Indiana Tribüne, Volume 28, Number 311, Indianapolis, Marion County, 23 August 1905 — Page 6

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Plpln MagnuS' Vrautverbunz.

Humoreske von Heinrich Tiaden. ES ist ja nun eine ziemlich lange Zeit her aber wenn ich mich an so manche Einzelheit erinnere, so komme ich noch heute zu dem Resultat, daß meine erste Liebe eine sehr große gewesen sein muß. Und wenn ich an die Größe des Jammers zurückdenke, den ich damals empfand, daß mein Liebesglück in Trümmer ging, so muß ich annehmen, daß meine Liebe in der That ganz außerordentlich war. . Lilli hieß ste und wohnte mir gegenÜber. Lange bedor ich das erste Wort mit ihr gesprochen, liebte ich sie heiß und feurig. Wie oft beobachtete ich sie von dem Fenster meines bescheidenen Studentenstübchcns aus. Stundenlang konnte ich hinter meiner Gardine hocken und mit blödsinnig verzückten Augen hinüberstarren. Ich konnte beobachtn, wie sie in der Küche thätig war oder im Laden ihres Vaters, der ein Kappenmacher war, oder wenn sie xpM Milli spielte und sie küßte ach, wie leidenschaftlich beneidete ich Milli cb dieser Küsse, und wie sehr wünschte ich, Milli zu sein, um die Wonne dieser Küsse genießen zu können apropos, Milli war ein kleines, allerliebstes, kraushaariges Schooßhündchen. Endlich erfüllt: sich mein heißester Herzenswunsch, das ersehnte Ziel aU ler meiner Träume, im Wachen wie im Schlafe ich lernte Lilli kennen, sprach mit ihr. Ein komischer Zufall führte das herbei. Eines Tages bemerkte ich von meinem Fenster aus, wie Lilli, die gerade die Straße herabkam, von einem Hunde angefallen wurde. Ich fühlte, meine Stunde war gekommen. Ich ergriff etwas eine Kohlenschaufel, glaube ich und stürzte die Treppe hinab. Wie ein Berserker warf ich mich auf den Angreifer.

memer holden Ltlli ach, der arme Hund! er bekam, als er meiner ansichtig wurde, einen so furchtbaren Schreck, daß er heulend auskratzte. Mehrere Passanten lachten, Fenster wurden aufgerissen, ein Weib schrie um Hilfe es dachte, ich wollte Lilli todtschlagen. Doch was kümmerte mich alles! Ich durfte Lilli bis zu ihrer Hausthür begleiten und wurde mit einem Händedruck beglückt. Den Nest dieses Tages und die Nacht verbracht ich in halber Verzückung. Doch fcev .lächste Tag sollte noch ganz andere Dinge bringen. An diefern Tage, Nachmittags, machte ich eiuen Spaziergang natürlich allein, um ungestört von meinem Glück träumen zu können. Und siehe da! Wie ich so stillvergnügt den einsamen Pfad zur Löwenbürg hinaufspaziere, höre ich ein wohlbekanntes Bellen ich blicke auf ein freudiger Schreck zuckt mir durch die Glieder Wahrhaftig, sie war es, Lilli, mit der 'unvermeidlichen Milli! Ich trat auf die beiden zu. Sie lächelte und Milli knurrte mich an. Nachdem letziere mich sorgfältig berochen hatte, während ich Lilli begrüßte, gingen wir nebeneinander her. Lilli erzählte mir. daß sie oft zur Löwenburg ginge, um Kaffee zu trinken. Nun, heute tranken wir gemeinsam Kaffee; wir saßen in einem gemüthlichen Stübchen allein; sie war sehr munter und ich schwamm in einem Meer von Wonne. Doch das konnte den Gang des Schicksals nicht aufhalten: wir vertrauten uns, wir gefielen uns, und wir sagten es uns. Lilli weinte an meinem Herzen vor Rührung und ich laste vor Wonne. Doch ich sollte mein Glück nicht lange ungetrübt genießen ich erfuhr, daß ich einen Nebenbuhler habe, nämlich in Gestalt des Herrn Kringel, des ersten Gehilfen ihres Vaters. Ich kannte den kleinen Mann mit dem runden philisterhaften Vollmondsgesicht sehr gut und schwur einen heiligen Eid, diesen Mann aus der Nähe Lilli's zu entfernen. Aber wie? Ich wandte mich an Schnook, meinen Studiensreund und Stubennachbar. Dieser war ein Teufelskerl und wußte in allen Dingen Rath. Er nahm sich meiner Affäre sofort mit Begeisterung an. Wir brüteten Pläne. Endlich hatten wir einen. Schnook ging von der sehr richtigen Ansicht aus, daß man vor allen Dingen das Ansehen und das Vertrauen, das Herr Kringel bei seinem Chef genoß, untergraben müsse. Das leuchtete mir ein und der Plan, den er daraufhin entwarf, fand meine vollste Zustimmung. Am nächsten Samstag an diesem Tage half nämlich Herr Kringel regelmäßig bei der Bedienung der Ladenkundschaft folgte die Ausführung. Gegen Abend holte ich Schnook ab und wir begaben uns zum Laden des Herrn Knax. Richtig, der Vollmond des Herrn Kringel leuchtete hinter dem Ladentisch. Sonst war niemand anwesend. Schnook ging hinein, ich lauschte an der Thür, die nur angelehnt war. Guten Abend!Guten Abend, mein Herr! Womit kann ich dienen?" Ich hätte gerne ein Bandwurm mittels Ein Band ! Aber, mein Herr, Sie sind in einem Hutladen.Ach, das ist egal, wenn'S nur hilft.- ' .Aber hier gibt'S nur Hüte.mO, das macht nichts; weun Me

