Indiana Tribüne, Volume 28, Number 310, Indianapolis, Marion County, 22 August 1905 — Page 5
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postlagernd. Lon Julius Keller. Mit düsterer Miene stand Arthur in dem Dunkel d:s HausthoreS und starrte hinüber nach Vem Postamt 66, us dessen Thür soeben eine schlanke Mädchengestalt langsamen SchritteS eus die Straße trat... langsam und zögernd, wie in tiefem Sinnen, und dabei ruhten die Blicke ihrer blauen Augen mit dem Ausdruck lebhaftesten Interesses auf dem Brief, den sie in den'zierlichen Händen hielt. War es wirtlich nur lebhaftes Interesse, das aus ihren Augen spracht . . Arthur strengte seine Sehnerven aus's äußerste an, um es zu ergründen... Wenn es ihm dabei nur nicht immer infolge der inneren Erregung vor den Augen geflimmert hätte. Aber nein, nein! Trotz allen Flimmerns, trotz aller fieberhaften Er, gung, die sein inneres Gleichgewicht störte und seine Beobachtungen bceinflußte, er sah recht: das war nicht nur Interesse, das war mehr, weit, weit mehr, das war Sehnsucht, Begehrlichkeit. Liebe, Leidenschaft. Heiß wallte es in dem eifersüchtigen Jüngling auf, und seine langen Finaer krampften stch zusammen .. . Wie langsam und gemächlich ste . dahinschwebte ohne jede Hast, ohne jede Eile, ganz in Gedanken versunken . . . in süße Träumerei! Ha! Warum auch nicht?!! Hatte ste doch keine Ahnung von dem jungen Mann in der dunklen Ecke, von dem leidenschafterregten Beobachter! Sie holte postlagernde Briefe! Schon vor acht Tagen hatte er diese bedenkliche Thatsache festgestellt, und heute sah er es mit eigenen Augen zum vierten Male . . . In acht Tagen vier Briefe!... Entsetzlich.:. Sie war ihm als der unschuldvollste Engel unter allen reichshauptstädtischen Tu gendrosen. als die duftigste Blüthe in dem reichsten Kranze jungfräulicher Schönheiten erschienen! Und nun entpuppte ste stch als Stammgast des Postamts 66! Als ständige Empfängerm postlagernder Briefe... O! Man weiß, was das zu bedeuten hat! Arthur war ein bescheidener, ja sogar ein schüchterner Jüngling. So bescheiden und schüchtern, daß er es noch immer nicht gewagt hatte, d'er im Stillen Angebeteten seine Gefühle kundzuthun... Aber mußte ste sie nicht ahnen?... Hatte stch nicht ein geheimes Band der Sympathie gewoden von ihm zu ihr, das sie ahnen lassen mußte, wie. es um sein Herz stand?... Gewiß, gesprochen hatte er noch nicht von seiner Liebe . . . Mit keinem Wette hatte er ihr verrathen, daß ste es ihm angethan für alle Zeiten, daß ihr nicht nur sein Herz, sondern auch seine Hand diese nach dem Ableben seine: nunmehr achtzigjährigen Tante Amalie nicht unbezüterte Hand! gehören sollte! ... Schon lange hatte er ihr alles gestehen, hatte er ihr seine Hoffnungen und Entwürfe enthüllen wollen . . . Aber immer hatte ihm im entscheitpnden Augenblick der Muth dazu gefehlt... Wenn sie ihn mit ihren großen, unschuldsvollen Kinderaugen so unsäglich naiv, voll kindlichen Vertrauens angeschaut.