Indiana Tribüne, Volume 28, Number 305, Indianapolis, Marion County, 16 August 1905 — Page 5
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Das Lied des Glucks.
Von Stfa; Gcißler. Ach. wir spähen nicht nach weiten Zielen. Auf dem Herd brennt unser Feuer. iiiiid; In das Lied, das Rohr und Binsen spielen. Lausten wir und in den Abcndwind. Ferne giebt dnZ laute Leben Kreise. Tausend Fackeln strecken dort die Nacht. Und das Lied des Glücks ist doch so leise. Und es wandert gern in Stcrnenpracht. Ein galanter Austrag. mrHumoreske von Alfred Sottmald. Meine Hand darauf, Herr Barcn, was an mir liegt, werde ich thun, um den Widerstand weiner Tochter zu be siegen. Ein Mann von Ihrem Stande, von Ihrer Distinktion kann mir als Schwiegersohn nur willkommen sein. Einen bestimmten Erfolg meiner väterlichen Einwirkung kann ich Ihnen freilich heute nicht versprechen." Und warum nicht, wenn ich fragen darf? Schätzen Sie denn Ihren Einfluß nach dieser Richtung so gering, Herr Commerzienrath?" fragte der Bewerber, der junge Baron von Ad lerfeld, dessen ohnehin wenig durchgei stigtes Gesicht bei den letzten Worten des alten Herrn noch länger und rathloser erschien. Während er dies sagte, fuhr sich der Varon, der in dem Bescheid offenbar Haare gefunden, wie zur Entschädigung hierfür mit der Rechten nervösungeduldig über den Kopf, wo er, wie auf dem Kiefern - Areal seiner Besttzungen, nur noch auf wenig dünn bewachse Stellen stieß. Die Rodenwirthschaft, die der leichtsinnige junge Herr seit Jahren auch in seiner Lebensweise eingeführt, war schuld daran daß auch diese Fläche sich vor der Zeit gelichtet. Warum? Ja, lieber Baron, Sie kennen eben nicht den Trotzkopf meiner Alice! So lange das Kind an ihrer Schwärmerei für diesen Maler wie heißt der Kerl doch gleich? festhält, so lange, Herr Baron, ist absolut nichts zu machen. Sie würde eher ins Wasser springen, als in die Verbindung mit einem anderen willigen!" Das wäre, Herr Commerzienrath! Sie glauben wirklich, daß Fräulein Alice mir auf die Dauer einen simplen Farbenkleckser vorziehen könnte?" Farbenkleckser? Hm, der junge Mensch soll ein armer, aber talentvoller Künstler sein. Dennoch halte ich das Faible meiner Tochter für diesen wie heißt der Kerl doch gleich? für eine Caprice, die wahrfcheinlic) mit. dem Schluß der diesjährigen Kunstausstellung wieder aufhören wird. Warten Sie also ab. lieber Baron,. mit Gewalt läßt sich da nichts ausrichten!" Gut! So werde ich die Sache am anderen Ende anfassen. Werde diesen Maler zwingen, seine Bewerbungen einzustellen, auf Kavalierparole! Werde den Menschen schlimmstenfalls auf Pistolen fordern! Adieu, Herr Commerzienrath. Sie sollen bald von mir hören!" Mit diesen energisch gesprochenen Worten verließ Baron von Adlerfeld dröhnenden Schrittes das Haus seines Schwiegervaters in spc, finstere Pläne schmiedend, wie es ihm gelänge, recht bald den heißen Rachedurst gegen den unbekannten Rivalen und die vielen auf seinen Gütern lastenden Hwpotheken zu löschen. Der Maler Arnold, Becker, das nichtsahnende Opfer dieser Anschläge, hatte den ganzen Nachmittag mit zwei befreundeten Künstlern im Caf6 Skat gespielt, und merkwürdigerweise auch im Spiel ein Schwein entwickelt, das an Ella" und Eloira", die preisgekrönten Zuchtschweine auf der Mastviehausstellung, erinnerte. Becker befand sich daher in der denkbar rosigsten Stimmung. Da, als es draußen zu dunkeln begann, stand er plötzlich auf und erklärte, nach der Uhr sehend, er müsse jetzt fort. In einer Stunde bin ich wieder hier," tröstete