das Mittel erst anfertigen müssen, warte ich so lange." Und seelenruhig setzte der Schelm sich auf einen Stuhl. Kringel formte feine runden Wurstfinger zu ' einer Trompete und brüllte Schnook in die Ohren: Sie sind doch hier in einem Hutladen! So hören Sie doch in des Dreiteufelsnamen!" In demselben Augenblick wurde die Thür aufgerissen und Herr Knax stürzte in den Laden. Um Gotteswillen, was ist denn hier los?" Schnook stand auf. Ah. Sie sind wohl der Meiste? Knar?" Jawohl, mein Herr, der bin ich. Was steht zu Diensten?" Ich wünsche eine Mütze von der Art, wie ich sie hier trage, nur bessere Qualität. Kann ich die denn bei Jhnen nicht bekommen?" Aber gewiß, mein Herr! Bitte, einen Augenblick!" und mit einem geradezu vernichtenden Blick auf den armen Kringol, der nicht wußte, wie ihm geschah: Gehen Sie nur in die Werkstube!" Schnook bekam seine Mütze und wurde vom Meister hinauskomplimentirt. Draußen fiel ich ihm entzückt um den Hals und dann lachten wir so unbändig und endlos, bis wir beide außer Athem waren. An demselben Abend wollte ich, einer Absprache gemäß, Lilli in dem Garten ihres Vaters treffen. Dieser Garten lag hinter dem Hause und war mir Abends bei Dunkelheit, wenn in der rückfeits liegenden Straße alles still war, zugänglich' indem ich mich einfach über den niedrigen Zaun schwang. Sonst war mir dieses turnerische Kunststückchen nie schwer gefallen, doch an jenem Abend verursachte es mir einige Schwierigkeiten, denn ich war ziemlich illuminirt. Doch ich kam hinüber und zwar fiel ich ohne Weiteres und ohne Absicht Lilli zu Fllßen, die mich schon erwartete. Unter entsprechendem Aufwand von Spektakel. ungeachtet Lilli's Warnungen, erzählte ich ihr, daß der Feind unserer Liebe unschädlich gemacht worden sei. Sie freute sich sehr da stürzte Plötzlich der Himmel unseres Liebes glückes mit Donnergepolter zusammen. Vulgär gesprochen: aus dem Dunkel des Gartens tauchte Plötzlich dicht neben uns ein Mann auf Wir fuhren auseinander. Mein Vater!" stammelte sie. Heu Knax!" stotterte ich. Und dann ging's los.' Die Rede, die Herr Knax nun hielt, will ich aus verschiedenen Gründen nicht wiederholen. Ich muß gestehen, ich war verblüfft, sehr verblüfft. Erst langsam kam ich einigermaßen zur Besinnung und damit zu der albernen Meinung, daß nun auch ich verpflichtet sei, etwas zu sagen. Herr Knax - begann ich mit möglichster Festigkeit und trat einen Schritt zurück. Maul halten!" schrie Knax mich an und zwar mit einem Blick, der mich das Schlimmste befürchten ließ. Herr Knax. ich bitte um die Hand Ihrer Tochter!" Erst war es still, ganz still, dannhörte ich ein Lachen, zwar nur leifegedämpft, doch war eS mir, als hätte ich noch nie ein solches Lachen gehört: mir war, als hörte ich.tausend boshafte Teufel lachen, mit leifer, tückischer, heiserer Stimme. Und plötzlich ergriff mich der rohe Mensch bei den Schultern, irgend jemand ergriff mich von hinten, ohne daß ich es sah, wußte ich. daß es Kringel war , und ehe ich nur Piep sagen konnte, wurde ich in höchst elegantem Schwung über deu Zaun befördert, so daß ich drüben mit Inbrunst den Boden küßte. Die nun folgende Nacht war die zweite schlaflose meines Lebens. In den nächsten Tagen ging ich mitMordgedanken umher. Erst wollte ich mich umbringen, dann besann ich mich und verurtheilte Kringel zum Tode. Und ich besann mich abermals und beschloß, ihn leben zu lassen und ihn der Rache des Himmels zu überlassen. Und vier Wochen später, als ich hinter der Gardine lauerte, konnte ich beobachten, daß man drüben bei Knaxens sehr vergnügt.war. daß viel Wein getrunken und viel Hoch geschrieen wurde: Kringel und Lilli feierten ihre Verlobung.

