Indiana Tribüne, Volume 28, Number 312, Indianapolis, Marion County, 24 August 1905 — Page 7
VJndiana Tribüne 2Z5Ittoutt INNn ..- -jMiri. ' Jndiana Tribüne, 2a. August 1003.
t f t
An stillrttwasscrn Aus umi DZnischcn Von L. Budde s(Fortsetzung.) j t ä.J llnb noch mehr Grund zum Aerger war es, sehen zu müssen, wie Paul zu gleicher Zeit ein merkwürdiges Geschick hatte, stets um Else herumzuflattern, ihr bei jeder Kleinigkeit, die sie zu thun hatte, eine hilfreiche Hand zu reichen und sich gewandt das Ansehen zu g:en, als sei er ihr unentbehrlich. Herr Svane wäre herzlich gern seinem Beispiel gefolgt, aber jedesmal, wenn er nur daran dachte, fühlte er, daß er dunkelroth werden und sich linkisch und unbeholfen benehmen würde es war ihm unmöglich, es zu thun. Er würde für sie in den Tod gehen, wenn es gefordert würde, aber ihr einen einzigen dieser reizenden kleinen Dienste zu erweisen, die Paul so leicht und gewandt leistete wie etwas, das sich von selbst versteht, das vermochte er nicht. Und so saß er inmitten der Festfreude, von ihr ergriffen wie keiner der andern, mit einem Herzen voll heimlichem Kampf, und doch anscheinend der Theilnahmloseste von allen. Eine von den freundlichen Elfen im Hain war es, die schließlich Mitleid mit ihm fühlte und beschloß, ihn dem Ziel seiner Wünsche entgegenzuführen. Weiter unten im Gehölz, dicht versteckt durch Gebüsch, entsprang eine Quelle, und als die Geschäftigkeit sich zu legen anfing, und alle Gesichter behaglich zufrieden aussahen, war es natürlich, daß Else gern einen kühlen Trunk aus dem klaren Wasser genauen hätte, und daß sie mit einer kleinen Kanne in der Hand in der Richtung dorthin verschwand. Die Elfe sorgte geschickt dafür, daß Paul gerade in dem Augenblick an andern Punkten zu beschäftigt war, um es zu beachten, aber Herrn Svanes Augen, die nichts andres , zu thun hatten, als ihr zu folgen, wo sie ging und stand, konnte es nicht entgehen. In demselben Augenblick war es, als 'ob eine heimliche Stimme ihm zuflüsterte, daß jetzt oder nie die Gelegenheit ergriffen werden müsse, und ehe er selbst es recht wußte, hatte er sich erhoben und war ihr mit errathenden Wangen und bebender Schüchternheit gefolgt. Was er wollte, wußte er auch nicht recht. Unklar stand es vor ihm. daß er ihr die Kanne aus der Hand nehmen, wie ein Wind damit zur Quelle fliegen, mit derselben Leichtigkeit und Schnelligkeit zurückkommen und sie ihr mit einem verbindlichen Lächeln überreichen müsse aber ob er damit wurde zurechtkommen können, das war die große Frage. Niemand merkte, daß sie verschwanden, und Niemand wußte recht, daß sie fort gewesen waren, als sie wenige Minuten später zurisckkamen, sie etwas voraus mit tief errötheten Wangen und wogender Brust, er ein wenig hinterher mit gespanntem und unruhigem Gesicht. Aber in dem grünen Busch bei der klaren, fröhlichen Quelle hatten die Vögel so viel, so viel zu erzählen, daß sie fast genöthigt waren, alle durcheinander zu zwitschern. Wißt Ihr was Neues? Wißt Ihr was Neues?" sangen die schnellen Schwalben und flogen hin und her, aus und ein vor lauter Eile. Hier ist ein Freier zu Else gekommen!" .Sei still! Sei still!" antworteten die verständigen Sperlinge bedächtig. Nicht so laut von solchen Dingen reden, ehe es entschieden ist! Es kommt darauf an, ob sie ihn nimmt!" Ich glaub' es! Ich glaub' es!" girrte die Waldtaube zärtlich. Ich habe alles gesehen, und ich verstehe mich darauf!" Wie kam es denn? Wie kam es denn?" fragte eine neugierige Elster und wippte verzweifelt mit ihrem langen Schwanz, denn sie war zu spat g kommen, um es selbst zu sehen. Sie war allzu beschäftigt aewesen. die