er die beiden anderen, die gegen den plötzlichen Abbruch des Spiels lebhaft protestirten. Eine kleine Besorgung, die sich nicht aufschieben läßt." . Kannst Du denn das nicht durch einen Dienstmann abmachen lassen?" Becker überlegte einen Augenblick, dann schickte er den Kellner nach einem Dienstmann und fetzte sich wieder hin. Ah, Brösel, Sie sind es!" rief er, al der Dienstmann erschien, freudig überrascht. Schön, auf Sie kann man sich verlassen, das weiß ich. Ich habe einen kleinen Gang für Sie. Es handelt sich um dieselbe junge Dame, der Sie schon öfter in meinem Auftrage Briefe und Buketts überbrachten. Sie wlssen doch, en ich meine? Gewiß, g-viß! Ein reizendes We sen!" schmunzelte Brösel Verständniß innig. Also rasch meinen weiten Mantel umgeyangen! So, der verdeckt Ihre Dienstmannstracht vollständig. Nun noch meinen Kalabreser aufgesetzt! FamoZ. Ihre Visage erkennt bei der Dunkelheit kein Mensch! Nun aufge paßt! Sie stellen sich vis-a-vis bor dem Hause auf, wo die Bewußte wohnt. Gegen acht Uhr wird an einem Fener der Beletage ernt weibliche Ee stalt auftauchen. Sie werfen dann für mich mit kühnem Armschwunge et wa so! eine ganze Anzahl Kuß hände hinauf, dann verschwinden Sie um die Ecke und kommen wieder hierher! Verstanden?"
VollsiÄNdig, wird gemacht! Verlassen sich der Herr Doktor ganz auf mich, ich war sechs Jahre Diener beim Rittmeister von Windheim! Wieviel Kußhände befehlen der Herr Doktor, daß ich werfen soll?" Na, sagen wir sechs!" Zu dienen! Macht sechs mündliche
Aufträge bis 5 Minuten Zeitdauer, sind 6mal 20 Pfg., macht 1 MI. 20 Pfq.; hin und zurück sind zwei Botengänge von 5 bis 10 Min. h 30 Pfg.. macht 60 Pfg.; für Kalabreser und Mantel rechne ich 2 Pakete bis 5 Kilogramm a. 20 Pfg., macht 40 Pfg., sind zusammen 2 Mk. 20 Pfg." Hier sind drei Mark. Nun aber fort!" Zehn Minuten spater stand Brösel auf seinem Observationsposten und blickte gespannt nach den ihm bezeichneten Fenstern empor. Als es acht schlug, erschien dort richtig eine holde Mädchengesialt. Die sechs Kußhände, die Brösel mit Aufgebot seiner ganzen pantomimischen Kunstbegabung hinaufwarf, wurden von der anderen Seite gleich lebhaft erwidert. Mit einer verabschiedenden Handbewegung, wie er sie von abgehenden Schauspielern gesehen, wollte sich Brösel hierauf um die Straßenecke zurückziehen, als ihm jemand den Weg vertrat. Mein Herr, Sie erlaubten sich soeben, eine Dame, die ich verehre, durch unpassende Gestikulationen nach ihrem Fenster zu compromittiren. Baron von Adlerfeld! Mit wem habe ich das höchst zweifelhafte Vergnügen?" Wilhelm Brösel versetzte der Pseudo - Maler gelassen. Uebrigens hab' ich mich Ihnen ja nicht als Vergnllgungscomite aufgedrängt." Ich ersuche Sie, Herr Brösel, mir einen Augenblick in dies Wein-Restau-rant zu folgen. Es handelt sich um eine Unterhandlung von großer Wichiigkeit. Wenn Sie vernünftig sind, läßt sich die Sache vielleicht in Güte arrangiren." Wenn Sie den- Wein bezahlen, Herr Baron, warum nicht? Schnaps wär' mir freilich lieber!" Selbstredend bezahle ich den Wein! Sie trinken wohl sehr gern Schnaps?" Hin und wieder, Herr Baron. Mein Beruf bringt das ach so!" Ihr Beruf, wollten Sie sagen, bringt das so mit sich?" Freilich, ich male jetzt gerade eine Wüstenlandschaft. Um nicht die Malaria zu kriegen, muß' ich dabei alle Augenblicke ein Nordlicht hinter die Binde gießen." Offenbar ein verkommenes Genie," reflektirte von Adlerfeld. Und dieses Subjekt wagt es, die Augen zu Alice zu erheben! Solche rohe Naturbursehen haben bei der