönten, auf und nieder. Tie eigenthümliche Macht, die in einer solchen Nacht liegt, das Entschwundene heraufzubeschwören, übte ihre Herrschaft über die Versammelten aus. Und während sie schweigend ihre Blicke in dem kleinen Zimmer umhergleiten ließen, war kein auch noch so unbedeutender Gegenstand darin, der nicht einen oder den anderen Zug von einem stillen und einförmigen Leben erzählte, das m all seiner Bescheidenheit rein und sanft und reich an Segen gewesen war. Auf dem Tisch lag das alte Psalm buch aufgeschlagen, sorgfältig mit sau beren, rothen Strichen an den bedeutungsvollen Stellen bezeichnet, und es war zu sehen, daß der Schulmeister es in einsamen Stunden so oft und gründlich durchforscht hatte, daß nach und nach alle Stellen bedeutungsvoll geworden waren und die rothenStriche Zeile für Zeile fortliefen. Und indem sie es betrachteten, war es, al rb seine zitternde Stimme wieder andächtige Gedanken in ihren Herzen erweckte und fromm und emfaltig m der alten Ka pelle zu ihnen redete. Durch die Brille. die vor dem Psalmbuch lag. schienen seine freundlichen Augen hervorzuschauen und sie zu grüßen, halb ernst, halb milde und kindlich schelmisch, wie sie zu thun pflegten, wenn er bei seinen Kindern in der Stube saß. Die Bioline hing neben dem Ofen und erzählte davon, wie manche Nacht er treulich dagesessen und seine alten Finger müde gespielt hatte, um die Freude anderer zu beflügeln und sie gut und unschuldig und harmlos zu machen. Das ab genutzte, alte Formularbuch auf dem Gesimse flüsterte davon, in wie manchen verwickelten kleinen Sachen er ein treuer und unermüdlicher Nathgeoer gewesen war. und ein ganzes Regiment kleiner Flaschen mit seinen berühmten Tropfen, die neben dem Formularbuch auf dem Gesimse aufgestellt waren, er zählte stille Geschichten davon, wie manche Nacht er geduldig, tröstend und lindernd an einem Krankenbette gesessen hatte, so, wie sie nun an dem seinen sagen. Aber ihr Blick ruhte auf keinem Gegenstande, der von einem Unrecht hätte berichten können, das er jemand gethan, oder von. Kummer, den er bereitet hätte, oder von bösen Wor ten. Nun verstand auch Herr Svane das alles, und es war etwas in diesem Krankenzimmer, das sein Herz wieder wehmüthig und demuthig stimmte. Lange hatten sie so gesessen, als sie plötzlich entdeckten, daß der Schulmeister seine Augen wieder geöffnet hatte und sie aus denselben Gegenstanden umherschweifn ließ. Aber es war ein sonderbarer Widerspruch zwischen den friedlichen Bildern, die diese Dinge vor ihnen entrollt hatten, und dem Ausdruck, der ihnen nun auf dem Gesicht des Schulmeisters begegnete. Fieber röthe brannte auf seinen Wangen, seine Augen leuchteten in einem seltsamen Glanz, und es lag eine Unruhe, ja fast Angst in dem Blick, womit er sich um sah. bis seine Augen an Herrn Svanes Gesicht hängen blieben und sich nicht wieder von ihm losreißen zu können schienen. 23ic geht es, alter Freund?" fragte der Gutsbesitzer, als er eine Linderung wahrnahm, die eine Unterbrechung des Schweigens gestattete. Wie geht es Ihnen jetzt?" Besser!" lautete des Schulmeisters Antwort, und seine Stimme war t denfalls kräftiger als vorhin. Jch habe etwas geschlafen, und nun bin ich stark genug, zu beichten. Nehmt nun meine Beichte, liebe -Freunde, und schenkt mir die Sündenvergebung, wie ein Mensch sie dem andern geben kann. Es gilt auch Ihnen, mein lieber, junger Freund!" fuhr er mit etvas weniger sicherer Stimme fort, indem er die Hand nach Herrn Svane ausstreckte. Und wenn Sie sich hierher setzen wollen, so daß ich Ihr Gesicht sehen kann, und mild meine Beichte anhören,- so werden Sie einen alten Mann trösten und erfreuen, der nicht mehr lange lebt.
und seinen Dank und Segen mit sich in Ihr Leben nehmen."