ce stohlenen Sachen vom Schmaus auf zubewahren. Brav! Brav!" rief die Krähe und brüstete sich wichtig mit ihrem großen Kröpf. Ich habe auch alles gesehen. und lch verstehe mich auch daraus! Brüstest Du Dich?" irrte die Waldtaube ganz ärgerlich. Ja. D'; mußt wohl mitreden, denn Deine Schuld war es, daß es gekommen, wie . ?es kam, und nicht, wie es sollte. Ich werde Euch alles erzählen. Sie kamen durch den Wald gegangen, und er sagte nichts, und sie sagte nichts, denn ihre Herzen waren zu voll. Aber vt ver standen sich, und das ist die Haupt sache bei einem Gespräch. Lei der Quelle standen sie still, und ihre Augen begegneten sich. Aber plötzlich faßte er Muth, ergriff ihre Hand und flüsterte ,so zärtlich, daß mir weich um's Herz wurde: ,Willst Du meine Frau sein? Willst, Du meine Frau sein?' oder so etwas. Die Worte konnte ich nicht genau hören, und auf ue kommt es ja auch nicht an. wenn es nur der Sinn ist. Und ich konnte ihr ansehen, daß sie gerade sagen wollte: ,Ja ich will!' oder was man nun so antwor ien kann. Aber da flog die plumpe Krähe mit einem schrecklichen Lärm durch die Büsche auf und begann auf lbre Krabenart loszuschwatzen. und mehr bedarf es nicht, die Liebe zu er schrecken, denn sie ist so schüchtern. Elfe glaubte wohl, es seieil Menschen, und die kann man nicht als Zeugen bei
-
laichen Dingen gebrauchen, denn sie sind weder unschuldig noch zartfühlend genug. Fort war sie wie ein Vogel, ohne Zeit gehabt zu haben, ein einziges Wort zu antworten, und er folgte ganz verlegen und ließ den Kopf hängen. Und daran war die Krähe schuld, denn sie war so plump!" Ich wollte ja nur ,Hurrah! Hurrab!' rufen!" wandte die Krähe verblüfft ein. Es war lauter Theilnähme!". Aber ihre Entschuldigungen halfen ihr nicht im Geringsten. Sobald die Vögel gehört hatten, daß sie schuld daran war, daß Herr Svane nun mit einem beklommenen Herzen herumgehen mußte, alle Qual der Ungewißheit ertragend, wurden sie so erbittert und unversöhnlich, als solche sanften Geschöpfe nur werden können, wenn ihre Gefühle erregt werden, und sie fand keinen Frieden, bevor sie nicht das Feld geräumt hatte und als eine unglückliche Krähe in ihr Loch gekrochen war. Das war das Ende von ihrer Wichtigkeit! Aber auf dem offenen Platz um den schlanken Baum saß Herr Svane wie in einer neuen, fremden Wclt die voll traumhaftem Nebel war, und wie schwer wurde es ihm, sich selbst wiederzufinden. Er konnte es selber kaum
glauben, daß das Geständniß wirklich über seine Lippen gekommen sei, und doch war es ja wahr. Nicht einen Augenblick vorher hatte er daran gedacht oder es für möglich gehalten. Es war ganz von selbst gekommen, wie die Blume, ohne es zu wissen, aufspringt, wenn der Sonnenstrahl sie küßt. Nicht eine Silbe hatte er zur Antwort bekommen, und er wußte nicht, ob das Rascheln des Busches oder seine kühne Bitte sie wie ein erschrecktes Reh in die Flucht gejagt hatte. Und seltsam war der Gedanke, daß alle ' so ruhig und sorglos um ihn sitzen konnten, als ob gar nichts geschehen wäre. So lange das Essen dauerte, hatte Niemand Soren in feierlicher Haltung und gründlichem Ernst übertroffen; denn er wußte wohl, daß er als erster Knecht auf dem Hose schuldig war, den Ton anzugeben und der Schaar mit gutem Beispiel voranzugehen. Aber als die Mahlzeit schließlich ganz zu Ende war, sprang Paul auf und rief lebhaft: Na, Leute! Nun müssen wir ein Lied mit einem Tanz dazu haben, weil die Musik fehlt. Laßt uns den Hahnentanz machen, den kennen wir alle!" Und bereit wie immer, ohne Einwand jede Forderung zu erfüllen, die sein Stand und seine Stellung an ihn stellten, erhob Soren sich