heutigen Damen weit auf Taille! fabelhaftes Glück!" , Der Charakter unserer Ur.terredung," begann der Baron, als die beiden bei einer Flasche Ober-Ungar in einer stillen Ecke Platz genommen, erfordert es, daß ich zunächst eine Frage an Sie richte, die unter gewöhnlichen Umständen vielleicht indiskret erscheinen dürfte. Sie haben bereits gewählt?" .Jawohl!" Wen haben Sie gewählt?" Bebel." Nicht doch, ich meine, wen Ihr Herz gewählt hat? Sie schweigen gut. so will ich es Ihnen sagen: Ihre Wahl, Herr Brösel, ist auf Alice Schaller, das Commerzienrathstöchterlein, gefallen, eine Dame, die auch ich liebe." Stimmt, Herr Baron. Prost! Alice soll leben!" Sie werden Ihre Absichten auf Alice aufgeben, Herr Brösel, oder Sie müssen sich als Kavalier mit mir schießen!" Oho, muß ich das? Der Fall steht nicht im Tarif!" Was meinen Sie damit?" Ich meinte nur so. Wenn der Herr Baron aber durchaus schießen wollen, dann schießen Sie mir vielleicht etwas vor." Unter Umständen wäre ich bereit, diesen Wunsch zu erfüllen, wenn Sie nämlich gutwillig auf Alice verzichten wollten. Sind Ihnen zweitausend Mark genug?" Hm, das will ich mir überlegen. Dreitausend Mark sagten Sie? Nein, für dreitausend Mark verzichte ich nicht!" Dann werden Sie sich mit mir schießen, Herr! Drei Gänge, fünf Schritt Distanz!" Drei Gänge auf die geringe Entfernung sind dreimal zwanzig Pfenmg, macht sechzig Pfennig. Hm, da will ich doch lieber die dreitausend Mark annehmen." Schön! Hier ist eine Anweisung auf dreitausend Mark. Sie sind Ihr Eigenthum, wenn Sie diesen Revers unterschreiben: Ich verzichte hiermit ausdrücklich auf jede weitere Annäherung an Fräulein Alice Schaller und erkläre meine Beziehungen zu dieser Dame für gelöst, da ich soeben durch von Herrn Baron von Adlerfeld empfangene dreitausend Mark ein für allemal abgefunden bin!" Sind Sie bereit, den Reperö zu unterschreiben?" Mit Vergnügen, Herr Varon!" So Ort. Datüm. Unterschrist: Wilhelm Brösel. Ich danke Ihnen, derehrtester Herr Brösel!" Triumphirenixschob der Baron das wichtige Dokument in die Tasche und
entfernte sich, um dem Commerzlen rath unter 'Uebersendung des Reverses sofort von der Thatsache des Ver-
zichtes Kenntniß zu geben und den Nebenbuhler m den Augen Alices moralisch zu vernichten. Nicht minder vergnügt trat Brösel mit seiner Anweisung auf dreitausend Mark den Heimweg nach dem Caf6 an, um dem voll Ungeduld seiner harrenden Maler seinen Bericht zu erstatten, der bei den drei Künstlern begreiflicherweise ungeheure Heiterkeit erregte. Wilhelm Brösel? Wer in aller Welt ist denn Wilhelm Brösel?" rief der Commerzienrath. als er am folgenden Tage den Brief des Barons erhielt. Alice, Kmd; weißt Du, wer Wilhelm Brösel ist?" Keine Ahnung, Papa. Einen Herrn dieses Namens kenne ich nicht.7 Der Herr verzichtet hier in diesem Schriftstück ausdrücklich auf Deine Hand, und zwar auf Anregung Deines Verehrers Baron von Adlerfeld. Was soll das heißen? Was ist's mit diesem Brösel? Sprich!" Aber ich versichere Dir, lieber Papa, ich kenne diesen Wilhelm Brösel Nicht!" Hm, das ist ja eine ganz merkwürdige Geschichte.' Ich will doch sofort ermitteln, wer dieser Herr ist." Nach wenigen Stunden kehrte der Commerzienrath mit kirschrothem Gesicht nach Hause zurück. Das ist ja eine Infamie sondergleichen!" rief er, vor Wuth am ganzen Leibe zitternd. Dieser Brösel ist ein Dicnstmann, ein ganz gewöhnlicher Dienstmann! Es gibt in der ganzen'Stadt nur einen Wilhelm Brösel, der Dienstmann ist. Auf. dem Einwohne: - Meldeamt erhielt ich dieselbe