Indiana Tribüne, Volume 28, Number 306, Indianapolis, Marion County, 17 August 1905 — Page 6
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Vogel Strauß und seine Federn. Bei der großen Beliebtheit, deren sich die Straußfedern in der gesammten Damenwelt erfreuen, dürfte es wohl nicht uninteressant sein, einige authentifche Daten einesFachmanneZ über die Erzeugung der Federn und die Zucht und Lebensweise der kostbaren Vögel zu erfahren Daten, welche theilweife auch manchen landläufigen Irrthum berichtigen. In vielen Naturgeschichten und Bilderbüchern finden wir den Strauß als ein Wüstenthier bezeichnet, uf dessen Rücken Neger einhergaloppiren. Das ist ganz falsch. Der Strauß kann schon deshalb kein Wüstenvogel sein, weil er zu seiner Ernährung ungeheuer viel Wasser und Grünfutter braucht Dinge, die es bekanntlich in der Wüste fast gar nicht gibt. Ebensowenig ist er imstande, schwere Lasten, tote" einen Neger, lärere Strecken zu tragen. Ein Herr W. H. Bentley, der iim Jahre 1883 zu San Diego. Cal., die erste Straußenfarm anlegte und mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatie, erzählte kürzlich Einzelheiten über das Leben und die Gewohnheiten des Straußes. Danach ist z. B. die Behauptung, daß der Vogel Strauß, wenn er stch in Gefahr glaubt, den Kopf tief in den Sand vergräbt, nicht als eine Fabel. Sie dürfte daher cn'. standen sein, daß das Thier mit Vor, liebe im Sande wühlt, um nach Kieselsteinen zu suchen, die es in Massen verschluckt. Das Brutgeschäft besorgen Männchen und Weibchen zusammen. Von 8 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags sitzt der Strauß auf den Eiern, die übrige Zeit die Straußin. Er" begnügt sich mit dem Achtstundentag, ji:" mag dann geduldig die übrige Zeit auf dem Neste sitzen. Nach sechs Wochen kriechen die Jungen aus der harten Schale. Acht Monate später erfolgt bei ihnen schon die erste Rupfung, doch sind die Federn noch fast werthlos. Die Federn wachsen ziemlich langsam nach, so daß man sie nur alle acht Monate rupfen, d. h. ausschneiden kann. Wenn die Federn so weit gewachsen sind, daß man die Ausschneidung vornehmen kann, wird dem Strauß ein Tuch rasch über ben Kopf geworfen und er in die Ecke der Abzäunung gedrängt, in der er sich befindet, wo ihm dann ohne Schwierigkeit .330 Federn ausgeschnitten werden. Die werthvollsten sind die 26 langen, schwarzen oer grauen Flügelfedern. Die Naturfedern werden folgendermaßen in Putzfedern umgestaltet. Man wählt nur die tadellosen Stücke, die Von ganz gleicher Länge und Brite sein müssen. Die untere Seite der Feder, welche dazu bestimmt ist, die obere oder Putzfeder zu bilden.wird bis dicht an das 'Gerippe so lange mit einem Falzbein oder Glas gestrichen, bis sie ganz glatt und flach ist; ähnlich wird mit drei bis fünf anderen verfahren, die dann übereinander gelegt und zusammengeheftet werden, um eine schöne Putzfeder zu bilden, die nun mitelst einer stumpfen Klinge gekräuselt wird. Wenn man bedenkt, daß die Zucht der Riesenvögel nicht nur kostspielig, sondern auch gefährlich ist, wird man begreifen, weshalb die in den Handel kommenden schönen Federn so theuer sind. Die Vögel bedürfen wachsamer Pflege und verschlingen eine Menge Futter, das hauptsächlich aus Körnerfrllchten und frischem Gras besteht. Ist -letzteres nicht zu haben, so nehmen sie auch mit einem Häcksel von Heu und Luzerne vorlieb; Fleisch oder gekochte Speisen aber