Indiana Tribüne, Volume 28, Number 312, Indianapolis, Marion County, 24 August 1905 — Page 6

1

V 3nMstna..Srl6fttte-..25CTiiöust,istos,, Jndiana Tribüne, Lt. August 1903 G

Warum nicht ft & ' 0 d .x v sparen beim Einkaufe Ihrer ÖM . . . .und. . , . chpiche ... .sowie. ... ....Garland Oefen ... und RangeStM WILLIG'S ...Möbel'Handlnsg... 141 West Washington Sttalt Wie Perfcet Gas Range wird zum Koftenpreise verkauft, abgeliefert und ausgestellt ohne Uniosten. Der sparsamste Ofen für KunftgaS. Sprechen Sie bor und sehen Eie dieselben ira Gebrauch. THE lliDiAIIAPOLIS GAS CO., 49 S. Pennsylvania Str. tjy m ry Jf Große y Auswahl von Jsmm. ( und .'.MWM. Jx&. Diener, No. 449 Ost Washington Str. G. HtU Osfl: 3333 Bk. Senate ve. NeueS Televbsn 6485. !fl$Urt 1833, nimmt jederzeU Snzage mit rntgszen. Irgendwelche Orcheftn Slafj und tagend eine Anzahl von VKtZUett fairt geliefert. Neue AuSftktttung und neu lküferwen. Sk. . Miller, Dtrector. Henry Sprengpfeil, SeschäZtifKhr. 1103 Madison Aoenue. Telexhon 9 9 9 9 Neu 9696. Aerzte. Dr. J. A. Suteliffe, Wnnd-Arzt, KrIch!tchts.,Urin. nnlAzctniT Krankheiten. OZsttt : 155 Oft Market Str. Tel. ö4) ff : il, 13 U5r .: 211140)1. Dr. Carl Q. Winter Deutscher Tlrzt. ktaStlt 3e akute und chronische ran! fetten. SeöurtLhülfeSxeMitöt. Ossiee: 14 West Ohio Ctt. mutifii: 10 H sr. 0fKt3ll L. di). Hta 4t. oymlnz:iu Rabttea d rvrtSNund : t tt . Stags : k Stach, rsohnuvz tlephon, l Tit. 10&51 Ka,ttU Dichann K (Drabhorn, ..?aviU!e vo fet8Mf Schau - frästen, Olaf Lsdentische und Cigarren-Tisch'. C22 Oft Washwgto Otrhe. AUolatl 1U.

M

)m siii

VS&A

;

Kilj

II III

11

1! '

Europäische Nachrichten.

