Indiana Tribüne, Volume 28, Number 310, Indianapolis, Marion County, 22 August 1905 — Page 6
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Jndiana Tribüite,
., Eine geheime Wahl. . Humoreske ron Wm. Wazner. ' ' Der Eemeinderath des kleinen Städtchens war vollzclhlig im Sitzungssaale des alten Rathhauseö versammelt. Auf der Tagesordnung stand als letzter, jedoch .-oichtigster Punkt: Die Wahl eines Arztes für das von der Gemeinde erbaute Krankenhaus. In dem Städtchen praktiZirten nur zwei Aerzte: Dr. Iahn, ein älterer Herr, der zuglelch Mitglied des Gemeinderaths war, und Dr. Stilkr, ein junger Mann, der erst vor einigen Wochen im Städtchen seine Praxis eröffnet hatte. Der Bürgermeister Weckesser klinxelte, räusperte sich und sprach: Jetzt, meine Herren, fange mer mit der Wahl des Arztes für das Krantenhaus an." Er hielt inne und blickte über die Brille hinweg nach Dr. Iahn; auch die Gemeinderäthe richteten ihre Augen etwas verlegen nach dem Arzte in ihrer Mitte. Selbstverständlich, Herr Bürgermeister, werde ich bei dieser Wahl, oöwohl sie eine geheime ist, nicht anwesend sein und nicht mit abstimmen. Ich bitte also freundlich zu entfchuldigen, dafj ich jetzt gehe. Adieu, meine Herren !" Adieu! Adieu!" erwiderten die Herren. Ihr Amtskollege schritt hinous, direkt in das neben dem Rathhause liegende Gasthaus Zum Lamm". Er wußte, daß nach jeder Sitzung die meisten Gemeinderäthe in diese Wirthschaft zu gehen Pflegten; dort wollte er das Wahlresultat erwarten, um es der Gattin bringen zu können. Er war sich freilich ganz sicher bewußt, daß er einstimmig durch dieWahl ging, unbedingt gechen mußte, er, als langjähriges Mitglied des Gemeinderathes. Meine Herren", begann im Rathhaus Bürgermeister Weckesser,' wen wähle mer zum Arzt in's Krankenhaus?" Ei, die Wahl muß doch geheim sein", bemerkte Bäckermeister Dräsbach. Dem Doktor Iahn seine Frau nimmt seit über dreißig Jahr von mir die Bröderchen und ich möcht's nett mit ihr verderbe." Die Wahl erfolgte. Nach einer halben Stunde las der Bürgermeister das Resultat vor: Doktor Iahn drei Stimmen, Doktor Stiller sieben Stimmen". Die Männer schauten sich verblüfft an, doch keiner sprach ein Wort. Der Lorsitzende schloß schnell die Sitzung linb man verließ das Rathkiaus. Wohl blickten alle nach der geliebtenStammZneipe, dem Lamm", aber keiner wagte heute dort einzukehren, wußten sie doch durch den Rathhausdiener, daß Dr. Iahn drüben auf das Wahlresultat wartete! Sie gingen clso lieber nach Hause. Das dauert aber lange", brummte im Wirthshaus der Arzt. Ei, die Sitzung is ja schon lang vorbei und das Rathhaus is zu", beinerkte der Rathhausdiener, der ebenfalls dieselbe Kneip frequentirte. Und das Wahlsultat?" Der Alte" zuckte die Achseln: ' Des weiß ich net." Dann gehe ich zum Bürgermeisier." Einige Minuten danach trat Dr. Iahn in einen Laden ein. Es war schon etwas dunkel, doch der Arzt glaubte einen kleinen Mann im Hintergrunde verschwinden zu sehen. Guten Tag, Frau Bürgermeister. Ist Ihr Mann da?" Bedaure sehr, Herr Doktor, ewe is er ausgegange!" Sollten Sie sich nicht täuschen? Ich sah vorhin da hinten Jemand siefort", bemerkte Dr. Iahn und schritt in den Hintergrund. Wahrhaftig, da sind Sie ja. Bürgermeister! Waturn verstecken ie sich vor mir?" Vergewe Se, Herr Doktor, awer ich hab Hering herausgenomme und da wollt ich mich uett vor Jhne sehe lasse." . Ich will ja nur wissen, wie die Wahl ausgefallen ist." Herr Doktor, ich kann nij davor. fcenn ich hab Se nadierlich gewählt. Jhne Ihre Frau kauft ja alles bei mir und " Jch bin gar nicht gewählt worden?" Rein, der Doktor Stiller hat mehr Stimmen gekriegt wie Sie." Da hört sich ja alles auf! Wiediel Stimmen hat er mehr bekommen?" Ich glaube eine oder zwei." Der alte Arzt eilte erregt hinaus und trat bei dem Bäckermeister Dräsbach ein. Wieviel Stimmen habe ich bekommen?" Drei. Herr Doktor, awer ich hab Se nadierlich gewählt, denn ich liwere Jhne Ihrer Frau doch schon seit übed dreißig Jahr die Brödercher."