Herr Svane sah überrascht aus und war nicht ganz sicher, ob der Schulmeister nicht re rede, aber er that sofort, was er verlangt hatte. Und der Gutsbesitze? hielt in seinem Gang inne und rief heftig: eichte! Was ist das für ein Unsinn, Schulmeister? Kein Mann im Lande kann eine so leichte Beichte haben wie Sie, darauf darf ich meinen Kops wetten. Und weshalb sollten Sie nicht mehr lange zu leben haben? So müssen Sie Nicht reden. Kops hoch, alter Freund, und seien Sie guten Muths!" Nach diesem Ausbruch sank ' schweigend und überwältigt auf eine Stuhl beim Bett nieder, und l herrschte Stille ringsumher. Aber adie Anwesenden ihre Augen auf den Schulmeister richteten, da sahen sie, daß etwas Neues in sein Gesicht gekommen war. Es schien, als ob die Zeichen der Zeit plötzlich daraus gewichen und es wieder junger geworden sei, aber auch der Kampf und die 5-'?'.den-fchaft der Jugend darin mit starken ougen s:eye. Uno st singen an zu verstehen, daß sich hinter dem Schulmeister, den sie kannten, ein andrer verborgen hatte, den sie sich nicht hatten träumen lassen, der aber nun vor ihren Augen aus dem Grunde der stillen Wasser aufsteigen sollte. Ich war ein armer Junge und stand allein in der Welt." begann er mit bebender Stimme, aber die Menschen sind immer gut gegen mich geWesen, das muß ich m meiner Sterbestunde bezeugen. Ich machte in der Schule gute Forlschritte und erntete Anerkennung, und die Leute redeten Mir vor, daß ich einen guten Kops hätte, und daß es Sünde wäre, wenn ich nicht etwas Tüchtiges lernte, und das glaubte ich gern. Der Pastor selbst nahm sich meiner an und unterrichtete micy, uno spater veryatsen mn guie Menschen dazu, daß ich auf die hohe Schule kam. Auch dort ging es mir gut, und ich erhielt Lob und Belohnungen für meinen Fleiß und wurde Student Mit einem guten und schmelchelhaften Zeugniß. Ueberall nannten sie mich einen guten Kopf und einen vielversprechenden jungen Menschen sie wußten ja nicht, und ich selbst wußte es nicht, daß der Teufel fchon in mich gefahren war und mich mit den giftigen Geistern der Eitelkeit und Mißgunst erfüllt hatte, und diese sind für ein junges, begehrliches Herz wie die Pest. Ach? ich bin nicht immer ein blöder alter Schulmeister gewesen. Auch durch meinen Kopf gingen einst wilde und begeisterte Träume von etwas Großem, das ich für mich selbst und für andre ausrichten wollte, von einem Namen mit gutem und edlem Klang in viele? Ohren. Und es war nichts Schlechtes darin, denn die Träume sind die Hebel der Jugend, und der Hebel muß groß und schön sein, denn es wird schon Mit der Zelt ern wenig davon abgeschlagen. Aber es war nicht das Große und Schöne selbst, an das ich dachte, sondern ich träumte von meiner eigenen Ehre und Eitelkeit, mein Ohr wollte mein eigenes Lob vernehmen, und es wurde tot, wenn es das Lob anderer hören mußte. Und deshalb verwelkten meine Träume wie Blumen, die heute blühen und morg:n m den Ofen geworfen werden. Ich glaubte, tch flöge so hoch, und ging doch so niedrig!" Der Schulmeister hielt einen Augen blick inne mit einem tiefen Seufzer, der fast wie em Stöhnen klang, aber Herr Svane beugte erröthend sein Haupt und lauschte klopfenden Herzens, als