verschmähen sie vollständig. Das Männchen wird leicht wild und ist imstande, im Zorn den stärksten Mann zu tödten, indem es seine langen Klauen mit furchtbarer Kraft gebraucht. Das Weibchen ist zwar ganz zahm und ungefährlich, hat aber nicht so schöne Federn wie das Männchen. , Es ist merkwürdig, daß dieser Vogel, dessen Federn so sehr begehrt werden, zu den häßlichsten und plumpsten Geschöpfen der gefiederten Welt gehört. Seine ungeheuer langen Beine smd völlig nackt, ebenso sein gestreckter, fabelhaft dünner Hals; nur seine Augen sind schön sie haben einen sanften Ausdruck. Unseren Vogelfreunden wird es wohl zur Beruhigung dienen, erfahren zu haben, daß die Straußfe-
bern nicht, wie die Flaumen unserer Gänse, bei lebendigem Leibe ausgerupft, sondern ganz schmerzlos ausgeschnitten werden. Kinderlogik. Eines Tages saß Wilhelm Grimm in seinem Arbeitszimmer, als ein kleines Mädchen mit den Worten hereintrat: Sind Sie der Herr Grimm, der die bübschen Geschichten schreibt? Ja, mein Kind, der bin ich. ich und mein Bruder." öaben Sie auch die von dem Schneider geschrieben, der die Prinzessin geheirathet hat?" Ja, mein Kind. Schön." sagte die Kleine, ein Buch aus der Tasche ziehend, Si: sagen darin. Jeder, der es nicht glaubt, müsse einen Thaler bezahlen; na, ich glaube nicht, daß eine Nrinzessm ie einen Schneider aebelra thet hat. Einen Thaler habe ich nicht, nhtr bier ist ein Groschen, und den Nest werde ick nach und nach bezahlen In diesem Augenblick trat Jakob Krimm in's Zimmer, und die Brüder unterhielten sich noch längere Zeit mit der kleinen Dame, konnten sie aber nicht bewegen, den Groschen wieder zu nehmen, den sie aus die Stjöjiante ge legt halte. '
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1 t 1 Dir Perücke. x T t Novcllctte von Johannes Stavi. i -5 H 0 Hat es nicht geklingelt, Mama?" Ich glaube, ja." . Wer kann das sein?" Aber Kind so früh am Vormitiag! Irgend ein Lieferant oder der Briefträger." DieThür öffnete sich, und einDicnsimädchen brachte auf silbernem Teller einen amtsmäßig aussehenden Brief. Für das gnadige Fräulein. Ada Jlgen griff hastig nach dem Schreiben. Als sie einen Blick auf die Aufschrift des Umschlages geworfen hatte, ojsnete :e ihn sichtlich erregt. Gleich darauf rief sie jubelnd: Mama, die Sache ist schon perfekt! Ta bietet mir die Hofburgtheatenntendanz für den Januar ein auf Engagement abzielendes Gastspiel an." rtxau Geheimrath Ilaen schnellte von ihrem Sitze empor, im in:i den Frühftuastisch herum auf ihre Tochter zu und küßte sie herzlich. Ich wünsche Dir alles Glück. Ada. Jetzt bist Du über's Jahr Wahlscheinlich. kaiserlich königliche Hofburaschauspielerin mit vierundzwanzig Jahren!" Ueber das schöne Gesicht des Mädchens glitt ein schelmisches Lächeln. Ich gratulire Dir auch, A!ama." Mir? Wieso?" Nun, jetzt kommst Du doch wieder in Dein geliebtes Wien zurück." Frau Jlgen, die trotz ihrer zw?lundvierzig Jahre der blühenden Tcchte? cn Schönheit wenig nachgab, lachte halblaut. Du bist ein Spottvcgel. Ada. Gewiß, ich hab' mein Wien gern. Aber ich freue mich doch hauptsachlich Deinetwegen, daß wir jetzt hinkommen. Bedenke doch, wie lang ich schon fort bin. Da bin ich fremd geworden in meiner Heimath. Und hier in Berlin und früher in Dresden habe ich so vieles, was mich festhalten mußte. Angenehme Beziehungen, liebe Menschen. Aber für Dich ist es ein Glück, nach Wien zu kommen. Ich bitte Dich, kaiserlich