Auskunft. Ich will mir doch den Mann mal in der Nähe besehen!" Eine Stunde später stand Brösel vor dem Commerzienrath. Wie können Sie sich erlauben," schnaubte ihn dieser an, auf die Hand meiner Tochter zu verzichten?!" Verzeihen Sie gütigst, Herr Commerzienrath, wenn ich in meiner Bescheidenheit vielleicht zu weit gegangen bin. Ich glaubte eben, weil ich eben nur ein einfacher Dienstmann bin und weil es der Herr Baron von mir verlangte, es wäre so das beste. Wenn Sie es aber durchaus wollen, heirathe ich Ihr Fräulein Tochter ganz gern!" ' Diese Unverschämtheit ist wirklich gottvoll! Also der Baron hat Sie veranlaßt, diesen schriftlichen Verzicht zu schreiben?" Jawohl, er wollte mich sonst todt schießen. Alsa Ihr Schwiegersohn soll ich nicht werken? Dann darf ich wohl wenigstens für den Gang und Zeitverlust eine Mark liquidiren. Danke sehr, lieber Schwie .... wollte sagen. Herr Commerzienrath, Adieu!" , Dieser Baron von . Adlerfeld kommt mir , nie wieder über die Schwelle!" tobte der Commerzienrath weiter. Entweder ist der Herr verrückt, oder er treibt nur seinen Schabernack mit mir. Mein Kind,' meine Alice, Beziehungen zu einem Dienstmann nein, es grenzt an Gehirnerweichung!" Die so plötzlich zu seinen Ungunsten veränderte Stimmung hatte zur Folge, daß Baron von Adlerfeld bei seinem nächsten Besuche das sonst so gastliche Haus des Commerzienrathes unter thatkräftigster Assistenz der Dienerschaft bald wieder verließ. Da die Neigung seiner Tochter Alice für den jungen Maler auch nach Schluß der Kunstausstellung noch vorhielt, willigte der Commerzienrath. dessen Verlangen nach einem noblen Schwiegersohn plötzlich verschwunden war. schließlich in die Verbindung. Brösel aber, der mit Hilfe der so leicht verdienten dreitausend Mark Droschkier erster Klasse wurde, besorgt auch in dieser Stellung noch heute allerhand galante Aufträge mit Handkuß". Gut abgeführt Vor Jahren kam zu Leipzig ein würdiger alter Herr in eine berühmte Weinstube und nahm qanz nach eigenem Belieben Platz. Plötzlich erschienen Wirth und Kellner mit der höflichen Bitte, doch anderswo Platz zu nehmen, denn hier sitzt der Geheime Rath". Ach was, solche Kerle habe ich genug ernannt," erwiderte der alte Herr und blieb sitzen es war der frühere König von Schweden, der sich nach Leipzig zurückgezogen hatte und sich dort Oberst Gustavson" nannte. Am Biertische saß ein schlagfertiger Professor, der freilich nichts -auf Aeußerliches gab, denn sein Aermel zeigte einen bösen Riß. He, Herr Professor," sagte ein vorübergehender Geck, aus dem Loche guckt wohl die Weisheit heraus?" Und die Dummheit schaut hinein!" war die rasche Erwiderung. Vertrauensvoll. Ein Schotte kommt zu einem Anwalt, erzählte Abe Gruber, um seinen Rath in einem schwierigen Kriminalfalle zu erbitten. Haben Sie mir auch den Sachverhalt ganz genau der Wahrheit gemäß geschildert?" fragte der Anwalt. Ja Herr," war die Antwort, ich dacht, es ist am besten, wenn ich Jhnen die Wahrheit erzählte. Die Lügen können Sie schon selber hineinbringen." -
Die Passaaiere des Dam