die Geschichte weiter ging: Ich Wein nicht, ob ich oder die andern sich mit meinem guten Kopf getäuscht hatten, ode? ob es eine Strafe vom Himmel für meine Thorheit war. aber als ich Student geworden war, wollte er nicht mehr ausreichen. Viele eilten Mi? voraus, und ihre Namen wurden mit Lob und Beifall genannt, aber an mich dachte Niemand. Ich ärgerte mich jedesmal, wenn ich es hörte,. und wurde bitter und böse in meinem Herzen. und ich fing an zu glauben, daß die Welt ungerecht gegen mich sei, und dachte, daß es vielleicht daher komme, weil ich so arm und gering war. Ich sah hundert Fehler und Mängel bei denen, die andern so gut gefielen. Diese kamen mir höchst unbedeutend vor, und es konnte in mir vor Zorn darüber kochen, daß die Leute nur sie beachteten. Ich verstand nicht, daß es die reinste Freude im Leben ist, sich recht von Herzen über die Gottesgaben eines Bruders zu freuen. Wieder hielt der Schulmeister ein wemg inne. aber Herr Svane hatte das Gefühl, als ob ein Stück seiner eigenen Geschichte erzählt wurde; seine Wangen brannten heißer und sein Herz klopfte stä?ker, -als de? Schulmeiste?, stöhnend und mühsam, abe? wie von eine? geheimen Macht get?:eben. fo?t fuhr: Ich hatte einen Freund. Wir hatten zusammen auf der Schulbank gesessen und waren zu gleicher Zeit Studenten geworden, und Gott ist mein Zeuge, daß ich ihn so innig liebte, wie ich nur irgend einen Menschen geliebt habe. Er wa? mehrere Jahre jünger als ich denn ich war spät zum Studiren gekommen und war der Jüngste in der Klasse, so daß er Mühe hatte, mitzukommen. Ich sehe noch sein liebes Gesicht, wie es sich kindlich und vertrauensvoll gegen mich wand! und sich mir hingab, und ich werde traurig und bereue meine Sunde a gen ihn. Er schloß sich an mich wie an kemen andern an, ich aber wurde sem Beschützer gegen die großen Jun
gen und half ihm in der Schule. Und er sah zu mir mit einer Dankbarkeit und Bewunderung empor, die meiner
Eitelkeit schmeichelten aber tch liebte ihn trotzdem, wirklich, das that ich. So wurden wir Studenten, und da war es, als ob er plötzlich wie eine Blume im Sommer ausblühte und einen Reichthum von Gaben entfaltete, von denen ich nie geträumt hatte. Zuerst gefiel es mir, und ich war fast stolz darauf, denn es war so gut wie mem eigenes Werk. Aber es dauerte nicht lange, bis ich merkte, daß er der Große wurde und ich der Kleine, und das konnte ich nicht ertragen. Früher hatte er auf meine Worte gelauscht und meine Meinung wie ein Evangelium hingenommen, nun setzte er kühn sein Wort gegen das meine und ließ mich oft seine Überlegenheit fühlen. Er besiegte mich überall, wo wir uns trafen. im Leben und in den Horialen. Er gewann spielend, was ich vergebens erstrebte und nie erreichen konnte, obgleich ich manche Nacht wachxnd lag, um darüber zu rubeln, wie ick mirfi am reuen tn ven Äugen oer iutzncr)tu ausnehmen und ihren Beifall und ihre Bewunderung gewinnen könnte. Und es war so natürlich, denn er war so offen und hübsch, so gut und so reich begabt, und doch bei allem so unschuldig bescheiden, als ob er selbst gar nichts davon wüßte das nun zu wissen, macht mich froh. Aber damals ja, da brannte es mir in's Herz jedesmal, wenn