königliche Hofburgschuspielerin! Das ist bei derVergötterungder Schauspieler, die in Wien getrieben wird, der gesellschaftliche Rang eines Ministers. Wenn Du in den Prater fährst, werden die Leute auf der Ringstraße stehen bleiben und dem Wagen ehrfürchtig nachstarren, als säße eine Erzherzogin darin. Erkältest DuDich oder verdirbst Du Dir den Magen, so erscheinen in allen Zeitungen laufende Arztberichte über das Befinden der gottbegnadeten Ada." Die Tochter lehnte das Haupt an die Brust der Mutter und blickte zärtlich zu ihrem Gesichte empor. Wie schnell die Phantasie meines Mcmachens wieder reitet!" neckte sie. Da 'siehst Tu mich schon als Mitglied des Burgthcaters und als Liebling des Publikums und ich bin doch erst zum Gastspiel eingeladen. Vielleicht gefalle ich gar nicht." Frau Jlgen schüttelte energisch das Haupt. Das ist ganz ausgeschlossen. Tu in Wien nicht gefallen! Du bist wie für die Wiener geschaffen. Das Urwüchsige in Deiner Begabung ist ja gerade das, was aus dieses Publikum wirkt. Und dann in Wien kommt es auf reiche natürliche Mittel noch mehr an als anderswo. Eine schöne, wohllautende Stimme, große, volle und doch biegsame Gestalt, ein schönes Gesicht, das schätzen sie fast höher als die eigentliche Kunst. Und Du bist doch meine schöne Ada." Das Mädchen hob die Hand zu dem Gesicht ihrer Mutter empor und fuhr ihr mit der Spitze des rosigen Zeigesingers langsam über Stirn, Nasenrücken, Mund und Kinn bis herab zum Halsansah, in dieser liebkosenden Beruhrung das klassische Profil gleichsam nachzeichnend. Wenn ich das bin, so hab' ich's von Dir, Mama." Schmeichelkatze. Du! Uebric,?ns ein Glück hast Du. Mädel, ein "Glück! Wenn ich so Deine Laufbahn bedenke: mit neunzehn Jahren das glänzende erste Auftreten in Dresden und gleick an das Hoftheater für erste Rollen, mit einundzwanzig nach Berlin an's Deutsche Theater, mit dreiundzwanzig dieser ehrenvolle Ruf nach Wien " Ada hatte sich erhoben. Leuchtenden Auges sagte sie: Ich kann was,Mama. Daß es sehr vielen Anderen, die ebenso viel können, vielleicht noch mehr, vie! schlechter geht, das weiß ich. Wenn mir das alles erspart bleibt, was meine Kolleginnen durchgemacht haben und noch durchmachen, so dank' ich's dem da." Sie war an ihren Schreibtisch getreten. Dieser stand schräg über eine Ecke des Gemachs. Aus dem Raume hinter ihm ragte eineSaule aus dunkelgrauem Marmor empor, die di? lebensgroße Büste eines Mannes trug, nach der ho hen Stirn und den geistvollen Zügen die eines Gelehrten. Die Hände auf die Schreibtischplatte gestützt, blickte daZ Madchen sinnend auf das weiße Stern bild, das sichjoon der dunkelblauen Sammetdekoration an der Wand wir kungsvoll abhob. ' " Der gute, gute Vater! Wie früh er meine Begabung erkannt, wie sorgsam er sie gepflegt hat! Und noch über das Grab hinaus hält er seine schützende Hand über mich. Ich hatte es bei mel nem Debüt in Dresden so leicht, er-
folgreich zu sein. Saßen doch in allen Logen seine ehemaligen Patientinnen, die Königin selbst gehörte dazu, denen allen es wie eine persönliche Angelegenheit war, ob dasTöchierchen ihres lang-
