Indiana Tribüne, Volume 28, Number 308, Indianapolis, Marion County, 19 August 1905 — Page 7
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milnt 311 ffr T fllllVI WUViU 4 Aus dem Dänischen Von L. Budde 0--0-0-0-0-q 9-q--o-0--0-0 j (Fortsetzung.) Paul hatte indessen offenbar gerade so wenig' Gedanken für seines Freundes Mißstimmung, als für Elses Vertraulichkeit. Er nahm letztere als eins natürlich und nothwendige Folge ihres gemeinsamen Interesses und hatte bei feinem Eifer für sein Vorhaben keine Ahnung von der ersteren, bis er einmal zufällig plötzlich stehen blieb und sein Auge auf Herrn Svanes Gesicht fiel. Und da es ihm vorkam, als bedürfe diiser einer kleinen Aufmunterung, be eilte er sich, ihm zuzurufen: Aber Du guter, alter Wiking! Stehst Du so müßig da? Wirf den Priesterrcck weg und faß mit an!" Es war immer eine Lieblingsnei gung bei ihm. mit solchen leichten und scherzhaften Redensarten die geistliche Würde und die nordischen Neigungen seines Freundes und Hausgenossen gleichsam überzureiten. Herr Svane pflegte solche Versuche regelmäßig mit etwas jähzorniger und ärgerlicher Miene abzuweisen und wollte es auch diesmal mit einer gewissen Kraft thun, aber er hatte keine Zeit dazu, denn in demselben Augenblick war alles in Ordnung und Paul kommandirte: Aus die Plätze! Ich nehme dieses Loch, Svane nimmt das andre und Soren hält den Nacken steif und feuert!" Jawohl, Paul!" antwortete Soren, fügte aber mit einem prüfenden Seitenblick auf den fremden Stuben ten bedenklich hinzu: Es' wäre am besten, wenn Jungfer Elfe erst beiseite ginge, denn so ein Fuchs ist eine garstige Bestie, wenn man mit ihm zurechtkommen will. Er wird kratzen un) beißen!" Else war indessen sowohl zu muthig als auch zu voll von Interesse für die Sache, als daß sie sich vor dergleichen hätte fürchten können, weswegen Soren mit beifälligem Nicken an fein Werk schritt, den Nacken steif hielt, wie Paul ermahnt hatte, und Feuer anlegte. Es entstand ein spannendes Schweigen, ein dicker Rauch stieg auf und wälzte sich in qualmenden Wolken durch die Oeffnung hinein, so daß Reineke Fuchs durchaus hinaus mußte. Aber mit der Schlauheit, die diesem Thiere eigen ist, wählte er sofort und sicher den schwächsten Punkt und fuhr wie ein Blitz mit seiner spitzen Schnauze durch die Schlinge auf Herrn Svanes Posten. Als er das ungemüthliche Schnüren der Bänder um seinen Hals fühlte, stand der Fuchs einen Augenblick still und zeigte knurrend eine schneeweiße Reihe spitzer Zähne, während sowohl er wie Her? Svane im ersten Augenblick der Ueberraschung sich einander gleich verdutzt anstarrten. Faß ihn, Mensch! Warum, zum Henker, faßt Du ihn nicht?" rief Paul, vor Eifer glühend, und eilte mit allen Kräften herzu. Aber mit einem gewaltigen Ruck hatte Reineke Fuchs schon feine Fesseln gesprengt und verschwand mit einer Schnur als Siegeszeichen um den Hals, zierlich das Gras hinter sich mit seinem langen, buschigen Schwanz wischend, während Herr Svane ihm mit einem etwas verblüfften Ausdruck nachstarrte. Ich begreife nicht, wie Du ihn laufen lassen konntest!" rief Paul in einem etwas gereizten Tone, während er stillstand und ebenfalls ärgerlich der fliehenden Beute nachstarrte. Ich hätte vielleicht nichts davon sagen sollen, daß er beißt!" fügte Soren mit reuevoller Miene hinzu, als ob er einräumte, daß er sich wegen dieser unbesonnenen Aeußerung keineswegs von einem gewissen Antheil an dem Ausaanq freisprechen könne. Und Herrn Svane kam es so vor, als )tibt m Jungfer mjes isenajt et:: Ausdruck sei, wie wenn sie sagen wollte, daß es allerdings eine Schande für ihn sei, den Fuchs haben laufen zu lassen. So von allen Seiten angegriffen, bekam er plötzlich fern Selbst gefühl zurück, erhob