Indiana Tribüne, Volume 29, Number 3, Indianapolis, Marion County, 26 August 1905 — Page 7

Jndkana Tribüne,

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O0-0--0-0--0-C D-0-00--0-An fllllcn Wassern V t Aus dem Dänischen V Von L. Vndde 1 O """O--- t (Fortsetzung.) T Und wieder war es, als ob Svane in ein verzaubertes Land hinauswanderte, wo der Sturm sich beruhigen mußte und die Wogen des Herzens sich mitten in der großen, stillen See legten. Der erfrischende Lufthauch kam freundlich und kühlend an seine heißen Wangen, und die See plätscherte zu seinen Füßen und sprach zu ihm so wunderbar sanft und beruhigend, daß sein Gemüth mild bewegt wurde. Vorwärts eilte er hinaus, ohne anzuhalten oder sich ein einziges Mal umzusehen. Er merkte nicht, daß die See zu seinen Füßen stieg und die Luft um ihn erbleichte, bis er plötzlich am äußersten Punkt des Steiges stand, gerade an der Stelle, wo er ihn vor einigen Tagen zuerst betreten hatte. Er dachte daran, wie damals sein Sinn klar geWesen war wie die See selbst und leicht wie die lächelnde Luft, und er sah sich bei diesem Gedanken traurig um. Aber nun hatte die See ihren Glanz verloren, und die Luft hing dick und bleiern um ihn. Die Insel war verschwunden und kein Punkt des festen Landes zu sehen. Es war, als ob der Steig selbst in die See hinschmölze, während er auf ihn hinstarrte, und der Boden, auf dem er stand, unter seinen Füßen fortglitte, während der Nebel immer dichter und dichter sein Netz um ihn spann. Unwillkürlich machte er einen Versuch, umzukehren, aber beim ersten Schritt glitt sein Fuß aus, und nur mit Mühe gewann er wieder festen Halt auf dem glatten Steig, den das Wasser schon überspülte. Da begriff er, daß er gefangen war des Nebels bleiche Fee hatte ihn in ihr Schloß gelockt und umschlang ihn mit ihren Armen, so daß es ihm eisig durch's Herz ging. Der Jüngling in der Sage, der sich in denselben Saal verirrt hatte und darin verschwunden war, kam ihm in den Sinn, und es war ihm, als ob seine Gestalt sich im Nebel vor ihm bilde und winkend und lockend draußen stehe. Sollte das das Ende aller der hochfliegenden Hoffnungen sein, die er gehegt, wenn er still in der Stube seiner Mutter gesessen hatte? Stand hier das goldene Ziel, von dem er im Geheimniß seines Herzens geträumt hatte? Sie zogen an ihm vorüber wie die Schatten im Nebel, alle diese Träume, aber wunderbar war es doch, daß auch sie ihren Glanz verloren hatten. Er sah sie durchweht von Eitelkeit und kleinlichem Verlangen nach Ruhm und Beifall, und es schien ihm plötzlich, als ob er armselig und gedemüthigt wie nie zuvor zwischen ihnen stehet Er dachte an Paul und sein offenes, freundliches Wesen, das in seiner flotten Lebendigkeit so natürlich und einnehmend war, daß er es nun begreifen konnte, wie sich alle mit einem Lächeln gegen ihn wandten und Gefallen an ihm fanden. Jede Spur von Groll und Mißgunst verschwand aus seinem. Herzen, als er daran dachte, und er wünschte, daß er ihm nun die Hand reichen und ihm versöhnend in sein freundliches Gesicht sehen und ihm alles sagen könnte. Er dachte an den ehrbaren Gutsbesitzer, der in seiner heißblütigen Heftigkeit so voll echter Gutmüthigkeit, so voll Wohlwollen war. an Soren mit seiner treuen, launigen Zähigkeit, an den alten Schulmeister mit seinem milden, demüthigen Wesen und seiner freundlichen Theilnähme für alles und alle, und es schien ihm, als ob er selbst gedemüthigt gerade denen allen gegenüber stehe, die er in seiner jugendlichen Eitelkeit übersehen hatte. Und Elses Bild stieg vor ihm auf so sanft und lieblich in ihrer frischen, unschuldigen Schönheit, daß sein Herz warm und betrübt wurde, und mit Beschämung begriff er, wie wenig er ihrer würdig war und wie wenig Grund er hatte, sie als die Seine zu fordern. Ein Gefühl von Muthlosigkeit und