Wayern. München. Vor einiger Zeit kippte bei einer Uebung des Eisenbahnbataillons aus dem Pionier-Uebungs-platz unterhalb derBogenhäuser Brücke gelegentlich des Jochschlagens ein Ponton um. Vier Mann fielen in's Wasser, wovon drei sofort gerettet werden konnten. Dagegen verschwand der vi:rte Pionier Michael Henke der 1. Compagnie des Eisenbahnbataillons in den Wellen. Kürzlich waren es 25 Jahre, daß dem Musikdirigenten Georg Walter im 3. Fe!dartillerie-Ne-giment definitiv die Leitung einer Militärkapelle übertragen wurde. Ans b ach. Der Gesangverein Frohsinn beging dieser Tage sein goldenes Jubiläum mit größeren Festlichleiten, deren Glanzpunkt das Festconcert des Jubelvereins unter Mitwirkirna, der Kapelle des 2. Ulanen - Negiments bildete. B a m b e r g. Bei Einfahrt eines von Nürnberg kommenden GuterzugeZ stürzte der verheiratete Bremser Pfleger von seinem Bremssitz herab und gericth unter die Räder des Zuges. Dem Bedauerenswerthen wurden beide Beine und der linke Arm total abgefahren. Im hiesigen Krankenhause ist er alsbald seinen Verletzungen erlegen. F o r ch h e i m. Der Senior der hiesigen Lehrerschaft Lehrer M. L. Kleemann und dessen Gattin Amalie feierten dieser Tage das Fest der goldenen Hochzeit. H ö ch st a d t. Vom Geliebten ermordet wurde die 19jährige Margarete Geier in der Aisch von Fischern gefunden. - Das Mädchen war von 'seinem Geliebten, dem gleichalterigen Musikerssohn Thomas Ammon von Adelsdorf mißhandelt und schließlich in den Fluß geworfen, wo es ertrank. Kupferberg. Eine rohe Blutthat hat der 22jährige Bauernbursche Matthias Haueis hier verübt. Wegen Rauflust aus einer Wirthschaft hinausgeworfen, eilte er heim, holte das Jagdgewehr seines Vaters und schoß dann im Hausgange der Wirthschaft den verheirateten Maschinenheizer Wolf, mit dem er gestritten hatte, nieder. In die Stirne getroffen, fiel Wolf todt zu Boden, worauf der Mordbube auf sich selber einen Schuß abgab, der ihn aber ' nur leicht am Oberarm verletzte. Nürnberg. Der erst kurze Zeit verheirathete 29 JaHre alte Handelsmann Sengensberger hat sich in seiner Wohnung erschossen. Laut einem hinterlassenen Briefe verübte er die That, weil seine junge Frau mit einem jungen Arbeiter flüchtig ging und seitdem spurlos verschwunden ist. Petershausen. Letztens wurde eine Frauensperson Namens Kath. Eigner aus München, welche zwischen Esterhofen und hier auf dem Bahndamm ging, von einem Zuge beifeite geschleudert. Sie erlitt eine Verrenkung des linken Armes und wvrde in das Krankenhaus nach Dachau verbracht. Es scheint eigenes Verschulden vorzuliegen. Wiesendorf. Hier ist kürzlich durch ausfliegende Funken einer Lokomotive ein großer Waldbrand entstanden; die verwüstete Fläche beträgt 75 Tagwerk. Württemberg. Stuttgart. Vor einiger Zeit hat sich im Bahnhofabort der 25 Jahre alte Schreiner Christian Metzger durch einen Revolverschuß in den Kopf entleibt. Der Leichnam wurde mittels Sanitätswagens nach dem Leichenhaus verbracht. Die hiesige Studentenschaft beabsichtigt, den vor Jahresfrist verstorbenen Rektor der Technischen Hochschule, Prof. Karl Weitbrecht, durch Errichtung eines Grabdenkmals besonders zu ehren. Nach kurzem Leiden ist General der Jnfanterie z. D. Wölckern, der von 1890 bis 1895 commandirender General des württembergischen Armeecorps war, 75 Jahre alt gestorben. Alt dorf. Das Dunkel, das bisher über den 5 Brandstiftungen im Hause des Flaschners Harsch schwebte, hat sich gelichtet. Die 11jährige Tochter des Besitzers hat sich endlich als Thäterin bekannt. Sie hatte bereits eine weitere Brandstiftung vorbereitet. B ö b l i n g e n. Bei der Ausfahrt eines Güterzuges von hier nach Ehningen wollte ein Bremser einen Güterwagen übersteigen, wahrscheinlich um an seinen richtigen Standort zu kommen. Er wurde jedoch, von der Dagersheimer Ueberführungsbrücke erfaßt und derart herabgeschleudert, daß der Tod sofort eintrat. Der Verunglückte heißt Helwig, - wohnt in StuttgartOstheim und hinterläßt eine Wittwe mit mehreren Kindern. D e t t e'n h a u s e n. Die 71 Jahre alte Wittwe Schmid wollte ihr Mittagessen bereiten, dabei fingen ihre Kleider Feuer und die , Frau trug so schwere Brandwunden davon, irnß sie bald darauf starb. . S ch cr n d o r f. Letztens wurde der schon bejahrte ehemalige Fabrikbesitzer Volz von hier, der unter Vormundschaft stand, in seiner Behausung erhängt aufgefunden. Tübingen. Der verdiente fruhere Universitätsprofessor Dr. Otto v. Franklin ist nach längerem Leiden gestorben. Nach einer 31jährigen erfolg-