-.. Und nun war alles Lüge!... Die unschuldsvollen Augen lesen sie lesen postlagernde Briefe! Diesem unwürdigen Zustand mußte er ein Ende machen... Er fühlte, daß er in dieser Stunde den Muth dazu haben würde ... Er woMe sie stellen ... er wollte eine Frage an sie richten, eine entscheidende Frage... sie sollte Farbe bekennen. In wenigen Minuten hatte er sie eingeholt... Der Zufall. schien ihm günstig ... Es war still und ganz geeignet zu einer kurzen, bedeutsamen Aussprache auf dem weiten, parkähnlichen Platz. Fräulein Erna!" Er hatte sich krampfhaft bemüht, seiner zitternden Stimme Festigkeit zu verleihen. Freilich ohne rechten Erfolg. Ein gut Theil der inneren Erregung bibberte doch in dem äußerlich schneidigen Ton. Sie schrak leicht zusammen und wandte sich um... Dann blieb sie stehen, und er bemerkte, wie ihre zitternde Hand den Brief in der mühsam aufzufindenden Rocktasche verschwinden ließ. Ah!... Herr Arthur!... Sie?" Ja, Fräulein Erna... Ich! Das hätten Sie-nicht erwartet. Aber" seine Blicke hafteten durchbohrend auf ihrem Gesicht ich hatte auch auf dem Postamt zu thun." Teufel! Daß die großstädtische Beleuchtung hier gerade so kläglich ver-
agte. Er konnte kaum erkennen, ob roth oder blaß wurde, oder totxt onst in ihren anmuthiaen Zügen sich malte. Rasch fuhr er fort: Jawohl, ich hatte auf dem Postamt zu thun. Freilich... postlagernde Briefe empfange ich nicht ich nickt!" In wahrhaft imponirender Haltung stand der erregte junge Mann vor ihr, und aus seinem Ton sprach jetzt ganz deutlich eine gewisse Dosis sittlicher Entrüstung. Ahal... Sie war betroffen fast aeknickt. Sie senkte das-Haupt vor ihm nud flüsterte: Sie haben gesehen?" . . . Ich habe, Fräulein Erna. Und ich will osfen und ehrlich, nicht hinterhaltig und versteckt sein. Ich habe in der abgelaufenen Woche viermal gesehen, viermal, Fräulein Erna, daß
ete Ich bringe es kaum uoer Die Lippen da Sie postlagernde Briefe in Empfang nahmen." Nun hob sie plötzlich den Kopf... Eine jähe Veränderung schien in ihr vorzugehen... Das war keine Verlegenheit. kein scheues Schuldbewußtsein, das ihm jetzt 'aus ihren Blicken entgegenblitzte. Ach. Herr Bern... Sie Sie haben mir nachspionirt?" Es ist ein harter Ausdruck. Fräulein Erna...' Aber immerhin... nennen wir es so . . . Doch nicht aus roher Neugier, nicht aus raffinirtem Interesse... nein!- Es war ein übermächtiger, innerer Zwang, der mich dazu veranlaßte... Und solcher ist es auch... Fräulein Erna, der mich ermuthigt, Sie nun ohne weiteres entschlössen zu bitten: geben Sie mir volle Klarheit! Sagen Sie mir ... welcher Art sind diese postlagernden Briefe?" Wie sie ihn nun wieder ansah!... War es Empörung, Zorn, Spott, huschte es nicht wie verhaltene Heiterkeit über ihre lieben Züge... Gott! Wenn's doch hier nur ein klein bischen heller wäre!! Unsicher, : kleinlaut, aber von heißcm Flehen durchbebt klang seine Stimme, als er wiederholte: Ich bitte, Fräulein Erna, ich beschwöre Sie... sagen Sie mir alles.. Was ist's mit dieser - postlagernden Correspondenz?" Ja, sie war zornig, empört... Denn mit einer Energie, die er dieser stillen, blonden Schönheit nimmermehr zugetraut, klang es von ihren rosigen Lippen: Herr Bern mit welchem