Müdigkeit erfaßte ihn, und während er auf das große, geheimnißvolle Grab starrte, das sich rings um seine Füße zu öffnen schien, konnte er es nicht lassen, daran zu denken, wie schön und friedlich es sein könnte, jedes verlangende Sehnen, jedes glühende Begehren nach dem Eegenstand zu vergessen, den zu erreichen er nie die Kraft haben würde, um sich dann süß und ruhig in die stille, tiefe Umarmung zur Ruhe zu legen. Aber im nächsten Augenblick kam ihm mild und versöhnend der Gedanke an seine Mutter, deren Hoffnung er war und deren Freude er werden sollte. Und er glaubte zu fühlen, wie sie ihre Hand auf sein Haupt legte und liebevoll tröstend zu ihm davon sprach, daß doch Wahrheit und Aufrichtigkeit in dem gewesen sei, wovon er geträumt und wonach er sich gesehnt habe, und daß Gott das, was lebenswerth darin sei, wohl zum Siege führen würde, wenn alle Eitelkeit und Thorheit daraus weggeweht wäre. Sein Gemüth wurde weich und kindlich bewegt, seine Augen füllten sich mit Thränen, und er beugte sein Haupt und faltete seine Hände zu einem inbrünstigen Gebet, das er so oft auf ihrem Schooße gebetet hatte, so lange er denken konnte. Aber die Worte stockten auf seinen Lippen, denn eine Welle, größer und höher als irgend eine der früheren.

ging schäumend über seine Füße und spritzte ihren salzigen Schaum bis in sein Gesicht hinauf. Und in demselben Augenblick, als sie zurückwich, glänzte es vor ihm auf dem Steig, als ob ein kleiner Stern dort angezündet sei und ihm lächelnd entgegenleuchtete. Hastig bückte er sich, und eine jubelnde Freude ging durch sein Herz, denn es war Elses Kreuz die Welle hatte den Kies fortgespült, der es verbarg, und es vor seine Füße gelegt. Es war das Zaubermittel, das er gesucht hatte, und in demselben Augenblick, als er es in seiner Hand hielt, kam es ihm vor, als ob des Zaubers Macht von ihm gewichen sei. Sein Herz schlug leicht und frei, sein Gemüth erhob sich vertrauensvoll und dankbar gegen Gott, und als er sein Haupt wieder emporhob, war es, als ob der verzauberte Raum um ihn lebendig würde. Ein Klang wie von fernen Stimmen kam flatternd über die See und schien ihn zu rufen, und vom Steig vor ihm kam ein Laut wie Tritte, die sich ihm näherten. Athemlos und erwartungsvoll starrte er in den Raum hinaus, und es schien ihm, als ob ein Schatten durch den Nebel aufsteige, verschwinde und wiederkomme, aber ob es Traum oder Wirklichkeit war, konnte er nicht erfassen. Da tauchte plötzlich eine Eestatt vor ihm auf, wie wenn ein Schleier davon weggezogen würde, und das Blut jagte durch seine Adern, und sein Herz klopste, als er sie erkannte, denn es war Elfe selbst, die vor :hm stand und in unwillkürlicher Bewegung ausrief: 0, Gott sei Tank, daß ich Sie gefunden habe!" Er versuchte zu antworten, aber seine Stimme zitterte, so daß die Worte sich verwirrten und auf seinen Lippen erstarben. Schweigend reichte er ihr das wiedergefundene Kreuz, und ihre Hände begegneten sich, als sie froh danach griff aber was war das? Dicht und schwer sank der Nebel um sie nieder, so daß ihre Stimmen wie ein Geflüster darin erstarben. Und was sie miteinander redeten, darüber wird sein Schleier ruhen, bis ein Herz, das es versteht, ihn lüften wird. . Aber desto lauter schienen die Stimmen der See zu werden. Lockende Rufe wurden von dort laut, immer deutlicher Antwort fordernd, bis das Boot an dem steilen Rand des Steiges schaukelte und dunkle Gestalten sich undeutlich darüber erhoben. Und ehe noch der glücklich- Herr Svane recht Zeit gehabt hatte, darüber in's Klare zu kommen, was es sei, stand Soren mit einigen sicheren Schritten an seiner Seite, legte die Hand auf seine Schulter und rief triumphirend zurück: Hier ist er, Herr! Nun haben wir ihn!" Denn Soren konnte das Benehmen des jungen Geistlichen nicht anders ansehen, als wie eine Art Desertion und einen listigen Versuch, sich dem gesetzlichen Anspruch zu entziehen, den die Insel nun einmal auf ihn gewonnen hatte. Er nahm ihn deshalb ohne Weiteres gefangen und brachte ihn mit einer Handbewegung in's Boot hinüber, wo Paul ihn mit lautem Jubel empfing und der Gutsbesitzer und der Schulmeister ihm schweigend herzlich die Hand drückten. Schon stand Soren im Begriff, so schnell als möglich ihm zu folgen, als er in demselben Augenblick seinen Namen hinter sich nennen hörte und sich hastig umwendete. 