augenblicklich, ging einmal mit suchendem Blick im Kreise herum, streckte dann mit einladendem Nicken den Arm nach einem rothbackigen Mädchen von solidem und gutmüthigem Aussehen aus und führte sie. nachdem sie der Aufforderung gefolgt war, unter die belaubte Krone des Baumes. So waren die nothwendigen einleitenden Schritte gethan. Paar an Paar, schloß die ganze Schaar einen Kreis um Soren und seine Auserkorene, und, Elses Hand ergreifend, brachte Paul den Rundßanz in Gang, indem er ccm mit einem Humor sang, der fast ebensogut wie Musik war: Hähnchen und Hühnchen, die gingen zum Tanz! Kikeriki! Der ganze Chor fiel volltönend ein. und der Tanz ging mit wachsender Schnelligkeit herum, während der Gesang fortschritt und Soren und seine Dame die vorgeschriebenen Bewegungen mit einem Ernst ausführten, der in sonderbarem Gegensatz zu dem Inhalt stand. Plötzlich stand der Kreis still wie eme Mauer, wahrend die Dame verschwand und Soren allein mit einem schelmischen Ausdruck von Verdutztheit zuruckblieb. die sem ruhiges Gesicht vortrefflich kleidete und die mit h:rz lickiem Lachen rund um ibn belohnt muroc. Zllurcy lernen rsoig ermuntert, trat ein neues Paar vor. und So ren zog sich zurück. Aber als er bei Herrn Svane vorbeiging, hielt er an und flüsterte mit triumphirendem Lächeln aus dem Gesicht: Der Kncch: und seine Liebste, von denen wir spra chen, sind doch wieder einig geworden. Der Schulmeister hat sie zurechtaeschnackt, und er hatte nicht einmal den Vcrö nöthig!In seiner gegenwärtigen Stimmung achtete Herr Svane gar nicht auf d:e offenbare Anzüglichkeit, die in diesen Worten laq. Unter gewöhnlien um ständen hätte ihm nichts eine angenehmerc Ueberraschung .bereiten können, als hier, mitten in der Einsamkeit des Limfjords. Ueberreste von jenen, kindlich hübschen Sitten aus einer ent schwundenen poetischen Zeit zu treffen. wo Madchen und Burschen mit scherz haftem und stimmungsvollem Wechsel gesang heiter unter den breitschattigen Kronen der Baume miteinander spiel ten. Und selbst jetzt konnte er nicht unterlassen, seine Freude darüber in einigen anerkennenden Worten auszudrucken. Das hat der Schulmeister auch gemacht, denn er kann machen, was gemacht werden muß! antwortete Soren ohne Zögern. Wieder saß Herr Svane eine Weile wie im Traum und starrte auf die frohe Schaar, gequält von den wechfeinden Bildern der Ungewißheit, himmelhoch jauckzend, zum Tode betrübt, sich in' Hoffnung und Furcht jede Miene in Elses Gesicht in jenem besonderen Augenblick zurückrufend, bis er fühlte, daß es mcht mehr auszuhalten war er mußte sich auf eine oder
die andre Weise in die Bewegung stürzen. Und die Gelegenheit war bald bei der Hand, denn nicht leicht hätte es ein schöneres Ziel geben können, als eine so gute alte dänische Belustigung zu unterstützen, und sobald deshalb die Freuden des Hahnentanzes ausgekostet schienen, fuhr er wie ein Pfeil auf und erbot sich, die Bevölkerung der Insel zu lehren, Fries zu weben. Beim Einüben dieses etwas verwickelten Singspiels war es interessant, die unerschütterlich: Kaltblütigkeit und Fassung zu beobachten, womit Soren das Ganze in Verwirrung zu bringen wußte; und hierin stand ihm dasselbe rothbäckige Mädchen, das noch wie vorhin 'seine Dame war. treulich bei. Wenn der eine in einem Takt war, konnte man sicher sein, daß d?r andre in einem andern Takt war, und daß beide Takte falsch waren. Sollten sie die schützen gehen lassen, flogen sie wie ein paar zügelloser Freischärfer hin und her, bis die Fäden ganz in Stücke gingen, und sollte da Zeug zusammengerollt werden, so fanden sich Soren und seine Dame stets so darin verwickelt, daß es nicht auseinander zu bekommen war. Herr Svane hatte so viel damit zu thun, die reißenden Fäden zu ergreifen und