reichen Thätigkeit an der hiesigen Umversität als Lehrer des deutschen Privatrechts. des Handels- und des Wech-

selrechts ist Franklin im Herbst v. I. in den Ruhestand getreten. W a i b l i n g e n. Kürzlich wurde der schon längere Zeit vermißte Fuhrmann Hlatzki von Neugadt aus der Rems gezogen. Die Leiche war schon von Fischen angefressen. 'Waden. Karlsruhe. Der 46 Jahre alte Kaufmann Meier Herz ausBruchsal, wohnhaft in Graben, der sich wegen Hpressungsversuchs vor der hiesigen Strafkammer vemntworten sollte, hat sich vor der Vorführung durch den Gendarm erschossen. A a ch. Hauptlehrer F. Lenzinger beging bei großer Betheiligung seitens der Gemeindebehörden, der Bürgerschaft, fowie der College von Nah und Fern sein 50jähriges Dienstjubiläum. Baden - Baden. Operbürgermeisier Gönnen konnte auf eine 30jährige Thätigkeit als Oberbürgermeister zurückblicken. D e r t i n g e n. Dieser Tage wurde hier Kirchengemeinderath Kilian Strauß unter großer Theilnahme der Einwohnerschaft zu Grabe getragen. Derselbe kam kürzlich, als er vom Felde heimfuhr, unter den Pflug und wurde von demVieh zu Tode geschleift. Strauß bekleidete 16 Jahre das Amt eines Kirchengemeinderaths. Friedrichsfeld. Durch drei Messerstiche wurde in der hiesigen Steinzeugwaarcnfabrik der Taglöhner Thomas Moser schwer verletzt. Der Thäter, Fabrikarbeiter Bartolomäus Finster von Großschönbrunn, wurde durch die Gendarmerie von Mannheim verhaftet und eingeliefert. Heidelberg. Im hiesigen Amtsgerichtsgesängniß hat sich der von der Strafkammer wegen Verleitung zum Meineid zu einem Jahr Zuchthaus verurteilte Taglöhner Merz erhängt. K o n st a n z. Vor kurzem veninglückte hier der 63jährige Taglöhner Arbogast Beyerer. Er wollte an einem Hause in Oberen Laube Reben be festigen; die Leiter brach und Beyerer stürzte rückwärts herab. In bewußtlosem Zustande wurde er in's Krankenhaus verbracht, wo der Tod alsbald eintrat. Mannheim. Unlängst erschoß sich in einem Hause in der Nähe des Panoramas der seit einiger Zeit nach Unterschlagung von 60,000 Mark flüchtig gegangene Prokurist des Brauhauses Wllrzburg", Ludwig Schmitt. Oftersheim. In eine Kalkgrübe fiel das 4 Jahre alte Kind der Wittwe Franz Rauchholz, wodurch das bedauernswerthe Kind beide Unterschenke! verbrannte. Pforzheim. Kürzlich wurde im Gießereiraum der Metallschlauchfabrik G. m. b. H. vorm. Witzernmann der 32jährige Hilfsarbeiter F. Pfeil erstickt aufgefunden. S e e l b a ch. Letztens wollte der Polizeidiener Roth seinen Revolver entladen; dabei wurde er durch einen Schuß verwundet. Es trat Mundstarre ein, die den Tod herbeiführte. Älöernpfarz. Bad Dürkheim. In dem Anwefen der Winzer Philipp und 'Fritz Bley brach ein Feuer aus, das unHeimlich rasch um sich griff, sodaß nach wenigen Augenblicken 2 Schuppen, Scheuer, Stall und Wohnhaus in Flammen standen. Diedesfeld. Beim Baden ist der noch nicht 23 Jahre alte MetzcArge, selle Jean Gunzelmann von hier im Rhein bei Rheindllrkheim unterhalb von Worms ertrunken. Gunzelmann war, nachdem er vor kurzem seine Militärzeit beendet hatte, erst kurze Zeit in Rheindürkheim in Stellung. Er badete mit etwa zwanzig jungen Leuten zusammen und blieb plötzlich verschwunden. Kirchheimboland. Ingenieur Karl Gelbert vom hiesigen Eisenwerk hat sich im Walde am BlechHammer erschossen. Wie aus einer bei ihm gefundenen Karte hervorgeht, geschah die That aus Furcht vor Geisteskrankheit. Gelbert war 29 Jahre alt, noch ledig und ein tüchtiger Mensch. Seit einiger Zeit zeigte er Spuren von Trübsinn. An seine Angehörigen er ist der Sohn des M'öbelfabrikanten Gelbert hinterläßt er einen großen, versiegelten Brief. Kaiserslautern. Ein größeres Schadenfeuer äscherte die auf dem Morlauterer Berge gelegene Seilerei von Heinrich Moser auf eine Länge von etwa 100 Metern vollständig ein. Werkstatt und Lager, worin sich beträchtliche Vorräthe befanden, konnten gerettet werden. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Ludwigshafen. Durch eine Explosion schwer verletzt wurde der in der Fabrik von Giulini in Mundenheim beschäftigte verheirathete Arbeiter Johann Probster von hier. Probstcr ist bald darauf seinen Verletzungen erlegen. P i r m a s e n s. Kürzlich brach in der Schuhnäherei Jak. Sperling in der Schillerstraße Feuer aus. das, durch die dort lagernden Materialien genährt, in kurzer Zeit die Fabrik und das Wohngebäude zerstörte. Entstehungsursache unbekannt. Der sehr beträchtliche Schaden an Material, Schuhen und Maschinen, sowie das Haus ist durch Versicherung gedeckt.