23a ist das? Sind da mehrere, die descrtiren wollen? Und noch dazu unsre liebe Jungfer!" rief er überrascht aus, fügte aber, augenblicklich sein Erstaunen beherrschend, hinzu: Ja, dann ist es das Beste, daß wir sie auch mitnehmen!" Und ohne äußerlich eine Spur von Verwunderung zu verrathen, bemächtigte er sich auch Elses als seiner gesetzmäßigen Beute und brachte sie und sich selbst glücklich in's Boot, wo ihre Ankunft eine ebenso laute Ueberraschung erregte. Erst in diesem Augenblick fing Jungfer Elfe an. recht zu verstehen, daß sie sich in ein Abenteuer gestürzt hatte, das klar und deutlich zu verantworten peinlich sein konnte, und schweigend und erröthend neigte sie ihr Haupt. Aber der Nebel zog wieder den Schleier über ihre Verlegenheit und verbarg mitleidig die erröthenden Wangen und niedergeschlagenen Augen, und Soren kam ihr mit der Bemerkung zu Hilfe, daß es. wenn sie nun alle beisammen hätten, am bequemsten fein würde, das Verhör abzuhalten, wenn sie zurückgekehrt wären. Das Vernünftige dieser Anschauung war so einleuchtend, daß alle unbequemen Fragen in demselben Augenblick verstummten und die Ruder sich wie auf ein Kommandowort in's Wasser senkten. Und wieder glitt das Boot durch die pfadlose Finsterniß zwischen Riffen und Untiefen hindurch, während des Schulmeisters Hand ruhig und. sicher auf dem Steuer ruhte und Screns Augen mitten unter seiner Arbeit stets wachsam verstohlene Blicke auf die Seite warfen, wo der junge Geistliche saß, als ob er einen unbestimmten Verdacht hegte, daß dieser noch immer darauf sinne, zu entwischen, wenn sich Gelegenheit dazu bieten würde. Aber Herr Svane saß an Elses Seite und war so weit davon entfernt, solche schlechten Absichten zu nähren, daß es schien, als könne er ohne Kummer und Sorge bis an's Ende der Welt fahren. Es war so seltsam beseligend, in tiefem Schweigen zu sitzen, während das Boot auf seinem dunklen Wege wie zu einem unbekannten Strand fuhr, und

zu wissen, daß der Hafen, "den es suchte, schon gesunden war, und daß die Fahrt dem Licht und Glück entgegenging, wohin es auch gehen mochte. Lange saß er ss, und immer stärker wurde sein Herz von dem Drang erfüllt, seinem Danke Luf: zu machen. Aber wunderbar genug war es der alte. Psalm, der schon einmal zuvor ihm die Macht in der Kapelle genommen hatte und der sich nun wieder mit eigensinniger Hartnäckigkeit in seine Erinnerung drängte und ein Mal über das andre darin auftauchte, bis er ihn zuletzt nicht mehr zurückhalten konnte. Worte und Melodie kamen wie von selbst und fanden den Weg über seine Lippen. Soren war nicht saumselig, mit der vollen Kraft seiner Lungen einzustimmen, der Schulmeister folgte nach mit seiner zitternden Stimme, und zuletzt erklang es in feierlichem Chor von allen über die See hinaus: ' töarurn bk!7übst du dich, mein Herz, Bekünlmcrst dich und träfest Schmerz Nur um das zeitlich Gut? Vertrau du deinem Herrn und Gott, Tcr alle Ting' erschaffen hat!" Der Nebel schien von der Macht der feierlichen Töne Leben zu bekommen, und es antwortete, grüßend und leitend von der Insel her, erst fern und schwach, vann kräftiger und. kräftiger, während die Besatzung des Bootes still lauschend dasaß, als ob sie glaubte, selbst die Worte unterscheiden zu können: Er kann und will dich laffcn