pfers Angler", der täglich von New ori Fahrten nach den Fishing Banks macht, genossen kürzlich, als das Boot sich etwa zehn Meilen vdn Long Beach befand, das immerhin seltene Schauspiel, in der Entfernung von 60 Fuß einen mächtigen Walfisch, der noch dazu im Blasen" beariffen war. vorüberschwimmen zu sehen. Kapitän Al. Foster schlug die Länge des THZeres auf 75 Fuß an. B-idem durck? seinen Geiz bekannten New Norker Millionär Rufsell Sage sprach unlängst ein Comite von Bamen der Gesellschaft vor mit einer Subskriptionsliste für ein wohlthätiges Unternebmen. auf welcher Morgan, Carnegie, Rockefeller mit je stno rr , c i. " ipivw slgurlrien uno oie uoer eigenes Vermögen verfügende Frau Russell Saae 8100 aezeicknet bat. Obnc Zögern ergriff Sage die Feder und in ver von ihm zurückerstatteten Liste war -die Eintragung der Frau bage umgeändert in Herr und Frau Sage." Durch zu angestrengtes Studium ist Thomas A. Gerety, ein Student der Reckte, in New Brunswick, N. I., wohnhaft, dem Wahnsinn verfallen. In diesem Zustande griff er seinen Vater mit einem Messer an. Der alte Herr vermochte sich kaum durch die Flucht dem Angriffe zu entziehen, worauf er polizeiliche Hilfe herbeiholte. Zwei Polizisten gelang es schließlich, den Rasenden zu bewältigen. Der junge Mensch war. wie geT 1 . Y. r. "!. ' jagi, ourcy zu eifriges moium gcisiesgestört geworden; die Familie hofft aber, daß die Krankheit bei andauernder Ruhe vorübergehen wurde. Der gefährliche Gewaltausbruch machte die Ueberführung des Studenten in ein Sanatorium nothwendig. EineseltsameBittehatte Johann Holländer aus Paterson. N. I., welcher seinem Leben in seiner Wohnung ein Ende machte, hinterlassen. Neben der Leiche fand sich ein Schreiben, in welchem Holländer das Verlangen stellt, daß seine Leiche verbrannt und die Asche der LiederkranzGesellschaft, deren Mitglieder er war, übergeben werde. Ferner soll am 1. Mai 1906 die Asche über das Grab seiner vor 5 Wochen dahingeschiedenen Gattin verstreut werden. Holländer's Bruder wollte dieser Tage dem Verstorbenen einen Besuch machen, fand ihn jedoch in der Wohnung todt auf dem Boden, das Ende eines Gasschlauchsim Munde, während .Gas aus einem zweiten geöffneten Hahn strömte. Der Tod seiner Gattin soll Holländer zu diesem Schritt bewogen haben. Vorungefährsiebe'nzehn Jahren hatte der Polizist La Paille in Louisville das Pech, sich eine Nähnadel inas Bein zu rennen. Die Nadel drang vollständig in das Fleisch ein und konnte von einem Arzte, zu dem La Paille ging, nicht gefunden werden. Seitdem hat er sie wiederholt an verschiedenen Stellen deutlich gespürt und manchmal waren kleine Unannehmlichleiten dabei für ihn verknüpft, doch empfand er 'nie ernstliche Schmerzen. Dieser Tage nahm der Blaurock ein Bad und empfand plötzlich einen merkwürdigen Kitzel an seiner Fußsohle. Er fühlte etwas hartes unter der Haut und war nicht wenig erstaunt, als die Spitze der Nadel durchdrang. Es gelang ihm, dieselbe herauszuziehen oder wenigstens ein Stück von etwa einem Zoll Länge, denn das andere Ende muß abgebrochen sein. Ein Kaiserpokal ist neuerdings wieder hier in Amerika erbeutet worden. Die amerikanischen Ruderer I. I. Mulcahy und W. Barley, Mitglieder des Atlanta Boot - Clubs" in New Fork, errangen ihn in der Regatta auf der Hamburger Alster. Der Pokal wird den Siegern, die dieser Tage auf dem Blücher" eintrafen, nachgeschickt werden, da inzwischen der Protest seitens des Regatta-Comites zu Gunsten der Amerikaner entschieden ist. In dem Tage, da die beiden amerikanischen Champions sich auf dem Blücher" einschifften, erhielt Hr. Mulcahy ein vom 24. Juli datirtes Schreiben des Dr. Oskar Ruperti, Vorsitzer des Hamburger Regatta-Co-mites, daß der Pokal ihnen nachgeschickt werden wird. Leider traf er nicht rechtzeitig genug ein, um die Tafel des zu Ehren der Sieger am 3. August im Astor-Hotel" gegebenen Banketts zu zieren. Einmenschenfreundlich er Arzt war offenbar Dr. Michael K. Warner, welcher dieser Tage in Baltimore starb. Er hat kurz vor