Zvie Zrau Sekretär Sämmlein m . m . m

Mtln zMurrvan l:am. Von Thusnelda Wolss-Kettner. Die ganze Stadt wußte, daß Frau Aurelie, obwohl sie vor fünfzehn Iahren an ihrem Hochzeitstage ein Lämmlein wurde, durchaus nichts von diesen sanften Thierchen an sich, hatte. Der gute Christobald Lämmlein nannte seine schönere Hälfte sogar schlechtweg alter Drachen" freilich nur, wenn er allein mit sich selbst war! Zu allem Unglück war Christobald ein leidlich hübscher, sehr lebenslustiger Mann. Letzteres jedoch nur, wenn Frau Aurelie nicht in der Nähe. war. Ihre Eifersucht kannte daher keine Grenzen. Sie öffnete alle feine Briefe, durchstöberte seine Taschen, besaß einen Nächschlüssel zu feinem Schreibtisch und holte ihn allabendlich zum stillen Gaudium seiner Kollegen am Direktionsgebäude ab. Als sie eines schönen Tages, während er ahnungslos sein Mittagsschläfchen hielt, in seiner Manteltasche die Hundert Abenteuer Casanovas." entdeckte, die irgend ein' alter Sünder zum Schabernack da hinein geschmuggelt hatte, verfiel sie fast in Tobsucht. - Sie that dem guten Lämmlein aber entschieden unrecht. Er war treu wie Gold, schon aus Angst vor dem Pantoffel seiner Gestrengen. Dafür hatte er eine andere Untugend: er war eitel. Und zwar so sehr, daß sein sich stark lichtendes Haupthaar ihm schlaflose Nächte verursachte. Mitten in diesem Jammer schickte der Himmel ihm Trost und Hilfe. Eines Tages fand er unter seinen Postsachen ein Rcklameschriftchen Haut- und Haarpflege", zum Heile der Menschheit in die Welt gesandt von irgend einer großen Parfümerie mit Hoslieserantentitel. Heller Sonnenschein lag nach der Lektüre des Kapitels Haarpflege" auf Lämmleins hoher Denkerstirn. Das war ja eine Antwort von den Sternen auf sein schmerzliches Warum?" Nach Schluß der Bureaustunde rannte er spornstreichs zur Herzdrogerie und kaufte ein Topften einer wunderwirkenden Mixtur, die allen, welche Zuflucht zu ihrer Heilkraft nahmen, versprach, auf der hoffnungslosesten Glatze eine Haarwildniß ü. In Ignatz Paderewski hervorzuzaubern. Aber o weh! Als Christobald das Himmelsgeschenk in Händen hielt, sah er mit Schrecken, daß dessen porzellanene Hülle in erhabener Schrift die Angade des Inhalts zeigte. Was nun? Wenn Frau Aurelie das las?! Und wenn sie erfuhr, daß er baare fünf Mark verschwendet hatte, um seiner Eitelkeit zu fröhnen?! Er kannte sie genau. Sie