nicht, (fr keift gar weh!, was dir gebricht, Himmel und Erde sind sein, Mein Vater und mein Qcxxc Gott, Tcr mir beisteht in aller Noth. -Voll Eifer fiel Soren wieder ein. die andern folgten, und so ging es abwechselnd zwischen Boot und Strand, bis alle Verse des Psalmes gesungen waren, und alle seine Töne gingen als leitende und steuernde Voten zwischen ihnen hin und wider. Kann der Herr Student nun wohl sehen, daß unsre Psalmen doch die besten sind?" fragte Soren in einem Tone, der ihn deutlich genug aufforderte, nun etwas dagegen zu sagen, wenn er konnte. Der Student blieb indessen von der Demüthigung verschont, seine völlige Niederlage offen bekennen zu müssen, denn, in demselben Augenblick beganneu dunkle Gestalten sich vor ihnen zu .bewegen, ein Jubelruf begrüßte sie vom Strand der Jnfel, die Macht der Nebel war gebrochen, und die Ratten zogen sich enttäuscht in ihre Löcher zurück.

5. K a p i t e l. ie Sommernacht ruhte über den stillen Wassern, und die Wellen stiegen leise aus dem tiefen Grund auf und flüsterten miteinander von den verborgenen Dingen, die sich dort unten rührten, verwahrt, aber nicht vergessen. Doch der Nebel hing noch immer hartnäckig über ihnen. Er räumte den Platz nur Zoll um Zoll und gab ihn nicht verloren, bevor nicht die Morgensonne siegreich durchbrach. Der Zug war glücklich zu Ende geführt, aber doch herrschte. Unruhe und Sorge auf der Insel von den Kleinsien bis zu den Größten, denn der Schulmeister lag wieder in seinem Hause, gleich einer müden Welle, die sich einen Augenblick kräftig und braufend über eine Klippe gebrochen hat. um im nächsten müder und matter hinzusinken. Die Kraft, die ihn aufrecht gehalten hatte, so lange er in dem schaukelnden Boot mit der Hand am Steuer gesessen hatte, schien in demselben Augenblick aufgebraucht zu sein, wo er den Fuß wieder auflas feste Land setzte. Kaum war er 'aus dem Boot getreten, als seine Beine unter ihm schwankten, und er würde wieder zurückgefallen sein, wenn Soren ihm nicht unter die Arme gegriffen hätte. Mi: schweigender und bekümmerter Theilnahme hatten sie ihn heimgetragen", denn auf den Hof, wohin der Gutsbesitzer ihn bringen lassen wollte, hatte er sich durchaus nicht bringen lassen wollen. Und nun lag er auf dem Bett in seine? kleinen Stube mit a schlossenen Augen und sogar noch schlafferen Zügen als am Vormittag?, mit schwachen und langsamen Athemzügen. Draußen vor dem Hause standen dunkle Gestalten, im Nebel wartend, und drinnen hatte sich Madame Brus still an seine Seite gesetzt. Der Gutsbescher ging mit gespannten und unruhigen Mienen auf und nieder, so weit der enge Raum es gestattete, und Paul stand mit verzagtem Gesicht in einer Ecke, während Soren sich an das Ende des Weites gestellt hatte und den Kranken mit tiefer, unverwandt?? Aufmerksamkeit betrachtete. Elfe war sofort, gefolgt von Herrn Svane, arf den Hof geeilt, um womöglich ein oder das andre stärkende und lindernde Mittel zu suchen und es mit zurückzubringen. Kops hoch, lieber alter, treuer Freund!" rief der Gutsbesitzer endlich aus. als er nicht im Stande war, seine Spannung länger zu beherrschen. .Kopf hoch und" seien Sie guten Muths! Ich kann es nicht aushalten, Sie so daliegen zu sehen!" Der Schulmeister öffnete die Augen, sah ihn freundlich an und erhob seinen Kopf von dem Kissen, aber er sank schwer wieder zurück, ein schwaches Lächeln glitt über sein Gesicht, und die Augen schlössen sich von Neuem. Mit gespannter Aufmerksamkeit hatte Soren den Versuch verfolat. aber als er