rasch seinen Kopf und antwortete: Ich brauche mir gar nichts daraus zu machen, weil ich keine Lust habe, mich wegen Narrenspoe.i beißen und kratzen zu lassen. Es lag in dem Tone, womii dies gesagt wurde, der natürliche Ausdruck gekränkter Empfindung, so daß El! bei dem Gedanken daran, daß er ihr Gast sei, errathend emen entschuldigen den und freundlichen Blick auf ihn rich iete, und der reuevolle Ausdruck auf Sorens Gesicht verschwand, während Paul schnell versöhnend antwortete: Liebster Svane! Ich weiß ia sehr gut und habe keinen Augenblick daran gezweifelt, daß Du von den echten. nordischen Helden abstammst. Aber Du mußt auch, nicht kommen und sagen, daß es Narrenspossen seien, ob wir Vater zum Abendbrot einen lebendiaen Fuchs bringen können oder nicht!" Nachdem Herr Svane eine so schöne und völlige Genugthuung erhalten hatte, mußte er seinerseits auch bekennen, daß er in seinen Aeußerungen zu weit gegangen sei, und daß es keine Narrenspossen seien, um die es sich hier gehandelt habe. Diese gegenseitigen Erklärungen und Zugeständnisse schie nen bedeutend dazu beizutragen, dai
gemeinsame Unqlück erträglicher zu
machen und im Ganzen genommen ein neues und besseres Emverstandmß bei der Jagdgesellschaft herbeizuführen. Es ging indessen mit Pauls Jagdust wie mit jenem Schwert, das, wenn es erst gezogen war, nicht wieder in die Scheide geiteckt werden konnte, ohne Blut geschmeckt zu haben einmal ge weckt, forderte sie. befriedigt zu werden. Im Wald war indessen nichts andres zu thun, als em paar Schlingen für die kleinen Vögel aufzuhängen, und das mußte obendrein heimlich und mit der größten Vorsicht geschehen, da man wußte, daß solches Verfahren dem ernstesten Einspruch begeanen wurde sowohl von Seiten Sorens infolge seiner Vorliebe für alles Besiehende als auch von Selten Elses wegen ihrer weib--lichen Neigung für das Beschwingte und Poetische. Gemacht wurde es nlkytsdestowcmger, und da.es doch deler war als nichts, schlenderte Paul bald mit der übrigen Gesellschaft zum Strande hin, seme Enttäuschung mit ziemlich viel Gemüthsruhe ertragend und gestärkt durch das innere Behagen. das sich gern bei dem Bewußtsein einstellt, ein lnterejiantes Geheimmg ur sich zu haben. Bevor die Abcndglocken läuteten und das geschah in der Regel zwischen echs und sieben Uhr war noch Nicht die rechte Zeit gekommen, auf den Fischfang zu gehen, weshalb man beim Rattenberg stehen blieb und überlegte. wie man die Zeit bis dahin am besten anwenden könne. Else schlug vor, rund um die Insel zu gehen, um ihrem Gaste alle ihre Herrlichkeiten auf einmal zu zeigen, aber Paul wünschte noch immer, seine Kräfte edleren Unternehmungen zu weihen, und widersetzte .sich kraftig. Recht sonderbar war es, zu beobachten, wie er, der sich noch am Abend vorher als ein wissenschaftlich gebildeter junger Mann mit überlegenen Kenntnissen in feinem Fach und einem alles verschlingenden Interesse dafür gezeigt hatte, nun nach und nach in die Neigungen seiner Knaoeniahre hinüberglitt und sich ihnen mit nicht geringerer Leidenschaft hingab, als er vorher für die Wissenschaft bewiesen hatte. Soren bemerkte es mit Freuden und ließ seine Augen wohlgefällig auf dem so verwandelten jungen Arzte ruyen, wahrend er mit größter Ruhe das Resultat der gegenwärtigen VerHandlung abwartete. Es war einer großen Ratte vorbehalten, den Ausschlag zu geben, indem sie plötzlich mitten zwischen sie fuhr und in eins der unzähligen Löcher am Abhang der Hohe verschwand. Unwillkürlich rückte Herr Svane auf die Seite, wahrend Soren, der den Eindruck bemerkte, den die Ratte gemach! hatte, ihr stolz nachzeigie und äußerte: Solch eine tüchtige hat der Student wohl niemals vorher gesehen?" Wir haben auch Ratten in Kopenhagen, und