Indiana Tribüne, Volume 28, Number 308, Indianapolis, Marion County, 19 August 1905 — Page 6
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gOO OCO0 0CO0 OCOO OCOO OCCO OOg ß Drr Allmlde von O c... ...... .. Q o UU ILilMJHlü. o o Ein Ilril'ckriiinerunz US Ck::trala?:irri!:a. o 8 O O Von Heinz Winter. o o o 8 00 0000 0CO00CO0 0000 0000 0C0 Die gegenwärtigen Wirren in Venezuela und HcIunTbicn, bei denen Krieg zwischen und revolutionäre Umtriebe in den beiden Staaten so sonderbar miteinander verkettet sind, rufen mir eine Erinnerung an meinen eigenen Aufenthalt in jenen kleinen Mittel- und südamerikanischen Republiken zurück, die außer ihre: unerschöpflichen Fruchtbarkeit sich durch nichts auszeichnen, als durch die steten Putsche und politischen Kämpfe, die mit der Regelmäßigkeit von Räturereiznissen sich in kur zen Fristen wiederholen. Ich lebte damals in New Jork und bekam im Frühjahr plötzlich Lust, meinem Geschäftsfreunde Sennor Do mingo Gonzales einen Besuch abzustatten, um, wie ich niir einbildete, einige Zeit in idyllischer Ruhe dort zuzubrin gen, die nur ab und zu durch eine intereffante Jagdpartie unterbrochen werden sollte. Aber ach, es kam anders. Bereits wenige Tage nach meiner Ankunft auf der (5siancia meines Freundes brach eine jener periodischen, landesüblichen Revolutionen aus, die meine ganzen Träume von idyllischer Ruhe und Jagdpartien in paradiesischer Umgebung zu Wasser werden ließ. Das ist eben das schlimmste Uebel in diesen kleinen Republiken Centralamerikas, daß Niemand von einem bis zum anderen Tag mit Bestimmtheit voraussagen kann, ob nicht irgend ein ehrgeiziger Streber plötzlich die Fahne des Aufruhrs erheben und sich zum Präsidenten proklamiren wird. Ich war darüber nicht wenig äraerlich. So viel Lärm um ein Staatsämtchen, das nicht so viel werth ist wie ein sicheres Einkommen von tausend Dollars in den Vereinigten Staaten, wo man sein G?ld doch wenigstens in Rube und Frieden verzehren kann," sagte ich sehr geringschätzig zu meinem Gastfreunde. Sicht amigo mio !" unterbrach mich Senner Gonzales, indem er mit argwöhnischen Blicken nach allen Hirnmclsrichtungen umhcrschaute. Sie müssen von derartigen Sachen nicht so laut sprechen. Es ist gefährlich wen vielleicht auch nicht für Sie, so doch für mich." Ich bitte um Verzeihung, ich habe mich nur auf einen Augenblick vergessen," erwiderte ich entschuldigend. Auch Ihretwegen bin ich ängstlich," fuhr Sennor Gonzales fort. Sie sind zwar Bürger der Vereinigten Staaten, allein wenn Sie zum Beispiel auf der Jagd mit einem Gewehr in der Hand abgefaßt würden, so könnte es, wie harmlos Ihr Vorhaben auch geWesen sein möchte, doch irgend einem hitzköpfigen Offizier der berittenen Landpolizei einfallen, Sie für einen Rebellen zu halten. Selbst Ihre Nationalität, Miste? Bcwman, würde Sie alsdann nicht vor längerer Kerkerhaft, ja vielleicht vor noch Schlimmerem schützen. Uebrigens glaube ich kaum, daß die gegenwärtigen Unruhen von längerer Dauer sein werden. Eine Woche, im schlimmsten Falle zwei und die ganze Geschichte wird wieder einmal vorüber fein." Das will ich von ganzem Herzen wünschen," erwiderte ich. Ich brenne vor Begierde, einen Puma, einen Jaguar oder sonst irgend ein hübsches Raubthier zum Schuß zu bekommen." Geduld Geduld, Sennor! Ich habe meine guten Gründe zu der Vermuthung. daß' der Präsident auf das Genaueste von