ihn mißglücken sah, war es, als ob ein Beben über seine festen, ruhigen Züge ging. Er wandte sich hastig um und ging auf den Zehenspitzen hinaus!" .Es steht schlecht mit ihm!" lautete seine muthlose Antwort auf alle die hastigen Fragen, die mit halbgedämpfter Stimme draußen an ihn gerichtet wurden. Er kann den Kopf nicht heben, und das ist beim Menschen ebenso wie beim Vieh: wenn es den Kopf nicht heben' kann, weiß man kaum, was man dazu sagen soll." Ein' verzagtes Schweigen folgte auf diese Mittheilung, aber eine tröstlichere Stimme unterbrach es bald und sagte vertrauensvoll: Ja, aber sie haben ja den Herrn Paul drinnen, und er wird es schon' zurechtbringen!" Ja. seht!" antwortete Soren nachdenklich. Einer, der Doktor ist, und einer, der Doktor werden soll, das ist ein Unterschied. Paul ist ein williger Kerl, darüber zu schwatzen, das sann ich nicht anders sagen, aber ob er es auch thun kann, das müssen wir doch erst wissen." Es lag in dieser Vorurtheilsfreien Art der Betrachtung etwas so ruhig Ueberzeugendes, daß die Vertrauensvolle Stimme verstummte und das muthlose Schweigen von Neuenr zurückkehrte. Daß aber Soren auch nicht so besonders unrecht mit seiner Auffassung hatte, wurde näher bewiesen durch die gleichzeitigen Vorgänge drinnen im Hause. Denn nachdem der Gutsbesitzer in erhöhter Unruhe wieder ein paarmal auf und nieder gewandert war, wandte er sich gerade in demselben Auaenblicke an seinen Sobn und fragte mit ängstlicher Hast: Kannst Du ihm nicht ein bischen zurechthelfen, j mein Junge?" j Aber es war eher alles andre, als die Sicherheit wissenschaftlicher Ueberzeugung, die der arme Paul bei diese? Aufforderung annahm. Eine glühende Nöthe flog über seine Wangen, rathlos und zögernd trat er an das Bett und streckte eine zitternde Hand nach der auf dem Kissen liegenden Hand des Kranken aus.' Aber es war, als ob seine ehrliche Natur es ihm unmöglich machte, sie zu ergreifen, und eine schmerzliche Scham hinderte ihn. unter diesen Umständen selbst die geringste Spur von falschem Schein zu bewahren. Denn plötzlich zog er die Hand heftig zurück, legte seinen Kopf auf die Vettkante und brach in Thränen aus. Der Gutsbesitzer starrte seinen Sohn erstaunt und verwirrt an. und seine Mutter ließ ihre Hand lieblosend und beruhigend über seinen Kopf - gleiten, aber der Schulmeister öffnete von neuem seine Augen, streckte dieselbe Hand, vor der jener eben zurückgebebt war. gegen ihn aus und sagte sanft: Danke, lieber Paul! Du bist immer gut und lieb gegen-mich gewesen, und hätte mir nun noch etwas helfen können so müßte es gewiß Dein liebes, treues Gesicht sein, das ich so lieb habe, und das mich so oft fröhlich angesehen hat. Aber ich glaube, daß mir diesmal nichts helfen kann." Paul hob sein thränennasses Antlitz empor, ergriff des Schulmeisters Hand und streichelte sie zärtlich. Dann stand er auf und verschwand ebenso schnell wie Soren vorhin. Er ließ sich auch nicht durch die Fragen aufhalten, die ihm entgegenströmten, als er herauskam, sondern suchte sofort Soren auf. nahm ihn beifeite und rief mit heftig bewegter Stimme aus: Höre, Soren. nun will ich Dir anvertrauen, daß ich noch kein Arzt bin, aber noch einer werden kann, und daß ich für ihn als solcher nichts zu thun im Stande bin." Nein!" antwortete Soren, ohne im mindesten von dieser vertraulichen Mittheilung überrascht zu sein. Das ist gewiß, Paul!" Aber er soll trotzdem nicht ohne Hilfe liegen bleiben!" fuhr Paul in einem bestimmten Tone fort. Ich kann so gut als irgend jemand ein Ruder führen, und wenn Du mitgehst. Soren. dann fahren wir beide heute Nacht über den Fjord und holen einen Doktor für ihn, und wenn der Nebe! noch so dick wäre." Das kann ich verstehen. Paul." antwortete Soren mit einem Nachdruck von Achtung und Beifall. Das war ein Wort von dem Sohn meines H:n. und hie? ist meine Hand!" Durch den Nebel klang ein treuer Handschlag, und Paul und Soren waren im Nu verschwunden. Niemand merkte es, und Niemand dachte daran, zu fragen, wo sie geblieben seien ergab sonst genug, worauf alle Fragen und Gedanken Beschlag legten, ,iW (Fortsetzung folgt.)

