Indiana Tribüne, Volume 28, Number 307, Indianapolis, Marion County, 18 August 1905 — Page 7
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?-O--O--C--Q--0-'Od O-OO--I An stillen wasscrn '1 X ? t
Aus dcm Dänischen Von L. Vudde -O-0-C-0-ZKS ---- H, t (Fortsetzung -A Mit diesen Worten wandte Vaui gekränkt ab und sprach wirklich einig: Minuten lang kein Wort mit ihm, denn länger dauerten selten die Streitigkeiien, die häufig zwischen ihm und seinem warmherzigen Freund über allerHand geistige Fragen entstanden. Dann lourde ihm indessen das Schweigen. wie gewöhnlich zu drückend, und mit der größten Lebhaftigkeit warf er sich auf andre Materien, als ob nichts vorgefallen wäre, was im Geringsten das Verhältniß zwischen ihnen hätte stören können. Durch dieses Versahren besänftigt, konnte Herr Svane die versöhnende Hand, die ihm so gereicht wurde, auch nicht zurückstoßen, sondern er nahm mit stillschweigender Anerkennung eine Menge Winke und Aufklärungen an, die ihm in seinem Verhältniß gerade den Bewohnern der Insel gegenüber nützlich sein konnten. Er erfuhr, daß er nicht allzu frei in seiner Begeisterung für die Freiheit gegen den Gutsbesitzer sein dürfe, da dieser ziemlich altmodisch in seinen Anschauungen sei. Natürlich hatte diese Erklärung nur die Wirkung, daß der junge Freiheitsmann sich heimlich vornahm,- ihn zu bekehren, was ihm unzweifelhaft gelingen würde, wenn er sein Mundwerk erst etwas besser im Gange hätte als bisher. Er wurde davon unterrichtet, daß Soren trotz seines zähen, kühlen Aeußeren ein Inneres hatte, das zu vielen guten und erheiternden Dingen nützlich sei, und daß er durch vertrauliches und nachsichtiges En!gegenkommen gewonnen werden müsse, ein Wink, der Herrn Svane zu der Aeußerung Anlaß gab, daß er gerade wünsche,' das Volksleben an einer so unmittelbaren, echt jütländischen Gestalt zu studiren. Er erfuhr, daß der Schulmeister der beste alte Bursche unier der Sonne sei, ein echter Eingeborener, dessen Leben so eben und friedlich dahingeflossen sei wie die stillen Wasser selbst, zwischen denen er gelebt habe, nur erfüllt von den Kleinigkeiten, die täglich dazu gehörten, unberührt vom Sturm. der Leidenschaft und unbekannt mit den höheren Kämpfen und Anfechtungen, die den begabteren, aber dafür auch schwerer geprüften Naturen vorbehalten seien. Herr Svane erfaßte alles sehr wohl und konnte nicht anders, als sich darüber freuen, als er fand, daß sein Urtheil über den Schulmeister gleich vom ersten Augenblick an so völlig richtig gewesen war. Das Gespräch erstarb, und Paul hatte sich schon lange sorglos, und unbekümmert den Armen des Schlafes übergeben, aber Herr Svane konnte es sich nicht recht aus dem Kopf schlagen, daß derselbe Paul sich wirklich mit Jungfer Elfe schon versprochen habe und sich in sie verlieben würde. Doch, wenn er sich die Sache etwas näher überlegte was ging es ihn im Grunde an? Er war ja gekommen, um auch in dieser abgelegenen Gegend für das große, schöne Ziel zu kämpfen, das e? liebte und dem er sein Leben zu weihen beschlossen hatte, und es war ja dabei nicht der geringste Hintergedanke für seine eigene Person. Er war ja gar nicht begierig, zu glänzen oder Ehre für sich selbst zu gewinnen. Ach nein das lag ihm so fern, daß er diesen Gedanken in demselben Augenblick unwillig abweiseimußte, als er sich naseweis vordrängte. Und Jungfer Elfe stand, fo einnehmend sie auch in Wirk lichkeit erschien, ja in keiner Verbindung mit diesem großen Ziel. Uno doch doch konnte er sich nicht von einem kleinen aufsprossenden Groll gegen Paul frei machen, wenn er daran dachte, wie begeistert sie alle seinen flicßenden Ergüssen gelauscht hatten, während er selbst stumm und verlegen dagesessen hatte, wie vertraulich uno strahlend Jungfer Elses