zährigen Hausarztes auch Erfolg haben wurde. Und das Vermcgen, das er für uns angehäuft hat wie wichtig ist das! Du ahnst es nicht. Mutter, wie wichtig es für eine Künstlerin ist. daß man sich sagt: Die hat's eigentlich gar nicht nöthig. An Denjenigen, die's nöthig heben, drängt sich jeder inwendig schmierige Bengel, der Einfluß auflas Theater hat, heran und meint ihnen seine brutalen Galanterien anthun zu dürfen. Ich habe davon nichts zu leiden gehabt." Frau Jlgen, die sich vor den Schreibtisch gesetzt hatte, blickte gleich ihrer Tochter gerührt auf die Züge des viel zu früh Dahingeschiedenen. Jetzt sagte sie: Ja, a, mein liefcer, guter Theo dor, Du hast unserem Kinde die Wege geebnet vielleicht zu sehr! Das Ding ist übermüthig geworden." Ada wandte das Geucht zur Seite. Jetzt fängst Du wieder von dem Amerikaner an, Mama." Frau Jlgen nickte. Gewiß, Ada. Weil mir die Sache nicht in meinen Kopf hinein will. Ein fein gebildeter Menfch. Betragen wie ein englischer Lord, schon wie der junge Siegfried, schwer reich, so reich, daß seine jährliehen Einkünfte mehr betragen als unser ganzes Vermögen." Wenn ich ihn aber nicht lieben kann. Mama!" Ja, aber warum nicht? Ist er Dir unsympathisch?" Nein, gewis; nicht. Sehr sympathisch sogar. Ich denke fast jeden Tag an ihn. Wenn ich Dir alles sagen soll, Mama, vorhin, als der Brief kam, habe ich mir einen Augenblick lang fest eingebildet, er klingle." . Frau Jlgen sah ihre Tochter groß an. Kopfschüttelnd sagte sie: Daraus soll man klug werden. Das sieht ja beinahe aus wie Liebe. Und trotzdem hast Du so deutlich abgewinkt, daß der arme Mensch spornstreichs von Kissingen nach London dampfte. Jetzt ist er wahrscheinlich längst wieder in New York." Ich bin fest überzeugt, er kommt wieder herüber," sagte Ada langsam. Nun, und ? Wie wird's dann sein?" Das Mädchen machte eine Bewegung der Unschlüssigkeit. Ich weiß nicht. Aber ich glaube, ich winke wiederum ab. Es ist etwas an ihm, das mich trotz allem immer wieder zurückstößt." Ja, aber was, Kind? Was?" Darauf blieb Ada dieAntwort schuldig. Um die Mutter von der Frage abzulenken, zog sie sie auf das kleine blausammetne Kanapee nieder und begann die Erinnerungen an den Aufenthalt in Kissingen durchzusprechen, von dem die beiden Damen vor zweiWöchen zurückgekehrt waren. Dort hatten sie den Amerikaner, Doktor James Colman, kennen gelernt. War das einAufruhr unter denKurgästen geworden, als der junge Mann auf der Bildfläche erschien! An schwer reichen Leuten von drüben" leidet der berühmte Badeort ja keinen Mangel.. Eher leidet er unter ihrem massenhasten Auftreten. Denn die Herren mit ihren vielzifferigen Dollarvermögen sind nicht immer die manierlichsten Leute. Dieser Doktor Colman machte aber gar nicht den Eindruck eines amerikanischen Emporkömmlings, viel eher eines jungen Lords oder sonst eines Erben alten Reichthums und hundertjährigen gesellschaftlichen Ansehens. Trotzdem wußte der dicke Werthe!mer, ein Berliner Bankier, der sich unter den Badegästen befand, auf Grund seiner geschäftlichen Verbindungen mit dem New Forker Platze haarklein zu erzählen, daß der Vater Doktor Colmans noch auf gut deutsch Michel Kollmann geheißen habe und ein biederer badischer Papiermüller gewesen sei, der vor einem Mcnschenalter mit wenig Geld und vielen Hoffnungen die Reise über das große Wasser antrat. Heute beherrschte die Firma M. Colman u. Sons beinahe die gesammte Papiervereinigung der Ver. Staaten, und ihr alleiniger Inhaber, eben dieser Doktor James, verfüge über ein Vermögen von vielen hundert Millionen Dollars. Diese kaufmännische Auskunft über die Bonität" des interessanten Fremdlings entfesselte natürlich ein wahres Wettrennen um die Ehre seiner Bekanntschaft. Projektenmacher