den Plänen seines Geg' ners, des Don Miguel, unterrichtet ist und ihm daher auch sofort mit den genügenden Streitkräften entgegentreten wird. Ich habe den Alkalden von San Campos, Don Fernando de Valdo, in Verdacht, die Pläne Miguels verrathen zu haben. Es ist ein ehrgeiziger Mann, dieser Alkalde, er spielt doppeltes Spiel, dessen bin ich sicher." Da mir diese Art politischen Treibens im höchsten Grade zuwider und gleichgiltig war, so sagte ich ablenkend: Kommen Sie. Sennor Gonzales, lassen Sie uns auf der Veranda Platz nehmen, eine Partie spielen und eine Ciaarre rauchen." Während der nächsten Tage blieb ich entweder zu Hause oder unternahm kleine Spaziergänge in die ausgedehnten Jndigopslanzungen meines Freundes. Zuweilen jedoch wurde der Drang in mir machtig, der nächsten Hasenstadt zuzueilen, um so schnell wie möglich diesem verwünschten Erdenfleck den Rucken zu kehren. Jedoch die leicht be greifliche Sorge um meine Hau! ließ mich nach kurzer Ueberlegung von meinem Vorhaben abstehen. Die Zusam menstöße der feindlichen Parteien hat ten zumeist in den Bergen stattgefun den, welche sich nach Norden zu in fast gerader Richtung zwischen meinem AuscnthaltZorte und der Küste des Ozeans hinziehen. Daher war mir jeglicher Ausweg verspürt, und da es mir absolut fern lag, mich unter den obwaltenden Umständen irgend welcher dersönlichen Gefahr auszusetzen, so verblieb ich, gute Miene zum bösen Spiel machend, in meiner unfreiwilligen Ge fangenschaft. Ende dieser Woche wurde mein liebenswürdiger Gastgeber, als er auf den
benachbarten Werdeslächen einen jungen, störrischen Hengst zureiten wollte, so unglücklich zu Boden geschleudert, daß er sich den Unterarm brach. Das einzige Individuum in der ganzen weiten Umgegend, das sich eines gewissen Rufes als Heilkünstler erfreute, war ein aewisser Padre ??elipe von Hz Dotores ttjlwli in oer yccuje von u Portas. Diese Ansiedelung lag fast fünf englische Meilen von der Estancia entfernt, aber es blieb mir keine Wahl übrig; Sennor Gonzales zunächst der Pslege des Verwalters überlassend, ritt ich in größte: Eile auf dem nächsten Wege der Mission zu. Padre Felipe ist heute Morgen nach San Campos gefahren," antwortete ein Mitglied der Klosterbrüderschaft auf meine Frage, wo ich des Gesuchten habhaft werden könne. Er ist plötzlich zu einem Fieberkranken gerufen worden. Nein, Sennor, er wird ganz bestimmt heute nicht mehr zurückkehren." Dies war für mich natürlich eine äußerst unangenehme Ueberraschung, denn San Eampos lag noch weitere fünf Meilen nach Norden zu.' Hier half jedoch kein Zögern, dem Freunde mußte möglichst schnell Hilfe gebracht werden. Ich setzte also äußerst mißmuthig mein störrisches Reitthier wieder in Bewcgung und trieb es durch Zuruf und Sporn zur größten Schnelligkeit an. Eine Ochsenkarrenspur schlängelte sich anfänglich längs einer Art RothdornHecke hin, dann durch ein dichtes Schilfund Bambusgewirr und hernach über