klare Augen auf ihn gerichtet waren, und wie leichtfertig und scherzhaft er dann über ihre Liebe gesprochen hatte, als über ein Ding, nach dem er nur die Hand auszustrecken brauche, wenn er wolle. Ja, es ging ihn doch an ein ganz klein wenig und dann wieder gar nicht so immer rundherum, ganz hinaus in' Blaue und weit hinein in's Reich der Träume, wo auf allen Seiten Sonnenschein und Beifall und Bewunderung waren. Aber spät am Abend schlich der Schulmeister in sein einsames Heim und verlor bald wieder die jugendliche Haltung und den Gang, der ihn in den letzten Tagen ausgezeichnet hatte. Die steifen Vatermörder standen gar nicht so steif in die Höhe, wie sie es gethan . katten. sein Rücken bekam wieder das ane, geoeugte Anicyen, uno tm Herz fing heimlich zu zweifeln an, ob es ihm wirklich, wie er in seiner Unschuld geglaubt hatte, eine so große Freude machen würde, wieder mit der Welt, der er einmal entsagt hatte, in Berührung zu kommen. Die Vögel, die in der schlechten Be leuchtung nicht recht unterscheiden tonnten, wie es stand, glaubten indessen voll und fest daran, daß er geraoe so freudevoll heimkomme, wie er sehnsuchtsvoll ausgegangen war. Ueberall guckten sie hinter ihren Zweigen xijm nach und zwitscherten leise miteinan der, wie erfrischend es se!, einen Lufthauch von der großen, prächtigen Well
aufzufangen, :n oer man sich einmal jung und froh bewegt hatte, wenn man ihr auch später den Rücken gewendet hatte, um an einsamer Stätte sein Nest bauen. Wis, was!" pfiffen die Ratten unten in ihren Löchern. Wenn wir nur frei sind vom Luftharch! Davon wird man nicht fttt!" Er bringt vergessene Melodieen wieder zum Erklinge!" sängen die Vögel. Er führt alte Erinnerungen mit sich!" Danke! Wir kennen die vergessenen Melodieen und wollen von ihnen nichts wissen!" zischten die Ratten. Zerrissenes Fell und blutige Schnauzen, das sind die alten Erinnerunaen!" Neue Blumen wachsen auf den
alten Wiesen," sangen die Vögel, und neue Lieder erfüllen ständig die alten Wälder! Der Sinn wird frisch und das Herz wird jung, wenn sie ihren Duft empfinden und dem Klänge in der Ferne lauschen!" Ich gebe nicht einen Happen faulen Käse dafür!" pfiff der Rattenkönig. Jeder kann feine Meinung haben, aber wenn Jemand nicht meiner Meinung ist, dann fresse ich ihn auf!" Und dann flogen die Vögel etwas höher hinauf, um in Sicherheit von den neuen Blumen und Liedern zu träumen; der Rattenkönig aber rerkroch sich fo tief in sein Loch, als er nur kommen konnte, und ärgerte sich im Schlaf, und die Nacht nahm sie alle still in ihren Arm. Hätte aber der arme, verirrte Tor, der einmal fortgeblieben war, an diesem Abend in des Schulmeisters Stube gewohnt, würde möglicher Weise etwas Wehmuth durch ihn geklungen sein. 3. K a p i t e l. ie munteren Wellen spielten im j fröhlichen Sonnenschein rund um die Insel, als der Sonntagmorgen und -vormittag gekommen war. Der Lufthauch hatte sie geweckt, und lustig waren sie anzusehen eine so ernsthaft eifrig, daß sie vergaß, sich vorzusehen, und jeden Augenblick über ihre eigenen Beine fiel, eine andre flott und leicht, als ob sie von der flüchtigsten Laune des Sommerwindes geboren sei. Aber dfe alten, regelmäßigen Wellen, die gewohnt waren, ungestört dahinzugehen, sahen etwas verdutzt beim Spiel aus und wußten offenbar nicht recht, wohin sie sich drehen und wenden sollten. Nachdem Soren glücklich die gute, alte Sitte behauptet und einen Sieg über alle neumodischen Ausschweifungen auf dem Gebiet der Aerztekunst gewonnen hatte, mußte er schon am nächsten Vormittag einen neuen Kampf bestehen. Es handelte sich um nichts Geringeres, als um die alte Religion der Insel, und kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Glocken lauteten herüber von der andern Seite des