aller Art drängten sich an ihn heran, die Mütter heirathsfähiger Töchter geriethen in hellen Aufruhr. Nicht minder die Mägdelein selber. Denn der Deutschamerikaner besaß zu seinen übrigen Vorzügen auch noch den, ein schöner Mann zu sein. Seine Gestalt war hoch und schlank, von jener kraftvollen Hagerkeit, die in unablässig betriebenen lörperliehen Uebungen erworben wird, sein Gesicht, das er nach heimathlicher Sitte glatt rasirte, war edel geschnitten, seine dunkelblauen Augen groß und lebhaft. Vielleicht das Schönste an ihm aber waren wohl seine Zähne. Die Backfische in der Kurgesellschaft, die den überseeischenSiegfried natürlich sammt und sonders anschmachteten,' pflegten, wenn sie etwas ganz besonders glänzend Weißes bezeichnen wollten, zu sagen. das Ding wäre weiß wie Doktor Colmans Zähne. Die beiden Damen waren mit diesem Märchenprinzen anläßlich einer Wohlthätigkeitsvorstellung,' bei der Ada einige Balladen vortrug, in nähere Berührung gekommen. Als die Vorträge vorüber waren, hatte sich Colman so-
fort vorstellen'lassen und' überschüttete von Stund' an Ada mit Huldigungen,
welche die schwiegersohnbedurftigen Mütter halb wahnsinnig machten und die Erfinder mit tiefem Verdruß crfüllten. Es war ja nur zu klar, daß der Nabob sich über beide Ohren verliebt hatte, und für liebeskranke Krösusse haben lenkbare Luftschiffe und ähnliche schöne Dinge noch weniger Anziehungskraft, als für die im Zustande ungetrübter Vernunft befindlichen xtv chen Leute. Unter diesen Huldigungen waren manche von ganz absonderlicher Art. Einmal äußerte Ada ihr Wohlaefallen an einem zungen Offizier, der auf dem Reitwege, der sich an der Promenade hinzog, seinen Gaul tummelte. Am zweitnächsten Morgen erschien Doktor Colman hoch zu Roß vor der Villa, welche die beiden Damen bewohnten. Er ritt ganz ausgezeichnet, und daS Pferd, ein Eisenschimmel von hervorragender Schönheit, erregte das Erstauncn ganz Kissingeus. Wie sich später herausstellte, hatte der Amerikaner eine Stunde nach jener Aeußerung Adös an einen Berliner Geschäftsfreund telephonirt, dieser möge für seine Rechnung das beste Reitpferd, das in Berlin aufzutreiben sei, ankaufen und . mittelst Sonderzuges nach Kissingen befördern lassen. Ein andermal kam Ada auf denMaler Vergmüller zu sprechen, der gerade auch in Kissingen zur Kur weilte. Sie erzählte Doktor Colman, wie leid ihr der alte Herr thue, der ein großer und seiner Künstler fei, aber infolge widriger Familienverhältnisse sich in solchen Geldschwierigkeiten befinde, daß er manchmal geradezu Mangel leide. Ten Aufenthalt in dem theuren Kissingen gestatte er sich nur auf das Drängen seines Arztes, der ihm vorgestellt habe, daß er das für sich thun müsse, wenn er nicht im nächsten Winter gesundheitlich zusammenbrechen wolle. - Tags darauf lief unter den Kurgästen das Gerücht um, der Amerikaner habe Bergmüller das nächste Bild, das der Maler vollenden würde, unbesehen abgekauft, den Preis auf so viele Dollars erhöht, als Bergmüller Mark verlangt hatte, und dem ob solcher Freigebigkeit ganz fassungslosen Meister die -Hälfte des Betrages als Angeld förmlich aufgedrängt. Um diese Zeit nahm Ada Gelegenheit, in ein übrigens ganz harmloses Gespräch mit Colman die Erklärung einzuflechten, daß sie fest entschlossen sei, niemals zu heirathen, sondern ganz und gar ihrer Kunst zu leben. Der Amerikaner sah sie groß an. Ist das Ihr Ernst, gnädiges Fräulein?" Mein