sie an alle möglichen Stellen hineinzustopfen, daß es ihm wirklich' eine Weile fast gluckte, seine qualend: Ungewißheit zu vergessen, aber eben nur so viel halfen alle seine Anstrengungen. Paul unterstutzte ihn zwar anfangs mit treuem Eifer, aber sobald er merkte. daß die Sache trotzdem verloren war, beeilte er sich, wie es leider so ojt in dieser unzuverlässigen Welt geschieht, sich auf die Seite des Feindes zu schlagen, stürzte sich mit rücksichtsloser Vegeisterung mitten in die Verwirrung und. schwang das Ganze in einem unaufhaltsamen Wirbel im Kreise herum alles zum heimlichen Zorn und Aeraer seines Freundes. Und um den Aerger zu vermehren, saß der GutZbesitzer die ganze Zelt auf emem Vaumstumpf und lachte, daß ihm die Thränen in die Augen kamen, und um so mehr, je verkehrter es ging, während Soren sich mitten in der wildesten Unordnung mit einem Ausdruck behaglicher Ruhe und voll Selbstvertrauen bewegte, als ob er be! sich fühle, daß er das Ganze mit sicherer und fester Hand leite. Es blieb nichts andres übrig, als mit einer Kraftanstrengung den Ver such abzubrechen und vorzuschlagen, es mit: .Komm, komm, holder Jung ling!" zu probiren, das sowohl weniger verwickelt als auch aus einer mehr poetischen Stimmung entsprungen war. Nur wenig ahnte Herr Svane, als er dieses so rubmie, daß es ihm eine unendlich größere Enttäuschung bereiten und plötzlich das Spie! in bitteren Ernst verwandeln wurde. Else Ivar zur ersten Prinzessin der Burg erwählt worden und stand, mit niedergeschlagenen Augen mitten im Kreis, mit dem verhängnißvollen Korb, den das Spiel erforderte, in der Hand. Willenlos hatte sie sich hineinfuhren lassen und stand dort so seltsam fremd mitten in all dem. munteren Lärm, der rings um sie erklang, als ob sie weit, weit fort wäre. Sie war in einem verzauberten Lande, wo die Schatten verwirrend um sie spielten, und sie durfte nicht daran denken, was von ihnen aufsteigen würde: Freude oder Thränen, Hoffnuna oder Verzweiflu?. Und Hand in Hand begann der Kreis um sie herumzugleiten, während das Lied angestimmt und wieder holt wurde: ßcrnni, komm, dolder Jüngling, Und führe mich fort zum Tanz!Es klang so weich und einladend. daß die Thränen ihre Augen blendeten, es war. als ob ibr ßen beimllca mit sänge, obgleich kein Laut über ihre Lippen kam. Aber in stillschweigendem Emverstandnlß sprangen Pau und Herr Svane als Freier der Prinzesstn :n den Kreis, um Soren zu ver hindern, daß er die Sache wieder in seine zweif:lhaf!e Hand nehme, und das L'.cd erklang weiter: ,?eni einen geb' ich einen Stctb, Ten anderen in die Burg ich führ'! Glühende Purpurröihe stieg plöh lich in Elses Antlitz auf, und verwirr stand sie da mn dem Korb rn der zit ternden Hand. Durfte sie Herrn Svane ihre Hand reichen und ihn in die Burg ihrer Traume und ihres Her zens hetmfiihren? Einen Augenblick flog ein inniges Verlangen danach durch ihre Seele, aber in demselben Augenblick war es ihr, als sollte sie. nun mitten in dem lauschenden Kreis, Antwort geben auf die heimlich in der Einsamkeit der .Quelle geflüsterte Frage, als sollte ste den Schleier von dem Geheimniß ihres Herzens vor aller Augen lüften, während sie spähend auf sie. warteten. Eine gewältige Scham verbot ihr dies, es war ihr' nicht möglich, das zu thun, was sie gern wollte, und mit der Entschlossenheit der Verzweiflvng reichte sie plötzlich den Korb Herrn Svane. und dieser nahm ihn. Paul ergriff ihre Hand, und sie mußte herumtanzen, wahrend das L:ed jubelnd und siegessroh endete: .Und Freude herrscht im Hause mein, Und bald wird auch die Hochzeit sein. Und Herr Svane war nicht auf der Burg. Seine Wangen glühten, und er stand da und drückte den Korb in seiner Hand, als ob alle Herrlichkeiten und Volksbelustigungen darin verschwunden seien, und er sie wieder her auspreIen wolle. So stand er noch