Wntgcgci!lt0l!!Znend. Fremder: Aber Herr Wirth, an Ihren Stühlen sitzt ja kein Schemeldein fest!" W i r t h : Entschuldigen Sie nur. bester Herr, das muß ich schon meinen Gästen zum Gefallen dulden. Wenn die Sonntags raufen, dann wollen sie auch gleich etwas Handgreifliches haben!" Die schriftstellernde Tamenwel Englands hielt ihr 16. Jahressest ab. Zu demselben hatten sich 180 Damen eingefunden, von denen viele sich alt Romanschriftstellerinnen und Journalistinnen 'einen namhaften Ruf erwo?' ben haben. Den Vorsitz führte Frau Meynell; ihr zuSeitt saß die berühmt: Noman - Schriftstllerin Frau Craigia. Frau Meynell hielt einen Vortrag über die Schriftstellerinnen des 18. Jahrhunderts", und Frau Tynan b:sprach die Anpassnngsfähigkei! der Frauen.

Ein Zunger Mann Namens Wier schlug sein Nachtquartier in einem südlich von Chilltcothe, Mo., gelegenen Timothyfelde auf. Am nächsten Morgen fuhr der FarmfrT" dem dasFeld gehörte, mit der Mähmaschine hinaus, und Wier wurde von der Maschine überfahren. Die Messer der Maschine schnitten ihm den linken Daumen ab und verstümmelten seinen linken Arm. JnderFlotten-Schulezu Annapolis sind mehrere Fälle vonNervenfieber zur Kenntniß der Behörden gebracht worden. Die Aerzte versuchen ihr Bestes, die Seuche zu beschränken. Man glaubt, daß das Nert?enfieber durch angesammelte Massenabfälle bei den Neubauten verusacht wurde. Andere sind der Ansicht, daß die Krankheit durch das Baden im schmutzigen Wasser des Severn-Flusses entstanden sei, der bei Annapolis in die Chesa-peake-Ba! mündet. - Einer auß erordentlich starken Nachkommenschaft erfreut sich unstreitig Joseph Clark in New Richmond, Wis. Herr Clark, ein geachteter Farmer und Brunnenbohrer, hat 16 lebende Kinder und nicht weniger als 114 Enkel und Urenkel. Sechzehn Mitglieder der Familie sind gestorben. Clark wurde in Pennsylvanien geboren, warSoldat während des Bürgerkrieges und wohnte seither nahe New Richmond. Er war zweimal verheirathet und ist stolz auf feine stattliche Familie, nur ist es ihm unmöglich, alle die Namen seiner Enkel und Urenkel zu behalten und die verschiedenen Familien auseinander zu halten. . Die Schweizer - Kolonie Neu - Glarus im County Green in Wisconsin feiert demnächst ihr sechzigjähriges Bestehen. Namentlich die Schweizer von Neu - Glarus waren es, durch welche die Molkerei-Jndu-strie in Wisconsin eingeführt und gefördert wurde, und zwar in einer fo erfolgreichen Weise, daß Wisconsin jetzt in diesem Industriezweige eine der ersten Stellen unter den Staaten der Union einnimmt. Vor Allem thut sich Neu - Glarus durch seine bedeutende Fabrikation von echtem amerikanischen Schweizerkäse hervor. Der letzte der ersten Schweizer - Ansiedler in NeuGlarus. Hilarius Wild, ist im letzten Frühjahr gestorben. Ein sonderbarer Schreckensauftritt fand kürzlich während des Hochamtes in der St. Josephskirche zu Appleton in Wisconsin statt, als die Kirche mit Andächtigen gefüllt war. Plötzlich sprang ein SchäferHund von der Gallerie und fiel der Frau Wieland auf den Kopf. Die Frau wurde bewußtlos, erholte sich aber bald. Eine Zeit lang herrschte große Ausregung in der Kirche, weil angenommen wurde, daß ein Kind über die Ballustrade gefallen sei. Der Hund war von seinem Herrn in der Vorhalle der Kirche zurückgelassen worden. Bald aber lief er die Treppe hinauf auf die Gallerie; als er dann nicht weiter konnte, sprang er in die Tiefe. Ander Stelle, wo