ich übersehen und vergessen neben ihm stehen mußte, und ein heimlicher Groll gegen ihn kam in meine Seele. Ich wußte, daß es sündhaft und schlecht war, ich wußte, daß er lieb und gut wie immer war, und ich kämpfte dagegen, aber es war stärker als ick." Ein Ausdruck von Schmerz zitterte über das Gesicht des Schulmeisters, und man konnte sehen, welche Anstrengung es ihn kostete, fortzufahren. Hören Sie auf!" bat Madame Brus mit flehender Stimme. Sie können es nicht vertragen, so viel zu sprechen!" Ich muß!" antwortete er hastig. Ich finde keine Nuhe in meine? Seele, wenn ich mcht alles gebeichtet habe. Ich habe daran mit Schmerz und Unruhe oftmals getragen, wenn ich friedlich und gut zwischen Ihnen ging, und Niemand wußte es, aber jetzt muß es heraus. Wir bewarben uns Beide um dieselbe Preisausgaoe. Er wußte es nicht, aber ich, denn er verstand nicht, etwas versteckt oder heimlich zu thun. Da erfaßte mich eine Leidenschaft, die meine ganze Seele erfüllte, ihn zu besiegen und wenigstens dieses Mal ihm und den andern zu zeigen, was ich vermochte. Ich drehte und wendete jeden Satz, bevor ich ihn schrieb, ich las ihn mir selbst viele Male laut vor, um die Wirkung zu erproben, mir schien, als müßte es gelingen, und ich quälte mich müde und trank,neue und schlagende Gedanken zu finden. Aber er gewann den Preis so leicht wie gewöhnlich, seine Arbeit wurde gelobt als etwas Vorzügliches, von meiner aber sprach Niemand. An demselben Vormittag. als er seinen Ehrenpreis bei einer festlichen Feier empfangen sollte, trafen wir uns an einem öffentlichen Platz mit einer Schaar Kameraden, die von Begeisterung überströmten und ihn im Triumphzug hinausbegleiten wollten, und da bekam der Teufel mich in seine Gewalt. Ich mußte Rache nehmen, ich konnte mcht anders, ich armer Thor, der ich nicht das Mindeste zu rächen hatte, außer meinem eigenen sundhaf ten Hochmuth. Ich b?ach in Lobeser Hebungen über ihn aus und sagte ihm rübmende Worte, während mein Herz von Bitterkeit und Gift voll war. Ich schlug vor, daß wir auf sein Wohl trinken sollten, ehe wi? gingen es wa ren genug, die mitmachen wollten, und er ging willig darauf ern. Er wendete mir in dieser Stund: wieder sein Ge sicht zu. und nicht em Schatten von Argwohn lag darin. Er -sah mich fröhlich und gut an, und ich vergesse es in Ewigkeit nicht, denn es war das letzte Mal, daß ich ihn so sah! Nun glaube ich, es geschah, weil er meinte, ich sei gegen ihn wieder freundlich und gut wie in anen Tagen, abe? damals konnte ich nicht da?an denken. Ich wurde immer wilder, einen Toast nach dem andern schlug ich vor und nöthigie ihn zu trinken, bis o Gott, o Gott! Wie konnte ich so schlecht sein!" klagte der alte Schulmeister, preßte seine Hände über seiner Brust zusammen und drückte seinen Kopf in's Kissen totem unsäglichen Schmerzen. ' (Schluß folgt.) (Dtxl gen hurn or Aufseher (de? das Klappsen sie? einer Gefänanißzelle so heftia schlägt, daß es in Scherben geht, zum Gefangenen): Und das Fenster ha zuzusein, wenn die Thü? aufaebt. ve? stunden?" G e f a n a e n e r : öe he. He?? Aufsehe? thun S' Jhna net 10 ausmano'in oo kermna. Sie können jede Stund' entlassen' wer'n i' aUx erst nach fünf Jahr!"