die mögen noch größer sein!" erlaubte sich der junge Geistliche einzuwenden. Na, dann haken Sie sie!" antwortete Soren. ziemlich gekränkt über disen Angriff auf die Ehre feiner eigeneil Ratten. Ja, aber unsre sind trotzdem die wildesten. Sie sind so fett und so stark und so wuthend, daß mit ihnen nicht auszukommen ist. und eine friß! die andre auf wie einen Wisch." Sie können sich dock nicht mit den braunen Ratten messen, und das sino die, die wir haben!" wandte Her? Svane wieder mit einer sonderbaren Hartnäckiakeit ein. die sicher durch die augenblickliche Mißstimmung, unter der er litt, hervorgerufen worden war. Dann kann ja der Student selbst versuchen, sich mit ihnen zu beißen!" antwortete Soren. seiner Sache nicht weniger sicher. Ich wage unsre Ratten!" Wie Herr Svane mit heiler Haut aus dieser Beweisführung hätte entschlüpfen wollen, ohne zugleich seine Sache als verloren auszugeben, ist nicht leicht zu verstehen, und so wandte denn auch Soren schon einen triumphi renden Blick gegen ihn, als Paul unerwartet zu seinem Entsatz kam, indem er voll Eifer ausrief: Du hast recht. Soren! Wir müssen auf die Ratten und versuchen, uns ein wenig mit ihnen zu beißen. Es wäre nicht so übel, wenn wir mit ihnen fertig würden, denn sie fressen uns fönst noch mit Haut und Haaren auf!" Wart ein wenig. Paul! Wart ein wenig!" äußerte Soren beruhigend, während sich bei dieser Wendung eine leichte Verwirrung auf seinem Gesicht malte. Einerseits konnte er nämlich nicht leugnen, daß die Fertigkeit im Essen, die er neulich in so hohen Tönen gepriesen hatte, ab und zu druckend genug werden konnte, und anderseits schätzte er die Ratten hoch als eme Ei genthümlichkeit, die nun einmal zu sei ner Insel gehörte und ihr bis zu einem gewissen Grade Ehre machte. Gluck Her), einen so reichen Tummelplatz für seinen Unternehmungsgeist gefunden zu haben, vergeudete Paul indessen, di Zeit nicht damit, auf solche mildernden Vorstellungen zu lauschen, die doch fruchtlos sein mußten, sondern sprang auf und fuhr lebhaft fort: Else und ich können ganz gut alle Ratten auf unser Gewissen nehmen und inzwischen kann Svane mit Soren das Volks leben in seiner Unmittelbarkeit studi ren. Komm, Else!" Das junge Mädchen erröthete leicht zögerte einen Augenblick und dachte wieder an die weibliche Zurückhaltung aber da sie diese doch einmal für dies: Nachmittag aufgegeben und Pauls Begeisterung, die fröhlichen Künste jener sonnigen Tage, wo sie sich, ihnen m
sorgloser Eintracht hingegeben hatten, auf's Neue zu versuchen, etwas unwiderstehlich Ansteckendes hatte, so erhob sie sich und folgte ihm mH unverkenn
bar gutem Willen, wahrend Herrn Svanes Augen sie mit einem finsteren Ausdruck begleiteten. Wenige Minuten spater waren die beiden längs des Abhanges der Höhe in voller Thätigkeit und stellten Schlingen für die u?men Ratten mit einer Fertigkeit und einer glücklichen Anlage zum Zusammenwirken, die deutlich genug zeigte, daß sie nicht zum ersten Male diese Kunst zusammen übten. Herr Svane blieb allein mit Soren zurück, und schwerlich konnte er einen würdigeren Gegenstand finden, um das Volksleben in semer Unmittelbar zu studiren. Soren hatte seinerseits auch i:ohl Lust, dem jungen Geistlichen ein bischen auf den Zahn zu fühlen und zu prüfen, wozu er tauge, nachdem er sich berufen gefühlt hatte, hier den Ton anzugeben. Aber eine bedeutend größere Ausbeute wurde doch unzweifelhaft aus dieser Begegnung herausgekommen sein, wenn einerseits Herr Svane sich in einer leichteren und weniger gedruckten Gemuthsstimmung befunden und anderseits Soren nicht wegen seines Mißgeschicks mit dem Fuchs ein ganz klein wenig sein Gleichgewicht verloren gehabt hatte. So w:e die Sache nun stand, mußte indessen