Geht spazieren! Schillers Gedicht: Der Spaziergang" zeigt in überschwenglicher Weife, welche Wirkung ein Gang ins Freieauf des Menschen Gemüth auszuüben vermag. Da ist überall Genuß für die Sinne des Naturfreundes und Stoff zum Denken dazu. Durch Felder und Wiesen, durch Wälder und Auen, cn Dörfern vorüber, an belebten Wasserstraßen entlang führt der Weg. Augen und Ohren stets Neues bietend. . . . auf dem ebenen Strom gleiten die Flöße dahin, vielfach ertönt der Heerden Geläut im belebten Gefilde, Und den Widerhall weckt einsam des Hirten Gesang, Muntere Dörfer bekränzen ' den Strom usw. ufw.Mag Schiller hier auch nur für die Sinnesreize schwärmen, der Spaziergang bietet uns nebenher, neben der geistigen Erfrischung, körperliche Wobl- ' thaten. Außer' Augen und Ohren er

halten auch unsere übrigen Organe ihr Theil von solchem Spaziergange. Nicht nur unser Nervensystem, sondern vornehmlich Lunge und Herz, selbst 'der Magen ziehen Nutzen aus dieser Bewegung im Freien". Sonnenschein, frische Lust und Bewegung in derselben wirken ebenso mächtig auf unseren Organismus, wie die oftmals bestrickende Scenerie um uns her. Beide gehören aber zusammen, um den nöthigen Effekt hervorzurufen. Wer z. V. in Geschäften durch die Straßen eilt, ist in seinem seistiaen Leben bereits so in seinen Aufgaben vertieft, daß die Hirnzellen in emsiger Arbeit sich befinden und Unbedingt jenes heiteren Auöruhens entbehren, das für einen richtigen Spaziergang eine unerläßliche Vorbedingung ist. Ohne diese Ruhe kann ein Spaziergang niemals die Erquickung bringen, welche er bringen soll, und ohne welche er vergeben? unternommen ist. Wir dürfen den Spaziergang keineswegs als eine Arbeit betrachten, er soll vielmehr einen ausgleichenden Faktor bilden zwifchen Berufsarbeit und Erholung. Ein Spaziergaug ist sowohl für den, der körperlich in ungesunder Werkstattluft angestrengt war, eine Erholung, wie für den Kopfarbeiter, der vielleicht in sonst gesunder Luft sein Pensum abgewickelt hat.' Besonders wichtig aber sind Spaziergänge für diejenigen, die in Unthätigkeit und Langerweile ihre Zeit hinbringen. Die Gesundheit ist nicht feil für Müßigang und Unthätigkeit: die Organe erstarken nicht durch ruhiges Verhalten, sondern werden schwächer und weniger leistungsfähig. Wer daher seine Gesundheit durch Ruhe und Schonung erhalten und kräftigen will, der gleicht demjenigen, der durch Schweigen ein guter Redner werden will. Bewegung des ganzen Körpers ist darum für uns in gesunden Tagen und selbst des öfteren auch beiUnwohlsein nöthig, in manchen Krankheitsfällen ist sie eins unserer Hauptheilmittel. Man kann zwar die frische Luft, den Sonnenschein und alles das, was er beleuchtet, auch bei der passiven Bewegunz genießen, indem man sich in einem Wagen fahren oder in einem Boot fortrudern läßt, das Beste jedoch bleibt die aktive Bewegung des ganzen Körpers