Nach einer Stunde hatte Dr. Jahr. sämmtliche Gemeinderathe besucht, alle ' versicherten fest und heilig, sie hätten ihn gewählt bei der geheimen Wahl. Der erzürnte Arzt nannte sie sammt' lich Lügner. Als er zuleht nach Haus, tarn und der Gattin von dieser merkwürdigen Wahl erzählte, wurde diese Dame wüthend. Sie schrieb sofort lln Gemelnderathen und dem Bur czermeister und bestellte sämmtliche Lie ferungen ab. Brot, Fleisch, Stemkoh len, alles wurde abbestellt, und Dr. Iahn mußte an den Gemeinderath elt Schreiben richten, daß er die statte
habte geheime Wahl nicht anerkenne, denn die Gemeinderäthe hätten ihm mündlich die Versicherung gegeben, nur seinen Namen auf den Wahlzettel geschrieben zu haben. Das Kreisamt veranlaßte nach einigen Tagen den Bürgermeister Weckesser, eine Gemeinderathsversammlung einzuberu fen mit der einzigen Tagesordnung: Die geheime Wahl des Arztes. Wieder waren die zehn Räthe im alten Rathhause vereinigt. S saßen sehr gedrückt und in sich gekehrt am großen Eichentisch.'nur Dr. Iahn trug das Haupt erhoben. Der Bürgermeister klingelte und begann darauf schüchtern: Meine Herren, ich hab Se hierher berufen, weil Doktor Iahn die stattgefundene Wahl eines Arztes für das ZIrankehaus umstoße will." Sogleich erhob sich Dr. Iahn. Ich bitte um's Wort!" sagte er scharf. Der Herr Bürgermeister hat Sie falsch belehrt, meine Herren. Ich beabsichtige nicht, Ihre Wahl umzustoßen, ich werde mich Ihnen nicht als Arzt für das Krankenhaus aufdrängen, ich will nur wissen, wie es möglich ist. daß ich nur drei Stimmen erhielt, während mir alle Herren die heilige Versicherung gaben, daß Sie mich gewählt hätten. Die Wahl war eine geheime", warf der Bürgermeister zaghaft ein.. Ach was. geheim! Ein rechter Mann hält trotzdem mit seiner Meinung nicht hinterm Berge; ich aber bin belogen worden! Ich habe mich inzwi schen in die Thatsache gefunden und überlaffe meinem Collegen, dem Herrn Doktor Stiller, die Praxis im Krankenhaus, aber ich verlange eine Aufklärung Ihrer höchst sonderbaren Handlungsweise, meine Herren!" Es herrschte längere Zeit eine peinliche Stille. Endlich hob der Schlossermeister Kullmann die Hand. Der Herr Schlossermeister Kullmann hat's Wort!" rief der Bürgermeister. Herr Doktor", hub Kullmann an, ich will Jhne einmal etwas sage. Mir alle hätte Se gern gewählt, awer da sind unsere Weiwer, die hawe gesagt: Mann, Du wählst mer den Doktor Stiller, der is noch ledig und mir mir hawe Töchter!" Sehr richtig! Er is ledig und mir hawe Töchter! So was muß mer sehr berücksichtige!" erklang es aus der Versammlung. Und da die Wahl doch geheim war", fuhr der Redner fort, so hat Jeder gedacht: ich wähl', wie meine Frau will, mer merk's ja nett. Awer mer hawe fast all so gedacht!" Dr. Iahn lachte lustig auf. Ah, so ist die Saa.,e gemeint! Nun, dann bedauere ich recht sehr, den Herren eine schmerzliche Mittheilung machen zu müssen. Der Herr Doktor Stiller ist auf die erfolgte Wahl hin sofort nach Berlin gereist und hat sich dort verlobt, aber mit einer Berlinerin! Hier ist die Verlobungsanzeige; der Briefträger gab sie mir, als ich das Rathhaus betrat!" Dr.Jahn hielt den ganz verdutzt dreinschauenden Gemeinderäthen die Verlobungskartc vor, dann sprach er ironisch: Ich bitte die geehrten Herren, keine so betrübten Gesichter zu machen, der Gemeinderath hat geholfen, daß sich der junge Arzt verloben konnte. Zum Andenken' an diese gute That ersuche ich, diese Verlobungskarte, nach gesehener pflichtschuldiger Gratulalion an das glückliche Pärchen, zu den Akten der geheimen Wahl zu legen!" Grete Liederlich.