daraus gemacht werden, was gemacht werden konnte. Eine Weile betrachteten sie einander schweigend, denn Soren wußte nur zu gut, wie viel leichter man mit seinem Munde beim Fragen in Verlegenheit komme, als beim Antworten, als dan er sicb darauf eingelassen hätte, den Anfang zu machen, und sonderbar genug lag in seiner stummen, undurchdringlichen Ruhe etwas, das den jun gen Geistlichen ein wenig verwirrte, so daß es ihm, dem warmen Fürsprecher des lebendigen Wortes, schwer wurde, herauszufinden, wie er die Sache angreifen solle. Es ist wohl ab und zu etwas todt auf solch einer kleinen Insel?" lautete endlich seine Frage. Ja, der Herr Student hat wohl gehört, daß unser rother Gaul todt und hin ist!" antwortete Soren mit einem Anstrich von Wehmuth. Wir haben statt dessen einen mit einer Blesse, aber er ist nicht hier auf der Insel gezogen, und das ist nur so so mit ihm." Aber ist hier keine geistige Bewe gung?" fragte der Geistliche, sowohl den rothen als den besternten Gaul mit abweisender Hand von sich schiebend. Nimmt man zum Beispiel hier gar nicht Theil an der Politik?" Doch, doch!" antwortete Soren mit Selbstbewußtsein. Wir waren im Frühjahr einmal drüben auf dem Land, um zu wählen, denn sie hatten sich geietzllch gegen den Konig aufgelehnt, wie der Herr sagte." ..Welcher Partei schlössen Sie sich denn an?" fragte Herr Svane mit erwachendem Interesse. Ja, das muß ich sagen, danach zu fragen, habe ich gar nicht einmal gedacht," antwortete Soren nachdenklich. Ich werde dem Herrn Studenten sagen, wie es zuging, denn ich stand dem Ganzen vor. Ich konnte eigentlich noch gar nicht wählen, aber ich wußte trotzdem am besten, wie es gemacht werden mußte. Und so ging ich zum Herrn und sagte: ,Wen sollen wir wählen, Herr?' .Ihr sollt den wählen. den ich nun sage, und dann bezahle ich. was es kostet!' antwortete er, denn der Herr ist ein sehr bestimmter Mann m solchen Tmqen. ,Das soll ae schehen, Herr!' sagte ich, und dann fuhr ich selbst mit hinüber und paßte auf. daß keiner hinging und falsch wählte. Und sie sagten auch, daß wir von hier den Ausschlag gegeben hätten. denn unser Mann bekam fünf Stlm men mehr als der der Deutschen, und die fünf Stimmen waren gerade von hier." r rit ;i y i' i ri teeren iag INII oerecunaiem eiongefühl über die Bedeutung seiner In sei auf, aber der junge Geistliche schüttelte mißbilligend den Kopf und rief: Nennen Sie das wirklich an der Po litik theilnehmen? Das kann man ja gar nicht Gebrauch femer Freiheit nen nen!" Nein, das kann wohl sein!" räumte Soren ein und starrte gleichailtia in die Luft hinaus. Aber das wird nun nicht anders hier bei uns. Man hört ja genug, daß sie an andern Orten dumm sind. Aber. guter Gott! Was nennen S:e denn Ihre Rechte und Pflichten?' frogte Herr Svane, über eine so grob und halsstarrige geistige . Stumpfhei stutzend. Das werde ich dem Herrn Studen ten sagen, antwortete Soren ruhig. Wenn Jemand mit diesem oder jenem in Verlegenheit kommt, so geht er zum Herrn und sagt es ihm, und dann hilf der ihm. wenn er kann. Und wem Jemand krank wird oder irgendwelche Noth leidet, so kommen sowohl Madame Brus als auch Jungfer Else und setzen sich zu ihnen und trösten sie und geben ihnen, was sie haben. Und wenn Jemand aus einer Sache nicht herausfinden kann, dann geht er zum Schul meiste?, und es gibt nichts, das er nich wieder in Ordnung bringen kann Sehen Sie, das nennen wir unsre Rechte. Und wenn wir dem Herrn oder dem Schulmeister oder der Ma dame oder der Jungfer Else einen G?fallen thun können, dann thun wir es mit gutem Willen. Und wenn Jemand draußen tm Fiord m Gefahr kommt dani gehen wir eher mit ihm zu Grunde, als dah wir ihn liegen lassen,
Sehen Sie, das nennen wir unsre rvi i - ... . . . . .