Fjord, und unter ihren schwach klingenden Tonen versammelte sich die Bevölkerung der Insel vor der alten Kapelle zur gewöhnlichen Sonntagsandacht. An der Spitze semes Hauses und seiner Familie schritt der Gutsbesitzer, strahlend von gutmüthiger Freundlichkeit, aber nicht ganz frei von einem Tropfen Selbstgcfühl, als er das Aufsehen gewahrte. das der schmucke Zuwachs seines Hausstandes augenscheinlich erregte. Der Schulmeister stand schon mitten in der Versammlung mit wieder aufgeheiterter Miene und stiller Freude auf seinem Gesicht. Um die Wahrheit zu sagen, war diese kleine Feier, deren Urheber und Träger er war, immer ein Gegenstand eines kleinen heimlichen und unschuldigen Stolzes m semem Herzen gewesen. Er hegte nicht den geringsten Zweifel an der Vortrefflichkeit der Ordnung und der Art, wie sie nun seit so vielen Jahren vor sich gegangen war, und freute sich in seinem stillen Sinn herzlich bei dem Ge danken, dem fremden jungen Geistlichen zeigen zu sollen, daß man auch hier auf der Insel nicht so ganz ohne Christenthum und Kirchenverfassung lebte. Und wenn er nach der Summa der guten Stunden urtheilen sollte, die er sich und vielen andern geschenkt hatte, so hatte er hierin gewiß nicht unrecht. Denn es ist möglich, daß die Feier in Wirklichkeit für ein aufgeklartes Aug vieles zu wünschen übrig ließ, aber sicher ist es, daß, wenn sein Herz in diesen vielen Jahren manchmal schwer gewesen war, es dabei stets erleichtert worden war, und daß, wenn sich eine kleine Wolke des Mißmuthes aus sein Gemüth gelegt hatte, der Klang der alten Psalmen sie stets fortgetrieben hatte. Wenn auch nur ein Tropfen bösen Blutes, in seinen Adern geflossen war und dem entgeht ja selbst der Beste unter uns nicht so war er wie die Nacht in den Strahlen des Morgens verschwunden bei den Worten, die seine eigenen Lippen tn diesen Stun den gesprochen hatten. Deshalb hat! er sie mit allem, was dazu geHorte, itc ben gelernt, und wie ihm war es vielen gegangen. Beseelt von solchen Gefühlen näherte er sich freundlich Herrn Svanc reichte ihm mit semem zuvorkommend sten Wesen das Psalmbuch und be merkte: Es sind ungefähr zwanzig Psalmen, die wir bei unsern kleinen Versammlungen zu singen pflegen, und Sie werden sie im NeZ'.ster mit einer. rothen strich bezeichnet finden. Wi haben sie allerdings gewöhnlich na der Reihe gesungen, theils der Ord nung wegen, die immer em gutes Dm ist, theils weil sie alle uns gleich gu und lieb sind. Aber sollten nur einia
dazwischen sein, die Sie besonders zu hören wünschen, tjnn wird es uns ein großes Vergnügen sein, sie heute auch außer der Reihe zu singen." Bei diesen Worten sah er mit einem zutraulichen und einladenden Lächeln auf, aber der junge Geistliche warf nur einen flüchtigen Blick auf die bezeichneten Nummern und rief dann voll Eifer aus: Aber Du guter Gott, auf diese Weise lassen Sie ja unsern ganzen kostbaren Psalmenschatz, den reich sten, den irgend ein Land in der Welt besitzt, Leben und Geist der Gemeinde, todt und unbenutzt liegen!" Ein Ausdruck des Erschreckens flog schnell über das Gesicht des armen Schulmeisters, während er entschuldi-
gend stotterte: Das das ist em altes Herkommen, lieber Herr Svane. Uno ja gerade herausgesagt, dann können wir hier auf der Insel keine andern singen." Es zitterte eine heimliche Bitte um Nachsicht durch des Schulmeisters Stimme, aber man konnte billiger Weise nicht verlangen, daß Herr Svane m diesem Augenblick Smn dafür hatte. Denn er nährte in seiner jungen Seele einen .brennenden Eiser gegen allen alten Schlendrian, er lag stets mit wachsamem Auqe aus der Lauer danach und war mit allzeit kampfgerüsteter Begeisterung bereit, ihn zu fallen. wo er ihn traf. So war er denn -auch hier fest davon überzeugt, daß er nun