würde ihn zwingen, die köstliche Mixtur zurückzutragen und sich das Geld herausgeben zu lassen. Wie wenn er tas ominöse Töpfchen vor ihren Späherblicken versteckte? Aber wohin? Es gab keinen Winkel, den seine holde Aurelie nicht ergründet hätte! Mitten in diesem Dilemma jauchzte er: Heureka!" Er brauchte die Mixtur ja nur in irgend ein harmloses Gefäß umzufüllen! Vorsichtig wickelte er den kostbaren Schatz in sein Taschentuch und schmuggelte ihn so in's Haus. Während Frau Aurelie in der Küche mit den Bratpfannen rasselte, begab er sich schleunigst an's Werk. Im Arzneischränkchen entdeckte er drei leere Vaselinschachteln, die er im Nu mit der weißen, unschuldig aussehenden Pomade füllte. Am Nachmittag inspizirte Frau Aurelie seinen Schreibtisch und fand das Neklameschriftchcn, das er mit heimgenommen hatte, um die GebrauchsanWeisung zu studiren. Als sie an das Kapitel Gesichtsmassage" kam, wurde sie sehr nachdenklich. Ob sie das nicht mal versuchen sollte? Zumal es doch fast nichts kostete! Nur ein bißchen Vafeiine war nothwendig. Im Banne dieses Gedankens ging sie zum Spiegel und unterzog jeden Zug ihres Gesichts einer gründlichen Prüfung. Mit ihrem tiefschwarzen wclligen Haar, ihrem gesunden brünetten Teint und ihren großen dunklen Augen war sie trotz der 35 Jahre noch recht hübsch. Aber aber! Zwischen den dunklen Braue nisteten ein paar nichtswürdige Fältchen und rechts und links von der Nase zogen sich scharfe Linien bis zu den Mundwinkeln hinab! Sie würde mindesiens" zehn Jahre jtnger aussehen, wenn diese schrecklichen Fältchen nicht wären! Und die Gesichtsmassage versprach gründliche Abhilfe! War es ihr zu verdenken, daß in ihrer Seele erst der Wunsch inu dann der Entschluß erwachte, ihr holdes Antlitz einer Massagekur zu unterziehen? Wo der Wille ist, da ist auch die That. Sofort ging sie zum Arzneischränkchen um zu schauen, ob noch Vaseline vorräthig sei. Drei Schachteln standen da! Das traf sich ja gut. Unverzüglich ging sie an's Werk. Ein paar Wochen gingen langsam hin. Weil Alles in diesem Jammerthal einmal ein Ende hat, wurde auch der Inhalt der Vaselineschachteln allmählich alle; und zwar, ohne daß der eine von des anderen stiller Theilhaberschaft etwas gemerkt hätte Mit Spannung, Hoffnung und Bangen beobachteten beide die Wirkung ihrer Kur. Und da machte Frau Aurelie eine höchst merkwürdige Ent-