in frischer Lust, namentlich das Spazierengehen. Dasselbe ist ganz naturgemäß und am naturgemäßsten von allen Bewegungen. Bestätigend und mahnend sagt Hufeland in seiner Makrobiotik" hierzu: Man lasse keinen Tag hingehen, ohne außerhalb der Stadt freie, reine Luft genossen zu haben. Man sehe das Spazierengehen ja nicht bloß als Bewegung an, sondern als den Genuß der reinsten Lebensnahrung, welcher besonders Menschen, die sich mehr im Zimmer aufzuhalten Pflegen, ganz unentbehrlich .ist. Außer diesem Nutzen wird man noch den haben, daß man sich durch diesen täglichen Luftgenuß beständig in Fühlung mit der freien Natur erhält. Durch das Spazierengehen sichert man sich vor einem der größten Uebel der jetzigen Menschheit, der zu großen Empfindlichkeit gegen alle Eindrücke und Veränderungen 'der Witterung." In neuerer Zeit hat man zwar vielfach das Rudern und Radfahren" an die Stelle des Spazierengehens gefetzt, letzteres bleibt jedoch in gesundheitlicher und auch finanzieller Beziehung das empfehlungswerthere . Einmal erfordert das Spazierengehen keine besonderen Kenntnisse. Vorbereitungen und kostspieligen Hilfsmittel, zum andern verleitet es nicht so leicht zur Kräftevergeudung. Damit ist freilich nicht gesagt, daß man sich das Spazierengehen allzuleicht machen soll. Im Gegentheil die Wirkung desselben wird gesteigert, wenn man nicht bloß in der Ebene, sondern auch bergauf, bergab, wenn 'man nicht nur auf festem Boden, sondern auch durch struppiges Feld oder im tiefen Sand geht. In gesundheitlicher Beziehung ist das Spazierengehen von allen Kranken, welche die 'Kraft dazu haben, anwendbar, seine günstige Wirkung äußert sich bei fast jedem Leiden, ausgenommen Wunden und Geschwüre an den Beinen. Auch bei höherem Fieber gehe man nicht spazieren, ist der Kranke jedoch fieberfrei, so gibt es nichts Besseres, als leichte Bewegung in frischer Luft bei Sonnenschein. Die alten griechischen Aerzte hielten große Stücke auf das Spazierengehen im Sonnenschein, nicht nur Schwindsüchtige, auch Wassersüchtige mußten sich hiernach eine ihren Kräften angemessene, täglich sich steigernde Bewegung im Freien" machen. Bei Athemnoth und Asthma wurde langsames Spazierengehen angeordnet, welches man bis fast zur Ermüdung fortsetzte. Bei Podagra ging man trotz der Schmers zen, unterbrach dasselbe jedoch durch öfteres Sichhinsetzen. Bei Hüftweh war das Spazierengehen, namentlich das Bergsteigen und das Gehen im Sande gebräuchlich, dasselbe ist nebenher auch ein gutes Kräftigungsmittel für die Lenden. Kurzum, das Spazierengehen war früher so nützlich, wie es heute, noch werden kann für Gesunde und Kranke, wenn es richtig ausgeübt wird. Allzuviel ist ungesund!" dies gilt auch hier. Kein Spaziergang darf die Körperkräfte abstumpfen. Je behaglicher wir uns nach einem Spaziergang zum Essen und Trinken niederlassen, je besser wir danach schlafen.