ine wellenwrmige Grasebene, deren Einförmigkeit dann und wann durch mit dichten Palmettogruppen bestandene Bodenerbebungen unterbrochen wurde. Ich mochte vielleicht zwei Drittel des Weges zwischen Las Portas und San Campos zurückgelegt haben, als aus einiger Entfernung von links her ein langer, gebender Aufschrei an, mem Ohr drang. Unwillkürlich zog ich die Zügel straffer, schaute nach jener Rick tung hin, und jetzt wurde Ml? em Anblick, welcher mich veranlaßte, meinen Gaul mit einem Ruck zum Stehen zu bringen. Hinter einer der erwähnten Palmettogruppen stürzte in wilden Sprüngen die Gestalt eines Mannes hervor, hager und dürr, wie eine Latte, dem ein halbes Dutzend heulender Verfolget, mit blitzenden Messern in den Händen, fast unmittelbar auf den Fersen war. Eine? derselben, seinen Gefährten weit voraus, war bereits so nahe an den Flüchtling herangekomrnen, daß er diesen mit seiner Waffe erreichen konnte. Eben hob er den Arm 311111 H'otüchen Streiche. In tiefen Augenblick sprang der also Gehetz:? blitzschnell zur Seite, duckte sich nieder, streckte das rechte, Bein nach vorne, und als sein Verfolger darüber stürzte, verdoppelte er die Wucht des Falles noch durch einen gewaltigen Faustschlag in das Genick des Gegners. Wie aus der Pistole geschossen flog der Bursche vor wärts und direkt mit dem Kopf gegen einen vereinzelt daliegenden Steinblock, worauf er, als ob ein Blitzstrahl :yn ge troffen, regungslos liegen blieb. Dieser so geschickt ausgeführte, von einer ungewöhnlichen Geistesgegenwart zeugende Handstreich erregte derartig meine Bewunderung meine Sympa thie war gleich von Anfang an auf Seiten des verfolgten Mannes gewesen daß es mir nicht gelang, ein Bravo zu unterdrücken. Ehe ich überhaupt den Versuch machen konnte, mir irgend welche Klarheit in dieser eigenartiqen Situation zu verschaffen, stand er auch schon an meiner linken Seite ein dun kelhäutiges, nach Athem ringendes, am ganzen Leibe zitterndes Knochengerüst, dessen pechschwarze Augen in wildem Feuer glühten, und dessen eingefallene. lederartige Wanzen wie ein paar Schmiedebalge arbeiteten ergrlff,halbtodt vor Erschöpfung, mit beiden Händen den Stcizbügelriernen und stieß in kurzen, abgebrochenen Sätzen die Worte hervor: Die Feiglinge die Bestier! O, Sennor, Sie werden mir helfen. Bei San Jago die Zeit wird kommen wo ich quitt Mit den Hunden werde! Und ohne eine Antwort oder Auffor derung meinerseitsabzuwarten,schwang er sich zu meinem grenzenlosesten E"staunen mit der Gewandtheit eines Kunstreiters hinter mir auf den Rücken des Pferde. Als das arme Thier sich unter seiner verdoppelten Last m einen schwertälli gen Trab setzte, ertönte hinter uns plötzlich das Geräusch flüchtiger Huf schläge, und wie ich mich beunruhigt umschaute, gewahrte ich acht bis zehn Reiter hinter dem kleinen Hügel rervorbrechen und in voller Karriere hinter uns her sprengen. Sie waren geführt von einem Manne in dunkelblauer Um form, also jedenfalls Parteigänger Don Miguels. Bis zu diesem Augenblick hatte ich auch nicht im Entferntesten geahnt, daß die Grunde zu dem Ueberfall, dessen unfreiwilliger Zeuge ich soeben gewesen, andere als rein persönliche, vielleicht ein Racheakt, schlimmstenfalls ein Raubund Mordversuch, sein könnten. Ich war bei dem Erscheinen dieser Reiter auf der Bildfläche wie aus den Wolken gefallen, denn jetzt begann die Sachlage urplötzlich ein gänzlich verändertes Aussehen zu gewinnen. Durch eine ganz niederträchtige Verkettung von Umständen hatte ich mich unwissentlich rn.die Angelegenheiten der streitenden Parteien verwickelt, ein Fall, den zu vermeiden ich bis dahin auf das Pernlichste bemüht gewesen war. Da saß ich nun schön in der Klemme. Noch ehe wir in den Schutz einer Reihe dichter Mesauitbuiche aelanaten. knallten ve