Unsere Nichte Grete, so plaudert eine deutsche Hau-frau, ist bei uns zu Besuch, ein lustiges, herzensgutes Geschöpf, das wir sehr lieb haben, das unser Haus mit Sonnenschein und Heiterkeit erfüllt. Trotzdem, es klingt seltsam, vergeht nicht ein Tag, an dem s uns nicht Verdruß oder Aerger bereitete, denn das Nichtchen ist bei aller Liebenswürdigkeit und Nettigkeit ein Schusselchen", ein Gretchen Liederlich. Das Wort Ordnung ezistirt in ihrem Wörterschatz nicht, es ist für sie überHaupt nicht vorhanden, oder wenigstens eine Lappalie, über die sich ein großer Geist, wie der ihre, genial hinwegsetzt. Wenn sie Staub wischt, geschieht das mit so viel Gründlichkeit", daß ich in ewiger Angst schweben muß, unberufenc Aug?n könnten in die Geheimnisse der Ecken und Winkel eindringen, die Grete nicht der Beachtung für würdig hielt. Sie hat ein Zimmer für sich mit allen nöthigen Möbeln zum Aufbewahren ihrer Sachen erhalten, aber es herrscht ein solcher Wirrwarr darunter, daß sie sämmtliche Schübe und Kästen durchwühlen muß, um bei Bedarf einen Spitzenkragen, ein Taschentuch oder gar die Handschuhe zu finden, von denen sie überhaupt niemals genau weiß, ob sie sie vom letzten Ausgang wieder zurückgebracht hat. Wie viele Schirme sie in ihrem Leben schon hat stehen lassen, we:ö ich nicht, aber zweistellig ist die Zahl dieser Opfer ihrer Vergeßlichkeit sicher. Wenn wir am Nachmittage mit ihr ausgehen wollen, kündige ich es ihr bereits früh an und mahne zwei tun den vorher noch einmal dringlich, sich ja bestimmt rechtzeitig fertig zu halten. Mein Mann wird ungemüthlich, wenn er warten muß. und man kann es ei nem vielbeschäftigten Menschen wahr lick nickt verdenken, wenn er sick sein
rurze v?ryolungszett durch die Trödeleien eines Anderen nicht kürzen lassen mag, der den ganzen Tag nichts Wichtiges zu thun hat. Das ist bei unserer Nichte aber nicht zu erlangen; so sehr sie den Onkel liebt und ihm zu Gefallen sein möchte, ihre Schusseligkeit ist größer, als ihre Willenskraft. Wir stehen fertig , da, sie kommt nicht; eins der Kinder wird geschickt, sie zu holen, endlich erscheint sie, hochroth, athcmlos, den Hut in der Hand, unterwegs sich noch die Jacke anziehend. Ich habe mich so gesputet, aber' ich konnte die Hutnadel nickt finNV und mir heimlich in's Ohr: Bitte, Tantchen, borge mir doch eine" ich laufe, rasch das Gewünschte zu holen, damit wir nur fortkommen. Mein Mann wird bereits ungeduldig, er geht immer voraus; endlich sitzt derHut fest, wir folgen ihm, Grete streift die Handschuhe über. Ach Gott, ich habe ja die zerrinnen gegriffen geht nur immer, ich komme nach." Das mögen wir natürlich nicht, mein Mann trommelt vor Aerger mit dem Stock auf dem Boden, ich bin in nervöser Angst vor einem Zornausbruch, endlich erklärt er kategorisch: Wir gehen jetzt, mag sie kommen oder nicht." Wenn sie sich dann endlich zu uns findet, ist sie ganz echauffirk und abgeängstigt natürlich ist der größte Theil der Vergnügens für sie und auch für uns vorbei. Ein ander Mal wieder muß sie just in dem Augenblick, da wir weggehen wollen, noch schnell einen Knopf annähen oder einen Fleck aus dem Kleide reiben. Niemals ist sie pünktlich, niemals ist Verlaß auf sie. Grete lebt in. guten Verhältnissen und hat weder eine Berufsarbeit noch Sorgen, trotzdem