Rechte wagen Sie das zu fragen?" Nun gab es kein Zurück mehr für ihn. Er trat kühn entschlossen dicht zu ihr heran und flüsterte in leidenschaftlicher Erregung: ' Mit dem Rechte eines Mannes, der Sie liebt, wahr und innig liebt, mit dem Rechte eines Mannes, der Sie zu seinem Weibe machen und auf Händen tragen will" .. . Herr Arthur ... ist das ist das wirklich Ihr Ernst?!" Glauben Sie,- daß mir in dieser verhängnißvollen Stunde spaßhast zumuthe ist?... Wer weiß, wie lange ich dieses Geständniß noch scheu in meiner Brust'verschlossen hätte jetzt mußte es heraus ... Und nun entscheiden Sie!" Da stand sie wieder verlegen und verwirrt vor ihm und suchte nach Worten . . . Und doch! . . . Ein unerklärliches Etwas ließ ihn fühlkn, daß sie glücklich war... Rasch ergriff er ihre Hand und sprach weiter: Fräulein Erna... Fassen Sie Muth, sagen Sie mir alles . . . Vielleicht ist es gar nicht so schlimm... eine harmlose, Kinderei.,.,,, Ein Bube, der Sie irregeleitet, und den ich züchtigen werde!" Sie sah ihn glückselig lächelnd an . . . Herr Arthur ... Herr Arthur . . . wie .nett das von Ihnen ist ... wie nett" ... Fräulein Erna . . . geben Sie mir den Brief." Sie nickte entschlossen... dann nestelte ihre Hand in der Tasche umher und zog endlich einige zerknitterte Briefe hervor, die sie ihm reichte . . . Es waren alle vier... " Er trat unter die nächste Laterne und unterzog die verdächtige Correspondenz einer gründlichen Musterung ...Lächelnd stand sie dabei und sah ihm zu . . . Völlig rathlos starrte er sie an, als das bedeutsame Geschäft beendet war ... Fräulein Erna . . . was soll das nur heißen?... Lauter leere Bogen., kein Wort darauf... und wenn mich nicht alles täuscht... die Adressen... Ihre eigene Handschrist ... ich kenne sie doch ganz genau aus den Tanzkarten... Sie... Sie haben... mit sich selbst correspondirt?". Sie neigte wieder das Haupt. Ja Arthur." . Und warum warum das, Erna?" . . . Denken Sie ein bischen nach dielleicht fällt'S Ihnen ein!... Glauben Sie wirklich, daß ein Mädchen so dumm wäre, Sie selbst auf die Spur zu führen, . wenn Sie postlagernd Briefe von.', von anderen empfängt? . . . Habe ich's denn wirklich nicht gar zu deutlich gemacht?" Noch einen Augenblick starrte er sie an . . . dann schlug er sich mit der Hand vor die Stirn. Himmel! Ich Esel bin in die Falle gegangen! . . . Wie konnte ich nur? . . S':e haben ja meinen Argwohn erst künstlich geweckt.. Sie haben mich beim ersten Male förmlich nach dem Postamt gelockt." Arthur!... Sind Sie mir böse? Es war nur eine kleine, unschuldige Mädchenlist!... Sie waren gar zu schüchtern sträflich bescheiden . . . Ich glaube, wir wären alt und grau geworden - bevor Sie den Muth gefunden hättet, zu sprechen.. r Na, da durfte man doch schon ein klein bischen nachhelfen... Aber ich schwöre Jhnen: l soll gewiß nicht wieder vorkommen... Einmal postlagernd correspondirt und nie wiibirl" Erna!!... Sie willigen ein?" . Ohne ihre Antwort abzuwarten, zog er sie an seine Ärust und legte ihren Arm in den seinen. Gottlob, daß eö hier draußen nicht gar so hell war ...