Psucylen. Aber bort ist es vielleicht anders, woher der Herr Student ist. Jeder hat seine Ordnung, und sie fön nen alle zusammen gut sein!" 12 lag etwas Großartiges, ca& im willkürlich Herrn Svanes Gemüth erfaßte, in der ruhigen, ganz bestimmten Weise, womit Soren diese Erklärung abgab. Aber seiner Aufgabe getreu. konnte der junae Freiheitsmann doch seinen Gegenstand nicht so leicht fallen lassen und antwortete deshalb: Das alles ist hübsch und gut, und ich habe mich wirklich gefreut, es zu hören, aber das ist doch nicht genug. Gibt es denn hier nichts, was Ihnen eine rechte Herzenssache geworden ist?" Das konnte schon sem." antwortete Soren und warf ibm einen listigen zu. smt Aueue schwankte ei augenscheinlich, ungewiß, wie weit er in solchen mehr kitzlichen Sachen einem ungen Fremden trauen dürfe oder nicht, aber dann wandte er sich mit entchlosjener Miene gegen ihn und fragte: .Ist es wahr, was man sagt, daß d:r Herr Student gerade so weit wie der Schulmeister gekommen ist irnd daselbe wie er machen kann? Der Schulmeister?" rief Herr Svane aus. überrascht, daß überhaupt von einem solchen Vergleich die Rede em konnte. Ach a. das glaube ich doch!" Nach dieser Erklärung hielt Soren ich für berechtigt, alle Bedenken über Bord zu werfen; er rückte ihm näher und fuhr :n einem vertraulichen Tone ort: Weil der Herr Student nun gerade von Herzenssachen spricht, so st da etwas, das mir sehr am Herzen iegt. Ich kenne einen Knecht, der seit ein Paar Jahren gut Freund mit einem Madchen hier auf der Insel gewesen st, und er steht nun in dem Alter, daß er daran denken kann, sich zu rerheirathen. Nun aber hat das Madchen Grillen bekommen und denkt an einen drüben auf dem Lande, der ein Hauö und ein Sckwein bat. "d das ist toti nicht etwas, weshalb man gleich von der eigenen Geburtsinsel fortgeht, um m em Haus und zu emem Schwein zu ziehen. Und deshalb hat der Knecht beschlossen, ein Lied auf sie zu mache::; dann kommt sie vielleicyt wieder zu recht. Ich habe ihm nun einen Vers nach einer alten Aufschrift gegeben, aber es sollen drei Verse sein, und deshalb ist es mein Begehr, daß der Herr Student die beiden andern dazu setzen möchte. Es geht so!" Soren legte den Kopf auf die Seite und sang mit wehmüthiger Stimme und tiefstem Ernst in all seinen Zügen: Ein neue! Lied nun will ich singen Und senden meiner Freunde Schaar! Vom schönen Mädchen soll's erklingen, Ta- einst mir treu in Liebe war. Toch Falschheit, die wir alle kennen, Fand sich bei meiner Freundin ein, Und soll ich ihren Namen nennen, So muß er Änna Marie Peters sein!" Das ist ihr Name, und darin kann sich keiner irren!" fuhr Soren nickend fort. Aber nun mußten wohl noch ein paar Verse von ihrer Falschheit und dem Liebesglück gemacht werden." Sorens gereiftes und verständiges Gesicht nahm bei diesen Aeußerungen einen gewissen schwärmerischen Ausdruck an, und man hätte meinen sollen, daß Herrn Svane nichts willkommener sem müsse, als sich so Hals über Kops mitten in einen ungeschminkten Liebesroman hineinzustürzen. Nichtsdestoweniger ergriff er endlich etwas unsicher und schwankend das Wort und antwortete: Das ist wirklich eine eigene Sache. Wenn Ihr Freund oder Bekannter wirklich das Madchen liebt" . Der Knecht liebt das Mädchen, dafür