voller Ernst." Von dem Sie niemals abweichen werden?" Vorläufig sehe ich nichts, was mich dazu bewegen könnte," war Adas Antwort. Colman brach das Gespräch ab und empfahl sich bald do.rauf. Am nächsten Tage machte er seinen Abschiedsbesuch. Sein selbstbewilligter Urlaub sei nun zu Ende. Er müsse in dringenden Geschäften erst nach London und dann zurück nach New Fork. Als das Gespräch der -Damen auf diesem Punkte angelangt war, schüttelte Frau Jlgen wiederum den Kopf. Wenn ich nur ergründen könnte, was für einen Grund Du dazu gehabt hast. Der Mann gefiel Dir doch, das habe ich Dir angemerkt und Du selbst hast mir's vorhin eingestanden." Ada blickte unschlüssig vor sich hin. Wirst Du mich nicht auslachen, Mama, wenn ich Dir die Wahrheit sage?" Auslachen ich Dich? Aber Kind!" Mama, er er trägt eine Perücke." Die Geheimr?thin fuhr von ihrem Sitze in die Höbe. Nicht möglich!" Doch. Mama. Es ist ein ganz wundervolles Meisterwerk, diese Perücke, und ahmt den natürlichen Haarwuchs täuschend nach, aber ich habe es sofort gesehen. Beim Theater bekommt man einen guten Blick für derartiges." Frau Jlgen sah erstaunt ihre Tochter an. Irrst Du Dich auch nicht? Ich hätte das im Leben nicht bemerkt. Aber wenn auch! Das ist doch kein Grund. Wie viele Menschen verlieren frühzritig ihr Haar. Durch Krankheit, durch Vererbung, was weiß ich." Ich weiß. Mama," sagte Ada beinahe traurigen Tones. Trotzdem habe ich darüber nicht wegkommen können. Ich war förmlich böse auf mich deshalb, ich habe mir Albernheit und Oberflächlichkeit vorgeworfen. Es war alles umsonst. Die Sache ist mir so abstoßend, daß ich trotz all seiner glänzcnden Eigenschaften niemals ein Herz zu ihm fassen könnte. Wenigstens hab' ich so das Gefühl. Es liegt vielleicht wirklich daran, daß ich so wenig gelernt habe, mich zu bescheiden, zu verzichten. Soll ich gerade in der Liebe etwas in den Kauf nehmen müssen, was mir unangenehm und widerwärtig ist?" Frau Jlgen trat an das Fenster und sah hinab auf den Kurfürstcndamm, auf dessen blankem Asphalt die Radfahrer dahinsaustcn und die Equipagen in schlankem Trabe einherrollten. Das ist ein sonderbarer Zustand, mein Kind." sagte sie nach einer kleinen Pause. Wenn ich Dich recht verstehe, so ist eine Liebe in Dir, die von einer Idiosynkrasie, einer nervösen, grundlosen, aber um so stärkeren Abneigung gegen die Kahlköpfigkeit niedergehalten wnd. Einen solchen Schauder vor mit Glatzen behafteten Menschen habe ich übrigens schon in Deiner Kindheit an Dir bemerkt. 2iknn bi Wachen so 1
g?n. so wäre es wohl am besten, wenn er Deinen Weg nie wieder kreuzte." Und doch glaube ich zu wissen, daß wir uns wiedersehen wrden," anwortete die Tochter leise. Und ich meine beinahe, daß daß ich sehr unglücklich Wäre, wenn ich aufhörte, daran zu glauben." Te Mutter neigte betrübt den Kopf. Mein armes Kind! Na, das wird mit der Zeit alles gut werden. Jetzt ist es ja kaum drei Wochen her seit seiner Abreise. Wenn Tu erst wieder auftrittst, wirst. Du weniger an ihn denken. Und später, in Wien, unter neuen Menschen und neuen Verhältnissen wirst Du ganz darüber wegkommen Es ist übrigens mächtig spät geworden über unserem Geplaüder. Gleich Zwölf! Ich habe einige Besorgungen in der Stadt. Kommst Tu mit?" Ich habe keine rechte Lust, Mama. Auch, muß ich ja den Brief der Theaterintendanz beantworten." Gut. Ich werde übrigens bald wieder dz sein. Adieu so lange, mein Liebling."