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cyieoene araomericyue ymrer uns. mehrere Kugeln pfiffen an uns vorbei und schlugen in unangenehmer Nahe rechts und links von uns in den Boden em. Dieie Sendboten, welche von der höchst unfreundlichen Geunnung der Schützen gegen uns ein beredtes ZeugNlß ablegten, waren sicher nicht dazu angethan, meiner Stimmung eine rosiaere Färbung zu verleihen, denn wie das Ende dieses Wettrennens ausfallen wurde, yavt auch em Blmder" mit vieler Bestimmtheit voraussagen können. Hätte ich allein auf dem Rücken des Gaules gesessen, so hatte ich dennoch die, wenn auch noch so geringe Chance benunt und versucht auf trnnh vm uno uxtt mein entkommen zu bewerkstelligen. Aber zu zweien Em ähnlicher (Levante mutzte auch in dem Hirn meines Gefährten aufgeblitzt sein, denn als wir wieder m die offene Grasebene hinausgaloppirten, umfaßte er plötzlich mit eisernen Armen meinen Leb und schleuderte mich, der 'ch auf emen derartigen hinterlistigen Angriff nicht vorbereitet war, mit einer gewaltigen Kraftanstrengung seitwärts aus dem Sattel. Bon dem ??all halb betäubt, lag ich sekundenlang hilflos auf der glücklicherweise weichen, elastischen Grasdecke, und so konfus waren meine Gedanken, daß ich mich heute noch erinnere. wie ich, zum Bewußtsein meiner wenig beneldcnswerthen Lage gelangend, ganz verblüfft hinter dem sich mehr und mehr entfernenden Reiter herstarrte, und zwar, komischerweise selbst in diesem Moment noch im Stillen hoffend, es möge ihm gelingen, in Sicherheit nach San Campos zu kommen. Allein seine hinterlistige Handlungweise sollte ihm keinen Nutzen bringen. Mehr und mehr verringerte sich die Distanz zwischen ihm und seinen Versolgern. Dann mußte ein Schuß das Pferd getroffen haben, denn dieses stieg plötzlich fast terzengerade m die Hohe, fiel wieder auf die Füße zurück, machte einen gewaltigen Satz vorwärts und stürzte, während der Reiter gewandt aus dem Sattel glitt. Im nächsten Augenblick war er von Feinden umringt und ließ sich, augenscheinlich das Nutzlose eines ferneren Widerstandes einsehend, ruhig gefangen nehmen. Sie führten ihn geradeswegs nach der Stelle hin, wo ich durch seine Tücke Schiffbruch erlitten und mich soeben langsam vom Erdboden erhoben hatte. Ein Mestize war inzwischen herbeigeeilt und hatte sich als Wache mir zur Seite postirt, und dann trotteten wir, Gefangene und Häscher, langsam denselben Weg zurück, den wir gekommen waren. Sennor," redete mich mein Schicksalsgenosse an, nachdem wir geraume Zeit schweigend nebeneinander hergeschritten waren, und zwar mit einem Gesichtsausdruck und in einer Tonart, die weit eher großthuerisch und aufgeblasen, als, wie ich wohl zu erwarten berechngt gewesen wäre, beschämt und um Vergebung nachsuchend war, Sennor, des absonderlichen Schrittes wegen, den ich durch die bitterste Nothwendigkeit gezwungen war, zu unternehrnen.spreche ich Ihnen hiermit mem tiefgefühltes Bedauern aus. Es war, zu meiner Schande bin ich gezwungen es einzugestehen, ein himmelschreiendes Unrecht von mir. Ich war eigennützig, Undankbar im höchsten Grade. Aber bei jedem Menschen macht in dem Augenblick der Todesgefahr der Selbsterhaltungstrieb seine Rechte geltend. Sennor. ich flehe Sie an, gewähren Sie mir Ihre Verzelhung." Ich hielt es unter meiner Würde, auf diese bombastische Ansprache auch nur das Geringste zu erwidern. Außerdem hätte sich in diesem Falle mein ganzer