als das Lied zu Ente war. der Tam
aufhörte und Paul, ihm auf die Schulter schlagend, munter ausrief: via, das ging ja prachtig! Wir musen es noch einmal machen! " - Er fuhr auf und sah sich verwirrt um, aber Else war verschwunden und nirgends zu sehen. Da funkelten seine Augen in einem Feuer, das sie niemals zuvor gehabt hatten, er fah Paul mit einem Blick an, der selbst diesen unbesorgten und arglosen jungen Arzt mgig machie, und dann beeilte er sich, n das Lied einzufallen und sich auf's Neue mit einem Eifer in's Spiel zu n w . . ' . u mrzen, ci5 gelte es Leben oder Tod. Meinen Schmerz soll er nicht sehen! Niemand darf ihn sehen oder kennen!" war ver Gedanke, der ihn durchbrauste. V VI CVtfc i i r ' mw vk .yranen orannien cinicr i. einen Augen, während sie glänzten. lis war. als ob ein neuer Geck m ihn gefahren sei, so sang, spielte und flog er dahin. Und jedesmal, wenn es vorbei war, begann er wieder mit siedernoer Hast, bis die ehrbare und besonnene Bevölkerung der Insel anfing, ganz verwirrt davon zu werden, und Sorens unverwüstliches Gesicht im Begriff stand, aus seinen Falten zu kommen. Paul starrte ihn erstaunt an. denn so hatte er seinen stillen, ge fühlvollen Freund nie zuvor gesehen, und nie hatte er auch nur an die Möglchlelt gedacht, daß er ihn je so zu sehen bekommen könnte. Aber iedesmal, wenn er sich ihm vertraulich und gutmüthig beruhigend nahern wollte. lammte ihm aus seinen Auaen ein Feuer der Erbitterung entgegen, das ihn verdutzt zurückweichen und Herrn Svane noch verwunderter anstarren ieß. Er konnte ihn gar nicht begreien. Else hatte es nothwendig gefunden, Hals über Kopf fortzueilen, um den Punsch zu bereiten. 'Ein paar Mädchen. die ihr folgten, um ihr zu helfen, sandte sie sofort zurück. Sie wolle ue nicht einen Augenblick des Vergnügens berauben, behauptete sie fast heftig, sie könne alles ganz gut allein besorgen und das that sie auch. Und das Feuer flackerte empor unter ihren geschäftigen Handen, und der Kenel begann zu summen, und der Dampf stieg in die klare Sommerluft, aber Else war betrübt und so bedrückt in ihrem unerfahrenen, armen Herzen, daß sie selbst kaum wußte, was sie that. Nun erst verstand sie im Ernst, daß sie den jungen Fremden liebte, wie sie niemals einen andern lieben könnte, und nun hatte sie selbst ihn von sich gestoßen. Er wußte nicht und konnte es niemals erfahren, wie gern sie ihm ihre Hand gereicht hätte und ihm in das Land mit der goldenen Burg gefolgt wäre, und daß sie es, gerade weil sie es so gern gemocht, mcht zu thun gewagt hatte. Und ihre Thränen rollten nieder in den Punsch, den sie bereitete; denn sie fühlte, daß sie unglücklich sei und nicht ein einziges Herz habe, dem sie ihren Kummer anvertrauen könne. Wäre der Schulmeister dagewesen, dann meinte sie hätte sie ihren Kopf an seine Sazulter legen und ihm erzählen können, wie grenzenlos betrübt sie sei, aber nun war keiner, gar keiner da, zu dem sie reden durfte. Keiner von den andern konnte ja den leiden, um den sie trauerte, und Niemand außer ihr verstand ihn. Zögernd blieb sie sitzen, viel länqer. als es wegen des Punsches nöthig geWesen wäre, denn sie wußte nicht, woher sie Muth und Kraft nehmen sollte, wieder vor alle hinzutreten. Aber als sie schließlich mit der dampfenden Bowle in der Hand kam, mit glühenden Wangen und Augen, die von dem