im Begriff stehe, der armen, vernachlassigten Insel die erste Spur emes neuen geistlichen Reichthums zuzuführen, und wenn er auch wünschte, daß er selbst es sein möchte, der ihn brachte und sich Anspruch auf die Dankbarkeit der Insel erwarb, so war das a ein höchst unschuldiges Ding. Deshalb beeilte er sich zu antworten: Ich habe einige Exemplare von einer vortrenlichen kleinen Sammlung unsrer neueren und kräftigsten Psalmen. Ich habe sie für den Fall mitgenommen, daß sie hier mcht bekannt sein sollten, und ich werde sie gleich holen. Wenn Sie die Güte haben wollten, sie in der Gememde zu vertheilen, so wird es mir ein Vergnügen sein, so lange ich hier bin, einen oder den andern vorzusingen etwas wird doch m der Zeit immer erreicht werden können. Es war wirklich ein so hübsches und edelmuthiges Anerbieten, daß Her Svane es sehr wohl verstehen konnte, wie der Schulmeister nichts andres zu thun hatte, als es mit stummer Dank barkeit anzunehmen, und, gefolgt von seiner kleinen Gemeinde, in die Kapelle eilte, um so schnell als möglich Vor lyell daraus zu Ziehen, wahrend er selbst voll Geschäftigkeit und Begeiste rung verschwand und wiederkam. Und nach wemaen Minuten war alles m Ordnung. Aber schlimm mußte es ganz qewiß um das kirchliche Leben auf der Insel sieben, denn als der krattiae. neue Psalm ausgewählt war und obendrein mit einer so klaren und reinen kleinen Stimme vorgesungen wurde, wie sie lange mcht an dieser Stelle gehört worden war, da stimmte auch nicht einer mit ein. Der Gutsbesitzer stutzte und sah sich Mißbilligend um. Madame Brus sah unglücklich aus, Else neigte erröthend ihr Haupt, und alle andern warfen hilflos verstohlene Blicke auf den armen Schulmeister, als wollten sie ihn um Beistand anrufen, den er nicht zu leisten im Stande war. Selbst Soren verlor :m ersten Augenblick seine Fassung und starrte verwirrt vor sich hm, denn er hatte es me für mög lich gehalten, daß einem von den alten Psalmen das Unrecht widerfahren könnte, nicht nach seiner rechtmäßigen Reihe und Ordnung gesungen zu werden. Kaum war es ihm indessen klar geworden, um was es sich handelte, als er sich eilends wieder zusammennahm und mit Geistesgegenwart in den neuen Psalm nach der alten Melodie, die eigentlich hätte gesungen werden müs sen, einfiel, und zwar mit einer Kraft, die den iungen Vorsanger zur Ver zweiflung brachte. Wie eifrig er seine Stimme auch anstrengte und mit dem Kops den Takt schlug es war vergebens; denn unser Herrgott hatte Soren eine gute Lunge gegeben, und er brauchte nicht einmal eine Miene seines ruhigen Gesichtes zu verziehen, um die femere und weichere Stimme semes Nebenbuhlers völlig zu übertäuben. i m -. feoren mal al o eyrlicy. was er konnte, aber wie weit er mit allen feinen Anstrengungen eigentlich die Er bauung förderte oder dem Gegenstände seiner aufrichtigen Bewunderung uno Hochachtung die Genugthuung verschaffte, die er beabsichtigte, w eine ganz andre Frage. Man hätte es nicht glauben können, wenn man den Schulmeister selbst betrachtete. Ein Ausdruck innigen Schmerzes ging über sein faltiges Gesicht, und tiefer und tiefer neigte er sein Haupt, während der Gesang in schreiender Disharrnnnti itnh 9rtrtrritn.t fnrfrttn" Wahrheit hatte er tief in der Stille seines Herzens ein Gefühl, als ob die Verunreinigung auf seine heiligste Stätte gefallen und seine reinste Freude befleckt habe, die er am allerwenigsten in kleinlichen Streit und IVIIIb HIIV V IV M HVJ Vt llli.. Verwirrung hineingezogen zu sehe: wünschte. Und als er sich erhob und die Epistel des Tages zu lesen begann So demüthiget Euch nun unter die gewaltige Hand Gottes" da zitterte seine Stimme ganz anders als ge wöhnlich, seine ganze Gestalt sank wie unter der eigenen gewaltigen Hand der Demuth zusammen, und nur in abge brochenen, stammelnden Worten konnte er die Betrachtungen hervorbringen, die sonst .be; au lhrer Einfachheit und Ein