Cmocns ZiiUclcrKorps. j 1
Feuermtlvewesen der aufblühe, asenstadt Mi sruherkr Jett. Die rasck ausblübende Hafenstadt Emden, Hannover, hat eine umsängche Erneuerung und Erweiteruna hres Polizei- und Feuermeldewesens vorgenommen und damit einer AltEmdener Einrichtung, dem Ratelerorps, das Lebenslicht ausgeblasen. Die Mitglieder des Ratelerkorvs waren ursprünglich, noch in den 80er ayren-des vorigen Iahrkzunderts. mit einem, die Aufschrift Nachtwächter" ragenoen Schilde ausgerüstet, ferner mit einem Säbel und einer Klapper. der sogenannten Ratel. Sie waren einem Ratelerkorporal unterstellt und mußten, sobald sie einen Feuerschein bemerkten, die Bewohner des betreffenden Hauses und die Nachbarn wecken. allenthalben stark rateln" und Ärand" rufen. Die angestellten B?andtambou?s, de?en in jede? Wyck (so heißen die sechs Stadttheile) eine? wohnte, hatte sofort genugend La?m zu schlagen." Ein Ratele? eilte au? Wache, woraus der Thurmwächter mit eine? T?omvete alanrnrte. eine bren nende Laterne in der Brandricktuna aushängte und, falls er den Feuerschein zuerst entdeckt hatte, dies durch ein Sprachrohr der Wache zurief, über deren Thür die Worte standen: ..slaevt niet, di daer waekt." Die Rateler haten ferner verdächtige Personen, die sich des Nachts in den Straßen umhertrieden, zu beobachten und aus der Ferne zu verfolgen, sie auch über den Zweck hres spaten Umbertreldens cescheiden zu befraaen:" ferner munten sie darauf sehen, ob in der Nacht Hausthüren und Fenster offen geblieben oder Leitern und derqlelcken an auser anaestellt waren. Bei allen Tumulten und anderen störenden Vorkommnissen hatten sie sofort dreimal rasch zu rateln. bis Hilfe herbeikam. Wenn sich em Privatmann von ihnen wecken ließ, Katte er dafür dreizebn Vfenniae m entrichten. Wenn aber eine besonders Kode mutn nächtlicherweile die Stadt zu übersckwemmen drohte, dann liefen die Rateler durch die Straßen mit dem Rufe: Das Wasser läuft über " worauf die Leute aus den Fenstern spranaen und die niedria aeleaenen Fenster und die Oeffnungen der Keller in den Bürgersteigen mit immer dazu bereit gehaltenem Lehm verschmierten unv icht machten. Gewaltiger Aufschwung. Den 50. Jahrestag seiner Gründung feierte kürzlich das bekannte Parise? Waarenhaus Magasins du Louvre." Die Gründer waren zwei findige Kommis, Chauchard und Heriot, die ihre Unternehmung von vornherein in großem Stil anlegten. Als das Waarenhaus IM Hochsommer des Jahres 1855 eröffnet wurde, herrschte m Paris eine geschäftliche Krise. Wir werden die Geschäftswelt ausrütteln." sagten die beiden Gründer. Man hielt sie für Prahlhänse und Va banque-Spleler. Aber sie ließen sich dadurch nicht beirren. Was den gro ßen Banken mcht gelingen wollte, da brachten sie in wenigen Monaten zustände. Sie brachten Bewegung in das Geschäftsleben. Sie kauften für Mil lionen Waaren in französischen Fabri ken, bestellten neue Textilstoffe. kreirten Spezialitäten, schufen neue Moden, verliehen einer Fülle kunstgewerblicher Erzeugnisse einen neuen Aufschwung. lockten durch eine grandiose Reklame massenhaft Käufer heran, belebten hier durch das Vertrauen im Pariser Großhandel und schlössen gleich das erste Jahr mit einer Bilanz von 6.000.000 Francs ab. Das war eine angenehme Enttäuschung für Chauchard, den eigentlichen leitenden Kopf des Unternehmens, denn er hatte blos auf 5.000.000 Francs gerechnet. Damit war der Louvre" gegen alle Fährlichkeiten gefeit und das Waarenhaus nahm einen so mächtigen Aufschwung, daß es alle Konkurrenzunternehmun gen, die bald nach der Gründung, des Louvre" emporschössen, hinwegfegte. Wie gewaltig der Louvre" jetztdasteht, mag aus der Thatsache erhellen, daß gegenwärtig die Losung l . einem em zigen großen Verkaufstage 6.000.000 Francs beträgt, also gerade so viel wie die gesummten Einnahmen im Gründungsjahre dieses riesigen Waarenhauses. das heute 4000 Personen beschastigt. Gefahrlose Löwenjagd. Einen interessanten Prospekt ver, Lffentlichte kürzlich ein Londoner Syn dikat. welckes es unternimmt. Verso nen, die allein oder gruppenweise in den Urwäldern Ostafrikas Löwen, Elephanten. Nilpferde und anderes Großwild aam wollen, vollste Bequemlich keit und Sicherheit zu gewährleisten. Das Syndikat übernimmt die Besorderung nach Ostafrika sowie die Verbfleauna mit allem erdenklichen Komfort auf die Dauer von drei Monaten zum Vreife von 5500 (1 gleich S4.86) für allein ?eisende Pe?sonen, wäh?end G?uppen zu d?ei Pe?sonen zusammen blos etwas übe? 51000 bezadlen. Sc dem Jage? wird aber meistenfalls nur gestattet, eine begrenzte Anzahl Großwild zu schießen, die tabellarisch aufgeführt wird. So darf niemand mehr als je zwei männliche Elephanten. Zebras. Nilpferde und Gazellen erlegen. Elephantenweibchen müssen gänzlich geschont werden, dagegen besteht Hinsichtlich der Löwen. Leopa?den und K?oko dile keinerlei Besch?änkung.