seinem Tode seine sämmtlichen Bücher, in welchen die Schulden seiner Patienten an ihn eingetragen waren, zerstört, damit die Nachlaßverwalter seineSchuldner nicht nach seinem Tode belästigen. Viele seiner Patienten waren arme Leute, und Dr. Warner gab alsGrund seiner Handlungsweise an, daß seine ?Zatienten wohl wissen, wie viel sie ihm chuwen, und daß, im Falle sie Geld und Lust und Liebe zum Zahlen besitzen, sie mit seinen Nachlaßverwaltern abrechnen mögen. Die Freunde des Entschlafenen erklären, daß diese edle Handlungsweise genau dem Charakter von Dr. Warner entsprochen habe, welchem nichts eine größere Genugthuung bereitete, als Noth und Elend zu lindern. Dr. Warner, welcher 63 Jahre alt war, diente als Wundarzt in der Bundesarmee und Nlotte... ,
Ein junger Marquis in Paris hatte im,Spiel sein ganzes Vermögen eingebüßt. Kurz vorher jedoch hatte er seiner jungen Köchin ein Lotterieloos geschenkt, und als er eines Tages hörte, daß diese mit einer halben Million herausgekommen sei, entschloß er sich in seiner Vedrängniß kurzerhand, sie zu heirathen. Vom Standesamt zurück, verlangte er von ihr das glückspendende Loos, sank indessen ohnmächtig nieder, als sie ihm gestand, es ihrem früheren Liebhaber, einem Jnfanteriefourier. geschenkt zu haben. Nun hat er die junge Frau ebenso schnell wieder verlassen und die Scheidungsklage eingereicht, mit der er wohl schwerlich durchkommen dürste. Eisenbahnminister von
Budde traf neulich auf der Durchreise zur Theilnahme an der Abnahme der Harzbahn Eisfelder Thalmühle : Stiege in Nordhausen ein und nahm für die Nacht im Hotel Friedrichskrön" Quartier. In diesem saß gerade eine Reihe von Stammgästen in gemüthlicher Runde beim edlen Skat, wobei in die Pinke gespielt wurde. Der Minister, der für das Spiel reges Interesse zu haben schien, näherte sich dem Tisch und unterhielt sich mit den Spielern in jovialster Weise, bis diese schließlich den ihnen unbekannten Gast aufforderten, den vierten Mann" beim Skat zu machen. Herr v. Budde folgte der Aufforderung, nachdem er sich restaurirt hatte, mit liebenswürdigster Bereitwilligkeit, und so nahm das Vierwenzelspiel seinen fröhlichen Fortgang unter allerlei launigen Bemerkungen des hinzugekommenen vierten Mannes", der aber bei der bekannten Skatkunst der Nordhäuser wenig günstig abschnitt und am Schlüsse die Zeche bezahlen mußte. Erst später, als nach Beendigung des Spiels dem Gast das Fremdenbuch vorgelegt wurde, erfuhren die Spieler zu ihrer Ueberraschung, mit wem sie um die Pinke herum' zusammen gesessen hatten. Herr v. Budde aber hat durch seine Betheiligung an diesem alteingewurzelten Pinkeskat bewiesen, daß er wenigstens in Bezug auf den Skat an dem alten Tarif" festhält und hier nicht an die Einführung von Reformen" denkt. Alle Hunger künstle t übertrumpft hat der aus Stolp in Pommern gebürtige Heizer Gustke vom Lloyddampfer Würzburg". Als-' dieser Dampfer, der in der La PlataLinie des Norddeutschen Lloyd beschäftigt wird, am 17. April d. I. in Buenos Ayres eingetroffen war, vermißte man am nächsten Tage an Bord den Heizer Gustke. Da er trotz allen Suchens nicht zu finden war und seine sämmtlichen Effekten sich an Ort und Stelle befanden, wurde angenommen, daß ihm ein Unfall zugestoßen-sei. oder daß der melancholisch veranlagte Mann Selbstmord begangen habe. Eine entsprechende Anzeige wurde, zugleich mit der Anmusterung eines Ersatzmannes. dem Seemanns - Amte erstattet, und etwa acht Tage später ging der Dampfer wieder nach Buenos Ayres in See. Von dort schreibt nun