desto richtiger haben wir denselben

' ausgeführt.

Die Herrenkragen. Eine Frauenbewegung für die Männer eröffnet eine mitleidige Hausfrau und Mutter, und zwar richtet sich ihr Streben gegen die-steifen Herrenkragen. Gibt es etwas Steiferes, Festeres, Ungelenkeres", fragte sie, als diese Fessel, die die Herrscherin Mode unseren Männern und Söhnen beute um den Hals schlingt?. Bedeutet der hohe Umschlagestehkragen nicht vom ästhetischen und hygienischen GesichtsPunkte aus ein Verbrechen? Er vernichtet jegliche Freiheit der Halsbeweglichkeit und der Kopfhaltung und er zeitigt die lächerlichsten Verrenkungen und Bewegungen. Warum lassen die Herren der Schöpfung sich wennschon oft stöhnend dieses Joch der Mode gefallen? Sollen wir, über deren Abhängigkeit vom gleichen Joche sie so oft spötteln, ihnen nicht helfen und durch Einmüthigkeit den, Kragen besiegen? Wenn wir unseren Gebietern" zeigen, wie viel besser sie uns in einem seidenen, Umlegekragen dem Kragen der Zukunft gefallen, wenn wir ihnen beweisen, wie viel wohler sie sich darin fühlen, wie viel abgehärteter sie gegen alle Halskrankheiten sein werden, wenn der Hals nicht wie bisher hermetisch von der Luft abgeschlosfen wird müssen, werden sie es uns dann nicht glauben? Die Mode der steifen Kragen ist noch gar nicht so alt, als daß Pietät unsere Männerwelt veranlassen müßte, daran festzuhalten. Während vieler Jahrhunderte trugen die Männer den Hals frei, so im Mittelalter, ja vielfach noch in der Reformationszeit. Erst im 16. Jahrhundert kam die gefaltete Krause auf, aus der sich der Mllhlradkragen und die Kröte entwickelten und die sich noch heute in der Amtstracht der lutherischen Geistlichen und im Stalt" der Senatoren der Freien und Hansastädte erhalten haben. Der 30jährige Krieg brachte den kleidsamen breiten schwedischen Leinenkragen mit mehr oder weniger reichem Spitzenbesatz, der den Hals frei ließ und dabei doch das Antlitz vorteilhaft umrahmte. Die Perrücke mit ihrem Haarbeutel und der breiten Schleife konnte sich mit dem schönen Leinwandkragen nicht befreunden, sie verdrängte ihn und von da an herrschte der schmale Kragen. In seiner Begleitung summt das Halstuch und die Halsbinde auf. Und was für eine Rolle spielten diese beiden im 18. Jahrhundert! In dem Revolutionsjahr 1848, wo Sitten, Gebräuche und Moden sich dem avgemeinen Freiheitsdrang unterwarfen, genoß auch der Hals unserer Herren wieder seine Freiheit. Man verwarf das Halstuch, schlug den weichen Hemdkragen zurück und legte nur ein schmales Bändchen um. Nur ältere Herren blieben bei den Vatermördern und dem Halstuch. Leider ging aber diese gesunde neue Sitte wieder unter und Steifheit und Gezwungenheit wurden wieder die Tyrannen unserer Männerwelt. Wollen wir unsere Männer und Söhne weiter unter dieser Herrschaft schwachten sehen? Ist es nicht gerade im Frühling, zum Sommer an der Zeit, Wandel zu schaffen? Und können wir unsere Männer nicht mehr überreden ist die Gewohnheit zu mächtig wohlan, so laßt uns unsere Jungen zu vernunftgemäßer Mode erzielen! Lassen wir ste Hemden tragen ähnlich w:e die Sportshemden unserer Radfahrer, mit Umlegekragen und einer lose geschlungenen hübschen Krawatte. Wenn wir alle mithelfen, wird diese neue und gesunde Mode gewiß Erfolg haben!" Recht hat sie. die' mitleidige Hausfrau und Mutter!