Vom Jnlande. Laut dem soeben beendeten Staatscensus hat Massachusetts in den letzten zehn Jahren an Bewohnern eine Einbuße erlitten, und sind diesmal um 2635- Personen weniger gezahlt worden, als vor Zehn Jahren. Fast sämmtliche kleine Ortschaften sind hinsichtlich der Bewohnerzahl zurückgegangen, und hat der Ort North Brookfield sogar 34.54 Prozent seiner früheren Einwohnerzahl verloren. In dem unweit Wilkesbarre, Pa., gelegenen Mountain Top istFrau Samuel P. Swartwood, Mutter von 25 Kindern, einem Herzleiden erlegen. Sie war 47 Jahre alt. heirathete mit 14 Jahren, und ihr erstes Kind wurde ein Jahr später geboren. Unter den 25 Kindern befinden sich zwei Zwillingspaare; das letzte Kind ist vor einem Jahre geboren. Frau SwartWood war stets sehr stolz auf ihre Kinderschaar und mochte nicht mit der reichsten Dame des Landes tauschen. DerMayorvonBaltimore erhielt dieser Tage von Thomas H. Wieder aus Warren, O., ein altes Maryländer Lotterieloos vom Jahre 1853 zugesandt, welches zum Besten des Patapsco Femal - Institut" ausgestellt war. Die Nummer des Looses war 646.978. Die Ziehung fand am 10. Mai des genannten Jahres statt. Es war ein Viertel-Loos. Hr. Wieder hatte das LooS in einer alten Bibel aufgefunden, die er kürzlich in der Nähe von Bethlehem, Pa., erstanden hatte. Durch Zufall erschossen wurde Harry A. Carroll, der 12 Jahre alteSohn des im Town Vernon, Wis., wohnhaften Farmers Thomas Carroll. Der Knabe gedachte auf die Jagd zu gehen und hatte sich etliche Patronen für die alte Schrotflinte gekauft. . Er lud das Gewehr und wollte dieses dann untersuchen. Der Hahn streifte einen Nagel, der Schuß krachte und die Schrotladung drang dem Knaben in den Mund. Er war auf derStelle todt, denn der Obertheil des Kopfes war fortgerissen worden. Nach Ablauf von 20 Iahren wurde John Marts von Turtle Creek, Pa.. der seiner Zeit von einem einstigen Liebhaber seiner Mutter entführt worden war, von Georgen Hammerle, einem in Allegheny wohnenden Vauschreiner, der mit der Familie bekannt ist. entdeckt. Der Vater, der in Lovis Postoffice in Beaver County ansässig ist, 'hat Hammerle vom Auffinden des Sohnes inzwischen in Kenntniß gesetzt. Nach 20jähriger Trennung werden Vater und Sohn nunmehr wieder zusammenkommen. Zu T o d e g e ä n g st i g t hat sich allem Anschein nach Andrew Tepler, einpolnischer Kaufmann von.Pittston Pa. Er starb, wie man glaubk, indirekt als ein Opfer der Schwarzen Hand". Tepler soll von Mitgliedern der Schwarzen Hand" mehrere Briefe erhalten haben, in welchen ihm mit dem Tode gedroht wurde, falls er nicht den Absendern der Briefe groe Geldsummen ausfolge. Diese Schreiben, die ihm schon seit Monaten zugingen, haben Tepler in einen Zustand steter Angst versetzt, welcher feine Gesundheit untergrub. EineinHelena, M o n t., etablirte Firma beabsichtigt, einen zweiten Damm über den Mississippi River zu errichten, welcher für die Minen und die Stadt zu Fabrikanlagen von unberechenbarem Vortheil sein wird. Der neue Damm wird gerade unterhalb Prickley Pear Creek am Zusammenfluß mit demMissouri River gebaut, et wird einen Fall von 60 Fuß bekommen und zusammen mit dem Damm bei Canyon Ferry 25.000 Pferdekräfte liefern können. Das aufgestaute Wasser wird 2000 Acker Land bedecken und einen schönen' See geben, der, nur acht Meilen von Helena entfernt, ein schöner Ausflugsort für Sommerfrischler zu werden verspricht. Beträchtliche Aufregung rief kürzlich zu Hoboken in der Polizeistation die von Jletcher's Schiffsbauhofe eingetroffene Telephon-Mel-dung hervor, daß dort eine in einem Sacke steckende Leiche im Wasser treibe. Rasch wurde ein Polizist abgeschickt, um der Sache nachzuforschen, und auf dem Wege dahin bestellte der Polizist auch den Morguewagen. Als er im Fletcher'schen Bauhofe eintraf, fah er richtig die im Wasser treibende Leiche, die nun mit einiger Mühe an's Land gebracht wurde. Langsam öffnete der Polizist den Sack und es kam eine hölzerne Jndianergestalt zum Vorschein, wie sie vor den Cigarrenläden zu stehen pflegen. DurchdieSchuldvon Einbrechern ist in NewYork ein Säugling beinahe erstickt. Eine Frau Lena Grandeck hatte sich Nachmittags in einem Vorderzimmer ihrer Wohnung zu einem Schläfchen hingelegt, neben sich eins ihrer ein Jahr alten Zwillinge, während das andere Kind in einem Hinterzimmer schlief. Während die Frau im Schlafe lag, drangen Einbrecher durch dies Hinterzimmer in die Wohnung, ohne daß die Frau etwas hörte. Als sie erwachte, fand sie. daß Kleidungsstücke im Werth von $150 verschwunden waren. Das Bett, auf dem das Kind in dem Hinterzimmer schlief, war mit einem Hausen Kleidern bedeckt, und als die Frau die Bedeckung abhob, fand sie, daß ihr Kind beinahe erstickt war. Die Frar. meldetl den Vorsall in der Polizeistation. -
Vom Auslande.