Wörterschatz in der spanischen Sprache als völlig unzureichend erwiesen. Meine stillschweigende Verachtung schien übrigens den Redekünstler nicht im Mindesten zu beunruhigen, und als ich den Kopf zur Seite wandte. zuckte er im höchstenGrade gleichmüthig die Achseln, worauf er sofort in der sorglosesten Weise begann, mit dem Führer unserer Eskorte zu schwatzen. Aus ihrer Unterhaltung entnahm ich zu meinem größten Erstaunen, daß diese? freche, unverschämte Patron kein anderer als jener Alkalde von San Campos, (sennor Fernando de Valdo, sei. wel cher der Aussage meines Gastgebers nach seit geraumer Zeit schon in der Aosicht, es Mit keiner von beiden Par teien zu verderben, ein mehr wie gewagtes Spiel mit dem Präsidenten und dem Führer der Aufständischen gespielt hatte. Schließlich mußte diese Doppel züngigkeit dennoch auf irgend eine Art und Weise an den Tag gekommen sein, und gerade in dem Augenblick, wo er sich durch rechtzeitige Flucht der harten, aber gerechten Strafe hatte entziehen wollen, war er von Don Miguels Rei tern überrascht und gefangen aenom men worden. Nach der Alqueria, einem großen Farmgehöft, wo Don Miguel zur Zeit sein Hauptquartier ausgeschla gen hatte, war es, wohin wir jetzt ge führt werden sollten. Nach einer Stunde angestrengten Marschirens in brennender Sonnengluth erreichten wir unseren Bestim mungsort, einen zusammenhängenden, weit ausgedehnten Komplex medrigei aus Luftziegeln höchst unreqelmänia. . nach der Laune des Besitzers ausgcführter Baulichkeiten. Eme buntscheckige, zerlumpte Männerschaar rauchend, lachend, schnatternd, es mochten ihrer vielleicht einige dreihundert sein lag dichtgedra t im süßen Nichtsthun gruppenwi..e auf dem Patio." d?m Norbof. oder in den Schuvven und Ne
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vengeoauven umyer. Wym mein Auge auch blickte keine Außenposten. keine Patrouillen, keine Feldwache oder sonstige Sicherheitsmaßregeln, auch nicht die geringsten Anzeichen irgend welcher militärischer Disziplin machten sich bemerkbar. Sennor Valdo benahm sich mit der größten Ungenirtheii und chaute mit verächtlichen, herausfordernden Blicken um sich, als wir durch die Reihen der uns jetzt von allen Seiten neugierig umdrängenden Bande geleiet wurden. Fast glaube ich. ich hatte es vor meinem Gewissen verantworten können, selbst zetzt noch semen Muth zu bewundern, wenn. nicht die Besorgniß um meine eigene Zukunft alle andere. i Gedanken in den Hintergrund gedrängt hatte. In einem großen, weißqetünchten. schmucklosen Mittelzimmer saß inmitten einer Anzahl Offiziere an einer langen Tafel Don Miguel, ein kleines, zusammengeschrumpftes, aelbhäutiazs Kerlchen. Er war, seinem erregten Mienensviel nack zu fcklienen. schon von unserer Gefangennahme benachrichtigt, und hatte wohl bereits in heißer Zornesaufwallung über unser-Urtheil und dessen Vollstreckung entschieden. Bei unserem Eintritt schnellte er von seinem Sitze aus, sprang aus uns los. stellte sich mit weit ausgespreizten Beinen, die schwarzen Augen so tückisch und boshaft funkelnd, wie ich es nie in dem Antlitz eines Staubgeborenen für möglich gehalten batte, vor uns hin und sagte in spöttisch-höflichern Tone: Tausend Grüne, meine Herren, es war zweifellos ein brillantes Jagdrennen, welches Sie soeben veranstaltet haben. aber, bei San Pablo und Pedro, ich schwöre Ihnen, es soll das letzte