all so herzlich und freudia von seinen
Lippen flössen. Aber schließlich faltete er eine üande und betete so lndruntt a. ote keiner ihn früher hatte beten b.ören: Herr, wir wissen es! ES waren nur brocken von Deinem reichen Tisch, die auf unsre arme Insel fielen. Aber ehre uns, unter Deine gewaltige Hand ns zu demutluaen. damit unsre erzen doch dabei fröhlich und unsre Seeen davon satt werden!" Und da laa auf der aereuaten Ge'talt des alten Mannes etwas so Re:s und Unschuldiaes. so Sanftes und Demüthiges. daß jede Spur von Mißlang verschwand und es wieder ganz heilig darin wurde. Herr Svane vergaß einen Augenlick seine bübscke. kleine Stimme und die neuen, kräftigen Psalmen, und be-vor-er ett gehabt hatte, sich wieder zu fassen, hatte Soren das eigene Psalmbuch der Insel aufgeschlagen und den richtigen alten Psalm, der nun an der Reibe war. anaeitimmt. und es klang, daß es widerhallte: 2iarra betrübst du dich, mein Herz. Bekümmerst dich und träaest Schmerz Nur i:rn das zeitlich Gut? Acrtrau du deinem Scrrn und Gott, Ter alle Tiug erschaffen hat. Und beim ersten Ton hiervon fiel ein Stein vom Herzen der alten Kapelle, ein Hauch der Befreiung ging hindurch, und das drückende Schweigen wurde m emem unwiderstehlich hervorströmenden Chor gebrochen. Der Schulmeister sah auf. eine Sekunde noch lag eine schwankende Unentschlossenheit auf seinen Zügen, dann aber konnte auch er nicht länger widerstehen, und er fiel in die lieben, heimischen Töne mit einer Stimme ein, die zuerst leise begleitete, dann aber lauter und lauter wurde und sicherer und sicherer sang: Cfc kann und will dich lassen nicht, Er weiß gar wohl, was dir gebricht, Himmel und Erde ist sein, Mein ,'ater und mein 5?rre Gott, Ter mir beisteht m aller Noth. Da erhob Soren wie ein Dirigent. der mit seinem Zauberstab die Töne nach Belieben anwachsen oder sich dampfen laßt, mahnend seine Hand, und augenblicklich sank der Chor gedämpft nieder und ordnete sich gehörsam dem gewohnten Klang unter, und des Schulmeisters zitternde Stimme führte wie gewöhnlich, bis der letzte langgezogene Ton unter der Decke verhallte und in der Höhe verschwand. Es lag eine gewisse zufriedene Sicherheit auf Sorens solider Gestali, als er vor dem Schulmeister aus der Kapelle schritt, als sei es ein Schah, den er siegreich durch Kamps und Gefahr geführt hatte und nun im Triumph wieder fortbrachte. Aber dieser alte Schatz der Insel selbst ging so still und demuthig hinterher, daß alle ihn halb verwundert, halb wehmüthig ansahen. Alles Lächeln und freundliche Nicken, alles fröhliche Slch-hier-und-dorthin-wenden, das er bei diese: Gelegenheit förmlich rund um sich auszustreben pflegte, war wie weggeblasen. Wie etwas, das sich von selbst versteht, eilten Madame Brus an seine eine Seite und Else an die andre und zeigten eine größere Herzlichkeit in ihrem Wesen als gewöhnlich, und der Gutsbesitzer ergriff seine Hand, schüttelte sie in seiner derben Gutmüthigkeit und rief in vernehmlichem, wohlwollendem Tone: Haben Sie Dank dafür, Schulmeister! Das war die schönste Predigt, die ich ie in Dänemar gehört habe! Kommen Sie nun und nehmen Sie oben eine Herzensstärkung, denn die können Sie brauchen!" Aber zu seiner Ueberraschung schlug der Schulmeister zum ersten Male seit Menschengedenken die gastfreie Einladung ab. die sonst so selbstverstand lich erfolgte, daß es gar nicht einmal nothig erschien, sie auszusprechen Selbst Madame Brus' freundliche Ueberredung und Elses bittender Blick -"ra dieses Mal keine Macht, und er heim, älter und hinfälliger, als eigentlich Jemand von ihm gedacht hatte. Soren starrte ihm etwas