ist sie den ganzen Tag intensiv beschäftigt, ohne viel Nützliches zu schaffen. Ja. abhasten und abrackern muß sie sich oft, nur um etwas Vergessenes -nachzuholen, Unterlassungssunden wieder gut zu machen. Stets befindet sie sich auf der Jagd nach einem verlegten Gegenstand, in ihren eigenen Angelegenheiten weiß sie nicht Bescheid, und welchen geringen Uebrrblick sie über ihr Besitzthum hat, beweist der einfache Umstand, daß sie alle ihre Schübe durchkramen muß, um etwa noch verwendbare Stoffe zu finden, wenn sie einen Hut umgarniren lassen will, wobei dann oft zu ihrer eigenen Verwunderung Federn und Spitzen zum Vorschein kommen, von deren Existenz sie keine Ahnung mehr hatte.
Ihr Mangel an icder SelbstdisziI lin und Gründlichkeit macht die sonst o Liebenswerthe zu einer Plage für ihre Umgebung, und pedantische und nervöse Leute, wie Onkel Albert, fliehen sie geradezu. Selbstverständlich bereitet ihre Liederlichkeit und Ober flächlichkeit auch ihr selber mancherlei Unannehmlichkeiten, ja direkt Hemmnisse und Schädigungen im Leben. Daß die Grete ein spätes Mädchen" geworden ist, hat zum weitaus größten Theil ihre Schusseliqkeit verschuldet. Wer mag denn eine Frau in's Haus nehmen, der der Beariff von Ordentlickkeit und Pünktlichkeit vollständig abgeht. Und wie viele kleine Verdrießlichkeiten, pekuniäre und andere Verluste erwachsen Grete aus diesem Charakterfehler! Grete ist bereits zu alt, als daß noch auf eine gründliche Aenderung bei ihr zu hoffen wäre. Solch ein Erziehungsfehler. der, mit dem Menschen groß geworden ist, haftet ihm gewöhnlich für's Leben an eine ernste Mahnung für die Eltern, aber auch für die jungen Leute selbst, rechtzeitig auf Ordnung und Pünktlichkeit zu halten. Der versetzte Fra5. Der frühere ungarische MinisterPräsident gab einst folgende köstliche Geschichte zum iBesten: Als ich zum Ministerpräsidenten ernannt wurde und mit Sack und Pack in das Präsidialbureau übersiedelte, besorgte der hiesige Möbelspediteur T. den Umzug. Ich fragte nach der Rechnung; aber lächelnd erwiderteHerr T.: Das kann ja bleiben, Excellenz, bis Sie wieder zurücksiedeln." Ich schaue mir den Witzigen Möbeltransporteur etwas genauer an, und da ist mir's. als ob ich das Gesicht schon gesehen hätte. Hören Sie, Herr T.", sage ich, Sie kommen mir so bekannt vor." Gewiß, Excellenz, wir kennen uns schon lange," erwiderte er. Zur Zeit, als Excellenz noch Jurist waren, stand ich als Dienstmann vor dem Hause, das Sie bewohnten. Excellenz waren damals sehr zufrieden mit mir, denn ich brachte immer das meiste Geld nach Hause, wenn Excellenz nach dem Fasching Ihren Frack in's Pfandhaus tragen ließen." Nun erinnerte ich mich des Dienstmannes und sagte zu ihm: Nun, Herr T., Sie können mit Ihrem Schicksal zufrieden sein, Sie haben's ja ziemlich weit gebracht." Excellenz aber auch," erwiderte darauf T. mit tiefer Verbeugung. mmmmamtt Bouillon mit KartoffelEinlage. Hierzu gehört fertige klare Fleischbrühe. Drese bringt man zum Nochen, schüttet geriebene rohe Kartoffeln hinein und läßt es so lange kochen, bis die Kartosselschnitzchen durchsichtig werden, was nach 2e schaffenheit der Kartoffeln verschiedene Zeit, durchschnittlich 10 Minuten, erfordert. Auf jeden Teller Bouillon rechnet man eine mittelgroße Kar-tosfel.