am 8. Februar 1904 das Gebäude des Deutschen Correspondenten" in Baltimore als eines der letzten Bauwerke im Geschäftsviertel dem großenBrande zum Opfer fiel, wird sich binnen Kurzem ein Musentempel erheben. Die Columbian Amüsement Co." von New Aork wird dort im Lause dieses Herbstes eines der größten und schönsten Theater der Stadt errichten lassen. In Folge der ausgezeichneten Lage inmitten des Centrums der Stadt, wo alle Straßenbahnwaggons kreuzen, wird das Unternehmen von vornherein als ein großer Erfolg betrachtet. Zudem wird der Neubau eine ausgezeichnete Attraktion für den hübsch ausgestatteten Theil der mittleren Stadt sein. Eine gelungene Vab y-Ver-tauschungsgeschichte wird aus New Aork berichtet. In einem der großen Läden war sogenannter Bargain"Tag. Eine Menge Damen, die mit ihren Vabies in Kinderwagen erschienen. vertrauten ihre Lieblinge nach der herrschenden Sitte einem ertra für solche Zwecke berufenen Angestellten an. indem sie die üblichen Checks erhielten. In Reihe und Glied standen gegen zwanzig Kinderwagen vor dem Ladengeschäft. Einem von den Kleinen wurden die Zeit des Wartens lang, und er kletterte an der Wand des Kinderwagens empor und stand aufrecht. Ein anderes Baby that desgleichen, und das Unglück wollte es, daß beide Babies fast zu gleicher Zeit das Gleichgewicht verloren. Die Wagen stürzten um. Im Fallen rissen sie mehrere andere Wagen um, diese zogen andere Wagen mit sich, und ein Dutzend Babiers lagen laut schreiend auf dem Pflaster. ! Der Wärter nahm ein Baby nach dem anderen auf und legte sie in die betreffenden Wagen zurück, das heißt, er glaubte zu wissen, in welchen betreffenden Wagen, jedes einzelne Kind gehörte, während in Wirklichkeit mehrere Kinder in den verkehrten Wagen gesteckt wurden. Als mehrere von den Müttern aus dem Laden zurückkehrten, wurde der Irrthum entdeckt, und es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich die folgenden Scenen auszumalen, die Entrüstung der Mütter ob der Entdeckung, daß ein fremdes Kind in ihrem Wagen war, und das schwierige Werk, jeder Mutter das ihr gehörende Kind wiederzugeteu ..

Vom Anslande.

JmGarten der Tuilerien in Paris spielten unlängst ein paar Knaben Indianer." Sie schwangen Lassos ' über jhren Häuptern und suchten sich zu fangen. Eine der stillen Marmorstatuen, Daphne, schaute lächelnd auf das Treiben der Knaben herab. Da plötzlich flog ihr die Schlinge um d$y Hals. Aber der Knabe begnügte sich nicht mit 'dem Fang. Er zog die weiße Dame zu sich herab, wobei ein Bein und ein Daumen zerbrachen; glücklicherweise war der Bruch nicht complizirt, und Daphne stand bereits ein paar Tage später wieder auf ihrem alten Platz. Ueber eine diebische Elster" wird aus Berlin berichtet: Wie eine Elster 'hat das Dienstmädchen Anna Bartz, das bei dem Geh. expedirenden Sekretär des Reichstages, Herrn P. thätig war, gestohlen. In letzter Zeit waren Herrn P. aus der Kasse wiederholt Hundertmarlscheine abhanden gekommen. Da sich der Verdacht auf die B. lenkte, wurde ihr Schlafzimmer durchgesucht. In der Matratze des Bettes eingenäht fand man 'denn auch sieben Hundertmarkscheine vor; hundert Mark fehlten. Das Mädchen hat das Geld angeblich für die zukünftige Aussteuer zusammcngestchlen. Sie wurde sofort verhaftet. Einen interessanten postalischen Versuch machte jüngst Herr Henry Turner, ein Bewohner der Insei Guersey. Er wollte sich nach der Insel Serk begeben, traute