stehe ich!" antwortete Soren. Und sie liebt ihn auch glaubt er. Aber es ist das Haus und das Schwein!" Wie vorhin lag wieder in seinem Tone dasselbe Gepräge von unbedingter Zuverlässigkeit und Sicherheit, die es unmöglich machten, daran zu zweifeln, daß es sich hier so verhielt, wie es vorgestellt war, und wiederum blieb Herr Svane schweigend sitzen, ungewiß, was er sagen sollte. Ter Herr' Student versieht es vielleicht nicht, Verse zu schreiben?" fragte Soren. sich heimlich daran ergötzend, so dessen Unvermögen bloßqestellt zu haben, anscheinend aber mit Bedauern. Der Schulmeister kann sie schreiben. gerade so geschwind, wie es sein soll. Es ist ein Vergnügen, den Mann Verse schreiben zu sehen. Ich kann auch Verse schreiben!" rief Herr Svane ärgerlich. Aber ich habe eine zu große Achtung vor der Natur der Liebe, um mich auf so etwas elnzulassen. Einen Augenblick blitzte etwas Schelmisches auf in Sorens einem Augenwinkel, dann aber bemerkte er so gleichmüthig, als ob nie irgend eine Herzenssache zwischen ihnen verhandelt worden wäre: Nein, es ist schlecht mit der Blesse! Hinten ausschlagen. das versieht sie. aber im Arbeiten kann sie sich nicht Mit dem Fuchs messen! Herr Svane fühlte, daß das Ge spräch einen ungemüthlichen Charakter anzunehmen begann. Er erkannte deutlich, daß Soren glaubte, er sei nicht tüchtig genug, um Verse zu machen wie der Schulmeister, und es krankte ihn, diese neue Verkennung er tragen zu sollen, obgleich er sich ander seits auch dagegen sträubte, den einzigen vollgiltigen Beweis für eine derartige Halsstarrigkeit anzuführen, nämlich daß er seine Gaben nicht für einen so unwürdigen Stoff opfere. Jede weitere Behandlung der Frage wurde indessen dadurch verhindert, daß
die jungen Rattenfänger in demselben Augenblick von ihrem Ausflug zurückkehrten, wobei Paul seinen einen Finger mit ernster und prüfender Miene betrachtete. Das war ein Esel von einer Ratte, die mich biß!" erklärte er und sah bedmklich aus. Was sagte ich doch! Mit unsern Ratten ist nicht gut Kirschen essen!rief Soren triumphirend. Ja. Du kannst wohl guter Laune sein, Soren!" bemerkte der junge Arzt,ihn ernst zurechtweisend. Aber über mich geht es her. Ein Biß einer gistigen Ratte kann manchmal sehr, gefährlich werden!" Du bist aber doch früher von Rat ten gebissen worden, Paul, und trotzdem immer guten Muths gewesen," wandte Else lächelnd ein. Damals verstand ich es ebensowenig wie Ihr!" antwortete der Doktor mit Ueberlegenheit. Ihr Laien urtheilt immer nach einem einzelnen Fall, aber wir, die wir alle möglichen Fälle gründlich studiren, wir erfahren etwas andres. Gesetzt nun, es träte eine Septikämie nach diesem Biß ein, was dann?" (Fortsetzung folgt.)
Sommerfaden. An schönen klaren Spätsommertagen sieht man auf Wiesen und Wegen lange Fäden in leisem Winde schwanken. Die uns selten sichtbaren Wesen, von denen diese weißen. Sonnenfäden genannten Gewebe stammen, gehören verschiedenen Gattungen kleiner Feldspinnen, namentlich aus der Familie der Kreuz-, Krabben- oder Weberspinnen an und sind oft hübsch gefärbte, lichtliebende Thierchen, die auf Blumen und Büschen ihrer Nahrung nachgehen. Die Faden, die- sie. nur bei gutem. Dauer versprechenden Wetter spinnen, dienen wohl zumeist dem Transport