verdutzt nach, denn er konnte es ja nicht anders begreifen, als daß die Sache auf eine vollständig befriedigende Weife geklärt sei. Ter Gutsbesitzer schritt mit barscher Haltung heimwärts und sah gar nicht mehr so froh über den Zuwachs seines Hausstande aus. als wie er hingegangen war. Aber mitten auf dem Wege drehte er sich mit dunkelrothem Gesicht um und sagte in einem Tone, der mcht frei von einige UnHöflichkeit war: Ich will doch hoffen, Paul, daß Du Dich nicht von allen diesen neumodischen Künsten anstecken läßt, die bald unser ganzes gutes Land verpesten!" Ich. Vater! Nein, da kannst Du ganz ruhig sein ich singe keine neuen Psalmen!" antwortete Paul mit einem Leichtsinn, der seinen Vater sehr er freute und berubiate. Herr Svane ging, als wäre er aus den Wolken gefallen. Er hatte ge glaubt, daß er Ehre und Beifall ernten und lauter bewundernden Anan re gegnen würde, wenn er von dieser sei ner ersten That käme, und nun war es im Gegentheil offenbar, daß er plotz lich die ganze Insel gegen sich hatt? w n rr I . . ... V C VI. ÄM meisten icymerzle es ign, oay v. fanfte Jungfer Elfe die Erzürntest von allen zu sein schien. Ein heftige Unwille färbte ihr hübsches Gesich rosenroth, sie wandte die ganze Zei den Kopf weg und war deutlich genu.z entschlossen, mcht einmal mit ihm zu reden. Und doch war sie so hübsch in ihrem Zorn, daß es doppelt bitter zu , tragen war. Er hatte noch nicht recht
gelernt, daß die welchc Neue's und!
Großes vortragen. Benennung und Verfolgung erleiden müssen, und des halb machte es sein Herz so betrübt und schwer, wie überzeugt er sich auch uhlte. daß er im vollen Necht des Geiles sei und der ganze Fehler auf Seien der Insel liege. Das konnte indessen nicht hindern, ?aß die Welt ihren gesetzmäßigen Gang fortging, und Reineke Fuchs oute um dieser Sache willen seinem Schicksal nicht entgehen, um so weniger, als Umstände dazu, gekommen waren, die den Eifer auf's Aeußerste erhöhen mußten. Der Gutsbesitzer hatte entschiedene Einsprache dagegen erhoben, den Fuchs m dieser Zeit des Jahres zu schießen. weil es eine Ungesetzlichkeit sei. die er in seinem Bereich nicht dulden wolle, und wenn es ihm noch so viele Enten kosten sollte. Dagegen hatte er gern seine Zustimmung dazu gegeben, den Fuchs lebendig zu fangen, und war in seinem Edelmuth sogar so weit gegangeir daß er sich erboten hatte, ihn mit Haut und Haaren zu verzehren, wenn sie ihn brachten. Paul hatte daraus augenblicklich' seine ganze Doktorwürde abgelegt, ein Paar ungewöhnlich hohe Jagdstiefel angezogen und sich in höch ster Jagerungeduld mit Fallen und Schnüren versehen. Mit SelbstuberWindung hatte Jungfer Else in einem taktvollen Gefühl der Zurückhaltung. die ein erwachsenes Madchen zeigen muß, es sofort abgeschlagen, mitzugehen, aber sich, als Paul erklärt hatte, daß er beim Knotenmachen ihre oft bei ri i V wayrie un u man emoeyren lonne, doch beeilt, einen schönen kleinen Eß korb zu packen und die weibliche Zu rückhaltung, als hier wenig hingehörig. aufgegeben. Und so war der Nachmittag nicht sonderlich weit vorgerückt, als die Jagdgesellschaft schon m dem kleinen Busch, der sich hinter dem Garten erhob, versammelt, stand. Bei dem einen der drei Ausganae. von denen man annehmen konnte, daß der Fuchs sie benutzen wurde, hatt: Soren schon einen gewaltigen Haufen Laub und Zweige gesammelt und stand bereit. Feuer und Rauch zu machen. Zwischen den beiden andern lief Paul eifrig hm und her, .beide Hände voll Fallen und Schnüren, während Else mit gmbter Geschicklichkeit Knoten und Schlingen machte und der arme Geistliche allein müßig und finsteren Sinnes dastand. Es war zum Verzweifeln mit der Erinnerung an die unverschuldete Verkennung, die vom Vormittag her noch immer schwer und drückend auf ihm