gewesen sein, welches in diesem Leben von Ihnen geritten ist. Für Sie, Sennor," fuhr er nach einer kleinen Pause, als ob er die Wirkung- seiner Anrede auf uns beobachten wolle, zu mir gewendet fort, dessen Bekanntschaft zu machen ich bis heute noch nicht das Glück gehabt habe, sind von mir bereits eine Anzahl Scharfschützen kommandirt, sich fertig zu halten. Emen offenen Feind habe ich stets meiner Hochachtung werth gehalten, und ein Soldatentod kann für einen Mann Ihres Schlages keine Schrecken haben. - (Schluß folgt.) Tcutlichc Rezepte. Deutlich geschriebene Rezepte gehören zu den allerseltensten Seltenheiten. Ter Laie kann keinesfalls die Zeichen deuten, nach deren Sinn der Apotheker den Heiltrank zurechtbrauen soll. Abgesehen von der Mühe, die für den Pharmazeuten dazu gehört,' die meisten Rezepte zu entziffern, birgt die undeutliche Schrift noch eine eminent: Gefahr für Leib und Leben derjenigen, für die das Medikament bestimmt ist. Ein kleines Versehen nur infolge miß verstandener Hieroglyphen und der Patient kann das undeutliche Rezept seines Arztes mit dem Leben büßen. Das großherzoglich hessische Ministerium, Abtheilung für öffentliche Gesundheitspflege. ist die erste Behörde, die hier Wandel schaffen will. Sie hat an die Kreisgesundheitsämter, die Kreisveterinärämter und die Apothekenbesitzer des Großherzogthums die folgende anerkenneswerthe Verfügung erlassen: Da wir noch immer die Erfahrung machen müssen, daß Rezepte mit kaum leserlicher Schrift zur Anfertigung in die Apotheken gebracht werden, weisen wir die Apotheker an, sich für die Folge solchen Rezepten gegenüber in keinem Falle auf mehr oder minder mühevolle zuverlässige Enträthselung einzulassen, vielmehr stets von dem ordinirenden Arzt eine deutliche Inhaltsangabe zu verlangen." Gleichzeitige Promovirung von Geschwistern. Bei den unlängst an der Wiener Universität stattgehabten Promotionen der philosophischen Fakultät wurden die Geschwister Henriette und Arthur Boltzmann zu Doktoren der Philosophie promovirt. Fräulein Boltzmann hatte sich die Zoologie, ihr Bruder die Physik zum Hauptfache gewählt. Außer Fräulein Boltzmann wurden bei dieser Promotion auch zwei anderen Damen, Fräulein Henriette Sieß und Frau Christine Touaillon-Auspitz zu Doktoren der Philosophie promovirt. Wenn er Tir doch mitgenommen hätte." Als der Kaiser vor einiger Zeit ein Garderegiment inspizirte. im terhielt er sich mit den Mannschaften, die im ersten Gliede standen. Er stieß hierbei auf einen biederen Uckermärker. der den Namen Andree führte. Freundlich fragte ihn der Kaiser, ob er denn wisse, mit wem er seinen Namen gerneinsarn. trage, worauf der Soldat antwortete: Jawoll, Majestät, mit dem Nordpolfahrer!" Verwundert fragte der Kaiser, woher er dies wisse? Das hat der Herr Hauptmann gesagt!" kam es schlagfertigzurück. Was hat Ihnen denn," fragte der Monarch". Ihr Hauptmann alles von Andree erzählt?" O, viel nicht, Ew. Majestät, er sagte blos, wenn er Dir doch mitgenommen hätte!" Ter Kaiser, der sich das Lachen nicht länger verbeißen konnte, schenkte dem biederen Grenadier ein Fünfmarkstück und konnte nur noch fragen: Na, ganz so schlimm wird's wohl nicht sein!" Z u Tode geschleift. Im Dorfe Estedt, Provinz Sachsen, wurde ein 14jähr!ger Hütejunge von zwei Fohlen auf dem Wege zur Weide todt geschleift und furchtbar verstümmelt.
ilorlhrilc drr Pflanzenkost.