-Die Automobil-Renn-Woche in Brighton, England, ist an glänzenden, aber auch an humorvollen Einzelheiten reich gewesen. Unter den am Rennen theilnehmenden Damen war eine durch ihr wundervolles rothbraunes Haar aufgefallen, das sich in ihrem Nacken zu einem mächtigen Knoten zusammenschlang. Die Trägerin dieses herrlichen Hauptschmuckes befand sich unter den Ersten, die als Sieger dem Ziele nahten. Da nahezu im letzten Augenblick, löste sich der viel bewunderte Lockenknoten, löste sich nicht nur. sondern trennte sich gänzlich vom Haupt der Trägerin und flog durch die Lüfte davon. Ungeheure Heiterkeit von Tausenden der Zuschauer, das donnerndste Hurra und Gelächter erschallte. Die Besitzerin des davon geblasenen Lockenschmuckes ließ sich durch diesen schrecklichen Zufall nicht beirren. Lieber die Haare vom Kopf verlieren als das Rennen," schien der Entschluß dieser modernen Atalante zu sein. Unentwegt und jetzt von gewaltigem Jubel umtost, raste sie weiter, überholte alle Concurrenten und ging als Siegerin durchs Ziel. Gerade kein besonders günstiges Licht wirft auf die Sicherhcitszustände der französischen Hauptstadt ein Vorfall, der sich unlängst abgespielt hat. Des Abends gegen neun Uhr rotteten sich an der Ecke der Rue Nationale und Avenue de Neuilly eine Bande von zwölf bis vierzehn halbwüchsigen Burschen zusammen. Nach einem erregten Wortwechsel bildeten sich zwei Parteien, man zog Revolver aus der Tasche, und bald war eine reguläre Schlacht auf offener Straße im Gange. Die entsetzten Bewohner der umliegenden Häuser liefen zur Polizei, und schnell erschienen denn auch mehrere Beamte auf dem 5Znmpfplatze. Bei ihrem Nahen entfloh ein Theil der Burschen, während die anderen schnell Frieden schlössen, sich mit vereinten Kräften gegen die Polizisten wandten und sie mit Revolverschüssen empfingen. Infolgedessen mußten auch die Beamten von der Waffe Gebrauch machen, und erst nach einer Stunde gelang es ihnen, die Rowdies zu bewältigen. Vier von dies:n mußten sofort in ein Krankenhaus gebracht werden, und von den Polizisten hatten ebenfalls zwei Verletzungen davongetragen. Die Frechheit der Einbrccher und Diebe in den westlichen Vororten Berlins geht infolge der ungenügenden Zahl der Sicherheitsorgane so weit,- daß in letzter Zeit ganze Gärten gestohlen worden sind. Und zwar nicht etwa die sogenannten Restaurationsgarten, die der Stift" heraus- und hereintragen kann, sondern es, handelt sich hier um wirkliche Vorgärten, , deren Bäume die Diebe sammt den Wurzeln aus der Erde herausgraben und dann auf zweispännige, vor dem Hause haltende Ackerwagen aufladen, um die Beute dann in den Nachtstünden nach entfernten Vororten zu fahrem So wurden in einer Nacht vor einem Hause an Neue Ansbacher Straße vier prachtvolle, mächtige Lorbeerbäume in großen Kübeln gestöhlen. In dem Vorgarten eines Hauses an, derselben Straße konnten die Diebe ungehindert mehrere Dutzend gros'r, herriicher Rosenstöcke ausgraben und erbeuten. Der Vorgarten ei-, nes dritten Hauses wurde vollständig ausgeplündert. Neun große, in die Erde eingepflanzte Lebensbäume, sämmtliche Blumen und Ziersträucher, kurz der ganze Garten, wurde hier fortgetragen. Eine höchst abenteuerliche Geschichte ereignete sich