der Jungen, oft auch als Brücke zu entferntstehenden Bäumen, an denen die Fäden, vom Winde getragen, haften bleiben: zuweilen scheinen sich ot Thiere ihren Fäden auch ohne bestimmtes Ziel zu emer Luftreise auf's gerathewohl zu überlassen. Will das Spmnchen die Erde erreichen, so klettert es an dem Faden empor, den es dabei mit den Füßchen zusammenrollt und läßt sich dann von einem befestigten Punkte aus langsam auf den Boden sinken. Mit dem Verschwinden der Fäden ist auch der schöne Sommer vorbei. Gefährliches Inflnlmcnt. if Nadel zur Vernähme chirurgischer Ein griffe vöUig ungeeignet. Eines der beliebtesten Instrumente in der Hand der Laien ist die Nade'l, wenn es sich um die Vornahme aller möglichen chirurgischen Eingriffe handelt, zu deren Erledigung es nicht recht lohnt, den Arzt herbeizurufen. Aber die Benutzung einer Nadel zu solchen Zwecken ist immer bedenklich, denn di Erfahrung lehrt, daß dieses Nähinstrument trotz seines äußeren Glanzes und des dadurch gewohnlich hervoraerusenen Eindrucks der Sauberkeit, in der Regel unsauber ist. Eme Nadel zu desmfiZiren ist schwer und unpraktisch.' denn wenn man sie als rationelle Methode auskochen oder ausglühen wurde, dann leidet ihre Schärfe, Glätte und Brauchbarkeit. Der Laie hat eben zu sehr die Aufsassung, daß das, was ihm sauber auszu sehen scheint, auch thatsachlich sauber sei. Jedoch das Bedenkliche der üblichen Verwendung der Nadel in der Chirurgie, wie sie der Laie ausübt. liegt nicht einmal allein in der Gefahr der Unsauberkeit. sondern vielmehr m der Art der Verletzungen, oder wenn man will Operatlonswunden, mit einer Nadel verursacht werden. o:e Setzt nun einmal den Fall, jemand habe einen schlimmen Finger," die Schmerzen steigern sich, die Oberhaut wird durch den unter ihr sich abson dernden Eiter abgehoben' und wölbt sich weißlich-gelb verfärbt vor, die Nachtrube ist dahin, die Angst vor dem Doktor groß, man greift zur Nadel und sticht mit Aufwendung aller Energie und Tapferkeit hinein, der Eiter fließt zwar m wenigen Tropfen ab, aber der Finger wird statt besser,' schlimmer. Warum? Nun weil eine Eröffnung in Form eines Nadelstiches eme viel zu kleine ist. um die gründliche Entleerung des infektiösen Materials zu ermözlichen, und weil sich diese Oeffnung sehr leicht wieder schließen kann. Des wei teren ist dic.Oeffnung doch groß genug, um neue Krankheitserreger von außen hineinzulassen, so daß der Krankheits Prozeß durch eine Mischinfektion ein viel schwererer werden tann. War die Nadel nun gar selber unsauber, so kann mit einem solchen Stich eine viel tiefere Infektion bewirkt werden, als sie vor Handen war. Ist eine Nadel verrostet, dann ist die Gefahr nur deshalb größer.,weil an der rauhen rostigen Nadel leichter Scbmutz sitzen kann als an der polirten. Man verbanne also die Nadel als chirurgisches Instrument. Aus "bev VeseUZciIaft. Nein, denken Sie nur: Dr. Miil ler. der eine geborene Cahn geheirathe hat, läßt sich scheiden." Da ist eben die K a h n p a r t i e zu Wasser geworden. Seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts sind nicht wenig als 62 vulkanische Inseln aus dem Meere aufgestiegen. Neunzehn davon sind w::der verschwunden und acht von den übrigen sind zetzt bewohnt.
junocrgijmnaiuit.