heißen Dampf etwas angegriffen erschienen, da klangen ihr Jubel und Lustigkeit mit einem sonderbar schneidenden Lärm entgegen, und der Dampf griff ihre Augen noch ein bischen mehr an, als sie Herrn Svane mit glühendem Gesicht sich am lustigsten von allen tummeln sah. Das ist gut, daß Du kommst, Else!" rief Paul ihr entgegen. Wir können wirklich etwas brauchen, um ans zu stärken, denn Svane ist so lustig geworden, daß er die Insel beinah? auf den Kopf gestellt und uns alle außer Athem gebracht hätte." Es ging ein Stich durch Elses Herz, als sie hörte, wie froh und lustig er gewesen war. während sie so betrübt und unglücklich dagesessen hatte, und tech half er ihr in gewisser Weise dazu. freier und kühner in den Kreis einzu treten, als sie es sich einen Augenblick zuvor selbst zugetraut hatte. An und für sich war es wirklich auch ein glücklicher Umstand, denn d'.e gute Sitte und Lebensart auf der Insel forderten, daß nun aller Augen schwe:gend auf sie gerichtet waren, während sie den duftenden, dampfenden Tran! in allen Arten Gläser und Tassen einschenkte, und nickt minder erforderte die Sache, wenn sie ausgeführt werden sollte, wie es sich gehörte und wie Madame Brus sie unter allgemeinem Beifall seit vielen Jahren ausgeführt hatte, eine völlige Gemüthsruhe und Geistesüberlegenheit. Vor wenigen Minuten noch hatte sie mit Herzensangst daran gedacht, wie sie über diese Vorstellung hinwegkommen sollte, und doch mußte sie ausgehalten werden, wenn auch das Herz währenddessen brannte. Nun konnte es gemacht werden, und nun wurde es wirklich einigermaßen gemacht, wie es sich schickte. Und dann war die Zeit für Soren gekommen, vorzutreten und der Erfüllung seiner Pflichten dadurch die Krone aufzusetzen, daß er den Toast des Tages mit der Sicherheit Und Un befangenheit ausbrachte, die nur eine
natürliche Anlage in Verbindung mit einer vieljährigen Uebung verleiht. Möglicher Weise gab auch das seiner Haltung eine gewisse Stärke und Festigkeit, daß es stets auf ein und dieselbe, wohlüberlegte Weis? g:schah. indem er, unterstützt von einem gut ein--geübten Chor, begann: Dies soll sein zu Ehren des Herrn Gutsbesitzers Brus!" worauf er mit der Madame fortfuhr und in derselben "Weise zum Schulmeister überging. Aber als der zuletzt genannte Toast diesmal auf die gewohnte . Weise eingeleitet worden war, da erklang ein so gewaltiges Hurrah, daß es weithin unter den Kronen des Waldes widerhallte. Und da spielte ein Lächeln auf Sorens Gesicht. Ergriffen von einer plötzlichen Begeisterung. riß er seine Mütze vom Kopf und rief ganz außer der Regel: Er ist ein Mann der Wissenschaft, und er fehlt uns heute. Er soll leben!" Ein jubelnder Beifall begrüßte diese unerwartete, glückliche Rede, aber in unbändiger Begeisterung begnügte Soren sich nicht damit, sondern schwenkte seine Mütze rund um den Kopf und rief: Gesundheit. Glück und viele frohe Lebensjahre! Und er soll noch einmal leben! Er soll leben!" Der Nachdruck, der auf dieses letzte soll" gelegt wurde, nahm die Stimmung mit Sturm. Es erklang ein Hurrah, mit der Stimme des Gutsbcsitzers an der Spitze, so gewaltig in seiner Kraft und so rückhaltlos in seiner Herzlichkeit, daß selbst Herr Svane trotz seiner Erbitterung davcn ergriffen und bewegt wurde und mit einstimmte. Und als er sich rings umsah, da leuchtete es in jedem Auge, und eine so aufrichtige Bewegung stand auf jedem dieser schlichten, ruhigen Gesichter geschrieben, daß ihm unwillkürlich zum Bewußtsein kam, daß es die Huldigung eines Volkes war, dem sein Leden zu opfern wohl der Mühe werth sein mußte, wenn es auch in noch so großer Demuth und Niedrigkeit geschätze.