jüngst auf einem Londoner Polizeirevier. -Ein junger Schotte war verhaftet worden, weil man vermuthete, daß er durch falsche Vorspiegelungen habe Geld erlangen wollen. Er gab an, daß er ein Pririz aus dem berühmten Hause Conde, ein Mitglied des bourbonischen Fürstengeschlechts. ,einAbkömmling der polnischen Adelsfamilie Sobieski und der Häuptling der schottischen. Clans Ailpein und Maclennan sei. Der sondcrbare Fremdling war etwa drei Wochen vorher zum ersten Male im.Süden Englands gesehen worden und hatte in verschiedenen Dörfern Beschäftigung als Schafhirte gesucht. Er trug ein schottisches Hochlandskostum und erregte durch sein bescheidenes und schüchternes Wesen sowie durch die Vornehmheit und Feinheit seines Aussehens das Interesse eines Pfarrers, der ihn aufnahm und mit Geld ausstattete. Später jedoch wurde der Pfarrer mißtrauisch und ließ ihn gefangen nehmen. Der junge Mann nennt sich Sheamus Sobieski Bourbon Abrach; er erzählt, daß seine Ahnen schottische Häuptlinge gewesen seien; daß die einzige Tochter des Hauptes der Familie einen Prinzen von Conde gehejrathet habe; daß dann beim Ausbruch der französischen Revolution das damalige Haupt der Familie nach Polen ausgewandert sei und dort eine Sobieski geheirathet habe. Nach dem Fall Napoleons 'sei seine Familie nach Schottland zurück gekehrt und habe hier ein völlig zurückgezogenes Hirtenleben in den Ruinen ihres alten Schlosses geführt, bis die Reisesehnsucht nun den Jüngling aus dieser Abgeschlossenheit herausgeführt habe. Von dem Glanz und der Vornehmheit seines Geschlechtes, schien der Jungling nichts zu wissen.
Fnr die Küche. Gebratener Käse. Recht trocken ausgepreßter Weichkäse (Quark) wird ungesalzen in einem tiefen Teller oder in einer Schüssel in die Küche gestellt, weil er im Warmen schneller schmierig wird. Ist dies geschehen, so zerläßt man ein Stück Butter in einer Pfanne, thut Kümmelkörner dazu und einige Löffel sauren Rahm, falzt dann denKäse, läßt ihn gut durchbraten und gießt ihn dann aus. Man schneide den Käse. nicht in. Scheiben, denn er teocknet so zu schnell aus, sondern gieße ihn in eine kleine, recht tiefe Schüssel. Dieser Kiase kommt jedem anderen feinen Dessertkäfe gleich. Gespickte Kalbsleber mit Selleriepüree. Eine schön gespickte Kalbsleber brät man in Butter aus allen Seiten an, gießt Wasser oder Brühe dazu und läßt sie weich und gar dünsten. Dann nimmt man die Leber heraus, verkocht die Sauce mit etwas Wein und verquirltem Kartoelmehl und verfeinert sie mit etwas Bratensauce. Die geschälten in Stücke geschnittenen Sellerieknollen kocht man in Salzwasser weich, drückt sie durch ein Sieb, verkocht das Püree mit etwas in Butter gar gedünstetem Mehl und Salz und Pfeffer. Man richtet die zerschnittene, mit der Sauce begossene Leber in der Mitte der Schüssel an und gibt das Sclleriepüree rund herum. , Lammbraten. Hierzu wählt man entweder das Schulterstück oder die Keule mit dem Nierenstück. Das Fleisch wird gut abgewischt, mit Salz bestreut und in einer Pfanne mit reichlicher. siedender Butter bei ziemlicher Ofenhitze, unter fleißigem Begießen 1 bis iy2 Stunden gebraten, wobei man dann und wann einige Löffel kräftige Fleischbrühe zuschüttet und Acht gibt, daß der Bratensatz