Vescheidene und eitle Professoren Robert Bunsen war in seiner Lehrthätigkeit von großer Liebenswürdigkcit und Einfachheit. Ueberflüssige Ehrerbietung mochte er durchaus nicht leiden. Sobald es einem seiner Studenten beifiel, den Gelehrten mit Excellenz" anzusprechen, erwiderte Bunsen ironisch: Euer Hochwohlgeboren befehlen?" Einen ergötzlichen Gegensatz zu der Bescheidenheit des weltberühmten Chemikers bildete die Eigenart eines ebenfalls berühmten Lehrers an der Ruperto-Carola. Kommt da ein Amerikaner übers roße Wasser herüber und geht schnurstracks in die Wohnung des gelehrten Mannes. Ich wünsche Ihre Vorlesung zu hören, Herr Professor." Schön, aber merken Sie sich, ich bin Geheimrath und Excellenz!" lautet die Antwort. Einst wurde derselben Excellenz die Schuiterrechnung gereicht, die die Aufschrift trug: für Herrn Prof. Dr. X. Hören Sie mal", läßt sich die Leuchte vernehmen, da muß ein Irrthum vorwalten. Meines Wissens existirt in Heidelberg kein Professor Dr. X. Wohl aber ist mir bekannt, daß Seine Excellenz der Herr Geheimrath Professor Dr. X. bei Ihnen seine Schuhe machen läßt. Also schreiben Sie eine neue Rechnung, die soll bezahlt werden." N a ch h e r. A. (erzählt sehr umstündlich eine Anekdote). B.: Das kenn' ich schon. A.: Dazu lassen Sie mich erne halbe Stunde erzählen? Das hätten Sie doch zu Anfang sagen können! B.: Ja, vor einer halben Stunde hab' ich die Geschichte noch nicht gekannt.

Für die Küche.