lag, doppelt zum Verzweifeln, wieder ein ohnmächtiger Zeuge der Leichtigkeit zu sein, womit der junge Arzt sich durch die Bagatellen des Lebens zu schlängeln und Kapital daraus zu schlagen wußte. Und dreifach zum Verzweifeln war es, dazustehen uno zu fühlen, daß man sich unter diesem doppelten Druck linkisch und unge schickt ausnahm, und zwar um so mebr, ie mehr man sich bemühte, es nicht zu scheinen. Möglicher Weise konnte man demen. daß ein junger Mann mit so entschiedenem Smn fu? etwas Höheres und mit dem Bewußt sein eines tieferen Geisteslebens sich ohne Schwierigkeit hierein hätie schicken können, aber wenn man erst neunzehn Jahre alt ist, ein warmes Herz hat und eine Jungfer Else zwischen den Bagatellen des Lebens vor sich flattern sieht, mit augenscheinlichem Interesse für sie, dann ist es trotzdem nicht fo leicht, dergleichen zu tragen. Wie ein Vogel, der sich iubelnc hinausschwingt über alte, liebe Stätten, die er lange nicht besucht hat, so cb sie sich den Freuden ihrer Kindheit hin und war wieder ein Kind mit rothen Backen und lachenden Augen. Es lag in all ihrer Geschäftigkeit eme Un schuld und Frische, die die kleinen und unbedeutenden Dinge zu einem Sp:el der Anmuth erhoben und es Herrn Svane unmöglich machten, sie ml Ueberlegenheit zu betrachten. Und indem er ihr Gesicht sich jedes Mal, wenn sie sich im Eifer begegneten, so vertrau lich und lächelnd zu Paul wenden sah während er selbst vergessen und unb:achtet dastand, da konnte es nicht an ders sein, als daß der heimliche UnWille gegen den Freund wieder em Ma über's andre in seinem Sinne aufstieg und bis m sein Herz brannte. 72. (Fortsetzung folgt.) Z Aus der ScscUMzaft. Nein, denken Sie nur: Dr. Mii?; ler, der eine geborene Cahn geheirathc hat, läßt sich scheiden." Da ist eben die K a y n p a r t t zu Wasser ge worden." Eine Merkwürdigkeit ist die Tintcnpflanze von Neu-Grana--da, Südamerika. Ihr Saft kann ohne weitere Zuthat als Tinte benutzt werden. Zuerst erscheint die Schrift zwa? roth, wird aber in kurzer Zeit tiefschwarz. 4Kirschröster. Eine Form . c" I , fn.il... ...... r.fl wno mu genauer uner ausgepinieli Mit aestonenem Awleoack ausgestreut worauf man 2 Pfund ausgekernte schöne Kirschen hineinlegt, stark mit Mucker und 'lMt ve streut, unlermiiq und mit einer gut verrührten Creme aus Quart schaumig geschlagenem sauren Rahm. 2 Unzen Zucker. 10 Ei dotiern, einem Päckchen Vanillenzucker einem gehäuften Eßlöffel semem Meh und dem Schnee der 10 Eiweiße über gießt. Man bäckt diese Speise U i i . ... 1. i f. 1 l ?lunoen oei maniger iqz uno givl i
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Wssiilillc! für Achivcrhörige.
Sie hohl gehaltene Hand und das ?Zblesci der bespräche vom Stunde. Die Zahl der Hörrohre für Schwerhörige ist Legion: man hat trichter-, muschel-, halbkugelförmige und chlauchartige gebaut. Professor Lucae n Berlin hat nun fast alle cristirenden Hörrohre genau auf ihre Brauchbarkeit geprust, und es hat sich dabei herausgestellt, daß sie wohl den Stimmklang und den Schall der Geräusche verstären, daß sie aber das Verstehen der Sprache nicht erleichtern, weil sie die ohen Tone, aus denen sich die Konsonanten namentlich zusammensetzen, nicht verstärken, im Gegentheil auslöschen. Die Patienten bemerken eben nur, daß sie lauter hören, nicht aber, daß die Deutlichkeit des Gesprochenen gleichbleibt. Dagegen gibt Lucae zwei ehr einfache Mittel an zur Erlelchterung des Hörens gerade der Sprache, dessen Ausfall ia der unangenehmste Defekt für die Schwerhörigen ist. DaS eine besteht m dem von Schwerhörigen vielfach instinktiv geübten Anlegen der hohl gehaltenen Hand hinter die Ohrmuschel. wobei es darauf ankommt, die Fmger ganz eng aneinander zu schheßen und den Daumen fest an den Knochen