(Fortsetzung folgt.) .V oefic nnd Prosa. Studenten (in einem DorfWirthshause einkehrend): Frau Wir!hln. hat Sie gut' Bier und Wem? Wo hat Sie Ihr schönes Töchterlein?" -Wirthin: Bier hamma koans; d' Nanni thuat d' Säu futtern!" lngestört. Schwätzer: Sie würdigen alle meine Ausführungen keiner Antwort, Herr Professor. Ich erscheine Ihnen wahrscheinlich als lästiger Besucher, der Sie blos in Ihrer Gedankenarbeit stört!" G e l e h r t e r : O nein, keineswegs! Sprechen Sie nur ungenirt immer weiter, ich höre ja gar nich! zu!" . Gegendienste auf der Selrundarbahn. Passagier (ärgerlich zum Zugführer): Nun, haben Sie eine halbe Stunde mit den Bauern gezecht, das sind ja sonderbare Zustände." Zugführer: Sagen Sie das nicht, lieber Herr, wenn ich die Bauern im Zechen stören wollte, dann würden sie bei der nächsten Station nicht aussteigen und schieben helfen!" (Bin Schuldloser. Heuer ist's aber schon arg mit dem Wassermangel! Futternoth überall. kein Feuer können s' nit löschen, sogar die Schifffahrt haben s' stellenweiI einstellen müssen, weil s' kein Wasser nit haben. Da bin i froh, daß i nit Schuld daran bin, indem i kein Wasser nit trink!" StandesgckNkl. Eben 'nein Civilisten auf 'n Fuß getreten." Entschuldigte er sich.wenigsten.s?"
$1 (s "m a y 4 vJpn EU ; ,
Fast jeder von uns, so schreibt em deutscher Kinderfreund, ist schon in die Lage gekommen, Handlungen von Thieren kennen zu lernen, die für die Erhaltung des Einzelwesens oder der Art höchst zweckmäßig sind, deren Nützlichkeit den Thieren aber nicht bewußt sein tan. Wir bewundern in solchen Handluvgen den Naturtrieb (Instinkt), dem die Thiere folgen, und haben dabei oft das Gefühl, daß die Natur uns diesen Trieb nicht so tief eingepflanzt habe. Die meisten trösten sich jedoch recht bald in dem Gedanken, daß uns ja der Verstand, die bewußte Erkenntniß, den Mangel an Naturtrieb reichlich ersetze. Hierin liegt nun ein bedenklicher Irrthum. Bei allem berechtigten Selbstbewußtsein über die uns bescheirten Gaben niemals vermag uns der Verstand so sicher zu leiten, wie der Naturtrieb. Dieser ist leider vielen Erwachsenen durch falsche Gewöhnung verloren gegangen; ihn wiefoer zu erwecken, halte ich für eine schwierige Aufgabe, zu deren BeHandlung auch der gegebene Raum nicht ausreicht, aber ich will versuchen, dem aufwachsenden Geschlecht etwas mehr vom Naturtrieb zu retten. Vor allem bitte ich Eltern und Erzieher zu überlegen: Ist es selbstverständlich, daß der Mensch immer mehr auf den Naturtrieb verzichten muß, oder scheint es nur so, weil er sich redlich Mühe gibt, ihn schon tm Kinde zu unterdrücken? Ich meine, es ist gar nicht einzusehen, weshalb der Naturtrieb nicht neden dem Verstände bestehen und entwickelt werden könne. Daß dieser jenen ausschließe, ist durch nichts bewiesen. Im Gegentheil, der Verstand, vom Naturtrieb geleitet, fuhrt erst zu emem fruchtbaren Leben. Wie wir nun das Leben nur dadurch verlängern können, daß wir es nicht verkürzen, so vermögen wir den Naturtrieb nur dadurch zu entwickeln, daß wir ihn nicht ertödten. Damit beginnen wir aber, wie