Sertdelnder Sinflutz Iti VegktariSmuA fet intkUektueiler und physischer Hinsicht. Daß die vegetarische Lebensweise gefund sei, ist schon oft behauptet worden. Auch besser soll sie den Menschen machen und alle die blutgierigen Triebe unterdrücken, kurz zu einer inneren Veredlung führen.- Doch diese Gesichtspunkte allein scheinen nicht wirksam genug, um viele Anhänger für die Lehre von der Schädlichkeit des Fleischgenusses zu gewinnen. Noch immer wird dagegen gefehlt, noch immer gilt das Gewerbe des Fleischers für recht einträglich. Wie wäre es, wenn man auf die menschliche Eitelkeit spekulirte, wenn man nachwiese, daß der Vegetarismus auch das Aeußere des Menschen zu verschönern vermag. Tann gewänne man sicher die holde Weiblichkeit für diese Bestrebungen und mit ihr die ganze Familie. Die wenigen Junggesellen, die nicht unter dem Zepter der Hausfrau stehen, würden vielleicht dem alten Laster des Alkohols und des Fleischgenusses weiter fröhnen. Sie können indessen die Entwicklung nicht aufhalten, da sie nach den unabänderlichen Gesetzen der Natur ihre verabscheuungswürdige Kaste nicht allein fortpflanzen können. Welch herrliche Aussicht! Wir stehen damit vor der ersehnten Aera des Weltfriedens, von der wir noch soeben unendlich weit entfernt zu sein schienen. Und der Weg, der uns zu diesem erhabenen Ziele führen kann, er ist kein leerer Wahn, er ist sogar als sicher erwiesen. -Man lese nur nach, was im Buche Daniel Kapitel 1 geschrieben steht. Um es den Le sern bequem zu machen, sei es hier kurz nacherzählt: König Nebukadnezar wünschte Pagen zu haben von schönem Aussehen, in allen Wissen wohlbewan dert, kenntnißreich und einsichtsvoll. Er ließ in seinem ganzen großen Reiche Knaben suchen. Unter ihnen befand sich auch der kleine Daniel. Er erhielt mit den anderen die tägliche Ration vom königlichen Tische. Speise sowohl wie Wein. Doch er bat sich statt dessen mit drei anderen jüdischen Knaben Pflanzenkost und Wasser aus. Ter Mundschenk, welcher für das Wohl der Pagen verantwortlich war, zögerte zunächst. Endlich willigte er ein, einen Versuch zu machen zehn Tage lang. Und siehe, nach Verlauf von zehn Tagen sahen sie besser und wohlbeleibter aus, als alle die Knaben, die von der königlichen Speise zu essen pflegten. Fortan ließ der Obermundfchenk. waö ihnen an Speise und Wein bestimmt war, hinwegtragen und gab ihnen Pflanzenkost." Auch klüger wurden die vier als ihre Kameraden, und in allen Fällen, wo es sich um Weisheit und Einsicht handelte, fand sie der König, fo oft er sie fragte, allen Zauberern und Wahrsagern in seinem ganzen Reiche zehnfach überlegen." Warum verschließt sich die thörichte Menschheit wohl so uralter Weisheit und Erfahrung? Auf, laßt uns Vegetarier werden!. Großartiges Kulturwcrk. Das Berliner Pontinische Syndikat hat mit den Besitzern der Pontinischen Sümpfe in der italienischen Provinz Rom den Kontrakt für die vollständige Entwässerung dieser Sümpfe abgeschlössen. Das gewaltige Unternehmen steht unter Leitung des deutschen Ingenieurs v. Donath und die Ausführung bedeutet für Rom eine Beseitigung der Malaria-Gefahr. Nach dem Plane Donaths sollen peripherische Gräben zur Ableitung des Wassers in das Meer. Dammbauten zur Festhaltung der Regenmassen im Gebirge und Pumparbeiten ausgeführt