der Kapitän, daß man bei einer großen Kesselreinigung am 2. Juni den Gustke noch lebend unter dem Backbordkessel gefunden, wo er zwei fellos die ganze ?ti hindurch, also 45 Tage lang ohne Nahrung zugebracht hat. Er gebe an, damals (vor dem 13. April) ein Quantum Bleiweiß und Mennige zu sich genommen und sich unter den Kessel gelegt zu haben, um zu sterben, da er immer so müde sei. Die Aerzte haben sich dahin ausgesprochen, daß der Mann nach dem Genusse der Giftstoffe in Starrkrampf gefallen sein müsse. Der Mutter Gustkes war seinerzeit dessen Nachlaß mit der Nachricht von seinem muthmaßlichen Ableben übermittelt worden. JmWestendvonLondon hat eine Wasserkatastrophe auf der Straße auf die merkwürdigste Weise einer Vorstellung ein vorzeitiges Ende bereitet. An der Ecke von Haymarket .und Piccadilly - Circus, mitten im Herzen der Theaterstadt", war, bald naK dem Beginne der Vorstellungen, das Hauptrohr der Hydraulischen Kraftdruck - Gesellschaft" geborsten. Die gewaltige Ueberschwemmung, die sich nun überall hin ergoß und beispielsweise jeden Verkehr im Regentsireet zum Stillstand brachte, bereitete der Vorstellung.im Daly - Theater ein unerwartetes Ende. Der eiserne Vorhang dieses Theaters wird nämlich durch den hydraulischen Druck der obengenannten Wasserwerke aufgezogen gehalten und bewegt. Da nun infolge des Röhrenbruchs dieser Druck plötzlich nachließ, so begann der Vorhang mitten im ersten Akt der Klei nen Michus", die gerade gegeben wurden, langsam über der offenen Scene herabzusiuken. Ein Aufhalten war nicht möglich. Bald deckte er die Scene völlig zu, und die überraschten Schauspieler verschwanden vor den Blicken der ebenso überraschten Zuschauer. Den Vorhang durch Handaufzug wieder aufzuwinden hätte eine Arbeit von zwei Stunden erfordert. Die Vorstellung Dax somit gewaltsam beendigt worden, und es blieb Nichts weiter übrig, als dem Publikum die fatale Sacklaae mitzutheilen, und ihm sein gezahltes Geld zurückzuerstatten. Trotzdem mutzte eme große Zahl der Besucher im Theater gefangen zurückbleiben, bis draußen 'Hilfe in der Wassersnoth gebracht werden konnte.
Für die Köche.
Lammfleisch gebacken auf österreichische Art. Das Brust- oder Rückenstück fcub in gleichmäßige, nicht zu große Stücke zerschnitten, abgehäutet, mit der Messerfläche geklopft, mit Salz bestreut und eine halbe Stunde hingestellt. Dann wendet man sie in Mehl, taucht sie in Wasser, panirt sie in heißem, vollem Schmalz, welches man mit etwas Butter vermischt hat, schön gelb. Gewohnlich giebt man grüne Erbsen oder andere feine Gemüse, sowie auch Salat dazu. Hühner knochensuppe. Der Kopf, Hals, die Beine und das Gerippe, 4 hartgekochte Eigelb werden gestotzen, 1 Zwiebel sein gejcynmen und in 3 Unzen Butter weichgedämpft, das Gessokene mit- einem Stückchen Brot dazu gethan, so viel Fleischbrühe zugegossen, als man nöthig yat, und wenn die Suppe so lange gekocht hat. daß das Brot weich ist, wird sie durch -ein Haarsieb gegossen und mit kleinen in Bouillon gekochten Klößchen und etwas Hühnerfleisch angerichtet. Rhabarber - Flammerie (Pieplant). Eine Portion Rhabarberstengel werden geschält, in Stücke zerschnitten und in Wasser weich gekocht. Hierauf wird das schon r'öthliche Wasser durch ein 'Sieb gegossen, der Rhabarber durchgerührt. V2 Quart dieser Flüssigkeit wird mit etwa Vi Pfund Zucker und einem Stückchen Vanille oder statt dessen einem Packchen Vanillin gesüßt und aufgekocht. Nun rührt man 4 Unzen Kornstärke in ein klein wenig Wasser klar und läßt es unier beständigem Umrühren