Adieu, Mama." s Die beiden Damen küßten sich herzlich. Tann setzte sich Ada an den Schreibtisch, und ihre Mutttt verließ das Zimmer. Die Frau Geheimrath verließ daö Zimmer, aber noch lange nicht das Haus. Das hübsche junge Ding, das vorhin den Brief gebracht hatte, war erst seither Rückkehr der Damen von der Badereise zugezogen und wußte noch nicht recht Bescheid. Da gab es eine Menge anzuordnen und einzuschärfen. Als das geschehen war, setzte Frau Jlgen sich hin und verfaßte einen Merkzettel über die Dinge, die sie zu besorgen hatte. Sie litt ja sonst nicht an Vergeßlichkeit, aber nach dem aufregenden Gespräche mit ihrer Tochter, das ihr sicherlich nachgehen würde, fürchtete sie, ohne ein solches Hilfsmittel nicht zurecht zu kommen. Endlich war sie so weit, daß sie sich auf den Weg machen konnte. Es war aber inzwischen so viel Zeit vergangen, daß sie ewö Droschke nehmen mußte, wenn sie noch halbwegs zu rechter Zeit zurückkommen wollte. Als sie die Thiergartenstraße entlang rollte, wurde sie von einem Herrn in einer Equipage, die ihrem Wagen entgegenkam, sehr lebhaft gegrüßt. Sie erschrak beinahe. War das nicht ? Da hielt der fremde Wagen auch schon. Bei Gott, er war's, der Amerikaner, Doktor Colman! Halt, Kutscher, halt!" Der Kutscher Frau Jlgens riß fein Pferd zurück. Im nächsten Augenblicke stand Doktor Colman. den Hut in der Hand, an der rechten Seite des Wagens und begrüßte Frau Jlgen mit Weltmännischer Verneigung. Herr Doktor! Sehr erfreu!" stammelte die fassungslose Dame. Heute morgen erst haben wir von Ihnen gesprochen. Wo kommen Sie denn so plötzlich her? Wir glaubten Sie unterwegs nach New Jork." Ich komme aus London," antwortete der Amerikaner mit wohlklingender Stimme. Heute Morgen hier eingetroffen. Ich war auf dem Wege zu Ihnen." Er sah sich nach seinem Wagen um und fragte: Darf ich mir erlauben, gnädige Frau, zu Ihnen einzusteigen?" Aber mit Vergnüger t" Colman rief seinem Kutscher zu, zum Hotel zurückzufahren. Dann stieg er zu Frau Jlgen ein und setzte sich an die linke Seite der Dame. Haben Sie für mich eine halbe Stunde Zeit, Frau Geheimrath?" fragte er. Dann würde ich Ihnen eine Fahrt durch, den Thiergarten vorschlagen." Gern." Der Amerikaner gab dem Kutscher seine Weisungen übe? den Weg, den die Spazierfahrt nehmen sollte." Dann wandte er sich an die Dame, die in sichtlicher Aufregung der Dinge harrte, die da kommen sollten. Sie waren sehr erstaunt, gnädige Frau," begann er, mich in Berlin zu sehen. Ehrlich gesagt, wundere ich mich über mich selbst. Ich hätte zu Hause dringend zu thun. Und darin bin ich ein richtiger Amerikaner, daß mir die Geschäfte über alles gehen oder gingen Jetzt' aber es ist vielleicht nicht ganz fein, solche Dinge bei einer solchen zufälligen Begegnung vom Zaun zu brechen, aber man soll andererseits die Gelegenheit beim Schöpfe fassen kurz, ich stand schon auf dem Deck des Dampfers nach New Jork und kehrte doch wieder um, weil mir klar war, daß ich hier im alten Lande viel Wichtigeres zu thun hätte als drüben, selbst wenn mein ganzes Vermögen auf dem. Spiele gestanden hätte." Er machte eine kleine Pause, während deren Frau Jlgen kaum Zu athmen wagte. Dann fragte er leise: Sie haben heut? Morgen von mir gesprochen. Darf ich mir die Frage erlauben: In freundlichem Sinne?" Aber natürlich! Sogar sehr." Wirklich? Obwohl Ihr Fräulein Tochter mich so schlecht behandelt hat? Ich weiß nicht, ob Sie darum wissen" ' Frau Jlgen legte ihre ein wenig zitternde Hand auf den Arm ihres Nachbars. Ich weiß alles. Sie hat mir's erzählt, in Ki singen, gleich nach Ihrer fluchtähnlichen Abreise. Und seit heute weiß ich auch den Grund." Colman sah sie forschend an. Es ist also doch ein Grund da?" fragte er langsam Keine bloße Laune. Dös ist gut. sehr gut. Denn Gründe lassen
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