Vom Porzellan.
Seine Cinsührung aus China und Japan naa) dem Abrndlandr. Hinterlassenschaft eines Kreuzfahrers Hoch zeitögeschenk einer Kurfürstln Ter Alche mist Böttcher-Königlicher yabrikbefltzer. Süddeutsche Porzellanherstellung. Viele Jahrhunderte bevor man das Porzellan in Europa kennen lernte, wär seine Fabrikation in China und Japan bekannt. Das erste Stück Porzellan, ein dü?ftiges, unansehnliches Telle?chen mit bunten Steinen in seinen glatten Rand eingelassen, soll ein K?euzfahrer im 12. Jahrhundert au3 Palästina nach Deutschland mitgebracht haben. Die Dresdener Gesäßsammlung des Johanneums bewahrt es als besondere Merkwürdigkeit. Spätere Jahrhunderte brachten, besonders aus portugiesischen und hollandischen Schiffen, ganze Ladungen Porzellan nach Europa. Aber die Preise für diese Erzeugnisse japanischer und chinesischer Kunst waren so enorm, daß kaum Fürsten sie zu erschwingen vermochten. Besonders berühmt war die Po?zellan-Ausstattung, welche die holländische Kaufmannschaft de? P?inzessin Sophie Cha?lotte von Hannover 1684 zu ihrer Vermählung mit dem Kronprinzen Friedrich von Brandenbürg, dem späteren ersten König von Preußen, vereh?te. Ein p?Lchtiges Gemach im Schlosse zu Cha?lottenbu?g bei Be?lin wa?d eigens fü? die Aufstellung der Porzellan-Sachen hergerichtet. Nachstdem war es besonders der Kurfürst August der Sta?ke von Sachsen (1694 bis 1733). der eine wahre Leidenschaft fu? Po?zellan gefaßt hatte. Es ist eine Thatsache, daß e? dem Könige F?ied?ich Wilhelm I. von Preußen ein Regiment D?agone? gcen Porzellan eintauschte. Em Berliner ?'s-in4 EriKrtrft fl4 r( Vntr vivivivi vivvi tuy ivv;iivif ivuv v der im Dienste Augusts des Starken auf dem Königstein bei Dresden im Jahre 1708 die erste Porzellanmasse in Europa herstellte. Sern jahrelanges Erpcrimentiren und Touchiren galt eigentlich der Kunst, Gold zu machen, zu de? c? von einem Adepten, dem g?icchischen Mönche Laska?is, ein Rezept erhalten hatte. Gold förderte Böttcher freilich nicht zu Tage. Beinahe durch Zufall aber erfand er beim Anfertigen von Schmclztiegeln zu seinen alchemistischen Versuchen Porzellan, das zu einer Goldmine für Sachsen werden sollte. Der Kurfürst wies dem genialen Abenteurer die Albrechtsburg zu Meißen an, um daselbst eine Porzellanfabrik zu begründen. Zu ihrer Blüthe aber gelangte die Meißener Fab?ik erst unte? Bottche?s Nachfolge?. Herold, der den Bildhaue? Kändler nach Meißen be?ief, welch:? de? Schöpfc? jene? reizenden Gruppen- und Figurenwclt wurde, in der das alt-säch-sische Fabrikat fast unerreicht geblieben ist. Als Maler war während der Herold'schen Periode ein gewisser Lindner an der Fabrik thätig, der besonders Vögel und Insekten mit bewunderungswürdiger Meisterschaft darstellte. Die kleinen Kunstwerke waren schon damals so hoch geschätzt, daß man für eine Figur von etwa 15 Zoll Höhe 200 bis 230 Gulden bezahlte. Die Meißener Fabrik ließ später in künstlerischer Beziehung bedeutend nach. Auch waren inzwischen andere Fabriken entstanden, die ihr mit Recht den Rang streitig machten. Obenan stand Berlin, wo 1744 die Wegely'sche Fabrik begründet worden war, die 1763 von Friedrich dem Großen angekauft wurde und unter dessen