zum Sieden kommen und 3 Minuten lang durchkochen. Dann schüttet man die Masse in eine mit kaltem Wasser ausgespülte Form, läßt den Flammeri erstarren und servirt ihn mit rohem Rahm, den man sich reichlich se.bst zugießt. Um dieser Speise ein schönes Aeußeres zu verleihen, färbt man die Flüssigkeit mit ein wenig Speiseroth, in guten Drogerien giftfrei zu haben. Gespickter Kalbsrücken. Der Rücken, oder ein Stück davon, wird leicht gewaschen, enthäutet, alle lappigen, sehnigen Theile unterwärts abgeschnitten und der Rücken schön mit recht egal geschnittenen Speckstreifen , gespickt und mit Salz bestreut. In die Pfanne giebt man etwas würflich geschnittenes Nierenfett, eine gelbe Rübe, etwas rohen Schinken, legt den Rücken hinein, übergießt ihn mit braune: Butter, stellt ihn 13 Minuten in den ziemlich heißen Ofen, begießt ihn dabei recht oft, gießt, darauf etwas kochendes Wasser in die Pfanne und laßt den Rücken unter fleißigem Beließen noch eine halbe Stunde braten; m der letzten Viertelstunde gießt man nach und nach V Quart süßen Rahm oder Milch darüber. Beim Anrichten verziert man den Braten mit Brunnen-, kresse, die Sauce wird entfettet, unter Abrühren des Bratensatzes von Rand und Boden der Pfanne, mit etwas Braunmehl oder Kornstärke und einigen Tropfen kalten Wassers verrührt, worauf man sie durchseiht. ' Kartoffel-Schnee. Mehlige Kartoffeln werden schält, gewaschen, mit Wasser und elas Salz zugesetzt und langsam ziemlich weich ge- . kocht; dann gießt man das Wasser ab -und läßt die Partoffeln noch lo lange im Ofen stehen, bis sie in Stücke zerfallen. Man reibt sie nun durch em Drahtsieb in eine gewärmte Schussel, fo daß sie eine ganz leichte, flockige Masse bilden, berührt sie nicht weiter, sondern bringt sie sogleich zu Tisch; als Beigabe zu Braten und allerlei Saucengerichten sind sie vortrefflich. - Gefüllte Kohl blatte r. Em Kohlkopf wird abgebrüht und kaltgestellt; hierauf werden abgekochte Pilze fein gehackt, ebenso Bratenreste. Dann bereitet man aus denselben mit der entsprechenden Menge Butler und saurer Sahne, Salz und etwas Pseffer eine wohlschmeckende Farce, zu der man auch etwas weichgekochten Reis legen kann; diese Füllung wird nun in Kohlblätter gelegt, recht sorgfältig eingewickelt und fest verbunden und dann m Salzwasser abgekocht. Zur Sauce nimmt man saure Sahne, Butter, etwas Mehl und einen kleinenZusatz von den Pilzen. ' . Frauenseite Epigramm von Hühnern. Von jungen, gut gereinigten Hühnern werden die Brüste abgelöst, enthäutet und sauber gespickt. Dann bratet man sie in Butter mit einigen Trüffelstückchen gar und kocht eine recht rothe geräucherte Rindszunge ab. Von der Zunge schneidet manScheiben, die man oben hahnenkammartig auszackt, und richtet dann beides im Kranze an, in dem man immer eine Zungenscheibe und eine Hühnerbrust abwechseln läßt. In die leere Mitte füllt man Tomatenreis oder ein feines Ragout sin und tröpfelt über alles die Bratenjus der. Hühnerbrüste. Oben in die Mitte auf den Reis oder das Ragout legt man noch eine blanchirte, schön gespickte und in steigender Butter gar gebratene KalbSmilch. die gleichsam wie eine Krone oder ein Thurmknopf auf dem Berg aus dick gehaltenem Ragout oder Reis liegen muß. Die Keulen der Hühner werden wie Kotelette, panirt und geben als Hühnerkotelette mit jungen Gemüsen, um einen Berg von Sardellenbutter angerichtet, eine zweite, äußerst schmackhafte und beliebte Schüssel. Aus den Gerippen wird eine gute Suppe gekocht.
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