sich aber nicht, die Reise allein zu machen und kam auf den Gedanken, sich auf Ux Post in Guersey als Packet aufzugeben. Der Postbeamte zuckte bei diesem seltsamen Verlangen nicht einmal mit der Wimper. Er stellte Herrn Turner auf die Paketwaage, verlangte, fünf Schilling, fünf Pence Porto und übergab das Paket" dann einem Landbriefträger' zur Beförderung. Der Briefträger brachte Herrn Turner nach der Insel Serk und lieferte ihn gegen Empfangsquittung ordnungsmäßig im Hause des Adressaten ab. Die dunkle n Somalikrieger, die durch ihre Vorführungen im Cristallpalast in London viel Publikum anlockten, erschienen eines Tcrges in vollem Kriegskostüm in der Stadt, um im Coliseum einer Vorfiellung beizuwohnen. Merkwürdigerweise schien das Singen den größten Eindruck auf sie zu machen, während sie für gymnastische Leistungen offenbar wenig VerjlLotio hatten. Der Gesang des Chors vapomrie dem Häuptling Hespi so sehr, daß er laut versicherte, jeder der Sänger sei 200 Schafe werth. Als aber die hübsche Sängerin Miß Margaret Ashton auftrat, war der Häuptling der Wüstenkrieger außer sich vor Entzücken und erklärte sich bereit, 500 Schafe für sie zu bezahlen. AusVayreuthwirdein nettes Wahlcuriosum berichtet. Siegfried Wagner erhielt zur bayerischen Landtagsurwahl zwei Wahlzettel zugesandt. Beide Briefumschläge waren übereinstimmend an Herrn Siegfried Wagner, Kontorist, Richard-Wagner-Straße 48, adressirt. Dem Empfanger fiel es auf, daß. obwohl die beiccn Zusendungen doch von ganz verschiedenen Parteien ausgingen, er übereinstimmend als Kontorist bezeichnet wurde. Als Siegfried Wagn fein Wahlrecht ausübte, stand er zu seiner Ueberraschung auch in der Wahlliste als Kontorist verzeichnet. Dieser Irrthum klärte sich dahin auf, daß dem Anfertige? der Wahlliste der Beruf Komponist" nicht geläufig war, weshälb er schnellgefaßt Kontorist" daraus machte. VoneinembizarrenUnglücksfall ist dieser Tage der Untersuchungsrichter Le Poittevin in Paris betroffen worden. Er vernahm in Gegenwart eines Polizcibeamten einen aus der Untersuchungshaft vorgeführten Mann, als plötzlich die Kleidung des Richters Feuer fing. Trotzdem sich der Polizist und der Gefangene sofort auf den Brennenden stürzten und die Flammen erstickten, erlitt er doch so schwere Brandwunden, daß er sich sofort in ärztliche Behandlung begeben mußte. Das Feuer war dadurch entstanden, daß Le Poittevin in derTasche seines Beinkleides Pastillen aus Chloral und Pottasche zusammen mit Zündhölzern trug. Ein Zündholz war aus der Schachtel herausgefallen, hatte sich an den Pastillen gerieben und diese schließlich in Brand gesetzt. Bei St. Cloud erschien neulich Nachts ein mit zwei Pferden bespannter Wagen am Ufer der Seine. Zwei Männer sprangen ab, hoben von dem Gefährt zwei schwere Pakete und warfen sie in das Wasser. Durch den Schall wurden ein paar schlafende Polizisten geweckt. Sie stürmten an den Ort der That aber sie sahen nur noch den Wagen in raschestem Tempo fortrasen. Die Beamten machten sofort ihrer Behörde Mittheilung, und diese ordnete eine strenge Untersuchung an.' Was war in den Paketen drin? Man vermuthet ein Verbrechen. Entweder waren es Leichname, die auf diese Weise verschwinden sollten, oder und das ist sogar wahrscheinlicher handelt es sich um Diebesbeute, die zum Verkauf zu gefährlich war. Man suchte elf Stunden lang das Bett des Flusses ab aber die Seine gibt ihr Geheimniß nicht fcrnN