Schutze sich glänzend entfaltete. Fried?ich de? Große umgab sich selbst mit wahren Schätzen von Porzellan. Für seine Hofhaltungen ließ de? ' König in Be?!in kostba?c Ce?vice anfertigen. An andere Fürstlichkeiten machte er großartige Geschenke in Porzellan. Unterweilcn waren auch in Süddeutschland nach dem Meißener Vorbilde zahlreiche Fabriken entstanden, und kunstsinnige Fürsten hatten sich ihr Gedeihen angelegen sein lassen. Vorzugsweise verdient um die Förderung der Porzellanfabrikation machte sich Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz, unter dem Nymphenburg blühte. ' Bedutend war außerdem Höchst, das in dem Kurfürsten Emmerich Joseph von Mainz seinen Beschütze? und in dem Modelleu? Melchio? einen Künstle? ersten Ranges besaß. Die Fabrikation in Höchst besorgte ein gewisser Ringler. der auf Veranlassung des Herzogs Karl Eugen von Württemberg 1758 auch die Porzellanfabrik zu Ludwigsburg begründete. Andere nennenswerthe Statten der Porzellanfabrikation wurden Wallendorf und Kloster Veilsdorf im Sachsen-Meiningenschen; Fulda. Kassel, Gotha. Ansbach; das noch heut blühende Fürstenberg inBraunschweig. endlich die Wiener Fabrik, die besonders Ende des 18. und , Anfangs des. 19. Jahrhunderts reuissi?te. Vandalismus. Neulich machte man die Entdeckung, daß das beinahe lebensg?oße, in K?eide ausgefüh?te Bildniß de? Ca??ie Nation, das in dem histo?ischen Zimme? des Staatsgebäudes in Topeka. Kan., hing, vollständig ve?nichtet wu?de. Das Bildniß ist de?maßen zerschnitten, daß man es kaum wieder erkennen kann, und das Glas und der Rahmen sind in kleine Stücke ze?schmettert.
Toilettenkunfle in der Wildnig.
Die Eitelkeit der Frau weiß immer und überall Mitte! zu ihrer Befried!gunz zu finden. In den wüsten Steppengebieten Asiens und Amerikas, in den unwirthllchen Regionen des hohen Nordens, in der sengenden Gluth der Tropenländer ist sie nicht minder zu Hause, wie in den Ballsälen der mo dernen Großstädte, und nicht selten umgiebt sie sich gerade in Gebieten, in die die Cultur noch nicht gedrungen ist, mit einem viel größeren Luxus als an den Stätten der Civilisation. Ueberaus kostbar sind die berühmten, in den wunderbarsten Farben schillernden Federmäntel, die die Eingeborenen im Innern Brasiliens fo unnachahmlich herzustellen wissen; wurde doch kürzlich eines dieser Wundererzeugnisse in London für die Summe von $6000 ve?kauft. Und doch, was will ein solcher Federmantel gegen jenes Pelzgewand sagen, das ein arktischer Forscher auf einer Reise in Grönland an dem Leibe einer Eskimojungfrau aus dem Stamme der Jnoits zu bewundern Gelegenheit hatte! ES war dies ein mit Otterfell gefütterter, reich mit Zobel verbrämter Mantel aus Silberfuchs, dessen Werth der Gelehrte auf etwa $12,000 schätzte. Die Squaws der Cheyenne- und Nez Percös-Jndia-ner fertigten ihre Kostüme aus Bison oder Elenthierhaut an. Üe durch einen complicirteni Gerbprozeß weich wie Seide, gleichzeitig aber widerstandsfähig wie ein Panzerhemde geworden ist. Verschwenderisch mit Perlmutterplatten geschmückt und mit 200 bis 300 Elchzähnen verziert, kommt ein derartiges Gewand auf mindestens $1000 zu stehen. DaS werthvollsie Besitzthum der Schönen auf Hawaii ist ein