jllcift ZZaversack's Schreibebrief.
o.4jy Geöhrter Mister Edithor! Je länger ich hier stehn, desto mehr kann ich sehn, was for verdollte Fuhls die Jenkies aus sich mache, daß se alles glauwe, was dieEnglische sie vormache. Einiges Zeug, was hier in London kein Pehper Printe deht. bikahs es is zu sillie, das werd nach die Juneitet Stehts geschickt un dort Printe se's mit große Hettleins un schreiwe Eddithoriels driwwer, daß &s eis alte Hund jammere duht. Wenn dann die Peh persch Herher komme, dann lache die Englischmänner, daß se fascht boste un sage, schie miß, die Jenkies sin awwer emol iesig, mit die ihre Schmartneß muß es doch nit so arig weit her sein. Ich hen auch so viel ausgefunn, daß England arig gut gleiche deht, wann Schermennie mit irgend e annere Nehschen en Wahr starte deht un for den Niesen werd gehetzt wo se nor könne. Die englische Pehpersch in die Juneitet Stehts sin einige Zeit reddie, den Dräsch zu poblische un ich sin blos effreht, daß die Stehts selbst den Weg noch emol in große Trubel komme. Awwer ich hen mich nie n viel um Palleticks getruwelt un for den Riesen hen ich auch jetzt gedenkt, was is die Differenz; ich sin hier, for mich e wenig zu amüstre, un das is all. Ich hen in e.Hotell gestoppt, das war en recht diesenter Platz; es war keins von die arig eckspensiefe, awwer doch so, daß Bomms un Lohsesch nit komme sin. Es hen do e ganze Latt Fämmillies gerühmt un uff en schöne Mittag bei den Dinner do sin ich nächst zu e arig feine Lehdie zu sitze komme. Se is sei Springtschicken mehr gewese, ich denke, se war so zwische verzehn un verzig Johr. Se war arig neis zu mich un ich muß sage, ich sin surpreist gewese, daß se ganz difserent wie die annere englische Lehdies geäckt Hot. Wie se ausgefunne Hot, daß ich von die Juneitet Stehts komme duhn, do war se so schwiet un so neis zu mich, daß ich ganz eckseitet sin worde. Well, mer hen uns arig gut unterhalte un se Hot mich auch zu ihre Ma introduhst. Die alte Lehdie Hot mich inweitet e Kerritschreit nach den Dinner mit sie zu nemme un ich hen off Kohrs eckzeptet. Nach den Dinner hen ich e wenig uffgedreßt un wie ich Widder daunstehrs komme sin, do hen schon die zwei Lehdies in die Kerritsch gesosse un hen so: mich gewart. Ich un die junge Lehoie hen den Bäcksiet genommen un die alte Lehdie den Frontsiet. Ei tell juh, do hen ich awwer e differente Oppinjien von die englische Lehdies kriegt. Nach die erschte zehn Minnits Hot mich die junge Lehdie schon gefragt, ob se mich bei mein Frontname rufe, derft. Schuhr Ding, hen ich gesagt, ich heiße Mcik, un . mein Name is Frehnzis", Hot se gesagt. Die alte Lehdie Hot gesagt: Wei Frehnzis, du duhst den Schentelmann ja hardlie kenne! Macht nicks aus, Hot das liewe Kind gesagt, ich gleiche ihn un wen ich gleiche, den will ich bei sein Frontname rufe. Ei tell juh, das Hot mich arig gut fühle mache! Mer kann doch fehn, daß mer noch ebbes estimirt werd. Well, mer p,tn e große Tripp gemacht un do hen ich