deckung. Allerdings, die unangenehmen Fältchen begannen sich zu glätten, aber o Graus! über ihrer Oberlippe zeigte sich ein dunkler Schatten, der von Tag zu Tag dunkler wurde und Anstalt machte, zu einem flotten Schnurrbärtchen auszuwachsen! Es war traurig! Die einst so hübsche Frau Aurelie erinnerte nun in ihrem . Aeußeren stark an einen bärbeißigen Korporal. Christobald Lämmlein merkte nichts davon, so sehr war er mit seinem lieben Ich beschäftigt. Denn o Wonne! die Mixtur begann zu wirken! Hier und da an lichten Stellen sproßten bereits ein paar Härtern.. Eines Tages schmuggelte das eitle Lämmlein auf dem bereits bekannten Wege das zweite Töpschen der köstlichen Mixtur in's Haus und füllte sie in die bewußten Schachteln. Als dann Frau Aurelie Nachmittags den letzten Rest der Vaseline" zusammenkratzen wollte, um die gewohnte Massage vorzunehmen, war sie starr vor Staunen, die Schachteln gefüllt zu fmden. Wie, wenn Christobald etwas von ihrer Massagekur gemerkt hätte und sie auf diesem Wege verhöhnen wollte?! Schlecht genug war er dazu! Ein Mann, der Casanovas Abenteuer in der Tasche herumschleppt, ist zu Allem fähig! Ahnungslos kam Christobald Lämmlein Abends nach Hause; doch seine schuldbeladene Seele begann zu zittern, als er seine Gestrenge mit unheilverkündender Miene kerzengrade auf dem Sofa sitzen sah. Jetzt erst bemerkte der Unglückliche, daß Frau Aurelie aussah wie ein grimmiger Korporal, obendrein wie einer, der im Begriff steht, bem dämlichsten Rekruten des ganzenRegiments die Kriegsartikel vorzulesen. Komm mal her, Christobald!" commandirte sie dumpf. Christobald, gestehe die Wahrheit! Was ist das mit den Vaselinschachteln?" - Ihre Stimme klang wie fernes, an schwellendes Gewittergrollen. ' Er sah tut, daß es am besten sei, sofort mit der ganzen Wahrheit herauszurücken. Und so bekannte er ihr stockend und stammelnd das Geheimniß der drei Vaselinschachteln. Frau Aurelie stierte ihn mit verglasten Augen an, stieß einen Schrei aus und sank ohnmächtig in eine Sofaecke. Christobald Lämmlein, dem der Angstschweiß auf der Stirn perlte, gab sich die größte Mühe, sie in's Bewußtsein zurückzurufen, was ihm schließlich zu seinem eigenen Schaden gelang. Es ist besser, wenn über die nun folgende Szene der Mantel der Nächstcnliebe herabsinkt. Frau Aurelie hat sich inzwischen mit wahrer Seelengröße in ihr Geschick ergeben, seit sie einmal in irgend einem Roman gelesen, daß der dunkle Schatten auf der Oberlippe einer schönen Frau ein ganz besonderer Reiz sei. Wenn sie aber träumt, sie habe damals die Gesichtsmassage auch auf ihr Kinn erstreckt, fährt sie allemal mit gellendem Schrei aus diesem grauenhaften Traum empor. Der besagte dunkle Schatten ist das Neidobjekt sämmtlicher Primaner der kleinen Stadt, die das Schicksal stumm befragen, warum es Frau Aurelie so viel gab und ihnen nichts.