Mantel, der aus noch formbarer, dem Krater des Manua Loa entströmender, glasartiger Lavamasse gefertigt wird. Eine Lieblingstochter des Königs Kamehameha II. erhielt für einen solchen Mantel von einem amerikanischen Sammler $2000. Sehr kostbar ist auch das Gewand, das die Mädchen aus dem Nootka-Stamme bei feierlichen Gelegenheiten als besonderen Schmuck anlegen. Es ist ein ärmelloser, pelzbesetzte? Mantel aus Cyperngras, den zu weben und auszuputzen die 'Schone sechs bis sieben Jahre lang jeden freien Augenblick geopfert hat. Auch die flachköpfigen Strohhüte, die das charakteristische Abzeichen der FlatheadIndianer bilden, sind von hohem Werthe. Ihre Herstellung erfordert eine Arbeit von anderthalb Jahren. Hat man eS bei der Gewandung der wilden Schönheiten, zweifelsohne mit dem, Ausflusse frauenhafter Eitelkeit zu thun, so hat diese mit dem Schmmk, den sie in den Ohren, häufig auch in der Nase und in der Unterlippe tragen, nichts zu thun. Es handelt sich hier vielmehr um Amulette, durch die man zauberische Einflüsse fernhalten zu können glaubt. Insbesondere gilt dies von den Ohrringen, von denen die Sage aller in Betracht kommenden Völkerschaften übereinstimmend behauptet, sie verhinderten, daß böse Zaubertöne und böse Reden in das Ohr eindringen und so der Seele des Menschen schaden könnten. Aus diesem Grunde werden, die Ohrringe auch vielfach mit besonderen Zierrathen, mit Thierköpfen oder geheimnißvollen Zeichen versehen. Religiöser Brauch im Verein mit Eitelkeit aber liegt, wie man annehmen darf, der Sitte des TätowirenS zugrunde. Und dieser Sitte fröhnen die Männer fast mehr noch als die Frauen. Die Schan in Hintcrindien tätowiren fast den ganzen Körper, einzelne selbst das Gesicht; doch gebrauchen sie dabei selten oder nie die rothe Farbe, sondern nur ein dunkles Braunblau. Bei den Malayen dagegen tätowiren sich nur die Frauen, und diese auch nur die Hände, die vom fünfzehnten Jahr an mit einem röthlichen Lack überzogen werden und später wie gefärbt aussehen. Auch bei den auf der japanischen Insel Jeddo lebenden Ainos tätowiren sich ausschließlich die Frauen, und zwar bemalen, sie sich das Gesicht rund um die Lippen und auf dem unteren Theile der Mangen in der Form eines aufgedrehten Schnurrbarts sehr fein blau. Haby und seine Verehrer würden an diesen Schnurrbärten ihre helle Freude ha ben. ' Warnung. Hoteldieb (zum andern): Ede, jeh nich' in den Blauen Engel-... da ist neuerdings ooch unter jedem Bett 'ne elektrische Glühlampe anjebracht worden." Gute Aussicht. Sommerfrischler (der im Alpenhotel eine Beschwerde einträgt): Ja, werden denn die Beschwerden vom Chef auch gelesen?" Oberkellner: O freilich!... Der hat ja den ganzen Winter nichts zu thun!" Dichterloos. Schlächtermeister: Den Ankauf Ihres Romans muß ich ablehnen.' Ich darf meine feinen Fleischwaaren nicht in so einen realistischen Roman einschlagen." Rücksichtsvoll. Wie kannst Du nur solche Schulden ' machen, Ernst?" Weil sonst die Leute sagen würden, Du hättest nichts, lieber Onkel!" Fatal. Dichterling: Nicht wahr, Herr Redakteur, nachdem Sie meine Gedichte gelesen, waren Sie Feuer und Flamme?" Redakteure Ich nicht, aber die Gedichte waren es!" . ' .