gesagt, recht früh. Wir münzen vor allem einsehen lernen, daß die große Zahl der kunstlich ernährten Kinder vom ersten Tage ab dem Naturtrieb entfremdet werden. Hier kann nur Wandel geschaffen werden durch stete Aufklärung der Frauen und Mädchen über naturgemäße Lebensweise. Doch soweit die Kinder nicht unter der künstlichen Ernährung zu leiden haben, droht ihnen früher oder später ein ähnlicher Zwang. Wer hat nicht schon in irgend einer Familie die Worte gehört: Artige Kinder essen alles". Die Eltern wähnen, ein Kind sei eigensinnig, wenn es zuweilen eine Speise zurückweist,- und der Eigensinn müsse gebrochen werden; reiße der Ungehorsam erst einmal ein, so sei ihmn das Szepter entwunden. Ich will nicht den Auftritt schildern, der sich in solchem Falle abspielt, wenn das Kind trotzt; nur darauf hinweisen möchte ich, daß es eine ganze Reihe von Gründen gibt, die ein Kind widerwillig gegen eine bestimmte Speise oder gegen jede Nahrungsaufnahme machen können. Ich will nur ein paar häufige Gründe anführen: Eine bestimmte Speise kann unangenehme Riechstoffe (Kohl) enthalten, an die sich der Erwachsene .gewöhnt hat, oder sie kann Nahrungsstoffe enthalten, für die das Kind noch keine Verdauungssäfte besitzt. Speisen dieser Art müssenGährung mit Säurebildung hervorrufen zMisbildung und andereVerdauungsbeschwerden treten ein. Manchmal macht der Magen kurzen Prozeß und erbricht die Speise. Wohl dem Kinde, daß so kräftige Nerven hat, den Anschlag auf seinen Körper abzuwehren; besser ist aber das Kind daran, das gar nicht zu solcher BeWeisführung für den erlittenen Schaden genöthigt wird. Glaubt man, daß ein zufälliger Beigeschmack oder Beigeruch schuld ist an dem Widerwillen des Kindes, so setze man ihm natürlich dieselbe Speise ein andermal wieder vor, aber zwinge eS auch dann nicht, mehr als ein 5stHäppchen zu genießen. Recht oft verweigert ein Kind, die Nahrung, weil es noch satt ist, indem es hinter dem Rücken der Eltern etwas zugesteckt erhalten oder bei der vorhergegangenen Mahlzeit zuviel dertilgt hat. Kann hier von einer Schuld des Kindes die Rede sein, so ist es wohl gestrast genug, wenn es außer der Zeit nichts als trockenes Brot erhält. Schließlich sei noch erwähnt, daß auch eine Gemüthsbewegung Anlaß zur Verweigerung der Nahrung sein kann. Wir Erwachsene können zuweilen trotz aller Schulung, einer Erregung nicht genügend Herr werden und lassen dann die Speisen fast un-. berührt; wollen wir dem Kinde dies nicht gestatten, das doch ebenso heftiger Erregung fähig ist, aber nicht gelernt hat, sie zu zügeln? Was immer der Anlaß zu einer Nahrungsverweigerung sei, man sei sich stets bewußt, es geschieht n'chts in der Welt ohne Ursache. Und wie ein Anhänger des Naturheilverfahrens es immer thun sollte, er erforsche die Ursache und beseitige sie so gut wie möglich, bekämpfe aber nicht das Anzeichen einer Krankheit. Er bedenke, daß die Weigerung einem inneren Gebot, dem Naturtriebe, entspringt; befiehlt der Erzieher dem Kinde zu essen, so setzt er dem inneren Cebote ein äuItxtZ gegenüber. -
Artige Kinder essen alles !