Gackern Sie!" Choate. der frühere amerikanisckie Botschafter in London, ist bekanntlich ein unverwüstlicher Witzbold. Auf einem Banket, das dem heimgekehrten Diplomaten zu Ehren veranstaltet wurde, erzählte Senator Chauncey Depew die folgende hübsche Geschichte: Herr Choate befand sich als Gast auf einem englischen Herrensitz. Eines Morgens hatte seine Tischnachöarn beim Frühstück, eine junge Dame, das Unglück, daß das Ei, das sie gerade auslöffeln wollte, ihren Händen entglitt. Mit verlegenem Lächeln wandte sie sich an den Botschafter mit den Worten: O Herr Choate, was . soll ich thun, ich habe ein Ei fallen lassen." Und mit dem ernstesten Gesicht von der Welt antwortete Choate: Gackern Sie, mein Fräulein, gackern Sie!" Originelle Familiennamen Eine Blüthenlese aus der von einem königlichenArchivdirektordes sächsischen Staatsarchivs angelegten Sammlung kurioser Familiennamen zeigt, daß man in früheren Jahrhunderten wegen anstößiger, derber Namen sehr wenig empfindlich war. Wir greifen nur die folgenden heraus: Jakobus Bierbauch, Rathmeister in Artern (1521); Georg Eierkuchen; Joachim Gernearoß, Rathsherr; Claus Hasenkerl (1553); Jakob Hundebiß, kurfürstlicher Rath in Dresden (1699); Hans Irrwisch, Baumeister; Hans Kather in Weißenfels (1518); Christoph Kitzkatz in Nebra (1544); Dr. Kuhhorn (1502); Dietrich Kuchenschwein in Halle (1470); Hans Narre in Gotha (1566); Velton Ochsenkopf in Sangerhausen (1611) Jakob Vlaseholz; Herbert Plätteisen (1567); Lorenz Schweinigel tn Weißenfels (1561); Hans Schweinerüssel (1508); Lorenz Sautrog in Weißensee (1556); Jakob Schafkopf in Halle a. S., Rathsmann (1482); Mathes Unflat (1565) etc. -

Günstig.

JCr fx?

Frau: Du Liederjahn, kommst wieder erst am frühen Morgen nach Hause? Jetzt ist das Maß voll!" Mann: Paßt mir gerade, ich hab' immer noch Durscht!" Er klart. Ich finde, der Rath und die Räthin haben sehr gute Erziehungsgrundsätze zum Beispiel streiten sie nie bor den Kindern, sondern schicken sie immer zuerst fort." Jetzt weiß ich, weshalb ihre Kinder den ganzen Tag auf der Straße sind." Ter Pantoffelheld. . . . Weshalb haben Sie sich eigen! lich ein Telephon machen lassen?" Damit ich meiner Frau auch einmal die Meinung sagen kann!" Gelungene Ausrede. Richter: Was bezweckten Sie damit, daß Sie mit Ihren Kneipgenosien in fast allen Straßen friedlichen Bürgern die Fenster einwarfen?" Student: Wir wollten dem Glaserkongreß, der am andere Tag in unserer Stadt zusammentrat, eine Aufmerksamkeit erweisen." Gcmüthvoll. Ach. Eduard, weil Du schon da unten hängst pflück mir doch das Edelweiß dort neben Dir!" Warme Empfehlung. Kunde: Ist denn Ihr Mittel gegen die Schwaben auch wirklich sicher? Wirkt es? VerkäFer: Ich kann Jhnen nur sagen, wenn Sie das auf den Markt in Stuttgart streuen, stirbt die ganze Stadt aus. Schlechtes Gewissen. f t-T . . . Weißt Du auch, mein Junge, auf was man beim Angeln am meisien aufpassen muß?" O ja auf den Gendarm!" Beruhigend. Das Vermögen der jungen Wittwe, die Sie mir da empfehlen, wäre ja durchaus Passend, die Dame soll aber sehr jähzornig sein und ihrem Seligen oft genug in den Haaren gelegen haben." Aber i' bitt' Sie, in a paar Jahren haben's so wie so a Glatz'n!" SichereProbe. A.: Wenn ich nur erfahren könnte, ob mich meine angebetete Lcmra wirklich liebt?!" B.: Das ijt ganz einfach. Setze Dich beim nächsten Ball unter den großen Spiegel und paß genau aus: Wenn Deine Angebetete zuerst Dich ansieht und dann erst in den Spiegel schaut, dann hat sie Dich sicher lieb!"

yrmi

M 11 PP ' ,! ? Kf?&'SP'Z V ''!''' '.' r i J X. -77 -7v 5 --r -f a U , j-m M? 1 J h WjYßWy N KL k-M '' v ' Kri'v?' ff""Vy""r3 ' ( S W jiiSn'd "ijtei &fe'J

M v j 4 mm 2r f-tf.JWiiTO fi i

w

1

v i i j V t 0 h ' .1 ! ' Ä ' w fc V. I: r r ,i r . i I ; W.

l

s: -