hinter dcm Ohr anzupressen. Benutzt man das gleiche Hilfsmittel für beide Ohren, so sind damit noch bessere Erfolge zu erzielen. Der Grund für die Hörverbesserung liegt darin, daß die schwer wahrzunehmenden höheren Töne verstärkt, die störend lauten tieferen Töne nicht wie bei den Hörrohren verstärkt werden und auch der tiefere Eigenton dieser Instrumente wegfällt. Dieses Verfahren hat aber keinen Nutzen bei nervöser und starker Schwerh'örigkeit. Hier bleibt ein anderes Mittel,' um wenigstens Gesprächen noch gut folgen zu können: Das Ablesen der Gespräche vom Mund. Es ist geradezu verhängnißvoll, daß Schwerhörige- meist zu den Menschen gehören, die diese Kunst mcht schon m ihren gesunden Tagen unbewußt zu treiben pflegen. In der Trambahn machte Lucae z. B. die Beobachtung, daß von 100 nebeneinander sitzenden Personen 48 sich bei der Unterhaltung ansahen. 52 mcht. Erstere waren die lebhafteren, letztere die phlegmatischeren. Daö Ballspiel im Aktertbume. Der Ball ist eines der ältesten aller Spielzeuge. In Persien galt er als bevorzugtes Spielzeug für Königskinder. Bei Griechen und Romern war das Ballspiel eines der beliebtesten Spiele. Die Griechen hatten in ihren Gymnasien einen besonderen Platz zum Ballspiele und besondere Ballmelster dafür. Der Karier Aristonicus, Ball meister Alezanders des Großen, erhielt von den Athenern mcht nur das Burgerrecht, sondern sogar em Denkmal. Bei den Römern spielten es die angesehensten Personen. Die Alten schätzten es auch besonders in diätetischer Hinsicht. Die Sinnbilder an der Bildsaule des Arztes Herophüus bestanden in gymnastischen Instrumenten, und darunter war auch der Ball. Galen, Arzt und Pädagog unter Kaiftr Marc Aurel, halt m semem Buche vom kleinen Ball eine sehr warme Lobrede auf dieses Spiel. Die Griechen unterschieden den großen und den kleinen Ball, den leeren mit Lust angefüllten und den Korykus. Die Römer hatten den Follis,- unseren gewöhnlichen Ball, den Trigonalis einen kleinen Ball zum Zuwerfen und Fangen, die Pagancia" von Leder, mit Federn ge-' topft, und den H?rpastum" zum Ab'chnellen mit einem Holzgriffe. Bei :t Kindern hat der Ball stets den ersten Platz eingenommen, und er verdient auch seiner anerkannten p'ädagogischen Bedeutung wegen besondere Würdigung. Kem Spielzeug ist wie er geeigneter, den wichtigsten Sinn, das Gesicht, sowie Kraft. Geschicklichkeit und Aumuth zu fördern und zu entwickeln. Kinematograph und Wissenschaft. Bisher war uns der Kinematograph nur als eine Erfindung bekannt, die Geschehnisse des täglichen Lebens in bewundernswerther Treue wiederzugeben vermag. Neuerdings hat man diesen Apparat aber auch zu wissenschaftlichen wecken zu verwenden gewußt. Einem ranzösischen Forscher ist es gelungen. en Kreislauf des Blutes und die Bewegung des Protoplasmas kinematographisch aufzunehmen. Seine Aufnahmen geben ein bedeutend genaueres und deutlicheres Bild der Bewegung, welche die Materie im Thier- und Pflanzenkörper macht, als es bisher mit dem Auge wahrgenommen werden konnte. Auf Grund der von ihm gewon'nenen Resultate wird es in nicht allzuserner Zeit möglich sein, mittelst des Kinematographen dem Publikum in riesenhafter Vergrößerung auf der Leinwand zu zeigen, wie eine Pflanze Wächst, wie sich Zelle an Zelle reiht. Hierdurch wird man noch ungeahnte Einblicke in die wunderbaren Vorgänge des Zellenwachsthums und der ZellenVermehrung bei Thieren und Pflanzen thun können. Schändlicher Streich. In dem Weizendistrikt zwischen Buhler und Burton in Reno County. Kan., hat ein Brandstifter Tausende und Abertausende Bushel im offenen Felde aufgestapelten Weizen vernichtet. Man glaubt, daß man es mit einem Verrückten zu thun hat, der über fehlgeschlagene Spekulationen in Weizen den Verstand verloren hat.