Gedämpfte Lammbrust. Die Brust wird sorgfältig gehäutet, ln siedendem Wasser blanchirt, abgekühlt und zum Ablaufen qestellt. Dann belegt man sie mit dünnen, von j der weißen Haut und den Kernen befreiten Citronenscheiben, bedeckt sie recht 'dicht mit feinen Speckfchnitten, legt das Fleisch in die Kasserole. deren Boden gleichfalls mit Speckfchnitten belegt ist, gießt etwas leichte Brühe oder Wasser darüber und läßt das Fleisch langsam weich dämpfen, wobei es hin und wieder mit der Brühe begossen wird. Die Sauce wird abgeschmeckt, im Nothfall mit etwas Kraftmehl seimig gekocht und über der in Scheiben geschnittenen Lammbrust angerichtet. Gekochte Ente. Junge Enten Pflegt man immer zu braten, doch liefert hin und wieder der Geflügelhof wohl auch ein älteres Exemplar, das sich besser zum Kochen eignet. Sie wird rein geputzt, gesengt, ausgenommen, gewaschen, abgetrocknet und mit Salz einem Lorbeerblatt, einer zerschnittenen Mohrrübe, etwas Sellerie, zwei Zwiebeln und einer PetersilienWurzel mit 1 bis 2 Quarts Wasser aufgesetzt und langsam weich gekocht. Am schmackhaftesten hierzu ist eine Meerrettichsauce. Der Meerrettich (eine halbe Stange) wird gerieben und, damit er nicht schwarz wird, mit etwas Milch angefeuchtet. Indessen dünstet man zwei Löffel Mehl in Butter gar, gießt von der Entenbrühe dazu, läßt es zusammen verkochen, fügt den Meerrettich, sowie Salz und Zucker hinzu und läßt die Sauce nur einmal aufkochen, weil sonst der Meerrettich an Schärfe verliert. He rings rollen. Von drei Heringen, die einen Tag gewässert wurden, zieht man die Haut ab. spaltet die Heringe der Länge nach und entgrätet sie sorgfältig. Ein kleiner Löffel Kappern und etwas Zwiebeln werden fein gehackt und mit einem Eßlöffel Senf fowie Citronenschale nach Geschmack ganz fein vermengt. Diese Masse wird als Fülle benützt. Nun bestreicht man jede Fischhälfte auf der Innenseite mit der Fülle, rollt die Fischstücke zusammen und steckt ein Holzstückchen durch. Die Heringsmilch wird fein gehackt, in Essig verrührt und durch ein Sieb über die in einen Steintopf gelegten Rollen gegossen. Dazu gibt man noch einige Zitronenscheiben, Pfefferkörner und Lorbeerblätter. Nach einigen Tagen sind die Rollen genügend durchzogen. Beim Anrichten mischt man etwas Salatöl unter die Sauce. Spargel - Aufkauf. Eine vorzügliche Spargel - Speise ist die folgende. Man schneidet die Spargel es dürfen auch dünne sein in halbfingerlange Stückchen und kocht sie weich. Dann schneidet man gekochten Schinken in dicke Scheiben und zertheilt sie in kleine Stückchen. In eine Auflaufform legt man Butterflöckchen, darauf eine Lage Spargel, sodaß obenauf Spargel kommt. Nun scblagt man sechs Eier schaumig, giebt sechs kleine Löffel Milch, Salz und etwas Pfeffer dazu, sowie feingehackte Cham pignons. Dies schüttet man über die Spargel, schiebt die Form in einen mäßig geheizten Ofen und läßt sie so lange stehen, bis das Ei fest, aber nicht härtest. Man jervirt braune Butter dazu. A n a n a s en miroton. Aus einer frischen .Ananas schneidet man Scheiben in Größe eines halben Kartenblattes, nachdem man die Frucht gut geschält hatte; ferner läutert man Zucker und wirft die etwa 1 Zoll dicken Ananasstücke hinein. Indessen befreit man dieMilchbrötchen von ihrer Rinde, schneidet sie in Scheiben und wirft sie in gebräunte Butter, in der man sie knusperig, aber ja nicht zu hart abbäckt. Jetzt legt man die Scheibchen kranzförmig (en niiroton) auf eine runde Schüssel, belegt ein jedes von ihnen, oder abwechselnd immer eineZ und das andere mit den Ananasstückcken, die etwa 6 Minuten auf dem Feuer geblieben und heiß gehalten worden sind, schüttet den recht reich liehen Zuckersaft darüber und richtet an. Kalbsfrikassee. Zum Kalbsfrikassee ist das Brustfleisch mit den kleinen Rippen am besten zu gebrauchen. Man schlägt es in beliebig große Stücke, blanchirt sie in heißem Wasser und läßt sie in heißem verkühlen und ablaufen. Inzwischen thut man in einen Schmortopf ein gutes Stück Butter, ein Stückchen geräucherten Schinken oder Speck, Salz, einige kleine Zwiebeln, in die man Nelken gesteckt hat, Gewürz, Lorbeerblätter, einige Stengel Majoran und Thymian, ein paar Schalotten, nach Wunsch auch ein Stückchen ganzen Ingwer und schmort daS Fleisch darin weich. Dann wird es herausgenommen, die Sauce durch ein Sieb gegossen, mit einer weißen Mehlschwitze seimig gemacht und mit einigen Eidoitern liirt. Nun schmeckt man sie pikant ab mit Citronensaft, auch etwas abgeriebener Citronenschale, Estragonessig, Sardellenbutter, Muskatnuß, eine Prise Pfeffer und wenn nöthig, eine Prise Zucker. . Zuletzt giebt man einen Eßlöffel Kapern und Champignons dazu. Statt der Champignons kann man auch andere Pilze verwenden, im Winter eignen sich eingelegt Pfifferlinge und Steinpilze sehr gut zu diesem Zweck.

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