Kräftigende Körpcrübungen der Klcu nen und Winke für Mütter. Harmonische Ausbildung derKinder-Athem, bunge echerzhaste Vinkleidunge. Spiele mit inderreifk und Springschnur. Methodisch leige. Bei der Erziehung des Kindes hanbelt es sich nicht allein um seine seelische und intellektuelle Entwicklung, sondern auch um die Ausbildung seines Körpers. Schon bei den allerjüngsten Menschlein läßt sich eine gewisse Gliedergymnastik ausüben. Von besonderer Wichtigkeit sind die Athemübungen. Die Mutter läßt die leinen Rekruten sich recht gerade aufstellen, die Hacken aneinander und die Kniee nach hinten gedrückt. Der Mund ist während aller Uebungen geschlossen zu halten und der Athem nur durch die Nase einzuziehen, damit die Luft erwärmt und gereinigt in die Lungen gelangt. Das Ausathmen geschieht mit geöffnetem Munde. Nun heißt es Arme hoch!" daß die Handknöchel die Schultern berühren, dann Arme breit." worauf sie sich mit kräftigem Ruck zur Seite strecken. Dies wiederholt sich mehreremale. Bei einer anderen guten Uebung dieser Art stemmt das Kind die eine Hand in die Achselhöhle und hält die andere frei über den Kopf. So athmet es fünf- bis sechsmal in der angegebenen Welse, woraus es dle Armstellung wechselt und die Athemgymnastik von vorne beginnt. Oder: es stützt die Hände auf die Hüften, beugt sich langsam rückwärts und athmet einigemale gleichmäßig ein und aus. In ähnlicher Weise lassen sich noch zahlreiche Uebungen ausführen, die scherzhaft eingekleidet sind. Bald sind die Kleinen Storche." die ihre Beme abwechselnd heben, bald Frösche." die m geduckter Stellung vor Meister Adebar davonhupfen, oder Haschen, die sich ängstlich vor dem Jäger niederhocken. Jetzt marschiren sie. lustig singend, hinter einander her. emen leichten Stock zwischen den Armen, der die Brust heraus und d:e Schultern nach hmten druckt: dann sind sie kecke Turner," die den Stab taktgemäß heben und senken. Wenn sie abwechselnd mit einem Fuß auf einer umgestülpten alten Konservenbüchse schweben, geben sie sich 'als Seiltänzer aus, und wenn sie ein Buch, ein Holzbrettchen oder dergleichen geschickt über der Stirne balanciren, werden sie gar zu Jongleuren." Ein andermal stellt die Mama ihre Kleinen mit eingestemmten Armen vor sich hm: sie sind Blumchen," die sorglos im Sonnenscheine blühen. Doch, o weh, da kommt der Sturm und beugt die zarten Dinger vornüber; tiefer, immer tiefer, bis der Kopf fast die Kniee berührt, neigen sich die Blümchen; ihre Stengel, die Beme, knicken zusammen; aber das kann der gute Gärtner" nicht mit ansehen, hilfreich richtet er seine Pfleglinge wieder auf. Ganz wundervolle Spielübungen lassen sich auch mit einem gewöhnlichen Kinderreifen ausführen, den die Kleinen heben und senken, innerhalb dessen Rundung sie sich erst langsam, dann immer schneller um ihre eigene Achse drehen, den sie aufrecht hinter den Rücken halten, wobei die Arme sich wechselnd auf und ab bewegen, durch den sie hüpfen und laufen müssen. Ein ebenso vorzügliches 'Uebungsmittel ist die Springschnur. Einzeln, zu zweien und dreien, mit gekreuzten Händen und Füßen darüber zu springen und drunter durch zu schlüpfen, das bereitet den Kindern, wenn sie. sich erst ein wenig darin geübt haben, nicht nur unbeschreibliches Vergnügen, sondern macht sie auch geschmeidig und geschickt, lehrt sie aufmerken und gibt ihnen Eeistesgegenwart und Muth. Bei den Uebungen sind seitens der Mutter die folgenden Hauptpunkte zu beobachten: Erstens, die Uebungen sind so früh wie möglich zu beginnen; zweitens. jede Uebung sei reizvoll für die Kinder, also ohne praktische, lehrhafte Nüchternheit; drittens, die Uebung ermüde nicht, weder körperlich noch seelisch, so daß auch alles Mechanische )r:aUt; dabei ist das Alter und die Eigenart der Kleinen maßgebend; viertens, die Uebungen sind in ihrer Folge und Zusammenstellung so einzurichten, daß sie alle Glieder der Kmder in Bewegung brinacn, Beine, Arme, Rumpf, Unterleib, Kopf, Hals, und, um die Kinder zu fesseln und größte Abwechslung zu schaffen, in möglichst gegensätzlicher Reihenfolge. ZluSgrabnng der Sphinx. Unter der Leitung des französischen Gelehrten Maspero, dem ein Stab ausgezeichneter Egyptologen untersteht, werden auf Veranlassung der egyptischen Regierung demnächst Arbeiten unternommen werden, um den Sand wegzuräumen, der sich seit Jahrhunderten um die Pyramiden gelagert hat und auch einen Theil der Sphinxe in ihrer Nachbarschaft bedeckt. Angefangen wird mit der kolossalen Sphin?, die sich in der Nähe der Cheopspyramide befindet. Sie mißt 47 Yards und ist fast ganz unter Wüstensand begraben. Die Ausgaben werden aufZ15.000 geschätzt. Es ist übrigens nicht das erste Mal. daß man den Versuch macht, die Pyramiden und Sphinxe von dcm Wü'tenfand zu befreien.