werden. Die Pontinischen Sümpfe sind eine durch den Amazeno und viele Sturzbäche häufig unter Wasser gesetzte, versumpfte Ebene von etwa 18 bis 24 Meilen Länge und etwa 5 Meilen Breite, 25 Meilen südöstlich von Rom am Fuß der Albaner und Volskerberge. Ein. sehr geringer Theil des äußerst fruchtbaren Landes hird bepflügt; 250,000 Acker, mit sechs Yuß hohem Grase bestanden, werden rm Winter von einigen Pserde- und Büffelheerden beweidet. Die den Pontinischen Sllmpfen entsteigende Fieberluft macht nicht nur die Ebene selbst, sondern weitere 750,000 trockene, fruchtbare Acker bis nach Rom hin unbewohnbar. Aufgefundene Grabkamm e r. Auf der Besitzung des Grafen U. Bernstorff-Mylius in Kattrup, Dänemark, ist eine doppelte Grabkammer ausgegraben worden, die infolge ihres ungewöhnlichen Reichthums an Fundstücken bedeutendes wissenschaftliches Interesse bietet. Die Zahl der Gegenstände beträgt 363 Stück; darunter befinden sich 17 Feuersteinäxte, etwa 70 kleine Pfeilspitzen von der auch aus egyptischen Gräbern bekannten Art, Steinmeißel, eine Menge Bernsteinperlen und Krüge, von letzteren sind jedoch nur einige ganz. .Viele Krüge zeigen hübsche eingeritzte Verzierungen. Skelettreste wurden wenige gefunden, so nur sechs Schädel in stark aufgelöstem Zustande. Das Eiserne Kreuz, das sich nach der neuen Armeerangliste nur noch bei Generalen und Stabsoffizieren befindet, besitzt nach der letzten Dienstaltersliste für das höhere Schulwesen Preußens außer 13 Direktoren und 33 Professoren, auch noch ein Oberlehrer. Osaka ist die zweitgrößte Stadt Japans und das bedeutendste Jnduriecenirum des Jnselreichs.
Politische Ankündigungen.
John N. einlein. empfiehlt sich den Steuerzahlern und Stimm, gebern der öten Ward als Kandidat für tadtrath, unterworfen der demokratischen Nomina tion? Konvention. John Heidenrnch, Der Florist-, Ecke Applegate und Iowa Straße, empfiehlt sich den Stimmgebern der 13. Ward alö Kandidat für Stadtrath, Unterworfen der Entscheidung der dnnokra tischen NominationS Convention. Michael Vinci, ' CommlsfionS . Händler, 122 Süd Delaroare Straße, empfiehlt sich den Stimmgebem der Uten Ward als Kandidat für de tadtrath für diese Ward. Unterworfen der Entscheid dung der demokratischen RommatienS'Zkov, vention. Nerzte. Ir. 3. A. Sntcliffe, Wund-Arzt, Zeschlschts., Urin unRectnm Arankheitsn. O!ffce z W OS Market Stt. Xcl. 541 CTÜcsurnlra : l feil 19 Ldr 8m. ; I lll 481t. Dr. Carl Q.Winter Deutscher Llrzt. 'ehanMt alle akute und chronische ran? he'.ten. SedurtShülfeLpeiialit. Osstee: 14 Weft Ohio Ctx. AtTtttd! 1011 Sn. iXagm. k,!gi : .-10 8. U. oyvunz: 1150 Haltet Sfei preZftunbk : t bttck . Sonntag : 6 9U$u. lösiznuug Telephone l ftlt, t0U . im Warum uicht sparen beim Einkaufe Ihrer . . .und. . . . OPche . . jotoic. . . . ....Garland Oefen ... und 1. bei WILLIG'S ...Möbel-Handlung... 141 West Washington Straße. No. 449 ft Washington Str. C?in QIU Osff: 3333 R. Ccnctc KC Neues Telephon 6485. I "City BflL" CiaMlri ibSS, ttirnstt jederzeit Sngag,, mtk entgegen. Irgendwelche Orchester und irgend eine llnzshl dsn NuftZe? Vkd geliefert. Neue Ausstattung und uru, knifermen. & . Niller, Dtrettn. dnry Spregpseil, Seschäfttföhn, 1103 Madison Avmue.. elepZon t t i Nru 9696.
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