t ganze Latt Jnformehschen kriegt. Der Pa von die Frehnzis is en englischer Nobelmann gewese. wisse se die Keind wo blaues Blut Hot er is bei t Horsrehs um's Lewe komme un Hot e schönes Vermöge un drei Mehdercher un seine Wittib hinnerlosse; zwei von die Gehrls sin geheirath un blos die Frehnzis is noch iwwer; wann die en Hosbend Hot, dann guckt die alte Lehdie auch noch emol nach e Tschehns. Well, am Obend sin mer in die Ahpere gange un nachher hen mer noch eSopper gehabt un hen e Battelche Schempehn gedrunke, off Kohrs her? ich die Eckspenzes getrage un for die Kerritsch hen ich auch bezahlt. Wie ich mich empfohle hen, do Hot die Frehnzis gesagt: Ma, ich sin so häppie, ich muß den Meik en Kiß gewe, un befohr daß ich ebbes hätt sage könne, hen ich en Kiß gehabt, do hätt mer drei von mache könne. Ich hen for den nächste Daa Widder en Eppeuntment gemacht un sin dann an die Bahr gange for aoch e Neitkapp zu nemme. Der Bahrtender wo mich jeden Dag so ebaut e halwes Dutzend mol bei sich gesehn Hot Hot gefragt, ob er mich kohngrältulehte könnt. Ich hen gesagt for warum. und do sagr er. zu mein Ingehtschment zu die schöne Lehdie. Sie sin krehsig, hen ich gesagt, denke Se, so e feine Lehdie deht mich Heirathe? Schuhr Ding, Hot er gesagt, das is all, was se duht. Ich hen immer noch nit unnerstehn könne, was er gemeint Hot un do Hot er mich dann verzählt: Der alte Mann is en Nobelmann gewese, das is gut genug. Wie er gestorwe is, do Ware die Wimmenfohks da, un wann die nit e ganze Latt Detts gehabt hätte, dann hätte se gar nicks gehabt. Das Hot awwer nicks
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ausgemacht. Die alte Lehdie hat e Auge for Vißneß un se Hot immer en dumme Feller ausgesucht, wo plentie Geld Hot un so freundlich war, eine von die Gehrls zu Heirathe. Jetzt is blos noch die Frehnzis da un weil ich so viel Geld aespend hätt un von die Juneitet Stehts komme deht, do hätt die Mäddamm gleich gedenkt, jetzt hätt se Widder en Dumme getäckelt. Soviel is schuhr. wann Se noch nit zu se ingehtscht sind, dann sin Se 's bis r.orge Obend. Das is bei die Piebels der gewöhnliche Geschäftsgang un ich bette Jhne einiges daß ich nit mißtchken sin. Ei tell juh. do hen ich awwer die Auge uffgrrisse! Is dat so? hen ich gesagt, Sie wolle mit mich bette? Geß egenn! Ich hen emol for mich un den Bahrtender umgesetzt un sin dann in die Office gange hen mei Bill bezahlt un sin deireckt nach den Diepoh. In e Halme Stund hen ich an die Trehn gesosse un ich denke, das Hot die Frehnzis gesettelt. Ich hen noch e paar Leins an die Ma gedrappt un hen sie den Ettweis g?wwe, sich erscht zu berheirathe; dann könnte se ihre Dochter suppohrte un braucht nit nach en Hosband for sie zu fische. Ich wär off Kohrs keiner von die allerschmahrteste. awwer ich wär doch so kein verdolltes Rindvieh, daß ich mich von sie suhle deht losse. Mit beste Riegahrds Juhrs trulie. Meik Habersack, Eskweier un Sheriff von Apple Jack, Holie Terrer Kauntie.