in der Pfanne nicht zu braun werde. Beim Anrichten garnirt man denLammbraten mit ausgebackener Petersilie und gibt die mit Fleischbrühe verkochte und mit sehr wenig hellbraun geschwitztem Mehl feimig' gemachte Sauce nebst Salat oder feinem, grünem Gemüse dazu. Kalbsniere schnitten. Die in ihremFett gebratene Niere wird mit einem Stückchen gekochten Schinken und einer Scheibe Kalbsbraten ganz fein gehackt. Da hinzu fügt man ein in kaltem Wasser aufgeweichtes und stark ausgedrücktes Milchbrot, etwas gewiegte Petersilie, 2 Eigelbe, Salz, Muskatnuß. Danr schneidet man runde Semmel, die vorher ein weng abgerieben und von der Rinde befreit wurden, in fingerdicke Stücke, legt diese einige Augenblicke in kalte Milch, welche mit den beiden Eiweißen vermischt wurde, und giebt auf jede Semmelscheibe 1 2 Theelöffelchen Farce, drückt dieselbe fest mittelst Messer auf und kerbt sie kreuzweise ein. Darauf dreht man die Nierenschnittchen in Semmelkrumen um und bäckt sie in steigendem Bratcnfett und Butter auf beiden Seiten goldgelb. Die mit Farce bcstrichene Seite kommt zuerst in das Fett. Als Beilage zu feinen Gemüsen, wie Spinat, auch Wirsing oder grünem. Salat, eignen, sie sich vortrefflich. K a l b s b r a t e n a u fl a u f. Man schneidet in der Schale gekochte und abgezogene Kartoffeln in Scheiben, hackt Ueberreste eines Kalbsbratens und etwas rohen Schinken ziemlich klein, reibt Parmesankäse hinzu und mischt es untereinander. Die Hälfte dieser Masse füllt man in eine Form und übergießt sie mit folgender Sauce: In Butter gebräunte, kleingeschnittene Zwiebel. Salz, saure Sahne und übrig gebliebene Kalbsbratensauce. Dann wird der Rest der Masse eingefüllt, mit Paniermehl bestreut und mit zerpflückter Butter belegt. Dreiviertel Stunden in mäßiger Hitze zu backen. Das Ganze wird dann in der Form auf den Tisch gebracht und daraus vorgelegt. Rührei in Coquillenschal e n zu vier Schalen. . 6 Eier, 1 Eßlöffel. Milch. 2 Eßlöffel Sahne. iyx Unze Butter, 2 Eßlöffel gehackte Champignons oder Morcheln, 1 Unze gekochter gehackter Schinken, 2 Sar bellen, etwas Salz. Von 6 Eiern. 1 Eßlöffel Milch und etwas Salz wird mit der Hälfte Butter ein Rühr:: bereitet. In der übrigen Butter werden die gehackten Champignons oder Morcheln gedämpft, 2 EßlöffelSahne, Schinken und Sardellen werden damit vermischt. Diese Mischung wird abwechselnd mit dem Rührei in die erwärmten Coquillenschalen gefüllt, geriebeneSemmel wird darüber gesiebt und die Schalen recht heiß servirt. Paprikafleisch mit Reis. Ein ' junges Huhn wird zerlegt oder ein derbes Stück Kalbfleisch in hübfche Stücke geschnitten. Jetzt pflückt man in eine Kasserolle Butter klein, legt die Fleischstücken darauf, salzt sie, und streut eine Messerspitze Paprika darauf, ja nicht zu viel. Nun legt man nochmals ein paar Stücke Butter darauf, gießt so viel kochendes Wasser auf,, daß das Fleisch knapp bedeckt ist. und läßt es, fest zugedeckt, halb weichdünsten. Dann verquirlt man saure Sahne mit Mehl und einer Kleinigkeit Zucker, gießt dies an das Fleisch und läßt es noch etwa H bisH Stunde dünsten, wobei man -öfter schüttelt, daß es nicht anhängt. Dazu wird derb gekochter Wasserreis servirt.
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