Ein Studentenkrieg. Ein seltsamer Krieg wurde im ersten Viertel des sechzehnten Jahrhunderts in der Stadt Leipzig geführt. Die Angehörigen der Universität hatten in den sogenannten Collegenhäusern Wirthschaften, Collegenkeller genannt, die mit der Zeit sich auch von Seiten der Bürgerschaft immer lebhafteren Zuspruchs erfreuten. Das brachte endlich die Concurrenz so sehr in Aufregung, daß der Magistrat ein Mandat erließ, durch welches Bürgern und Hanowerksburschen der Besuch der Collegenkeller untersagt wurde. Als dieses einfache Verbot nichts nutzte, vereinigte sich endlich der Nath mit dem Rektor der Universität dahin, daß die Collegenkeller überhaupt geschlossen wurden. Das nahmen aber nun die Studirenden gewaltig übel und alsbald beschränkten sie die Kundgebungen ihres Unwillens nicht blos auf die Rathsherren, im Grunde genommen waren ja alle die Nichtakademiker, die sich in ihre Lokale gedrängt hatten, daran schuld, daß ihre Rechte angetastet worden waren. Ein Zufall kam dazu, um die'Erregung mächtig zu steigern. Eines Tages war ein Studirender von einem Riemergesellen im Streit getödtet worden und da der Mörder entkam, beschuldigte man die. Bürgerschaft, ihm zur Flucht behilflich gewesen zu sein. Die Folge war, daß Leipzig in eine Art Kriegszustand gerieth. Ueberall gab es kleine Scharmützel und endlich fanden es die Studenten 'für gut, sich in ein festes Lager" zurückziehen. Nachdem sie die Fenster des Rathhauses eingeworfen, sich an Stadtknechlen vergriffen und mit anderen ähnlichen Streichen den Krieg eröffnet hatten, war ihnen die Nachricht überbracht worden, die Bürgerschaft beabsichtige, sie zur Nachtzeit in ihren Betten zu überfallen und sie in schmählicher Weise zu mißhandeln. Sie zogen es deshalb vor, ihre. Stuben gar nicht aufzusuchen und verbrachten, wohl bewaffnet und mit einem reichlichen Vorrath an Steinen versehen, die Nacht im Vordergebäude des großen Fürstencollegiums Die Bürger schienen sich jedoch die Sache überlegt zu haben kein Mensch ließ sich vor dem Fürstencollegium sehen. Aber damit war für die nächste Nacht keine größere Sicherheit geboten und die Möglichkeit, durch einen tückischen Ueberfall überrascht zu werden, brachte die Studenten endlich so weit, daß sie den Entschluß faßten, die Stadt in Masse zu verlassen. Das wurde nun wieder dem Rath hinterbracht, der das Bedenkliche der Situation erkannte und sofort mit dem Rektor berieth. Zunächst wurde der Auftrag ertheilt, die Thore zu schließen' und als der Zug der Akademiker, nicht ohne entsprechende Feierlichkeit und die dazu gehörigen Fahnen, aus der Stadt hinauswollte, fand man den Weg versperrt. Auch bei einem zweiten Thore ging es nicht anders. Glücklicherweise waren die Besonnenen, die von Gewaltthaten abriethen, in der Mehrheit und inzwischen hatten auch Rath und Professoren schon die Vorbereitungen zu einer Friedens - Conferenz getroffen.. Es gelang dann, die Studenten zu überzeugen, daß die Nachricht von dem beabsichtigten Ueberfall nur von. einem schadenfrohen Friedensstörer erfunden worden war. daß die Leipziger Bürgerschaft, wie ja schon aus dem Interesse für die Collegenkeller hervorgegangen sei, durchaus keine feindlichen Gefühle für die Studeuten hege und diese eine so fatale Störung 'der Nachtruhe, nicht zu befürchten hätten. Und so wurde der Streit, der Leipzig beinahe um eine seiner schönsten Zierden, die Universität, gebracht hätte, endlich beigelegt und friedlich trank wieder jeder sein Bier der Akademiker im Collegenkeller und der Bürger im Burgkeller, dessen Wirth sich besondere Mühe um die Herstellung der Ordnung gegeben hatte. ,
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